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Elvis Unplugged

Mach‘ den Test: Frag‘ irgendjemand x-Beliebigen aus deinem Umfeld, was ihm oder ihr spontan zu Elvis Presleys 68 Comeback Special einfällt. In neun von zehn Fällen kommt als Antwort: “Das ist doch das mit dem schwarzen Lederanzug auf der kleinen Bühne, die an einen Boxring erinnert, oder?” Stimmt! Genau das ist es – und es steht für eine ganz besondere Sequenz im legendären TV-Special, mit dem Elvis Presley nach langen Jahren in Hollywood 1968 seine Rückkehr auf die Konzertbühne einläutete: Elvis Unplugged!

Auch wenn das TV-Special aus dem Jahr 1968 gleich eine ganze Reihe eindrucksvoller Szenen hat, die Ohrenschmaus und Augenfutter satt bieten – angefangen von der ganz in Rot und Schwarz gehaltenen Eröffnungszene „If you’re looking vor trouble“ mit einem singenden Elvis in Großaufnahme vor einem Gerüst an Miniatur-Elvissen (Filmklassiker Jailhouse Rock lässt grüßen)…

… bis zum hochemotionalen Finale von If I Can Dream, dem gesungenen Traum von einer friedlicheren Welt nach der Ermordung Martin Luther Kings und Bobby Kennedys 1968…

… ist es vor allem Elvis Unplugged, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Kein Wunder, denn das ist der wohl zeitloseste Part des Fernsehspecials, bei dem man fast vergessen kann, dass die Sondersendung längst mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat.

Re: Elvis und nichts als Elvis

Elvis Unplugged ist der Teil, in dem das Team um Co-Produzent Bob Finkel, Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe endgültig wahr machte, was sie Elvis Presley im Frühjahr 1968 versprochen hatten: Eine Fernsehshow, bei der der komplette Fokus auf seiner Person und vor allem auf seiner Musik liegen würde. Angelegt war das Special als musikalische Semidokumentation, die die gesamte Palette des Musikers Elvis Presley zeigen sollte. Die Arbeitsaufteilung des Teams war dabei klar: Elvis sollte sich ganz auf seine Musik konzentrieren, das Team um Finkel, Binder und Howe würde die Musik sozusagen bebildern.

Nur unter dieser Voraussetzung, das Fernsehspecial ganz auf ihn zuzuschneidern und ihm kein Fremdkonzept überzustülpen, war Elvis Presley 1968 für die Idee einer Fernsehshow, die den Arbeitstitel JUST ELVIS bekam, zu gewinnen gewesen. Schließlich hatte er mit dem Medium Fernsehen schon am Anfang seiner Karriere, als er 1956 in den Varietésendungen von Fernsehgrößen wie Ed Sullivan oder Steve Allen auftrat, wo er in altmodischen Sketchen mitspielen musste, keine guten Erfahrungen gemacht, wie er Steve Binder verriet. Das hatte ihm Fernsehen ordentlich verleidet – und seine nachfolgenden Erfahrungen mit Hollywood-Filmproduktionen waren auch nicht so, dass er in einem Medium der „laufenden Bilder“ Großes für sich erwartet hätte.

Als TV-Drehbuchautor Chris Bearde ihn 1968 fragte, was er sich denn für seine Fernsehshow wünschte, machte Elvis Presley seinem über Jahre angehäuften Frust Luft: “Well, I tell you one thing I don’t wanna do. I don’t wanne be a singing, cock-sucking mechanic anymore”. Deutliche Worte.

Improvisation ist King

Elvis Presley möglichst authentisch zu präsentieren, war also von Anfang an das erklärte Ziel des ’68 Comeback Specials, das nach dem schönen Arbeitstitel Just Elvis mit dem unspektakulären Namen Singer presents ELVIS (Nähmaschinenhersteller Singer war der Hauptsponsor der Sendung) am 3. Dezember 1968 bei NBC erstmals auf Sendung ging.

Während die anderen Show-Segmente – wie etwa der Guitar Man-Opener und ein Gospelpart – schnell ihren Weg ins Drehbuch fanden, wurde die Idee zu Elvis Unplugged erst während der Proben für das TV-Special geboren. Geburtshelfer war Elvis selbst. Der beschloss nämlich, im Juni 1968 für die Dauer des Drehs kurzerhand in den Umkleidebereich des NBC-Studios in Burbank/Kalifornien einzuziehen – samt eigenem Bett und Piano -, um so den täglichen Weg von Beverly Hills, wo er mit Ehefrau Priscilla und der erst wenige Monate alten Tochter Lisa Marie lebte, zum Studio und retour zu sparen. Das Hin- und Her sei doch schlicht Zeit- und Energieverschwendung, meinte der King zu Regisseur Binder.

Verstehen sich prächtig: Regisseur Steve Binder mit Elvis Presley beim Dreh zum ’68 Comeback Special 1968.

Das hatte den schönen Nebeneffekt, dass Binder und sein Team den privaten Elvis Presley in der nächsten Zeit sehr viel besser kennenlernten. Besonders eine Angewohnheit faszinierte die TV-Macher: Am Ende eines jeden Drehtags zog der King sich mit seiner Entourage – der Memphis Mafia – in seinen Umkleidebereich „zum Abhängen“ zurück. Und dabei wurde nicht nur geraucht und reichlich Anekdoten erzählt, sondern über Stunden hinweg ordentlich gejammt, vor allem von Elvis selbst.

Das Ganze war so authentisch, relaxed, humorvoll und hitverdächtig cool, dass Regisseur Binder diese Jams unbedingt in das geplante Fernsehspecial integrieren wollte. Er war sich sicher, dass das Publikum diesen „echten Elvis“ genauso lieben würde wie er. Die Idee zu Elvis Unplugged war geboren – sie gilt heute als Vorläufer des mehr als 20 Jahre später im Musiksender MTV so erfolgreichen Konzepts MTV Unplugged. Und das obwohl Elvis Unplugged nicht hundertprozentig „unplugged“ ist, da die E-Gitarre von Scotty Moore im Spiel ist, die Elvis nach kurzer Zeit gegen seine Akustikgitarre eintauscht.

Szene aus Elvis Unplugged, so wie sie später mit Publikum tatsächlich aufgenommen wurde.

Aber Elvis‘ Manager Colonel Tom Parker legte sofort ein Veto ein: „Nur über meine Leiche“ hieß es, als Binder erstmals den Vorschlag einer improvisierten Jam-Session im Fernsehspecial machte. Aber Binders Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen, wohl auch, weil Elvis selbst sich damit anfreunden konnte und sofort vorschlug, seine alten Weggefährten aus den Anfangsjahren – Gitarrist Scotty Moore und Schlagzeuger D. J. Fontana – extra dafür einzufliegen. Die waren sonst im Fernsehspecial gar nicht vorgesehen, denn dafür waren unter anderem die Musiker der legendären Wrecking Crew zum Einsatz gekommen.

Elvis Presleygibt alles für sein TV-Special ELVIS 1968.

Gesagt – getan. Ab jetzt war das Jammen in der Umkleide nicht nur reiner Spaß, sondern diente dazu, diesen Part der Show zu planen. Im nachfolgenden Video/Audio ist einer der informellen Mitschnitte aus der Umkleide zu hören (aufgenommen von Elvis‘ langjährigem Weggefährten Joe Esposito Ende Juni 1968), in dem Elvis nicht nur mit reichlich guter Laune Songs spielt, die später auch im TV-Special stattfanden, sondern auch zu hören ist, wie er mit den Anwesenden über die geplante offizielle Unplugged-Sequenz spricht (etwa ab Minute 7).

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Elvis‘ Weihnachtsklassiker: Santa Claus Is Back In Town

Fast jeder, der einigermaßen erfolgreich im Musikgeschäft ist, spielt irgendwann auch  Weihnachtslieder ein. Schließlich ist dafür garantiert jedes Jahr einmal Saison und das lässt die Kasse immer wieder aufs Neue klingeln. Fast so sicher wie das Amen in der Kirche gibt es unter den Weihnachtsalben natürlich auch einen hörenswerten Megaseller von Elvis Presley: Elvis‘ Christmas Album ’57. Und genau auf diesem Album erschien der Elvis-Klassiker erstmals, um den es heute geht.

  • Weihnachtsstimmung mit Elvis

Das inzwischen legendäre Elvis‘ Christmas Album ’57 mit 12 Songs kam im Oktober 1957 rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit auf den Markt und hielt sich volle 4 Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts. 2011 zeichnete die Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) die spätere Camden-Version des Albums (1970) mit einem Diamond-Award für mehr als 10 Mio. allein in den USA verkaufte Exemplare aus. Damit soll Elvis Christmas Album bis heute das erfolgreichste Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA sein.

Elvis‘ Christmas Album – 2014 mit einer Veröffentlichung des Sammlerlabels Follow That Dream bedacht – gilt heute längst auch musikalisch als Klassiker, die Redaktion des Musikmagazins Rolling Stone listet es als zweitbestes Weihnachtsalbum aller Zeiten. Das war nicht immer so. Als Elvis‘ Weihnachtsalbum 1957 erschien, stürmte es nämlich nicht nur die Charts, es sorgte auch für reichlich Aufregung. Jetzt verunglimpfte die Galionsfigur der vulgären, Amerikas Jugend verführenden Rock ’n‘ Roller – Elvis the Pelvis – auch noch das heilige Weihnachtsfest, so wurde das damals von vielen gesehen.

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Elvis for President: Der King und die amerikanischen Präsidentschaftswahlen

Der Endspurt der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2020 ist eingeläutet. Wenige Tage vor dem entscheidenden 3. November feuern der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden aus allen Rohren, um die jetzt noch unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. Dabei sind sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters – 74 und 77 Jahre – alles andere als zimperlich in ihren Verbal-Attacken.

Wahlkampf 2020: Amtsinhaber Donald Trump gegen Joe Biden (links) – Foto: CTV

Aktuell beschuldigt Trump Biden, den er in seinen Tweets als schmuddeligen und korrupten „Sleepy Joe“ (Schlafmütze) bezeichnet, das Oberste Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten mit einer Justizreform zu einer Hochburg der Linken zu machen und damit der kommunistischen Unterwanderung des amerikanischen Staates Vorschub zu leisten. Starker Tobak.

Biden hingegen spricht von Trump als unverantwortlichen Chaoten und Spalter der Nation, der auf Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern mit noch mehr Gewalt reagiert, zudem bei der Eindämmung der Corona-Pandemie mit rekordverdächtig vielen Toten in den USA völlig versagt und Wahlkampveranstaltungen als „Superspreader-Events“ abhält. Keine Frage: Die beiden Präsidentschaftskandidaten schenken sich nichts.

Experten fürchten außerdem, Trump könne im Fall einer Niederlage das Wahlergebnis schlicht nicht anerkennen – seit Monaten weist der republikanische Amtsinhaber auf die angebliche Unzuverlässigkeit des amerikanischen Briefwahlsystems hin – und das Land damit endgültig ins Chaos stürzen.

Die „Elvis-Karte“ in der Politik

Stellt sich die Frage: Was hat das alles mit Elvis Presley zu tun, der seit mehr als 40 Jahren tot ist? Auf den ersten Blick wenig – auf den zweiten sehr viel. Denn seit der Demokrat Jimmy Carter am 17. August 1977 in seiner Funktion als 39. US-Präsident sein vielbeachtetes Statement zum Tode Elvis Presleys abgab…

„Elvis Presley’s death deprives our country of a part of itself. He was unique and irreplaceable. More than 20 years ago, he burst upon the scene with an impact that was unprecedented and will probably never be equaled. His music and his personality, fusing the styles of white country and black rhythm and blues, permanently changed the face of American popular culture. His following was immense, and he was a symbol to people the world over of the vitality, rebelliousness, and good humor of his country.“

Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten (1977-1981)

… welches der wahrscheinlich am besten formulierte Nachruf auf den King überhaupt ist, und damit den Tod Elvis Presleys als bedeutsamen Verlust für die amerikanische Nation quasi zementierte, spielt Elvis in der US-Politik immer wieder eine große Rolle. Posthum.

Kannten sich persönlich: Elvis Presley mit dem späteren US-Präsidenten Jimmy Carter und dessen Frau Rosalynn in den 1970ern.

Besonders deutlich wird das regelmäßig bei den Präsidentschaftswahlen, bei denen sowohl republikanische als auch demokratische Kandidaten ihn für ihre politischen Zwecke vereinnahmen, obwohl  – oder vielleicht auch gerade weil – der Musiker sich zu Lebzeiten aus Überzeugung nie öffentlich politisch äußerte und man daher auch nicht mit Bestimmtheit sagen kann, welcher der beiden amerikanischen Parteien er am ehesten zugeneigt war. Auch der vielzitierte Überraschungsbesuch bei Richard Nixon im Oval Office 1970 gibt dazu letztlich wenig Aufschluss.

Fest steht, Elvis hat bis heute gleichermaßen Fans in liberalen als auch konservativen Kreisen – Demokraten mögen ihn ebenso wie Republikaner. Ein wesentlicher Grund dafür steckt bereits in Jimmy Carters Nachruf: Elvis ist ein Symbol für Amerika – ein Amerika, so wie es sich selbst gerne sieht: einzigartig, einflussreich, erfolgreich, Rassengrenzen überwindend, rebellisch, vital und humorvoll. Alles Eigenschaften, die sich in einem Wahlkampf gut machen, weswegen Kandidaten aller Couleur bis heute die „Elvis-Karte“ immer wieder gerne ziehen. Allerdings ist das nicht immer  von Erfolg gekrönt.

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Elvis That’s The Way It Is (1970): Der King, Denis Sanders und der perfekte Moment

Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, um Elvis Presley zumindest einmal live zu erleben, dann wären Sommer 1970, Elvis Summer Festival, International Hotel, Las Vegas ganz sicher unter den Koordinaten, die ich in meine spacige Zeitmaschine eingeben würde.

Gibt alles: Elvis Presley live in Las Vegas im Sommer 1970.

Und klar, wer so spektakulär mal eben 50 Jahre hinter sich lässt, wie ich in diesem Fall, landet selbstverständlich auch in der 1. Reihe direkt vor der Bühne  und hat – gekleidet von Kopf bis Fuß im kultigen Seventies-Style (hey, die Gelegenheit verlangt nach höchstem Einsatz!) – den Spaß des Jahrhunderts. Der Spaß geht los mit Tiger Man im Mystery Train und einem Elvis, der im Sommer 70 eines ganz sicher ist: King of the Jungle Was für ein perfekter Moment!

Aber leider ist die Sache mit den Zeitmaschinen seit Doc Morris‘ Zeitreise-Versuchen im Hollywoodstreifen Zurück in die Zukunft bis heute nicht so richtig vorangekommen – milde ausgedrückt. Und statt dank Zeitmaschine von der ersten Reihe aus ein Elvis-Komzert vom Feinsten zu erleben, sitze ich 50 Jahre später zuhause ganz unspektakulär vor einem Bildschirm und schaue mir den Dokumentarfilm Elvis That’s The Way It Is an – das Original von 1970. Wenn schon, denn schon!

Was ich da zu sehen kriege? Elvis natürlich, aber kein komplettes Elvis-Konzert. Schlimm? Schau’n wir mal…

The next best thing

“It’s the nitty gritty time as far as being nervous – opening night”, gesteht ein sichtlich nervöser Elvis eine gute Stunde, bevor er auf die Bühne muss. Es ist der 10. August 1970 und Elvis Presley ist nur noch 60 Minuten entfernt von der Eröffnung seines dritten komplett ausverkauften vierwöchigen Engagements im International Hotel in Las Vegas.

It’s nitty gritty time as far as being nervous – ein nervöser Elvis kurz vor dem Eröffnungskonzert im August 1970.

Ein Jahr zuvor hatte er genau hier nach Jahren der Bühnenabstinenz mit einer ersten Konzertreihe spektakulär sein Comeback als Live-Performer gefeiert. Seitdem regiert der King das Spielermekka mit seinen energiegeladenen Auftritten und gleich einer ganzen Reihe neuer Hits. Und er liebt es: die Show, die Bühne, das Publikum.

Ein Fünfjahresvertrag, der ihm satte 5 Millionen US-Dollar für 10 vierwöchige Engagements von 1970 bis 1974 zusichert, dürfte zur Freude beitragen.

Sattes Sümmchen: 5 Millionen für den King in Las Vegas – Quelle: Elvis Australia.

Aber jetzt – 60 Minuten vor dem großen Auftritt – hat er Lampenfieber, und das nicht zu knapp. Er macht sich Sorgen, dass er den Text zur ersten Strophe von I Just Can’t Help Believin‘ vergessen könnte.

Randvoll mit Energie sitzt er schwitzend im Kreis seiner berühmt-berüchtigten „Memphis Mafia“ – Kumpel aus der guten alten Zeit, persönliche Assistenten und Bodyguards –  um einen kleinen Tisch, auf dem ein Lachsack für Unterhaltung und die dringend benötigte Ablenkung vom bevorstehenden Auftritt sorgt.

Amüsiert sich über sich selbst und sein Lampenfieber – Elvis in Las Vegas eine Stunde vor seinem Auftritt.

Der King lacht laut, amüsiert sich über seine eigene Nervosität, indem er eine kleine komische Einlage zum Besten gibt: Er improvisiert, wie er kurz zuvor hochnervös sein Abendessen verschlungen hat – nämlich im rasanten Rhythmus seines energiegeladenen Showstoppers Polk Salad Annie – praktisch ohne zu schlucken. Elvis – die Rampensau – hat auch jenseits der Bühne hohen Unterhaltungswert.

Polks Salad Annie… Dinner in tempo!

Der Mann aus Memphis kokettiert mit der Kamera – die liebt ihn – und er weiß es. Die Kamera, die diese kleine vielsagende Szene hinter den Kulissen einfängt, gehört zum Team um Drehbuchautor, Filmproduzent und -regisseur Denis Sanders (1929-1987), der im Auftrag der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) vor Ort ist, um während des Elvis Summer Festivals die Dokumentation Elvis That’s The Way It Is zu drehen.

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Priscilla Presley: Für immer 14

Im Januar wäre Elvis Presley 85 Jahre alt geworden. Und wie bei allen Jubiläen, die der King nicht mehr erlebt, ist er auch diesmal wieder ordentlich gefeiert worden – unter tatkräftiger Mithilfe von Exfrau Priscilla. Schließlich ist sie eine der Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung ihres Göttergatten.

Was beim Jubiläums-Hype auch in diesem Jahr wieder völlig untergeht, ist die Tatsache, dass auch Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – einen feiernswerten Geburtstag begeht. Die Queen wird am 24. Mai 2020 stolze 75 Lenze alt. Da kann man doch wirklich gratulieren, oder?

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Für immer 14: Priscilla Presley heute vor 60 Jahren am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. War die nicht erst 14, als sie den G.I. Elvis in Deutschland kennenlernte? Genau!

Dieses Alter hat sich dergestalt ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass es für immer mit ihr verbunden wird. Irgendwie ist Priscilla für immer 14 – sehr unschuldig und sehr schön. Und die Ex des King tut so einiges, um ihr wahres Alter zu verschleiern. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute ähnlich zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wenn man in das alterslose Gesicht Priscilla Presleys schaut, das nicht einmal den Ansatz einer Sorgenfalte erkennen lässt, dann könnte man fast vergessen, dass sie eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Alterslos: Priscilla Presley 2019 – Foto: Demotix

Obwohl Tochter Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – heute mittlerweile deutlich über 50 ihr Erbe schon vor Jahrzehnten angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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Elvis Presleys Motto TCB – Taking Care of Business in a Flash

Drei Buchstaben mit einem Blitz: Elvis Presleys Motto TCB Taking Care of Business (in a Flash) war in den 1970en als Logo auf Gegenständen seines beruflichen und persönlichen Lebens geradezu allgegenwärtig. Das von ihm selbst entworfene Logo fand sich auf seinem Briefpapier und auf dem Heck des eigenen Flugzeugs. Es schmückte die Wände des TV-Raums in Graceland ebenso wie Karate-Equipment aller Art oder Elvis‘ legendäre Brillengestelle und sündhaft teure Ringe. Verarbeitet zu Schmuck kam es es auch immer wieder als Geschenk für gute Freunde und Mitarbeiter zum Einsatz.

Ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

Symbolträchtig und ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

TCB: Bedeutungsebenen

Aber was bedeutet das eigentlich: Taking Care of Business in a Flash? Zunächst einmal ist Taking Care of Business eine heute ziemlich weit verbreitete Formulierung, die am ehesten zu verstehen ist als „tun, was getan werden muss“. Damit wird kurz und knapp der inneren Haltung Ausdruck verliehen, sich für Aufgaben verantwortlich zu fühlen, sie jederzeit sorgfältig, kompetent – und in Elvis’ Sinne auch noch blitzschnell – zu erledigen.

Auf gut Deutsch: nicht lange reden, zackig selbst die Ärmel hochkrempeln, ordentlich anpacken. Die Abkürzung T.C.O.B. für Taking Care of Business wird in Wirtschaftskreisen der USA auch verwendet, um die leitende Funktion eines Managers zu unterstreichen, damit kommen auch Führungsqualitäten als Bedeutung mit ins Spiel.

Aber es spielt noch eine weitere, indirektere Bedeutungsebene eine Rolle, die erst sichtbar wird, wenn man sich anschaut, wo der Ausdruck TCB Ende der 1960er – also etwa zu dem Zeitpunkt, als Elvis ihn als Lebensmotto adaptierte – besonders in Erscheinung trat: in der Musik afroamerikanischer Künstler nämlich. In Aretha Franklins Riesenhit Respect (1967), eine Coverversion von Otis Reddings gleichnamigen Song aus dem Jahr 1965, findet er sich in den Liedzeilen: R-E-S-P-E-C-T – Find out what it means to me – R-E-S-P-E-C-T – Take care … TCB. Interessanterweise ist diese TCB-Passage in Otis Reddings Original nicht enthalten.

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Elvis, Gordon Stoker und The Jordanaires

Am 27. März 2013 ist ein weiterer der langjährigen Weggefährten Elvis Presleys im Alter von 88 Jahren in Brentwood/Tennessee verstorben: Gordon Stoker. Als Tenor des Gesangsquartetts The Jordanaires hat Gordon Stoker ab 1956 den Sound vieler großer Elvis-Hits wesentlich geprägt – im Aufnahmestudio ebenso wie live auf der Bühne und auf der großen Kinoleinwand.

Gordon und ‚The Jordanaires‘ in der Besetzung zwischen 1954 und 1958 – im Uhrzeigersinn: Gordon Stoker,  Hugh Jarrett, Neal Matthews und Hoyt Hawkins; Foto: jordanaires.net

Gordon Stoker kam am 3. August 1924 in Gleason/Tennessee zur Welt. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf – schon im Alter von 8 Jahren sang und spielte er Orgel in der Kirche. Schon früh verdiente er sich die ersten Sporen als Pianist in The Clement Trio, war mit 15 Jahren einer der jüngsten Performer auf der Bühne der Grand Ole Opry und wurde von John Daniel für das damals in der Country-Szene sehr populäre John Daniel Quartet entdeckt. 1943 kam der Ruf von Uncle Sam an die Front – Stoker diente in der Air Force und war in Australien stationiert.

Gordon Stoker und ‚The Jordanaires‘

1945 kehrte Gordon Stoker in die USA zurück, wo er zunächst an der Oaklahoma Baptist University Psychologie, Musik und Gesang studierte. Aber die Heimat ließ ihn nicht los, 1948 siedelte er nach Nashville über, wo er zunächst sein Studium fortsetzte, jedoch letztendlich nicht abschloss. Stattdessen zog es ihn wieder zum Daniel Quartet – bis sich 1949 eine neue Chance über das Gesangsquartett The Jordanaires eröffnete.

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Jailhouse Rock – der Film

Direkt im Anschluss an die erfolgreiche Aufnahmesession des Soundtracks von Jailhouse Rock begannen im Mai 1957 die  Dreharbeiten für den gleichnamigen MGM-Filmklassiker mit Elvis Presley in der Hauptrolle.

Elvis Presley in seinem 3. Kinofilm Jailhouse Rock – Pressefoto 1957

Die Dreharbeiten starteten dabei nicht nur für den Memphis Flash, denn auch die Musiker Scotty Moore, Bill Black, D.J. Fontana, Komponist Mike Stoller und einige seiner Freunde  sind in kleinen Rollen in verschiedenen Szenen des Films zu sehen.

Jailhouse Rock – die Crew

Das Drehbuch zu Jailhouse Rock beruht auf einer Erzählung des Schauspielers und Drehbuchautors Nedrick „Ned“ Young, der unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas 1959 einen Oscar für sein Drehbuch The Defiant Ones (Flucht in Ketten) gewann. Als Produzent des Schwarzweiß-Films fungierte der mehrfach Oscar-nominierte Sandro S. Berman, der zuvor schon Blackboard Jungle (1955) mit dem bekannten Titelsong Rock Around The Clock von Bill Haley produziert hatte, assistiert von Kathryn Hereford (u.a. Die Brüder Karamasov).

Und auch der Regisseur von Jailhouse Rock war eine bekannte Größe in Hollywood. Allerdings hatte sich Richard Thorpe die Sporen eher in Low-Budget-Komödien und Westernfilmen verdient. Im Studiosystem Hollywoods war Thorpe – Spitzname: Mr. One Take – ein beliebter Regisseur der MGM, einfach weil er besonders „budgetsensibel“ und effizient Regie führte. Als ansprucksvoller oder gar besonders kreativer Regisseur galt er nicht. Allerdings profitierte Jailhouse Rock durchaus von Thorpes Vorliebe, in besonders langen Einstellungen zu filmen, was Kameramann Robert J. Bronner stimmungsvoll umzusetzen wusste.

Klassisch: „That ain’t tactics, honey. That’s just the beast in me!“ Elvis Presley mit Judy Tyler

Elvis selbst spielte in seinem 3. Film nicht nur die Hauptrolle, in Jailhouse Rock trägt der von ihm dargestellte Charakter (Vince Everett) erstmals überzeugend die Handlung  – und ist dabei im Gegensatz zu den meisten Protagonisten der 31 Elvis-Spielfilme ( → Elvis im Kino: Interview mit Filmwissenschaftler Björn Eckerl) kein gradlinig sympathischer Kerl,  was erheblich zum Reiz des Films beiträgt. Weiterlesen

Jailhouse Rock: Ein Filmklassiker feiert Geburtstag

Elvis Presleys dritter Kinofilm Jailhouse Rock (Rhythmus hinter Gittern, 1957) gilt heute als Klassiker der amerikanischen Film- und Musikgeschichte. Jailhouse Rock wurde 2004 in das Nationale Filmregister der USA für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme aufgenommen und 2008 in einer Umfrage des Empire Magazins als einer der 500 besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet.

Anerkannter Klassiker: Elvis Presley in seinem dritten Hollywoodfilm Jailhouse Rock (1957).

Der gleichnamige Titelsong des Films zählt laut Rolling Stone zu den 100 besten Songs, die zentrale Musik- und Tanzszene von Jailhouse Rock gilt Musikhistorikern als Prototyp des modernen Musikvideos.

Wer hätte das gedacht? Der King, von seinen Kritikern, Biografen und Fans meist gleichermaßen geschmäht für seine 31 Spielfilme, hat mindestens einen echten Klassiker im Portfolio. Das verwundert jedoch nur auf den ersten Blick, denn wie kaum ein anderer Film seiner Ära transportierte Jailhouse Rock das rebellische Lebensgefühl der Rock ’n’ Roll-Generation in den 1950ern. In Jailhouse Rock kulminierte das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl erstmals musikalisch und filmisch in einer Person: Elvis Presley, King of Rock ’n’ Roll.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielte Musik nämlich auch in den früheren richtungsweisenden Filmen wie Blackboard Jungle (Saat der Gewalt, 1955), der Bill Haleys Rock Around The Clock mit großem Erfolg als Titelsong verwendete, nicht die Hauptrolle – die Musik war hier (noch) nicht personalisiert durch den Hauptdarsteller (Glenn Ford). Dies änderte sich mit Jailhouse Rock 1957, der übrigens wie Blackboard Jungle ebenfalls von Pandro S. Berman für MGM produziert wurde.

Höhepunkt des Schwarzweißfilm-Klassikers mit Elvis Presley in der dramatischen Hauptrolle des musikalisch begabten „bad boy“ Vince Everett, den sein explosives Temperament hinter schwedische Gardinen verfrachtet, ist die berühmte Musik- und Tanzszene, der Jailhouse Rock – so ziemlich jeder dürfte sie irgendwann einmal gesehen haben, spätestens seit YouTube Einzug gehalten hat.

 

Der Titelsong Jailhouse Rock mit seiner Fülle subtiler Anspielungen, u.a. homoerotischer Natur (man wundert sich sattsam, was da alles so durch die Zensur ging), wurde von dem bekannten Komponistenduo Jerry Leiber und Mike Stoller direkt für den Film verfasst. Überhaupt stammen gleich vier der sechs im Film von Elvis Presley dargebotenen Songs aus ihrer Feder.

Dabei stand diese fruchtbare Zusammenarbeit, die ihren Höhepunkt Ende April/Anfang Mai 1957 in den Jailhouse Rock-Aufnahmesessions fand, zunächst unter gar keinem guten Stern.  Weiterlesen