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Millionenschwer: Andys Elvis im Casino Aachen

Man kann sich nur sattsam wundern, was so manch einer für Schätze in seinem Keller hortet. Im Falle des Unternehmens WestSpiel, das in Deutschland 7 Spielbanken mit nach eigenen Angaben jährlich über einer Million Besuchern betreibt, ist es ein echter Andy Warhol aus der berühmten Elvis-Siebdruckserie: Triple Elvis von 1963.

Der Clou an der Sache: Der millionenschwere Vintage-Warhol – ein Pendant mit Motiv Double Elvis kam im Mai 2012 beim Auktionshaus Sothebys für 37 Millionen USD unter den Hammer – ist seit 2009 eingelagert, paradoxerweise gerade weil er als Paradestück der hauseigenen Kunstsammlung gilt.

Ein 'Double Elvis' aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie basierend auf einem Pressefoto für den Western 'Flaming Star" (1969)

Kam 2012 für 37 Mio. USD unter den Hammer: ‚Double Elvis‘ aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie zeigt Elvis Presley auf einem Pressefoto für den Western ‚Flaming Star“ (1960)

Angekauft hatte man Triple Elvis, der den King statt doppelt wie auf der Abb. oben einfach dreimal nebeneinander in derselben Westernpose im Film Flaming Star (Flammender Stern, 1960) zeigt, zusammen mit einem Marlon Brando-Warhol schon Ende der 1970er für das Spielcasino Aachen, um dort die Innenausstattung mit Pop Art-Kunst aufzuwerten. Doch inzwischen ist vor allem der Elvis-Warhol, der stattliche 2 Meter hoch und 1,70 Meter breit ist, viel zu viel wert, um ihn zu Dekorationszwecken mal eben so an die Wand zu pinnen.

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Neu: Der Schamane in Las Vegas von Heinrich Detering

Jetzt im transcript Verlag erschienen ist Prof. Heinrich Deterings sehr  interessante Studie über Elvis Presley mit dem Titel Der Schamane in Las Vegas.

Selbst alles andere als unmusikalisch – Prof. Heinrich Detering bei einer Session der ‚Blues and Boogie Küche‘

Wie der ganz und gar nicht im Elfenbeinturm sitzende Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dazu kommt, eine Studie über Elvis Presley zu veröffentlichen, und worum es dabei genau geht, das erzählt er in seinem Interview mit The Memphis Flash.

 Interview mit Prof. Heinrich Detering

Der Schamane in Las Vegas – Heinrich Detering über Elvis Presley

Der Schamane in Las Vegas: Elvis als Serienheld (1969 – 1977) ist der Titel einer spannenden Studie von Professor Heinrich Detering, die im August 2012 im transcript Verlag erschienen ist.

Integriert ist Deterings Studie über den King in Professor Frank Kelleters geisteswissenschaftlichem Band Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion vollständige Angaben zum Buch siehe Ende des Beitrags.

Heinrich Detering, Jahrgang 1959, ist Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und hat seit 2005 einen Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Themen Kunst – Religion – Kunstreligion vom 18. Jahrhundert bis zur Popkultur sowie die deutsch-skandinavischen Literaturbeziehungen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. 2007 hat er zudem eine vielbeachtete Publikation über Bob Dylan im Reclam Verlag herausgebracht. The Memphis Flash hat Professor Detering zu seinem Projekt über Elvis Presley interviewt.

The Memphis Flash: Professor Detering, warum ausgerechnet Elvis Presley? Wie kommt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dazu, eine Studie über den King of Rock ‘n‘ Roll zu verfassen?

Heinrich Detering: Dieser Aufsatz über Elvis in Vegas ist hoffentlich der Anfang einer längeren Arbeit über Elvis als Künstler, über die Entwicklung von Elvis’ Kunst. Die kritische Diskussion um Elvis ist immer noch sehr auf Biographisches konzentriert, auf seine privaten Beziehungen, seinen kommerziellen Werdegang, seine Krankheiten, seinen Körper. Aber worin diese Kunst eigentlich besteht, die ja erst der Grund dafür ist, dass wir uns schließlich auch für seine Beziehungen und seinen Körper interessieren, darüber gibt es erstaunlich wenig zu lesen. Wie lässt sich diese Stimme beschreiben, was macht er mit seinen Song-Vorlagen, wie inszeniert er die Songs und sich selber, welche Beziehungen lässt er entstehen zwischen den Songs, seinen Arrangements, seiner Stimme, seiner Kostümierung, seiner körperlichen Präsenz, und in welchem Verhältnis steht dies alles zu der Kultur seiner Zeit?

The Memphis Flash: Gibt es neben diesem wissenschaftlichen Interesse an dem Künstler Elvis Presley auch eine persönliche Ebene, eine eher private Vorgeschichte?

Heinrich Detering: Meine private Geschichte mit Elvis ist lang. Als ich ungefähr elf oder zwölf war, schenkte mir eine Tante ihre Sammlung von Rock ’n’-Roll-Singles, lauter Originalpressungen von Fats Domino, Eddie Cochran, Duane Eddy, den Kalin Twins, Chuck Berry. Elvis war am umfangreichsten vertreten. Es war das Beste, was die Tante für meine Erziehung getan hat. Jailhouse Rock, Don’t, Heartbreak Hotel habe ich Tag für Tag gehört; es hat mir auch eine Ahnung davon gegeben, welche unterschiedlichen Seiten (und Stimmen) es bei Elvis zu entdecken gibt. Als ich dann mit fünfzehn zum ersten Mal Dylan begegnete, verblassten die Rock ’n’ Roll-Helden. Es ist mir so gegangen, wie ich es von Freunden später auch gehört habe, dass die Elvis-Welt mir im Vergleich damit kommerziell und banal erschien. Es hat dann lange gedauert, bis ich, so um 1990, Elvis allmählich wiederentdeckte, und das verdanke ich ganz wesentlich auch Dylan selbst. Seitdem höre ich nicht auf, über Elvis zu staunen. Weiterlesen

Elvis und Andy Warhol – Kings of Popular Art

Wenn die Kings of Popular Art, Elvis Presley und Andy Warhol, gemeinsam ins Scheinwerferlicht treten, dann horcht die internationale Kunstszene auf. Am 9. Mai 2012 soll im Auktionshaus Sothebys Andy Warhols Siebdruck „Double Elvis“ (Ferus Type, 1963) versteigert werden. Erwartet wird ein Erlös von bis zu 50 Millionen USD, umgerechnet über 38 Millionen Euro.

Elvis und Andy Warhol – The Kings of Popular Art

Diese Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. So phantastisch der Betrag erscheint, so ist er noch nicht einmal der Höchste für ein Warhol-Kunstwerk mit Elvis-Motiv. Warhols 8 Elvises, ebenfalls von 1963, wurde 2008 von dem italienischen Sammler Annibale Berlingieri, in dessen Privatbesitz sich der Siebdruck in Warhols Lieblingsfarbe Silber über 40 Jahre befand, für unglaubliche 100 Millionen USD in private Hand verkauft.

Andy Warhols 8 Elvises

Damit ist 8 Elvises der bislang teuerste Warhol überhaupt und katapultierte den ehemaligen Werbegrafiker in Sachen Anlagewert auf dem internationalen Kunstmarkt in die Riege von Pablo Picasso, Jackson Pollock, Willem De Kooning und Gustav Klimt. Der aktuelle Besitzer der 8 Elvises zieht es übrigens vor, anonym zu bleiben und sich im stillen Kämmerlein an Warhols Elvii (Achtung: Elvis hat seinen eigenen Plural ;-)) zu erfreuen – irgendwie nachvollziehbar.

Andy Warhols Schlagzeilen

Andy Warhol, eigentlich Andrew Warhola, wurde als Sohn russischer Einwanderer 1928 in New York City geboren und arbeitete zunächst – bevor er zur Lichtfigur der amerikanischen Pop Art avancierte – sehr erfolgreich als Werbegrafiker. So entwarf Warhol schon in den 1950er Jahren Albumcover u.a. für Elvis Presleys Plattenfirma RCA, hier allerdings nie für ein Elvis-Album. Besonders bekannt sind seine späteren Cover für Alben der Rolling Stones und Velvet Underground.

Vor allem die Schlagzeilen der Boulevardpresse, die Stories über die großen und kleinen Katastrophen im Leben von Stars wie Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor und Elvis Presley waren eine wichtige Inspirationsquelle für sein künstlerisches Schaffen, als Andy Warhol seinen lukrativen Brot-und-Butter-Job Ende der 1950er an den Nagel hängte. Weiterlesen