Beiträge

The Death of Elvis – Freundin Ginger Alden erzählt

Am 16. August 1977 verstirbt Elvis Presley in seinem Wohnsitz Graceland in Memphis/Tennessee. Er wird nur 42 Jahre alt. Seine Freundin Ginger Alden, eine 20-jährige Kunststudentin, findet ihn in den frühen Nachmittagsstunden des 16. August in seinem Badezimmer leblos auf dem Boden liegend. Es folgt ihre Version der letzten 24 Stunden des King of Rock ’n‘ Roll – beschrieben in ihrem 2014 veröffentlichten Buch Elvis and Ginger.

Elvis Presley und Ginger Alden im Urlaub auf Hawaii 1977

Weiterlesen

Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ’n‘ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

Weiterlesen

That’s Someone You Never Forget: A song for Gladys?

Der 25. April ist ein Datum, das sich Elvis Presley sicher nicht extra im Kalender markieren musste, um es nicht zu vergessen. Denn am 25. April hatte die vielleicht wichtigste Person im Leben des King Geburtstag: → Gladys Love Presley (25.4.1912–14.8.1958).

Über das besondere Verhältnis von Elvis zu seiner früh verstorbenen Mutter ist schon viel geschrieben worden, ein Aspekt blieb dabei bislang allerdings weitgehend außen vor: Inwieweit gibt es Songinterpretationen, die Elvis seiner geliebten Mutter gewidmet hat?

Dieser spannenden Frage geht der englische Journalist und Autor Paul Simpson (→ Buchtipp Elvis Films FAQElvis in Hollywood: Interview mit Paul Simpson) in seinem ersten englischsprachigen Gastbeitrag für The Memphis Flash Elvis Presley Blog nach. Thank you, Paul ;-).


 A song for Gladys by Paul Simpson

Written by his friend Red West, Elvis’s criminally underrated ballad That’s Someone You Never Forget sounds like a haunting ode to his much mourned mother.  In the spring of 1961, Elvis Presley asked his friend Red West: “How about coming up with a song with the title of That’s Someone You Never Forget?”

West sat down at the piano and did just that. He worked out the melody first and then penned lyrics that, as Peter Guralnick noted in Careless Love, the second volume of his Elvis biography, “contained sentiments that under ordinary circumstances would have been assumed to be about an ex-lover, but in this case it wasn’t much of a stretch to imagine that Elvis might be singing of his mother.”

  • Elvis mit seiner Mutter Gladys in Memphis 1956 - Foto: Michael Rose: Elvis Presley A Moment In Time

Red was desperate to succeed as a songwriter – Presley had already mentioned his friend’s ambitions to publisher Freddie Bienstock. Knowing how mercurial Elvis could be, West took the song to Gold Star Recording in Hollywood and made a demo that Presley promised to record.

Weiterlesen

Gladys Love Presley

Am 14. August 1958 verstarb Gladys Love Presley (25.4.1912 – 14.8.1958) im Alter von nur 46 Jahren an Herzversagen infolge einer Hepatitiserkrankung: fast auf den Tag genau 19 Jahre vor ihrem berühmten Sohn Elvis.

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Kaum jemand bezweifelt heute, dass Mutter Gladys eine der wichtigsten Personen, wenn nicht die wichtigste Person überhaupt, im Leben Elvis Presleys war. Dennoch wird sie von den meisten seiner Biografen als eine Person geschildert, deren Bedeutung vor allem im großen Verlust durch ihren frühen Tod 1958 und ihrer zwangsläufigen Abwesenheit im Leben des erwachsenen Sohnes liegt. Kurz: Gladys als tragischer Verlust mit fatalen Folgen.

Diese Perspektive ist nachvollziehbar, doch sie greift  zu kurz. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Elvis‘ Mutter Gladys – wie überhaupt auf seine Vorfahren mütterlicherseits – zu werfen. Vorhang auf für eine wahrlich illustre Familiengeschichte mit Charakteren, die auf ihre Art einen ähnlich guten Stoff für ein Südstaatenepos abgeben wie die Figuren in Margret Mitchells berühmten Roman Vom Winde verweht. Und so ganz nebenbei gewährt die Familiengeschichte der Mansell-Smith tiefe Einblicke in die Historie der amerikanischen Südstaaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Some of you never been down South too much…

Tony Joe Whites Südstaaten-Song Polk Salad Annie, aus dem diese Textzeile stammt, ab 1970  fester Bestandteil in Elvis Presleys Live-Repertoire, könnte auch gut ein Song über Gladys Smith und ihre Familie sein. Kein Wunder also, dass der King einmal selbst zu Tony Joe White sagte: „Man, I feel like I wrote this song myself“.

Gladys Vorfahren jedenfalls lassen sich auf die Familie der Mansells zurückverfolgen, die sich schon im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten ansiedelten. Der Name Mansell ist eigentlich französicher Herkunft und heißt so viel wie „Mann aus Le Mans“. Im Zuge der normannischen Eroberung kamen die „Männer aus Le Mans“ zunächst nach England, wo sie sich mit der dortigen Bevölkerung mischten – im Falle von Elvis Presleys Vorfahren mütterlicherseits vor allem mit Schotten und Iren.

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Irgendwann im 18. Jahrhundert wanderte Gladys‘ schottisch-irischer Familienzweig dann nach Amerika aus, wo Richard Mansell aus South Carolina als Soldat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Kriegerisch ging es zunächst auch für seinen Sein Sohn William (1795 – 1842) weiter, der unter dem Oberbefehl Andrew Jacksons, General der Tennessee-Miliz und späterer 7. Präsident der Vereinigten Staaten, an der Vertreibung der Muskogee (Creek)-Indianer und der berühmt-berüchtigten Schlacht am Horseshoe Bend 1814 beteiligt war. Man sieht schon, die Presleyschen Vorfahren haben von Anfang an  Spuren in den amerikanischen Geschichtsbüchern hinterlassen ;-).

Andrew Jackson, der auch als Begründer der Demokratischen Partei gilt, setzte sich vehement für die Vertreibung der amerikanischen Urbevölkerung ein, nachdem Indianer im 2. Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Vereinten Königreich und den Vereinten Staaten von Amerika auf der Seite der Briten gekämpft hatten. In William Mansell hatte er offensichtlich einen treuen Gefolgsmann, denn dieser zog auch noch mit in den Krieg gegen den Stamm der Seminolen, bevor er die Waffe endgültig gegen den Pflug eintauschte und sich 1820 auf einer Farm in Marian County/Alabama niederließ.

Nun könnte man meine, dass William Mansell ein ausgesprochener Indianerhasser war, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall war, denn der Gute suchte sich flugs eine Frau und heiratete eine waschechte Cherokee-Indianerin mit dem schönen Namen Morning White Dove (ca. 1800 – 1835). Das war gar nicht so ungewöhnlich in den Südstaaten, denn längst nicht alle indianischen Ureinwohner befanden sich im Krieg mit den weißen Siedlern – die Cherokees waren teilweise schon früh zum Christentum übergetreten und hatten sich assimiliert. Für einen jungen Farmer war eine Cherokee-Frau, die jahrhundertealtes Wissen um die Geheimnisse der Natur dieses wilden Landes mit in die Ehe brachte, pures Gold wert.

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit 'Indian Chief'

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit ‚Indian Chief‘

Und es lief gut für William und Morning White Dove – sie bewirtschafteten erfolgreich ihre Farm und brachten trotz hoher Kindersterblichkeit drei Kinder durch: John, Morning Dizenie und James J. Mansell. Tochter Morning Dizenie konnte ihren sozialen Status verbessern, indem sie den angesehenen Arzt und Großgrundbesitzer Dr. Russell Palmer heiratete.

Im Gegensatz zu ihr war der älteste Sohn John Mansell, der die Farm erbte, ein ganz wilder Zeitgenosse, den die Familie euphemistisch als „wholly wild Injun“ (total wilden Indianer) beschrieb. Er war wohl kein besonders guter Farmer, dafür aber ein Womanizer erster Güte, der neben den Kindern, die er mit seiner Frau Betsy und wahrscheinlich auch deren Schwester Rebecca hatte, zudem eine große Menge illegitimer Nachfahren in die Welt setzte, bevor er 1880 die Farm ganz verlor, mit einer weiteren Dame durchbrannte und sich fortan Colonel Lee Mansell nannte. Die Versorgung von Ehefrau, Schwägerin und erklecklicher Nachkommenschaft überließ John einfach seinem ältesten Sohn: White Mansell.

White Mansell heiratete 1870 Martha Tackett aus Tennessee und mauserte sich zum veritablen Clan-Chef, der das Konzept der Großfamilie wirklich lebte. Zu einem Viertel indianischer Abstammung sorgte der Great White Father of the Mansells schon 1880 nicht nur für Frau und vier Kinder (es sollten noch mehr werden), sondern auch für die Großmutter mütterlicherseits, die eigene Mutter, zwei Schwestern und eine Tante sowie die zwei Kinder der Tante. Gleich nebenan lebten außerdem seine beiden Brüder William und George mit ihren Familien. Nachtigall ick hör dir trapsen: Elvis Presley war wohl nicht der Erste in seiner Familie, der die Hütte gerne so richtig voll hatte!

Der Mansell-Clan zog unter dem Kommando des White Chief um 1900 auf die Hussey Farm in Richmond, wo die Familienmitglieder als Baumwollpflücker arbeiteten. Eine der Töchter Whites und Marthas war die schöne, lebenslustige Octavia Luvenia Mansell (1876 – 1935), die von allen nur „Doll“ (Puppe) genannt wurde. Die schöne Octavia war fast schon so etwas wie ein „spätes Mädchen“ als sie mit 27 Jahren 1903 ihren Cousin Robert (Bob) Smith, Sohn von Whites Schwester Anna Mansell und Milege Obediah Smith, heiratete.

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Und dieses schöne Paar waren Gladys Eltern bzw. Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits. Leider meinte es das Schicksal mit den Smith‘ nicht ganz so gut wie noch fast 100 Jahre zuvor mit William Mansell und Morning White Dove. Viel war passiert seitdem. Gelbfieberepedemien hatten die Bevölkerung dahingerafft und was das Gelbfieber nicht vermochte, hatten der Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg besorgt.

Die Smith lebten von der Hand in den Mund, Doll litt unter Tuberkulose – damals in der armen Bevölkerung praktisch unheilbar –  und war die meiste Zeit bettlägrig. Trotzdem bekam sie in knapp 20 Jahren neun Kinder, von denen acht überlebten – ihre Tochter Gladys Love kam als viertes Kind am 25. April 1912 in Pontotoc County, Mississippi zur Welt, wo sich die Smith-Familie unter der Führung von Clan-Chef White Mansells inzwischen niedergelassen hatte.

Die junge Gladys Smith

Die junge Gladys wuchs mit ihren Geschwistern Lillian, Levalle, Retha, Travis, Clettes, John und Tracy in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Alle Kinder schliefen mit den Eltern in einem Raum – die Kinder, bis auf das jeweils jüngste, das im Bett mit den Eltern schlafen durfte, auf dem Boden.

Weiterlesen