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Elvis Presleys Blue Moon

Ziemlich genau 15 Jahre bevor der amerikanische Astronaut Neil Armstrong im Sommer 1969 als erster Mensch den Mond betrat, setzte Elvis Presley unserem Lieblingsplaneten ein musikalisches Denkmal mit dem Song Blue Moon. Geniale Voraussicht des King, oder?

Elvis Presley und der Blue Moon.

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung und 65 Jahre nach Elvis‘ Aufnahme in Sam Phillips legendärem Sun-Studio in Memphis wird das jedenfalls ganz gerne so gesehen, zumal Blue Moon vom Sommer 1954 eine sehr ungewöhnliche Aufnahme für den „Rockabilly-Elvis“ aus den guten alten Sun-Tagen ist. Zumindest scheint das so – auf den ersten Blick.

Zu ungewöhnlich jedenfalls für Studioinhaber Sam Phillips, der nach der ersten erfolgreichen Single That’s All Right/Blue Moon Of Kentucky lieber etwas in dieselbe Richtung folgen lassen wollte.

Blue Moon wurde jedenfalls nie bei Sun veröffentlicht, sondern erschien erst nach Elvis Presleys Wechsel zum Plattenlabel RCA im März 1956 auf der ersten LP des King mit dem schlichten Titel Elvis Presley. Und ein halbes Jahr später dann gemeinsam mit Just Because – ebenfalls bei Sun aufgenommen – auf Single.

Elvis Presley Blue Moon – Boxset A Boy From Tupelo, 2012

Ein Chartstürmer wurde Blue Moon bei Label RCA nicht – dennoch gilt der Song heute zurecht als Elvis-Klassiker. Doch wo kommt der eigentlich her?

Blue Moon startet als Prayer

Blue Moon ist eigentlich ein klassischer Pop-Song – 1933 komponiert von Richard Rodgers und Lorenz Hart für den Hollywoodstreifen Hollywood Party mit Clark Gable und Myrna Loy. Darin wurde er – damals noch unter dem Titel Prayer und mit einem völlig anderen Text als dem heute bekannten – allerdings dann doch nicht verwendet.

Von den Komponisten mit einem neuen Text versehen, war Blue Moon ein Jahr später in einem anderen Hollywoodfilm, und zwar Manhattan Melodrama, zu hören. Allerdings hieß die Komposition jetzt It’s Just That Kind of Play und sie hat ebenfalls wenig mit dem Elvis-Song gemein.

Blue Moon unter dem Titel It’s Just That Kind of Play von Shirley Ross aus dem Film Manhattan Melodrama (1934):

Ein Hit wurde der Song in dieser Manhattan Melodrama-Version auch nicht – ein neuer, „kommerziellerer“ Songtext sollte es richten. Also machten sich die Komponisten, durchaus widerwillig, noch einmal ans Werk – und das war das Ergebnis:

Blue moon
You saw me standing alone
without a dream in my heart
without a love on my own.

Blue moon
You knew just what I was there for
you heard me saying a prayer for
somebody I really could care for

And then there suddenly appeared before me
the only one my arms will ever hold
I heard somebody whisper, „Please adore me“
and when I looked
the moon had turned to gold.

Blue moon
now I’m lo longer alone
without a dream in my heart
without a love on my own

Der neue Liedtext hat gleich mehrere Bedeutungsebenen: „blue moon“ verweist auf den Glauben an ein sehr seltenes Phänomen, bei dem der Vollmond zweimal kurz hintereinander (in einem Kalendermonat) zu sehen sein soll. Daraus leitet sich die englische Redewendung „once in a blue moon“ ab, mit der Ereignisse beschrieben werden, die höchst selten bis nie eintreten. Außerdem steckt natürlich das Adjektiv „blue“ im Songtitel, das übersetzt sowohl „blau“ als auch „traurig“ heißen kann.

So wie der Song von Rodgers und Hart aufgebaut ist, findet der zu Beginn einsame und daher traurige Sänger (oder die traurige Sängerin) schließlich doch die wenig wahrscheinliche große Liebe. Ein klassisches Liebeslied mit Happy End.

Mit diesem neuen Text schaffte es Billy Eckstines Jazz-Version 1947 in die Charts, allerdings auch ohne ein ganz großer Hit zu werden …

… und hier die Version der großen Billy Holiday aus dem Jahr 1952.

Sehr populär und ein Nummer-Eins-Hit wurde Blue Moon erst viel später in der völlig anders klingenden Doo Wop-Version von The Marcels Anfang der 1960er, die wohl (fast) jeder schon mal gehört hat. Von Elvis‘ Version ebenfalls weit entfernt, allerings mit Rodgers und Harts ursprünglichen Blue Moon-Text…

Elvis Presleys Crossover

Woher Elvis den Song, von dem es inzwischen Hunderte Cover-Versionen gibt, kannte und wer oder was ihn dazu inspirierte, Blue Moon aufzunehmen, ist bis heute unbekannt. Er selbst hat sich zur Songauswahl – wie in den meisten anderen Fällen – nicht geäußert, und auch Studioinhaber Sam Phillips konnte dazu leider keine genauen Angaben machen.

Der 19-jährige Elvis Presley im Nachclub Eagle’s Nest in Memphis, wo er im Sommer 1954 auftrat, etwa zu der Zeit als er Blue Moon aufnahm – Foto: Boxset The Boy From Tupelo, 2012

Man ging lange davon aus, dass Blue Moon am 19. August 1954 – also bei der zweiten professionellen Aufnahmesession von Elvis mit Scotty Moore und Bill Black im Sun Studio – eingespielt wurde. Aber selbst das gilt heute nicht mehr als sicher, da Sam Phillips ein auffälliger Fehler bei der Beschriftung der Bandaufnahme unterlief.

Seltsam ist, dass er – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits eine erfolgreiche Single mit dem 19-jährigen Teenager Elvis Presley am Markt hatte und ganz auf ihn als Talent setzte – seinen Vor- und Nachnamen falsch vermerkte als: A. Pressley.

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If I Can Dream: Elvis, Martin Luther King und Bobby Kennedy

Ausgeruht, fit und voll motiviert meldet sich Elvis Presley am 3. Juni 1968 aus dem Hawai-Urlaub zurück im Büro von Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles.

Der King ist startbereit für die Proben zum geplanten Fernseh-Special JUST ELVIS, heute besser bekannt als ’68 Comeback Special. Und die finden zunächst in den Räumen von Binder und Howe statt.

Elvis Presley 1968 – Foto: ’68 Comeback Special 50th Anniversary Edition, 2018

Wie Binder und Howe Elvis im Mai versprochen haben, soll das Special – wie der Arbeitstitel JUST ELVIS schon nahelegt – ganz auf ihn zugeschnitten sein. Entsprechend haben die Drehbuchautoren Chris Bearde und Alan Blye den Urlaub des Memphis Flash vor allem dazu genutzt,  an Vision und Konzept der Fernsehshow zu arbeiten, die als eine Art Semidokumentation der bisherigen Karriere Elvis Presleys geplant ist.

Was das Team Elvis Anfang Juni als Story vorstellt, ist ein erster Entwurf, den es jetzt noch mit Leben zu füllen gilt. Genau deswegen ist Elvis Presley von jetzt an täglich vor Ort – also auch am Mittwoch, den 5. Juni 1968.

An diesem Tag kommt es in Los Angeles zu einem tragischen Ereignis, das nicht nur amerikanische Geschichte schreibt, sondern auch das Drehbuch des ’68 Comeback Special maßgeblich beeinflusst.

Senator Robert F. Kennedy (1925-1968), der für die demokratische Partei als Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 1969 im Gespräch ist und der durchaus gute Chancen auf das Amt hat, fällt nach einer Rede auf einer Wahlkampfveranstaltung im Ambassador Hotel einem Attentat zum Opfer. Der Attentäter Sirhan Sirhan (*1944) – ein junger Palästinenser, der mit seinen Eltern in den 1950ern in die USA einwanderte – kann noch am Tatort verhaftet werden.

Bobby Kennedy, der jüngere Bruder des 1963 in Dallas/Texas ebenfalls von einem Attentäter getöteten Präsidenten John F. Kennedy, stirbt in den frühen Morgenstunden des 6. Juni an den Folgen seiner Schussverletzung.

Wofür Robert „Bobby“ Kennedy politisch steht, das geht unter anderem aus seiner letzten Rede wenige Minuten vor dem Attentat am 5. Juni 1968 hervor, die im nachfolgenden Video zu hören ist.

Kennedy verspricht in seiner letzten Rede erneut, dass er sich als Präsidentschaftskandidat dafür einsetzen werde, etwas gegen die soziale Ungerechtigkeit in der amerikanischen Gesellschaft, die gravierenden Unterschiede in den Lebensbedingungen von Armen und Reichen, Weißen und Afroamerikanern zu tun und sich für ein Ende des Vietnamkrieges einzusetzen. Alles Brennpunktthemen der damaligen Zeit (und leider teilweise auch der heutigen).

Dabei schwört er seine Zuhörer auf die Qualitäten Amerikas als ein Land ein, dessen Volk mitfühlend und stark in der Gemeinschaft und daher auch in der Lage sei, bestehende Konflikte friedlich zu lösen.

Die Nachricht vom Attentat auf Robert Kennedy erreicht das Team um Regisseur Steve Binder, als alle inklusive Elvis in den Räumen der Produktionsfirma von Binder und Howe anwesend sind, um zu proben und weiter an dem Drehbuch für JUST ELVIS zu arbeiten.

Als die Nachricht vom Attentat die Runde macht, versammeln sich alle vor dem Fernseher und verfolgen schockiert die Berichterstattung. Steve Binder beschreibt die Situation so:

„Then, while we were in rehearsals and we were still at my offices on Sunset Boulevard, Bobby Kennedy was assasinated live on television. One of the TVs was on in one of the other rooms, and we heard this commotion. All of us ran into the other room to see what was happening, and Bobby Kennedy had just been shot by Sirhan Sirhan. […] We just forgot about the show and spent the rest of the night talking about what was happening to our country.“

Steve Binder, zitiert nach ’68 Comeback Special 50th Anniversary Edition, 2018

Drehbuchautor Chris Bearde bestätigt die Reaktion der Anwesenden:

„On that little black and white TV were live pictures of the Robert F. Kennedy assasination at the Ambassador Hotel. In that room was Elvis, all of us. And we were just flabbergasted. We were…“

Chris Bearde, zitiert nach ’68 Comeback Special 50th Anniversary Edition, 2018

Womit zu diesem Zeitpunkt keiner rechnet, ist Elvis Presleys zutiefst persönliche Reaktion auf die Ereignisse. Er ist offenbar so aufgewühlt durch das Geschehen, dass er die für ihn typische vorsichtige Zurückhaltung aufgibt, aus sich herausgeht und erstmals von sich erzählt – seine Lebensgeschichte aus seiner Sicht erzählt. Und er tut es, indem er sich dazu auf der Gitarre begleitet und immer wieder die unterschiedlichsten Songs singt – über Stunden, wie Chris Bearde beschreibt:

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Way Down in the Jungle Room: Interview with Matt Ross-Spang

I’ve always liked Elvis‘ last studio recordings – those 16 songs that he recorded in February and October 1976 in the Jungle Room of his beloved home Graceland. Most of these songs that were first released on the albums From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) and Moody Blue (1977) are of a contemplative nature. They are highly emotional expressions of deep loss. In that sense quite a few of them belong to Elvis Presleys finest interpretations for me.

Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

A serious looking Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

Knowing that the Jungle Room recordings are Elvis‘ last studio recordings ever, many people are naturally drawn to listen to them simply as the final farewell of a sick and unhappy superstar who knows that his end is near. For a reason that I could never pinpoint myself I always found this retrospective viewpoint debatable, although it definitely reflects the mood of the songs. For me the Jungle Room recordings felt more like Elvis trying to refer to the beginnings of his career in the early 1950s at Sam Phillips‘ Sun Studio in Memphis. But as I said, I could never really explain why.

When RCA/Sony announced earlier this year that a new set with 2 discs called Way Down In The Jungle Room (Legacy Edition) is in the making with the support of a very successful young engineer called Matt Ross-Spang, I became curious. I found out that Matt had worked for years at the still existing Sun Studio in Memphis, before he changed location to the Sam Phillips Recording Service operated by the Phillips family.

Cover of Way Down In The Jungle Room - RCA/Sony Legacy 2016

Cover of Way Down In The Jungle Room – RCA/Sony Legacy 2016

 

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on CD 2 - RCA/Sony Legacy

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on disc 2 – RCA/Sony Legacy 2016

Matt Ross-Spang’s credits in the studio include names like Jerry Lee Lewis, Grace Potter & The Nocturnals, Mary Chapin Carpenter, Jakob Dylan, Justin Townes Earle, JD McPherson, and Chris Isaak. Just to name a few. Earlier this year Matt won a well deserved Grammy for engineering and mixing Jason Isabell’s Something More Than Free. Besides, he was responsible for engineering, mixing, and co-producing Margo Price’s debut record Midwestern Farmer’s Daughter.

Legendary Elvis – Sam Phillips – Sun Studio – Matt Ross Spang – Jungle Room sessions 1976? Was I right after all with my feelings about Elvis‘ last „studio“ recordings at Graceland? I decided to find out more about the new mix on Way Down In The Jungle Room (2016) and the engineer behind it by asking the man himself what all of this is really about. Matt Ross-Spang turned out to be a very nice guy.

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis - Photo: Ross-Spang

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis – Photo: Ross-Spang

INTERVIEW

The Memphis Flash: Matt, you’re from Memphis where it all started for Elvis in 1954 in Sam Phillips’ now world-famous Sun Studio. The studio and the Phillips family play a major role in your successful career as well. How come?

Matt Ross-Spang: Sure! I was born and raised in Memphis! I played guitar in bands and I got 2 hours of studio time at Sun Studio for my 14th birthday from my wonderful parents. When I recorded there I was mesmerized by the studio and the process of recording and mixing. The engineer there James Lott was a great patient man who made the whole process fun and answered all of my annoying questions! My cousin John was the President at Sun and offered me a job when I was 16 and could drive, so I started working there then as a tour guide and an intern in the studio.

Hound Dog-Parodist Sam Phillips in seinem berühmten Aufnahmestudio in der Union Avenue

Matt’s hero Sam Phillips at Sun Studio in Memphis

I soon worked my way up to Operations Manager and Chief Engineer. I spent 11 years at Sun and spent most of that time installing and using the same period equipment Sam Phillips used back in Sun’s heyday. While working at Sun I met and became friend with the Phillips‘. Sam and his two sons Knox and Jerry I consider to be heroes of mine (and many others). Obviously being from Memphis you are born an Elvis fan! But especially for me the history and the music that was recorded in Memphis really consumed me. Elvis is a big part of that!

The Memphis Flash: How did you get the assignment for a new mix of the outtakes and alternate versions on the new release Way Down in the Jungle Room?

Matt Ross-Spang: A friend of mine Sharon Corbitt-House recommended me to Sony’s Rob Santos and Ernst Jorgensen who are the Producers of the Elvis record. After a few phone calls we worked out scheduling and we decided to do it at Phillips. I am a freelance engineer but Phillips is a magical studio and Rob always wanted to do a project there so it was a perfect fit.

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Revisited: Elvis am 5. Juli 1954

Anfang Juli 1954 hatte Elvis Presley einen richtig guten Lauf. Er spielte mit Gitarrist Scotty Moore und Bassist Bill Black in Sam Phillips Studio SUN in Memphis seine erste kommerzielle Aufnahme ein: That’s All Right. Sie wurde sofort ein (lokaler) Hit. Gleichzeitig gewann er in dem bekannten Radio-D.J. Dewey Phillips einen Freund und Mentor, der seine Karriere geradezu aus den Startlöchern katapultierte.

19 Jahre alt und noch völlig unbekannt: Elvis Presley 1954

19 Jahre alt und noch völlig unbekannt: Elvis Presley 1954

Bevor ich in den nächsten Beiträgen auf die berühmte Aufnahmesession vom 5. Juli 1954, erzählt aus der Perspektive des erst vor ein paar Tagen verstorbenen Scotty Moore (→ inzwischen online: Old Man), und Elvis‘ schicksalhafte Begegnung mit Dewey Phillips (Elvis und Dewey – Teil 2) eingehe, erinnere ich noch einmal an die letzten Stunden Elvis Presleys, bevor alles begann.

Spotlight 5. Juli 1954: „I just loved music… all type of music“.

Elvis Presley und Dewey Phillips: The Making of Daddy-O-Dewey

Wenn im Zusammenhang mit Elvis Presley der Name Phillips fällt, dann denkt man sofort an Sam Phillips, den legendären Gründer des Memphis Recording Service und Plattenlabels SUN in Memphis. Also an den Mann, der 1954 mit That’s All Right die erste kommerzielle Aufnahme des künftigen King of Rock ’n‘ Roll herausbrachte und damit den Grundstein für eine einzigartige Karriere legte.

Die Rolle des „anderen Phillips“, des Radiomoderators Dewey, wird hingegen oft auf den einen Moment reduziert, in dem er – auf Betreiben seines Namensvetters Sam – als erster ein Demo der legendären Scheibe in seiner Radiosendung Red, Hot and Blue beim Sender WHBQ in Memphis auf den Plattenteller legte. Dabei war Dewey Phillips für Elvis Presley sehr viel mehr als ein lokaler Disk Jockey, der ihm zu seinem ersten Hit verhalf: Dewey war Elvis Presleys Mentor in mehrfacher Hinsicht.

Elvis Presley und DJ Dewey Phillips an dessen Arbeitsplatz beim Radiosender WHBQ

Elvis Presley mit Mentor Dewey Phillips beim Radiosender WHBQ in den 1950ern

Dass die enge Beziehung der beiden bis heute relativ wenig bekannt ist, liegt wohl in erster Linie am frühen Tod Deweys, der 1968 im Alter von 42 Jahren in Memphis verstarb, 9 Jahre vor seinem berühmten Zögling. Das frühe Todesalter von 42 ist dabei längst nicht die einzige überraschende Gemeinsamkeit in der Vita von Dewey und Elvis.

Es steckt ganz schön viel Elvis in Dewey – oder umgekehrt: Dewey in Elvis. Höchste Zeit für Teil 1 meines Elvis-und-Dewey-Specials!

Dewey Phillips: Ein Original findet seinen Weg

Eine erste Gemeinsamkeit ist die Herkunft. Dewey Phillips stammte aus ähnlich bescheidenen Verhältnissen wie Elvis Presley. Am 13. Mai 1926 – also ziemlich genau vor 90 Jahren – kam Dewey in Crump/Tennessee als eins von sechs Kindern zur Welt, von denen nur drei überlebten. Die Familie war arm. Deweys Vater Jesse bewirtschaftete einige Zeit eine kleine Farm und hatte zeitweise auch einen Laden in Adamsville/Tennessee nahe Deweys Geburtsort Crump, beides musste die Familie aber im Verlauf der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern aufgeben.

Nach einem frühen Schlaganfall fiel der Vater als Versorger der Familie schließlich ganz aus – die Verantwortung für die Familie lag nun vollständig in den Händen der Mutter, Odessa Phillips, zu der Dewey eine ähnlich enge Bindung entwickelte wie Elvis Presley zu seiner Mutter Gladys. Da Vater Jesse sich insgesamt wenig für seine Kinder interessierte, suchte Dewey sich früh andere männliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder, er fand sie u.a. in seinem Onkel Marvin. Später gefiel er sich selbst in der Rolle des Ersatzvaters, die er nicht nur für den jungen Elvis Presley übernahm.

Seine Herkunft prägte Dewey: Er kam vom Land und sprach die einfache Sprache der Landbevölkerung. Allerdings in einer Geschwindigkeit, dass einem Hören und Sehen verging. Dewey fiel früh durch seine energiegeladene Persönlichkeit und seinen Witz auf, er gab unentwegt den Klassenclown, seine Schnauze stand selten still, dabei war er hochgradig unterhaltsam. Schnell zeigte sich, der Mann war ein geborener Entertainer. Hier war nichts aufgesetzt: Dewey war einfach Dewey, ein Original, authentisch durchgeknallt!

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Elvis Presleys Hound Dog

Es kommt gar nicht so selten vor, dass die Cover-Version eines Songs bekannter ist als das Original. Selten ist das jedoch so offensichtlich wie im Fall von Elvis Presleys Monster-Hit Hound Dog (1956), den die Komponisten Jerry Leiber und Mike Stoller nicht etwa – wie später andere Hits – dem King auf den Leib schneiderten, sondern 1952 der R&B-Sängerin Willie Mae Thornton.

Elvis‘ Version aus dem Jahr 1956 ist diejenige, die 1988 in die NARAS Hall of Fame für Aufnahmen von dauerhaft hoher Qualität und historischer Bedeutung aufgenommen und 2010 vom Musikmagazin Rolling Stone zum wiederholten Mal unter die Top 20 der 500 besten Songs aller Zeiten gewählt wurde. Willie Maes Original hingegen, das immerhin auch sieben Wochen lang Billboards R&B-Charts toppte, ist heute nur noch Eingeweihten ein Begriff. Das ist richtig schade. Nicht nur, weil Willie Maes Version hörenswert und die Geschichte, wie es überhaupt zu dem Song kam, lesenswert ist, sondern weil man Elvis Presleys Hound Dog ohne das Original, andere Cover-Versionen und Parodien nicht wirklich versteht.

Als ziemlich sicher gilt heute, dass Elvis mit Willie Maes R&B-Hit schon vertraut war, bevor er 1954 seine eigene professionelle Karriere startete. Zu einer eigenen Version verarbeitete er Hound Dog jedoch erst, nachdem er 1956 live die Cover-Version von Freddie Bell and The Bellboys in Las Vegas sah. Auch hatte Elvis zunächst gar nicht vor, eine Studioversion von Hound Dog einzusingen – Hound Dog war als reine Live-Performance, als „komische Nummer“ bei seinen Konzerten gedacht, wie  Scotty Moore, Elvis‘ Gitarrist der ersten Stunde, Jahre später erzählte.

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York - Foto: Alfred Wertheimer

Hat gut lachen: Elvis Presley bei der Aufnahme seines Monsterhits Hound Dog am 2. Juli 1956 in New York – Foto: Alfred Wertheimer

Eine Studioversion wurde erst am 2. Juli 1956 in New Yorker Aufnahmestudio von RCA in Angriff genommen, nachdem Elvis Presley mit seiner Windhund-Performance am 5. Juni 1956 in der beliebten Milton Berle Show das amerikanische Fernsehpublikum quasi aus den Angeln gehoben hatte.

Wieso aber dieser Umweg? Die Antwort könnte in dem dritten Vorläufer-Song, der für Elvis‘ Hound Dog eine entscheidende Rolle spielt, liegen: Rufus‘ Thomas Bear Cat (1953). Dabei handelt es sich um einen in der R&B-Szene populären „Answer Song“, sozusagen die männliche Antwort auf Willie Maes 1953 bei Peacock Records veröffentlichtem Hound Dog (→ Hound Dog vor Elvis). Anders ausgedrückt: In Bear Cat gibt Rufus den Mann, der in Hound Dog als nichtsnutziger Lover dargestellt wird, und antwortet auf die Anschuldigungen, indem er seine Sicht der Dinge darlegt. Dabei zieht er Willie Maes Version nach allen Regeln der Kunst durch den Kakao und dreht die sexuellen Anspielungen von „Hund auf Katze“. Heraus kommt ein witziges imaginäres „Gesangsduell“ zwischen Rufus Thomas und Willie Mae Thornton.

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Hound Dog vor Elvis: Mann und Frau wie Hund und Katze

Die Komponisten Jerry Leiber und Mike Stoller haben Elvis Presley einige Hits auf den Leib geschrieben, Hound Dog gehört nicht dazu. Das überrascht, wird der Song doch vor allem mit Elvis Presley in Verbindung gebracht. Es ist sein Riesenhit aus dem Jahr 1956, der 1988 in die NARAS Hall of Fame für Aufnahmen von dauerhaft hoher Qualität und historischer Bedeutung aufgenommen und 2010 vom Musikmagazin Rolling Stone zum wiederholten Mal unter die Top 20 der 500 besten Songs aller Zeiten gewählt wurde.

Nein, zum Windhund inspiriert hat Leiber und Stoller die Sängerin Willie Mae Thornton mit dem schönen Spitznamen „Big Mama“. Und das kam so: Jerome „Jerry“ Leiber (1933 – 2011) und Mike Stoller (*1933) – zwei weiße Jungs von Amerikas Ostküste – mit einer großen Vorliebe für Blues und Rhythm & Blues, lernten sich Anfang der 1950er auf dem College in Los Angeles kennen. Sie taten sich als Komponisten-Duo zusammen und hatten schon bald, noch nicht einmal volljährig, mit Charles Browns Hard Times (1952) einen ersten Hit.

In der Folge wurde der Sänger, Bandleader und Musikproduzent Johnny Otis (alias Ioannis Alexandres Veliotes, 1921 – 2012) auf die beiden aufmerksam und beauftragte sie damit, für die vorwiegend afroamerikanischen Sänger seiner Band, darunter 1952 auch Otis‘ Neuentdeckung Willie Mae Thornton (1926 – 1984), Songs beizusteuern.

 

  • Hound Dog-Ideengeber Johnny Otis mit Band

 

Big Mamas ganz persönlicher Windhund

Gesagt – getan. Im Sommer 1952 trafen Leiber und Stoller bei Proben von Otis‘ Band erstmals auf Willie Mae und waren spontan beeindruckt. Die Dame, für die schnell ein Song her musste, war nämlich eine ordentliche Wuchtbrumme mit einer beeindruckenden Stimme und einem selbstsicheren Auftreten, das fast etwas Furchterregendes hatte, wie das Duo später zu Protokoll gab.

Thornton war eine starke afroamerikanische Frau aus Alabama, die sich so schnell nichts sagen ließ, schon gar nicht von zwei weißen „Bübchen“ von der Ostküste. Ihre Karriere hatte Willie Mae in den 1940ern gestartet. Bevor sie sich mit Johnny Otis zusammentat, war die Rhythm & Blues-Sängerin vor allem mit der Sammy Greens Hot Harlem Revue quer durch die Südstaaten unterwegs. In der Revue trat Willie Mae, die außerdem sehr gut Mundharmonika spielte, als Sängerin und Komödiantin auf. Bei ihren Auftritten trug sie schon mal Männerkleidung und spielte mit etablierten Geschlechterrollen.

Wie dem auch sei: Auf Leiber und Stoller verfehlte der erste persönliche Eindruck von Willie Mae – alias Wuchtbrumme „Big Mama“ – seine Wirkung jedenfalls nicht. Die Komponisten setzen ihr Erlebnis flugs in Hound Dog um mit einem ordentlich doppelbödigen Liedtext, bei dem sich eine Frau wohl weniger über ihr Haustier als ihren Liebhaber beklagt, einen nichtsnutzigen Gigolo, der sie sich von ihr durchfüttern lässt und den sie besser schnell endgültig vor die Tür setzen sollte. Dabei spart der minimalistische Text vom Windhund in bester R&B-Tradition nicht mit sexuellen Anspielungen (wag your tail / snoopin‘ round my door).

 

Hound Dog (1952)

You ain’t nothing but a hound dog
Been snoopin‘ round my door
You ain’t nothing but a hound dog
Been snoopin‘ round my door
You can wag your tail
But I ain’t gonna feed you no more

You told me you was high class
But I could see through that
She told me you was high class
But I could see through that
And daddy I know
You ain’t no real cool cat

You made me feel so blue
You made me weep and moan
You made me feel so blue
You made me weep and moan
Cause you ain’t looking for a woman
All you’re lookin‘ is for a home

 

1990 ließ Jerry Leiber in einem Interview verlauten, dass es keine Viertelstunde gebraucht hätte, um Hound Dog zu komponieren, schließlich sei es ja auch kein besonders kompliziertes Stück. Entstanden ist der Windhund spontan nach der Begegnung mit Willie Mae auf der Rückfahrt im Auto vom Studio zu Stollers Apartment, so die Version der beiden Komponisten.

Nur einen Tag nach der 1. Begegnung mit Thornton  fand  am 13. August 1952 bei Radio Recorders Annex in Los Angeles die Aufnahmesession von Hound Dog statt, bei der Leiber und Stoller – wie später bei Elvis Presleys Jailhouse Rock-Session – eine aktive Rolle übernahmen. Nach Aussage der Komponisten leiteten sie die Session, an der Johnny Otis-Band – mit Otis am Schlagzeug – beteiligt war.

Ordentlich auf die Sprünge geholfen haben wollen Leiber und Stoller Big Mama bei der Aufnahme von Hound Dog im August 1952, weil sie den Song zunächst eher im Sinatra-Stil croonen wollte. Willie Mae Thornton hat dies später selbst in einem Interview energisch zurückgewiesen, indem sie darauf verwies, dass die beiden „weißen Jungs“ im Grunde nichts als ein bisschen Text auf Papier dabei gehabt hätten, der Rest sei ihre Interpretation, ihr kreativer Input. Vor allem der klasssiche Blues Talk in der Aufnahme und das Heulen und Bellen der Otis-Band im Hintergrund ginge auf sie zurück.

Das macht Sinn, wenn man sich die Intensität ihrer Interpretation anhört: Der Song lebt vor allem von ihrer prägnanten Stimme, von ihrem originärem Stil, begleitet nur von Gitarre, Bass und Schlagzeug. Big Mama brauchte nur 2 Aufnahmeversuche, um den einzigen richtigen Hit ihrer Karriere auf Platte zu bannen. Hier ist er – veröffentlicht Anfang 1953 bei Peacock Records, wo sie seit 1951 unter Vertrag war.

Willie Maes Hound Dog – von Billboard als „a wild and exciting rhumba blues“ beschrieben, konnte sich 14 Wochen in Billboards R&B-Charts halten, davon 7 auf Platz 1. In der afroamerikanischen Gemeinde war Hound Dog zwischen März und Juli 1953 ein Renner – vom Musikmagazin Cash Box zum Best Rhythm and Blues Song of 1953 gewählt. Entsprechend gut soll sich die Platte verkauft haben, wobei Willie Mae Thornton Zeit ihres Lebens nur einmalig ein Honorar von ein paar Hundert USD für ihre Aufnahme erhalten haben will, wie sie in einem Interview äußerte. Besonders bitter ist das, da sie auch in ihrer weiteren Karriere eher glücklos war – ihre Eigenkomposition Ball and Chains wird viel eher mit Janis Joplin in Verbindung gebracht.

Selbst die Komponisten Leiber und Stoller wollen mit dem Windhund erst dick im Geschäft gewesen sein, als Elvis Presley mit seiner Interpretation 1956 weit über die Rhythm & Blues-Charts hinaus seinen Megahit landete, der witzigerweise nur wenig mit Leibers, Stollers und Big Mamas Version zu tun hat – dazu später mehr. Dafür brachte er aber Johnny Otis erneut auf den Plan, der infolge des Presley-Hits an das Komponisten-Duo als Auftraggeber und Co-Autor des Originals finanzielle Ansprüche stellte. Allerdings kam Johnny Otis mit seiner Klage nicht durch. Letzteres wohl deshalb, weil Leiber und Stoller zum Zeitpunkt ihre Zusammenarbeit mit Otis noch gar nicht volljährig und damit nicht geschäftsfähig waren. Man merkt schon: Das Musikgeschäft war immer schon ein ordentlich schlüpfriges Pflaster.

Windhund trifft Katze: Rufus Thomas‘ Bear Cat als Antwort auf Hound Dog

Willie Maes Windhund jedenfalls bekam schon drei Jahre bevor Elvis Presley mit seinem Auftritt in der Milton Berle Show 1956 für nationalen Aufruhr sorgte ordentlich Gegenwind, und zwar in Form des Songs Bear Cat, aufgenommen ausgerechnet in Sam Phillips legendären SUN-Studio alias Memphis Recording Service, in dem Elvis Presley im Sommer 1953 das erste Mal auftauchen und wo er 1954 seine Profikarriere starten sollte. Was für ein Zufall… Der ehemalige Radiomoderator Sam Phillips (1923 – 2003)  hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon einen Namen gemacht als weißer Studioinhaber, der in Memphis vor allem afroamerikanische R&B-Künstler produzierte – Bear Cat sollte 1953 der erste richtige Hit seines SUN-Labels werden.

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Legendär: Elvis und The Million Dollar Quartet 1956

Am 4. Dezember 1956 hat Elvis Presley einen seiner berühmten spontanen Einfälle. Mit seiner neuesten Flamme Marilyn Evans aus Las Vegas und Musikerfreund Cliff Gleaves im Schlepptau ist er in einem seiner Straßenkreuzer unterwegs durch Memphis, als er sich spontan entschließt, bei seiner alten Wirkungsstätte – Sam Phillips SUN-Studio, 706 Union Avenue – vorbeizuschauen.

Genau hier im SUN-Studio hat er fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahre zuvor seine erste kommerzielle Single That’s All Right (Mama)/Blue Moon Of Kentucky aufgenommen und damit praktisch aus dem Stand heraus seine Megakarriere gestartet. Inzwischen ein  Superstar mit lukrativem Plattenvertrag beim bekannten New Yorker Label RCA und einer beeindruckenden Folge an Nummer-1-Hits sowie gleich 2 Nummer-1-Alben in den amerikanischen Charts innerhalb weniger Monate, kehrt der King of Rock ’n‘ Roll an diesem milden Dezembernachmittag 1956 dorthin zurück, wo alles anfing für ihn.

  • The Kings of Rock 'n' Roll haben richtig Spaß (v.l.n.r.): Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Elvis (am Klavier) und Johnny Cash am 4. Dezember 1956 im Sun Studio in Memphis

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Spotlight 5. Juli 1954: „I just loved music… all type of music!“

Der 5. Juli 1954 ist ein Montag. Es ist unsagbar heiß und schwül in Memphis. Das Thermometer zeigt fast 40 Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt bei über 80 Prozent, die Hitze nimmt den Bürgern der Stadt am Mississippi die Luft zum Atmen. An diesem heißen Montag  nimmt der 19-jährige Elvis Presley mit That’s All Right (Mama) in Sam Phillips SUN-Studio, 706 Union Avenue in Memphis, die A-Seite seiner ersten kommerziellen Single auf… und schreibt Musikgeschichte.

Audio That’s All Right (Mama) – Complete Masters Collection

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Elvis‘ Aufnahme von Arthur Crudups R&B-Song That’s All Right an diesem 5. Juli 1954 wird gerne plakativ als die Geburtsstunde des Rock ’n‘ Roll bezeichnet – besonders, wenn ein Jubiläum gefeiert werden will, wie etwa aktuell der 60. Jahrestag. Dabei ist das nicht mehr als eine sehr vereinfachte Zuspitzung, die andere einflussreiche Aufnahmen, wie etwa Jackie Brenstons und Ike Turners Rocket 88 – 1951 ebenfalls in Sam Phillips SUN-Studio alias Memphis Recording Service entstanden -, außer Acht lässt.

Die Geburtsstunde einer Musikrichtung lässt sich nicht so einfach auf den Punkt bestimmen wie so manch einer – auf der Suche nach einer griffigen Schlagzeile – es gerne hätte. Zu viele Geburtshelfer, die alle ihre musikalischen Einflüsse einbringen, sind daran beteiligt. Zu komplex ist die musikalische Wirkungsgeschichte.

Dennoch markiert die Aufnahme von That’s All Right am 5. Juli  1954 eine Geburtsstunde, ist der schwül-heiße Montag musik- und kulturhistorisch bedeutsam, denn er markiert den Startschuss der Karriere Elvis Presleys, durch dessen gigantischen Erfolg die Rock ’n‘ Roll-Revolution erst ihre volle Wucht entfalten und sich die Welt der Unterhaltungsmusik für immer verändern wird. Gewissermaßen ein Urknall der Popkultur, wie Ernst Hofacker es in seinem Buch „Von Edison bis Elvis: Wie die Popmusik erfunden wurde“ (2012) formuliert. Und nicht gerade wenige Leute sind davon überzeugt, dass dieser Urknall nirgendwo anders als in Memphis hätte stattfinden können. Sie könnten Recht haben.

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Radiotipp für Kurzentschlossene: 60 Jahre ‚That’s All Right‘

Die Amerikaner feiern am 4. Juli ihren Unabhängigkeitstag und wir heute Abend vielleicht den Einzug ins Halbfinale der Fußball-WM 2014. Wer nach diesem Spiel noch nicht zu fertig ist, der sollte in die Radiosendung IT’S ELVIS TIME von Kenner Thomas Weiß  reinhören, die heute ab 22.00 Uhr beim bermuda.funk – Freies Radio Rhein-Neckar e.V. auf Sendung ist (Wiederholungszeiten weiter unten).

Denn Thomas greift ein weiteres historisches Ereignis auf: Morgen sind es nämlich genau 60 Jahre her, dass Elvis Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black in Sam Phillips‘ Aufnahmestudio in Memphis mit That’s All Right (Mama) die A-Seite der legendären SUN-Single 209 aufnahm… und damit Musikgeschichte schrieb.

Elvis Presley mit Scotty Moore (links) und Bill Black (rechts) im Sommer 1954 in Memphis

Elvis Presley mit Scotty Moore (links) und Bill Black (rechts) im Sommer 1954 in Memphis

Audio That’s All Right (Mama) – Complete Masters Collection

 

Das Drumherum um die legendäre Aufnahmesession vom 5. Juli 1954 (und folgende) ist demnächst natürlich auch noch Thema hier im Blog → Spotlight 5. Juli 1954, aber mit Thomas‘ Radiosendung kann man sich jetzt schon mal richtig einstimmen. Hier kurz in Thomas‘ eigenen Worten, was er in seiner Radiosendung bringen wird:

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Spotlight Mai 1955: Elvis auf Tournee im Pink Cadillac

Im Frühjahr 1955 hatte Elvis Presley allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft schauen. Noch kein ganzes Jahr war es her, seit er bei Sam Phillips SUN Records in Memphis seine  erste, vom Start weg erfolgreiche Single That’s All Right Mama/Blue Moon Of Kentucky (1954) aufgenommen und einen festen Vertrag mit regelmäßigen Auftritten beim berühmten → Louisiana Hayride ergattert hatte.

Weitere SUN-Singles waren gefolgt. Im Musikmagazin Billboard hieß es über den Jungstar Anfang 1955: „Presley continues to impress with each release as one of the slickest talents to come up in the country field in a long, long timezitiert nach Ernst Jorgensen: A Boy From Tupelo (Boxset 2012).

Und hinter den Kulissen? Mit Colonel Tom Parker (alias Andreas Cornelis van Kuijk) hatten sich ein neuer Manager, der zuvor schon die Country-Legenden Gene Austin und Eddy Arnold gemanagt hatte und aktuell mit Hank Snow zusammen eine Konzertagentur für Country-Musiker betrieb, sowie ein großes Plattenlabel in Position gebracht, um den Nachwuchsstar unter ihre Fittiche zu nehmen.

Elvis Presley mit Bassist Bill Black und Gitarrist Scotty Moore auf der Fahrerseite seines berühmten pinkfarbenen Cadillacs - Mai 1955; Foto: A Boy From Tupelo

Elvis Presley mit Bassist Bill Black und Gitarrist Scotty Moore (mit Sonnenbrille) auf der Fahrerseite seines berühmten pinkfarbenen Cadillacs – Mai 1955; Foto: A Boy From Tupelo

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