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Pure Elvisness: I Just Can’t Help Believin‘

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»B. J. Thomas has got out a new record. I don’t especially like it, but I like to sing it for you anyway«, witzelt ein gut gelaunter Elvis Presley auf der Bühne des großen Showrooms im International Hotel in Las Vegas. Das Publikum lacht – und sofort legt der King los mit seiner Version des Thomas-Hits I Just Can’t Help Believin‘ vom Sommer 1970. Es ist eine Interpretation, die Komponistin Cynthia Weil treffend als „pure Elvisness“ beschreibt.

Elvisness: Der King live mit ‚I Just Can’t Help Believin‘, 11. August 1970

Elvis Presley: I Just Can’t Help Believin‘ live 11. August 1970, Las Vegas (Mitternachts-Show)

Worauf Elvis bei seiner Ankündigung des Songs humorvoll anspielt, ist die Tatsache, dass der texanische Pop- und Country-Sänger B. J. Thomas (1942-2021) nach seinem großen Erfolg mit dem Ohrschmeichler Teardrops Keep Fallin‘ On My Head (1969), der als bester Filmsong aus der Western-Komädie Butch Cassidy und Sundance Kid (dt. Zwei Banditen) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, mit I Just Can’t Help Believin‘ 1970 einen weiteren Top-10-Hit in den amerikanischen Hot 100-Billboard-Charts verbuchen kann. In Billboards Adult Contemporary Charts erreicht I Just Can’t Help Believin‘ sogar Platz 1. Damit ist B. J. Thomas einer der angesagtesten Interpreten des beginnenden 70er-Jahrzehnts.

Erfolgreich: Sänger B.J. Thomas in den 1970ern

B. J. Thomas: I Just Can’t Help Believin‘ – Album ‚Everybody Is Out Of Town‘, 1970

Beides gute Gründe für Elvis, I Just Can’t Help Believin‘ im Sommer 1970 in sein Live-Repertoire aufzunehmen. Schließlich möchte er sich in dieser Phase – ein Jahr nach seinem Bühnen-Comeback in Las Vegas – vor allem als zeitgenössischer Musiker und nicht als Retro-Act aus den 1950ern präsentieren.

Und wie könnte das besser gehen als mit dem brandaktuellen Hit eines populären Sängers, mit dem er außerdem eine Vorliebe für junge aufstrebende Komponisten wie Mark James (Suspicious Minds, 1969; Hooked On A Feeling, 1968) und das erfolgreiche Songwriter-Duo Cynthia Weil/Barry Mann teilt? Thomas‘ Hit Hooked On A Feeling aus der Feder von Mark James findet sich jedenfalls in Elvis Presleys privater Plattensammlung. Und Thomas nimmt gleich eine ganze Reihe seiner Hits direkt vor Elvis‘ Haustür auf – im American Sound Studio in Memphis, wo 1969 auch die legendären Elvis-Alben From Elvis In Memphis und Back in Memphis entstehen.

Cynthia Weil und Barry Mann: Wie ein Song entsteht

So erfolgreich, wie B. J. Thomas‘ Version von I Just Can’t Help Believin‘ auch war, sie war längst nicht die erste Veröffentlichung des Songs. Das Lied stammt aus der Feder des Ehepaares Barry Mann (*1939) und Cynthia Weil (*1940), die ab den 1960ern über Jahrzehnte sehr erfolgreich als Songwriter-Duo arbeiteten.

Barry Mann (eigentlich Barry Imberman) komponierte die Melodien, Cynthia war für die Texte zuständig. Ihre bis heute bekannteste Komposition dürfte You’ve Lost That Lovin‘ Feelin‘ sein, mit dem die Righteous Brothers, produziert von Phil Spector, 1964 einen großen Hit hatten, den Elvis 1970 ebenfalls aufnahm.

Ein schönes Paar und ein erfolgreiches Komponisten-Duo: Barry Mann und Cynthia Weil in den 1960ern

Cynthia und Barry lernten sich im New Yorker Musikverlag Aldon Music – 1958 von Don Kirshner und Al Nevins gegründet – kennen, wo sie zusammen mit späteren Größen wie Carole King, Neil Sedaka, Neil Diamond, Paul Simon und Phil Spector als Vertrags-Songwriter tätig waren. Aldon Music war Teil des berühmten Brill-Building-Komplexes am Broadway, das Anfang der 1960er mehr als 160 Musikverlage beherbergte, darunter auch Elvis Presleys Musikverleger Hill & Range, und dessen Produktionen den Pop-Sound der 1960er wesentlich beeinflussten.

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Inventing Elvis – Mathias Häußler im Interview

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Praktisch noch druckfrisch ist Mathias Häußlers englischsprachige Buchveröffentlichung „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ aus dem Bloomsbury Verlag. The Memphis Flash hat den 32-jährigen promovierten Historiker zu dem eher ungewöhnlichen, dabei hochinteressanten Thema seines Buches über Elvis Presley interviewt.

INTERVIEW

Elvis-Kenner: Dr. Mathias Häußler ist Autor des 2021 erschienenen Buches „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ – Foto: Häußler

The Memphis Flash: Herr Dr. Häußler, Sie arbeiten als Dozent für europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Regensburg. Wie sind Sie dazu gekommen, ein Buch ausgerechnet über Elvis Presley zu schreiben?

Mathias Häußler: Ja, wie kam ich zu Elvis. Es war die Kombination aus zwei Sachen. Zum einen bin ich selbst Elvis-Fan seit meiner Jugend, habe sehr viele Bücher über ihn gelesen, natürlich auch viele Platten gesammelt. Insofern hatte ich schon immer ein persönliches Interesse an Elvis. Zum andern bin ich Historiker und dadurch nicht nur an Elvis selbst interessiert, sondern eben auch an dem größeren historischen Kontext, in dem er sich bewegte, in dem Elvis wurde, was er war. Und dabei ist mir aufgefallen, dass es zum Phänomen Elvis und zu der historischen Bedeutung von Elvis erstaunlich wenig Literatur gibt. So kam ich zu der Idee, dazu etwas zu machen.

The Memphis Flash: Ihr Buch, das bislang nur in englischer Sprache erschienen ist, trägt den Titel „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“. Was erwartet den Leser hier genau? Ist das eine weitere Elvis-Biografie?

Mathias Häußler: Inventing Elvis – in dem Buchtitel steckt schon vieles drin. Wie gesagt, es ist keine klassische Biografie, da es mir nicht in erster Linie um das Leben und den musikalischen Output von Elvis geht, sondern um die größere Bedeutung, die Elvis als Referenzpunkt hatte für gesellschaftliche Debatten, die sich an ihm entzündeten. Das meine ich mit „Inventing Elvis“. Nicht im Sinne einer postmodernen Figur – ich sage im Buch ja auch, der größte Erfinder von Elvis war Elvis selbst. Aber zusätzlich zu Elvis es gab eben auch ganz viele andere Akteure, die alle etwas in Elvis sahen, die durch Elvis etwas artikuliert haben, seien es Journalisten, Fans, Politiker, Filmemacher: Jeder hat in Elvis etwas gesehen und wollte mit Elvis etwas sagen. Deshalb kann man Elvis als eine schöne Sonde nehmen, an der sich größere gesellschaftliche Debatten kristallisierten.

The Memphis Flash: Welche waren das zum Beispiel?

Mathias Häußler: Innerhalb der USA natürlich das klassische Tripos „race“, „class“, und „gender“. „Darf“ ein weißer Junge afroamerikanische Rhythm-and-Blues-Musik adaptieren? Welche Rolle spielte Elvis‘ Herkunft als armer Südstaatenjunge bei dem Ressentiment, welches ihm von der kulturellen Elite des Landes entgegenschlug? Und inwiefern standen der laszive Hüftschwung und das Kreischen der meist weiblichen Fans für einen neuen Ausdruck von Sexualität der amerikanischen Jugend, der gegen die Konventionen jener Zeit rebellierte? Alles Riesendebatten im Amerika der Fünfziger Jahre. Elvis war ein Produkt dieser zutiefst gespaltenen Gesellschaft jener Zeit und wurde gleichzeitig auch zu einer medialen Figur, an der sich diese Widersprüche kristallisierten, über die sie verhandelt wurden. Sei es durch Ablehnung vom Establishment, vom Kulturjournalismus, den Medienmachern, sei es aber auch durch die Annahme und Akzeptanz durch seine Fans, die in ihm eine Galionsfigur sahen.

Elvis zwischen den Fronten: In diesem Fall Manager Colonel Tom Parker (links) und Showmaster Ed Sullivan 1956 in New York

The Memphis Flash: Jetzt sprechen Sie in Ihrem Buch ja auch davon, dass Elvis in den 1950ern praktisch vom Start seiner Karriere weg politisch instrumentalisiert wurde. Das verwundert erst einmal, da Elvis Presley heute in der öffentlichen Wahrnehmung als weitgehend unpolitisch wahrgenommen wird. Vor allem im direkten Vergleich zur offen engagierten Singer-Songwriter-Generation eines Bob Dylan, von der sich der King mehrfach deutlich distanzierte. Mit den Worten, er sei in erster Linie Entertainer und als solcher wolle er sich nicht zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen äußern, hat er zum Beispiel Fragen von Journalisten nach seiner Einstellung bei einer Pressekonferenz 1972 in New York freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen. Alles andere sei seine Privatsache und solle es auch bleiben, unabhängig davon, wie andere Musiker das handhaben wollten. In Sachen direkter Einlassung zum politischen Zeitgeschehen war bei Elvis also nicht viel zu holen. Wie geht das zusammen mit der politischen Instrumentalisierung, von der Sie sprechen?

Mathias Häußler: Klar, Elvis ist, da würde ich zustimmen, sicherlich kein politischer Aktivist gewesen, und wir wissen erstaunlich wenig über seine politische Haltung. Wir wissen, dass er 1956 für Stevenson war (Anmerk.: Adlai Ewing Stevenson junior war Politiker der Demokratischen Partei und zwischen 1949 und 1953 der 31. Gouverneur des Bundesstaates Illinois. Er trat 1952 und 1956 als Kandidat seiner Partei für die Präsidentschaftswahl an, unterlag aber Dwight D. Eisenhower. Von 1961 bis 1965 war Stevenson US-Botschafter bei den Vereinten Nationen). Wir wissen auch, dass Elvis Nixon ganz cool fand und dass er die ganzen Armeefilme und das Patriotische in den Siebzigern umarmt hat. Ansonsten wissen wir aber ganz wenig, und auch in seiner Kunst finden wir kaum politische Artikulationen. Wir können „If I Can Dream“ als Statement sehen, „In The Ghetto“ von mir aus auch, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Verglichen mit dem, was sonst in den 1960ern war, ist das sehr wenig.

The Memphis Flash: Und dennoch ist er politisch?

Mathias Häußler: Total politisch! Aber es äußert sich eben im nichtverbalen Rahmen, einfach durch das, was er machte. Der Hüftschwung beispielsweise war eine ganz klare Rebellion gegen die biederen gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit, auch wenn er ihn anfangs vielleicht nur zufällig oder teils ironisch einsetzt. Aber wenn man sich den anschließenden Proteststurm anschaut, der beispielsweise 1956 nach Elvis‘ Performance von Hound Dog in der Milton Berle Show ausbricht, dann war das total politisch. Sein Umgang mit afroamerikanischer Kultur, dass er beispielsweise 1956 in Memphis zu der afroamerikanischen WDIA Goodwill Revue Night, das war auch ein klares Statement. Er war natürlich politisch, in dem was er machte, und bis zu einem gewissen Grad wusste er das wahrscheinlich auch. Viel mehr waren es jedoch noch andere Akteure, die Elvis letztendlich „politisierten“: Seien es die Kritiker unter den Journalisten, seien es enthusiastische Fans, die in ihm größere gesellschaftliche Relevanz gesehen haben und das auch nutzten, um ihre eigenen Positionen durch ihn zu artikulieren. Also ist es letztendlich vielleicht gar nicht so wichtig, wo Elvis genau politisch stand und ob er sich selbst als politisch gesehen hat, sondern was er für die Gesellschaft darstellte und welche Debatten sich an ihm entzündeten.

Juni 1956: Elvis gibt den Hound Dog in der Milton Berle Show und löst per Hüftschwung eine Revolution aus

The Memphis Flash: Das klingt erst einmal ziemlich abstrakt?

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Elvis Presley oder die Einladung

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Elvis Presley ist nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine große internationale Fangemeinde bekannt. Jahrzehnte nachdem der King erstmals via Radio, Platte und  Kinoleinwand für Furore sorgte, umfasst seine Fangemeinde mittlerweile mehrere Generationen. Und die sind treu wie Gold. Sie sorgen dafür, dass ihr 1977 verstorbener Lieblingssänger es bis heute regelmäßig  in die Musikcharts schafft, als Musical erfolgreich ist, zu seinen Ehren veranstaltete Festivals füllt, als Leinwandprojektion mit seinen ehemaligen Musikern auf Tournee geht u.v.m.

Vor dem Hotel Grunewald - noch schnell ein paar Impressionen für die Erinnerungen

Fans auf dem European Elvis Festival im hessischen Bad Nauheim, wo der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 als G.I. lebte

Selbst in unserem schnelllebigen Medienzeitalter sind Elvis-Fans immer noch für eine (meistens humorvolle) Schlagzeile gut, vor allem wenn sie sich in ihrer Freizeit gerne in zu enge Jumpsuits und schwarze Perücken mit riesigen Koteletten schmeißen, trotz gering ausgeprägter Gesangsfähigkeiten kein Publikum scheuen oder sonstwie durch bizarres Verhalten auffallen. Der eigentlich Witz an der Sache: Diese Fans sind eine, wenn auch vielbeachtete, Minderheit.

Das Gros der Elvis-Fans stellen die unauffälligen Ottonormalverbraucher. Die geben wenig her für eine Schlagzeile. Dafür kommen sie in allen Formen und Größen, im Alter zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Siebzig (oha!), etwa gleich viel Männer wie Frauen, viele unterschiedliche Nationalitäten, die meisten wohl am ehesten aus der Mitte ihrer Gesellschaft. Um es mit Elvis zu sagen: Just all kinds of people.

Aber wie wird man eigentlich zum Elvis-Fan? Was so simpel scheint, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Elvis-Fans finden das in der Regel auch nicht wichtig. Man ist es oder man ist es eben nicht. Eine größere Rolle spielt dann schon, wie lange man Fan ist. Begegnet man sich unter Fans zum ersten Mal, dann ist das eine Information, die bei der Vorstellung ungefragt sofort mitgeliefert wird. Je länger, desto besser, logisch!

Und noch eine Sache haben Elvis-Fans gemeinsam, sie können sich meist sehr gut an den einen Moment erinnern, der sie zum Fan machte, und Elvis zum Soundtrack ihres Lebens. Das gilt auch dann, wenn sie sich selbst nicht als Fan bezeichnen würden. Dabei ist der Moment jedes Mal ein anderer, aber immer hat er eine bleibende Bedeutung für die jeweilige Person.

Es ist der Moment, den Filmhistoriker Björn Eckerl „die Einladung“ nennt, dieser eine Augenblick, in dem der Star über Zeit und Raum hinweg dem Fan das ultimative Versprechen gibt: Folge mir und ich bin für dich, was immer du von mir erwartest, ich mache mich zu deiner persönlichen Projektionsfläche.

Elvis Presley lädt ein

Projektionsfläche Elvis – Ed Sullivan Show 1956

Die Einladung – und natürlich das Annehmen der Einladung – setzt den Startschuss für den Beginn einer ziemlich eigenartigen Fernbeziehung, die von der Distanz lebt, obwohl sie große Nähe suggeriert. Hier ist die ganz persönliche Geschichte meiner Einladung.

Ready Teddy und die Einladung

Es ist der 17. August 1977, ich habe Sommerferien und ich sitze vor dem Fernseher. Nachrichten interessieren mich eigentlich nicht besonders, aber diesmal hat die Tagesschau meine volle Aufmerksamkeit. Jemand ist gestorben, so ein Typ mit einem komischen Namen, den ich schon mal gehört habe, aber nicht zuordnen kann. Irgendwo in den USA ist das, also dort, wo mit Sicherheit mehr los ist als in der hessischen Kleinstadt, in der ich zur Schule gehe und mich gerade extrem langweile.

Was mich sofort in den Bann zieht, ist eine Gruppe von Trauernden, die in dem Einspieler der Tagesschau gezeigt wird. Die Trauernden sind so offen emotional, so völlig aus dem Häuschen, dass ich neugierig werde. Der Typ muss wirklich von staatstragender Wichtigkeit sein, wenn er es bis in die Tagesschau um Acht schafft, einfach indem er stirbt und diese ungehemmten Trauerbekundungen auslöst.

Richtig verblüfft bin ich dann, als die weitere Berichterstattung enthüllt, dass es sich bei dem Verstorbenen nicht etwa um einen amerikanischen Politiker, so eine Art Reinkarnation von John F. Kennedy, handelt, dem amerikanischen Lieblingspräsidenten von so ziemlich jedem, den ich kenne, sondern um einen Sänger. Hm.

Es kommt noch besser: Die Tagesschau zeigt eine Frequenz aus einem Auftritt des „Idols der Rockmusik und der sogenannten Popkultur“, wie der Typ mit der Trauergemeinde jetzt vom Nachrichtenmoderator genannt wird.

In dem Filmmaterial von annodunnemals – 1977 war Schwarz-Weiß noch nicht Kult, es war einfach nur alt – wird ein Auftritt des Typen gezeigt, den ich sofort sympathisch, weil witzig und voller Leben finde. Es ist Elvis Presleys Performance von Ready Teddy in der Ed Sullivan Show vom 9. September 1956. Das weiß ich aber nicht… und selbst wenn, ich könnte damit zu diesem Zeitpunkt gar nichts anfangen.

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Buchtipp: Elvis Destined To Die Young von Sally Hoedel

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Es gibt Bücher über Elvis Presley, bei denen ich mir ziemlich sicher war, dass sie niemals geschrieben werden. Warum? Ganz einfach, weil ich mir bislang nicht vorstellen konnte, dass ihr durchaus wichtiges Thema je einen Autor finden würde.

Die Amerikanerin Sally Hoedel – Journalistin, vierfache Mutter und langjähriger Elvis-Fan – hat mich eines Besseren belehrt. Vor wenigen Wochen hat sie im Selbstverlag ihr erstes Buch mit dem Titel Elvis Destined To Die Young veröffentlicht, was übersetzt so viel heißt wie: „Elvis, dazu bestimmt, jung zu sterben“.

Cover und Titel wirken geschmackvoll, aber unspektakulär. Als ich das erste Mal drauf gestoßen bin, dachte ich ehrlich gesagt: Ach, das ist wieder so eine Mythos-Geschichte entlang der Idee, dass die ganz Großen nun mal jung sterben. Über Elvis gibt es sie wie Sand am Meer.

Buchcover von Sally Hoedels „Elvis Destined To Die Young“.

Aber die Annahme war falsch, denn das ist keineswegs der Ansatz von Hoedels Buch. Worum geht es also?

Zurück zum Anfang

Sally Hoedel geht in ihrem rund 340 Seiten umfassenden Buch (inkl. umfangreichen Quellenverzeichnis) der Krankheitsgeschichte Elvis Presleys von den Kindertagen bis zu seinem frühen Tod 1977 im Alter von 42 Jahren auf den Grund, indem sie sehr gründlich in seiner Familiengeschichte recherchiert.

Zu diesem Zweck hat die Autorin nicht nur umfänglich die gängige Elvis-Literatur durchforstet, sondern auch Mitglieder und Nachbarn der Familien Smith (Elvis‘ Familie mütterlicherseits) und Presley aus Tupeloer Tagen ebenso befragt wie Schulkameraden Elvis Presleys in Tupelo sowie Memphis. Dazu gehört beispielsweise die Tochter des Arztes der Presleys in Memphis, der Elvis‘ Mutter Gladys (1912-1958) wegen ihrer anhaltenden gesundheitlichen Probleme, z.B. vermutete Herzschwäche, in den Jahren vor ihrem Tod am 14. August 1958 behandelte. Gladys Presley wurde nur wenige Jahre älter als ihr Sohn Elvis.

Ausgangspunkt für Hoedels Recherchen sind zum einen die Erkenntnisse aus der Autopsie Elvis Presleys, die noch am Tag seines Todes, also dem 16. August 1977,  im Baptist Memorial Hospital in Memphis durchgeführt wurde, zum anderen die hohe Sterblichkeitsrate von noch jungen Familienmitgliedern vor allem aus der mütterlichen Linie.

Kleiner Mangel mit großen Folgen

So gelingt es Hoedel, einen direkten Zusammenhang herzustellen zwischen der Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, die bei der Autopsie Elvis Presleys erstmals festgestellt wurde, und den häufig auftretenden Erkrankungen der inneren Organe bei Mitgliedern der Familie Smith – darunter Gladys, die die Erkrankung an ihren Sohn weitervererbte.

Diese erbliche Stoffwechselerkrankung ist gar nicht so selten, gilt aber wegen ihrer diffusen Symptomatik bis heute als schwierig für Ärzte zu diagnostizieren. Häufig bleibt sie gänzlich unentdeckt. Und das, obwohl sie gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringt. In aller Kürze: Die Erkrankung bewirkt, dass die Leberzellen das Enzym Alpha-1-Antitrypsin fehlerhaft oder in zu geringer Menge bilden oder freisetzen. Unbehandelt macht sich die Erkrankung je nach Ausprägung früher oder später vor allem an Lunge und Leber – in selteneren Fällen auch auf der Haut und weiteren Organen – bemerkbar.

Bei Erwachsenen geht „Alpha-1“ unter anderem mit einem erhöhten Risiko einher, neben häufigen Atemwegserkrankungen auch die Lungenkrankheit COPD zu entwickeln, da die Lunge aufgrund des Enzymmangels nicht ausreichend geschützt ist. Außerdem gehen Lebererkrankungen wie Leberentzündung (Hepatitis) und Leberzirrhose (in diesem Fall nicht durch Alkoholmissbrauch hervorgerufen), die bei Gladys sowie Elvis Presley im Alter ab etwa Mitte Dreißig in unterschiedlicher Ausprägung festgestellt wurden, mit diesem Krankheitsbild einher. Die Krankheit gilt als unheilbar.

Cousin und Cousine ersten Grades: Bob und Doll Smith – Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits – bei ihrer Hochzeit 1903

Hoedel führt die Erbkrankheit, unter deren Symptomen Elvis Presley vor allem in den 1970ern zunehmend zu kämpfen hatte (das belegt die Autorin mit Aussagen von Ärzten, die ihn behandelten), auf Elvis Presleys Großeltern Robert „Bob“ Smith (ca.1877-1931) und Octavia Mansell (1876-1935), genannt „Doll“, zurück. Bob und Doll waren nämlich Cousin und Cousine ersten Grades, was dazu führte, dass sich die Erbkrankheit besonders stark bei ihren unmittelbaren Nachkommen – hier vor allem den männlichen – manifestierte.

Von den neun Kindern, die Bob und Doll bekamen, so führt Hoedel aus, starb eins bereits als Kleinkind und drei von den restlichen acht in ihren Vierzigern (darunter auch Gladys). Ein weiterer Sohn verstarb in seinen Fünfzigern.

Nach Aussagen von Familienangehörigen gingen diese Todesfälle jeweils mit einer längeren Phase des diffusen „Nie-Völlig-Gesundseins“, gefolgt von einer kürzeren akuten und letztlich tödlichen endenden Krankheitsphase einher. Als Todesursache wurden bei allen Familienangehörigen nicht exakt diagnostizierbare Komplikationen mit den inneren Organen, vor allem Leber, Herz und Nieren festgestellt. Im Fall von Doll Smith, die bereits als junge Frau als schwer lungenkrank galt, argumentiert Sally Hoedel nachvollziehbar, dass es sich bei ihrer Erkrankung viel eher um Alpha-1 gehandelt haben muss als um Tuberkulose, wie es in der Familienhistorie bis heute heißt.

Die teils recht komplexen genetischen Zusammenhänge werden in Sally Hoedels Elvis Destined to Die Young übersichtlich und nachvollziehbar in verschiedenen Grafiken dargestellt, sodass auch ein Leser, der im Biounterricht bei der Genetik nicht so gut folgen konnte, hier mitkommt.

Als nächstes widmet sich Sally Hoedel in ihrem Buch den anderen Krankheitsbildern Elvis Presleys, deren Auswirkungen zu seinen Lebzeiten entweder gar nicht oder nur im Ansatz bekannt waren und die erst bei der Autopsie teilweise ans Licht kamen. Es sind Erkrankungen, die sich laut Hoedel bis in die frühe Kindheit Elvis Presleys zurückverfolgen lassen: chronische Verstopfung und Insomnie (Schlaflosigkeit).

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A King Is Born

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Cause Dixieland, that’s where I was born… one frosty morning, singt Elvis in seiner legendären Version des Songs American Trilogy. Und ungemütlich kalt ist es in der Tat in dem winzigen Holzhaus in Tupelo/Mississippi – im Herzen Dixielands – in den frühen Morgenstunden des 8. Januar 1935, als der künftige King of Rock ’n‘ Roll hier das Licht der Welt erblickt.

  • Elvis Presleys Geburtshaus in Tupelo/Mississippi in den späten 1930ern/1940ern - Foto: ElvisExpressRadio

Doch noch ist es nicht so weit. Die hochschwangere Gladys dreht sich unruhig im Bett von einer Seite auf die andere. Keine Position verschafft ihr Erleichterung. Die Wehen haben eingesetzt und kommen nun in immer kürzeren Abständen. Gladys liegt in einem Doppelbett direkt neben der Eingangstür der kleinen Holzhütte, die Ehemann Vernon zusammen mit seinem Vater Jessie und Bruder Vester selbst gebaut hat. Nur 2 Räume hat das winzige Häuschen, ein karg eingerichtetes Schlafzimmer mit alten Zeitungen als Tapetenersatz und eine Wohnküche, in der das Feuer jetzt fast ganz ausgegangen ist.

Die werdenden Eltern: Gladys Love und Vernon Elvis Presley

Die 22-Jährige freut sich auf ihren ersten Nachwuchs ebenso wie Vernon. Wenn nur die Schwangerschaft nicht so beschwerlich wäre. Gladys ahnt, dass sie Zwillinge bekommen wird. Doch sicher sein kann sie sich nicht, denn ärztliche Voruntersuchungen für Schwangere sind alles andere als die Norm unter der ländlichen Bevölkerung Tupelos in den Jahren der Weltwirtschaftskrise.

Eine Krankenversicherung haben die Presleys nicht. Das junge Ehepaar ist arm, sehr arm. Vernon schlägt sich mit wechselnden Gelegenheitsjobs durch und Gladys hat ihren Arbeit als Näherin im Tupelo Garment Center wegen der schwierigen Schwangerschaft längst aufgeben müssen.

Skizze von Elvis Presleys Geburtshaus in Tupelo nach Vernon Presleys Angaben - Skizze: ElvisExpressRadio

Innenansicht der beiden Räume in Elvis Presleys Geburtshaus nach Angaben Vernon Presleys – Skizze: ElvisExpressRadio

 

Überhaupt kennen Gladys und Vernon sich erst knapp 2 Jahre. Schwer verliebt sind sie nur wenige Monate nach dem Kennenlernen einfach durchgebrannt und haben am 17. Juni 1933 in Pontotoc County, Gladys Heimat, geheiratet. In Tupelo hätte das leidenschaftliche Pärchen auch gar nicht ohne Weiteres heiraten können, da die lebenslustige Gladys (25.4.1912-14.8.1958) zu diesem Zeitpunkt mit 21 Jahren zwar schon volljährig ist, nicht aber der erst knapp 17-jährige Vernon (10.4.1916-26.6.1979).

In Gladys Heimat umgeht das Paar dieses klitzekleine Hindernis einfach, indem es bei der Eheschließung falsche Altersangaben macht. Vernon gibt vor, volljährig zu sein, Gladys hingegen macht sich ein paar Jahre jünger als sie ist. Das geht? Sicher, denn die Registrierung von Geburten ist noch keine Pflicht, als Gladys Love Smith im April 1912 in Pontotoc County als viertes von acht Kindern zur Welt kommt. Und Vernon kennt dort ja keiner… Geld für die Heiratslizenz haben die beiden übrigens auch nicht, sie borgen es sich auf die Schnelle von einem befreundeten Ehepaar.

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The King’s Speech

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Am 16. Januar 1971 macht Elvis Presley etwas für ihn sehr Ungewöhnliches: Er betritt in seiner Heimatstadt Memphis ein Podium, stellt sich an ein Rednerpult und hält vor einer honorigen Versammlung eine selbstverfasste Rede. Bedankt er sich etwa für einen Grammy, die vielen Goldenen Schallplatten und ausverkauften Konzerte? Wurde ja auch mal Zeit…

16. Januar 1971: Elvis Presley hält eine Rede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jaycee Award

16. Januar 1971: Elvis Presley bedankt sich für die Auszeichnung mit dem Jaycee Award

Aber nein, er hält  eine Rede, weil er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 ausgezeichnet wirde. Der sog. Jaycee-Award wird von einer hochkarätigen Jury, zu der 1970 auch der amerikanische Ex-Präsident Lyndon B. Johnson zählt, an herausragende Persönlichkeiten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren verliehen, die „die besten Eigenschaften ihrer Generation verkörpern und damit einen Fortschritt für eine bessere Welt bewirken“. Dabei müssen sich die Kandidaten durch besondere Leistungen in ihrem jeweiligen Betätigungsfeld sowie ihr humanitäres Engagement auszeichnen.

Die Gemeinschaft der Jaycees vertritt die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Aus Sicht der Jaycees werden Veränderungen eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Zu den Jaycee-Preisträgern des Jahres 1970, die am 16. Januar 1971 in Memphis geehrt werden, zählen neben Elvis u.a. der afroamerikanische Jurist und Bürgerrechtler Thomas Atkins, Biophysiker Mario R. Capecchi, späterer Nobelpreisträger für Medizin, und Paul W. Bucha, Experte für den Nahen Osten und Barack Obamas Berater für Außenpolitik. Die frischgebackenen Jaycees erhalten eine Skulptur mit zwei sich berührenden Händen.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King mit ihren symbolträchtigen Awards in der Hand: zwei Hände, die sich berühren

Zwei Hände, die sich berühren: Jaycee-Preisträger Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, mit Elvis Presley 1971

Der Jaycee-Award ist also eine sehr hohe Auszeichnung und Elvis Presley ist 1970 der einzige Preisträger aus dem Entertainment. Vorgeschlagen für den Award – und man muss vorgeschlagen werden – wurde Elvis zuvor von dem demokratischen Politiker, Sheriff und späteren Bürgermeister des Bezirks Shelby County, William N. („Bill“) Morris. Bill Morris war nach der Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 in Memphis maßgeblich an der Festnahme des Attentäters James Earl Ray beteiligt.

„I was a dreamer“: Der 16. Januar 1971 und eine Rede, die es in sich hat

Was die Verleihung des Jaycee-Awards an Elvis Presley besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die einzige bekannte Preisverleihung ist, zu der der King nicht nur persönlich erscheint (selbst den Grammy für sein Lebenswerk ließ der Mann sich einfach zwischen zwei Konzerten in Las Vegas „vorbeibringen“ → Elvis und die Grammys), sondern für die er selbst am Abend vor der Preisverleihung eine kurze, dabei erstaunlich poetische Rede verfasst. Als der King seine Rede am 16. Januar 1971 als letzter Preisträger frei am Rednerpult hält, braucht er dazu kaum  mehr als 1 Minute – noch nicht einmal die Länge eines Songs.

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Elvis for President: Der King und die amerikanischen Präsidentschaftswahlen

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Der Endspurt der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2020 ist eingeläutet. Wenige Tage vor dem entscheidenden 3. November feuern der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden aus allen Rohren, um die jetzt noch unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. Dabei sind sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters – 74 und 77 Jahre – alles andere als zimperlich in ihren Verbal-Attacken.

Wahlkampf 2020: Amtsinhaber Donald Trump gegen Joe Biden (links) – Foto: CTV

Aktuell beschuldigt Trump Biden, den er in seinen Tweets als schmuddeligen und korrupten „Sleepy Joe“ (Schlafmütze) bezeichnet, das Oberste Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten mit einer Justizreform zu einer Hochburg der Linken zu machen und damit der kommunistischen Unterwanderung des amerikanischen Staates Vorschub zu leisten. Starker Tobak.

Biden hingegen spricht von Trump als unverantwortlichen Chaoten und Spalter der Nation, der auf Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern mit noch mehr Gewalt reagiert, zudem bei der Eindämmung der Corona-Pandemie mit rekordverdächtig vielen Toten in den USA völlig versagt und Wahlkampveranstaltungen als „Superspreader-Events“ abhält. Keine Frage: Die beiden Präsidentschaftskandidaten schenken sich nichts.

Experten fürchten außerdem, Trump könne im Fall einer Niederlage das Wahlergebnis schlicht nicht anerkennen – seit Monaten weist der republikanische Amtsinhaber auf die angebliche Unzuverlässigkeit des amerikanischen Briefwahlsystems hin – und das Land damit endgültig ins Chaos stürzen.

Die „Elvis-Karte“ in der Politik

Stellt sich die Frage: Was hat das alles mit Elvis Presley zu tun, der seit mehr als 40 Jahren tot ist? Auf den ersten Blick wenig – auf den zweiten sehr viel. Denn seit der Demokrat Jimmy Carter am 17. August 1977 in seiner Funktion als 39. US-Präsident sein vielbeachtetes Statement zum Tode Elvis Presleys abgab…

„Elvis Presley’s death deprives our country of a part of itself. He was unique and irreplaceable. More than 20 years ago, he burst upon the scene with an impact that was unprecedented and will probably never be equaled. His music and his personality, fusing the styles of white country and black rhythm and blues, permanently changed the face of American popular culture. His following was immense, and he was a symbol to people the world over of the vitality, rebelliousness, and good humor of his country.“

Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten (1977-1981)

… welches der wahrscheinlich am besten formulierte Nachruf auf den King überhaupt ist, und damit den Tod Elvis Presleys als bedeutsamen Verlust für die amerikanische Nation quasi zementierte, spielt Elvis in der US-Politik immer wieder eine große Rolle. Posthum.

Kannten sich persönlich: Elvis Presley mit dem späteren US-Präsidenten Jimmy Carter und dessen Frau Rosalynn in den 1970ern.

Besonders deutlich wird das regelmäßig bei den Präsidentschaftswahlen, bei denen sowohl republikanische als auch demokratische Kandidaten ihn für ihre politischen Zwecke vereinnahmen, obwohl  – oder vielleicht auch gerade weil – der Musiker sich zu Lebzeiten aus Überzeugung nie öffentlich politisch äußerte und man daher auch nicht mit Bestimmtheit sagen kann, welcher der beiden amerikanischen Parteien er am ehesten zugeneigt war. Auch der vielzitierte Überraschungsbesuch bei Richard Nixon im Oval Office 1970 gibt dazu letztlich wenig Aufschluss.

Fest steht, Elvis hat bis heute gleichermaßen Fans in liberalen als auch konservativen Kreisen – Demokraten mögen ihn ebenso wie Republikaner. Ein wesentlicher Grund dafür steckt bereits in Jimmy Carters Nachruf: Elvis ist ein Symbol für Amerika – ein Amerika, so wie es sich selbst gerne sieht: einzigartig, einflussreich, erfolgreich, Rassengrenzen überwindend, rebellisch, vital und humorvoll. Alles Eigenschaften, die sich in einem Wahlkampf gut machen, weswegen Kandidaten aller Couleur bis heute die „Elvis-Karte“ immer wieder gerne ziehen. Allerdings ist das nicht immer  von Erfolg gekrönt.

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Elvis That’s The Way It Is (1970): Der King, Denis Sanders und der perfekte Moment

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Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, um Elvis Presley zumindest einmal live zu erleben, dann wären Sommer 1970, Elvis Summer Festival, International Hotel, Las Vegas ganz sicher unter den Koordinaten, die ich in meine spacige Zeitmaschine eingeben würde.

Gibt alles: Elvis Presley live in Las Vegas im Sommer 1970.

Und klar, wer so spektakulär mal eben 50 Jahre hinter sich lässt, wie ich in diesem Fall, landet selbstverständlich auch in der 1. Reihe direkt vor der Bühne  und hat – gekleidet von Kopf bis Fuß im kultigen Seventies-Style (hey, die Gelegenheit verlangt nach höchstem Einsatz!) – den Spaß des Jahrhunderts. Der Spaß geht los mit Tiger Man im Mystery Train und einem Elvis, der im Sommer 70 eines ganz sicher ist: King of the Jungle Was für ein perfekter Moment!

Aber leider ist die Sache mit den Zeitmaschinen seit Doc Morris‘ Zeitreise-Versuchen im Hollywoodstreifen Zurück in die Zukunft bis heute nicht so richtig vorangekommen – milde ausgedrückt. Und statt dank Zeitmaschine von der ersten Reihe aus ein Elvis-Komzert vom Feinsten zu erleben, sitze ich 50 Jahre später zuhause ganz unspektakulär vor einem Bildschirm und schaue mir den Dokumentarfilm Elvis That’s The Way It Is an – das Original von 1970. Wenn schon, denn schon!

Was ich da zu sehen kriege? Elvis natürlich, aber kein komplettes Elvis-Konzert. Schlimm? Schau’n wir mal…

The next best thing

“It’s the nitty gritty time as far as being nervous – opening night”, gesteht ein sichtlich nervöser Elvis eine gute Stunde, bevor er auf die Bühne muss. Es ist der 10. August 1970 und Elvis Presley ist nur noch 60 Minuten entfernt von der Eröffnung seines dritten komplett ausverkauften vierwöchigen Engagements im International Hotel in Las Vegas.

It’s nitty gritty time as far as being nervous – ein nervöser Elvis kurz vor dem Eröffnungskonzert im August 1970.

Ein Jahr zuvor hatte er genau hier nach Jahren der Bühnenabstinenz mit einer ersten Konzertreihe spektakulär sein Comeback als Live-Performer gefeiert. Seitdem regiert der King das Spielermekka mit seinen energiegeladenen Auftritten und gleich einer ganzen Reihe neuer Hits. Und er liebt es: die Show, die Bühne, das Publikum.

Ein Fünfjahresvertrag, der ihm satte 5 Millionen US-Dollar für 10 vierwöchige Engagements von 1970 bis 1974 zusichert, dürfte zur Freude beitragen.

Sattes Sümmchen: 5 Millionen für den King in Las Vegas – Quelle: Elvis Australia.

Aber jetzt – 60 Minuten vor dem großen Auftritt – hat er Lampenfieber, und das nicht zu knapp. Er macht sich Sorgen, dass er den Text zur ersten Strophe von I Just Can’t Help Believin‘ vergessen könnte.

Randvoll mit Energie sitzt er schwitzend im Kreis seiner berühmt-berüchtigten „Memphis Mafia“ – Kumpel aus der guten alten Zeit, persönliche Assistenten und Bodyguards –  um einen kleinen Tisch, auf dem ein Lachsack für Unterhaltung und die dringend benötigte Ablenkung vom bevorstehenden Auftritt sorgt.

Amüsiert sich über sich selbst und sein Lampenfieber – Elvis in Las Vegas eine Stunde vor seinem Auftritt.

Der King lacht laut, amüsiert sich über seine eigene Nervosität, indem er eine kleine komische Einlage zum Besten gibt: Er improvisiert, wie er kurz zuvor hochnervös sein Abendessen verschlungen hat – nämlich im rasanten Rhythmus seines energiegeladenen Showstoppers Polk Salad Annie – praktisch ohne zu schlucken. Elvis – die Rampensau – hat auch jenseits der Bühne hohen Unterhaltungswert.

Polks Salad Annie… Dinner in tempo!

Der Mann aus Memphis kokettiert mit der Kamera – die liebt ihn – und er weiß es. Die Kamera, die diese kleine vielsagende Szene hinter den Kulissen einfängt, gehört zum Team um Drehbuchautor, Filmproduzent und -regisseur Denis Sanders (1929-1987), der im Auftrag der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) vor Ort ist, um während des Elvis Summer Festivals die Dokumentation Elvis That’s The Way It Is zu drehen.

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Elvis Is Back!

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Endlich! Er ist wieder da! Fast zwei Jahre sind vergangen seit er hier in Nashville in RCAs Studio B zuletzt vor dem Mikro stand und Hits wie A Big Hunk Of Love aufnahm. Es kommt ihm vor, als sei das in einem anderen Leben gewesen.

Viel ist seit Juni 1958 passiert. Mutter Gladys starb völlig überraschend im Alter von nur 46 Jahren, kurz bevor Uncle Sam ihn ins ferne Deutschland verschiffte, wo er anderhalb Jahre lang im hessischen Friedberg seinen Dienst am Vaterland leistete. Als (fast) stinknormaler G.I. in einer Panzerdivision. Der King of Rock ’n‘ Roll im Exil.

März 1960: Elvis Presley bei einem Pressetermin in Graceland kurz nach seiner Rückkehr aus Deutschland und unmittelbar vor der Aufnahmesession für das Comeback-Album Elvis Is Back!

21 Monate spielte er keine einzige neue Studioaufnahme ein, nahm er keinen einzigen neuen Hit auf, gab er kein einziges Konzert vor zahlendem Publikum. Nulla, nada, niente! Eine Ewigkeit, vor allem im schnelllebigen Musikgeschäft. Ob er jetzt einfach dort anknüpfen kann, wo er aufgehört hat? Wird er sich neu erfinden – kann er so erfolgreich sein wie zuvor?

Keine Selbstverständlichkeit. Viel hat sich getan in der Musikszene seit er seine Blue Suede Shoes gegen die Uniform eintauschte: Der Sound der 50er, den er wie kaum ein anderer prägte, ist 1960 längst einem weicheren, poppigeren Sound gewichen. Viele seiner ehemaligen Chart-Mitstreiter aus der Rock-’n’-Roll-Ära konnten ihre Erfolgsserie nicht aufrechterhalten. Statt Little Richard und Chuck Berry sind jetzt etwa Bobby Darin und Frankie Avalon angesagt.

21 Monate bis zun nächsten Mal: Elvis vor dem Mikro im Juni 1958.

Entsprechend ist die Spannung im Studio zum Greifen – er kann sie deutlich spüren, als er jetzt vor dem Mikro steht. Alle, die in seiner Karriere etwas zu sagen haben (oder haben wollen), sind da. Steve Sholes, zuständig für Artist & Repertoire bei Plattenfirma RCA, ist in Begleitung von RCA-Kollege Bill Bullock gekommen… und wirkt sichtlich nervös. Schließlich ist heute „E-Day“, wie er den großen Tag in Anlehnung an den „D-Day“ der Operation Overlord, also die Invasion der Alliierten in der Normandie 1944, nennt.

Äußerlich völlig gelassen, dabei geschäftig und immer eine Spur zu laut gibt sich Manager Colonel Tom Parker, der mit seinem Assistenten Tom Diskin angereist ist. Selbstsicher kaut der (falsche) Colonel auf seiner dicken Zigarre und versichert Sholes und Bullock, der Junge habe nie besser geklungen – ganz sicher. Aber kann „der Goldjunge“ auch tatsächlich „liefern“?

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Gladys Love Presley

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Am 25. April 1912 kommt Gladys Love Presley (25.4.1912 –14.8.1958) in Pontotoc County im US-Bundesstaat Mississippi zur Welt. Kaum jemand bezweifelt heute, dass Elvis Presleys Mutter eine der wichtigsten Personen, wenn nicht sogar die wichtigste Person überhaupt, in seinem Leben war.

Gerade deshalb wird sie von den meisten seiner Biografen als jemand geschildert, dessen Bedeutung vor allem im großen Verlust durch ihren frühen Tod 1958 und ihrer Abwesenheit im Leben des erwachsenen Sohnes liegt. Kurz: Gladys als tragischer Verlust mit fatalen Folgen.

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Diese Perspektive ist nachvollziehbar, doch sie greift  zu kurz. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Elvis‘ Mutter – vor allem die junge Gladys – und ihre Familie zu werfen. Denn Gladys hat ihrem Sohn so einiges an Temperament und Musikalität mit auf den Weg gegeben.

Vorhang auf für eine wahrlich illustre Familiengeschichte mit Charakteren, die auf ihre Art einen ähnlich guten Stoff für ein Südstaatenepos abgeben wie die Figuren in Margret Mitchells berühmten Roman Vom Winde verweht. Und so ganz nebenbei gewährt die Familiengeschichte der Mansell-Smith tiefe Einblicke in die Historie der amerikanischen Südstaaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Some of you never been down South too much…

Tony Joe Whites Südstaaten-Song Polk Salad Annie, aus dem diese Textzeile stammt, ab 1970  fester Bestandteil in Elvis Presleys Live-Repertoire, könnte auch gut ein Song über Gladys Smith und ihre Familie sein. Kein Wunder also, dass der King einmal selbst zu Tony Joe White sagte: „Man, I feel like I wrote this song myself“.

Gladys Vorfahren jedenfalls lassen sich auf die Familie der Mansells zurückverfolgen, die sich schon im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten ansiedelten. Der Name Mansell ist eigentlich französicher Herkunft und heißt so viel wie „Mann aus Le Mans“. Im Zuge der normannischen Eroberung kamen die „Männer aus Le Mans“ zunächst nach England, wo sie sich mit der dortigen Bevölkerung mischten – im Falle von Elvis Presleys Vorfahren mütterlicherseits vor allem mit Schotten und Iren.

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Irgendwann im 18. Jahrhundert wanderte Gladys‘ schottisch-irischer Familienzweig dann nach Amerika aus, wo Richard Mansell aus South Carolina als Soldat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Kriegerisch ging es zunächst auch für seinen Sein Sohn William (1795 – 1842) weiter, der unter dem Oberbefehl Andrew Jacksons, General der Tennessee-Miliz und späterer 7. Präsident der Vereinigten Staaten, an der Vertreibung der Muskogee (Creek)-Indianer und der berühmt-berüchtigten Schlacht am Horseshoe Bend 1814 beteiligt war. Man sieht schon, die Presleyschen Vorfahren haben von Anfang an  Spuren in den amerikanischen Geschichtsbüchern hinterlassen ;-).

Andrew Jackson, der auch als Begründer der Demokratischen Partei gilt, setzte sich vehement für die Vertreibung der amerikanischen Urbevölkerung ein, nachdem Indianer im 2. Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Vereinten Königreich und den Vereinten Staaten von Amerika auf der Seite der Briten gekämpft hatten. In William Mansell hatte er offensichtlich einen treuen Gefolgsmann, denn dieser zog auch noch mit in den Krieg gegen den Stamm der Seminolen, bevor er die Waffe endgültig gegen den Pflug eintauschte und sich 1820 auf einer Farm in Marian County/Alabama niederließ.

Nun könnte man meine, dass William Mansell ein ausgesprochener Indianerhasser war, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall war, denn der Gute suchte sich flugs eine Frau und heiratete eine waschechte Cherokee-Indianerin mit dem schönen Namen Morning White Dove (ca. 1800 – 1835). Das war gar nicht so ungewöhnlich in den Südstaaten, denn längst nicht alle indianischen Ureinwohner befanden sich im Krieg mit den weißen Siedlern – die Cherokees waren teilweise schon früh zum Christentum übergetreten und hatten sich assimiliert. Für einen jungen Farmer war eine Cherokee-Frau, die jahrhundertealtes Wissen um die Geheimnisse der Natur dieses wilden Landes mit in die Ehe brachte, pures Gold wert.

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit 'Indian Chief'

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit ‚Indian Chief‘

Und es lief gut für William und Morning White Dove – sie bewirtschafteten erfolgreich ihre Farm und brachten trotz hoher Kindersterblichkeit drei Kinder durch: John, Morning Dizenie und James J. Mansell. Tochter Morning Dizenie konnte ihren sozialen Status verbessern, indem sie den angesehenen Arzt und Großgrundbesitzer Dr. Russell Palmer heiratete.

Im Gegensatz zu ihr war der älteste Sohn John Mansell, der die Farm erbte, ein ganz wilder Zeitgenosse, den die Familie euphemistisch als „wholly wild Injun“ (total wilden Indianer) beschrieb. Er war wohl kein besonders guter Farmer, dafür aber ein Womanizer erster Güte, der neben den Kindern, die er mit seiner Frau Betsy und wahrscheinlich auch deren Schwester Rebecca hatte, zudem eine große Menge illegitimer Nachfahren in die Welt setzte, bevor er 1880 die Farm ganz verlor, mit einer weiteren Dame durchbrannte und sich fortan Colonel Lee Mansell nannte. Die Versorgung von Ehefrau, Schwägerin und erklecklicher Nachkommenschaft überließ John einfach seinem ältesten Sohn: White Mansell.

White Mansell heiratete 1870 Martha Tackett aus Tennessee und mauserte sich zum veritablen Clan-Chef, der das Konzept der Großfamilie wirklich lebte. Zu einem Viertel indianischer Abstammung sorgte der Great White Father of the Mansells schon 1880 nicht nur für Frau und vier Kinder (es sollten noch mehr werden), sondern auch für die Großmutter mütterlicherseits, die eigene Mutter, zwei Schwestern und eine Tante sowie die zwei Kinder der Tante. Gleich nebenan lebten außerdem seine beiden Brüder William und George mit ihren Familien. Nachtigall ick hör dir trapsen: Elvis Presley war wohl nicht der Erste in seiner Familie, der die Hütte gerne so richtig voll hatte!

Der Mansell-Clan zog unter dem Kommando des White Chief um 1900 auf die Hussey Farm in Richmond, wo die Familienmitglieder als Baumwollpflücker arbeiteten. Eine der Töchter Whites und Marthas war die schöne, lebenslustige Octavia Luvenia Mansell (1876 – 1935), die von allen nur „Doll“ (Puppe) genannt wurde. Die schöne Octavia war fast schon so etwas wie ein „spätes Mädchen“ als sie mit 27 Jahren 1903 ihren Cousin Robert (Bob) Smith, Sohn von Whites Schwester Anna Mansell und Milege Obediah Smith, heiratete.

Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits: Bob und Doll Smith 1903

Und dieses schöne Paar waren Gladys Eltern bzw. Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits. Leider meinte es das Schicksal mit den Smith‘ nicht ganz so gut wie noch fast 100 Jahre zuvor mit William Mansell und Morning White Dove. Viel war passiert seitdem. Gelbfieberepedemien hatten die Bevölkerung dahingerafft und was das Gelbfieber nicht vermochte, hatten der Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg besorgt.

Die Smith lebten von der Hand in den Mund, Doll war lungenkrank – man ging lange von Tuberkulose aus – und war die meiste Zeit bettlägrig. Trotzdem bekam sie in knapp 20 Jahren neun Kinder, von denen acht überlebten – ihre Tochter Gladys Love kam als viertes Kind am 25. April 1912 in Pontotoc County, Mississippi zur Welt, wo sich die Smith-Familie unter der Führung von Clan-Chef White Mansells inzwischen niedergelassen hatte.

Die junge Gladys Smith

Die junge Gladys wuchs mit ihren Geschwistern Lillian, Levalle, Retha, Travis, Clettes, John und Tracy in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Alle Kinder schliefen mit den Eltern in einem Raum – die Kinder, bis auf das jeweils jüngste, das im Bett mit den Eltern schlafen durfte, auf dem Boden.

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Immer noch hörenswert: Elvis live in Richmond März 1974

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In Zeiten von Corona und dem ziemlich eingeschränktem Aktionsradius, den die Pandemie für uns alle mit sich bringt, tut es gut, sich mit Elvis ein bisschen abzulenken. Ich mache das neben der Vorbereitung neuer Blog-Beiträge  (z.B. zu „Elvis Is Back!“), indem ich mal wieder in Elvis-Veröffentlichungen reinhöre, die ich länger nicht auf dem Schirm hatte. Eine davon ist die FTD 48 Hours To Memphis aus dem Jahr 2011.

Als Elvis Presley am 18. März 1974 unter Blitzlichtgewitter und donnerndem Applaus zu den Klängen von Also Sprach Zarathustra die Bühne des Coliseum in Richmond/Virginia betrat, waren es noch genau 48 Stunden bis zu dem legendären Konzert in seiner Wahlheimatstadt, erstmals 1974 verewigt auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Lange ahnte kaum jemand, dass auch von dem kompletten Konzert in Richmond eine professionelle Multitrack-Aufnahme realisiert wurde, von der wiederum eine Kopie – versehen mit nicht mehr als dem unspektakulären Aufdruck „All Star Shows, Madison Tennessee“ – 1990 über Umwege in die Hände des Fans und Sammlers Robert Frieser kam.

Erst mehr als 20 Jahre später hat Frieser diese Kopie des Mitschnitts (das Original gilt weiterhin als verschollen) für die Veröffentlichung durch das Elvis Presley-Sammlerlabel Follow That Dream Records zur Verfügung gestellt, für das Ernst Jorgensen und Roger Semon seit 1999 mit vielen erstklassigen Elvis-Publikationen verantwortlich zeichnen. Zuvor kursierte das Konzert nur als Import unter dem Titel „Guaranteed To Blow Your Mind“.

2011 erschien das Richmond-Konzert dann endlich unter dem Titel 48 Hours To Memphis im Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream. Veröffentlicht wurde es in demselben 3-teiligen, ausklappbaren Deluxe-Format wie sein FTD-Pendant Elvis Recorded Live On Stage In Memphis. Versehen ist das Set mit Farbfotos, die den King im Aqua Blue Vine-Jumpsuit in Action zeigen, verschiedenen Schnappschüssen am Flughafen und einem 16-seitigen Booklet mit Informationen rund um das Konzert in Richmond.

Aber das Wichtigste ist das Konzert selbst, ein echter Hammer, in wirklich guter Soundqualität! Hier hat Toningenieur Vic Anesini ganze Arbeit geleistet. Denn er schafft es, sowohl das Geschehen auf der Bühne als auch die Aufregung im Publikum zu transportieren, also das, worauf es bei einem Live-Konzert wirklich ankommt. Und das lohnt sich.

Der King selbst ist hörbar exzellenter Laune, verdammt gut bei Stimme und ausgelassener als bei dem Konzert zwei Tage später in Memphis. Begleitet wird er von seiner allseits bewährten TCB-Band mit James Burton an der Leadgitarre, Glen D. Hardin am Piano, Ronnie Tutt am Schlagzeug, John Wilkinson an der Rhythmusgitarre und Duke Bardwell am Bass.

Dazu kommen die Backgroundsänger mit den Soulladies The Sweet Inspirations, die Gospeltruppe J.D. Sumner & The Stamps, eine neue durchweg männliche Gesangsformation namens Voice und die zierliche Sopranistin Kathy Westmoreland, das „kleine Mädchen mit der schönen hohen Stimme“, wie Elvis Presley sie dem Publikum gerne vorstellte.

Die Songauswahl des Konzerts in Richmond unterscheidet sich nicht wesentlich von der des bekannteren in Memphis. Elvis präsentiert bei beiden seine inzwischen zum Markenzeichen gewordene Kombination von Rock ’n’ Roll, Blues, Gospel und Balladen. Beim Richmond-Konzert fehlen allerdings der Klassiker My Baby Left Me und How Great Thou Art, die beeindruckende Live-Interpretation vom 20. März 1974, die Elvis Presley einen weiteren Grammy (→Elvis und die Grammys) einbrachte:

  1. Also Sprach Zarathustra
  2. See See Rider
  3. I Got A Woman / Amen
  4. Love Me
  5. Trying To Get To You
  6. All Shook Up
  7. Steamroller Blues
  8. Teddy Bear / Don’t Be Cruel
  9. Love Me Tender
  10. Medley Long Tall Sally / Whole Lotta Shaking’ Goin’ On / Your Mama Don’t Dance / Flip Flop And Fly / Jailhouse Rock / Hound Dog
  11. Fever
  12. Polk Salad Annie
  13. Why Me Lord
  14. Suspicious Minds
  15. Vorstellung der Band
  16. I Can’t Stop Loving You
  17. Help Me
  18. American Trilogoy
  19. Let Me Be There
  20. Funny How Time Slips Away
  21. Can’t Help Falling In Love
  22. Closing Vamp

Bonus-Tracks:

  1. Sweet Caroline
  2. Johnny B. Goode
  3. That’s All Right

Die drei Bonus-Tracks der CD stammen vom 1. Konzert dieser März-Tournee in Tulsa/Oklahoma am 1. März (Sweet Caroline) und von dem des 17. März in Memphis/Tennessee. Die gesamte Tournee vom Frühjahr 1974 mit insgesamt 25 Konzerten an nur 20 Tagen – das Richmond-Konzert vom 18. März ist das drittletzte dieser Tour de Force – war ein uneingeschränkter Erfolg und gilt bis heute als eine von Elvis Presleys besten. Die Nachfrage nach Tickets war so groß, dass Zusatzkonzerte angesetzt wurden.

48 Hours To Memphis: Highlights

Von den ersten Klängen an ist bei diesem Konzert klar, das wird eine gute Show. Ein kraftvolles Trying To Get To You ist ein erster Höhepunkt…

Audio: Trying To Get To You, 1974

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