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The Death of Elvis – Freundin Ginger Alden erzählt

Am 16. August 1977 verstirbt Elvis Presley in seinem Wohnsitz Graceland in Memphis/Tennessee. Er wird nur 42 Jahre alt. Seine Freundin Ginger Alden, eine 20-jährige Kunststudentin, findet ihn in den frühen Nachmittagsstunden des 16. August in seinem Badezimmer leblos auf dem Boden liegend. Es folgt ihre Version der letzten 24 Stunden des King of Rock ‘n’ Roll – beschrieben in ihrem 2014 veröffentlichten Buch Elvis and Ginger.

Elvis Presley und Ginger Alden im Urlaub auf Hawaii 1977

Der 15. August 1977 ist ein Montag, schwüle 34 Grad warm, wie meistens zu dieser Jahreszeit in Memphis. Am Nachmittag ist es wolkig – es nieselt. Elvis, seine neunjährige Tochter Lisa Marie, Ginger und ihre Nichte Amber vertreiben sich die Zeit, indem sie mit Golf Carts über die Grünflächen Gracelands fahren – ein beliebter Zeitvertreib der Presleys.

Elvis mit einem seiner Golf Carts in Graceland

 

Der Spaß am Golf Cart wurde Lisa Marie Presley – hier mit ihren Eltern – sozusagen in die Wiege gelegt

 

Lisa Marie Presley im Golf Cart mit Freunden

Lisa Marie, die seit der Scheidung der Eltern bei ihrer Mutter Priscilla in Kalifornien lebt, hat die Schulferien bei ihrem Vater verbracht. Heute ist ihr letzter Tag in Memphis – morgen soll sie nach Hause fliegen, denn ihr Vater beginnt seine nächste Tournee mit einem Konzert in Portland/Maine. Ginger möchte ihn begleiten, ihr Bruder und eine ihrer Schwestern sind ebenfalls eingeladen.

Am Abend schauen Elvis und Ginger fern, als sie Krämpfe bekommt – Vorboten ihrer Menstruationsbeschwerden, unter denen sie stark leidet. Ausgerechnet jetzt. Als es nicht besser wird, bittet sie ihren Freund um sein Einverständnis, ein bis zwei Tage später auf die Tournee nachkommen zu können, wenn sich ihre Beschwerden gebessert haben.

Wenig begeistert stimmt Elvis zu, wenn es ihr bis zum nächsten Tag wirklich nicht besser gehen sollte. Er sähe es lieber, wenn sie von Anfang an dabei wäre, denn er hat gerne weibliche Begleitung, wenn er auf Tournee geht.

Ginger und Elvis Presley unterwegs

Später erledigt Elvis einige Telefonanrufe. Der Kinofan möchte sich den neuen Film Mc Arthur – Held des Pazifik (1977)  anschauen und versucht, eine private Kinovorstellung in einem seiner Lieblingskinos in Memphis zu arrangieren. Diesmal leider vergeblich. Dann bemerkt er, dass an einem seiner Zähne ein Stück abgebrochen ist und vereinbart für später am Abend einen Termin bei seinem Zahnarzt Dr. Hoffman.

Gegen 22:30 Uhr verlassen Ginger, Elvis, sein Cousin und enger Vertrauter Billy Smith sowie Weggefährte Charlie Hodge in Elvis’ Stutz Blackhawk Graceland und fahren zu Dr. Hoffmann. Elvis ist guter Laune und scherzt mit dem Zahnarzt, der das Problem mit dem kaputten Zahn behebt. Gegen 00:30 Uhr des 16. August treffen die Vier wieder in zu Hause ein.

Der wahrscheinlich letzte Schnappschuss von Elvis Presley wenige Stunden vor seinem Tod

Gleich im Anschluss hat Elvis eine Besprechung mit einigen Angestellten, die ihn auf Tournee begleiten werden. Ginger schaut derweil nach Lisa Marie und Nichte Amber, die sie nicht im Schlafzimmer im 1. Stock der Villa vorfindet – die beiden Mädchen genießen viel Freiheit im Umfeld des nachtaktiven Hausherrn. Die Mädchen sind wohl im Haus unterwegs.

Kurze Zeit darauf hat Elvis seine Besprechung beendet und schaut ihm Schlafzimmer fern. Das Bett wird auf seine Bitte hin von Hausangestellten gemacht. Währenddessen ziehen er und Ginger sich in Lisa Maries Schafzimmer zurück, das sich in unmittelbarer Nähe des ihres Vaters befindet.

Laut Ginger beginnt Elvis eine Unterhaltung mit ihr darüber, dass er in letzter Zeit viel darüber nachdenke, wieder zu heiraten. Ein Heiratsantrag liegt in der Luft… Den Antrag gibt es so direkt nicht, aber der King beschreibt seiner jungen Freundin, die er erst neun Monate kennt, in allen Einzelheiten, wie er sich die Trauung vorstellt.

Diesmal möchte er in Memphis heiraten – in einer nicht konfessionsgebundenen Kirche und nur in Anwesenheit der engsten Freunde. Kein PR-Zirkus. Offensichtlich hat er schon alles vom Brautkleid bis zur Limousine durchgeplant. Die beiden einigen sich auf Weihnachten als Hochzeitstermin. Die Verlobung möchte Elvis am Ende der nächste Tournee verkünden.

Anschließend hat Elvis eine weitere Besprechung mit einem seiner Angestellten. Worum es dabei geht, erfährt Ginger ebensowenig wie bei der Besprechung zuvor. Es ist inzwischen 4:00 Uhr morgens am 16. August 1977. Elvis beschließt, sich noch mit ein bisschen Squash die Zeit zu vertreiben. Cousin Billy und seine Frau Jo werden angerufen, um Elvis und Ginger in die Squashhalle zu begleiten, die der King sich erst vor kurzem auf seinem Grundstück hat bauen lassen.

So soll der Lounge-Bereich der Squash-Halle 1977 ausgesehen haben

Die Halle ist mit allen Schikanen ausgestattet: Neben Fitnessgeräten, Spa und Umkleidekabinen enthält sie auch eine Lounge mit Jukebox, Klavier und Pinball-Maschinen. Auf dem Dach gibt es eine Joggingbahn. All das sieht Ginger heute zum ersten Mal. Elvis spricht mit ihr darüber, ihr auf dem Dach ein eigenes Studio zum Malen einzurichten. Ginger freut sich riesig. Erst der Quasi-Heiratsantrag und jetzt das.

Die Viererrunde spielt eine Weile Squash, blödelt dann noch ein bisschen rum – bis Elvis sich ans Klavier setzt: Unchained Melody und Blue Eyes Crying In The Rain werden gespielt.

Gegen 6:00 Uhr morgens kehren Ginger und Elvis ins Haus zurück. Sie schauen nach Lisa Marie und Nichte Amber, die inzwischen fest in Lisas Zimmer schlafen. Das Paar duscht – jeder in seinem eigenen Bad – und ziehen ihre Pyjamas an. Inzwischen ist es 6:45 Uhr am frühen Morgen des 16. August 1977.

Elvis leidet seit langem unter chronischer Schlaflosigkeit und bekommt seine Medikamente von seinem Hausarzt und einer Krankenschwester zugeteilt, um Überdosierungen zu vermeiden. Er ruft die Krankenschwester Tish Henley an, die mit ihrem Mann in einem Trailer auf dem Grundstück lebt, um die erste Ration seiner Schlafmedikamente zu erhalten. Sie wird ihm von einem seiner Angestellten, Stiefbruder Ricky Smith, gebracht.

Ginger leidet inzwischen wieder unter heftigen Krämpfen und bringt erneut das Thema auf, lieber ein oder zwei Tage später zur Tournee nachzukommen. Elvis ist diesmal sofort einverstanden und schlägt vor, sie solle sich vorher noch etwas Schickes zum Anziehen kaufen, schließlich wollen sie ja ihre Heiratsabsichten am Ende der Tour offiziell verkünden.

Gegen ihre Krämpfe nimmt Ginger eine Tylenol-Tablette ein. Das Paar geht ins Bett und unterhält sich noch eine Weile über Elvis’ neueste Buchinteressen: A Scientific Search for the Face of Jesus von Frank O Adams über das Tuch von Turin und Betty Bethards Sex and Psychic Energy. Kurz darauf schlafen beide ein.

Elvis mit Ginger 1977

Ginger kann nicht genau sagen, wie lange sie geschlafen hat, als sie halb aufwacht und bemerkt, dass Elvis einen weiteren Anruf tätigt und nach einer zweiten Ration Schlafmittel verlangt. Vor Beginn einer Tournee sind seine Schlafbeschwerden noch stärker ausgeprägt als sonst.

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Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ‘n’ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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That’s Someone You Never Forget: A song for Gladys?

Der 25. April ist ein Datum, das sich Elvis Presley sicher nicht extra im Kalender markieren musste, um es nicht zu vergessen. Denn am 25. April hatte die vielleicht wichtigste Person im Leben des King Geburtstag: → Gladys Love Presley (25.4.1912–14.8.1958).

Über das besondere Verhältnis von Elvis zu seiner früh verstorbenen Mutter ist schon viel geschrieben worden, ein Aspekt blieb dabei bislang allerdings weitgehend außen vor: Inwieweit gibt es Songinterpretationen, die Elvis seiner geliebten Mutter gewidmet hat?

Dieser spannenden Frage geht der englische Journalist und Autor Paul Simpson (→ Buchtipp Elvis Films FAQElvis in Hollywood: Interview mit Paul Simpson) in seinem ersten englischsprachigen Gastbeitrag für The Memphis Flash Elvis Presley Blog nach. Thank you, Paul ;-).


 A song for Gladys by Paul Simpson

Written by his friend Red West, Elvis’s criminally underrated ballad That’s Someone You Never Forget sounds like a haunting ode to his much mourned mother.  In the spring of 1961, Elvis Presley asked his friend Red West: “How about coming up with a song with the title of That’s Someone You Never Forget?”

West sat down at the piano and did just that. He worked out the melody first and then penned lyrics that, as Peter Guralnick noted in Careless Love, the second volume of his Elvis biography, “contained sentiments that under ordinary circumstances would have been assumed to be about an ex-lover, but in this case it wasn’t much of a stretch to imagine that Elvis might be singing of his mother.”

  • Elvis mit seiner Mutter Gladys in Memphis 1956 - Foto: Michael Rose: Elvis Presley A Moment In Time

Red was desperate to succeed as a songwriter – Presley had already mentioned his friend’s ambitions to publisher Freddie Bienstock. Knowing how mercurial Elvis could be, West took the song to Gold Star Recording in Hollywood and made a demo that Presley promised to record.

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Gladys Love Presley

Am 14. August 1958 verstarb Gladys Love Presley (25.4.1912 – 14.8.1958) im Alter von nur 46 Jahren an Herzversagen infolge einer Hepatitiserkrankung: fast auf den Tag genau 19 Jahre vor ihrem berühmten Sohn Elvis.

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Kaum jemand bezweifelt heute, dass Mutter Gladys eine der wichtigsten Personen, wenn nicht die wichtigste Person überhaupt, im Leben Elvis Presleys war. Dennoch wird sie von den meisten seiner Biografen als eine Person geschildert, deren Bedeutung vor allem im großen Verlust durch ihren frühen Tod 1958 und ihrer zwangsläufigen Abwesenheit im Leben des erwachsenen Sohnes liegt. Kurz: Gladys als tragischer Verlust mit fatalen Folgen.

Diese Perspektive ist nachvollziehbar, doch sie greift  zu kurz. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Elvis’ Mutter Gladys – wie überhaupt auf seine Vorfahren mütterlicherseits – zu werfen. Vorhang auf für eine wahrlich illustre Familiengeschichte mit Charakteren, die auf ihre Art einen ähnlich guten Stoff für ein Südstaatenepos abgeben wie die Figuren in Margret Mitchells berühmten Roman Vom Winde verweht. Und so ganz nebenbei gewährt die Familiengeschichte der Mansell-Smith tiefe Einblicke in die Historie der amerikanischen Südstaaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Some of you never been down South too much…

Tony Joe Whites Südstaaten-Song Polk Salad Annie, aus dem diese Textzeile stammt, ab 1970  fester Bestandteil in Elvis Presleys Live-Repertoire, könnte auch gut ein Song über Gladys Smith und ihre Familie sein. Kein Wunder also, dass der King einmal selbst zu Tony Joe White sagte: “Man, I feel like I wrote this song myself”.

Gladys Vorfahren jedenfalls lassen sich auf die Familie der Mansells zurückverfolgen, die sich schon im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten ansiedelten. Der Name Mansell ist eigentlich französicher Herkunft und heißt so viel wie “Mann aus Le Mans”. Im Zuge der normannischen Eroberung kamen die “Männer aus Le Mans” zunächst nach England, wo sie sich mit der dortigen Bevölkerung mischten – im Falle von Elvis Presleys Vorfahren mütterlicherseits vor allem mit Schotten und Iren.

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Irgendwann im 18. Jahrhundert wanderte Gladys’ schottisch-irischer Familienzweig dann nach Amerika aus, wo Richard Mansell aus South Carolina als Soldat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Kriegerisch ging es zunächst auch für seinen Sein Sohn William (1795 – 1842) weiter, der unter dem Oberbefehl Andrew Jacksons, General der Tennessee-Miliz und späterer 7. Präsident der Vereinigten Staaten, an der Vertreibung der Muskogee (Creek)-Indianer und der berühmt-berüchtigten Schlacht am Horseshoe Bend 1814 beteiligt war. Man sieht schon, die Presleyschen Vorfahren haben von Anfang an  Spuren in den amerikanischen Geschichtsbüchern hinterlassen ;-).

Andrew Jackson, der auch als Begründer der Demokratischen Partei gilt, setzte sich vehement für die Vertreibung der amerikanischen Urbevölkerung ein, nachdem Indianer im 2. Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Vereinten Königreich und den Vereinten Staaten von Amerika auf der Seite der Briten gekämpft hatten. In William Mansell hatte er offensichtlich einen treuen Gefolgsmann, denn dieser zog auch noch mit in den Krieg gegen den Stamm der Seminolen, bevor er die Waffe endgültig gegen den Pflug eintauschte und sich 1820 auf einer Farm in Marian County/Alabama niederließ.

Nun könnte man meine, dass William Mansell ein ausgesprochener Indianerhasser war, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall war, denn der Gute suchte sich flugs eine Frau und heiratete eine waschechte Cherokee-Indianerin mit dem schönen Namen Morning White Dove (ca. 1800 – 1835). Das war gar nicht so ungewöhnlich in den Südstaaten, denn längst nicht alle indianischen Ureinwohner befanden sich im Krieg mit den weißen Siedlern – die Cherokees waren teilweise schon früh zum Christentum übergetreten und hatten sich assimiliert. Für einen jungen Farmer war eine Cherokee-Frau, die jahrhundertealtes Wissen um die Geheimnisse der Natur dieses wilden Landes mit in die Ehe brachte, pures Gold wert.

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit 'Indian Chief'

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit ‘Indian Chief’

Und es lief gut für William und Morning White Dove – sie bewirtschafteten erfolgreich ihre Farm und brachten trotz hoher Kindersterblichkeit drei Kinder durch: John, Morning Dizenie und James J. Mansell. Tochter Morning Dizenie konnte ihren sozialen Status verbessern, indem sie den angesehenen Arzt und Großgrundbesitzer Dr. Russell Palmer heiratete.

Im Gegensatz zu ihr war der älteste Sohn John Mansell, der die Farm erbte, ein ganz wilder Zeitgenosse, den die Familie euphemistisch als “wholly wild Injun” (total wilden Indianer) beschrieb. Er war wohl kein besonders guter Farmer, dafür aber ein Womanizer erster Güte, der neben den Kindern, die er mit seiner Frau Betsy und wahrscheinlich auch deren Schwester Rebecca hatte, zudem eine große Menge illegitimer Nachfahren in die Welt setzte, bevor er 1880 die Farm ganz verlor, mit einer weiteren Dame durchbrannte und sich fortan Colonel Lee Mansell nannte. Die Versorgung von Ehefrau, Schwägerin und erklecklicher Nachkommenschaft überließ John einfach seinem ältesten Sohn: White Mansell.

White Mansell heiratete 1870 Martha Tackett aus Tennessee und mauserte sich zum veritablen Clan-Chef, der das Konzept der Großfamilie wirklich lebte. Zu einem Viertel indianischer Abstammung sorgte der Great White Father of the Mansells schon 1880 nicht nur für Frau und vier Kinder (es sollten noch mehr werden), sondern auch für die Großmutter mütterlicherseits, die eigene Mutter, zwei Schwestern und eine Tante sowie die zwei Kinder der Tante. Gleich nebenan lebten außerdem seine beiden Brüder William und George mit ihren Familien. Nachtigall ick hör dir trapsen: Elvis Presley war wohl nicht der Erste in seiner Familie, der die Hütte gerne so richtig voll hatte!

Der Mansell-Clan zog unter dem Kommando des White Chief um 1900 auf die Hussey Farm in Richmond, wo die Familienmitglieder als Baumwollpflücker arbeiteten. Eine der Töchter Whites und Marthas war die schöne, lebenslustige Octavia Luvenia Mansell (1876 – 1935), die von allen nur “Doll” (Puppe) genannt wurde. Die schöne Octavia war fast schon so etwas wie ein “spätes Mädchen” als sie mit 27 Jahren 1903 ihren Cousin Robert (Bob) Smith, Sohn von Whites Schwester Anna Mansell und Milege Obediah Smith, heiratete.

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Und dieses schöne Paar waren Gladys Eltern bzw. Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits. Leider meinte es das Schicksal mit den Smith’ nicht ganz so gut wie noch fast 100 Jahre zuvor mit William Mansell und Morning White Dove. Viel war passiert seitdem. Gelbfieberepedemien hatten die Bevölkerung dahingerafft und was das Gelbfieber nicht vermochte, hatten der Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg besorgt.

Die Smith lebten von der Hand in den Mund, Doll litt unter Tuberkulose – damals in der armen Bevölkerung praktisch unheilbar –  und war die meiste Zeit bettlägrig. Trotzdem bekam sie in knapp 20 Jahren neun Kinder, von denen acht überlebten – ihre Tochter Gladys Love kam als viertes Kind am 25. April 1912 in Pontotoc County, Mississippi zur Welt, wo sich die Smith-Familie unter der Führung von Clan-Chef White Mansells inzwischen niedergelassen hatte.

Die junge Gladys Smith

Die junge Gladys wuchs mit ihren Geschwistern Lillian, Levalle, Retha, Travis, Clettes, John und Tracy in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Alle Kinder schliefen mit den Eltern in einem Raum – die Kinder, bis auf das jeweils jüngste, das im Bett mit den Eltern schlafen durfte, auf dem Boden.

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