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Revisited: If Every Day Was Like Christmas (1966)

Die stimmungsvollsten Weihnachtssongs entstehen in der Vorweihnachtszeit, wenn es draußen knusprig kalt, drinnen dafür mollig warm und gemütlich ist. So könnte man annehmen. Falsch gedacht. Tatsächlich werden sie häufig im heißen Sommer komponiert und auch eingespielt, damit sie rechtzeitig vor dem Fest der Freude ihre Käufer und Hörer finden.

Bei sommerlicher Hitze in Stimmung kommen für Weihnachten? Gar nicht so einfach. Gelungen ist das einem Freund Elvis Presleys aus Schultagen an der Humes High School in Memphis:  Robert Gene “Red” West (1936-2017). West ist vor allem bekannt als früher Elvis-Wegbegleiter, etwa auf ersten Tourneen durch die amerikanischen Südstaaten, später als handfester “Bodyguard”, der G.I. Elvis auch in Deutschland zur Seite stand, in den 1960ern als Statist in vielen Elvis-Filmen und noch viel später und weitaus weniger rühmlich als maßgeblicher Informant für das 1977 veröffentlichte Enthüllungsbuch Elvis: What Happened. Letzteres besiegelte das Ende der Freundschaft.

Ehemals gute Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Ehemals gute und vor allem musikalische Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Davon mal abgesehen war und ist West nicht nur selbst musikalisch und im Alter erfolgreich als Schauspieler, sondern hat sich schon früh seine Sporen auch als Liedtexter verdient. Gleich 11 Aufnahmen des King stammen aus der Feder seines Ex-Kumpels Red West, die dieser teilweise zusammen mit anderen Komponisten verfasst hat.

Zu den bekannten Titeln gehören etwa der “Scheidungssong” Separate Ways (1972) und That’s Someone You’ll Never Forget (1961), ein Lied, das Elvis’ Mutter Gladys Presley gewidmet sein soll.

Aber auch zwei sehr schöne Weihnachtssongs zauberte Red West einst aus seiner Feder, nämlich Holly Leaves And Christmas Trees (1971) und If Every Day Was Like Christmas (1966), um das es hier geht. Wie er die Idee zu letzterem bekam und zunächst nicht erfolgreich damit war, erzählt er u.a. in Ken Sharps überaus lesenwertem Buch Elvis Presley Writing For The King (2006).

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Elvis Presleys ‘If Every Day Was Like Christmas’ (1966)

Die stimmungsvollsten Weihnachtssongs entstehen in der Vorweihnachtszeit, wenn es draußen knusprig kalt, drinnen dafür mollig warm und gemütlich ist. So könnte man annehmen. Falsch gedacht. Tatsächlich werden sie häufig im heißen Sommer komponiert und auch eingespielt, damit sie rechtzeitig vor dem Fest der Freude ihre Käufer und Hörer finden.

Bei sommerlicher Hitze in Stimmung kommen für Weihnachten? Gar nicht so einfach. Gelungen ist das einem Freund Elvis Presleys aus Schultagen an der Humes High School in Memphis:  Robert Gene “Red” West (1936-2017). West ist vor allem bekannt als früher Elvis-Wegbegleiter, etwa auf ersten Tourneen durch die amerikanischen Südstaaten, später als handfester “Bodyguard”, der G.I. Elvis auch in Deutschland zur Seite stand, in den 1960ern als Statist in vielen Elvis-Filmen und noch viel später und weitaus weniger rühmlich als maßgeblicher Informant für das 1977 veröffentlichte Enthüllungsbuch Elvis: What Happened. Letzteres besiegelte das Ende der Freundschaft.

Ehemals gute Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Ehemals gute und vor allem musikalische Kumpels: Elvis mit Red West 1961

Davon mal abgesehen war und ist West nicht nur selbst musikalisch und im Alter erfolgreich als Schauspieler, sondern hat sich schon früh seine Sporen auch als Liedtexter verdient. Gleich 11 Aufnahmen des King stammen aus der Feder seines Ex-Kumpels Red West, die dieser teilweise zusammen mit anderen Komponisten verfasst hat.

Zu den bekannten Titeln gehören etwa der “Scheidungssong” Separate Ways (1972) und That’s Someone You’ll Never Forget (1961), ein Lied, das Elvis’ Mutter Gladys Presley gewidmet sein soll.

Aber auch zwei sehr schöne Weihnachtssongs zauberte Red West einst aus seiner Feder, nämlich Holly Leaves And Christmas Trees (1971) und If Every Day Was Like Christmas (1966), um das es hier geht. Wie er die Idee zu letzterem bekam und zunächst nicht erfolgreich damit war, erzählt er u.a. in Ken Sharps überaus lesenwertem Buch Elvis Presley Writing For The King (2006).

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Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ‘n’ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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Elvis Presley und Red West: A failure to communicate

Robert “Red” Gene West (*1936) gehört zu den Personen aus dem direkten Umfeld Elvis Presleys, die (fast) alle Organisatoren von Elvis-Events gerne im Programm haben. Der Grund liegt auf der Hand: Red West war über 20 Jahre ein enger Freund, später auch Angestellter Elvis Presleys, entsprechend viel hat er zu erzählen, Interviews gibt er jedoch selten.

Im Juli 2015 war Red nach Jahren wieder einmal in Begleitung seiner Familie in Europa auf “Elvis-Tournee”, zunächst in England, dann in Dänemark, wo er im Rahmen einer Veranstaltung in Henrik Knudsen Graceland Randers – einer originalgetreuen Kopie von Elvis’ Wohnsitz in Memphis – von seiner Zeit mit dem King erzählte:

Wie in dem Video zu hören ist, kannten sich Elvis und Red aus High School-Tagen in Memphis. Schon in der Schulzeit hielt der kräftig gebaute, sportliche Rotschopf seinem schlaksigen Freund prügelwillige Schulkameraden vom Hals, später, als Elvis Mitte der 1950er mit seiner Band durch die amerikanischen Südstaaten tingelte, half er als Fahrer, Bodyguard und Mädchen für alles aus.

1958 begleitete er G.I. Elvis Presley für ein Dreivierteljahr nach Deutschland, wo er mit Familie Presley zusammen in Bad Nauheim im Hotel und später im Haus in der Goethestraße 14 wohnte. 1961 heiratete Red West eine der Sekretärinnen Elvis Presleys – eine Ehe, die bis heute hält.

Elvis Presley mit Red West in Deutschland Ende der 1950er

Elvis Presley mit Red West in Deutschland 1958/59

Red West ist vor allem als einer der “Bodyguards”, als Mitglied der berühmt-berüchtigten Memphis Mafia ein Begriff,  jener männlichen Spiel- und Spaßtruppe, die den King überall hin begleitete. Es ist eine Beschreibung, die im Falle Red Wests zu kurz greift. Red und Elvis hatten neben sportlichen Aktivitäten (Football, später Karate) von Anfang an ihre Leidenschaft für Musik und auch die Schauspielerei gemeinsam.

West komponierte nicht nur einige erfolgreiche Songs für Elvis Presley (teilweise im Duo mit anderen Komponisten), darunter That’s Someone You Never Forget und Separate Ways, sondern baute sich ab den 1960ern – beginnend mit kleinen Schauspielrollen in vielen Elvis-Filmen (etwa als Hank Tyler in Wild In The Country, 1961) – sukzessive eine eigene Karriere als Charakterdarsteller in Filmen und TV-Serien auf. Sein jüngstes Projekt ist der anspruchsvolle Independent-Kurzfilm The Last Generation To Die (2015).

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That’s Someone You Never Forget: A song for Gladys?

Der 25. April ist ein Datum, das sich Elvis Presley sicher nicht extra im Kalender markieren musste, um es nicht zu vergessen. Denn am 25. April hatte die vielleicht wichtigste Person im Leben des King Geburtstag: → Gladys Love Presley (25.4.1912–14.8.1958).

Über das besondere Verhältnis von Elvis zu seiner früh verstorbenen Mutter ist schon viel geschrieben worden, ein Aspekt blieb dabei bislang allerdings weitgehend außen vor: Inwieweit gibt es Songinterpretationen, die Elvis seiner geliebten Mutter gewidmet hat?

Dieser spannenden Frage geht der englische Journalist und Autor Paul Simpson (→ Buchtipp Elvis Films FAQElvis in Hollywood: Interview mit Paul Simpson) in seinem ersten englischsprachigen Gastbeitrag für The Memphis Flash Elvis Presley Blog nach. Thank you, Paul ;-).


 A song for Gladys by Paul Simpson

Written by his friend Red West, Elvis’s criminally underrated ballad That’s Someone You Never Forget sounds like a haunting ode to his much mourned mother.  In the spring of 1961, Elvis Presley asked his friend Red West: “How about coming up with a song with the title of That’s Someone You Never Forget?”

West sat down at the piano and did just that. He worked out the melody first and then penned lyrics that, as Peter Guralnick noted in Careless Love, the second volume of his Elvis biography, “contained sentiments that under ordinary circumstances would have been assumed to be about an ex-lover, but in this case it wasn’t much of a stretch to imagine that Elvis might be singing of his mother.”

  • Elvis mit seiner Mutter Gladys in Memphis 1956 - Foto: Michael Rose: Elvis Presley A Moment In Time

Red was desperate to succeed as a songwriter – Presley had already mentioned his friend’s ambitions to publisher Freddie Bienstock. Knowing how mercurial Elvis could be, West took the song to Gold Star Recording in Hollywood and made a demo that Presley promised to record.

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