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A Star Is Born – der Film, der Elvis Presleys Leben retten sollte

Es ist ganz schön lange her, dass mich ein Film so gelangweilt hat, dass ich mich nur mit Mühe wach halten konnte. Jetzt ist es passiert… und es war KEIN Elvis-Film. Aber es hätte einer sein können. Der Film, um den es geht, ist A Star Is Born – und zwar das Remake von 1976 mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson in den Hauptrollen.

Kris Kristofferson und Barbra Streisand in 'A Star Is Born' (1976)

Kris Kristofferson und Barbra Streisand im Duett in ‚A Star Is Born‘ (1976)

Das Kuriose daran ist, A Star Is Born ist genau der Film, dem nachgesagt wird, er hätte Elvis Presleys Leben retten können, wenn er statt Singer-/Songwriter Kris Kristofferson die Hauptrolle übernommen hätte. Eine Hauptrolle, die dem King 1975 auch tatsächlich von Barbra Streisand und Jon Peters – Co-Produzenten des Films – angeboten wurde. Der Film wäre genau die künstlerische Herausforderung gewesen, die Elvis Presleys selbstzerstörerischen Lebensstil Einhalt geboten und damit vielleicht sein frühes Ableben mit 42 Jahren hätte abwenden können, so wird vielfach argumentiert, u.a. von dem bekannten britischen Journalisten, Filmkenner und bekennenden Elvisfan Paul Simpson: → Elvis in Hollywood.

Darüber hinaus gilt A Star Is Born als die Art von ernsthaftem, künstlerisch wertvollen Film, den Elvis Presley selbst immer gerne machen wollte im Gegensatz zu den → Elvis-Musicals, auf die er fast seine gesamte Karriere hindurch beschränkt blieb, so erzählen es auch ehemalige Angestellte und Freunde wie beispielsweise Jerry Schilling in seinem Buch Me and A Guy Named Elvis (2006). Das klingt eindrucksvoll und macht ordentlich neugierig auf diesen Film. Worum geht es dabei?

Vom Aufstieg und Fall eines Superstars

Die Geschichte, die in A Star Is Born erzählt wird, ist ein Klassiker, der in seiner Ursprungsfassung den Aufstieg und tragischen Fall von Filmstars in Hollywood zum Thema hat. Erstmals verfilmt wurde der dramatische Stoff 1937 mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen als Esther Victoria Blodgett und Norman Maine. Produziert wurde das Ganze von David O. Selznick, der zwei Jahre später auch für die Verfilmung von Gone With The Wind (Vom Winde Verweht, 1939) verantwortlich zeichnete.

In dieser ersten Filmfassung von 1937 träumt Esther Blodgett, ein einfaches Mädchen vom Lande davon, ein großer Star in Hollywood zu werden. Sie macht sich auf den Weg ins „Gelobte Filmland“, kann dort ihren Traum aber zunächst nicht verwirklichen. Als sie auf einer Party kellnert, lernt sie den berühmten Schauspieler Norman Maine kennen, der ihr zu einem Screen-Test und kurz darauf zu ihrer ersten Hauptrolle verhilft. Maines eigene Karriere hat zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt schon überschritten, u.a. weil der Star ein massives Alkoholproblem hat.

Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Esther und Norman, die beiden heiraten. In der Folge blüht und gedeiht Esthers Schauspielkarriere, während Norman nicht mehr so recht Fuß fassen kann. Mit Hilfe von Esther gelingt es Norman, zumindest zeitweise vom Alkohol loszukommen. Doch die Frustration des einstigen Stars über das eigene Karrieretief ist letztlich so groß, dass Norman Selbstmord begeht. Er ertränkt sich im Pazifik. Ganz großes Drama.

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The Memphis Flash 2015

Jetzt ist es schon wieder vorbei, das große Elvis-Jubiläumsjahr 2015. Und es war ein sehr erfolgreiches Jahr für den King, der am 8. Januar 2015 seinen 80. Geburtstag hätte feiern können, wäre er nicht schon 1977  allzu früh verstorben.

Der runde Geburtstag bescherte Elvis Presley gleich am Jahresanfang viel mediale Aufmerksamkeit und katapultierte ihn zum Jahresende mit If I Can Dream: Elvis Presley with the Royal Philharmonic Orchestra in mehreren Ländern an die Spitze der Charts. Ein schöner Abschluss für ein Jahr, das reich an Elvis-Festivitäten aller Art war. Die kann man hier unmöglich alle aufführen.

Elvis lässt als Lucky Jackson in Viva Las Vegas die Sektkorken knallen

Elvis lässt als Lucky Jackson in Viva Las Vegas die Sektkorken knallen

Sehr erfolgreich war 2015 auch für The Memphis Flash – Elvis Presley Blog, der 2016 schon ins fünfte Jahr geht. Ich kann’s manchmal selbst nicht glauben… Dabei freut mich besonders, dass der Relaunch des Blogs mitten im Jubliäumsjahr so gut angenommen wurde. Viele neue Nutzer aus aller Herren Länder haben 2015 ihren Weg zum Memphis Flash gefunden und ihm geradezu phantastische Seitenzugriffszahlen von rund 300.000 beschert. Dafür ein ganz herzliches Danke!

Bevor es jetzt alle Elvis in Viva Las Vegas nachmachen und die Sektkorken knallen lassen, um 2016 standesgemäß zu begrüßen, hier die Top 5 der populärsten Blogbeiträge in 2015, also die, die im Verlauf des Jahres die meisten Seitenaufrufe hatten. Sie stammen aus den Jahren 2013 bis 2015. Ganz unabhängig von der Beliebtheitsskala der Blogbesucher sind meine 5 aktuellen, ganz persönlichen „hidden champions“.

Populärste Blog-Beiträge in 2015

  1. Elvis: Are You… Laughing Tonight
  2. Priscilla Beaulieu Presley: Elvis and Me
  3. Vernon Elvis Presley
  4. Buchtipp Elvis & Ginger von Ginger Alden
  5. TCB: Taking Care of Business in a Flash

Meine ganz persönlichen „hidden champions“

  1. Elviras Sonntag mit Elvis
  2. Spotlight 5. Juli 1954: I just loved music… all type of music!
  3. Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer: Reise in die Vergangenheit
  4. White N.I.G.G.E.R.S and Black A.N.G.E.L.S
  5. Rassismus im Western Flaming Star: Elvis als Pacer Burton

Einen tollen Rutsch ins Jahr 2016 wünscht Euch allen The Memphis Flash! Und schaut auch in 2016 wieder vorbei.

Elvis Presleys ‚If Every Day Was Like Christmas‘ (1966)

Die stimmungsvollsten Weihnachtssongs entstehen in der Vorweihnachtszeit, wenn es draußen knusprig kalt, drinnen dafür mollig warm und gemütlich ist. So könnte man annehmen. Falsch gedacht. Tatsächlich werden sie häufig im heißen Sommer komponiert und auch eingespielt, damit sie rechtzeitig vor dem Fest der Freude ihre Käufer und Hörer finden.

Bei sommerlicher Hitze in Stimmung kommen für Weihnachten? Gar nicht so einfach. Gelungen ist das einem Freund Elvis Presleys aus Schultagen an der Humes High School in Memphis:  Robert Gene „Red“ West (1936-2017). West ist vor allem bekannt als früher Elvis-Wegbegleiter, etwa auf ersten Tourneen durch die amerikanischen Südstaaten, später als handfester „Bodyguard“, der G.I. Elvis auch in Deutschland zur Seite stand, in den 1960ern als Statist in vielen Elvis-Filmen und noch viel später und weitaus weniger rühmlich als maßgeblicher Informant für das 1977 veröffentlichte Enthüllungsbuch Elvis: What Happened. Letzteres besiegelte das Ende der Freundschaft.

Ehemals gute Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Ehemals gute und vor allem musikalische Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Davon mal abgesehen war und ist West nicht nur selbst musikalisch und im Alter erfolgreich als Schauspieler, sondern hat sich schon früh seine Sporen auch als Liedtexter verdient. Gleich 11 Aufnahmen des King stammen aus der Feder seines Ex-Kumpels Red West, die dieser teilweise zusammen mit anderen Komponisten verfasst hat.

Zu den bekannten Titeln gehören etwa der „Scheidungssong“ Separate Ways (1972) und That’s Someone You’ll Never Forget (1961), ein Lied, das Elvis‘ Mutter Gladys Presley gewidmet sein soll.

Aber auch zwei sehr schöne Weihnachtssongs zauberte Red West einst aus seiner Feder, nämlich Holly Leaves And Christmas Trees (1971) und If Every Day Was Like Christmas (1966), um das es hier geht. Wie er die Idee zu letzterem bekam und zunächst nicht erfolgreich damit war, erzählt er u.a. in Ken Sharps überaus lesenwertem Buch Elvis Presley Writing For The King (2006).

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Buchtipp: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll von Peter Guralnick

He did it again! Im November 2015 hat der amerikanische Musikkritiker und Autor Peter Guralnick (*1943 Boston/Massachusetts) erneut eine umfangreiche Biografie veröffentlicht, die das Zeug zum Standardwerk hat. Ihr Titel: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll.

Damit hat Peter Guralnick, bekannt vor allem für seine 1.300 Seiten starke zweibändige Elvis Presley-Biografie – der erste Band erschien 1994 unter dem Originaltitel The Last Train To Memphis: The Rise Of Elvis Presley, der zweite unter Careless Love: The Unmaking of Elvis Presley 1999 – und eine weitere lesenswerte über Soullegende Sam Cooke (Dream Boogie, 2005), jetzt die Biografie veröffentlicht, die ihm am meisten am Herzen liegen dürfte.

Peter Guralnick (links) mit Sam Phillips 1999 - Foto: Familie Phillips

A great story: Sam Phillips (rechts) und sein Biograf Guralnick 1999 – Foto: Phillips

Und wie immer bei Guralnick, der nach einem Universitätsabschluss in Creative Writing (also kreativem Schreiben) in den 1960ern erstmals als Autor von Kurzgeschichten von sich reden machte, ist sie hervorragend geschrieben. Kurz: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll ist kleines literarisches Meisterwerk – „Storytelling“ höchster Güte.

Schon im Vorwort seiner neusten Buchveröffentlichung wird deutlich, dass dies Guralnicks persönlichste Biografie bislang ist. Denn mit Sam Phillips (1923-2003), dem Gründer und manischen Visionär des kleinen, aber feinen Aufnahmestudios Memphis Recording Service sowie des Plattenlabels SUN Records in Memphis, das als Wiege des Rock ’n‘ Roll gilt und in dem vor Elvis Presley, Johnny Cash, Carl Perkins, Jerry Lee Lewis zahlreiche afroamerikanische Musiker wie etwa Howlin Wolf, Ike Turner und Rufus Thomas Musikgeschichte schrieben, verband den Autor eine 25-jährige enge Freundschaft bis zu Phillips‘ Tod 2003. Schon 2000 ist Guralnick als Drehbuchautor für eine TV-Dokumentation über Sam Phillips in Erscheinung getreten, die denselben Titel trägt wie jetzt die Biografie.

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The King’s Speech

Am 16. Januar 1971 macht Elvis Presley etwas für ihn Ungewöhnliches: Er betritt in seiner Heimatstadt Memphis ein Podium, stellt sich an ein Rednerpult und hält vor einer honorigen Versammlung eine selbstverfasste Rede. Bedankt er sich etwa für einen Grammy, die vielen Goldenen Schallplatten und ausverkauften Konzerte? Wurde ja auch mal Zeit…

16. Januar 1971: Elvis Presley hält eine Rede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jaycee Award

16. Januar 1971: Elvis Presley bedankt sich für die Auszeichnung mit dem Jaycee Award

Aber nein, er hält  eine Rede, weil er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 ausgezeichnet wurde. Der sog. Jaycee-Award wird von einer hochkarätigen Jury, zu der 1970 auch der amerikanische Ex-Präsident Lyndon B. Johnson zählt, an herausragende Persönlichkeiten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren verliehen, die „die besten Eigenschaften ihrer Generation verkörpern und damit einen Fortschritt für eine bessere Welt bewirken“. Dabei müssen sich die Kandidaten durch besondere Leistungen in ihrem jeweiligen Betätigungsfeld sowie ihr humanitäres Engagement auszeichnen.

Die Gemeinschaft der Jaycees vertritt die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Aus Sicht der Jaycees werden Veränderungen eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Zu den Jaycee-Preisträgern des Jahres 1970, die am 16. Januar 1971 in Memphis geehrt werden, zählen neben Elvis u.a. der afroamerikanische Jurist und Bürgerrechtler Thomas Atkins, Biophysiker Mario R. Capecchi, späterer Nobelpreisträger für Medizin, und Paul W. Bucha, Experte für den Nahen Osten und Barack Obamas Berater für Außenpolitik. Die frischgebackenen Jaycees erhalten eine Skulptur mit zwei sich berührenden Händen.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King mit ihren symbolträchtigen Awards in der Hand: zwei Hände, die sich berühren

Zwei Hände, die sich berühren: Jaycee-Preisträger Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, mit Elvis Presley 1971

Der Jaycee-Award ist also eine sehr hohe Auszeichnung und Elvis Presley ist 1970 der einzige Preisträger aus dem Entertainment. Vorgeschlagen für den Award – und man muss vorgeschlagen werden – wurde Elvis von dem demokratischen Politiker, Sheriff und späteren Bürgermeister des Bezirks Shelby County, William N. („Bill“) Morris. Morris, ein Freund Elvis Presleys, war nach der Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 in Memphis maßgeblich an der Festnahme des Attentäters James Earl Ray beteiligt.

„I was a dreamer“: Der 16. Januar 1971 und eine Rede, die es in sich hat

Was die Verleihung des Jaycee-Awards an Elvis Presley besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die einzige bekannte Preisverleihung ist, zu der der King nicht nur persönlich erscheint – selbst den Grammy für sein Lebenswerk ließ der Mann sich einfach zwischen zwei Konzerten in Las Vegas „vorbeibringen“ (→ Elvis und die Grammys), sondern für die er selbst am Abend vor der Preisverleihung eine kurze, dabei erstaunlich poetische Rede verfasst. Als der King seine Rede am 16. Januar 1971 als letzter Preisträger frei am Rednerpult hält, braucht er dazu weniger als 1 Minute – noch nicht einmal die Länge eines Songs.

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Elvis Presleys Hound Dog

Es kommt gar nicht so selten vor, dass die Cover-Version eines Songs bekannter ist als das Original. Selten ist das jedoch so offensichtlich wie im Fall von Elvis Presleys Monster-Hit Hound Dog (1956), den die Komponisten Jerry Leiber und Mike Stoller nicht etwa – wie später andere Hits – dem King auf den Leib schneiderten, sondern 1952 der R&B-Sängerin Willie Mae Thornton.

Elvis‘ Version aus dem Jahr 1956 ist diejenige, die 1988 in die NARAS Hall of Fame für Aufnahmen von dauerhaft hoher Qualität und historischer Bedeutung aufgenommen und 2010 vom Musikmagazin Rolling Stone zum wiederholten Mal unter die Top 20 der 500 besten Songs aller Zeiten gewählt wurde. Willie Maes Original hingegen, das immerhin auch sieben Wochen lang Billboards R&B-Charts toppte, ist heute nur noch Eingeweihten ein Begriff. Das ist richtig schade. Nicht nur, weil Willie Maes Version hörenswert und die Geschichte, wie es überhaupt zu dem Song kam, lesenswert ist, sondern weil man Elvis Presleys Hound Dog ohne das Original, andere Cover-Versionen und Parodien nicht wirklich versteht.

Als ziemlich sicher gilt heute, dass Elvis mit Willie Maes R&B-Hit schon vertraut war, bevor er 1954 seine eigene professionelle Karriere startete. Zu einer eigenen Version verarbeitete er Hound Dog jedoch erst, nachdem er 1956 live die Cover-Version von Freddie Bell and The Bellboys in Las Vegas sah. Auch hatte Elvis zunächst gar nicht vor, eine Studioversion von Hound Dog einzusingen – Hound Dog war als reine Live-Performance, als „komische Nummer“ bei seinen Konzerten gedacht, wie  Scotty Moore, Elvis‘ Gitarrist der ersten Stunde, Jahre später erzählte.

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York - Foto: Alfred Wertheimer

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York – Foto: Alfred Wertheimer

Eine Studioversion wurde erst am 2. Juli 1956 in New Yorker Aufnahmestudio von RCA in Angriff genommen, nachdem Elvis Presley mit seiner Windhund-Performance am 5. Juni 1956 in der beliebten Milton Berle Show das amerikanische Fernsehpublikum quasi aus den Angeln gehoben hatte.

Wieso aber dieser Umweg? Die Antwort könnte in dem dritten Vorläufer-Song, der für Elvis‘ Hound Dog eine entscheidende Rolle spielt, liegen: Rufus‘ Thomas Bear Cat (1953). Dabei handelt es sich um einen in der R&B-Szene populären „Answer Song“, sozusagen die männliche Antwort auf Willie Maes 1953 bei Peacock Records veröffentlichtem Hound Dog (→ Hound Dog vor Elvis). Anders ausgedrückt: In Bear Cat gibt Rufus den Mann, der in Hound Dog als nichtsnutziger Lover dargestellt wird, und antwortet auf die Anschuldigungen, indem er seine Sicht der Dinge darlegt. Dabei zieht er Willie Maes Version nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao und dreht die sexuellen Anspielungen von „Hund auf Katze“. Heraus kommt ein witziges imaginäres „Gesangsduell“ zwischen Rufus Thomas und Willie Mae Thornton.

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Elvis Presleys Grammy-Nominierungen 1959 – 2012

Der Grammy gilt immer noch als eine der, wenn nicht die höchste internationale Auszeichnung, die ein Musiker bekommen kann. Als Preis ist er vergleichbar mit dem Oscar in der Filmindustrie. Seit 1959 werden die Grammys in Form einer Grammophonskulptur jährlich von der amerikanischen National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) verliehen – in mittlerweile an die 100 verschiedenen Kategorien.

Das Ganze passiert im Rahmen einer mit viel Pomp und Medienrummel betriebenen Festveranstaltung, die selbstverständlich auch im Fernsehen übertragen wird. Am 15. Februar 2016 wird der Grammy Award in die 58. Runde gehen.

Der Grammy: immer noch begehrt

Jetzt könnte man wie selbstverständlich annehmen, dass Elvis Presley, der als einer der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts gilt, schon zu Lebezeiten eine stattliche Anzahl von Grammys einheimste. Falsch gedacht! Zwischen 1959 und 1977/8 glänzte der King zwar mit 14 Nominierungen, erhielt aber nur 3-mal den Zuschlag für seine Gospelinterpretationen.

Und es kommt noch besser: Keine einzige Nominierung erfolgte für eine seiner bahnbrechenden frühen Aufnahmen bei SUN oder später RCA. Kann auch gar nicht sein, da die ersten Grammy-Nominierungen Ende 1958 von der NARAS verkündet wurden und da befand sich der King längst als G.I. der US-Armee auf Manöver im kalten Nachkriegsdeutschland. So ein Pech! Lässt sich also das Fehlen von Grammys für die super erfolgreichen und Musikgeschichte schreibenden Singles und Alben der Jahre 1956/57 noch nachvollziehbar erklären, sieht das für die Jahre ab 1958 komplett anders aus. Weiterlesen

Der doppelte Elvis

Wie kann man einem ohnehin schon erfolgreichen Konzept wie dem Elvis-Musical noch die Krone aufsetzen? Schließlich lebt ein Starvehikel – wie Filmdozentin Susan Doll von Turner Classic Movies nachvollziehbar argumentiert – in erster Linie von der Person des Stars, und die ist nun mal einzigartig. Eine ebenso einfache wie geniale Antwort auf diese Frage haben in den frühren 1960ern die → Macher von Viva Las Vegas  gefunden: die Doppelung des Stars.

Viva Las Vegas: Elvis hoch 2 in Action

Der doppelte Elvis: Ann-Margret Olsson und Elvis Presley geben alles in Viva Las Vegas

Anders ausgedrückt: Im Pop Art Klassiker Viva Las Vegas (1964) trifft der King auf sein weibliches Pendant: die ebenso talentierte wie schöne Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Ann-Margret Olsson. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten für Viva Las Vegas, die vom 15. Juli bis 16. September 1963 im US-Bundesstaat Nevada und auf dem MGM-Studiogelände in Hollywood stattfinden, gilt die 22-jährige gebürtige Schwedin (*1941 in Valsjöbyn) bereits als weiblicher Elvis.

Das hat wesentlich mit ihrer Hauptrolle als Kim McAfee in der Verfilmung des Broadway-Musicals Bye Bye Birdie (1963) zu tun, in dem es um einen amerikanischen Sänger und Teenieschwarm geht, der zum Militär eingezogen wird. Kurz: Das Drehbuch – ebenfalls verfilmt unter der Regie von Viva Las Vegas-Regisseur George Sidney – ist deutlich an die Biografie Elvis Presleys angelehnt. Für die Rolle der Kim fuhr Ann-Margret 1964 u.a. eine Golden Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin ein.

Doch das ist längst noch nicht der einzige Elvis-Bezug, denn Ann-Margret bringt 1961 ihr Debütalbum And here she is: Ann-Margret ausgerechnet bei Elvis‘ Plattenfirma RCA raus. 1962 versucht sie sich zudem an einem → Cover von Elvis Megahit Heartbreak Hotel (1956).

Die Idee der Hollywoodindustrie, dem King in Viva Las Vegas ausgerechnet sexy Ann-Margret, bekannt für ihre heißen Tanzeinlagen, als weiblichen Elvis an die Seite zu stellen und damit sozusagen einen doppelten Elvis zu schaffen, ist also naheliegend.

Aber ob die Filmverantwortlichen, die sich dieses clevere Konzept ausdenken, auch ahnen, was die gelungene Zusammenführung für die beiden Hauptdarsteller privat bedeutet? Wohl eher nicht.

Zwischen Elvis Presley und Ann-Margret entwickelt sich während der Dreharbeiten zu Viva Las Vegas eine intensive Liebesbeziehung, die viel mehr ist als nur eine heiße Affäre und – nach Aussage der schönen Schwedin in ihrer Autobiografie Ann-Margret My Story (1994) – etwa ein Jahr lang dauert.

Nach dem Ende der Beziehung bleiben Freundschaft und gegenseitige Faszination, obwohl beide Stars – anders als vom Hollywooddrehbuch vorgesehen – 1967 fast zeitgleich andere Partner heiraten: Elvis seine langjährige Freundin Priscilla Beaulieu, Ann-Margret ihren Manager Roger Smith.

Doch es ist Ann-Margret, die in ihrer lesenswerten Autobiografie dokumentiert, dass sie Elvis Presley – und zwar nicht den Superstar, sondern die Privatperson – wahrscheinlich besser versteht als die meisten anderen Menschen seines persönlichen Umfelds.

Der Grund dafür ist einfach: Elvis und Ann – der doppelte Elvis – sind sich im wirklichen Leben tatsächlich unglaublich ähnlich. Das hätte sich so kein Drehbuchautor ausdenken können. „We were indeed soul mates, shy outside, but unbridled within“ , beschreibt es Ann-Margret in ihrer Autobiografie.

Der doppelte Elvis: Der King trifft seine Queen

Dabei verläuft die erste Begegnung der 22-jährigen Schwedin mit dem 28-jährigen King of Rock ’n‘ Roll Anfang Juli 1963 eher unspektakulär. Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Filmstudios arrangiert ein Treffen, bei dem einige Pressefotos gemacht werden. Regisseur George Sidney, dem nachgesagt wird, selbst ein Auge auf die rothaarige Schwedin geworfen zu haben, stellt seine beiden Hauptdarsteller einander vor.

Ann-Margret und Elvis beäugen sich erst einmal vorsichtig, beide sind – trotz ihres lebhaften öffentlichen Images – sehr zurückhaltend, fast schüchtern, insgesamt sehr vorsichtig, was persönliche Beziehungen angeht. Genau das schafft sofort eine Verbindung, die Chemie zwischen den beiden stimmt von Anfang an. Ann-Margret schreibt über die erste Begegnung in Ann-Margret My Story:

“It also allowed me to catch a glimpse of Elvis’ famous smile, set off to the left, slightly crooked, very warm and nice. In a few month, the posters advertising Viva Las Vegas would tout us as ‘that Go-Go guy and that Bye-bye gal’ but that day we looked rather straitlaced. […] We were both very conservative, very correct. Little did we know we both shared a devil within. […] We left with a good sense of each other. I realized Elvis was as shy and ill-at-ease meeting new people as I was. Later, he told me that he, too, thought that he detected a kindred soul in me. He sensed something was there, some kind of chemistry. But neither of us was the type who would’ve risked our sensitive egos with any remark that showed inner feeilings. We were very quiet, polite, and careful. But I knew what was going to happen once we got to know each other. Elvis did, too. We both felt a current, an electricity that went straight through us. It would become a force we couldn’t control”

Zitat: Ann-Margret My Story, S. 108/109

Nur wenige Tage später treffen Ann-Margret und Elvis bei Radio Recorders in Hollywood erneut aufeinander. Der Soundtrack zum Film wird dort vor Drehbeginn eingespielt und am 11. Juli 1963 stehen drei Duette für den „Go Go guy und das Bye Bye gal“ auf dem Programm: The Lady Loves Me, Today Tomorrow and Forever und You’re The Boss. Ann-Margret wird später sagen, es war genau dieser Tag, an dem sie beide realisierten, dass es etwas Ernstes zwischen ihnen werden würde – das verbindende Element ist ihre Leidenschaft für Musik:

“That day, we discovered two things about each other. Once the music started, neither of us could stand still. Also, we experienced music in the same visceral way. Music ignited a fiery pent-up passion inside Elvis and inside me. It was an odd, embarrassing, funny, inspiring, and wonderful sensation. We looked at each other move and saw virtual mirror images. When Elvis thrust his pelvis, mine slammed forward too. When his shoulders dropped, I was down there with him. When he whirled, I was already on my heel.”

Zitat: Ann-Margret My Story, S. 110

Die Funken sprühen nur so an diesem 11. Juli 1963 – und das ist unverkennbar in der Aufnahme der Leiber und Stoller-Komposition You’re The Boss, die leider nicht im Film zu sehen ist – sie wird erst Jahrzehnte später veröffentlicht:

Der doppelte Elvis: zwei Seiten einer Medaille

Als die Dreharbeiten mit den Außenaufnahmen in Las Vegas beginnen, nimmt die Beziehung schnell an Fahrt auf. Elvis nimmt die Eroberung in Angriff, nachdem er sich rückversichert hat, dass Ann-Margret nicht in einer festen Beziehung lebt. Er selbst ist es zwar alles andere als single – Priscilla Beaulieu, die er 1959 in Deutschland kennengelernt hat, ist erst erst kurz zuvor im Frühjahr 1963 bei ihm in Memphis eingezogen, wartet dort sehnsüchtig und ob seines schönen neuen Costars hochgradig eifersüchtig auf ihn –, aber das zählt jetzt nicht wirklich.

Denn Elvis Presley ist bis über beide Ohren verknallt in die rothaarige Ann, die nicht nur eine beeindruckende Entertainerin ist, sondern auch viele seiner privaten Interessen teilt. So ist die lebhafte Schwedin etwa eine begeisterte Bikerin. Doch am wichtigsten ist wohl, dass sie Eigenschaften verbindet, auf die der King nun mal steht: Sie ist sehr gutaussehend, vom Typ her ausgesprochen weiblich und trotzdem ein Kumpeltyp mit dem man Pferde stehlen kann. Ann ist gerne ganz Frau und möchte einen Partner an ihrer Seite, der die Rolle des starken Mannes und Beschützers übernimmt – das passt. In ihrer Autobiografie schreibt Ann-Margret:

„We were so alike, so compatible. Elvis didn’t like strong, aggressive women and I posed no threat there. He, on the other hand, was strong, gentle, exciting, and protective. Just the qualities I liked. In terms of our careers, there was no conflict, only respect.“

Zitat: Ann-Margret My Story, S. 110

Dabei ist gerade der Punkt mit der Karriere der Frau an seiner Seite etwas, was Elvis Presley eigentlich rundheraus ablehnt. Der King ist fest überzeugt, dass Showbusiness-Beziehungen auf Dauer einfach nicht funktionieren, es gibt zu viele abschreckende Beispiele, die das belegen. Und da er nun mal die Karriere hat, heißt das für die Frau an seiner Seite vor allem, ihm zu Hause den Rücken frei zu halten. Keep the home fires burning, ist einer seiner Lieblingssprüche. Ann-Margret stellt dieses Prinzip auf den Kopf.

Auch ist Ann-Margret einige der wenigen Frauen, die sehr gut mit der Männerwirtschaft um Elvis Presley – der berühmt-berüchtigten Memphis Mafia – klarkommt. Man könnte auch sagen, der ganze Presley-Haushalt ist in die Dame aus Schweden verknallt und sie weiß es mit Humor zu nehmen. Personen, die Elvis und Ann-Margret zusammen erleben, sind sich einig: Das harmoniert EXTREM. Beide sind charismatische Persönlichkeiten, die strahlen – ein Star im Doppel.

  • Zärtliche Gesten: Der King und seine Queen in einer Drehpause zu Viva Las Vegas 1963

Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille, was sich nicht nur bei privaten improvisierten Entertainmenteinlagen, sondern auch bei den Tanzsenen für den Film Viva Las Vegas zeigt, wie Ann-Margret erzählt. Für Choreograph David Winters gibt es hier nicht viel zu tun, da der doppelte Elvis die Szenen fast komplett improvisiert. Und dabei ist das Doppel vor allem eins: wild.

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Revisited: Alfred Wertheimers letzte Reise

Ziemlich genau 1 Jahr ist das jetzt her: Meine Reise mit Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer in seine jüdische Vergangenheit nach Coburg. Als kleiner Junge ist Alfred Wertheimer mit Eltern und Bruder nur knapp der Ermordung durch die Nationalsozialisten entkommen. Die Familie konnte 1936 noch rechtzeitig in die USA emigrieren.

Alfred Wertheimer vor dem Familengrab auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Alfred Wertheimer im August 2014 vor dem Grab seiner Familie auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Zwei Monate nach seinem letzten Deutschlandbesuch ist Alfred Wertheimer (1929-2014) in seiner Wahlheimat New York verstorben. Dass eines seiner berühmten Fotos von Elvis Presley aus dem Jahr 1956 aktuell in der Coca Cola-Werbung weltweit für Furore sorgt, hat er also nicht mehr erlebt. Es hätte ihn sicher sehr gefreut.

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Fever: Elvis im Duett mit Michael Bublé

Elvis Presley wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Und fast scheint es, als würde er seinen runden Geburtstag auch tatsächlich ganz groß feiern. Zumindest lassen die vielen Veranstaltungen, die rund um seinen Geburtstag im Januar und seinen Todestag im August weltweit zu seinen Ehren stattgefunden haben oder noch stattfinden, diesen Schluss zu.

Man bekommt den Eindruck, als sei Elvis Presley – am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren in Memphis/Tennessee verstorben – nie lebendiger gewesen als heute. Verfügbarer ist er in jedem Fall: Sein Image hat sich dank Social Media und einer traditionell sehr Community-freudigen Fangemeinde endgültig bis in den letzten Winkel dieses Erdballs verbreitet. „The King is dead – long live the King“ , schallt es aus allen Ecken!

Die Illusion, dass Elvis Presley irgendwo backstage auf seinen nächsten Auftritt wartet, ist fast perfekt. Bald wird er als Hologramm auf Tournee gehen – die technischen Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren. Das Einzige, was wirklich fehlt, sind neue Aufnahmen des King, ein lukrativer Absatzmarkt dafür ist zweifellos vorhanden.

Aus naheliegenden Gründen kann Mr. Presley dem aber nicht nachkommen, was zu immer neuen, teilweise auch ganz schön kuriosen Ideen seiner Nachlassverwalter und Plattenlabel Sony führt, wie man alte Aufnahmen des Memphis Flash „veredeln“ kann. Eine davon ist die beliebte Variante, ihn mit einem anderen Gesangsstar im Duett singen zu lassen.

Wir erinnern uns an die erfolgreiche Scheibe Elvis Presley Christmas Duets (2008), an das weniger erfolgreiche Love Me Tender-Duett mit Barbra Streisand (2014), das Hologramm-Duett mit der teilweise irgendwie irritiert aus der Wäsche schauenden Celine Dion bei If I Can Dream (2007) …

… und das erste der niedlichen „Familien-Duelle“ mit Elvis-Töchterchen Lisa Marie (1997), das mit Don’t Cry Daddy gehörig auf die Tränendrüse drückt.

Was alle Duette gemeinsam haben, ist, dass Elvis einen weiblichen Gesangspartner hat. Passt! Nun aber hat man sich was Neues ausgedacht. Im Herbst 2015 geht – wie Billboard jüngst verkündete – eine neue CD unter dem Titel If I Can Dream: Elvis Presley with The Royal Philharmonic Orchestra an den Start. Das finde ich ganz spannend, zumal es um Neuinterpretationen von Elvis-Hits geht, die unterschiedlich angegangen werden. Einige verwenden Elvis-Originalaufnahmen aus den Jahren 1956 bis 1973, bei anderen sind zeitgenössische Künstler zu hören. So weit, so gut.

Genau auf dieser Scheibe enthalten ist auch ein Elvis-Duett mit dem beliebten kanadischen Schmusesänger Michael Bublé. Dass Bublé sich an Elvis macht, ist nicht weiter erstaunlich, das tut er dauernd und er macht es – vor allem bei den Balladen – oft auch richtig gut, wie hier bei den Klassikern…

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Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ’n‘ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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