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If you’re looking for trouble: Der Vater-Sohn-Konflikt in King Creole

Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis Presley, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

“I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.”

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

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Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie “die Viper”) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis “verzärtelten” Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

“If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin’ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?”

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

“It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.”

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn “chicken”, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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JUST ELVIS: Vision und Konzept des ’68 Comeback-Specials

Als Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe am Morgen des 10. Mai 1968 das Büro von Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker verließen (→ siehe dazu Teil 1 der Serie), waren sie sich keineswegs sicher, ob sie die soeben besprochene TV-Sondersetzung mit dem King tatsächlich realisieren wollten.

Immer noch der King oder ein Relikt aus den 1950ern? Elvis Presley im Frühsommer 1968.

Vor allem der 35-jährige Binder, der im Gegensatz zu seinem Partner Howe Elvis Presley bis zu diesem Zeitpunkt noch nie getroffen und folglich auch noch nicht mit ihm gearbeitet hatte, war skeptisch, ob ein Projekt mit dem “King of Rock ‘n’ Roll”, der für ihn vor allem ein Relikt aus den 1950ern war, wirklich ein kluger Karriereschritt war. Noch dazu schwebte Elvis’ Manager eine Show mit Weihnachtsliedern vor, die auf wenig Begeisterung bei Regisseur und Musikproduzent stieß.

Binder hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen, wie er nur wenige Stunden später feststellen sollte. Als Elvis Presley am Nachmittag des 10. Mai auf die Minute pünktlich in Binder und Howes Büro auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles eintraf, sah er nicht nur umwerfend und ganz und gar nicht wie ein Relikt der 1950er aus, sondern eroberte den skeptischen Regisseur im Sturm mit seiner Persönlichkeit. Wie Howe seinem Partner prophezeit hatte, waren er und der fast gleichaltrige Presley sofort auf einer Linie und wie selbstverständlich per Du.

Sofort auf einer Linie: Steve Binder und Elvis Presley 1968.

Nachdem Elvis seine Entourage – die berühmte Memphis Mafia –  im Vorzimmer des Binderschen Büros sich selbst überlassen hatte, kam es zu einem erstaunlich offenen 6-Augen-Gespräch zwischen ihm, Binder und Howe über das geplante TV-Special für NBC.

Binder fragte Elvis unumwunden, an welchem Punkt seine Karriere sich aus seiner Sicht aktuell wohl befände. Der King anwortete mit einer Gegenfrage: “Sag’ Du es mir!” “Ich sehe keine Karriere“, sagte Binder direkt, und verwies darauf, dass er als erfolgreicher TV-Produzent im Musikgeschäft schon ein paar Jahre lang keine Elvis-Songs mehr die Charts habe stürmen sehen. Er nehme außerdem an, dass die Idee des TV-Specials aufgekommen sei, weil die Hollywoodfilm-Deals auch nicht mehr so liefen.

Damit traf Binder den Nagel auf den sprichwörtlichen Kopf – und das machte Eindruck auf Elvis Presley. Binder sprach offen aus, was er selbst längst dachte. Daraufhin entspann sich ein Gespräch über die aktuelle Musikszene. Zu Binders Überraschung kannte der King sich bemerkenswert gut aus, war also nicht wie befürchtet in der Vergangenheit stecken geblieben.

Endgültig gebrochen war das Eis, als Elvis die Frage, ob er denn einen für damalige Verhältnisse sehr modernen, von Bones Howe inspirierten Song wie Jimmy Webb’s Mc Arthur Park selbst aufnehmen würde, sofort bejahte. Schauspieler Richard Harris hatte mit Mc Arthur Park im selben Jahr einen Nummer-1-Hit in den Billboard-Charts.

Keep it simple: Ganz einfach nur Elvis

Jetzt waren Binder und Howe überzeugt, dass es Elvis Presley nicht darum ging, sich auf dem Erfolg vergangener Tage auszuruhen. Das war also nicht das Problem. Aber es gab eins: Elvis hatte große Vorbehalte gegen das Medium TV an sich, denn er hatte es in der Vergangenheit als extrem einschränkend erlebt.

Wirklich er selbst, betonte er, sei er nur im Aufnahmestudio mit gutem Songmaterial, zu dem er einen emotionalen Bezug habe, und live auf der Bühne, wo er sich frei bewegen könne und nicht wie festgetackert vor dem Mikro stehen müsse. In den 1950ern hatte er sich in TV-Shows, wie etwa bei Steve Allen, wiedergefunden, die um den Gastgeber herum gebaut waren, der ihn mehr oder weniger nur als Quotentreiber vorführte und nur wenig eigenen Spielraum ließ.

Binder versicherte Elvis, dass sie das geplante Special völlig anders angehen würden. Es solle ihm passen wie ein maßgeschneiderter Anzug und daher auch nur für ihn und niemand anders als ihn funktionieren. JUST ELVIS – so der Arbeitstitel. Der gesamte Fokus solle auf Elvis Presley und seiner Musik liegen – keine anderen Gäste sollten davon ablenken. Sein Team wolle die perfekten Bilder zur Musik Elvis Presleys finden, damit er sich ganz auf seine Musik konzentrieren könne.

Und dennoch sei das TV-Special nicht ohne Risiko, so Binder zu Elvis. Sollte es trotz aller Bemühungen floppen, wäre es wohl vorbei mit seiner Karriere. Wäre es aber ein Erfolg, dann wäre der King aller Wahrscheinlichkeit zurück auf seinem Thron. Elvis Presley war bereit, das Risiko einzugehen. Von einem Weihnachtsspecial war dabei nicht die Rede.

Man vereinbarte unverzüglich ein zweites Treffen, bei dem Binder und Howe konkrete Ideen für die Sondersendung präsentieren wollten.

The Guitar Man’s Journey

Gleich nach diesem ersten Gespräch mit Elvis formierten Binder und Howe eine Brainstorming-Runde mit ihrem bewährten Produktionsteam. Dazu gehörten der Bühnenausstatter Gene McAvoy, die Choreografen Claude Thompson und Jaime Rogers, Gesangsarrangeur Earl Brown, Kostümdesigner Bill Belew, der in den 1970ern Elvis berühmte Jumpsuits kreiieren sollte, und die Drehbuchautoren Allan Blye und Chris Bearde. Letzterer ein mehrfacher Emmy-Gewinner, der auch für eine der Lieblings-Comedyserien Elvis Presleys schrieb: Rowan & Martin’s Laugh In (1968-1973).

Um die Idee von JUST ELVIS mit Leben zu füllen, besorgten sich Blye und Bearde so viel Song- und Filmmaterial von Elvis wie irgend möglich. Sie sollten die Basis bilden für das musikalische Drehbuch, das Elvis Presleys Leben sozusagen “in Musik”erzählen sollte. Ihre Grundidee leiteten Blye und Bearde dabei von dem Stück The Blue Bird des belgischen Dramatikers Maurice Materlinck ab. Im Stück geht es um Kinder, die ausziehen, um Glück und Wohlstand zu suchen, am Ende aber erkennen, dass das wahre Glück zu Hause liegt.

Schnell werden Blye und Bearde in Elvis’ Songrepertoire auf den Song Guitar Man von Songwriter Jerry Reed aufmerksam, den Elvis 1967 aufgenommen, der aber wenig Resonanz in den Charts gefunden hatte.

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Elvis und Rassismus: “Weiße Nigger” und “schwarze Engel” in Las Vegas

Als Elvis Presley im Sommer 1974 seine 11. Saison im großen Showroom des Hilton Hotels (vormals International) in Las Vegas absolvierte, kam es bei der Mitternachtsshow am 27. August zu einem Zwischenfall, der auf dem folgenden Audiomitschnitt ab 1:24 auszumachen ist.

Elvis Presley im Showroom des Hilton Hotels in Las Vegas im August 1974 – Foto: Fashion For A King, Flaming Star / FTD Books 2011

Elvis über “white N.I.G.G.E.R.” – FTD Elvis From Sunset To Vegas

Was hier zu hören ist, ist der akustisch nicht optimal zu verstehende rassistische Einwurf einer Frau aus dem Publikum, kurz bevor Elvis Presley zum Song It’s Now Or Never (alias O Sole Mio) überleiten möchte. Die Zwischenruferin sagt in etwa: “damn nigger [you’re so full of yourself]“.

Elvis, der sich privat für Etymologie (die Bedeutung und Geschichte von Wörtern) interessierte, nimmt diese Beleidigung spontan zum Anlass, seinem Publikum mit Verweis auf das Lexikon (Webster’s Dictionary) mal ganz genau zu erläutern, was N.I.G.G.E.R. eigentlich bedeutet, nämlich schlicht “lazy and shiftless” (dt.: faul, träge).

Der King kontert den rassistischen Zwischenruf also mit einer neutralen Bedeutungsebene des Wortes, die sich so tatsächlich in älteren Ausgaben des Webster findet, und folgert daraus entsprechend: “in that case there are white niggers, too / also gibt es auch weiße Nigger. Nigger ist also vor allem eine Frage der Einstellung und nicht der Hautfarbe.

Als Beleg für seine Erläuterung verweist er auf Charaktere in der wöchentlich ausgestrahlten amerikanischen TV-Serie Hee Haw (1969 – 1992). Gemessen am Applaus kommt diese Erläuterung beim Publikum durchaus gut an, womit die Sache für den King vorerst erledigt ist.

Welche Macht das “N-Wort” selbst in einem positiven Kontext hat, zeigte sich 2009 als der oben beschriebene Mitschnitt auf der CD Elvis From Sunset To Las Vegas des Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) veröffentlicht wurde. Spontan gab es Beschwerden – von welcher Seite auch immer -, die dazu führten, dass FTD diese Sequenz nun nicht mehr auf der CD veröffentlicht.

Es kursieren also Versionen der Veröffentlichung mit und ohne diesen Mitschnitt (→ vielen Dank an Helmut Radermacher für diesen Hinweis) – davon abgesehen gibt’s das Ganze natürlich auch auf Bootlegs. Irgendwie sehr schade, dass es immer noch nicht ohne eingeforderte Zensur geht.

Dass Rassismus über den geschilderten Vorfall hinaus im August 1974 sehr präsent im Bewusstsein Elvis Presleys war, zeigt eine weitere Episode aus demselben Las Vegas-Engagement. Bei mehreren Konzerten erzählte Elvis seinem Publikum folgende Anekdote, die Bezug auf die Dekorationen des Showrooms nahm. Der war offensichtlich durch Wandgemälde, die Szenen aus dem 18. Jahrhundert zeigten, und barocken Putten geschmückt. Eine Steilvorlage für den King, um sein Weltbild zu transportieren:

“Richtet einen Strahler auf die Statuen an dieser Wand. O.k. Das ist schön. Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber das ist schön. Tom Jones war neulich hier, und er kommt aus Wales. Ich fragte Tom, was das [Statue an der Wand des Showrooms] ist, und er sagte, dass es King Edward wäre. King George, tut mir Leid, entschuldigen Sie, Ihre Majestät. Nehmt jetzt den Strahler und richtet ihn auf diese Engel [an der Decke]. Schaut euch nur diese Kerle an, Junge. Große, fette Engel! [Jetzt] Richtet den Strahler auf diese Wand da drüben. Sie werden einen leichten Unterschied bemerken. Die ‘Kaukasier’ unter Ihnen. Das ist es doch, oder? ‘Kaukasier’? Das stand auf meiner Einberufung. Ich dachte, es würde ‘beschnitten’ bedeuten! Jedenfalls, letzte Nacht kam ich gegen 4:40 morgens hier runter, mit ein paar Freunden, die für mich arbeiten, Jerry Schilling und Red West […] Jedenfalls, er [Red West] kletterte über das Geländer, wo [die Hoteltechnik] ihr Material aufbewahrt, die Farbe und so weiter; er […] holte eine kleine Dose schwarze Farbe. Er steckte sie in seinen Gürtel, kam zurück, kletterte rüber und wir stellten zwei Tische übereinander. Ich stieg mit der Farbe und dem Pinsel hoch, und ich war Michelangelo, oder der Kerl, der die Decke im Vatikan, die Sixtinische Kapelle, malte. Ich habe diese Statue [schwarz] gemalt. Es hat 30 Minuten gedauert. Das Hotel hat kein Wort gesagt. Ich dachte nur, ich teile es mit Ihnen.”

Zitiert nach der deutschen Ausgabe von Peter Guralnick: Careless Love, Bosworth 2006

Meistens aus dem Zusammenhang zitiert, wird diese Anekdote gerne als peinliche rhetorische Episode interpretiert, die besser gar nicht erst erwähnt wird. Schade, denn es lohnt sich genauer hinzuschauen, was Entertainer Presley, der direkte Äußerungen zu politischen bzw. gesellschaftlichen Themen stets ablehnte (→ Welcome to my World – Welcome to the Promised Land), hier tatsächlich kommuniziert.

Interessant auch deshalb, weil man ihm seit den 1950ern immer wieder rassistische Tendenzen unterstellt hat (→ siehe auch Elvis, der American Dream und Donald Trumps Amerika).

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Der King in der Jugendbuchliteratur

Bevor es hier im Blog noch im Juli und August weiter geht mit Teil 2 und 3 meiner Serie zum legendären ’68 Comeback Special ELVIS, das in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert, wird es erst noch einmal akademisch. Ein bisschen zumindest. Und zwar geht es um das Thema Elvis in der Literatur, genauer gesagt um Elvis als literarisches Motiv in Kinder- und Jugendbüchern.

Nicht nur in der Literatur ein kinderlieber Superstar: Elvis hat Spaß mit seiner dreijährigen Filmpartnerin Pam Ogles in einer Drehpause zum Film Follow That Dream (Sommer in Florida), 1961.

Wen das Thema interessiert, dem möchte ich zwei deutsche Buchveröffentlichungen und eine amerikanische jüngeren Datums ans Herz legen. Alle drei sind als Urlaubslektüre auf jeden Fall geeignet:

1. ‘All Shook Up’ von Shelley Pearsall (2008)

Spätestens seit Jana Scheerers erfolgreichem Roman Mein innerer Elvis (2010) ist der King als literarische Figur auch in der deutschen Kinder- und Jugendbuchliteratur ein Begriff. In den USA ist das schon länger der Fall. Hier hat Elvis Presley über  zeitgenössische Jugendbücher zudem längst einen festen Platz in den Unterrichtsplänen der Schulen gefunden. Unterhaltsam – auch für Erwachsene – und tiefgründig zugleich ist Pearsalls Geschichte des 13-jährigen Josh Greenwood, dessen Vater sich nach den Schulferien plötzlich in Elvis Presley verwandelt – zum Horror des Sohnes.
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2. Jana Scheerer ‘Mein innerer Elvis’ (2010)

Die 15-jährige Antje spielt die Hauptrolle in Jana Scheerers Mein innerer Elvis. Antje lebt mit ihren Eltern und der 6-jährigen Schwester in Norddeutschland, wo sie ein Gymnasium besucht. Eigentlich ist Antje eher unauffällig – bis auf diese eine Sache, die wirklich niemand in ihrer Familie und ihrem Freundeskreis versteht: Die 15-jährige ist ein riesiger Elvis-Fan. Und das hat Folgen. Wie Elvis zum Katalysator für Antjes ganz persönlichen Roadtrip wird, und die 15-Jährige dabei ihren “inneren Elvis” findet, das ist Thema in Scheerers humorvollem Roman.
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3. Rorbert Jüttners ‘Elvis verschwindet’ (2012)

Den schmerzhaften Verlust der Kindheit thematisiert Rorbert Jüttner in seinem Bucherstling ‘Elvis verschwindet’, in dem der 17-jährige Elvis-Fan Daniel Nawrat im Westberlin der frühen 1980er die traurige Erfahrung macht, das die Dinge oft ganz anders sind als sie scheinen.
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Viel Spaß beim Lesen!

ELVIS 1968 – Prelude zum ’68 Comeback Special

NBCs TV-Special ELVIS – heute besser bekannt unter dem Namen ’68 Comeback Special – wird in diesem Jahr 50! Längst ein zeitloser Klassiker besticht Steve Binders Produktion für den Fernsehsender NBC aus dem Jahr 1968 ebenso mit Elvis Presleys energie- und emotionsgeladener Musik wie mit der Wucht schöner Bilder.

Nie zuvor und niemals danach wurde der King im Fernsehen so gut in Szene gesetzt. Das war kein Zufall, sondern das Resultat der fruchtbaren Zusammenarbeit des Memphis Flash mit Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe.

I’m back! Elvis Presley im Juni 1968.

Dabei war Steve Binder (*1932), der Medizin studierte, bevor er in den 1960ern sein Talent als Regisseur von Musikproduktionen fürs Fernsehen entdeckte (Hullabaloo, Shindig, T.A.M.I), zunächst gar nicht besonders begeistert davon, ein TV-Special mit Elvis zu realisieren.

Erst im April 1968 hatte der junge Regisseur ein Musik-Special für NBC mit der damals sehr populären britischen Sängerin Petula Clark (*1932) auf Sendung gebracht, das sehr kontrovers diskutiert wurde. Und zwar, weil Petula während ihres Duetts mit Harry Belafonte zu On The Path Of Glory dessen Arm berührte.

Die Berührung eines Afroamerikaners durch eine weiße Frau, sei sie auch noch so harmlos wie im Video, war trotz Bürgerrechtsbewegung zu dieser Zeit nach wie vor ein Tabu im amerikanischen Fernsehen.

Obwohl Binder von Sender und Hauptsponsor aufgefordert wurde, die Szene zu streichen, kam er dem in Absprache mit Clark nicht nach. Die TV-Show wurde mit der Szene gesendet. Die nachfolgenden Diskussionen sorgten dafür, dass Binder ernsthaft überlegte, seine Karriere als Regisseur im Fernsehen aufzugeben und sich anders zu orientieren, wie er in seiner Buchpublikation ’68 at 40 Retrospective (2008) erzählt. Aus Fernsehkreisen hörte Binder nämlich, dass er nach dieser Sache keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen würde.

Just zu diesem Zeitpunkt erreichte Binder ein Telefonanruf des TV-Produzenten Robert “Bob” Finkel (1918-2012). Finkel hatte die Diskussion um den Aufreger ebenfalls mitbekommen – und die hatte ihn auf eine richtig gute Idee gebracht, wie er endlich eines seiner dringlichsten Probleme lösen könnte.

Ein Fernseh-Special – och nee!

Finkel, bis zu diesem Zeitpunkt u.a. erfolgreich mit TV-Produktionen für Andy Williams und Dinah Shore, erzählte Binder, dass er von NBCs Vizepräsidenten an der Westküste, Tom Sarnoff, den Auftrag erhalten hatte, eine TV-Show mit Elvis Presley zu produzieren. Die Show war Teil eines Paket-Deals, den Sarnoff mit Presleys Manager Colonel Tom Parker abgeschlossen hatte. Das einzige Problem: Elvis hatte offenbar überhaupt keine Lust auf ein Fernseh-Special.

Im Frühjahr 1968 hatte Finkel mehrere Besprechungen mit Elvis, in denen es um das geplante TV-Special ging. Immer wenn Finkel bei diesen Gelegenheiten auf Elvis traf, war der zwar freundlich und höflich, blieb aber distanziert, was Finkel zunehmend irritierte. Der King weigerte sich schlicht, den Produzenten zu duzen. Finkel ahnte, dass dahinter mehr als reine Südstaatenhöflichkeit steckte.

Inhaltlich machte Elvis in den Gesprächen mit Finkel nämlich deutlich, dass ihm vor allem daran gelegen war, sein Hollywood-Image abzulegen und sich als vielseitiger Musiker der Gegenwart zu positionieren. Kurz: Der King wollte zeigen, was er alles noch drauf hatte. Eine TV-Show, die – so der Plan seines Managers – nur (ältere) Weihnachtssongs in den Fokus stellte, würde das ganz sicher nicht bewirken, war Elvis überzeugt.

Juni 1968 (v.l.n.r.): Dayton “Bones” Howe, Steve Binder, Elvis und Bob Finkel finden nach Anfangsschwierigkeiten zueinander und haben sichtlich viel Spaß dabei.

Abgesehen davon äußerte der King grundsätzliche Vorbehalte gegen das Medium Fernsehen, hatte er sich in den 1950ern doch vor allem als “novelty act”,  als kurioses Phänomen, in den Varieté-Shows von Steve Allen und Ed Sullivan wiedergefunden, wo er dazu verdonnert wurde, in altmodischen Sketchen mitzuspielen und seinen Hit Hound Dog einem lebenden Bassett vorzusingen.

Steve Allen Show Juli 1956: Elvis beglückt den Bassett mit seinem Windhund-Hit Hound Dog.

Finkel wurde klar, Fernsehproduzenten standen ebenso wenig hoch im Kurs bei Mr. Presley wie Hollywoodproduzenten – da blieb man lieber beim Sie. Wollte er mit dem geplanten Fernseh-Special bei Elvis also je vorankommen, dann brauchte er einen richtig guten Plan.

Die Kontroverse um die Petula-Show brachte ihn auf die Idee, dass ein junger talentierter Regisseur wie Binder her musste. Einer, der den Status Quo selbst gerne herausforderte, war doch genau der richtige Partner für einen Musiker, der in den 1950ern für ordentlich Furore gesorgt hatte und sich jetzt eindrucksvoll zurückmelden wollte.

Doch Binder war nicht überzeugt. Elvis? Och nee, dachte der sich und bekennt heute lachend: “Ich hatte für Elvis’ Musik damals nicht viel übrig. Ich meine, ich bin an der Westküste aufgewachsen und stand mehr auf die Beach Boys, Jimmy Webb und `Mc Arthur Park’, solche Sachen.”

Zunächst kein Fan von Elvis: Regisseur Steve Binder.

Aber die Angelegenheit war immerhin so interessant, dass Binder sie mit seinem damaligen Partner, dem erfahrenen Musikproduzenten Dayton Burr “Bones” Howe (*1933), besprach. Und der sagte spontan: “Du bist verrückt, wenn Du die Chance ausschlägst, mit Elvis zu arbeiten. Ihr wäret ein großartiges Team.

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Elvis, der American Dream und Donald Trumps Amerika

In Eugene Jareckis Dokumentation “The King – Mit Elvis durch Amerika” (2017), die vor wenigen Wochen auch im deutschen Kino angelaufen ist, zieht der amerikanische Regisseur eine provokante Parallele zwischen Leben und Karriere Elvis Presleys und dem Niedergang der USA bis zur Wahl Donald Trumps als 45. Präsidenten der Vereinigen Staaten.

 

Pop Art: Elvis Presley als humorvolle Personifikation von U(ncle) S(am).

Elvis wird in der sozialkritischen Dokumentation, in der Jarecki während des Wahlkampfes Donald Trumps am Steuer von Elvis’ 1963er Rolls Royce Phantom 5 einen Roadtrip quer durch die USA unternimmt, als Metapher für den gescheiterten amerikanischen Traum präsentiert.

Auf dem Roadtrip, der wichtige Stationen in Elvis Presleys Vita einschließt, steigen immer wieder bekannte Persönlichkeiten in den Fond des Rolls Royce, neben Musikern auch Schauspieler wie Alec Baldwin und Ethan Hawke, und erzählen aus ihrer Perspektive über den King, den American Dream und den gesellschaftlichen Ist-Zustand in den USA.

Ein spannendes Konzept für eine sozialkritische Dokumentation, die den King in den Fokus nimmt. Aber vielleicht doch ein bisschen zu weit hergeholt 40 Jahre nach dem Tod Elvis Presleys?

Was ist dran an Elvis als nach wie vor lebendigem Symbol für den (verlorenen) American Dream? Es lohnt ein Blick zurück in das Jahr 1973.

Aloha: Mit freundlichen Grüßen von Elvis aus Honululu

Am 14. Januar 1973 betrat Elvis Presley die Bühne im Honolulu International Center, um eines seiner bis heute bekanntesten Konzerte zu geben: Aloha From Hawaii Via Satellite. Der Legende nach sollen über eine Milliarde Menschen aus 40 Ländern weltweit dieses Konzert live gesehen haben.

Gesungene Grüße an die Welt: Elvis am 14. Januar 1973.

Heute weiß man längst, dass es wohl doch nicht ganz so viele Zuschauer waren, die dem King am 14. Januar live auf der Mattscheibe folgten (→ mehr zur Einschaltquote von Aloha From Hawaii). Dies wäre wegen gleich mehrerer Rahmenbedingungen 1973 schlicht nicht machbar gewesen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Aloha From Hawaii Via Satellite dem King das größte, internationalste und wohl auch heterogenste Publikum seiner gesamten Karriere bescherte.

Reichweite sowie Internationalität des Satelliten-Specials der Superlative gaben Elvis Presley zudem die einmalige Möglichkeit für ein persönliches politisches Statement, die er auf bemerkenswerte Weise nutzte. Nun waren öffentliche Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen etwas, das Elvis Presley bekannterweise stets vermied – jedenfalls in ihrer direkten Form.

Verpackt in die Symbolik einer Performance sah das dann schon anders aus, wie der King bei seinem  Überraschungsbesuch bei Präsident Richard Nixon im Dezember 1970 andeutete, ohne allerdings bei dieser Gelegenheit das “Wie” genauer zu erläutern:

“I do my things just by singing, Mr. President. I don’t make any speeches on stage. I just reach them in my own way.”

“Ich mache die Dinge einfach, indem ich singe, Herr Präsident. Ich halte keine Reden auf der Bühne. Ich erreiche [die Menschen] auf meine Art.”

Zitat aus: Egil “Bud” Krogh: The Day Elvis Met Nixon (1994)

Sollte Präsident Nixon gut zwei Jahre nach dem denkwürdigen Treffen seinen Fernseher eingeschaltet haben, um sich Aloha From Hawaii anzuschauen, dann bekam er das Anschauungsmaterial für diese Aussage quasi nachgeliefert.

Was dem Zuschauer des Aloha-Konzertes sofort ins Auge springt, ist das auffällige, reich verzierte Bühnenkostüm Elvis Presleys, der “American Bald Headed Eagle-Jumpsuit”, dessen Design unübersehbar dem amerikanischen Weißkopfadler gewidmet ist.

Der ist seit 1782 das Wahrzeichen der Vereinigten Staaten von Amerika und findet bis heute als Symbol weite Verbreitung im täglichen Leben, u.a. auf den Münzen der amerikanischen Währung. In dem majestätischen Adler mit seinen eindrucksvollen Schwingen sahen die Urväter der amerikanischen Nation Freiheit, Stärke, Langlebigkeit und Autorität ihres Landes verkörpert.

Auf Elvis Presleys Bühnenkostüm findet sich der Adler groß auf Brust und Rücken, kleiner auf den Ärmeln, den Hosenbeinen und dem Gürtel des Einteilers, wo er sich jeweils mosaikartig aus einer Vielzahl vor allem roter, blauer, silberner und goldener Steine verschiedener Art, Größe und Form zusammensetzt. Manche der Steine sind aus Strass, andere wieder nicht, ergänzt werden sie von goldenen und silbernen Sternen um die Adler herum.

Die Sterne symbolisieren offenbar den Himmel, den Lebensraum des Königs der Lüfte, während die Steine, aus denen sich der Adler zusammensetzt, mit ihren unterschiedlichen Größen, Farben und Formen für die Vielseitigkeit der Nation selbst stehen.

Eindrucksvoll auch das zum Bühnenkostüm gehörende Cape, das ausgebreitet die majestätischen Schwingen des Adlers symbolisiert.

Elvis Presley hatte sich also für seinen internationalen Auftritt der Superlative im Januar 1973 die amerikanische Identität sozusagen auf den Leib schneidern lassen und präsentierte sich einem internationalen Publikum als personifiziertes Wahrzeichen Amerikas. Und das war alles andere als ein Zufall.

Der personifizierte American Dream

Fast auf den Tag zwei Jahre vor dem Aloha-Konzert –  und kurz nach seinem Besuch im Weißen Haus – wurde Elvis Presley eine der höchsten Auszeichnungen zuteil, die ein amerikanischer Bürger zu dieser Zeit erhalten konnte: Am 16. Januar 1971 wurde er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 mit dem Jaycee-Award, ausgezeichnet.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, und ihren symbolträchtigen Awards: zwei Hände, die sich berühren.

In seiner selbstverfassten kurzen Dankesrede vor der Jury und den anderen Preisträgern, darunter der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Thomas I. Atkins, stellte Elvis Presley einen direkten Bezug zwischen seiner Kindheit als armer Landarbeiterjunge aus dem Süden, den großen Träumen kleiner Jungen von Heldentum und Ruhm und der Erfüllung des American Dream her (→ mehr zu den Jaycees und  der Dankesrede).

Audio von Elvis Presleys Dankesrede anläßlich der Verleihung des Jaycee-Awards 1971

Elvis Presley glaube also fest an die schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankerte Vision vom amerikanischen Traum, die im Kern besagt, dass alle Bürger der Vereinigten Staaten die Chance haben, durch eigene Anstrengung und Wahrnehmung ihrer Möglichkeiten Erfolg zu haben und ihr Glück zu finden.

Sich selbst sah er als lebenden Beweis dafür, was er nicht nur bei der Befragung durch die Jury der Jaycees 1971, sondern auch bei seinen Besuchen im Weißen Haus und dem Headquarter des FBI im Dezember 1970 zu Protokoll gab.

Mehr noch: Diese Vision musste bewahrt und verteidigt werden – besonders in Zeiten wie den späten 1960er, frühen 1970er Jahren, in denen sich das Nation in einem fast bürgerkriegsartigen Zustand befand (Buchtipp Mark H. Lytle: Americas Uncivil Wars, The Sixties Era from Elvis to the Fall of Richard Nixon, 2005).

In einer Zeit, in denen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, der viele Opfer forderte, in brutale Straßenschlachten ausarteten, die einst friedliche Bürgerrechtsbewegung sich nach der Ermordung Dr. Martin Luther Kings in Elvis’ Heimatstadt Memphis gefährlich radikalisierte und eine selig berauschte Hippie-Generation den Cannabis-Konsum ihrer Kinder ganz in Ordnung fand.

“Promised Land” war in Gefahr. Seine Landsleute und die Welt “da draußen” daran zu erinnern, was großartig an der Vision der Gründerväter der Vereingten Staaten von Amerika war, sich auf ihre ursprünglichen Werte, ihre Stärken zu besinnen und “antiamerikanische Tendenzen” zurückzudrängen, war das Gebot der Stunde. Hier sah Jaycee-Preisträger Elvis Presley sich offenbar persönlich in der Pflicht.

Schließlich vertreten die Jaycees die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Sie werden laut Jaycees eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Als genialer Performer nutzte Elvis Presley sein besonderes Talent beim Aloha-Konzert für die Kommunikation dieser Überzeugung, indem er sich im Wahrzeichen Amerikas den eigenen Landsleuten ebenso wie dem internationalen Publikum präsentierte und eben nicht – wie erwartet – einen seiner weltbekannten Hits, sondern seine Interpretation von Mickey Newburys American Trilogy zum Höhepunkt des Konzerts machte.

An American Trilogy hat einen starken Bezug zum Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 1865) sowohl in Text als auch in Melodie und verweist damit auf eine Zeit, in der ein militärischer Konflikt zwischen den – nach der Wahl Abraham Lincolns zum amerikanischen Präsidenten – aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten (Konföderation) und den in der Union verbliebenen Nordstaaten entbrannte. Ursache des Bürgerkriegs war eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, bei der es vor allem auch um die Abschaffung der Sklaverei im Süden ging.

Die drei in den tödlichen Konflikt verstrickten Parteien – die Vertreter der Nord-, die der Südstaaten und die versklavte afroamerikanische Bevölkerung – werden in American Trilogy durch den Marsch der Union (Nordstaaten), The Battle Hymn of Republic einerseits, durch  Dixie, der inoffiziellen Nationalhymne der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg andererseits, und All My Trials, einem Wiegenlied, das eng verwandt mit afroamerikanischen Spirituals sein soll, repräsentiert:

An American Trilogy

Oh I wish I was in the land of cotton
Old things they are not forgotten
Look away, look away, look away dixieland
Oh I wish I was in dixie, away, away
In dixieland I take my stand to live and die in dixie
Cause dixieland, that’s where I was born
Early lord one frosty morning
Look away, look away, look away dixieland

Glory, glory hallelujah
Glory, glory hallelujah
Glory, glory hallelujah
His truth is marching on

So hush little baby
Don’t you cry
You know your daddy ‘s bound to die
But all my trials, lord will soon be over

Hier wird einmal mehr deutlich, dass Elvis Presleys Ansatz, Botschaften zu transportieren, ein indirekter war. Wie bei seinem Bühnenkostüm, dessen Design er selbst nie kommentierte, bediente er sich vor allem der Symbolik. American Trilogy ist kein zeitgenössischer Protestsong, bei dem der Liedtext, wie etwa beim klassischen Singer-/Songwriting, eine direkte Botschaft vermittelt, die sich leicht einordnen und interpretieren lässt.

American Trilogy in Elvis Presleys bombastischem Arrangement mit allem, was Band, Orchester sowie weiße und afroamerikanische Backgroundsänger aufzubieten haben, setzte ganz darauf, den Zuhörer emotional aufzurütteln.

Indem unterschiedliche musikalische Traditionen der amerikanischen Gesellschaft heraufbeschworen und lose miteinander verknüft werden, wird eine Analogie hergestellt zwischen dem Amerikanischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert und “America’s Uncivil War” im 20. Jahrhundert. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in den 1960er und 1970er Jahren des 20. Jahrhunderts werden so als Fortsetzung eines ungelösten gesellschaftlichen Konflikts präsentiert, der tief in der Geschichte der Nation wurzelt.

Trotz des fatalistischen Liedtextes (You know your daddy ‘s bound to die) vermittelt Elvis’ Darbietung der American Trilogy die Sicherheit, dass die Nation die Stärke (symbolisiert durch den Adler) und den Glauben hat, ihre Konflikte mit Gottes Hilfe (Glory, glory haleluja, his truth is marching on) zu überwinden und ihren Bürgern – ungeachtet von Hautfarbe und Herkunft – die Verwirklichung des American Dream zu ermöglichen.

Interessant ist, dass die Gesangsstimme durchweg die Perspektive des Südstaatlers beibehält (Cause dixieland, that’s where I was born, early lord one frosty morning), was ihr vor dem Hintergrund von Elvis Presleys Vita besondere Authentizität verleiht. Gerade in den amerikanischen Südstaaten wurden die gesellschaftlichen Konflikte besonders erbittert ausgetragen – im 19. ebenso wie im 20. Jahrhundert.

Elvis Presleys American Trilogy, das von einem ehemals armen Jungen aus dem Süden, der den amerikanischen Traum lebt, dargeboten wird in einem Bühnenkostüm, das den amerikanischen Adler als Symbol für Freiheit, Stärke, Langlebigkeit und Autorität symbolisiert, entwickelt eine ungeheure Kraft, der sich Zuschauer und Zuhörer des Aloha-Konzerts bis heute kaum entziehen können. Und das gilt längst nicht nur für US-Amerikaner, wie der Blick auf YouTube verrät.

In mehr als einer Hinsicht ist American Trilogy die Fortsetzung von If I Can Dream (1968), das Elvis Presley kurz nach der Ermordung Martin Luther Kings aufnahm. Auch hier spielt der American Dream eine zentrale Rolle, allerdings fehlt in der Performance noch die Personfizierung über ein symbolträchtiges Bühnenkostüm.

Ganz sicher ist es auch kein Zufall, dass der King den Gürtel seines Adlerkostüms bei seinem Konzert Aloha From Hawaii ausgerechnet nach American Trilogy ins Publikum des Honululu Convention Center warf – eine Geste, die er am Schluss des Konzerts mit dem „Fliegenlassen“ des Adler-Capes noch einmal aufnahm. Dergestalt ließ er den amerikanischen Adler um die Welt segeln.

Festzuhalten ist, dass Elvis Presley nicht zuletzt mit diesem Auftritt den bis heute lebendigen Mythos, er symbolisiere Amerika, ganz wesentlich mitbegründet hat. Es war u.a. dieser Moment, der zeitgenössische Dokumentationen wie Jareckis The King – Mit Elvis Durch Amerika nahelegt.

Elvis oder der amerikanische Albtraum

Bleibt die Frage, inwieweit Jareckis Dokumentation Elvis Presleys Sicht auf sich selbst und den American Dream überhaupt berücksichtigt. Sie tut es nicht – leider! Wie die meisten Dokumentationen über Elvis Presley stellt auch sie die Perspektiven anderer in den Mittelpunkt, ohne sie den Absichten des Protagonisten gegenüber zu stellen. In diesem Sinne ist sie eine Elvis-Dokumentation ohne Elvis. Da hilft auch der Original-Rolls nicht, mit dem Jarecki durch die USA kurvt.

Wie Jarecki in einem Interview erläutert, ist Elvis für ihn – und in der Erweiterung auch für alle, die in der Dokumentation zu Wort kommen – vor allem eine Metapher für das Scheitern des American Dream, das eine lange Vorgeschichte hat, aber nie deutlicher zutage trat als im Zeitalter Donald Trumps.

 

Die Metapher macht Jarecki, dessen Familie vor dem Holocaust aus Deutschland in die USA floh, vor allem an Parallelen zwischen der Situation, in der sich die amerikanische Gesellschaft derzeit befindet, und einer sehr einfachen Sicht auf das Leben Elvis Presleys fest. Eine Sicht, die sich schon früh nach dem Tod Presleys etablierte und daher sehr weit verbreitet ist, mittlerweile aber einer differenzierteren Sichtweise Platz gemacht hat.

Die vereinfachte Sicht, hundertfach nacherzählt, geht so: Elvis startete als junges unverbrauchtes Naturtalent, wurde aufgrund seines Genies weltberühmt, in der Folge zwangsläufig durch seinen Megaerfolg korrumpiert, verschwendete sein Talent in Hollywood und landete – nach einer kurzen Rückkehr zu alter Größe 1968 – in Las Vegas, wo er völlig übersättigt und vollgepumpt mit Tabletten fragwürdigen Wirkunsgrades sein Talent einbüßte und viel zu früh verstarb. Abgerundet wird das Ganze häufig noch mit John Lennons Zitat, dass Elvis im Grunde schon starb, als er 1958 zur Armee ging. 1973 wäre er damit bereits 15 Jahre tot gewesen.

Was so vielversprechend begann, entwickelte sich wie die Vision des American Dream schon sehr bald zu einem Albtraum erster Güte – und ist deckungsgleich mit dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft in der Ära Trump. “Amerika, wenn Du nicht endlich aufwachst, wirst Du enden wie Elvis”, ist die Botschaft in Jareckis Dokumentation.

Elvis ist hier das Symbol für einen Totalschaden des American Dream – sinnigerweise gibt auch sein Rolls Royce auf Jareckis Roadtip irgendwann den Geist auf.

Der American Dream als Totalschaden: Elvis Rolls Royce wird abgeschleppt.

Fazit: Jareckis The King – Mit Elvis durch Amerika, auch bekannt unter dem wesentlich treffenderen Titel “Promised Land”, ist sicher sehenswert, aber sie ist keine Elvis-Dokumentation im eigentlichen Sinne. Das sollte man wissen.

Elvis ist vor allem ein unterhaltsamer Aufhänger, um einen sozialkritischen Gesichtspunkt bildhaft an den Mann und die Frau zu bringen. Aber ganz offensichtlich ist er einer, der immer noch zieht, was zeigt, wie tief verankert im amerikanischen Bewusstsein der King mehr als 40 Jahre nach seinem Tod immer noch ist.

Are You… Laughing Tonight?

Heute schon so richtig von Herzen gelacht? Nein? Da gibt’s ein Gegenmittel: rein in die Zeitmaschine, zurück ins Jahr 1969, genauer gesagt den 26. August 1969, den besten Platz ganz vorne im großen Showroom des International Hotel in Las Vegas entern und Elvis sehen und vor allem hören: Are You… Laughing Tonight?

Einer hat gut lachen: Elvis Presley bei seinem 1. Las Vegas-Engagement im August 1969

Hat gut lachen: Elvis Presley bei seinem 1. Las Vegas-Engagement im August 1969

»Are You Lonesome Tonight« (Lachversion), Midnight Show, Las Vegas 26.8.1969 –
Elvis All Shook Up, Sammlerlabel FTD 2005

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60 Jahre Elvis in King Creole

2018 feiern gleich mehrere Elvis-Klassiker Jubiläum: Einer davon ist Elvis 4. Kinofilm King Creole. In dem atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Streifen aus dem Jahr 1958 erspielte sich der King vor 60 Jahren neben Walter Matthau den Respekt von Regiealtmeister Michael Curtiz (Casablanca). Das Ganze vor der Kulisse von New Orleans.

Der Hollywoodstreifen ist erstaunlich gut gealtert und im Vergleich zum legendären Jailhouse Rock (1957) vielleicht der wahre Elvis-Filmklassiker aus den 1950ern. Zum Jubiläum von King Creole gibt es hier jedenfalls endlich die längst überfällige Serie zu Soundtrack und Film.

Als Auftakt zur Serie folgt eine Buchbesprechung zum Bildband King Creole Frame by Frame, der 2012 erschienen ist und mit seinen Bilderwelten wunderbar auf den Film einstimmt.

Buchtipp King Creole Frame by Frame

Schon auf den 1. Blick in diese über 400 Seiten starke Veröffentlichung aus dem Hause Flaming Star in Kooperation mit dem Sammlerlabel Follow That Dream wird klar, dass die langjährigen Elvis-Aficionados und Hauptautoren Erik Lorentzen und Pål Granlund aus Norwegen hier tief in ihre umfangreichen Bildarchive gegriffen haben.

Elvis Presley in King Creole (1958)

Über 1.000 wenig bekannte und bislang unveröffentlichte Fotos, meist schwarz/weiß, findet der Leser hier in guter Druckqualität (besser als in diesen Scans!) auf gestrichenem Papier vor. Den Hauptteil der Fotos, die von den Paramount-Fotografen Bud Fraker und Mal Bulloch im Paramount-Studio und vor Ort in New Orleans gemacht wurden, wollen die Autoren schon in den frühen 1970er Jahren während einer ihrer USA-Reisen zu Elvis-Konzerten für ihre Sammlung entdeckt haben.

Alle Fotos: © 2012 Flaming Star

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Onkel Gustav’s Hütte

Potzblitz, das ist er ja tatsächlich! Der Hermann hat recht. In Gustav Matthes’ Biergarten – im Volksmund liebevoll “Onkel Gustav’s Hütte” genannt – sitzt unterm Bluna-Sonnenschirm kein geringerer als Elvis Presley höchstpersönlich. Er ist – wie die beiden GIs, die ihn begleiten – in Uniform. Unverkennbar prangt darauf sein Name und das Abzeichen seiner Einheit.

Elvis Presley mit Jugendlichen aus dem Usinger Land vor “Onkel Gustav’s Hütte” am Hattsteinweiher 1959 – in der Mitte vorne sitzt der 15-jährige Peter Weidemann, rechts neben ihm Freund Hermann Wöhlermann. Foto: Dr. Peter Weidemann

Hinter der kleinen Gruppe, die (noch) allein an einem Tisch sitzt, erstreckt sich eine Liegewiese. Auf ihr haben es sich an diesem hochsommerlich-sonnigen Freitagnachmittag Mitte August 1959 zahlreiche Badegäste auf Decken und Handtüchern bequem gemacht.

Ein beliebtes Ausflugslokal: “Onkel Gustav’s Hütte” in den 1950er Jahren – Foto: Dr. Peter Weidemann

Die Wiese mündet nämlich in den Hattsteinweiher, dem einzigen offiziellen Badesee im Usinger Land. Eigentlich ist der nichts weiter als ein künstlich angelegter Teich, etwa 1,6 Hektar groß, umgeben von einem Rundweg.

Der Hattsteinweiher bei Usingen heute – vom Rundweg aus in Richtung Liegewiese fotografiert: Rechts hinten im Bild ist die Stelle zu sehen, an der einst Onkel Gustav’s Hütte stand. Es gibt sie schon lange nicht mehr, dafür einen Strand und ein Ausflugslokal – Foto: memphisflash.de

Der Hattsteinweiher liegt vor den Toren des kleinen Örtchens Usingen im Hochtaunus, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Von den Friedberger Ray Barracks aus, wo Elvis Presley vom Herbst 1958 bis März 1960 als Späher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division seinen Wehrdienst absolviert, erreicht man den Weiher mit dem Auto in einer knappen halben Stunde.

GI Presley vor dem Schild seiner Einheit in Friedberg 1958 – kurze Zeit nach dieser Aufnahme wechselte er zur Company C.

Der Hattsteinweiher ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region – im Sommer zum Zelten, Campen und Baden, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Und er ist so ziemlich die einzige Attraktion, die Usingen seinen knapp 5.000 Einwohnern in den 1950ern an einem heißen Sommertag zu bieten hat.

Niemand weiß das besser als der 15-jährige Peter Weidemann, der 1959 in dem Städtchen wohnt und hier das örtliche Gymnasium, die Christian-Wirth-Schule, besucht. 1963 wird er in Usingen sein Abitur machen. Aber noch ist es nicht so weit.

Blick über die Dächer von Usingen heute: Das schlossartige Gebäude in der hinteren Bildmitte ist die Christian-Wirth-Schule, an der Peter Weidemann 1963 sein Abitur macht. Foto: Wikipedia

Keine halbe Stunde bevor Peter an diesem 14. August 1959 zum ersten Mal vor Elvis Presley steht, hat er noch keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und damit auch sein Ferienjob auf dem Bau. Es ist glücklicherweise ein Freitag und er hat früher mit der Arbeit Schluss machen können.

Jetzt heißt es schnell die Badesachen packen, bloß das wertvolle Philips-Kofferradio, ein Geschenk zur Konfirmation, nicht vergessen und die 10 Minuten zum Hattsteinweiher laufen, wo sein jüngerer Bruder Günther und die Clique um seinen gleichaltrigen Freund Hermann sicher schon auf ihn warten.

Fahrrad und Radio immer dabei: Die “Weiher-Clique” um Peter (in der Mitte) und Hermann (im dunklen Shirt links hinter Peter) am Hattsteinweiher in Usingen. Foto: Dr. Peter Weidemann

Doch kaum hat er sein Zuhause in der Hattsteiner Allee verlassen, sieht er plötzlich seinen Freund auf seinem Rennrad die Allee hinunter sausen. Mit einer Vollbremsung macht er vor Peter Halt. “Peter, du musst unbedingt umkehren und einen Fotoapparat holen. Der Elvis ist am Weiher”, stößt Hermann aufgeregt und völlig außer Atem hervor. “Hier nimm mein Rad, ich warte hier auf dich”, sagt Hermann.

Peter weiß, sein Freund ist nicht nur wie er ein begeisterter AFN-Hörer, sondern auch ein riesiger Elvis-Fan, während er selbst sich genauso gerne Buddy Holly oder Frankie Avalon hört. Dass Elvis sich ausgerechnet an “den Weiher” zu Onkel Gustav verirrt, ist dennoch wie ein Sechser im Lotto. Peter schnappt sich ohne viel Federlesen das Rad von Hermann und saust zurück zum Elternhaus, wo Vater Weidemann seine Kamera, eine Agfa Clack, aufbewahrt. Und Gott sei Dank ist heute auch ein Film drin.

Zusammen machen sich die beiden Jungs in großer Eile auf dem Weg zum Weiher und dort schnurstracks an den Tisch, an dem der King in aller Seelen Ruhe sitzt und eine Cola trinkt. Als sie ankommen, ist es etwa 15.00 Uhr am Nachmittag. Und obwohl einiges los ist am Weiher – viele Kinder und Jugendliche genießen die Badesaison – haben erst wenige Elvis Presley erkannt.

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Lisa Marie Presley

Des Königs Prinzessin, Lisa Marie Presley ( *1. Februar 1968), hat heute Geburtstag – einen runden noch dazu. Mensch, wie die Zeit vergeht. Herzlichen Glückwunsch zum 50, Lisa Marie!

Schön und glücklos in der Liebe: Lisa Marie Presley

Doch mit wem feiert Lisa Marie ihren runden Geburtstag? Ganz sicher nicht mit dem Noch-Ehemann Nr. 4, Musiker und Produzent Michael Lockwood, mit dem sie sich seit der Trennung Mitte 2016 einen erbitterten Scheidungskrieg liefert.

Glückliche Zeiten: Lisa Marie Presley und Ehemann Nr. 4, Michael Lockwood, 2011

Es geht dabei u.a. um die Rechtmäßigkeit eines Ehevertrags, Unterhaltszahlungen für Lockwood, Missbrauchsvorwürfe und ein Gerücht, der Ehemann sei zumindest zeitweise im Besitz kinderpornographischen Materials gewesen. Kurz: Eine Menge schmutzige Wäsche wird gewaschen – ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse.

Auf der Flucht vor der Presse: Lisa Marie mit Ehemann Michael Lockwood und den Zwillingen Finley und Harper

Wie viel davon wahr ist, ist schwierig auszumachen. 2016 soll Lisa Marie sich in der Entzugsklinik The Hills Treatment Center in Los Angeles wegen ihrer Abhängigkeit von Alkohol und Tabletten behandelt lassen haben. In dieser Zeit kamen die Zwillingstöchter Harper und Finley (*2008) aus der Ehe mit Lockwood in die Obhut von Großmama Priscilla Presley (*1945), die das über ihre Social Media Accounts bestätigte.

Oma Priscilla Presley hat Spaß mit ihren Enkelinnen Finley und Harper

Mama Priscilla wird also sicher zum runden Geburtstag ihres einzigen Kindes aus der Ehe mit dem King of Rock ‘n’ Roll vorbeischauen – mit ihren jüngsten Enkeln im Schlepptau. Ebenso wie Lisa Maries schon erwachsene Tochter Riley (*1989), inzwischen selbst verheiratet und eine erfolgreiche Schauspielerin, und Sohn Benjamin (*1992) – beide stammen aus Lisas erster Ehe mit dem Musiker Danny Keough.

Familie Presley: Lisa Marie umringt von ihren älteren Kinden Benjamin und Riley mit Priscilla bei einer Gedenkfeier zu Ehren des berühmten Großvaters in Graceland

 

Drei Generationen Presley auf dem Cover der Vogue: Priscilla, Riley und Lisa Marie

 

Lisa Marie Presley mit Ehemann Nr. 1: Musiker Danny Keough

Zu ihrer Mutter Priscilla Presley hat Lisa nach eigener Aussage heute ein gutes Verhältnis – das war längst nicht immer so, zu unterschiedlich sind die beiden Frauen.

Das wird auch im folgenden Interview der beiden in der Oprah Winfrey Show 2005 deutlich. Lisa Marie hatte ihre Mutter bei ihren beiden ersten Eheschließungen schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Und die war alles andere als begeistert.

Daddy’s Girl

Lisa Marie ist offensichtlich, wie so viel Töchter, ein richtiges “Papa-Kind”. Das Verhältnis zum Vater, dem sie auf verblüffende Weise ähnlich sieht, war sehr eng, auch nach der Scheidung der Eltern (1973) nach nur 6 Jahren Ehe.

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