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Sing it! Der Soundtrack zu Speedway

Als Elvis‘ 27. Film Speedway im Juni 1968 – ein volles Jahr nach dem Start der Dreharbeiten – endlich in die amerikanischen Kinos kam, markierte er das Ende einer Ära. Speedway ist der letzte Hollywoodstreifen mit dem King in der Hauptrolle, zu dem ein Soundtrackalbum erschien. Und das ist jetzt sage und schreibe genau ein halbes Jahrhundert her!

Heute ein Sammlerstück: Elvis‘ letzte Soundtrack-LP in Mono-Ausführung.

Dass die Zeit der Soundtrack-Alben für ihn 1968 vorbei war, hat Elvis Presley wohl selbst am wenigsten bedauert. In einem Interview, das er fünf Jahre nach dem Kinostart von Speedway den Dokumentarfilmern Robert Abel und Pierre Adidge (Elvis On Tour, 1972) gab, sprach er erstaunlich offen über sein Hollywood-Image, die Austauschbarkeit seiner Filmrollen, die Qualität der Filmsongs und seinen mangelnden Spielraum, an dieser Gesamtsituation etwas zu verändern. Eine Situation, die ihn zuletzt regelrecht krank machte, wie er im Interview erzählt.

Audio: Elvis Presley über seine Filme und ihre Soundtracks (1972)

Auch die Unterstützung von Regisseur Norman Taurog und Drehbuchautor Michael A. Hoey, die sich u.a. bei Speedway für ein besseres Drehbuch einsetzten, hatte letztlich keinen Erfolg mehr. Es führte nicht zur Wende.

Dabei hatte man ihm bessere Rollen wiederholt zumindest in Aussicht gestellt, wie der King im Interview erwähnt. Rollen, in denen er schauspielerisches Können hätte zeigen können, was in seinen PR-Image-Musicals nicht vorgesehen war. Schließlich lebt(e) das Genre des Elvis-Imagefilms (wie im Grunde jedes Star-Vehikel) davon, dass die Grenzen von Star-Persona und fiktivem Charakter fließend sind. Dass der Star schauspielert und in seiner Filmrolle sozusagen verschwindet, ist bei dieser Art von Film unerwünscht, so Filmhistorikerin Susan Doll.

Elvis Presley ahnte 1967 längst, dass er die „Rolle“ des singenden Playboys nicht mehr loswerden würde. Schlimmer noch: Die Kombination von Elvis-Musical und Soundtrack in gefühlter Endlosschleife wirkte sich ab Mitte der 1960er zunehmend negativ auf seinen Status als Musiker aus, was der Star sehr wohl registrierte.

Es gäbe die Haltung, dass alles, was er mache, sich irgendwie verkaufe, so Elvis zu Abel und Adidge. Das stimme aber nicht, er brauche gute Drehbücher und gute Songs. Vor allem die Qualität des Soundtrack-Materials bereitete ihm in den 1960ern Kopfschmerzen, wie er den Dokumentarfilmern erzählte. Letzteres wegen der albumfüllenden Menge an Songs, die für eine Vielzahl sehr ähnlicher Elvis-(Image)-Musicals gebraucht wurde, und deren Zuschnitt auf bestimmte Filmsituationen.

„It had to be a thing also of 10 to 12 songs in a movie. It was very difficult to get good material. And I know good material when I hear it. Songs had to fit situations. And I had to gear down to a certain thing – like sing a song to a dog.“

Elvis Presley 1972

Ende der 1960er zog Elvis Presley aus alldem schließlich die Konsequenzen, beendete seine Filmkarriere und kehrte noch im selben Jahr, als sein 27. Film Speedway seine Erwartungen einmal mehr nicht erfüllte, mit dem ’68 Comeback-Special ELVIS nach fast 8 Jahren Live-Abstinenz spektakulär auf die Bühne zurück.

Pop-Kultur trifft Realität: Elvis als Steve in Speedway möchte nicht singen, als das Drehbuch es (mal wieder) fordert.

Die ganze Problematik des einst durchaus sehr erfolgreichen Elvis-Filmmusicals mit begleitendem Soundtrackalbum (→ mehr zur Entstehung der Soundtracks), das sich Ende der 1960er schlicht totgelaufen hatte, spiegelt sich im im letzten Soundtrack-Album Speedway, das – im Mai 1968 veröffentlicht – in den amerikanischen Billboard-Charts nur einen mageren Rang 82 als höchste Platzierung erreichte.

Soundtrack-Single zu Speedway (1968)

Die dazugehörige Single Let Yourself Go/Your Time Hasen’t Come Yet Baby schnitt mit Rang 71 auch nicht viel besser ab. Die Hörer hatten die Soundtracks offenbar ebenso „über“ wie der Star selbst.

7 + 5: Soundtrack mit Resterampe

Zudem war es diesmal besonders schwierig, bei der Aufnahmesession, die am 20. und 21. Juni 1967 in den MGM Studios – also vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten – stattfand,  überhaupt 12 Songs für ein Album zusammenzubekommen.

Was entstand, war eher eine Verlegenheitslösung: eine wenig heterogene Mischung aus situativen, zur Speedway-Handlung passenden Filmsongs, aufgefüllt mit älteren (Studio)-Aufnahmen, die keinen Platz auf einem Studioalbum gefunden hatten, und last but not least „geschobene“ Filmsongs, die ursprünglich für andere Soundtrackalben gedacht gewesen waren. Von den 12 auf dem Speedway-Soundtrack-Album enthaltenen Liedern waren die Hälfte Bonus-Songs.

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