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Elvis Presley: My Side of the Story

Wenn Elvis Presley die Gelegenheit gehabt hätte, seine Autobiografie zu schreiben, wie wäre die wohl ausgefallen? Wäre er detailliert auf die vielen Fragen eingegangen, die seine Hardcore-Fans seit Jahrzehnten um den Schlaf bringen, etwa wie viele Takes von Hound Dog er 1956 tatsächlich brauchte für den legendären Master?

Und hätte er endlich – auch das ein Wunschtraum vieler Fans – mal ordentlich mit seinem dominanten Manger Colonel Tom Parker alias Andreas van Kuijk abgerechnet oder Ex-Gattin Priscilla vom Platz gestellt? Inwieweit hätte er tiefe Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt gegeben… in den guten und in den weniger guten Zeiten? Und was genau waren für ihn die guten und die weniger guten Jahre? Wäre er auf gesundheitliche Probleme und Medikamentenabhängigkeit eingegangen?

Hmmm… so schön es wäre, mehr darüber von Elvis selbst zu erfahren, es spricht doch einiges dafür, dass der Memphis Flash sich auch bei seiner Autobiografie selbst treu geblieben wäre und eben nicht das Innerste nach außen gekehrt, sondern seinem Publikum vor allem den Entertainer gezeigt hätte. So ähnlich sah es auch die bekannte Dokumentarfilmerin Annett Wolf, die den King 1977 bei den Dreharbeiten zum CBS-TV-Special Elvis in Concert kennenlernte, und eben keine Gelegenheit zu einem ihrer berühmten Tiefen-Interviews bekam.

Elvis‘ Darstellung, wie das „Landei aus Tupelo/Mississippi“ auszog, um die Welt zu erobern, wäre wahrscheinlich gespickt mit reichlich Humor und ordentlich viel Selbstironie. Bloß das Publikum nicht langweilen mit zu viel Nabelschau, so die Devise. Soll nicht heißen, dass er dabei im Verlauf seiner Erzählung nicht so ganz nebenbei den ein oder anderen Mythos gekilled hätte.

Einen guten Eindruck, wie Elvis Presley seine Sicht der Dinge in eine Autobiografie packen würde, geben neben dem Konzept des ’68 Comeback-Special, an dem er maßgeblich beteiligt war, die Ansprachen an sein Live-Publikum, die er praktisch bei jedem Konzert seines ersten Engagements in Las Vegas im Sommer 1969 hielt – zu der Zeit also, als er nach Jahren in Hollywood auf die Bühne zurückkehrte. Bei späteren Engagements gab es diese sogenannten „Monologues“ nicht mehr.

Ein kreativer YouTube-Nutzer hat eine dieser kurzen, dabei sehr witzigen und an so mancher Stelle auch hintergründigen Monologe von Elvis Presley in ein cooles Video gepackt, dass ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier kommt Elvis mit „My Side of the Story“ – also seiner Version seiner Biografie bis zum Sommer 1969. Genau hinhören lohnt sich!

ELVIS LIVE 1969

Der Hochsommer 1969 war ohne Zweifel ereignisreich. Am 21. Juli betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond, vom 15. bis 17. August fand mit dem Musikfestival Woodstock in Bethel/New York die Hippie-Party schlechthin statt, und am 31. Juli 1969 kehrte Elvis Presley nach mehr als acht Jahren Live-Abstinenz endlich auf die Bühne zurück – in Las Vegas. Kaum zu glauben: Ein halbes Jahrhundert ist das jetzt schon her.

Da wäre man natürlich gerne dabei gewesen. Schade. Aber es gibt ein Trostpflaster für alle Zuspätgeborenen – nämlich das neue schön gemachte Boxset zum 50. Jubiläum von Elvis‘ Rückkehr auf die Konzertbühne: Elvis Live 1969 von RCA Legacy unter dem Dach von Sony.

Neues Boxset Elvis Live 1969 von RCA Legacy Recordings/Sony 2019

Enthalten sind im Boxset auf 11 CDs genau 11 komplette Konzerte des King, die er im Zeitraum vom 21. bis 26. August 1969 im International Hotel in Las Vegas gab – hörbar voll motiviert und enthusiastisch. Darunter die Midnight Show vom 22. August, die bislang als offiziell unveröffentlicht gilt – zumindest als vollständiges Konzert.

Und jetzt heißt es anschnallen für die Zeitreise, denn hier folgt die erwähnte offiziell unveröffentlichte Show vom 22. August 1969 mit einem endzeitmäßig gut gelaunten Elvis, der zwischen den Songs viele Witzchen reißt und in einem längeren Monolog humorvoll Einblick in seine Lebensgeschichte bis zu jenem 22. August 1969 gibt.

Wer sich das nicht anhört, ist selber schuld ;-).

International Hotel Las Vegas – 22. August 1969 – Mitternachtsshow

Blue Suede Shoes

I Got A Woman

All Shook Up

Love Me Tender

Jailhouse Rock/Don’t Be Cruel

Heartbreak Hotel

Hound Dog

Memories

My Babe

Mystery Train/Tiger Man

Monolog – Elvis spricht zum Publikum

Baby What You Want Me To Do

Funny How Time Slips Away

Runaway

Are You Lonesome Tonight

Yesterday/Hey Jude

Vorstellung der Band

In The Ghetto

Suspicious Minds

What’d I Say

Can’t Help Falling In Love

Alle Audios vom Boxset Elvis Live 1969.

Revisited: Meet and Greet the King in Vegas

Was haben Rockmusiker Alice Cooper, Musicalstar Liza Minelli, Robert Plant von der legendären Band Led Zeppelin, US-Komiker Steve Martin, Donald Rumsfeld – Ex-Verteidigungsminister der USA – und die viel zu früh verstorbene Whitney Houston gemeinsam? Nicht wirklich viel, will man meinen.

Ein Spaßvogel aus Überzeugung: Elvis Presley 1970 bei den Proben zum Dokumentarfilm 'That's The Wy It Is'

Ein Spaßvogel aus Überzeugung: Elvis Presley 1970 bei den Proben zum Dokumentarfilm ‚That’s The Wy It Is‘

Aber eine Sache gibt es doch: Sie hatten alle in den 1970ern eine exklusive Einladung zum Meet & Greet mit dem King in Las Vegas und ein unvergessliches Erlebnis mit einem sehr humorvollen Gastgeber. Und hier erzählen sie in gleich mehreren Videos davon: → Elvis in Vegas: Meet and Greet the King. Viel Spaß damit.

Buchtipp: Memphis Mafia Princess von Shirley Dieu

Manche Bücher fallen schon durch ihren Titel aus dem Rahmen. Shirley Dieus Buch, vor ein paar Wochen erst erschienen, ist so eins. Übersetzt heißt der Titel so viel wie Memphis Mafia-Prinzessin, was nicht für jeden spontan erhellend ist – erst der Untertitel Leben in der „Elvis-Welt“ enthüllt, dass es sich hier um eine Veröffentlichung über Elvis Presley handelt. Eins ist damit sofort klar: Shirley Dieu fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus, sie geht einen eigenen Weg.

Schutzumschlag des Buches 'Memphis Mafia Princess' von Shirley Dieu (2014)

Cover ‚Memphis Mafia Princess‘ von Shirley Dieu (2014)

Ungewöhnlich ist das Ganze, weil die meisten Veröffentlichungen von Elvis-Weggefährten praktisch immer mit der Tür ins Haus fallen und mit schöner Regelmäßigkeit mit so wenig einfallsreichen Titelvarianten wie M‘ n Elvis (Charlie Hodge, 1984), Elvis and Me (Priscilla Presley, 1985) oder Me and a Guy Named Elvis (Jerry Schilling, 2006) um die Ecke kommen. Und das ist längst nicht das Einzige, was bei Shirleys Buch aus dem Rahmen fällt.

Den Hardcover-Band schmückt ein geschmackvoller Schutzumschlag, auf dem… neeeiiin… eben nicht die zu erwartende Großaufnahme Elvis Presleys prangt, sondern ein sehr schönes Porträt der Autorin selbst. Ein bisschen sieht die hübsche Shirley (*1954) – heute Geschäftsfrau mit eigener PKW-Leasing-Firma, in jungen Jahren Kellnerin, Fotomodell, Schauspielerin in TV-Serien (Fantasy Island), später Inhaberin einer Werbespot-Produktionsfirma – auf dem Cover aus wie einst Lady Diana.

Analog zum Aufbau von Titel/Untertitel grenzt erst die dezente Fotoleiste am Fuß des Covers das Thema des Buches ein. Zu sehen ist hier eine Reihe privater Schnappschüsse aus den 1970ern, die Elvis Presley mit Mitgliedern seiner legendären Entourage – wegen ihrer Vorliebe für Schusswaffen und martialisches Auftreten auch Memphis Mafia genannt – und Shirley Dieu zeigen. Damit macht schon das Cover des Buches klar: Es geht inhaltlich in erster Linie um das private Umfeld Elvis Presleys der Jahre 1974-1977 und es handelt sich hier nicht um ein Enthüllungsbuch, das auf Sensation und kurzfristige Schockwirkung setzt.

Ein erster Blick in den Innenteil des Buches bestätigt diesen Eindruck. Ein ansprechendes, lesefreundliches Layout, die klare Kapitelstruktur mit Überschriften, die das Prinzessinnenmotiv des Titels sehr schön aufgreifen (More Than a Glass Slipper/Mehr als ein gläserner Schuh), sowie die Präsentation weniger, zum Inhalt passender Fotos (4-farbig, s/w) signalisieren: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, was und vor allem wie erzählt werden soll. Das ist nicht mal eben schnell zuammengestückelt – und bei 236 Seiten gibt es auch ordentlich was zu lesen.

Fast am überraschensten ist aber, dass Shirley Dieu sich nicht – wie die meisten Elvis-Weggefährten – hinter einem Co-Autor versteckt. Shirley ist die Autorin ihres Buches, was ein großer Pluspunkt in Sachen Authentizität ist!

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Men in Black oder mein 1:34-Minuten-Elvis-im-Kino-Moment

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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