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Elvis, Donald Trump und die Presidential Medal of Freedom

Seit Eugene Jareckis Dokumentation The King – Mit Elvis durch Amerika (ursprünglicher Titel Promised Land, 2017) in den Kinos angelaufen ist und damit einem breiteren Publikum bekannt wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis Elvis im Wahlkampf Donald Trumps eine Rolle spielen würde. Schließlich geht es in der Dokumentation um die gesellschaftliche Spaltung und den Niedergang Amerikas.

Der American Dream, so Jareckis Dokumentation, habe sich längst zu einem Albtraum erster Güte entwickelt, was letztlich in die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mündete. Elvis’ Lebensgeschichte wird in The King – Mit Elvis durch Amerika als Metapher für den verlorenen American Dream präsentiert.

Kann es da ein Zufall sein, dass die Trump-Administration ausgerechnet jetzt im November 2018 – fast zeitgleich mit den sogenannten “midterm elections”, bei denen Trumps Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten abtreten mussten – einen Gegenpol setzt, indem sie ausgerechnet Elvis Presley posthum mit einer der höchsten Auszeichnungen ehrt, die der amerikanische Präsident zu vergeben hat?

Elvis trifft Trump: Ein Elvis-Fan auf einer Wahlkampfveranstaltung Donald Trumps 2016

Wie gestern bekannt wurde, wird Donald Trump erstmals am 16. November 2018 die “Presidential Medal of Freedom” an sieben herausragende Persönlichkeiten vergeben, die einen besonderen Beitrag etwa zur Sicherheit und den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten, zum Frieden in der Welt oder zur Kultur des Landes geleistet haben.

Elvis Presley ist 41 Jahre nach seinem Tod einer der sieben Empfänger der Freiheitsmedaille des Präsidenten 2018.

Die Presidential Medal of Freedom, die in der aktuellen Form von Präsident John F. Kennedy 1963 ins Leben gerufen wurde, ist zusammen mit der vom amerikanischen Kongress vergebenen Congressional Gold Medal, die höchste Auszeichnung der U.S.-Regierung an einen ihrer Bürger – und sie kann auch posthum vergeben werden.

Gehört zu den höchsten Ehrungen eines amerikanischen Bürgers und wird vom Präsidenten persönlich vergeben: Presidential Medal of Freedom

Von den 40 Musikern – die Medaille wird in verschiedenen Kategorien vergeben – ist Elvis Presley erst die dritte Musiker-Persönlichkeit nach Count Basie (1985) und Meredith Wilson (1987), die diese hohe Auszeichnung posthum erhält.

Basie und Wilson wurden ihre Medaillen durch den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan verliehen, der während seiner Amtszeit mehr als 100 Personen mit der Medaille bedachte, darunter 10 Musiker. Er wird übertroffen einzig von Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama, auf dessen Konto mit mehr als 120 bislang die meisten Presidential Medals of Freedom gehen, davon 13 an Musiker, etwa Stevie Wonder, Bob Dylan, Barbra Streisand und Bruce Springsteen.

Vorgeschlagen werden dem Präsidenten auszuzeichnende Persönlichkeiten übrigens durch das speziell hierfür ins Leben gerufene sogenannte “Distinguished Civilian Service Awards Board”. Man darf davon ausgehen, im Komitee wird dem Volk durchaus aufs Maul geschaut.

Wie die Auszeichung Elvis Presleys begründet wird?

“Elvis Presley defined American culture to billions of adoring fans around the world. Elvis fused gospel, country, and rhythm and blues to create a sound all his own, selling more than a billion records. Elvis also served nearly 2 years in the United States Army, humbly accepting the call to serve despite his fame. He later starred in 31 films, drew record-breaking audiences to his shows, sent television ratings soaring, and earned 14 Grammy Award nominations. He ultimately won 3 Grammy Awards for his gospel music. Elvis Presley remains an enduring American icon four decades after his death.”

Pressestelle des Weißen Hauses zur Ehrung Elvis Presleys 2018

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Elvis darf nicht sterben

Hier sitze ich also in Block N der Frankfurter Festhalle an einem frühsommerlichen Samstagabend Ende Mai 2017. Nach längerer Überlegung habe ich sie mir dann noch besorgt, die Eintrittskarte zu Elvis in ConcertDas Original aus Graceland, wie auf meiner Karte zu lesen ist.

Elvis in Concert 2017 – Festhalle Frankfurt

Letzteres ist reichlich schräg, denn eins werde ich heute Abend ganz sicher nicht zu sehen und zu hören bekommen: das “Original aus Graceland”. Elvis Presley ist nämlich verhindert… seit ziemlich genau 40 Jahren. Ein Todesfall ist ihm dazwischen gekommen… Es war sein eigener. Leider!

Wenn man diese Tatsache einen Moment “sacken” lässt, (ich tue es, während ich meinen Platz suche), dann ist es erstaunlich, dass die Festhalle so gut besucht ist an diesem Samstagabend. Nicht ausverkauft, aber gut besucht. Das Publikum ist deutlich 40+, viele Paare, aber auch ganze Familien sind darunter.

Neben mir sitzen zwei unternehmungslustig dreinblickende Mitvierzigerinnen, offensichtlich Freundinnen, die sich schön gemacht haben für die “special occasion”. Schade, dass der King die Beauties heute Abend nicht gebührend wird würdigen können.

Denn was wir jetzt in den nächsten zwei Stunden zu sehen bekommen, ist ein Konzert des King in Abwesenheit des King. Genauer gesagt gibt es eine weitere Auflage von Elvis in Concert (→ Elvis in Concert 2012, → Elvis Presley On Stage 2014), bei dem Elvis per Videoprojektion zu sehen und mit Originalstimme zu hören ist.

Musikalisch begleitet wird er diesmal vom Czech National Symphony Orchestra, also nicht seinen Originalmusikern, wie das bis 2012 der Fall war. Wen wundert’s, die Herrschaften aus Elvis’ ehemaliger Band sind inzwischen ja auch schon weit über 70.

Eine weitere Neuerung des Konzepts: Priscilla Presley, “Ex-Ehefrau-Witwe” des King, moderiert das Ereignis und wird, so heißt es, Einblicke in die private Seite des King bieten. Oha. Ich dachte immer, da wäre schon alles gesagt seit der Veröffentlichung von Elvis & Me vor gut 30 Jahren und der Dokumentation Elvis by the Presleys… Denkste.

Das Ganze steht unter dem Motto The Wonder Of You – Titel eines Elvis-Songs aus den 1970ern und passenderweise auch der Titel einer erfolgreichen CD aus dem Jahr 2016, auf der Elvis-Klassiker mit dem Royal Philharmonic Orchestra vertont wurden. 2015 gab es die erste sehr erfolgreiche Version von Elvis mit dem Royal Philharmonic Orchestra: If I Can Dream. Mit ihr kam der King in vielen Ländern bis in die Spitze der Charts. Jetzt gibt es also die Europatournee dazu, allerdings mit einem anderen Orchester.

Der Clou: Priscilla Presley – zu Lebzeiten des King völlig außer vor, was die Karriere ihres Göttergatten anging – fungierte als Co-Executive-Producer beider Erfolgsscheiben und erfüllt, so heißt es, ihrem Ex mit der neuen Tournee den Wunsch, einmal gemeinsam mit großem Orchester aufzutreten. Wirklich eine nette Geste von ihr, oder? Endlich darf er mal mit Orchester, nicht nur mit so einer “mickrigen” 3-Mann-Band. Jawoll!

Komisch nur, dass Elvis’ bei seinen Auftritten in den 1970ern zusätzlich zur legendären TCB-Band auch dauernd ein Orchester am Start hatte, etwas, was den Rock ‘n’ Roll-Puristen bis heute so derart gegen den Strich geht, das sie für “Vegas-Elvis” nur vielfach dokumentierte Verachtung übrig haben. Aber wer könnte sich Elvis’ berühmte American Trilogy ohne das wunderbare Zusammenspiel des Joe Guercio Orchestra mit der TCB-Band vorstellen?

Man merkt schon, an der Elvis-Legende wird auch weiterhin eifrig gestrickt – posthume Wunscherfüllung inklusive: Elvis darf einfach nicht sterben. Aber zurück in die Frankfurter Festhalle.

Elvis In Concert 2017: Programm

Auftritt für Elvis und das vielseitige Czech National Symphony Orchestra aus Prag, das sich 1993 formierte und das neben Klassik auch Jazz sowie Musical im Portfolio hat. Dirigiert wird es von Maestro Libor Pešek. Es geht los mit dem Klassiker If I Can Dream aus dem TV-Special ELVIS, heute besser bekannt als ’68 Comeback Special.

In Frankfurt läuft dazu auf Leinwand der Liedtext – klatschen und mitsingen ausdrücklich erlaubt. Die Videoprojektionen laufen auf einer großen Leinwand hinter dem Orchester, einer weiteren direkt über dem Orchester und zwei kleineren an den Seiten der Halle ab. Da Leinwände bei Konzerten heute schlicht Status Quo sind, damit alle gut sehen können, was auf der Bühne vor sich geht, könnte man fast vergessen, dass der Star von Elvis In Concert gar nicht auf der Bühne steht. Es starren sowieso alle auf die Leinwände. Allerdings könnte die Akustik – wie immer in der Festhalle – durchaus besser sein.

Nach dem Konzertauftakt mit If I Can Dream folgt Priscilla Presleys erster Auftritt mit Begrüßung des Publikums in deutscher Sprache. Kunststück: Die Dame hat einige Jahre ihrer Schulzeit in Deutschland verbracht, wo sie 1959 ja auch ihren berühmten Ehemann kennenlernte, der als G.I. der US-Armee im hessischen Friedberg stationiert war. Aber für mehr als ein paar Sätze reicht ihr Deutsch nach fast 60 Jahren dann doch nicht mehr.

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Gospel-Klassiker von Elvis

Ostern ist die perfekte Zeit, um nach längerem wieder einmal intensiver in Elvis’ Gospels reinzuhören. Was dabei nie fehlen darf, ist das wunderbare How Great Thou Art, das Elvis Presley gleich zwei seiner insgesamt drei Grammys einbrachte. Den ersten für sein zweites Gospel-Album How Great Thou Art, das der King im Mai 1966 in RCAs Studio B in Nashville aufnahm, und einen weiteren für eine Liveversion des Titelsongs, die er am 20. März 1974 bei einem Konzert in Memphis sang. Sie ist verewigt auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974).

How Great Thou Art ist damit also ein doppelter Gewinner – besonders die Studioversion vom 25. Mai 1966 wird heute zu den besten Gesangsdarbietungen des Memphis Flash gezählt.

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presley verband von Kindes Beinen an eine große Liebe zur Gospelmusik der amerikanischen Südstaaten. Sang er Gospels, dann legte sich der King jedes Mal mächtig ins Zeug mit einer Intensität und einer inneren Überzeugung, die sich in seinem Repertoire in dieser gleichbleibend hohen Qualität sonst kaum findet, findet etwa Musikhistoriker Will Friedwald.

Zu Elvis’ frühen Heroen zählten die Sänger der bekannten Gospelquartette Blackwood Brothers und Statesmen Quartet. Besonders der charismatische Leadsänger der Statesmen, Jake Hess (1927–2004), hatte es dem jungen Elvis angetan. Hess gründete Anfang der 1960er mit den Imperials eine eigene Gospelformation, die später sowohl im Studio als auch live mit Elvis erfolgreich war und die es bis heute gibt.

Bevor Elvis sein Glück als Solist in Sam Phillips Sun Studio suchte, hoffte er Anfang der 1950er vergeblich auf einen Einstieg als Gospelsänger bei den Nachwuchstruppe der Blackwood Brothers, den Songfellows. Das klappte nicht, da er sich gesanglich nicht in die Gruppe einfügen konnte. Die Songfellows erkannten vor Elvis, dass ihm eine Karriere als Solosänger besser passte, und “stupsten” in mit ihrer Ablehnung in die entscheidende Richtung:

“As long as [Elvis] was singing lead, he was fine. But when the baritone or the tenor took over, someone had to sing harmony, and he could not harmonize. He’d sing baritone a line or two, then switch off to tenor a couple of lines, and wind up singing the lead part. That was the reason we didn’t take him into the quartet with us.”

Songfellow-Mitglied Jim Hamill zitiert nach The Sound of Light: A History of Gospel Music

Elvis Presley soll zunächst ganz schön gefrustet gewesen sein, dass die Songfellows ihn nicht haben wollten, löste das “Problemchen” dann aber auf seine Weise: Er machte Weltkarriere als Solosänger und engagierte seine geliebten Gospelquartette einfach als Backgroundsänger – angefangen von den Jordanaires über die schon erwähnten Imperials bis zu den Stamps. Eine bis heute sehr hörenswerte Lösung eines Problems.

Wenn der King es ganz perfekt haben wollte, dann kamen gleich mehrere Gospelformationen zum Einsatz, wie etwa bei der Aufnahmesession für das Album How Great Thou Art im Mai 1966. Am Grammy-Gewinner waren nämlich sowohl die Jordanaires – seit 1956 fester Bestandteil seiner Studioalben, Live-Auftritte und auch frühen Filme – mit Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker als auch die noch jungen Imperials mit Elvis’ Jugendidol Ex-Statesmen Jake Hess beteiligt.

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The Gospel Side of Elvis: Stand by Me

Es gibt Songinterpretationen von Elvis Presley, die ich nie satt bekomme, egal wie oft ich sie höre. Eine davon passt ganz wundervoll zu Ostern, denn es ist ein Gospel: Stand by Me. Nicht zu verwechseln mit Ben E. Kings gleichnamigen Hit von 1961 aus der Feder des legendären Autorenteams → Jerry Leiber/Mike Stoller, das auch für Elvis viele Hits geschrieben hat.

Elvis Presley 1966

Elvis Presley 1966

Nein, das Stand By Me, das ich meine, wird gerne als Traditional bezeichnet und stammt aus der Feder von Rev. Charles Albert Tindley  (1851–1933). Tindley war Pfarrer in der Glaubensgemeinschaft der Methodisten an der amerikanischen Ostküste und komponierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ganze Reihe vor allem in den USA bis heute sehr bekannter religiöser Lieder. Darunter neben Stand by Me auch We’ll Understand It Better By and By – beide Songs hat Elvis Presley im Frühjahr 1966 für sein Album How Great Thou Art adaptiert.

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Elvis Presley Song by Song: A Study in Music

Am 8. Januar 2015 würde Elvis Aaron Presley seinen 80. Geburtstag feiern, wäre er nicht schon 1977 im Alter von nur 42 Jahren verstorben. Kaum jemand bezweifelt heute noch, dass der Memphis Flash zu den bedeutendsten Vertretern der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gehört.

Der bekannte Musikjournalist → Ernst Hofacker (Von Edison bis Elvis, Reclam 2012)  spricht stellvertretend für viele von Elvis als einem “Urknall der Popkultur”, dessen Megaerfolg – neben kulturhistorischen und technischen Entwicklungen – auf eine ganze Reihe persönlicher Voraussetzungen zurückzuführen ist. Elvis, so Hofacker, sah nicht nur “blendend” aus, er trug auch die “richtige Mischung an halbstarkem Selbstbewusstsein und romantischer Verletzlichkeit” zur Schau, war eine “Naturbegabung als Entertainer” mit “überwältigendem Charisma” und “obendrein ein hochbegabter Sänger mit intuitivem Verständnis für die verschiedensten Stile”.

Elvis hört Elvis bei der Aufnahmesession von 'Hound Dog/Don't Be Cruel' 1956 - Foto 'Scream' von Fotograf Alfred Wertheimer

Der “hochbegabte Sänger” hört sich selbst bei der Aufnahmesession von ‘Hound Dog/Don’t Be Cruel’ in New York 1956 – Foto ‘Scream’ (Schrei) von Alfred Wertheimer

Das klingt fast schon hymnisch. Und viel Hymnisches darf auch zum 80. des King wieder erwartet werden, wenn weltweit Popkulturliebhaber, Musikjournalisten und so ziemlich jeder, der eine Tastatur in Griffnähe hat, dieses Ereignis feiern wird, indem er oder sie die ohnehin schon endlos lange Liste an Veröffentlichungen über Elvis Presley entschlossen erweitert.

Doch ein Aspekt, den Hofacker in seiner hymischen Aussage verpackt hat, wird bei alldem wahrscheinlich erneut eine eher untergeordnete Rolle spielen: “der hochbegabte Sänger”. Denn Elvis kennt zwar (fast) jeder, das aber vor allem als Mythos, als eine Überfigur, der  – wie → Filmhistoriker Björn Eckerl es ausdrückt – kaum noch jemand wirklich zuHÖRT.

Schon vor langer Zeit haben die Anekdoten über den Liebhaber schneller Autos (→ Elvis’ gelebte Auto Emoción), den König des Spielerparadieses Las Vegas (→ Meet and Greet the King), den exzentrischen Frauenliebling mit Hang zu gesundheitsschädlichen Konsumgewohnheiten (→ Elvis in der Werbung: Geht’s noch?), der Musik den Rang abgelaufen. Elvis-Biograf Peter Guralnick spricht in seiner umfangreichen Biografie von der “Kakophonie der Stimmen”, die niemals zu verstummen scheint und das Ohr auf das Eigentliche verstellt: Elvis Presleys Musik.

Tatsächlich gibt es unter den vielen Veröffentlichungen über den Memphis Flash (→ Interview mit Elvis-Buch- und Filmliebhaber Nigel Patterson) nur eine kleine, aber feine Auswahl von Publikationen, deren Autoren sich gerade damit kenntnisreich beschäftigen. Und genau diesen meist wenig bekannten Veröffentlichungen möchte ich eine Reihe widmen.

Ich starte mit einem Buch, dessen Erstausgabe mich vor allem durch seinen Minimalismus beeindruckt. Es ist so leise, dass es in der erwähnten Kakophonie seit Jahrzehnten kaum Gehör findet, ebenso wenig wie der Gegenstand seines Themas: Elvis Presley: A Study in Music von Robert Matthew-Walker.

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Elvis Presley On Stage 2014

Dieser Tage hat Elvis Presley wieder mächtig viel zu tun. Gerade erst hat er eine Europa-Tournee absolviert, die ihn mit 5 Konzerten auch nach Berlin, Hamburg, Halle, München und Mainz führte. Ähhh, wie bitte? Ist das ein schlechter Scherz? Oder hatte hier jemand eine außerirdische Erscheinung infolge eines Sonnenstichs, was bei den aktuellen Temperaturen bei uns ja durchaus denkbar wäre…

Elvis On Stage 2014

Elvis On Stage 2014

Aber nein, der King, 1977 viel zu früh verstorben, tourt posthum. Das macht er regelmäßig seit Ende der 1990er, in Deutschland zuletzt 2012 mit Originalmusikern seiner Band ab 1969 (→ Elvis in Concert rockt Deutschland, → Elvis’ TCB-Band).

Das Prinzip dabei ist einfach wie genial: Band, Backgroundsänger und Orchester spielen live und Elvis wird per großer Videoleinwand optisch und per separierter Tonspur akustisch mit Original-Liveaufnahmen aus dem Zeitraum 1968 bis 1973 zugespielt. Klingt gut. Wer Elvis kennt, weiß, der King war eine stimmgewaltige, humorvolle Rampensau erster Güte, die ständig mit Band und Publikum interagierte. Kurz: hörens- und sehenswert.

Elvis, das Original, in seinen Element – 1970

Nun ist aber in den letzten Jahren ein kleines, aber nicht unerhebliches Problemchen aufgetaucht, welches das lange sehr erfolgreiche Konzept von → Elvis In Concert unter der Ägide von Stig Edgren von SEG Events und Elvis Presley Enterprises erschwert. Die Originalmusiker Elvis Presleys sind nämlich unübersehbar in die Jahre gekommen, teilweise gesundheitlich angeschlagen oder schon verstorben, während der per Videoleinwand transportierte King ein ewig knackiger Mitt- bis Enddreißiger bleibt…

Ein neues Konzept muss also her. Und genau das kann man Anfang Juni 2014 in Deutschland sehen, etwa in der Rheingoldhalle in Mainz, deren Sitzplatzkapazität etwa zu 75 Prozent mit Fans und Neugierigen gefüllt ist. Das Publikum ist deutlich 40+ mit einigen Endzwanzigern und Dreißigern darunter.

Elvis On Stage 2014 oder bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe

Das neue Konzept zeigt Elvis als Videoprojektion auf einer transparenten Leinwand, hinter der ich schemenhaft eine junge Band mit Backgroundsängern und Orchester erkennen kann. Neu ist bei Elvis on Stage 2014 gegenüber Elvis in Concert 2012, dass Elvis überlebensgroß  – und reichlich pixelig, d.h. zu niedrig aufgelöst – auf einer die volle Breite der Bühne abdeckenden, großen Leinwand klar im Vordergrund steht, während die Band dahinter praktisch nicht zu sehen ist. Nur in wenigen Sequenzen dürfen einzelne Bandmitglieder vor den großen transparenten Vorhang – und genau dann wirkt das neue Konzept am stimmigsten.

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Elvis Recorded Live On Stage 1974

Am 1. März 1974 startete Elvis Presley in Tulsa/Oklahoma eine Tournee durch die amerikanischen Südstaaten, die mit zu seinen besten gezählt wird. 25 Konzerte in 20 Tagen, fast jeden Tag in einer anderen Stadt, gab der Flash im März ’74: gut gelaunt, energiegeladen und stimmlich in Top-Form! 40 Jahre ist das jetzt schon her!

Elvis Presley im März 1974 - Foto: Recorded Live On Stage In Memphis (FTD), 2004

Dynamisch: Elvis Presley im März 1974 – Foto: Recorded Live On Stage In Memphis (FTD), 2004

Gerade mal 2 Monate waren seit der berühmten 2. Aufnahmesession im Stax Studio in Memphis (→ Elvis At Stax) vergangen und nur 3 Wochen zuvor hatte er seine inzwischen 10. Saison in Las Vegas mit 29 Shows erfolgreich beendet. Ein ordentliches straffes Programm.

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Elvis Presley: Guitar Man

Einer meiner Elvis-Lieblingssongs ist einer, den man auf den Hit-Zusammenstellungen des Memphis Flash eher vergeblich sucht: Guitar Man (1967). Kunststück, schließlich war Guitar Man zumindest chartmäßig zunächst kein Hit für den King – und ist es auf den zweiten Blick doch.

Guitar Man –  Elvis Sings Guitar Man, FTD 2011:

 

Die meisten werden den Song am ehesten mit dem legendären Comeback-Special ELVIS (1968) verbinden, wo er in einer abgewandelten Form das musikalische Grundthema, den erzählerischen roten Faden bildet: hier erzählt Guitar Man vom Aufstieg des Musikers zum Superstar, den Jahren in Hollywood und der musikalischen Wiederauferstehung nach langer Zeit der ausschließlichen Kinoleinwandpräsenz.

Elvis Presley im Comeback-TV-Special ELVIS 1968 - hier mit der Gibson seines langjährigen Lead-Gitarristen Scotty Moore

Guitar Man Elvis Presley im Comeback-TV-Special ELVIS 1968 mit der Gibson seines langjährigen Weggefährten und Lead-Gitarristen Scotty Moore

Guitar Man ist also vor allem auf der symbolischen Ebene ein Hit. Umso mehr, wenn man sich anschaut, wann und wie es tatsächlich zu Elvis‘ Aufnahme dieses Songs und seiner engen Zusammenarbeit mit Gitarrist und Songschreiber Jerry Reed kam.

Elvis, Guitar Man und das Comeback

Wenn von Elvis‘ Comeback Ende der 1960er die Rede ist, dann bezieht sich das meist auf das schon erwähnte TV-Special ELVIS, das Anfang Dezember 1968 in den USA beim Sender NBC auf Sendung ging und die satte Einschaltquote von 42 Prozent erreichte. Eigentlich startete das musikalische Comeback des Memphis Flash aber schon ein paar Jahre früher.

Elvis selbst sagte in einem Interview einmal, dass er sich schon 1965 entschloss, seiner Karriere, die Mitte der 1960er auf langfristige Hollywoodfilmverträge und die dazugehörigen Soundtrack-Alben beschränkt war, eine neue Wendung zu geben. Und das kommt zeitlich auch hin, blieb aber zunächst weitgehend unbemerkt, genauso wie der Song Guitar Man, der dabei eine Rolle spielte.

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Elvis und die Grammys

Seit ein paar Tagen ist es offiziell, Elvis Presley hat eine weitere Grammy-Nominierung eingefahren, posthum natürlich ;-). Wenn man’s ganz genau nimmt, wurde nicht der King selbst nominiert, sondern vielmehr das 2011 von RCA/Legacy Recordings (Sony) herausgegebene Deluxe-Box-Set Young Man with the Big Beat: The Complete ’56 Elvis Presley Masters – nominiert in der Kategorie Best Historical Album.

Für das 5-CD-Set, das den kometenhaften Aufstieg des Memphis Flash im Jahr 1956 musikalisch dokumentiert → siehe auch Blogbeitrag zu Bildband A Moment In Time, zeichnen – wie kann es anders sein – Ernst Jorgensen als Produzent und Vic Anesini als Tontechniker verantwortlich.

Grammy-nominiert: Young Man With The Big Beat

Die Nominierung für die Grammys 2012 ist natürlich eine tolle Nachricht, zumal Elvis Presley für seine bahnbrechenden frühen Studio- und Live-Aufnahmen zu Lebzeiten nie eine Nominierung erhielt. Das schon ganz einfach deswegen nicht, weil die Grammys erst seit 1958 von der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) in den USA vergeben werden. Lässt sich so das Fehlen von Grammys für die super erfolgreichen und Musikgeschichte schreibenden Singles und Alben der Jahre 1956/57 noch nachvollziehbar erklären, sieht das für die Jahre ab 1958 komplett anders aus. Weiterlesen