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The Elvis Spirit: Interview mit Angela Storm von der Initiative ‚Elvis in Bronze‘

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Elvis Presley kehrt zurück – in Bronze – nach Bad Nauheim. Am 13. August 2021 wird die lebensgroße Bronze-Statue des King of Rock ’n‘ Roll, die ihren Platz auf einer Fußgängerbrücke über dem Flüsschen Usa gefunden hat, eingeweiht. Möglich gemacht haben das die Macherinnen hinter der Initiative „Elvis in Bronze“. Im Interview mit The Memphis Flash erzählt Angela Storm, wie Bad Nauheim zu einer einzigartigen Elvis-Statue kam.

Einzigartig: Bronzener GI Elvis Presley in Bad Nauheim 2021 – Foto: www.memphisflash.de

Doch was genau macht die Bad Nauheimer Elvis-Statue so besonders – abgesehen von ihrer interessanten Entstehungsgeschichte? Zunächst einmal ist sie die Erste ihrer Art in Deutschland und sie dürfte darüber hinaus die Einzige weltweit sein, die Elvis Presley als amerikanischen Soldaten in Uniform zeigt. Damit wird die Statue auch zu einem Symbol deutsch-amerikanischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wir erinnern uns: Als GI war der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Friedberger Ray Barracks stationiert und wohnte im benachbarten Kurort Bad Nauheim. Die kleine Fußgängerbrücke zwischen Stadtbücherei und Rosengarten, die seine Statue nun schmückt, dürfte Elvis so manches Mal auf seinem Weg von der Goethestraße, wo er ein Haus angemietet hatte, in den Ortskern Bad Nauheims überquert haben.

Wie man sich das vorstellen kann, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1959, auf dem der Superstar als flanierender GI zu sehen ist, der auf der Brücke einen Moment innehält, um in schmucker Uniform für einen Pressefotografen zu posieren. Das Foto war eigentlich für ein Plattencover gedacht – doch daraus wurde nichts. Mehr als ein halbes Jahrhundert später sollte es als Vorlage für weitaus Größeres dienen – eine originalgetreue Bronze-Statue.

Lässiger Flaneur: GI Elvis Presley am Brückengeländer über dem Flüsschen Usa in Bad Nauheim 1959

Ein Selfie mit dem erstaunlich lebensechten Bronze-Elvis, der lässig am eigens für ihn rekonstruierten historischen Brückengeländer lehnt, das können ab Mitte August flanierende Touristen und Fans aus aller Welt machen, egal ob sie zum Kuraufenthalt, Urlaub oder den Besuch des European Elvis Festivals (→ Festivalprogramm 2021) nach Bad Nauheim kommen.

Und eins ist jetzt schon sicher: Der Bronze-Elvis auf der Usa-Brücke dürfte eines der meistfotografierten Motive in der Region werden. Ein willkommener Tourismusmagnet für das rund 30 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegene Städtchen Bad Nauheim, das etwa 32.000 Einwohner zählt. Noch dazu ein Lichtblick für das von der Corona-Pandemie stark getroffene regionale Gastgewerbe. Entsprechend klingt das Ganze nach der Idee eines ausgefuchsten Tourismus-Marketing-Managers. Doch weit gefehlt.

Hinter dem Bronze-Elvis stecken die ebenso sympathischen wie tatkräftigen Elvis-Fans Angela Storm aus Lübeck und Meike Berger aus Bochum von der ehremamtlichen Initiative „Elvis in Bronze“. Wie es ihnen mit ordentlich viel „Elvis-Spirit“ gelang, den King mehr als 60 Jahre nach seiner Abreise zurück nach Bad Nauheim zu holen, das erzählt Angela Storm jetzt im Interview.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Frau Storm, wie sind Sie als Lübeckerin eigentlich auf die Idee gekommen, eine lebensgroße Elvis-Statue für Bad Nauheim auf den Weg zu bringen? Sind Sie Elvis-Fan?

Angela Storm: Ja, ich bin seit meiner Kindheit Fan. Elvis hat mich durch meine ganze Teenagerzeit begleitet. Dann habe ich irgendwann geheiratet und Kinder bekommen und das Ganze ist ein bisschen eingeschlafen. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nicht zu einer Veranstaltung begleiten will, auf der auch ein Elvis-Double aufgetreten ist. Das habe ich gemacht – und danach ist alles wieder aufgeflammt bei mir. Ich habe angefangen meine Elvis-Sammlung durchzugehen, zu schauen, was habe ich, was fehlt mir noch. Es kommen ja auch ständig neue Veröffentlichungen raus. Dann bin ich das erste Mal auf so ein Festival gefahren.

The Memphis Flash: Sie meinen das European Elvis Festival, das jedes Jahr im August in Bad Nauheim stattfindet?

Angela Storm: Genau. Ich habe damals jedenfalls gedacht: Meine Güte, was ist denn hier los? Ich war davon ausgegangen, dass die Elvis-Szene nach so langer Zeit ein bisschen eingeschlafen ist. Aber die ist nach wie vor sehr lebendig. Als Fan wird man auch immer wieder spontan auf Elvis angesprochen, ob das in der Bank am Schalter ist, wenn zufällig ein Elvis-Schüsselanhänger aus der Tasche guckt, oder von Autofahrern, die ihren Wackel-Elvis spazieren fahren. Das ist schon witzig. Jedenfalls fahre ich jetzt seit circa 15 Jahren jedes Jahr nach Bad Nauheim zum European Elvis Festival. Und dann ist da eben immer diese Enttäuschung, wenn man vor der Stele steht.

The Memphis Flash: Sie meinen die Stele, die zum Gedenken an Elvis 1995 neben den Hotel Villa Grunewald aufgestellt wurde und die geradezu berühmt dafür ist, dass sie Elvis Presley nicht besonders ähnlich sieht?

Keine Ähnlichkeit mit dem King: Elvis-Stele vor dem Hotel Villa Grunewald in Bad Nauheim – Foto: The Memphis Flash

Angela Storm: Ja. Ohne den Typ, der sie entworfen hat, angreifen zu wollen, aber jedes mal, wenn wir vor der Stele in Bad Nauheim standen, haben wir gedacht: Das gibt’s doch nicht, das muss doch besser gehen. Dann waren Meike Berger und ich in Memphis und haben dort einge Elvis-Statuen gesehen. Wir waren auch in Dänemark, wo der Fan Henrik Knudsen das ganze Graceland-Gebäude nachgebaut hat. Auch er hat eine Statue. Dann kam das nächste Elvis-Festival. Und irgendwann haben wir uns gesagt: Das kann doch nicht angehen – jedes Jahr dasselbe Gemecker. Wir müssen endlich was machen. Vielleicht lässt sich so eine Bronze-Statue über Spenden finanzieren. Also haben wir angefangen zu recherchieren, was so eine Statue kostet und ob es überhaupt erlaubt ist, Elvis als Statue nachzubilden. Auch war uns klar, dass wir das nicht einfach der Stadt aufbürden können. So kam der Stein ins Rollen.

Geben alles für den Bronze-Elvis: Angela Storm (rechts) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Was muss man denn anlegen für eine lebensgroße Bronze-Statue?

Angela Storm: Man muss zwischen 30.000 und 40.000 Euro anlegen. Wir liegen aktuell bei 35-36.000. Wenn man es vom Acrylbauer gestalten lässt, dann ist es weitaus günstiger. Das haben wir auch zuerst versucht, aber die Optik hat uns einfach nicht überzeugt. Und wir wollten ja nicht irgendeine Statue haben – wir wollten etwas wirklich Gutes haben. Viele der Statuen, die wir uns angeschaut hatten, haben dasselbe Problem: Das Gesicht ist nicht so getroffen, wie es sein sollte. Kurz: Wir hatten zwei Herausforderungen – die Optik und das Geld.

The Memphis Flash: Und wie haben Sie die Stadt Bad Nauheim ins Boot bekommen?

Angela Storm: Wir haben angefragt, ob die Stadt bereit wäre, die Statue aufzustellen, wenn wir sie über Spenden finanzieren. Steffen Schneider, der Leiter Kur- und Servicebetrieb, war sofort ganz begeistert von der Idee. Der Vorschlag, den Elvis auf der Brücke aufzustellen, kam dann auch von der Stadt, weil die Brücke am Rosengarten ohnehin saniert werden musste und es eben dieses Foto von Elvis auf der Brücke gibt. Wir hatten zunächst noch die Idee, den Elvis vor die Villa Grunewald zu stellen. Wir haben dann aber sofort gesagt: Das mit der Brücke machen wir.

The Memphis Flash: Jetzt musste aber noch die Finanzierung gesichert werden?

Angela Storm: Mir war sofort klar: über Spenden. Ich habe dann bei Maria Hesterberg, der Vorsitzenden der deutschen Elvis Presley Gesellschaft e. V., angefragt, ob wir etwas über Spendengelder und Sponsoren organisieren könnten. Sie hat uns gleich gesagt, dass es schwierig wird, die Leute zu einer Spende zu motivieren. Der Verein hatte die Erfahrung schon gemacht, als eine gestohlene Gedenkplatte über Spenden ersetzt werden sollte. Und da habe ich mir gesagt: Ja, das ist auch schwierig.

Unterwegs mit Elvis-T-Shirt und Sammeldose: Angela Storm (re.) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Misstrauen gegenüber Spendensammlern?

Angela Storm: Man muss die Leute einfach direkt ansprechen. So sind Meike und ich auf die Idee mit den Sammeldosen gekommen. Wir wollten direkt an den Fan ran, um von unserer Idee zu erzählen. Wir haben auch Flyer gedruckt und uns T-Shirts machen lassen. Auf dem European Elvis Festival 2018 sind wir dann voller Enthusiasmus mit den Sammeldosen rumgelaufen und haben die Dosen auch in Geschäften verteilt. Das war die Idee schlechthin. Gab eine Riesenwelle. Unterstützt wurden wir dabei von der Elvis Presley Gesellschaft. Natürlich ging nicht alles über die Dosen – also haben wir zusätzlich ein Go-Fund-Me-Konto eröffnet. Als das Festival 2018 zu Ende war, kam die Überlegung, was jetzt?

The Memphis Flash: Weil Sie das Geld natürlich noch nicht zusammen hatten?

Angela Storm: Genau. Wir sind dann auf jedes Konzert, das irgendwo stattgefunden hat. Wir waren ein paar Mal bei Elvis – das Musical mit einem Infostand und haben Spenden gesammelt. Und dann kamen auch schon die ersten Sachspenden der Fans rein. Daraus ist dann ein richtiger Verkaufsstand geworden. Alle Einnahmen immer in die Spendendosen rein und dann aufs Konto. Natürlich kam auch immer wieder die Frage: Was macht ihr denn, wenn ihr das Geld nicht zusammenkriegt? Da haben wir gesagt: Sowas gibt’s gar nicht. Wir sammeln so lange, bis wir das Geld zusammenhaben und wenn es fünf oder sechs Jahre dauert. Wir wollen endlich eine vernünftige Statue von Elvis haben. Aber das ist halt die Leidenschaft – das ist einfach die Freude an Elvis und an seiner Musik, die uns da immer so ein Stückchen weitergebracht hat. Die Fans haben auch immer mehr Vertrauen in uns gehabt.

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Inventing Elvis – Mathias Häußler im Interview

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Praktisch noch druckfrisch ist Mathias Häußlers englischsprachige Buchveröffentlichung „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ aus dem Bloomsbury Verlag. The Memphis Flash hat den 32-jährigen promovierten Historiker zu dem eher ungewöhnlichen, dabei hochinteressanten Thema seines Buches über Elvis Presley interviewt.

INTERVIEW

Elvis-Kenner: Dr. Mathias Häußler ist Autor des 2021 erschienenen Buches „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“ – Foto: Häußler

The Memphis Flash: Herr Dr. Häußler, Sie arbeiten als Dozent für europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Regensburg. Wie sind Sie dazu gekommen, ein Buch ausgerechnet über Elvis Presley zu schreiben?

Mathias Häußler: Ja, wie kam ich zu Elvis. Es war die Kombination aus zwei Sachen. Zum einen bin ich selbst Elvis-Fan seit meiner Jugend, habe sehr viele Bücher über ihn gelesen, natürlich auch viele Platten gesammelt. Insofern hatte ich schon immer ein persönliches Interesse an Elvis. Zum andern bin ich Historiker und dadurch nicht nur an Elvis selbst interessiert, sondern eben auch an dem größeren historischen Kontext, in dem er sich bewegte, in dem Elvis wurde, was er war. Und dabei ist mir aufgefallen, dass es zum Phänomen Elvis und zu der historischen Bedeutung von Elvis erstaunlich wenig Literatur gibt. So kam ich zu der Idee, dazu etwas zu machen.

The Memphis Flash: Ihr Buch, das bislang nur in englischer Sprache erschienen ist, trägt den Titel „Inventing Elvis – An American Icon in a Cold War World“. Was erwartet den Leser hier genau? Ist das eine weitere Elvis-Biografie?

Mathias Häußler: Inventing Elvis – in dem Buchtitel steckt schon vieles drin. Wie gesagt, es ist keine klassische Biografie, da es mir nicht in erster Linie um das Leben und den musikalischen Output von Elvis geht, sondern um die größere Bedeutung, die Elvis als Referenzpunkt hatte für gesellschaftliche Debatten, die sich an ihm entzündeten. Das meine ich mit „Inventing Elvis“. Nicht im Sinne einer postmodernen Figur – ich sage im Buch ja auch, der größte Erfinder von Elvis war Elvis selbst. Aber zusätzlich zu Elvis es gab eben auch ganz viele andere Akteure, die alle etwas in Elvis sahen, die durch Elvis etwas artikuliert haben, seien es Journalisten, Fans, Politiker, Filmemacher: Jeder hat in Elvis etwas gesehen und wollte mit Elvis etwas sagen. Deshalb kann man Elvis als eine schöne Sonde nehmen, an der sich größere gesellschaftliche Debatten kristallisierten.

The Memphis Flash: Welche waren das zum Beispiel?

Mathias Häußler: Innerhalb der USA natürlich das klassische Tripos „race“, „class“, und „gender“. „Darf“ ein weißer Junge afroamerikanische Rhythm-and-Blues-Musik adaptieren? Welche Rolle spielte Elvis‘ Herkunft als armer Südstaatenjunge bei dem Ressentiment, welches ihm von der kulturellen Elite des Landes entgegenschlug? Und inwiefern standen der laszive Hüftschwung und das Kreischen der meist weiblichen Fans für einen neuen Ausdruck von Sexualität der amerikanischen Jugend, der gegen die Konventionen jener Zeit rebellierte? Alles Riesendebatten im Amerika der Fünfziger Jahre. Elvis war ein Produkt dieser zutiefst gespaltenen Gesellschaft jener Zeit und wurde gleichzeitig auch zu einer medialen Figur, an der sich diese Widersprüche kristallisierten, über die sie verhandelt wurden. Sei es durch Ablehnung vom Establishment, vom Kulturjournalismus, den Medienmachern, sei es aber auch durch die Annahme und Akzeptanz durch seine Fans, die in ihm eine Galionsfigur sahen.

Elvis zwischen den Fronten: In diesem Fall Manager Colonel Tom Parker (links) und Showmaster Ed Sullivan 1956 in New York

The Memphis Flash: Jetzt sprechen Sie in Ihrem Buch ja auch davon, dass Elvis in den 1950ern praktisch vom Start seiner Karriere weg politisch instrumentalisiert wurde. Das verwundert erst einmal, da Elvis Presley heute in der öffentlichen Wahrnehmung als weitgehend unpolitisch wahrgenommen wird. Vor allem im direkten Vergleich zur offen engagierten Singer-Songwriter-Generation eines Bob Dylan, von der sich der King mehrfach deutlich distanzierte. Mit den Worten, er sei in erster Linie Entertainer und als solcher wolle er sich nicht zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen äußern, hat er zum Beispiel Fragen von Journalisten nach seiner Einstellung bei einer Pressekonferenz 1972 in New York freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen. Alles andere sei seine Privatsache und solle es auch bleiben, unabhängig davon, wie andere Musiker das handhaben wollten. In Sachen direkter Einlassung zum politischen Zeitgeschehen war bei Elvis also nicht viel zu holen. Wie geht das zusammen mit der politischen Instrumentalisierung, von der Sie sprechen?

Mathias Häußler: Klar, Elvis ist, da würde ich zustimmen, sicherlich kein politischer Aktivist gewesen, und wir wissen erstaunlich wenig über seine politische Haltung. Wir wissen, dass er 1956 für Stevenson war (Anmerk.: Adlai Ewing Stevenson junior war Politiker der Demokratischen Partei und zwischen 1949 und 1953 der 31. Gouverneur des Bundesstaates Illinois. Er trat 1952 und 1956 als Kandidat seiner Partei für die Präsidentschaftswahl an, unterlag aber Dwight D. Eisenhower. Von 1961 bis 1965 war Stevenson US-Botschafter bei den Vereinten Nationen). Wir wissen auch, dass Elvis Nixon ganz cool fand und dass er die ganzen Armeefilme und das Patriotische in den Siebzigern umarmt hat. Ansonsten wissen wir aber ganz wenig, und auch in seiner Kunst finden wir kaum politische Artikulationen. Wir können „If I Can Dream“ als Statement sehen, „In The Ghetto“ von mir aus auch, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Verglichen mit dem, was sonst in den 1960ern war, ist das sehr wenig.

The Memphis Flash: Und dennoch ist er politisch?

Mathias Häußler: Total politisch! Aber es äußert sich eben im nichtverbalen Rahmen, einfach durch das, was er machte. Der Hüftschwung beispielsweise war eine ganz klare Rebellion gegen die biederen gesellschaftlichen Konventionen jener Zeit, auch wenn er ihn anfangs vielleicht nur zufällig oder teils ironisch einsetzt. Aber wenn man sich den anschließenden Proteststurm anschaut, der beispielsweise 1956 nach Elvis‘ Performance von Hound Dog in der Milton Berle Show ausbricht, dann war das total politisch. Sein Umgang mit afroamerikanischer Kultur, dass er beispielsweise 1956 in Memphis zu der afroamerikanischen WDIA Goodwill Revue Night, das war auch ein klares Statement. Er war natürlich politisch, in dem was er machte, und bis zu einem gewissen Grad wusste er das wahrscheinlich auch. Viel mehr waren es jedoch noch andere Akteure, die Elvis letztendlich „politisierten“: Seien es die Kritiker unter den Journalisten, seien es enthusiastische Fans, die in ihm größere gesellschaftliche Relevanz gesehen haben und das auch nutzten, um ihre eigenen Positionen durch ihn zu artikulieren. Also ist es letztendlich vielleicht gar nicht so wichtig, wo Elvis genau politisch stand und ob er sich selbst als politisch gesehen hat, sondern was er für die Gesellschaft darstellte und welche Debatten sich an ihm entzündeten.

Juni 1956: Elvis gibt den Hound Dog in der Milton Berle Show und löst per Hüftschwung eine Revolution aus

The Memphis Flash: Das klingt erst einmal ziemlich abstrakt?

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Elvis macht den Ampelmann

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Seit heute regelt Elvis Presley auch in Bad Nauheim als Fußgänger-Ampelmännchen den Verkehr. In Friedberg darf er das schon seit Ende 2018. Hintergrund: Der King diente als amerikanischer Soldat vom Oktober 1958 bis März 1960 in der ehemaligen Friedberger Kaserne Ray Barracks und wohnte in dieser Zeit im benachbarten Bad Nauheim.

Bad Nauheimer und Friedberger Stadtväter (und -mütter) haben Spaß bei der Einweihung der neuen Elvis-Ampeln in Bad Nauheim. Foto: Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH

Zum Dienst bei der Truppe fuhr Elvis mit dem Auto – also jeden Tag mindestens einmal hin und her zwischen Bad Nauheim und Friedberg, wenn er nicht gerade auf Manöver in Grafenwöhr war. Macht also durchaus Sinn, dem King als einem aktiven Verkehrsteilnehmer in der Wetterau Ampeln einzurichten – zwei in Friedberg und seit heute zwei weitere in Bad Nauheim.

Zusätzlich hat er in unmittelbarer Nähe zum Gelände der Ray Barracks seit Jahren schon einen eigenen Verkehrskreisel – und in Bad Nauheim seit kurzem eine eigene Bushaltestelle. (Rock-)Adel verpflichtet.

Elvis-Ampelmotiv in Friedberg – Foto: dpa/Frank Rumpenhorst.

In Friedberg zeigt Elvis als rockender Vince Everett aus dem Filmklassiker Jailhouse Rock (1957) die grüne Ampel und bewegungslos vor dem Mikrofon stehend die rote an. Ein legendäres und extrem gut ausgewähltes Motiv mit zeitlicher Nähe zu seinem Deutschlandaufenthalt. 100 Punkte dafür.

In Bad Nauheim regelt Elvis singend mit Gitarre den Fußgängerverkehr – unverkennbar er, aber zeitloser, da nicht einem bestimmten Jahr seiner Karriere zuzuordnen. Clever gemacht. Die Bad Nauheimer und Friedberger Stadtväter haben sich hierbei offensichtlich gut abgestimmt, um für Abwechslung zu sorgen.

Elvis sagt: Los geht’s – Foto: Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH.

 

Und wie das Gruppenfoto oben zeigt, hatten die Vertreter beider Städte heute mächtig Spaß bei der Einweihung der Bad Nauheimer Ampeln – sie kamen gleich im stilechten Outfit. Vergessen scheint die einstige Rivalität zwischen den beiden Städten und ihren Vertretern. Elvis hat eben etwas Verbindendes.

Zuerst wurde die Fußgängerampel an der unteren Parkstraße/ Ecke Zanderstraße durch Bad Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß, Ersten Stadtrat Peter Krank, Sponsorin Edith Siegesmund vom Hotel Spöttel sowie Friedbergs Erster Stadträtin Marion Götz eingeweiht.

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Welcome Elvis Presley in Germany

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Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen „E-Day“, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

Onkel Gustav’s Hütte

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Potzblitz, das ist er ja tatsächlich! Der Hermann hat recht. In Gustav Matthes‘ Biergarten am Hattsteinweiher in Usingen – im Volksmund liebevoll „Onkel Gustav’s Hütte“ genannt – sitzt unterm Bluna-Sonnenschirm kein geringerer als Elvis Presley höchstpersönlich. Er ist – wie die beiden GIs, die ihn begleiten – in Uniform. Unverkennbar prangt darauf sein Name und das Abzeichen seiner Einheit.

Elvis Presley mit Jugendlichen aus dem Usinger Land vor „Onkel Gustav’s Hütte“ am Hattsteinweiher 1959 – in der Mitte vorne sitzt der 15-jährige Peter Weidemann, rechts neben ihm Freund Hermann Wöhlermann. Foto: Dr. Peter Weidemann

Hinter der kleinen Gruppe, die (noch) allein an einem Tisch sitzt, erstreckt sich eine Liegewiese. Auf ihr haben es sich an diesem hochsommerlich-sonnigen Freitagnachmittag Mitte August 1959 zahlreiche Badegäste auf Decken und Handtüchern bequem gemacht.

Ein beliebtes Ausflugslokal: „Onkel Gustav’s Hütte“ in den 1950er Jahren – Foto: Dr. Peter Weidemann

Die Wiese mündet nämlich in den Hattsteinweiher, dem einzigen offiziellen Badesee im Usinger Land. Eigentlich ist der nichts weiter als ein künstlich angelegter Teich, etwa 1,6 Hektar groß, umgeben von einem Rundweg.

Der Hattsteinweiher bei Usingen heute – vom Rundweg aus in Richtung Liegewiese fotografiert: Rechts hinten im Bild ist die Stelle zu sehen, an der einst Onkel Gustav’s Hütte stand. Es gibt sie schon lange nicht mehr, dafür einen Strand und ein Ausflugslokal – Foto: memphisflash.de

Der Hattsteinweiher liegt vor den Toren des kleinen Örtchens Usingen im Hochtaunus, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Von den Friedberger Ray Barracks aus, wo Elvis Presley vom Herbst 1958 bis März 1960 als Späher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division seinen Wehrdienst absolviert, erreicht man den Weiher mit dem Auto in einer knappen halben Stunde.

GI Presley vor dem Schild seiner Einheit in Friedberg 1958 – kurze Zeit nach dieser Aufnahme wechselte er zur Company C.

Der Hattsteinweiher ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region – im Sommer zum Zelten, Campen und Baden, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Und er ist so ziemlich die einzige Attraktion, die Usingen seinen knapp 5.000 Einwohnern in den 1950ern an einem heißen Sommertag zu bieten hat.

Niemand weiß das besser als der 15-jährige Peter Weidemann, der 1959 in dem Städtchen wohnt und hier das örtliche Gymnasium, die Christian-Wirth-Schule, besucht. 1963 wird er in Usingen sein Abitur machen. Aber noch ist es nicht so weit.

Blick über die Dächer von Usingen heute: Das schlossartige Gebäude in der hinteren Bildmitte ist die Christian-Wirth-Schule, an der Peter Weidemann 1963 sein Abitur macht. Foto: Wikipedia

Keine halbe Stunde bevor Peter an diesem 14. August 1959 zum ersten Mal vor Elvis Presley steht, hat er noch keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und damit auch sein Ferienjob auf dem Bau. Es ist glücklicherweise ein Freitag und er hat früher mit der Arbeit Schluss machen können.

Jetzt heißt es schnell die Badesachen packen, bloß das wertvolle Philips-Kofferradio, ein Geschenk zur Konfirmation, nicht vergessen und die 10 Minuten zum Hattsteinweiher laufen, wo sein jüngerer Bruder Günther und die Clique um seinen gleichaltrigen Freund Hermann sicher schon auf ihn warten.

Fahrrad und Radio immer dabei: Die „Weiher-Clique“ um Peter (in der Mitte) und Hermann (im dunklen Shirt links hinter Peter) am Hattsteinweiher in Usingen. Foto: Dr. Peter Weidemann

Doch kaum hat er sein Zuhause in der Hattsteiner Allee verlassen, sieht er plötzlich seinen Freund auf seinem Rennrad die Allee hinunter sausen. Mit einer Vollbremsung macht er vor Peter Halt. „Peter, du musst unbedingt umkehren und einen Fotoapparat holen. Der Elvis ist am Weiher“, stößt Hermann aufgeregt und völlig außer Atem hervor. „Hier nimm mein Rad, ich warte hier auf dich“, sagt Hermann.

Elvis am Hattsteinweiher in Usingen

Peter weiß, sein Freund ist nicht nur wie er ein begeisterter AFN-Hörer, sondern auch ein riesiger Elvis-Fan, während er selbst sich genauso gerne Buddy Holly oder Frankie Avalon hört. Dass Elvis sich ausgerechnet an „den Weiher“ zu Onkel Gustav verirrt, ist dennoch wie ein Sechser im Lotto. Peter schnappt sich ohne viel Federlesen das Rad von Hermann und saust zurück zum Elternhaus, wo Vater Weidemann seine Kamera, eine Agfa Clack, aufbewahrt. Und Gott sei Dank ist heute auch ein Film drin.

Zusammen machen sich die beiden Jungs in großer Eile auf dem Weg zum Weiher und dort schnurstracks an den Tisch, an dem der King in aller Seelen Ruhe sitzt und eine Cola trinkt. Als sie ankommen, ist es etwa 15.00 Uhr am Nachmittag. Und obwohl einiges los ist am Weiher – viele Kinder und Jugendliche genießen die Badesaison – haben erst wenige Elvis Presley erkannt.

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Elvis‘ Gitarrist James Burton

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„Ich war gerne mit ihm zusammen, er war witzig, hatte gerne Spaß, konnte aber auch ernst und tiefsinnig sein – er war einfach großartig in der Zusammenarbeit… einer der größten Künstler unter den vielen, mit denen ich gearbeitet habe. Ein klasse Typ”. Das sagt James Burton über seinen ehemaligen Boss Elvis Presley.

Was Elvis‘ langjähriger Gitarrist –  laut Magazin Rolling Stone die Nummer 19 unter den 100 besten Gitarristen aller Zeiten – noch so alles über den King zu sagen weiß, wird im Rahmen des European Elvis Festival 2017, das vom 18. bis 20. August 2017 zum 16. Mal in Bad Nauheim stattfindet, zu hören sein. Und natürlich heißt es dann auch wieder frei nach Elvis: Play it, James!

In diesem Jahr wird der Gitarrist mit der TCB-Band und Dennis Jale eine neue Show auf die Festival-Bühne bringen, und zwar die Living-Room-Sessions, bei der es Elvis‘ Band (nahezu) unplugged zu erleben gibt → hier geht’s zum Festival-Programm. Am Festivalsamstag (19. August) wird James zusammen mit Glen D. Hardin, dem langjährigen Pianisten der TCB-Band, in einer Talkshow aus seiner Zeit mit Elvis erzählen. Aber wer ist James Burton eigentlich?

Play it, James!

James Burton (* 21.8.1939 in Louisiana) – Lead-Gitarrist und so etwas wie der Leitwolf in Elvis‘ TCB-Band – spielt seit seinem 13. Lebensjahr Gitarre, nach eigener Aussage hat er sich das Spielen selbst beigebracht. Schon mit 14 Jahren wurde er für die Hausband der sehr populären Radio-Show Louisiana Hayride engagiert, wo er – rein theoretisch – damals schon auf Elvis Presley hätte trennen können, der dort von 1954 bis 1956 regelmäßig auftrat – mit seinem damaligen Gitarristen Scotty Moore.

Es kam aber wohl zu keiner persönlichen Begegnung in dieser Zeit, auch wenn James eine ganze Reihe witziger Insider-Geschichten vom Hayride parat hat – etwa die, wie es dazu kam, dass George Jones von Elvis himselvis hinter der Bühne eine ordentliche Abreibung verpasst kam. In dieser Talkshow-Runde erzählt er es:

[youtube]http://youtu.be/-3Qo53kLhow[/youtube]

James jedenfalls verfolgte in den Folgejahren weiter seine eigene Karriere, spielte 1957 in der Band von Dale Hawkins und erlangte früh eigene Berühmtheit durch sein Gitarrensolo in dessen Hit Suzie Q, heute bewertet als einer der 500 größten Rock ’n‘ Roll Songs überhaupt.

Zwischen 1958 und 1964 war Burton Mitglied in der Band von Rickie Nelson (Hello Mary Lou), entwickelte sich zu einem der gefragtesten Session-Gitarristen im amerikanischen Musikgeschäft, der viele Country- und Rockgitarristen beeinflusst hat. Burton spielt am liebsten die Fender Telecaster und ist für seine Spielweise des „Chicken-Picking“ legendär.

1964 war Burton erstmals musikalisch an einer Elvis-Session beteiligt, und zwar dem Soundtrack zum Film Viva Las Vegas.

Er spielte außerdem bei Aufnahmen von Frank Sinatra, Bobby Darin, den Everly Brothers und Dean Martin – war von 1964 bis 1966 Mitglied der Rockband Shindogs – fester Bestandteil der sehr populären TV-Serie Shindig! des Sender ABC. Hier gaben sich viele Musikstars der damaligen Zeit die Klinke in die Hand – afroamerikanische ebenso wie weiße, was längst keine Selbstverständlichkeit war. Auch Pianist Glen D. Hardin war hier schon mit von der Partie.

Wer so eine musikalische Reputation hat, der ist einem Elvis Presley natürlich nicht entgangen. Als der Memphis Flash 1968 zu seinem Comeback anhob, rief er James Burton an, um ihn für sein TV-Special ELVIS zu engagieren. Aber James musste ablehnen, weil er schon ein aktuelles Projekt mit Sinatra hatte.

1969 meldete Elvis sich wieder – echt hartnäckig der Mann 😉 – mit der Neuigkeit, dass er wieder live auftreten wolle und daher eine richtig gute Band brauchte. Er bat James in einem stundenlangen Telefonat darum, ihn bei der Suche nach passenden Musikern zu unterstützen. Gesagt, getan: die legendäre TCB-Band wurde 1969 gegründet – James war führendes Mitglied bis zu Elvis Presleys Tod 1977. Weitere Mitglieder waren neben Burton 1969 zunächst Larry Muhoberac (Piano), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Jerry Scheff (Bass).

Geradezu zum geflügelten Wort geworden ist Elvis Presleys auf zahllosen Aufnahmen zu hörender Ausruf: Play it, James!, der unmissverständlich eins von Burtons Solos ankündigte. Wie James Burton heute über seinen ehemaligen „Ansager“ denkt, erzählt er hier:

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Elvis‘ Pianist Glen D. Hardin

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Glen D. Hardin, Elvis‘ langjähriger Pianist aus der TCB-Band, ist wieder mit von der Partie, wenn es vom 18. bis 20. August 2017 beim 16. European Elvis Festival in Bad Nauheim heißt: It’s Elvis Time!

Pianist Glen D. Hardin umringt von Fans in Bad Nauheim 2013

Kein Zweifel, der Texaner hat Feuer gefangen für die idyllische Kurstadt in der Wetterau, in der sein berühmter Boss während seiner Stationierung als GI in der Ray Barracks-Kaserne im benachbarten Friedberg für anderthalb Jahre wohnte.

Seit 2002 wird hier im Herzen der Wetterau von der Elvis Presley Gesellschaft jährlich das European Elvis Festival veranstaltet, das sich zu einem Anziehungspunkt für Fans des King aus aller Welt entwickelt hat. Und Glen Hardin ist als Festival-Gast ein gern gesehener Wiederholungstäter.

In diesem Jahr wird der Pianist mit der TCB-Band und Dennis Jale eine neue Show auf die Festival-Bühne bringen, und zwar am 18. August die Living-Room-Sessions, bei der es Elvis‘ Band (nahezu) unplugged zu erleben gibt. Klingt spannend – ist aber weit weitem nicht das einzige musikalische Highlight des diesjährigen Festivals → das komplette Programm.

Am Festivalsamstag (19. August) wird der sympathische Glen in einer Talkshow aus seiner Zeit mit Elvis erzählen. Aber wer ist dieser Glen eigentlich genau?

On piano: Glen D. Hardin

Glen D. Hardin (* 18.4.1939 in Texas) ist der Clown unter den TCBlern. Selten ist er um einen Gag oder eine lustige Geschichte verlegen, er hat auf eine sehr sympathische Weise ein sonniges Gemüt.

Den Rummel um ihn scheint er nicht allzu ernst zu nehmen. Gerne lässt er seinem langjährigen Weggefährten und Vorzeige-TCBler James Burton den Vortritt… schließlich ist er selbst ja „nur“ der Pianist!

Auf den ersten Blick wirkt Glen unscheinbar, man kann sich nicht gleich vorstellen, dass er laut Bandkollegen ein ziemlicher Womanizer gewesen sein soll. Erst wenn man direkt mit ihm spricht, lassen der langgedehnte Tonfall und der Charme des Texaners erahnen, dass das sehr wohl mehr als nur ein Gerücht sein könnte.

Glen D. stammt aus Texas und begann im Alter von acht Jahren mit dem Klavierspiel, zunächst jedoch ohne die Absicht, daraus je einen Beruf zu machen. Das änderte sich, als er nach seinem Dienst in der Navy 1959 begann, im bekannten Palomino Club in Hollywood – „Country Music’s most important West Coast club“ – zu spielen. Hier traf sich die Country-Szene und Glen war mittendrin.

Glen D. Hardin mit Elvis bei den Proben zum Dokumentarfilm 'Elvis That's The Way It Is' (1970)

Glen D. Hardin mit Elvis bei den Proben zum Dokumentarfilm ‚Elvis That’s The Way It Is‚ (1970)

Seine Karriere bekam richtig Auftrieb, als er 1962 Mitglied der Crickets wurde, die zuvor Buddy Hollys Band gewesen waren. In dieser Zeit begann Glen für die Crickets und andere Musiker Songs zu komponieren. 1965 hatten Gary Lewis and The Playboys mit Glens Song Count Me In einen Nr. 1-Hit.

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Einmal in Elvis‘ Bett schlafen

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Einmal in Elvis‘ Bett schlafen oder auf demselben grünen Sofa ein Nickerchen halten. Diesen Traum können sich die deutschen Fans des King demnächst ganz leicht erfüllen.

Elvis lesend auf dem grünen Sofa im Bad Nauheimer Hotel Grunewald – Foto: Elvis As Any Other Soldier von Jerry Osborne

Der Clou: Sie müssen dafür nicht weit reisen. Es reicht ein Trip in die Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim, wo Elvis während seines Militärdienstes in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 seine Zelte aufschlug.

Rechtzeitig vor dem 40. Todestag des King wird dort nämlich im August 2017 die Villa Grunewald nach Jahren des Leerstandes als Hotel und Boarding House neu eröffnet, wie die Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH mitteilt.

Das Hotel Grunewald in unmittelbarer Nähe des Kurparks in Bad Nauheim heute – Foto: www.memphisflash.de.

Das Grunewald ist das Hotel, in dem Elvis mit seinem Vater, seiner Großmutter und den Freunden Lamar Fike und Red West vom Herbst 1958 bis Anfang 1959 für etwa vier Monate wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 anmietete.

Im Grunewald hatte der King eines der schönsten Zimmer mit Blick auf den Kurpark – das Zimmer Nummer 10 im obersten Stockwerk des alterwürdigen Hotels. Und genau dieses Zimmer kann man ab August 2017 wieder als Hotelgast bewohnen.

Elvis‘ Zimmer Nr. 10 im Hotel Grunewald – Foto aus 2011: Winfried Eberhardt

 

Zum Vergleich: Red West hat es sich auf Elvis‘ Bett im Zimmer Nr. 10 gemütlich gemacht – 1958/59 – Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010.

Villa Grunewald: King’s Castle

Vor zwei Jahren war das Grunewald, das heute noch fast genau so aussieht wie zu der Zeit, als Elvis hier residierte, von den Bad Nauheimer Architekten Alfred und Christian Möller gekauft worden.

Das stadtbildprägende Haus in der Terrassenstraße 10 aus dem Jahr 1888 hatte nach dem Auszug der inzwischen verstorbenen früheren Eigentümerin Rita Issberner-Haldane seit 2011 leer gestanden. Eine Wiedereröffnung als Hotel unter Beibehaltung des historischen Ambientes bot sich an.

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Elvis, ein Biest und zwei Frolleinwunder

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„Jetzt drück‘ mal richtig auf die Tube. Ich will sehen, was das Biest drauf hat.“ William Taylor, First Lieutenant (Oberleutnant) der US-Armee, hat den Satz noch nicht ganz beendet, als sein Fahrer, der auf diesen Befehl offensichtlich gewartet hat, das Gaspedal des schwarzen 1952er-Fords bis unten durchtritt und zum Überholen ansetzt. Die Tachonadel schnellt nach oben, die Landschaft entlang der A5 fliegt nur so vorbei.

„Das nenn‘ ich fahren“, freut sich Taylor und schaut rüber zum Mann hinter dem Steuer. Dessen blau-graue Augen blitzen übermütig, die auffallend vollen Lippen haben sich zu einem schiefen Lächeln verzogen, das eine Reihe makelloser Zähne freilegt. Er weiß: Der Wagen, in dem Taylor und er an diesem Sonntag im Frühjahr 1959 die A5 in Richtung Frankfurt entlang brausen, ist ebensowenig ein normaler Ford wie er ein normaler Fahrer ist. Der Mann am Steuer ist Private First Class (Obergefreiter) Elvis Presley, hauptamtlich King of Rock ’n‘ Roll, der Ford – von seinem Besitzer Taylor liebevoll „das Biest“ genannt, ein verkappter Cadillac mit V8-Motor.

  • Im Gleichschritt eins, zwo, drei, vier: GI Elvis Presley in Deutschland.

Kurz bevor Elvis, der seinen Wehrdienst im Spähtrupp einer amerikanischen Panzerdivision – genauer gesagt der Company C der 3rd Armored Division – im hessischen Friedberg  leistet, und sein Vorgesetzter bei Friedberg auf die A5 gefahren sind, haben sie sich zum Schrauben am „Biest“ in Little Texas getroffen. In der Wohnsiedlung für amerikanische GIs in der Nähe der Ray Barracks-Kaserne wohnt der 26-jährige William Taylor mit seiner Frau Peggy und den beiden Kindern.

Elvis selbst, zwei Jahre jünger als sein“Lootenet“, hat seine Zelte in der nahegelegenen Kurstadt Bad Nauheim aufgeschlagen, wo er erst vor wenigen Wochen für sich, seinen Vater, die Großmutter und zwei Freunde ein Einfamilienhaus in der Goethestraße 14 angemietet hat.

An diesem Sonntagnachmittag hat der King das wöchentliche Football-Spiel mit seinen Kumpels auf der grünen Wiese in der Nähe vom Bad Nauheimer Gradierwerk IV extra kurz gehalten, um Taylor dabei zu helfen, in den getunten Ford Baujahr 1952, der neben dem besagten V8-Motor noch so allerlei weitere Optimierungen aufweist, einen neuen Zündkondensator einzubauen.

Taylor ist ganz schön überrascht, als sein berühmter Gast, der noch in seiner Sportkleidung bei ihm auftaucht, ihm nicht nur zur Hand geht, sondern das Teil gleich selbst einbaut. Er habe, so erklärt Autonarr Elvis, schon als Jugendlicher, wann immer sich die Gelegenheit ergab, an Hot Rods geschraubt. Benzin liege ihm einfach im Blut.

Nach so viel tatkräftiger Hilfe bleibt Zeit für eine Runde Geschwindigkeitsrausch auf der „German Autobahn“. „Hammer, wie das Teil beschleunigt“, bemerkt Elvis, als von hinten ein Mercedes-Cabrio kommt und an ihnen vorbei zieht, als sie gerade die nächste Ausfahrt nehmen wollen.

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The Wonder Of You: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra

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Die Macher der sehr erfolgreichen Scheibe von If I Can Dream: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra (2015), das im letzten Jahr mit einem Duett von Elvis und Michael Buble zum Song Fever für Furore sorgte, haben erneut zugeschlagen.

Die zweite Produktion von Sony, die erneut bekannte und weniger bekannte Elvis-Songs aus allen Schaffensphasen neu arrangiert mit dem Royal Philharmonic Orchestra präsentiert, heißt The Wonder of You.

Ende Oktober 2016 erschienen, katapultierte The Wonder of You den King – wie schon der Vorgänger – im Eiltempo auf Platz 1 der britischen Charts, in Deutschland unter die Top 20.

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In Deutschland sorgte die Veröffentlichung schon vor Erscheinen für einen Sturm der Entrüstung in der immer noch stattlichen Elvis-Fangemeinde, da The Wonder Of You ein Duett von Elvis mit der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer enthält.

Ausgerechnet Helene Fischer, hieß es. Fischer durfte sich über einen regelrechten Shitstorm in Social Media „freuen“. Der Song, bei dem die beiden zusammen zu hören sind, ist Just Pretend. The Wonder of You ist der Auftakt zu einer Elvis-Tournee des Royal Philharmonic Orchestra, die im Frühjahr 2017 auch in Deutschland Halt macht.

Damit sich jeder selbst ein Bild von der neuen Scheibe inkl. Elvis-Helene-Duett machen kann, kommen hier die Tracks inkl. Duett.

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Spotlight 1. Oktober 1958: E-Day – G.I. Elvis erobert Friedberg

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Claus-Kurt Ilge steht mitten auf den Eisenbahnschienen, sein stahlblauer Blick ist nachdenklich in die Ferne gerichtet. Die Schienen gehören zu der alten, längst verlassenen und mittlerweile dicht zugewachsenen Truppenverladerampe der ehemaligen US-Kaserne Ray Barracks in Friedberg.

Genau hier betrat am Abend des 1. Oktober 1958 der berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat, erstmals Friedberger Boden: Elvis Presley. Zum „Begrüßungskomitee“ auf dem schwer zugänglichen Gelände der Amerikaner gehörte 1958 neben einigen Journalisten auch eine Gruppe bestens informierter Teenager. Der damals 16-Jährige Claus-Kurt Ilge war einer von ihnen.

  • Claus-Kurt Ilge auf den Schienen an der Truppenverladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks im August 2015 - Foto: memphisflash.de

Das war kein Zufall. Während eine große Menge Schaulustiger ebenso geduldig wie vergeblich am Friedberger Hauptbahnhof auf die Ankunft des King of Rock ’n‘ Roll wartete, der zusammen mit vielen andern G.I.s per Militärzug direkt aus Bremerhaven kam, wusste der Friedberger Elvisfan Claus-Kurt sehr genau, wo die US-Armee ihre neuen Soldaten für die Ray Barracks ablieferte: nämlich genau hier an der Rampe. Als wir uns Jahrzehnte später im August 2015 an der ehemaligen Truppenverladerampe treffen, erzählt der junggebliebene ehemalige Fernmeldetechniker mit dem unverkennbaren schneeweißen Haarschopf, wie es dazu kam.

Amerikanisches Lebensgefühl in der Wetterau: AFN, Elvis und die Ray Barracks

1958 wohnt der 16-jährige Claus-Kurt noch bei seinen Eltern in Friedberg und besucht die Realschule. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Hausfrau – Claus-Kurt wächst in einer gutbürgerlichen Familie auf. Als der wildeste der drei Ilge-Jungs hat er für Lernerei und Schule nicht viel übrig. Das Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre ist vor allem eins: ziemlich grau und spießig. Das fängt bei der Musik an, die die Elterngeneration bevorzugt, etwa Rudi Schuricke, Fred Bertelmann und Paul Kuhn, und hört bei den Klamotten auf, die für Teenager damals als angemessen galten. Alles nichts für Claus-Kurt.

Aber da gibt es – in der direkten Nachbarschaft in Friedberg – noch eine andere Welt, so viel moderner und lässiger. Die Welt der US-Amerikaner in den Ray Barracks. Die neuen Nachbarn bringen ihre eigene Musik mit, verbreitet vom AFN, American Forces Network, der die amerikanischen Soldaten im besetzten Nachkriegsdeutschland mit Heimatklängen versorgt. Dabei hat der AFN schnell eine große Hörergemeinde unter den deutschen Jugendlichen, darunter auch Claus-Kurt. Hören kann er AFN allerdings nur heimlich, wenn die Eltern nicht zuhause sind. Schnell wird dann das Familienradio vom Hessischen Rundfunk auf den „Ami-Sender“ eingestellt.

Da war die Stimme von diesem Elvis Presley – die faszinierte mich sofort, als ich sie 1956 zum ersten Mal hörte“ , erzählt Claus-Kurt Jahrzehnte später. Nur erwischen lassen darf sich der 16-Jährige dabei von den Eltern nicht, sonst heißt es: „Der Saubub hört schon wieder Elvis“ . Und ein paar hinter die Löffel gibt es wahrscheinlich auch. Dabei wachsen die deutschen Jugendlichen mit den Amerikanern in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft auf, nehmen sie längst als Freunde, nicht als Besatzer oder ehemalige Feinde wahr. Für die Eltern- und Großelterngeneration sieht das hingegen ganz anders aus: Vater Ilge war als Soldat im Zweiten Weltkrieg, er fühlt sich als Besiegter… besiegt von den Amerikanern.

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