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Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ‘n’ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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