Beiträge

Elvis in der Jugendliteratur: ‚All Shook Up‘ von Shelley Pearsall

Spätestens seit → Jana Scheerers erfolgreichem Roman Mein innerer Elvis (2010) ist der King als literarische Figur auch in der deutschen Kinder- und Jugendbuchliteratur ein Begriff. In den USA ist das schon länger der Fall. Hier hat Elvis Presley über  zeitgenössische Jugendbücher zudem längst einen festen Platz in den Unterrichtsplänen der Schulen gefunden. Das mag überraschen, war der King of Rock ’n‘ Roll in den 1950ern doch vor allem als jugendverderbender Bürgerschreck verschrien.

"Jugendverderber" Elvis bei seinem umstrittenen Auftritt in der Milton Berle Show, 4. Juli 1956 - Foto: Elvis Australia

Individualist und „Jugendverderber“ Elvis bei seiner umstrittenen Performance von Hound Dog in der Milton Berle Show, Juni 1956 – Foto: Elvis Australia

Wie passt das zusammen? Überraschend gut, wenn man sich anschaut, wie Kinder- und Jugendbuchautoren dies- und jenseits des Atlantiks den King als literarische Figur einsetzen. Zwei Buchveröffentlichungen jüngeren Datums möchte ich in diesem Zusammenhang vorstellen: Shirley Pearsalls All Shook Up (2008) und in einem zweiten, separaten Beitrag Elvis verschwindet (2012) des deutschen Autors Robert Jüttner.

Gemeinsam ist beiden Veröffentlichungen, die ansonsten in völlig unterschiedlichen Milieus spielen, dass sie den schwierigen Reifeprozess ihrer männlichen Protagonisten schildern: Bei Pearsall ist es der 13-jährige Josh Greenwood, bei Jüttner der 17-jährige Daniel Nawrat. Und genau dabei spielt Elvis Presley eine wichtige Rolle. Hier gibt es eine deutliche Parallele zu Jana Scheerers Roman, in dem die 15-jährige Antje über die Beschäftigung mit bzw. die Suche nach Elvis schließlich ihren eigenen „inneren Elvis“, also ihre Identität findet, sich vom Elternhaus emanzipiert und erwachsen wird.

Stärker als bei Jana Scheerer ist in Pearsalls und Jüttners Romanen das Themenumfeld Erwachsenwerden/Elvis/Entdecken der eigenen Individualität/Generationenkonflikt an Vaterfiguren geknüpft. Daniel aus Jüttners Buch wächst ohne Vater auf, als Ersatz der männlichen Bezugsperson dient dem 17-Jährigen Elvis Presley, dessen großer Fan er ist.

Ganz anders Josh Greenwood: Er hat vielmehr ein riesiges Problem damit, dass sein geschiedener Vater sich quasi in Elvis verwandelt. Das führt dazu, dass Josh wirklich „all shook up“ ist, um die Situation mit einem berühmten Elvis-Hit auf den Punkt zu bringen.

Weiterlesen