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Elvis That’s The Way It Is (1970): Der King, Denis Sanders und der perfekte Moment

Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, um Elvis Presley zumindest einmal live zu erleben, dann wären Sommer 1970, Elvis Summer Festival, International Hotel, Las Vegas ganz sicher unter den Koordinaten, die ich in meine spacige Zeitmaschine eingeben würde.

Gibt alles: Elvis Presley live in Las Vegas im Sommer 1970.

Und klar, wer so spektakulär mal eben 50 Jahre hinter sich lässt, wie ich in diesem Fall, landet selbstverständlich auch in der 1. Reihe direkt vor der Bühne  und hat – gekleidet von Kopf bis Fuß im kultigen Seventies-Style (hey, die Gelegenheit verlangt nach höchstem Einsatz!) – den Spaß des Jahrhunderts. Der Spaß geht los mit Tiger Man im Mystery Train und einem Elvis, der im Sommer 70 eines ganz sicher ist: King of the Jungle Was für ein perfekter Moment!

Aber leider ist die Sache mit den Zeitmaschinen seit Doc Morris‘ Zeitreise-Versuchen im Hollywoodstreifen Zurück in die Zukunft bis heute nicht so richtig vorangekommen – milde ausgedrückt. Und statt dank Zeitmaschine von der ersten Reihe aus ein Elvis-Komzert vom Feinsten zu erleben, sitze ich 50 Jahre später zuhause ganz unspektakulär vor einem Bildschirm und schaue mir den Dokumentarfilm Elvis That’s The Way It Is an – das Original von 1970. Wenn schon, denn schon!

Was ich da zu sehen kriege? Elvis natürlich, aber kein komplettes Elvis-Konzert. Schlimm? Schau’n wir mal…

The next best thing

“It’s the nitty gritty time as far as being nervous – opening night”, gesteht ein sichtlich nervöser Elvis eine gute Stunde, bevor er auf die Bühne muss. Es ist der 10. August 1970 und Elvis Presley ist nur noch 60 Minuten entfernt von der Eröffnung seines dritten komplett ausverkauften vierwöchigen Engagements im International Hotel in Las Vegas.

It’s nitty gritty time as far as being nervous – ein nervöser Elvis kurz vor dem Eröffnungskonzert im August 1970.

Ein Jahr zuvor hatte er genau hier nach Jahren der Bühnenabstinenz mit einer ersten Konzertreihe spektakulär sein Comeback als Live-Performer gefeiert. Seitdem regiert der King das Spielermekka mit seinen energiegeladenen Auftritten und gleich einer ganzen Reihe neuer Hits. Und er liebt es: die Show, die Bühne, das Publikum.

Ein Fünfjahresvertrag, der ihm satte 5 Millionen US-Dollar für 10 vierwöchige Engagements von 1970 bis 1974 zusichert, dürfte zur Freude beitragen.

Sattes Sümmchen: 5 Millionen für den King in Las Vegas – Quelle: Elvis Australia.

Aber jetzt – 60 Minuten vor dem großen Auftritt – hat er Lampenfieber, und das nicht zu knapp. Er macht sich Sorgen, dass er den Text zur ersten Strophe von I Just Can’t Help Believin‘ vergessen könnte.

Randvoll mit Energie sitzt er schwitzend im Kreis seiner berühmt-berüchtigten „Memphis Mafia“ – Kumpel aus der guten alten Zeit, persönliche Assistenten und Bodyguards –  um einen kleinen Tisch, auf dem ein Lachsack für Unterhaltung und die dringend benötigte Ablenkung vom bevorstehenden Auftritt sorgt.

Amüsiert sich über sich selbst und sein Lampenfieber – Elvis in Las Vegas eine Stunde vor seinem Auftritt.

Der King lacht laut, amüsiert sich über seine eigene Nervosität, indem er eine kleine komische Einlage zum Besten gibt: Er improvisiert, wie er kurz zuvor hochnervös sein Abendessen verschlungen hat – nämlich im rasanten Rhythmus seines energiegeladenen Showstoppers Polk Salad Annie – praktisch ohne zu schlucken. Elvis – die Rampensau – hat auch jenseits der Bühne hohen Unterhaltungswert.

Polks Salad Annie… Dinner in tempo!

Der Mann aus Memphis kokettiert mit der Kamera – die liebt ihn – und er weiß es. Die Kamera, die diese kleine vielsagende Szene hinter den Kulissen einfängt, gehört zum Team um Drehbuchautor, Filmproduzent und -regisseur Denis Sanders (1929-1987), der im Auftrag der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) vor Ort ist, um während des Elvis Summer Festivals die Dokumentation Elvis That’s The Way It Is zu drehen.

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