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Elvis Presley oder die Einladung

Elvis Presley ist nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine große internationale Fangemeinde bekannt. Gut 60 Jahre nachdem der King erstmals via Radio, Platte und  Kinoleinwand für Furore sorgte, umfasst seine Fangemeinde mittlerweile mehrere Generationen. Und die sind treu wie Gold. Sie sorgen dafür, dass ihr 1977 verstorbener Lieblingssänger es bis heute regelmäßig  in die Musikcharts schafft, als Musical erfolgreich ist, zu seinen Ehren veranstaltete Festivals füllt, als Leinwandprojektion mit seinen ehemaligen Musikern auf Tournee geht u.v.m.

Vor dem Hotel Grunewald - noch schnell ein paar Impressionen für die Erinnerungen

Fans auf dem European Elvis Festival im hessischen Bad Nauheim, wo der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 als G.I. lebte

Selbst in unserem schnelllebigen Medienzeitalter sind Elvis-Fans immer noch für eine (meistens humorvolle) Schlagzeile gut, vor allem wenn sie sich in ihrer Freizeit gerne in zu enge Jumpsuits und schwarze Perücken mit riesigen Koteletten schmeißen, trotz gering ausgeprägter Gesangsfähigkeiten kein Publikum scheuen oder sonstwie durch bizarres Verhalten auffallen. Der eigentlich Witz an der Sache: Diese Fans sind eine, wenn auch vielbeachtete, Minderheit.

Das Gros der Elvis-Fans stellen die unauffälligen Ottonormalverbraucher. Die geben wenig her für eine Schlagzeile. Dafür kommen sie in allen Formen und Größen, im Alter zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Siebzig (oha!), etwa gleich viel Männer wie Frauen, viele unterschiedliche Nationalitäten, die meisten wohl am ehesten aus der Mitte ihrer Gesellschaft. Um es mit Elvis zu sagen: Just all kinds of people.

Aber wie wird man eigentlich zum Elvis-Fan? Was so simpel scheint, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Elvis-Fans finden das in der Regel auch nicht wichtig. Man ist es oder man ist es eben nicht. Eine größere Rolle spielt dann schon, wie lange man Fan ist. Begegnet man sich unter Fans zum ersten Mal, dann ist das eine Information, die bei der Vorstellung ungefragt sofort mitgeliefert wird. Je länger, desto besser, logisch!

Und noch eine Sache haben Elvis-Fans gemeinsam, sie können sich meist sehr gut an den einen Moment erinnern, der sie zum Fan machte, und Elvis zum Soundtrack ihres Lebens. Das gilt auch dann, wenn sie sich selbst nicht als Fan bezeichnen würden. Dabei ist der Moment jedes Mal ein anderer, aber immer hat er eine bleibende Bedeutung für die jeweilige Person.

Es ist der Moment, den Filmhistoriker und Elvis-Aficionado Björn Eckerl „die Einladung“ nennt, dieser eine Augenblick, in dem der Star über Zeit und Raum hinweg dem Fan das ultimative Versprechen gibt: Folge mir und ich bin für dich, was immer du von mir erwartest, ich mache mich zu deiner persönlichen Projektionsfläche.

Elvis Presley lädt ein

Projektionsfläche Elvis – Ed Sullivan Show 1956

Die Einladung – und natürlich das Annehmen der Einladung – setzt den Startschuss für den Beginn einer ziemlich eigenartigen Fernbeziehung, die von der Distanz lebt, obwohl sie große Nähe suggeriert. Hier ist die ganz persönliche Geschichte meiner Einladung.

Ready Teddy und die Einladung

Es ist der 17. August 1977, ich habe Sommerferien und ich sitze vor dem Fernseher. Nachrichten interessieren mich eigentlich nicht besonders, aber diesmal hat die Tagesschau meine volle Aufmerksamkeit. Jemand ist gestorben, so ein Typ mit einem komischen Namen, den ich schon mal gehört habe, aber nicht zuordnen kann. Irgendwo in den USA ist das, also dort, wo mit Sicherheit mehr los ist als in der hessischen Kleinstadt, in der ich zur Schule gehe und mich gerade extrem langweile.

Was mich sofort in den Bann zieht, ist eine Gruppe von Trauernden, die in dem Einspieler der Tagesschau gezeigt wird. Die Trauernden sind so offen emotional, so völlig aus dem Häuschen, dass ich neugierig werde. Der Typ muss wirklich von staatstragender Wichtigkeit sein, wenn er es bis in die Tagesschau um Acht schafft, einfach indem er stirbt und diese ungehemmten Trauerbekundungen auslöst.

Richtig verblüfft bin ich dann, als die weitere Berichterstattung enthüllt, dass es sich bei dem Verstorbenen nicht etwa um einen amerikanischen Politiker, so eine Art Reinkarnation von John F. Kennedy, handelt, dem amerikanischen Lieblingspräsidenten von so ziemlich jedem, den ich kenne, sondern um einen Sänger. Hm.

Es kommt noch besser: Die Tagesschau zeigt eine Frequenz aus einem Auftritt des „Idols der Rockmusik und der sogenannten Popkultur“, wie der Typ mit der Trauergemeinde jetzt vom Nachrichtenmoderator genannt wird.

In dem Filmmaterial von annodunnemals – 1977 war Schwarz-Weiß noch nicht Kult, es war einfach nur alt – wird ein Auftritt des Typen gezeigt, den ich sofort sympathisch, weil witzig und voller Leben finde. Es ist Elvis Presleys Performance von Ready Teddy in der Ed Sullivan Show vom 9. September 1956. Das weiß ich aber nicht… und selbst wenn, ich könnte damit zu diesem Zeitpunkt gar nichts anfangen.

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Elvis in der Herrnmühle (1959)

Hier stehe ich also und kann es kaum glauben. Nur einen Steinwurf von der verschlafenen hessischen Kleinstadt entfernt, in der ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zur Schule gegangen bin, hat Elvis Presley Spuren hinterlassen.

Es kommt noch besser: Der King hat hier sogar richtig Party gemacht, und zwar im Gasthaus Herrnmühle, gelegen an der B 275 zwischen Bad Nauheim und Usingen, genauer gesagt an der Kreuzung zur Abfahrt Richtung Usingen-Kransberg. Elvis‘ Party in der Herrnmühle fand im Frühjahr 1959 zu Ehren von Sergeant Ira Jones statt.

Kreuzung

Wie kam es dazu? Im Frühjahr 1959 war der damals schon weltberühmte King of Rock ’n‘ Roll seit einem halben Jahr als amerikanischer G.I. mit der Nummer US 53310861 in den Friedberger Ray Barracks stationiert. Er tat Dienst als Panzerspäher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division.

In dieser Panzerdivision war Elvis Presley unter anderem als Jeepfahrer für Sergeant Ira Jones eingesetzt, einem sehr erfahrenen und mit dem Purple Heart ausgezeichneten Veteranen des 2. Weltkrieges, der 1944 an der Landung der Alliierten in der Normandie teilgenommen hatte.

Der bodenständige Jones hatte den bei seiner Ankunft in Deutschland im Oktober 1958 noch etwas verlorenen wirkenden King of Rock ’n‘ Roll unter seine Fittiche genommen, um den Superstar möglichst gut in die Truppe zu integrieren und – falls nötig – vor Fans und Presse abzuschirmen.

Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

Einsatzbereit: Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

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Elvis‘ Monster-Single: Hound Dog/Don’t Be Cruel (1956)

Elvis Presleys Single Hound Dog/Don’t Be Cruel hat amerikanische Chartgeschichte geschrieben. Denn A- und B-Seite der Single, die am 13. Juli 1956 bei RCA Victor erschien, verbrachten 1956/57 zusammengenommen unglaubliche 55 Wochen in Billboards Pop-Charts. Hound Dog war 28, Don’t Be Cruel 27 Wochen gelistet. Damit nicht genug: Hound Dog und Don’t Be Cruel jagten sich gegenseitig bis zur Chartspitze, wo sie sich ab Spätsommer ’56 abwechselten – unglaubliche 11 Wochen lang.

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show am 1. Juli 1956 - Vorlage für das Cover der Monstersingle Hound Dog/Don't Be Cruel

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956 – Vorlage für das Cover der „Monstersingle“ Hound Dog/Don’t Be Cruel – Foto: Alfred Wertheimer

Zusätzlich charteten beide Songs in Billboards Country- und R&B-Charts, wo sie ebenfalls die Top-Position erreichten (Quelle: Joel Whitburns Billboard Chart-Statistiken). Den geradezu monströsen wechselseitigen Erfolg der A- und B-Seite der Single spiegeln die zwei Versionen des leicht abgewandelten Single-Covers aus dieser Zeit, die einmal die A-Seite Hound Dog und einmal die B-Seite Don’t Be Cruel in den Vordergrund rückten.

Das Cover auf Basis eines Fotos von Alfred Wertheimer zeigt Elvis bei seinem Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956, bei der er eine Live-Version von Hound Dog zu einem Basset singen musste, um den Aufruhr in der amerikanischen Öffentlichkeit, der nach seinem Auftritt in der Milton Berle-Show am 5. Juni 1956 entstanden war, nicht weiter zu befeuern.

Hound Dog Single

Audio Hound Dog – Boxset Young Man With The Big Beat (2011)

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Ausverkauft! Elvis – das Musical

AUSVERKAUFT steht in großen Lettern auf dem Plakat, das am Eingang des Rüsselsheimer Theaters unübersehbar Elvis – das Musical ankündigt. AUSVERKAUFT, ELVIS, RÜSSELSHEIM?! Noch bin ich skeptisch, werde aber sofort eines Besseren belehrt, als ich die Menschenmenge sehe, die sich an diesem Freitagabend kurz vor 20 Uhr ebenso zielstrebig wie gut gelaunt vom Parkplatz auf den Eingang des Theaters zu bewegt.

Elvis - das Musical mit Grahame Patrick

Elvis – das Musical mit Grahame Patrick

„So voll habe ich das hier noch nie erlebt“, bestätigt eine sympathische ältere Dame im Foyer. Sie muss es wissen, schließlich hat sie ein Theaterabonnement, wie sie mir gleich erzählt. Trotzdem sei sie wählerisch, betont meine neue Zufallsbekanntschaft. Nur 3 handverlesene Aufführungen pro Saison gönne sie sich zusammen mit ihrer Freundin. Und heute steht ganz was Besonderes auf dem Plan im Großen Haus der Opelstadt. Nein, nicht Molière oder Mozart, sondern ELVIS. „Den mochte ich schon immer“, spricht’s und zieht mit der gerade eintreffenden Freundin flugs von dannen in Richtung Getränkestand. Ein Weinchen oder ein Prosecco, bevor es losgeht, das muss jetzt noch drin sein.

Ich trolle mich derweil schon mal auf meinen Platz in Reihe 5, erst mal ohne Weinchen oder Prosecco. Es ist proppenvoll im Saal. Das Publikum ist gut 45+, meistens Paare, ebenso viele Männer wie Frauen. Die Stimmung gleicht verhaltener Erwartungsfreude. Endlich ist der King „in the building“, besucht die Autostadt Rüsselsheim… Na ja, fast.

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A Star Is Born – der Film, der Elvis Presleys Leben retten sollte

Es ist ganz schön lange her, dass mich ein Film so gelangweilt hat, dass ich mich nur mit Mühe wach halten konnte. Jetzt ist es passiert… und es war KEIN Elvis-Film. Aber es hätte einer sein können. Der Film, um den es geht, ist A Star Is Born – und zwar das Remake von 1976 mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson in den Hauptrollen.

Kris Kristofferson und Barbra Streisand in 'A Star Is Born' (1976)

Kris Kristofferson und Barbra Streisand im Duett in ‚A Star Is Born‘ (1976)

Das Kuriose daran ist, A Star Is Born ist genau der Film, dem nachgesagt wird, er hätte Elvis Presleys Leben retten können, wenn er statt Singer-/Songwriter Kris Kristofferson die Hauptrolle übernommen hätte. Eine Hauptrolle, die dem King 1975 auch tatsächlich von Barbra Streisand und Jon Peters – Co-Produzenten des Films – angeboten wurde. Der Film wäre genau die künstlerische Herausforderung gewesen, die Elvis Presleys selbstzerstörerischen Lebensstil Einhalt geboten und damit vielleicht sein frühes Ableben mit 42 Jahren hätte abwenden können, so wird vielfach argumentiert, u.a. von dem bekannten britischen Journalisten, Filmkenner und bekennenden Elvisfan Paul Simpson: → Elvis in Hollywood.

Darüber hinaus gilt A Star Is Born als die Art von ernsthaftem, künstlerisch wertvollen Film, den Elvis Presley selbst immer gerne machen wollte im Gegensatz zu den → Elvis-Musicals, auf die er fast seine gesamte Karriere hindurch beschränkt blieb, so erzählen es auch ehemalige Angestellte und Freunde wie beispielsweise Jerry Schilling in seinem Buch Me and A Guy Named Elvis (2006). Das klingt eindrucksvoll und macht ordentlich neugierig auf diesen Film. Worum geht es dabei?

Vom Aufstieg und Fall eines Superstars

Die Geschichte, die in A Star Is Born erzählt wird, ist ein Klassiker, der in seiner Ursprungsfassung den Aufstieg und tragischen Fall von Filmstars in Hollywood zum Thema hat. Erstmals verfilmt wurde der dramatische Stoff 1937 mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen als Esther Victoria Blodgett und Norman Maine. Produziert wurde das Ganze von David O. Selznick, der zwei Jahre später auch für die Verfilmung von Gone With The Wind (Vom Winde Verweht, 1939) verantwortlich zeichnete.

In dieser ersten Filmfassung von 1937 träumt Esther Blodgett, ein einfaches Mädchen vom Lande davon, ein großer Star in Hollywood zu werden. Sie macht sich auf den Weg ins „Gelobte Filmland“, kann dort ihren Traum aber zunächst nicht verwirklichen. Als sie auf einer Party kellnert, lernt sie den berühmten Schauspieler Norman Maine kennen, der ihr zu einem Screen-Test und kurz darauf zu ihrer ersten Hauptrolle verhilft. Maines eigene Karriere hat zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt schon überschritten, u.a. weil der Star ein massives Alkoholproblem hat.

Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Esther und Norman, die beiden heiraten. In der Folge blüht und gedeiht Esthers Schauspielkarriere, während Norman nicht mehr so recht Fuß fassen kann. Mit Hilfe von Esther gelingt es Norman, zumindest zeitweise vom Alkohol loszukommen. Doch die Frustration des einstigen Stars über das eigene Karrieretief ist letztlich so groß, dass Norman Selbstmord begeht. Er ertränkt sich im Pazifik. Ganz großes Drama.

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The Memphis Flash 2015

Jetzt ist es schon wieder vorbei, das große Elvis-Jubiläumsjahr 2015. Und es war ein sehr erfolgreiches Jahr für den King, der am 8. Januar 2015 seinen 80. Geburtstag hätte feiern können, wäre er nicht schon 1977  allzu früh verstorben.

Der runde Geburtstag bescherte Elvis Presley gleich am Jahresanfang viel mediale Aufmerksamkeit und katapultierte ihn zum Jahresende mit If I Can Dream: Elvis Presley with the Royal Philharmonic Orchestra in mehreren Ländern an die Spitze der Charts. Ein schöner Abschluss für ein Jahr, das reich an Elvis-Festivitäten aller Art war. Die kann man hier unmöglich alle aufführen.

Elvis lässt als Lucky Jackson in Viva Las Vegas die Sektkorken knallen

Elvis lässt als Lucky Jackson in Viva Las Vegas die Sektkorken knallen

Sehr erfolgreich war 2015 auch für The Memphis Flash – Elvis Presley Blog, der 2016 schon ins fünfte Jahr geht. Ich kann’s manchmal selbst nicht glauben… Dabei freut mich besonders, dass der Relaunch des Blogs mitten im Jubliäumsjahr so gut angenommen wurde. Viele neue Nutzer aus aller Herren Länder haben 2015 ihren Weg zum Memphis Flash gefunden und ihm geradezu phantastische Seitenzugriffszahlen von rund 300.000 beschert. Dafür ein ganz herzliches Danke!

Bevor es jetzt alle Elvis in Viva Las Vegas nachmachen und die Sektkorken knallen lassen, um 2016 standesgemäß zu begrüßen, hier die Top 5 der populärsten Blogbeiträge in 2015, also die, die im Verlauf des Jahres die meisten Seitenaufrufe hatten. Sie stammen aus den Jahren 2013 bis 2015. Ganz unabhängig von der Beliebtheitsskala der Blogbesucher sind meine 5 aktuellen, ganz persönlichen „hidden champions“.

Populärste Blog-Beiträge in 2015

  1. Elvis: Are You… Laughing Tonight
  2. Priscilla Beaulieu Presley: Elvis and Me
  3. Vernon Elvis Presley
  4. Buchtipp Elvis & Ginger von Ginger Alden
  5. TCB: Taking Care of Business in a Flash

Meine ganz persönlichen „hidden champions“

  1. Elviras Sonntag mit Elvis
  2. Spotlight 5. Juli 1954: I just loved music… all type of music!
  3. Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer: Reise in die Vergangenheit
  4. White N.I.G.G.E.R.S and Black A.N.G.E.L.S
  5. Rassismus im Western Flaming Star: Elvis als Pacer Burton

Einen tollen Rutsch ins Jahr 2016 wünscht Euch allen The Memphis Flash! Und schaut auch in 2016 wieder vorbei.

Elvis Presleys ‚If Every Day Was Like Christmas‘ (1966)

Die stimmungsvollsten Weihnachtssongs entstehen in der Vorweihnachtszeit, wenn es draußen knusprig kalt, drinnen dafür mollig warm und gemütlich ist. So könnte man annehmen. Falsch gedacht. Tatsächlich werden sie häufig im heißen Sommer komponiert und auch eingespielt, damit sie rechtzeitig vor dem Fest der Freude ihre Käufer und Hörer finden.

Bei sommerlicher Hitze in Stimmung kommen für Weihnachten? Gar nicht so einfach. Gelungen ist das einem Freund Elvis Presleys aus Schultagen an der Humes High School in Memphis:  Robert Gene „Red“ West (1936-2017). West ist vor allem bekannt als früher Elvis-Wegbegleiter, etwa auf ersten Tourneen durch die amerikanischen Südstaaten, später als handfester „Bodyguard“, der G.I. Elvis auch in Deutschland zur Seite stand, in den 1960ern als Statist in vielen Elvis-Filmen und noch viel später und weitaus weniger rühmlich als maßgeblicher Informant für das 1977 veröffentlichte Enthüllungsbuch Elvis: What Happened. Letzteres besiegelte das Ende der Freundschaft.

Ehemals gute Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Ehemals gute und vor allem musikalische Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Davon mal abgesehen war und ist West nicht nur selbst musikalisch und im Alter erfolgreich als Schauspieler, sondern hat sich schon früh seine Sporen auch als Liedtexter verdient. Gleich 11 Aufnahmen des King stammen aus der Feder seines Ex-Kumpels Red West, die dieser teilweise zusammen mit anderen Komponisten verfasst hat.

Zu den bekannten Titeln gehören etwa der „Scheidungssong“ Separate Ways (1972) und That’s Someone You’ll Never Forget (1961), ein Lied, das Elvis‘ Mutter Gladys Presley gewidmet sein soll.

Aber auch zwei sehr schöne Weihnachtssongs zauberte Red West einst aus seiner Feder, nämlich Holly Leaves And Christmas Trees (1971) und If Every Day Was Like Christmas (1966), um das es hier geht. Wie er die Idee zu letzterem bekam und zunächst nicht erfolgreich damit war, erzählt er u.a. in Ken Sharps überaus lesenwertem Buch Elvis Presley Writing For The King (2006).

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Buchtipp: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll von Peter Guralnick

He did it again! Im November 2015 hat der amerikanische Musikkritiker und Autor Peter Guralnick (*1943 Boston/Massachusetts) erneut eine umfangreiche Biografie veröffentlicht, die das Zeug zum Standardwerk hat. Ihr Titel: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll.

Damit hat Peter Guralnick, bekannt vor allem für seine 1.300 Seiten starke zweibändige Elvis Presley-Biografie – der erste Band erschien 1994 unter dem Originaltitel The Last Train To Memphis: The Rise Of Elvis Presley, der zweite unter Careless Love: The Unmaking of Elvis Presley 1999 – und eine weitere lesenswerte über Soullegende Sam Cooke (Dream Boogie, 2005), jetzt die Biografie veröffentlicht, die ihm am meisten am Herzen liegen dürfte.

Peter Guralnick (links) mit Sam Phillips 1999 - Foto: Familie Phillips

A great story: Sam Phillips (rechts) und sein Biograf Guralnick 1999 – Foto: Phillips

Und wie immer bei Guralnick, der nach einem Universitätsabschluss in Creative Writing (also kreativem Schreiben) in den 1960ern erstmals als Autor von Kurzgeschichten von sich reden machte, ist sie hervorragend geschrieben. Kurz: Sam Phillips The Man Who Invented Rock ’n‘ Roll ist kleines literarisches Meisterwerk – „Storytelling“ höchster Güte.

Schon im Vorwort seiner neusten Buchveröffentlichung wird deutlich, dass dies Guralnicks persönlichste Biografie bislang ist. Denn mit Sam Phillips (1923-2003), dem Gründer und manischen Visionär des kleinen, aber feinen Aufnahmestudios Memphis Recording Service sowie des Plattenlabels SUN Records in Memphis, das als Wiege des Rock ’n‘ Roll gilt und in dem vor Elvis Presley, Johnny Cash, Carl Perkins, Jerry Lee Lewis zahlreiche afroamerikanische Musiker wie etwa Howlin Wolf, Ike Turner und Rufus Thomas Musikgeschichte schrieben, verband den Autor eine 25-jährige enge Freundschaft bis zu Phillips‘ Tod 2003. Schon 2000 ist Guralnick als Drehbuchautor für eine TV-Dokumentation über Sam Phillips in Erscheinung getreten, die denselben Titel trägt wie jetzt die Biografie.

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The King’s Speech

Am 16. Januar 1971 macht Elvis Presley etwas für ihn Ungewöhnliches: Er betritt in seiner Heimatstadt Memphis ein Podium, stellt sich an ein Rednerpult und hält vor einer honorigen Versammlung eine selbstverfasste Rede. Bedankt er sich etwa für einen Grammy, die vielen Goldenen Schallplatten und ausverkauften Konzerte? Wurde ja auch mal Zeit…

16. Januar 1971: Elvis Presley hält eine Rede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jaycee Award

16. Januar 1971: Elvis Presley bedankt sich für die Auszeichnung mit dem Jaycee Award

Aber nein, er hält  eine Rede, weil er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 ausgezeichnet wurde. Der sog. Jaycee-Award wird von einer hochkarätigen Jury, zu der 1970 auch der amerikanische Ex-Präsident Lyndon B. Johnson zählt, an herausragende Persönlichkeiten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren verliehen, die „die besten Eigenschaften ihrer Generation verkörpern und damit einen Fortschritt für eine bessere Welt bewirken“. Dabei müssen sich die Kandidaten durch besondere Leistungen in ihrem jeweiligen Betätigungsfeld sowie ihr humanitäres Engagement auszeichnen.

Die Gemeinschaft der Jaycees vertritt die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Aus Sicht der Jaycees werden Veränderungen eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Zu den Jaycee-Preisträgern des Jahres 1970, die am 16. Januar 1971 in Memphis geehrt werden, zählen neben Elvis u.a. der afroamerikanische Jurist und Bürgerrechtler Thomas Atkins, Biophysiker Mario R. Capecchi, späterer Nobelpreisträger für Medizin, und Paul W. Bucha, Experte für den Nahen Osten und Barack Obamas Berater für Außenpolitik. Die frischgebackenen Jaycees erhalten eine Skulptur mit zwei sich berührenden Händen.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King mit ihren symbolträchtigen Awards in der Hand: zwei Hände, die sich berühren

Zwei Hände, die sich berühren: Jaycee-Preisträger Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, mit Elvis Presley 1971

Der Jaycee-Award ist also eine sehr hohe Auszeichnung und Elvis Presley ist 1970 der einzige Preisträger aus dem Entertainment. Vorgeschlagen für den Award – und man muss vorgeschlagen werden – wurde Elvis von dem demokratischen Politiker, Sheriff und späteren Bürgermeister des Bezirks Shelby County, William N. („Bill“) Morris. Morris, ein Freund Elvis Presleys, war nach der Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 in Memphis maßgeblich an der Festnahme des Attentäters James Earl Ray beteiligt.

„I was a dreamer“: Der 16. Januar 1971 und eine Rede, die es in sich hat

Was die Verleihung des Jaycee-Awards an Elvis Presley besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die einzige bekannte Preisverleihung ist, zu der der King nicht nur persönlich erscheint – selbst den Grammy für sein Lebenswerk ließ der Mann sich einfach zwischen zwei Konzerten in Las Vegas „vorbeibringen“ (→ Elvis und die Grammys), sondern für die er selbst am Abend vor der Preisverleihung eine kurze, dabei erstaunlich poetische Rede verfasst. Als der King seine Rede am 16. Januar 1971 als letzter Preisträger frei am Rednerpult hält, braucht er dazu weniger als 1 Minute – noch nicht einmal die Länge eines Songs.

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Elvis Presleys Hound Dog

Es kommt gar nicht so selten vor, dass die Cover-Version eines Songs bekannter ist als das Original. Selten ist das jedoch so offensichtlich wie im Fall von Elvis Presleys Monster-Hit Hound Dog (1956), den die Komponisten Jerry Leiber und Mike Stoller nicht etwa – wie später andere Hits – dem King auf den Leib schneiderten, sondern 1952 der R&B-Sängerin Willie Mae Thornton.

Elvis‘ Version aus dem Jahr 1956 ist diejenige, die 1988 in die NARAS Hall of Fame für Aufnahmen von dauerhaft hoher Qualität und historischer Bedeutung aufgenommen und 2010 vom Musikmagazin Rolling Stone zum wiederholten Mal unter die Top 20 der 500 besten Songs aller Zeiten gewählt wurde. Willie Maes Original hingegen, das immerhin auch sieben Wochen lang Billboards R&B-Charts toppte, ist heute nur noch Eingeweihten ein Begriff. Das ist richtig schade. Nicht nur, weil Willie Maes Version hörenswert und die Geschichte, wie es überhaupt zu dem Song kam, lesenswert ist, sondern weil man Elvis Presleys Hound Dog ohne das Original, andere Cover-Versionen und Parodien nicht wirklich versteht.

Als ziemlich sicher gilt heute, dass Elvis mit Willie Maes R&B-Hit schon vertraut war, bevor er 1954 seine eigene professionelle Karriere startete. Zu einer eigenen Version verarbeitete er Hound Dog jedoch erst, nachdem er 1956 live die Cover-Version von Freddie Bell and The Bellboys in Las Vegas sah. Auch hatte Elvis zunächst gar nicht vor, eine Studioversion von Hound Dog einzusingen – Hound Dog war als reine Live-Performance, als „komische Nummer“ bei seinen Konzerten gedacht, wie  Scotty Moore, Elvis‘ Gitarrist der ersten Stunde, Jahre später erzählte.

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York - Foto: Alfred Wertheimer

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York – Foto: Alfred Wertheimer

Eine Studioversion wurde erst am 2. Juli 1956 in New Yorker Aufnahmestudio von RCA in Angriff genommen, nachdem Elvis Presley mit seiner Windhund-Performance am 5. Juni 1956 in der beliebten Milton Berle Show das amerikanische Fernsehpublikum quasi aus den Angeln gehoben hatte.

Wieso aber dieser Umweg? Die Antwort könnte in dem dritten Vorläufer-Song, der für Elvis‘ Hound Dog eine entscheidende Rolle spielt, liegen: Rufus‘ Thomas Bear Cat (1953). Dabei handelt es sich um einen in der R&B-Szene populären „Answer Song“, sozusagen die männliche Antwort auf Willie Maes 1953 bei Peacock Records veröffentlichtem Hound Dog (→ Hound Dog vor Elvis). Anders ausgedrückt: In Bear Cat gibt Rufus den Mann, der in Hound Dog als nichtsnutziger Lover dargestellt wird, und antwortet auf die Anschuldigungen, indem er seine Sicht der Dinge darlegt. Dabei zieht er Willie Maes Version nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao und dreht die sexuellen Anspielungen von „Hund auf Katze“. Heraus kommt ein witziges imaginäres „Gesangsduell“ zwischen Rufus Thomas und Willie Mae Thornton.

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Elvis Presleys Grammy-Nominierungen 1959 – 2012

Der Grammy gilt immer noch als eine der, wenn nicht die höchste internationale Auszeichnung, die ein Musiker bekommen kann. Als Preis ist er vergleichbar mit dem Oscar in der Filmindustrie. Seit 1959 werden die Grammys in Form einer Grammophonskulptur jährlich von der amerikanischen National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) verliehen – in mittlerweile an die 100 verschiedenen Kategorien.

Das Ganze passiert im Rahmen einer mit viel Pomp und Medienrummel betriebenen Festveranstaltung, die selbstverständlich auch im Fernsehen übertragen wird. Am 15. Februar 2016 wird der Grammy Award in die 58. Runde gehen.

Der Grammy: immer noch begehrt

Jetzt könnte man wie selbstverständlich annehmen, dass Elvis Presley, der als einer der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts gilt, schon zu Lebezeiten eine stattliche Anzahl von Grammys einheimste. Falsch gedacht! Zwischen 1959 und 1977/8 glänzte der King zwar mit 14 Nominierungen, erhielt aber nur 3-mal den Zuschlag für seine Gospelinterpretationen.

Und es kommt noch besser: Keine einzige Nominierung erfolgte für eine seiner bahnbrechenden frühen Aufnahmen bei SUN oder später RCA. Kann auch gar nicht sein, da die ersten Grammy-Nominierungen Ende 1958 von der NARAS verkündet wurden und da befand sich der King längst als G.I. der US-Armee auf Manöver im kalten Nachkriegsdeutschland. So ein Pech! Lässt sich also das Fehlen von Grammys für die super erfolgreichen und Musikgeschichte schreibenden Singles und Alben der Jahre 1956/57 noch nachvollziehbar erklären, sieht das für die Jahre ab 1958 komplett anders aus. Weiterlesen