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Grenzgänger: Elvis Presley und Quentin Tarantino

Quentin Tarantinos oscarprämierter Kinofilm Django Unchained hat vor allem in den USA für einiges an Diskussion gesorgt. Und zwar nicht nur wegen einer Reihe äußerst blutiger Filmszenen, die längst Markenzeichen des Kultregisseurs von Pulp Fiction und Inglourious Basterds  sind, sondern wegen des ungehemmten Gebrauchs des rassistisch-konnotierten Unworts Nigger in Django Unchained.

Quentin Tarantinos ‚Django Unchained‘ (2012) – Abb.: Filmdienst.de

Über 100 Mal wollen eifrige Kinozuschauer in Django Unchained das Unwort aller Unwörter, das schlimmste aller Schimpfwörter gezählt haben, das aus dem öffentlichen Leben der USA verbannt ist, wo es höchstens – sofern der Gebrauch unvermeidlich scheint – euphemistisch als „N-Wort“ Verwendung findet, sofern ihm nicht doch ein besonders cooler Hip-Hopper Exil in einem seiner provokanten Songtexte gewährt.

Vom Unwort aller Unwörter

Wenige Wörter sind so emotional aufgeladen wie Nigger – 6 Buchstaben, die wie kaum sonst etwas für die Versklavung der afroamerikanischen durch die weiße Bevölkerung in den USA stehen. Dabei bedeutetete das heutige Unwort ursprünglich nichts weiter als schwarz, leitete es sich doch vom spanischen negro (lateinisch: niger)  und französischen nègre ab, bevor es sich im amerikanischen Wortgebrauch über verschiedene Formen wie negro, neger, negar, niggur schließlich zu nigger für Personen mit dunkler Hautfarbe entwickelte. Als solches fand es noch im 19. Jahrhundert rege Verwendung in den Romanen Joseph Conrads und Marc Twains.

Seine abwertende, rassistische Bedeutung bekam es vor allem dadurch, dass Plantagenbesitzer in den Südstaaten ihre afroamerikanischen Sklaven als Nigger bezeichneten, wobei die Verwendung des Worts auch andernorts, z.B. durch britische Kolonialherren in ihren indischen Kolonien nachgewiesen ist. Nigger stand damit also nicht mehr nur für Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern – aufgrund der bedenklich verqueren Perspektive weißer Kolonialherren – für solche einer unterlegenen, minderwertigen „Rasse“.

Und damit ist das äußerst ernste Thema von Quentin Tarantinos Django Unchained – Rassismus – auch schon genannt: Hier offensichtlich ganz bewusst verpackt in einem zunächst gar nicht so ernst daher kommenden Film, der sich als Genre-Mix aus Italo- bzw. Spaghetti-Western, Blaxploitation-Movie (gemeint ist das Genre des Exploitationfilms afroamerikanischer Machart) und Südstaatendrama mit Elementen der Nibelungensaga präsentiert.

Leonardo DiCaprio, Jamie Foxx und Christoph Waltz in ‚Django Unchained‘

Eine ganz schön wilde Mischung mit vielen Stars, darunter der zweimalige Oscar-Gewinner Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Don Johnson sowie Franco Nero in einer kleinen Nebenrolle. Den Titel seines Films hat Tarantino übrigens dem bekannten Italo-Western Django des Regisseurs Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle entlehnt – ein Film, der durch seine starke gesellschaftskritische Komponente, durch seine Brutalität und seinen schwarzen Humor für Aufsehen sorgte, ähnlich wie Django Unchained heute.

Elvis bei Quentin Tarantino

Was hat das alles nun aber mit Elvis Presley zu tun? Nun, wer sich ein wenig mit Tarantino auskennt, der weiß, dass der 1963 in Tennessee geborene Regisseur und Drehbuchautor in praktisch jedem seiner Filme Verweise auf Elvis einbaut, er ist ein bekennender Fan des King mit einer großen Vorliebe für Rockabilly. Weiterlesen