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Vor wenigen Tagen feierte »Elvis«, das langerwartete neue Biopic des australischen Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll, Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022. Im Kino läuft »Elvis« zwar erst ab dem 23. Juni, aber da die internationale Presse den Film schon sehen durfte, gibt es bereits erste Reaktionen und teils sehr ausführliche Kritiken. Was uns da wohl im Kinosessel erwartet? Schau’n wir uns die Kritiken doch mal an.

Demnächst im Kino: Der 30-jährige Austin Butler spielt Elvis in Baz Luhrmanns gleichnamigen Biopic

Publikumsliebling »Elvis« in Cannes

Eins schon mal vorweg: Baz Luhrmanns »Elvis« lief beim 75. Filmfestspielen in Cannes außer Konkurrenz, das heißt er ging nicht ins Rennen um die Gunst der Jury und die berühmte Goldene Palme. Den Titel als Publikumsliebling hat sich »Elvis« aber offenbar gesichtert, denn Medienberichten zufolge gab es im Anschluss an die Premiere, die unter großem Staraufgebot und in Anwesenheit von Priscilla Presley stattfand, den längsten Applaus, der jemals an der Croisette bei einer Premiere gemessen wurde. Bis zu 12 Minuten Standing Ovations sollen es gewesen sein. Das klingt nach ganz großem Kino.

Bei der Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022: Baz Luhrmann (Mitte) im Elvis-Outfit mit Priscilla Presley im Arm und Elvis-Darsteller Austin Butler sowie Tom Hans links im Bild

Restlos überzeugen konnte das neueste Biopic über Elvis Presley, das die komplexe Beziehung des Superstars zu seinem langjährigen Manager Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk) in den Fokus rückt, die Filmkritiker allerdings nicht. Und das liegt nicht an Hauptdarsteller Austin Butler, bekannt unter anderem aus Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood, der Elvis Presley glaubwürdig verkörpert, wie es unisono hieß.

Das ist keine große Überraschung, da sich die ansonsten in ihren Äußerungen sehr zurückhaltenden Presley-Damen, also Ex-Frau Priscilla, Tochter Lisa Marie und Enkelin Riley Keough, die in Cannes ihr Regiedebut gab, schon im Vorfeld der Premiere übereinstimmend sehr anerkennend über Austin Butlers Darstellung geäußert hatten.

Gemeinsamer großer Auftritt: Austin Butler hat Priscilla Presley als Elvis überzeugt – Met-Gala 2022

 

Es war einmal: Der echte Elvis Presley mit Ehefrau Priscilla Ende der 1960er

 

Im Film: Austin Butler als Elvis mit Film-Priscilla Olivia DeJonge

Dass Publikumsliebling »Elvis« die Fachpresse dennoch nicht restlos überzeugte, liegt auch nicht an Tom Hanks, der im Biopic zwar nicht brilliert, als Elvis‘ zwielichtiger Manager Tom Parker aber eine für ihn eher ungewöhnliche Rolle übernimmt und praktisch nicht wiederzuerkennen ist.

Kaum wiederzuerkennen: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Nein, der zweieinhalb Stunden lange Film sorgt vor allem wegen des bekanntermaßen sehr besonderen Stils von Regisseur Luhrmann (*1962) – berühmt für opulente, bildgewaltige Filme wie Romeo + Julia (1996), das Musical Moulin Rouge (2001) oder The Great Gatsby/Der Große Gatsby (2013) – und das Drehbuch für Gesprächsstoff.

Einen ersten Eindruck vom Film vermittelt dieser Trailer von Studio Warner Bros.

Baz Luhrmanns »Elvis« – Reaktionen aus der amerikanischen Presse

Jetzt aber ein paar repräsentative Beispiele dafür, wie die amerikanische Presse Luhrmanns Biopic »Elvis« bewertet – jeweils übersetzt ins Deutsche. Die Übersetzung klingt nicht immer hundertprozentig rund, aber transportiert das Gesagte dennoch recht gut.

Austin Butler gibt eine Darstellung, die des Königs würdig ist, aber er wird lebendig begraben unter einer Strass-Achterbahn voll schwacher Biopic-Klischees

Luhrmann mag einer der unbändigsten Maximalisten sein, die das Kino je hervorgebracht hat, und sein neues Werk ist vielleicht der visuell anarchischste Hollywood-Film seit „Speed Racer“ der Geschwister Wachowski von 2008. Aber es ist schwer, auch nur ironisches Vergnügen an etwas zu finden, das sich so sehr an seinen eigenen Vorräten bedient; etwas, das viel weniger daran interessiert ist, wie Elvis die Regeln bricht, als daran, wie sein Regisseur es tut, und etwas, das unermüdlich unfähig ist, irgendeine sinnvolle Überschneidung zwischen den beiden zu finden.

In der Tat ist „Elvis“ so anhimmelnd in seinem Stil und so desinteressiert an seinem Thema, dass „Baz“ ein passenderer Titel für den Film gewesen wäre. Warum braucht ein wahnsinnig einfaches Musical-Biopic, das sich mit 60 Millionen Umdrehungen pro Minute durch die Zeit dreht, länger, um Elvis Presley die „Bohemian Rhapsody“-Behandlung zukommen zu lassen, als Luhrmann brauchte, um „Romeo und Julia“, „Der große Gatsby“ oder den gesamten Kontinent „Australien“ zu adaptieren? Denn der „Moulin Rouge!“-Regisseur kann – trotz seiner offensichtlichen Zuneigung zu Elvis und seinem gutgläubigen Bemühen, den Rockgott so zu ehren, wie er es für richtig hielt – nicht anders, als Presleys Ikonographie auf ähnlich eigennützige Weise zu nutzen, wie Parker sein Talent ausbeutete. […]

Butlers makellose Presley-Imitation wäre das Beste an diesem Film, selbst wenn es bei der Nachahmung bliebe, aber der Schauspieler schafft es nicht nur, Presleys Gesangsstimme und Bühnenpräsenz zu treffen; er schafft es auch, sich darüber hinwegzusetzen, sich von der Ikonografie zu lösen und dem Film die Gelegenheit zu geben, einen neuen emotionalen Kontext für einen Mann zu schaffen, der eingefroren in der Zeit war, bevor Luhrmanns Zielpublikum geboren wurde.

Eine Chance, die der Regisseur auf Schritt und Tritt ausschlägt: Sein Elvis wird nie sein eigener Mann. Stattdessen entwickelt er sich von einem Avatar für das Nachkriegsamerika zu einem hilflosen Süchtigen, der in einem goldenen Käfig gefangen ist. In beiden Modi hat er nicht den Hauch einer Handlungsmöglichkeit; durch die Jahre taumelnd und von einer eingeblendeten Zeitungsschlagzeile zur nächsten hüpfend, wirkt Elvis weniger wie jemand, der das 20. Jahrhundert umgestaltet hat, sondern eher wie jemand, der zusah, wie es um ihn herum ohnmächtig wurde und ihn dann hinausdrängte. Kein Wunder, dass sich die Wege von Elvis und Forrest Gump ständig zu kreuzen scheinen.

Anstatt einen sinnvollen Weg zu finden, der Elvis durch die Geschichte führt, lässt Luhrmann ihn einfach auf einem Floß aus Non-Stop-Musik durch die Jahre treiben, das mit Lichtgeschwindigkeit auf eine endlose Reihe von Biopic-Klischees stößt, bis es schließlich ein paar Jahrzehnte später kentert. Die Handlung bewegt sich so schnell und mit so wenig Gewicht, dass ich buchstäblich verpasst habe, wie Elvis‘ Mutter stirbt.

Filmkritiker David Ehrlich, Indiewire, 25. Mai 2022

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Wer hätte das gedacht? Elvis Presley, von seinen Kritikern, Biografen und Fans oft gleichermaßen geschmäht für seine 31 Hollywoodfilme, hat mindestens einen echten Klassiker im Portfolio: Jailhouse Rock (dt. Rhythmus hinter Gittern) von 1957. Denn wie kaum ein anderer Film seiner Ära transportierte Jailhouse Rock das rebellische Lebensgefühl der Rock ’n’ Roll-Generation der 1950er.

Lebensgefühl Rock ’n‘ Roll: Elvis Presley in ‚Jailhouse Rock‘ 1957

In Jailhouse Rock kulminierte das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl erstmals musikalisch und filmisch in einer Person: Elvis Presley, King of Rock ’n’ Roll. Kein Wunder also, dass der Film seit 2004 im Nationalen Filmregister der USA für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme gelistet wird und laut einer Umfrage des Empire Magazins (2008) als einer der 500 besten Filme aller Zeiten gilt. Bis es zu dieser Anerkennung kam, mussten Film und Hauptdarsteller allerdings eine langen Weg zurücklegen.

Jailhouse Rock: Drehbuch – Regie – Crew

Die Dreharbeiten für den MGM-Filmklassiker mit Elvis Presley in der Hauptrolle starteten im Mai 1957 direkt im Anschluss an die Aufnahmesession für den Soundtrack. Beim Dreh mit von der Partie waren auch die Musiker Scotty Moore, Bill Black, D.J. Fontana, Komponist Mike Stoller und einige von Elvis‘ Freunden, die in kleinen Rollen in verschiedenen Szenen des Films zu sehen sind.

Das Drehbuch zu Jailhouse Rock beruht auf einer Erzählung des Schauspielers und Drehbuchautors Nedrick „Ned“ Young, der unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas 1959 einen Oscar für sein Drehbuch The Defiant Ones (Flucht in Ketten) gewann. Als Produzent des Schwarzweiß-Films fungierte der mehrfach Oscar-nominierte Sandro S. Berman, der zuvor schon Blackboard Jungle (1955) mit dem bekannten Titelsong Rock Around The Clock von Bill Haley produziert hatte, assistiert von Kathryn Hereford (u.a. Die Brüder Karamasov).

Und auch der Regisseur von Jailhouse Rock war eine bekannte Größe in Hollywood. Allerdings hatte sich Richard Thorpe die Sporen eher in Low-Budget-Komödien und Westernfilmen verdient. Im Studiosystem Hollywoods war Thorpe – Spitzname: Mr. One Take – ein beliebter Regisseur der MGM, einfach weil er besonders „budgetsensibel“ und effizient Regie führte. Als ansprucksvoller oder gar besonders kreativer Regisseur galt er nicht. Allerdings profitierte Jailhouse Rock durchaus von Thorpes Vorliebe, in besonders langen Einstellungen zu filmen, was Kameramann Robert J. Bronner stimmungsvoll umzusetzen wusste.

Klassisch: „That ain’t tactics, honey. That’s just the beast in me!“ Elvis Presley mit Judy Tyler

Elvis selbst spielte in seinem 3. Film nicht nur die Hauptrolle, in Jailhouse Rock trägt der von ihm dargestellte Charakter (Vince Everett) erstmals überzeugend die Handlung  – und ist dabei im Gegensatz zu den meisten Protagonisten der 31 Elvis-Spielfilme ( → Elvis im Kino: Interview mit Filmwissenschaftler Björn Eckerl) kein gradlinig sympathischer Kerl,  was erheblich zum Reiz des Films beiträgt. Weiterlesen

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Dixie bemerkt ihn zum ersten Mal vor der sonntäglichen Bibelstunde. Wie unglaublich gut er aussieht, denkt sie. Erst vor kurzem ist seine Familie zu ihrer Kirchengemeinde gestoßen, der First Assembly of God Church in der 1084 McLemore Street in Memphis. Verstohlen schaut sie noch einmal zu ihm hinüber in die letzte Reihe. Jetzt lächelt er sie an – mit diesem schüchternen, leicht schiefen Lächeln, bei dessen Anblick Dixie schwindlig wird vor Glück. Was für ein Prince Charming! Er heißt Elvis Presley und ist gerade erst 19 Jahre alt geworden – so viel hat sie schon herausgefunden.

Begegnung in der Kirchengemeinde: Die Jungs der Sonntagsklasse der „First Assembly of God Church“ in Memphis Anfang 1954…

… mit dem „gutaussehenden schüchternen Neuen“ in der letzten Reihe – Foto: Unlocked – Memoirs Of Elvis‘ First Girlfriend by Dixie Locke Emmons, 2021

Als Dixie »den Neuen« das erste Mal in der Sonntagsschule bemerkt, ist sie 15 und besucht die South Side High School in Memphis. Willa Dean (*1938), wie Dixie eigentlich heißt, wächst mit ihren vier Geschwistern – drei Schwestern und einem Bruder – in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.

Bescheidene Verhältnisse in Memphis

Die Lockies stammen eigentlich aus Georgia und ziehen 1940 nach Memphis, wo Dixies Vater Thad schließlich einen Job bei der American Railway Express Agency findet, einem nationalen Paketzustelldienst, für den er Züge be- und entlädt.

Die Großfamilie wohnt in einem kleinen Haus mit nur drei Zimmern in der Lucy Street nahe der Innenstadt von Memphis. Die Locke-Kinder müssen sich eins der Zimmer teilen – ganz schön eng. Wenn Vater Thad, der morgens früh raus muss, um 8 Uhr abends ins Bett geht, ist auch für den Rest der Familie Schicht im Schacht.

Das einzige Bad befindet sich auf der hinteren Veranda – die stählerne Badewanne dient nicht nur der Körperhygiene, sondern wird auch fürs Wäschewaschen genutzt. Eine Waschmaschine ist unvollstellbarer Luxus für die Lockes. Nein, bei den Lockes wird per Hand gewaschen, von Mutter Lillian und den Töchtern. Auch ein Auto hat die Familie nicht – der Vater fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

Trotz der bescheidenen Verhältnisse hat Willa Dean, die ihren Geburtsnamen nicht besonders mag und sich deshalb schon früh in »Dixie« (Abkürzung für Dixieland = amerikanische Südstaaten) umbenennt, eine glückliche Kindheit. Zwar sind die Folgen der Weltwirtschaftskrise noch immer überall spürbar, doch die Lockes sind froh, dass der Vater einen einigermaßen sicheren Job hat, der ihnen in diesen schwierigen Zeiten ein Dach über dem Kopf, genügend zu essen und etwas zum Anziehen sichert.

Der Höhepunkt des Jahres ist der Familienurlaub bei der Familie des Vaters auf dem Land in Georgia, der nur deshalb möglich ist, weil die Zugtickets von Thads Arbeitgeber bezahlt werden.

Die Schwestern Locke (v. l. n. r.): Betty Jean (1934-2010), Juanity Fay (*1936), Willa Dean „Dixie“ (*1938) und Shirley Lois (1946-2016) – Foto: Unlocked, 2021

Ein weiteres Highlight für die Locke-Mädchen ist, wenn Mutter Lillian vor Beginn des neuen Schuljahres den dicken Katalog von Sears Roebuck raussucht, aus dem sich jede ein paar Stoffe zum Bestellen aussuchen darf. Aus den Stoffen näht Mutter Locke auf ihrer alten Nähmaschine die neuen Röcke und Blusen für ihre Töchter (Hosen sind tabu). Ansonsten sind die jüngeren Schwestern darauf angewiesen, die Kleidung der älteren aufzutragen. Dixie ist die Zweitjüngste – aua!

Dass die Familie darüber hinaus sehr wenig Geld zur Verfügung hat, empfindet Dixie jedoch nicht als großen Nachteil – schließlich haben alle anderen in ihrem Umfeld auch nicht mehr. Ihre Freizeitaktivitäten kreisen ganz um die Familie, die Nachbarschaft und die Kirche, die First Assembly of God Church, in der die Lockes seit 1944 Mitglied sind. Die Lockes sind sehr religiös. Vor allem Mutter Lillian achtet streng darauf, dass ihre Kinder die zehn Gebote und Kapitel 3, Vers 16 des Johannes-Evangeliums in- und auswendig können, noch bevor sie eingeschult werden.

Die First Assembly of God Church in der McLemore Street in Memphis – Foto: Unlocked, 2021

Davon abgesehen ist Dixie ein typischer Teenager, wird sie später sagen. Sie hat ein besonders enges Verhältnis zu ihrer zwei Jahre älteren Schwester Juanita und verbringt die Zeit, wenn sie nicht in der Schule ist oder im Haushalt helfen muss, am liebsten mit ihren Freunden. Obwohl bodenständig und praktisch veranlagt, ist die sportliche 15-Jährige auch eine Romantikerin. Sie träumt von der großen Liebe, von dem Märchenprinzen, von Prince Charming, der ihr Herz im Sturm erobert. Ihr Vorbild ist die Ehe ihrer Eltern, die 70 Jahre bis zum Tod des Vaters halten wird.

Wartet auf ihren Märchenprinzen: Dixie als Teenager im Haus ihrer Eltern – Foto: Unlocked, 2021

Doch als der Märchenprinz in ihr Leben tritt, hat er so gar nichts von dem eigenen Vater. Genau genommen fällt der Junge aus der sonntäglichen Bibelstunde ihr vor allem deshalb auf, weil er »so anders« ist. Da ist einmal die Art, wie er sich kleidet: so auffällig in Pink und Schwarz. Dann seine für damalige Verhältnisse ziemlich langen, mit Pomade zum Entenschwanz zurückgekämmten Haare. Unerhört!

Elvis in Pink und Schwarz: Hier fotografiert 1956 in der Innenstadt von Memphis, als der er sich einen Strafzettel einfängt

»Alle anderen Jungs waren wie die Ebenbilder ihrer Väter«, wird sie später sagen. Der Neue jedoch fällt unübersehbar aus dem Rahmen, weswegen die anderen Mädchen in der Gruppe ihn »seltsam« finden. Und noch etwas bemerkt Dixie: Seine Schüchternheit steht in einem eigenartigen Kontrast zu seinem offensichtlichen Bemühen, unbedingt aus der Menge herauszustechen. Sie verknallt sich Hals über Kopf in den Neuen.

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Fast jeder, der einigermaßen erfolgreich im Musikgeschäft ist, spielt irgendwann auch Weihnachtslieder ein. Schließlich ist dafür garantiert jedes Jahr einmal Saison und das lässt die Kasse immer wieder aufs Neue klingeln. Elvis Presley ist keine Ausnahme. Zu seinen bekanntesten Weihnachtssongs gehört »Santa Claus Is Back In Town« aus dem Jahr 1957 – erstmals erschienen auf dem Megaseller Elvis‘ Christmas Album.

  • Weihnachtsstimmung mit Elvis

Das inzwischen legendäre Elvis‘ Christmas Album mit 12 Songs kam im Oktober 1957 rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit in den USA auf den Markt und hielt sich volle vier Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts. 2011 zeichnete die Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) die spätere Camden-Version des Albums (1970) mit einem Diamond-Award für mehr als 10 Mio. allein in den USA verkaufte Exemplare aus. Damit soll Elvis Christmas Album das bis heute erfolgreichste Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA sein.

Elvis‘ Christmas Album – 2014 mit einer Veröffentlichung des Sammlerlabels Follow That Dream bedacht – gilt heute längst auch musikalisch als Klassiker. Die Redaktion des Musikmagazins Rolling Stone listet es als zweitbestes Weihnachtsalbum aller Zeiten. Das war nicht immer so.

Als Elvis‘ Weihnachtsalbum 1957 erschien, stürmte es nämlich nicht nur die Charts, sondern sorgte auch für reichlich Aufregung. Jetzt verunglimpfe die Galionsfigur der vulgären, Amerikas Jugend verführenden Rock ’n‘ Roller Elvis the Pelvis auch noch das heilige Weihnachtsfest, so wurde das damals von vielen gesehen.

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»B. J. Thomas has got out a new record. I don’t especially like it, but I like to sing it for you anyway«, witzelt ein gut gelaunter Elvis Presley auf der Bühne des großen Showrooms im International Hotel in Las Vegas. Das Publikum lacht – und sofort legt der King los mit seiner Version des Thomas-Hits I Just Can’t Help Believin‘ vom Sommer 1970. Es ist eine Interpretation, die Komponistin Cynthia Weil treffend als »pure Elvisness« beschreibt.

Elvisness: Der King live mit ‚I Just Can’t Help Believin‘, 11. August 1970

Elvis Presley: I Just Can’t Help Believin‘ live 11. August 1970, Las Vegas (Mitternachts-Show)

Worauf Elvis bei seiner Ankündigung des Songs humorvoll anspielt, ist die Tatsache, dass der texanische Pop- und Country-Sänger B. J. Thomas (1942-2021) nach seinem großen Erfolg mit dem Ohrschmeichler Teardrops Keep Fallin‘ On My Head (1969), der als bester Filmsong aus der Western-Komädie Butch Cassidy und Sundance Kid (dt. Zwei Banditen) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, mit I Just Can’t Help Believin‘ 1970 einen weiteren Top-10-Hit in den amerikanischen Hot 100-Billboard-Charts verbuchen kann. In Billboards Adult Contemporary Charts erreicht I Just Can’t Help Believin‘ sogar Platz 1. Damit ist B. J. Thomas einer der angesagtesten Interpreten des beginnenden 70er-Jahrzehnts.

Erfolgreich: Sänger B.J. Thomas in den 1970ern

B. J. Thomas: I Just Can’t Help Believin‘ – Album ‚Everybody Is Out Of Town‘, 1970

Beides gute Gründe für Elvis, I Just Can’t Help Believin‘ im Sommer 1970 in sein Live-Repertoire aufzunehmen. Schließlich möchte er sich in dieser Phase – ein Jahr nach seinem Bühnen-Comeback in Las Vegas – vor allem als zeitgenössischer Musiker und nicht als Retro-Act aus den 1950ern präsentieren.

Und wie könnte das besser gehen als mit dem brandaktuellen Hit eines populären Sängers, mit dem er außerdem eine Vorliebe für junge aufstrebende Komponisten wie Mark James (Suspicious Minds, 1969; Hooked On A Feeling, 1968) und das erfolgreiche Songwriter-Duo Cynthia Weil/Barry Mann teilt? Thomas‘ Hit Hooked On A Feeling aus der Feder von Mark James findet sich jedenfalls in Elvis Presleys privater Plattensammlung. Und Thomas nimmt gleich eine ganze Reihe seiner Hits direkt vor Elvis‘ Haustür auf – im American Sound Studio in Memphis, wo 1969 auch die legendären Elvis-Alben From Elvis In Memphis und Back in Memphis entstehen.

Cynthia Weil und Barry Mann: Wie ein Song entsteht

So erfolgreich, wie B. J. Thomas‘ Version von I Just Can’t Help Believin‘ auch war, sie war längst nicht die erste Veröffentlichung des Songs. Das Lied stammt aus der Feder des Ehepaares Barry Mann (*1939) und Cynthia Weil (*1940), die ab den 1960ern über Jahrzehnte sehr erfolgreich als Songwriter-Duo arbeiteten.

Barry Mann (eigentlich Barry Imberman) komponierte die Melodien, Cynthia war für die Texte zuständig. Ihre bis heute bekannteste Komposition dürfte You’ve Lost That Lovin‘ Feelin‘ sein, mit dem die Righteous Brothers, produziert von Phil Spector, 1964 einen großen Hit hatten, den Elvis 1970 ebenfalls aufnahm.

Ein schönes Paar und ein erfolgreiches Komponisten-Duo: Barry Mann und Cynthia Weil in den 1960ern

Cynthia und Barry lernten sich im New Yorker Musikverlag Aldon Music – 1958 von Don Kirshner und Al Nevins gegründet – kennen, wo sie zusammen mit späteren Größen wie Carole King, Neil Sedaka, Neil Diamond, Paul Simon und Phil Spector als Vertrags-Songwriter tätig waren. Aldon Music war Teil des berühmten Brill-Building-Komplexes am Broadway, das Anfang der 1960er mehr als 160 Musikverlage beherbergte, darunter auch Elvis Presleys Musikverleger Hill & Range, und dessen Produktionen den Pop-Sound der 1960er wesentlich beeinflussten.

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Praktisch noch druckfrisch ist Mathias Häußlers englischsprachige Buchveröffentlichung „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ aus dem Bloomsbury Verlag. The Memphis Flash hat den 32-jährigen promovierten Historiker zu dem eher ungewöhnlichen, dabei hochinteressanten Thema seines Buches über Elvis Presley interviewt.

INTERVIEW

Elvis-Kenner: Dr. Mathias Häußler ist Autor des 2021 erschienenen Buches „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ – Foto: Häußler

The Memphis Flash: Herr Dr. Häußler, Sie arbeiten als Dozent für europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Regensburg. Wie sind Sie dazu gekommen, ein Buch ausgerechnet über Elvis Presley zu schreiben?

Mathias Häußler: Ja, wie kam ich zu Elvis. Es war die Kombination aus zwei Sachen. Zum einen bin ich selbst Elvis-Fan seit meiner Jugend, habe sehr viele Bücher über ihn gelesen, natürlich auch viele Platten gesammelt. Insofern hatte ich schon immer ein persönliches Interesse an Elvis. Zum andern bin ich Historiker und dadurch nicht nur an Elvis selbst interessiert, sondern eben auch an dem größeren historischen Kontext, in dem er sich bewegte, in dem Elvis wurde, was er war. Und dabei ist mir aufgefallen, dass es zum Phänomen Elvis und zu der historischen Bedeutung von Elvis erstaunlich wenig Literatur gibt. So kam ich zu der Idee, dazu etwas zu machen.

The Memphis Flash: Ihr Buch, das bislang nur in englischer Sprache erschienen ist, trägt den Titel „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“. Was erwartet den Leser hier genau? Ist das eine weitere Elvis-Biografie?

Mathias Häußler: Inventing Elvis – in dem Buchtitel steckt schon vieles drin. Wie gesagt, es ist keine klassische Biografie, da es mir nicht in erster Linie um das Leben und den musikalischen Output von Elvis geht, sondern um die größere Bedeutung, die Elvis als Referenzpunkt hatte für gesellschaftliche Debatten, die sich an ihm entzündeten. Das meine ich mit „Inventing Elvis“. Nicht im Sinne einer postmodernen Figur – ich sage im Buch ja auch, der größte Erfinder von Elvis war Elvis selbst. Aber zusätzlich zu Elvis es gab eben auch ganz viele andere Akteure, die alle etwas in Elvis sahen, die durch Elvis etwas artikuliert haben, seien es Journalisten, Fans, Politiker, Filmemacher: Jeder hat in Elvis etwas gesehen und wollte mit Elvis etwas sagen. Deshalb kann man Elvis als eine schöne Sonde nehmen, an der sich größere gesellschaftliche Debatten kristallisierten.

The Memphis Flash: Welche waren das zum Beispiel?

Mathias Häußler: Innerhalb der USA natürlich das klassische Tripos „race“, „class“, und „gender“. „Darf“ ein weißer Junge afroamerikanische Rhythm-and-Blues-Musik adaptieren? Welche Rolle spielte Elvis‘ Herkunft als armer Südstaatenjunge bei dem Ressentiment, welches ihm von der kulturellen Elite des Landes entgegenschlug? Und inwiefern standen der laszive Hüftschwung und das Kreischen der meist weiblichen Fans für einen neuen Ausdruck von Sexualität der amerikanischen Jugend, der gegen die Konventionen jener Zeit rebellierte? Alles Riesendebatten im Amerika der Fünfziger Jahre. Elvis war ein Produkt dieser zutiefst gespaltenen Gesellschaft jener Zeit und wurde gleichzeitig auch zu einer medialen Figur, an der sich diese Widersprüche kristallisierten, über die sie verhandelt wurden. Sei es durch Ablehnung vom Establishment, vom Kulturjournalismus, den Medienmachern, sei es aber auch durch die Annahme und Akzeptanz durch seine Fans, die in ihm eine Galionsfigur sahen.

Elvis zwischen den Fronten: In diesem Fall Manager Colonel Tom Parker (links) und Showmaster Ed Sullivan 1956 in New York

The Memphis Flash: Jetzt sprechen Sie in Ihrem Buch ja auch davon, dass Elvis in den 1950ern praktisch vom Start seiner Karriere weg politisch instrumentalisiert wurde. Das verwundert erst einmal, da Elvis Presley heute in der öffentlichen Wahrnehmung als weitgehend unpolitisch wahrgenommen wird. Vor allem im direkten Vergleich zur offen engagierten Singer-Songwriter-Generation eines Bob Dylan, von der sich der King mehrfach deutlich distanzierte. Mit den Worten, er sei in erster Linie Entertainer und als solcher wolle er sich nicht zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen äußern, hat er zum Beispiel Fragen von Journalisten nach seiner Einstellung bei einer Pressekonferenz 1972 in New York freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen. Alles andere sei seine Privatsache und solle es auch bleiben, unabhängig davon, wie andere Musiker das handhaben wollten. In Sachen direkter Einlassung zum politischen Zeitgeschehen war bei Elvis also nicht viel zu holen. Wie geht das zusammen mit der politischen Instrumentalisierung, von der Sie sprechen?

Mathias Häußler: Klar, Elvis ist, da würde ich zustimmen, sicherlich kein politischer Aktivist gewesen, und wir wissen erstaunlich wenig über seine politische Haltung. Wir wissen, dass er 1956 für Stevenson war (Anmerk.: Adlai Ewing Stevenson junior war Politiker der Demokratischen Partei und zwischen 1949 und 1953 der 31. Gouverneur des Bundesstaates Illinois. Er trat 1952 und 1956 als Kandidat seiner Partei für die Präsidentschaftswahl an, unterlag aber Dwight D. Eisenhower. Von 1961 bis 1965 war Stevenson US-Botschafter bei den Vereinten Nationen). Wir wissen auch, dass Elvis Nixon ganz cool fand und dass er die ganzen Armeefilme und das Patriotische in den Siebzigern umarmt hat. Ansonsten wissen wir aber ganz wenig, und auch in seiner Kunst finden wir kaum politische Artikulationen. Wir können „If I Can Dream“ als Statement sehen, „In The Ghetto“ von mir aus auch, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Verglichen mit dem, was sonst in den 1960ern war, ist das sehr wenig.

The Memphis Flash: Und dennoch ist er politisch?

Mathias Häußler: Total politisch! Aber es äußert sich eben im nichtverbalen Rahmen, einfach durch das, was er machte. Der Hüftschwung beispielsweise war eine ganz klare Rebellion gegen die biederen gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit, auch wenn er ihn anfangs vielleicht nur zufällig oder teils ironisch einsetzt. Aber wenn man sich den anschließenden Proteststurm anschaut, der beispielsweise 1956 nach Elvis‘ Performance von Hound Dog in der Milton Berle Show ausbricht, dann war das total politisch. Sein Umgang mit afroamerikanischer Kultur, dass er beispielsweise 1956 in Memphis zu der afroamerikanischen WDIA Goodwill Revue Night, das war auch ein klares Statement. Er war natürlich politisch, in dem was er machte, und bis zu einem gewissen Grad wusste er das wahrscheinlich auch. Viel mehr waren es jedoch noch andere Akteure, die Elvis letztendlich „politisierten“: Seien es die Kritiker unter den Journalisten, seien es enthusiastische Fans, die in ihm größere gesellschaftliche Relevanz gesehen haben und das auch nutzten, um ihre eigenen Positionen durch ihn zu artikulieren. Also ist es letztendlich vielleicht gar nicht so wichtig, wo Elvis genau politisch stand und ob er sich selbst als politisch gesehen hat, sondern was er für die Gesellschaft darstellte und welche Debatten sich an ihm entzündeten.

Juni 1956: Elvis gibt den Hound Dog in der Milton Berle Show und löst per Hüftschwung eine Revolution aus

The Memphis Flash: Das klingt erst einmal ziemlich abstrakt?

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Mach‘ den Test: Frag‘ irgendjemand x-Beliebigen aus deinem Umfeld, was ihm oder ihr spontan zu Elvis Presleys 68 Comeback Special einfällt. In neun von zehn Fällen kommt als Antwort: “Das ist doch das mit dem schwarzen Lederanzug auf der kleinen Bühne, die an einen Boxring erinnert, oder?” Stimmt! Genau das ist es – und es steht für eine ganz besondere Sequenz im legendären TV-Special, mit dem Elvis Presley nach langen Jahren in Hollywood 1968 seine Rückkehr auf die Konzertbühne einläutete: Elvis Unplugged!

Auch wenn das TV-Special aus dem Jahr 1968 gleich eine ganze Reihe eindrucksvoller Szenen hat, die Ohrenschmaus und Augenfutter satt bieten – angefangen von der ganz in Rot und Schwarz gehaltenen Eröffnungszene „If you’re looking vor trouble“ mit einem singenden Elvis in Großaufnahme vor einem Gerüst an Miniatur-Elvissen (Filmklassiker Jailhouse Rock lässt grüßen)…

… bis zum hochemotionalen Finale von If I Can Dream, dem gesungenen Traum von einer friedlicheren Welt nach der Ermordung Martin Luther Kings und Bobby Kennedys 1968…

… ist es vor allem Elvis Unplugged, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Kein Wunder, denn das ist der wohl zeitloseste Part des Fernsehspecials, bei dem man fast vergessen kann, dass die Sondersendung längst mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat.

Re: Elvis und nichts als Elvis

Elvis Unplugged ist der Teil, in dem das Team um Co-Produzent Bob Finkel, Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe endgültig wahr machte, was sie Elvis Presley im Frühjahr 1968 versprochen hatten: Eine Fernsehshow, bei der der komplette Fokus auf seiner Person und vor allem auf seiner Musik liegen würde. Angelegt war das Special als musikalische Semidokumentation, die die gesamte Palette des Musikers Elvis Presley zeigen sollte. Die Arbeitsaufteilung des Teams war dabei klar: Elvis sollte sich ganz auf seine Musik konzentrieren, das Team um Finkel, Binder und Howe würde die Musik sozusagen bebildern.

Nur unter dieser Voraussetzung, das Fernsehspecial ganz auf ihn zuzuschneidern und ihm kein Fremdkonzept überzustülpen, war Elvis Presley 1968 für die Idee einer Fernsehshow, die den Arbeitstitel JUST ELVIS bekam, zu gewinnen gewesen. Schließlich hatte er mit dem Medium Fernsehen schon am Anfang seiner Karriere, als er 1956 in den Varietésendungen von Fernsehgrößen wie Ed Sullivan oder Steve Allen auftrat, wo er in altmodischen Sketchen mitspielen musste, keine guten Erfahrungen gemacht, wie er Steve Binder verriet. Das hatte ihm Fernsehen ordentlich verleidet – und seine nachfolgenden Erfahrungen mit Hollywood-Filmproduktionen waren auch nicht so, dass er in einem Medium der „laufenden Bilder“ Großes für sich erwartet hätte.

Als TV-Drehbuchautor Chris Bearde ihn 1968 fragte, was er sich denn für seine Fernsehshow wünschte, machte Elvis Presley seinem über Jahre angehäuften Frust Luft: “Well, I tell you one thing I don’t wanna do. I don’t wanne be a singing, cock-sucking mechanic anymore”. Deutliche Worte.

Improvisation ist King

Elvis Presley möglichst authentisch zu präsentieren, war also von Anfang an das erklärte Ziel des ’68 Comeback Specials, das nach dem schönen Arbeitstitel Just Elvis mit dem unspektakulären Namen Singer presents ELVIS (Nähmaschinenhersteller Singer war der Hauptsponsor der Sendung) am 3. Dezember 1968 bei NBC erstmals auf Sendung ging.

Während die anderen Show-Segmente – wie etwa der Guitar Man-Opener und ein Gospelpart – schnell ihren Weg ins Drehbuch fanden, wurde die Idee zu Elvis Unplugged erst während der Proben für das TV-Special geboren. Geburtshelfer war Elvis selbst. Der beschloss nämlich, im Juni 1968 für die Dauer des Drehs kurzerhand in den Umkleidebereich des NBC-Studios in Burbank/Kalifornien einzuziehen – samt eigenem Bett und Piano -, um so den täglichen Weg von Beverly Hills, wo er mit Ehefrau Priscilla und der erst wenige Monate alten Tochter Lisa Marie lebte, zum Studio und retour zu sparen. Das Hin- und Her sei doch schlicht Zeit- und Energieverschwendung, meinte der King zu Regisseur Binder.

Verstehen sich prächtig: Regisseur Steve Binder mit Elvis Presley beim Dreh zum ’68 Comeback Special 1968.

Das hatte den schönen Nebeneffekt, dass Binder und sein Team den privaten Elvis Presley in der nächsten Zeit sehr viel besser kennenlernten. Besonders eine Angewohnheit faszinierte die TV-Macher: Am Ende eines jeden Drehtags zog der King sich mit seiner Entourage – der Memphis Mafia – in seinen Umkleidebereich „zum Abhängen“ zurück. Und dabei wurde nicht nur geraucht und reichlich Anekdoten erzählt, sondern über Stunden hinweg ordentlich gejammt, vor allem von Elvis selbst.

Das Ganze war so authentisch, relaxed, humorvoll und hitverdächtig cool, dass Regisseur Binder diese Jams unbedingt in das geplante Fernsehspecial integrieren wollte. Er war sich sicher, dass das Publikum diesen „echten Elvis“ genauso lieben würde wie er. Die Idee zu Elvis Unplugged war geboren – sie gilt heute als Vorläufer des mehr als 20 Jahre später im Musiksender MTV so erfolgreichen Konzepts MTV Unplugged. Und das obwohl Elvis Unplugged nicht hundertprozentig „unplugged“ ist, da die E-Gitarre von Scotty Moore im Spiel ist, die Elvis nach kurzer Zeit gegen seine Akustikgitarre eintauscht.

Szene aus Elvis Unplugged, so wie sie später mit Publikum tatsächlich aufgenommen wurde.

Aber Elvis‘ Manager Colonel Tom Parker legte sofort ein Veto ein: „Nur über meine Leiche“ hieß es, als Binder erstmals den Vorschlag einer improvisierten Jam-Session im Fernsehspecial machte. Aber Binders Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen, wohl auch, weil Elvis selbst sich damit anfreunden konnte und sofort vorschlug, seine alten Weggefährten aus den Anfangsjahren – Gitarrist Scotty Moore und Schlagzeuger D. J. Fontana – extra dafür einzufliegen. Die waren sonst im Fernsehspecial gar nicht vorgesehen, denn dafür waren unter anderem die Musiker der legendären Wrecking Crew zum Einsatz gekommen.

Elvis Presleygibt alles für sein TV-Special ELVIS 1968.

Gesagt – getan. Ab jetzt war das Jammen in der Umkleide nicht nur reiner Spaß, sondern diente dazu, diesen Part der Show zu planen. Im nachfolgenden Video/Audio ist einer der informellen Mitschnitte aus der Umkleide zu hören (aufgenommen von Elvis‘ langjährigem Weggefährten Joe Esposito Ende Juni 1968), in dem Elvis nicht nur mit reichlich guter Laune Songs spielt, die später auch im TV-Special stattfanden, sondern auch zu hören ist, wie er mit den Anwesenden über die geplante offizielle Unplugged-Sequenz spricht (etwa ab Minute 7).

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Der Endspurt der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2020 ist eingeläutet. Wenige Tage vor dem entscheidenden 3. November feuern der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden aus allen Rohren, um die jetzt noch unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. Dabei sind sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters – 74 und 77 Jahre – alles andere als zimperlich in ihren Verbal-Attacken.

Wahlkampf 2020: Amtsinhaber Donald Trump gegen Joe Biden (links) – Foto: CTV

Aktuell beschuldigt Trump Biden, den er in seinen Tweets als schmuddeligen und korrupten „Sleepy Joe“ (Schlafmütze) bezeichnet, das Oberste Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten mit einer Justizreform zu einer Hochburg der Linken zu machen und damit der kommunistischen Unterwanderung des amerikanischen Staates Vorschub zu leisten. Starker Tobak.

Biden hingegen spricht von Trump als unverantwortlichen Chaoten und Spalter der Nation, der auf Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern mit noch mehr Gewalt reagiert, zudem bei der Eindämmung der Corona-Pandemie mit rekordverdächtig vielen Toten in den USA völlig versagt und Wahlkampveranstaltungen als „Superspreader-Events“ abhält. Keine Frage: Die beiden Präsidentschaftskandidaten schenken sich nichts.

Experten fürchten außerdem, Trump könne im Fall einer Niederlage das Wahlergebnis schlicht nicht anerkennen – seit Monaten weist der republikanische Amtsinhaber auf die angebliche Unzuverlässigkeit des amerikanischen Briefwahlsystems hin – und das Land damit endgültig ins Chaos stürzen.

Die „Elvis-Karte“ in der Politik

Stellt sich die Frage: Was hat das alles mit Elvis Presley zu tun, der seit mehr als 40 Jahren tot ist? Auf den ersten Blick wenig – auf den zweiten sehr viel. Denn seit der Demokrat Jimmy Carter am 17. August 1977 in seiner Funktion als 39. US-Präsident sein vielbeachtetes Statement zum Tode Elvis Presleys abgab…

„Elvis Presley’s death deprives our country of a part of itself. He was unique and irreplaceable. More than 20 years ago, he burst upon the scene with an impact that was unprecedented and will probably never be equaled. His music and his personality, fusing the styles of white country and black rhythm and blues, permanently changed the face of American popular culture. His following was immense, and he was a symbol to people the world over of the vitality, rebelliousness, and good humor of his country.“

Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten (1977-1981)

… welches der wahrscheinlich am besten formulierte Nachruf auf den King überhaupt ist, und damit den Tod Elvis Presleys als bedeutsamen Verlust für die amerikanische Nation quasi zementierte, spielt Elvis in der US-Politik immer wieder eine große Rolle. Posthum.

Kannten sich persönlich: Elvis Presley mit dem späteren US-Präsidenten Jimmy Carter und dessen Frau Rosalynn in den 1970ern.

Besonders deutlich wird das regelmäßig bei den Präsidentschaftswahlen, bei denen sowohl republikanische als auch demokratische Kandidaten ihn für ihre politischen Zwecke vereinnahmen, obwohl  – oder vielleicht auch gerade weil – der Musiker sich zu Lebzeiten aus Überzeugung nie öffentlich politisch äußerte und man daher auch nicht mit Bestimmtheit sagen kann, welcher der beiden amerikanischen Parteien er am ehesten zugeneigt war. Auch der vielzitierte Überraschungsbesuch bei Richard Nixon im Oval Office 1970 gibt dazu letztlich wenig Aufschluss.

Fest steht, Elvis hat bis heute gleichermaßen Fans in liberalen als auch konservativen Kreisen – Demokraten mögen ihn ebenso wie Republikaner. Ein wesentlicher Grund dafür steckt bereits in Jimmy Carters Nachruf: Elvis ist ein Symbol für Amerika – ein Amerika, so wie es sich selbst gerne sieht: einzigartig, einflussreich, erfolgreich, Rassengrenzen überwindend, rebellisch, vital und humorvoll. Alles Eigenschaften, die sich in einem Wahlkampf gut machen, weswegen Kandidaten aller Couleur bis heute die „Elvis-Karte“ immer wieder gerne ziehen. Allerdings ist das nicht immer  von Erfolg gekrönt.

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Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, um Elvis Presley zumindest einmal live zu erleben, dann wären Sommer 1970, Elvis Summer Festival, International Hotel, Las Vegas ganz sicher unter den Koordinaten, die ich in meine spacige Zeitmaschine eingeben würde.

Gibt alles: Elvis Presley live in Las Vegas im Sommer 1970.

Und klar, wer so spektakulär mal eben 50 Jahre hinter sich lässt, wie ich in diesem Fall, landet selbstverständlich auch in der 1. Reihe direkt vor der Bühne  und hat – gekleidet von Kopf bis Fuß im kultigen Seventies-Style (hey, die Gelegenheit verlangt nach höchstem Einsatz!) – den Spaß des Jahrhunderts. Der Spaß geht los mit Tiger Man im Mystery Train und einem Elvis, der im Sommer 70 eines ganz sicher ist: King of the Jungle Was für ein perfekter Moment!

Aber leider ist die Sache mit den Zeitmaschinen seit Doc Morris‘ Zeitreise-Versuchen im Hollywoodstreifen Zurück in die Zukunft bis heute nicht so richtig vorangekommen – milde ausgedrückt. Und statt dank Zeitmaschine von der ersten Reihe aus ein Elvis-Komzert vom Feinsten zu erleben, sitze ich 50 Jahre später zuhause ganz unspektakulär vor einem Bildschirm und schaue mir den Dokumentarfilm Elvis That’s The Way It Is an – das Original von 1970. Wenn schon, denn schon!

Was ich da zu sehen kriege? Elvis natürlich, aber kein komplettes Elvis-Konzert. Schlimm? Schau’n wir mal…

The next best thing

“It’s the nitty gritty time as far as being nervous – opening night”, gesteht ein sichtlich nervöser Elvis eine gute Stunde, bevor er auf die Bühne muss. Es ist der 10. August 1970 und Elvis Presley ist nur noch 60 Minuten entfernt von der Eröffnung seines dritten komplett ausverkauften vierwöchigen Engagements im International Hotel in Las Vegas.

It’s nitty gritty time as far as being nervous – ein nervöser Elvis kurz vor dem Eröffnungskonzert im August 1970.

Ein Jahr zuvor hatte er genau hier nach Jahren der Bühnenabstinenz mit einer ersten Konzertreihe spektakulär sein Comeback als Live-Performer gefeiert. Seitdem regiert der King das Spielermekka mit seinen energiegeladenen Auftritten und gleich einer ganzen Reihe neuer Hits. Und er liebt es: die Show, die Bühne, das Publikum.

Ein Fünfjahresvertrag, der ihm satte 5 Millionen US-Dollar für 10 vierwöchige Engagements von 1970 bis 1974 zusichert, dürfte zur Freude beitragen.

Sattes Sümmchen: 5 Millionen für den King in Las Vegas – Quelle: Elvis Australia.

Aber jetzt – 60 Minuten vor dem großen Auftritt – hat er Lampenfieber, und das nicht zu knapp. Er macht sich Sorgen, dass er den Text zur ersten Strophe von I Just Can’t Help Believin‘ vergessen könnte.

Randvoll mit Energie sitzt er schwitzend im Kreis seiner berühmt-berüchtigten „Memphis Mafia“ – Kumpel aus der guten alten Zeit, persönliche Assistenten und Bodyguards –  um einen kleinen Tisch, auf dem ein Lachsack für Unterhaltung und die dringend benötigte Ablenkung vom bevorstehenden Auftritt sorgt.

Amüsiert sich über sich selbst und sein Lampenfieber – Elvis in Las Vegas eine Stunde vor seinem Auftritt.

Der King lacht laut, amüsiert sich über seine eigene Nervosität, indem er eine kleine komische Einlage zum Besten gibt: Er improvisiert, wie er kurz zuvor hochnervös sein Abendessen verschlungen hat – nämlich im rasanten Rhythmus seines energiegeladenen Showstoppers Polk Salad Annie – praktisch ohne zu schlucken. Elvis – die Rampensau – hat auch jenseits der Bühne hohen Unterhaltungswert.

Polks Salad Annie… Dinner in tempo!

Der Mann aus Memphis kokettiert mit der Kamera – die liebt ihn – und er weiß es. Die Kamera, die diese kleine vielsagende Szene hinter den Kulissen einfängt, gehört zum Team um Drehbuchautor, Filmproduzent und -regisseur Denis Sanders (1929-1987), der im Auftrag der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) vor Ort ist, um während des Elvis Summer Festivals die Dokumentation Elvis That’s The Way It Is zu drehen.

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Im Januar 2020 wäre Elvis Presley 85 Jahre alt geworden. Und wie bei allen Jubiläen, die der King nicht mehr erlebt, ist er auch diesmal wieder ordentlich gefeiert worden – unter tatkräftiger Mithilfe von Exfrau Priscilla. Schließlich ist sie eine der Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung ihres Göttergatten.

Was beim Jubiläums-Hype auch in diesem Jahr wieder völlig untergeht, ist die Tatsache, dass auch Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – einen feiernswerten Geburtstag begeht. Die Queen wird am 24. Mai 2020 stolze 75 Lenze alt. Da kann man doch wirklich gratulieren, oder?

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Für immer 14: Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. War die nicht erst 14, als sie den G.I. Elvis in Deutschland kennenlernte? Genau!

Dieses Alter hat sich dergestalt ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass es für immer mit ihr verbunden wird. Irgendwie ist Priscilla für immer 14 – sehr unschuldig und sehr schön. Und die Ex des King tut so einiges, um ihr wahres Alter zu verschleiern. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute ähnlich zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wenn man in das alterslose Gesicht Priscilla Presleys schaut, das nicht einmal den Ansatz einer Sorgenfalte erkennen lässt, dann könnte man fast vergessen, dass sie eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Alterslos: Priscilla Presley 2019 – Foto: Demotix

Obwohl Tochter Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – heute mittlerweile deutlich über 50 ihr Erbe schon vor Jahrzehnten angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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Am 14. Januar 1973 betrat Elvis Presley die Bühne im Honolulu International Center, um eines seiner bis heute bekanntesten Konzerte zu geben: Aloha From Hawaii Via Satellite. Der Legende nach sollen über eine Milliarde Menschen aus 40 Ländern weltweit dieses Konzert live gesehen haben.

Elvis: Aloha American Trilogy 1973

Heute weiß man längst, dass es wohl doch nicht ganz so viele Zuschauer waren, die Elvis Presley am 14. Januar live auf der Mattscheibe folgten (→ mehr zur Einschaltquote von Aloha From Hawaii). Dies wäre wegen gleich mehrerer Rahmenbedingungen 1973 schlicht nicht machbar gewesen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Aloha From Hawaii Via Satellite dem King das größte, internationalste und wohl auch heterogenste Publikum seiner gesamten Karriere bescherte.

Reichweite sowie Internationalität des Satelliten-Specials der Superlative gaben Elvis Presley zudem die einmalige Möglichkeit für ein persönliches Statement, die er auf bemerkenswerte Weise nutzte. Nun waren öffentliche kritische Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen etwas, das Elvis Presley bekannterweise stets vermied – jedenfalls in ihrer direkten Form.

Verpackt in die Symbolik einer Performance sah das dann schon anders aus, wie der King bei seinem Überraschungsbesuch bei Präsident Richard Nixon im Dezember 1970 andeutete, ohne allerdings bei dieser Gelegenheit das „Wie“ genauer zu erläutern:

„I do my things just by singing, Mr. President. I don’t make any speeches on stage. I just reach them in my own way.“

„Ich mache die Dinge einfach, indem ich singe, Herr Präsident. Ich halte keine Reden auf der Bühne. Ich erreiche [die Menschen] auf meine Art.“

Zitat aus: Egil „Bud“ Krogh: The Day Elvis Met Nixon (1994)

Sollte Präsident Nixon gut zwei Jahre nach dem denkwürdigen Treffen seinen Fernseher eingeschaltet haben, um sich Aloha From Hawaii anzuschauen, dann bekam er das Anschauungsmaterial für diese Aussage quasi nachgeliefert.

Was dem Zuschauer des Aloha-Konzertes sofort ins Auge springt, ist das auffällige, reich verzierte Bühnenkostüm Elvis Presleys, der „American Bald Headed Eagle-Jumpsuit“, dessen Design unübersehbar dem amerikanischen Weißkopfadler gewidmet ist.

Der ist seit 1782 das Wahrzeichen der Vereinigten Staaten von Amerika und findet bis heute als Symbol weite Verbreitung im täglichen Leben, u.a. auf den Münzen der amerikanischen Währung. In dem majestätischen Adler mit seinen eindrucksvollen Schwingen sahen die Urväter der amerikanischen Nation Freiheit, Stärke, Langlebigkeit und Autorität ihres Landes verkörpert.

Auf Elvis Presleys Bühnenkostüm findet sich der Adler groß auf Brust und Rücken, kleiner auf den Ärmeln, den Hosenbeinen und dem Gürtel des Einteilers, wo er sich jeweils mosaikartig aus einer Vielzahl vor allem roter, blauer, silberner und goldener Steine verschiedener Art, Größe und Form zusammensetzt. Manche der Steine sind aus Strass, andere wieder nicht, ergänzt werden sie von goldenen und silbernen Sternen um die Adler herum.

Die Sterne symbolisieren offenbar den Himmel, den Lebensraum des Königs der Lüfte, während die Steine, aus denen sich der Adler zusammensetzt, mit ihren unterschiedlichen Größen, Farben und Formen für die Vielseitigkeit der Nation selbst stehen.

Eindrucksvoll auch das zum Bühnenkostüm gehörende Cape, das ausgebreitet die majestätischen Schwingen des Adlers symbolisiert.

Elvis Presley hatte sich also für seinen internationalen Auftritt der Superlative im Januar 1973 die amerikanische Identität sozusagen auf den Leib schneidern lassen und präsentierte sich einem internationalen Publikum als personifiziertes Wahrzeichen Amerikas. Und das war alles andere als ein Zufall.

Der personifizierte American Dream

Fast auf den Tag zwei Jahre vor dem Aloha-Konzert – und kurz nach seinem Besuch im Weißen Haus – wurde Elvis Presley eine der höchsten Auszeichnungen zuteil, die ein amerikanischer Bürger zu dieser Zeit erhalten konnte: Am 16. Januar 1971 wurde er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 mit dem Jaycee-Award ausgezeichnet.

Auf dem Foto oben: Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, und ihren symbolträchtigen Awards: zwei Hände, die sich berühren.

In seiner selbstverfassten kurzen Dankesrede vor der Jury und den anderen Preisträgern, darunter der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Thomas I. Atkins, stellte Elvis Presley einen direkten Bezug zwischen seiner Kindheit als armer Landarbeiterjunge aus dem Süden, den großen Träumen kleiner Jungen von Heldentum und Ruhm und der Erfüllung des American Dream her (→ mehr zu den Jaycees und der Dankesrede).

Audio von Elvis Presleys Dankesrede bei der Verleihung des Jaycee-Awards 1971

Elvis Presley glaube also fest an die schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankerte Vision vom amerikanischen Traum, die im Kern besagt, dass alle Bürger der Vereinigten Staaten die Chance haben, durch eigene Anstrengung und Wahrnehmung ihrer Möglichkeiten Erfolg zu haben und ihr Glück zu finden.

Sich selbst sah er als lebenden Beweis dafür, was er nicht nur bei der Befragung durch die Jury der Jaycees 1971, sondern auch bei seinen Besuchen im Weißen Haus und dem Headquarter des FBI im Dezember 1970 zu Protokoll gab.

Mehr noch: Diese Vision musste bewahrt und verteidigt werden – besonders in Zeiten wie den späten 1960er, frühen 1970er Jahren, in denen sich das Nation in einem fast bürgerkriegsartigen Zustand befand (Buchtipp Mark H. Lytle: Americas Uncivil Wars, The Sixties Era from Elvis to the Fall of Richard Nixon, 2005).

In einer Zeit, in denen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, der viele Opfer forderte, in brutale Straßenschlachten ausarteten, die einst friedliche Bürgerrechtsbewegung sich nach der Ermordung Dr. Martin Luther Kings in Elvis‘ Heimatstadt Memphis gefährlich radikalisierte und eine selig berauschte Hippie-Generation den Cannabis-Konsum ihrer Kinder ganz in Ordnung fand.

„Promised Land“ war in Gefahr. Seine Landsleute und die Welt „da draußen“ daran zu erinnern, was großartig an der Vision der Gründerväter der Vereingten Staaten von Amerika war, sich auf ihre ursprünglichen Werte, ihre Stärken zu besinnen und „antiamerikanische Tendenzen“ zurückzudrängen, war das Gebot der Stunde. Hier sah Jaycee-Preisträger Elvis Presley sich offenbar persönlich in der Pflicht.

Schließlich vertreten die Jaycees die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Sie werden laut Jaycees eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

American Trilogy: Elvis‘ Plädoyer für Integration

Als Performer nutzte Elvis Presley sein besonderes Talent beim Aloha-Konzert für die Kommunikation dieser Überzeugung, indem er sich im Wahrzeichen Amerikas den eigenen Landsleuten ebenso wie dem internationalen Publikum präsentierte und eben nicht – wie erwartet – einen seiner weltbekannten Hits, sondern seine Interpretation von Mickey Newburys American Trilogy zum Höhepunkt des Konzerts machte.

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