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Welcome Elvis Presley in Germany

Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen “E-Day”, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

Onkel Gustav’s Hütte

Potzblitz, das ist er ja tatsächlich! Der Hermann hat recht. In Gustav Matthes’ Biergarten – im Volksmund liebevoll “Onkel Gustav’s Hütte” genannt – sitzt unterm Bluna-Sonnenschirm kein geringerer als Elvis Presley höchstpersönlich. Er ist – wie die beiden GIs, die ihn begleiten – in Uniform. Unverkennbar prangt darauf sein Name und das Abzeichen seiner Einheit.

Elvis Presley mit Jugendlichen aus dem Usinger Land vor “Onkel Gustav’s Hütte” am Hattsteinweiher 1959 – in der Mitte vorne sitzt der 15-jährige Peter Weidemann, rechts neben ihm Freund Hermann Wöhlermann. Foto: Dr. Peter Weidemann

Hinter der kleinen Gruppe, die (noch) allein an einem Tisch sitzt, erstreckt sich eine Liegewiese. Auf ihr haben es sich an diesem hochsommerlich-sonnigen Freitagnachmittag Mitte August 1959 zahlreiche Badegäste auf Decken und Handtüchern bequem gemacht.

Ein beliebtes Ausflugslokal: “Onkel Gustav’s Hütte” in den 1950er Jahren – Foto: Dr. Peter Weidemann

Die Wiese mündet nämlich in den Hattsteinweiher, dem einzigen offiziellen Badesee im Usinger Land. Eigentlich ist der nichts weiter als ein künstlich angelegter Teich, etwa 1,6 Hektar groß, umgeben von einem Rundweg.

Der Hattsteinweiher bei Usingen heute – vom Rundweg aus in Richtung Liegewiese fotografiert: Rechts hinten im Bild ist die Stelle zu sehen, an der einst Onkel Gustav’s Hütte stand. Es gibt sie schon lange nicht mehr, dafür einen Strand und ein Ausflugslokal – Foto: memphisflash.de

Der Hattsteinweiher liegt vor den Toren des kleinen Örtchens Usingen im Hochtaunus, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Von den Friedberger Ray Barracks aus, wo Elvis Presley vom Herbst 1958 bis März 1960 als Späher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division seinen Wehrdienst absolviert, erreicht man den Weiher mit dem Auto in einer knappen halben Stunde.

GI Presley vor dem Schild seiner Einheit in Friedberg 1958 – kurze Zeit nach dieser Aufnahme wechselte er zur Company C.

Der Hattsteinweiher ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region – im Sommer zum Zelten, Campen und Baden, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Und er ist so ziemlich die einzige Attraktion, die Usingen seinen knapp 5.000 Einwohnern in den 1950ern an einem heißen Sommertag zu bieten hat.

Niemand weiß das besser als der 15-jährige Peter Weidemann, der 1959 in dem Städtchen wohnt und hier das örtliche Gymnasium, die Christian-Wirth-Schule, besucht. 1963 wird er in Usingen sein Abitur machen. Aber noch ist es nicht so weit.

Blick über die Dächer von Usingen heute: Das schlossartige Gebäude in der hinteren Bildmitte ist die Christian-Wirth-Schule, an der Peter Weidemann 1963 sein Abitur macht. Foto: Wikipedia

Keine halbe Stunde bevor Peter an diesem 14. August 1959 zum ersten Mal vor Elvis Presley steht, hat er noch keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und damit auch sein Ferienjob auf dem Bau. Es ist glücklicherweise ein Freitag und er hat früher mit der Arbeit Schluss machen können.

Jetzt heißt es schnell die Badesachen packen, bloß das wertvolle Philips-Kofferradio, ein Geschenk zur Konfirmation, nicht vergessen und die 10 Minuten zum Hattsteinweiher laufen, wo sein jüngerer Bruder Günther und die Clique um seinen gleichaltrigen Freund Hermann sicher schon auf ihn warten.

Fahrrad und Radio immer dabei: Die “Weiher-Clique” um Peter (in der Mitte) und Hermann (im dunklen Shirt links hinter Peter) am Hattsteinweiher in Usingen. Foto: Dr. Peter Weidemann

Doch kaum hat er sein Zuhause in der Hattsteiner Allee verlassen, sieht er plötzlich seinen Freund auf seinem Rennrad die Allee hinunter sausen. Mit einer Vollbremsung macht er vor Peter Halt. “Peter, du musst unbedingt umkehren und einen Fotoapparat holen. Der Elvis ist am Weiher”, stößt Hermann aufgeregt und völlig außer Atem hervor. “Hier nimm mein Rad, ich warte hier auf dich”, sagt Hermann.

Peter weiß, sein Freund ist nicht nur wie er ein begeisterter AFN-Hörer, sondern auch ein riesiger Elvis-Fan, während er selbst sich genauso gerne Buddy Holly oder Frankie Avalon hört. Dass Elvis sich ausgerechnet an “den Weiher” zu Onkel Gustav verirrt, ist dennoch wie ein Sechser im Lotto. Peter schnappt sich ohne viel Federlesen das Rad von Hermann und saust zurück zum Elternhaus, wo Vater Weidemann seine Kamera, eine Agfa Clack, aufbewahrt. Und Gott sei Dank ist heute auch ein Film drin.

Zusammen machen sich die beiden Jungs in großer Eile auf dem Weg zum Weiher und dort schnurstracks an den Tisch, an dem der King in aller Seelen Ruhe sitzt und eine Cola trinkt. Als sie ankommen, ist es etwa 15.00 Uhr am Nachmittag. Und obwohl einiges los ist am Weiher – viele Kinder und Jugendliche genießen die Badesaison – haben erst wenige Elvis Presley erkannt.

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Elvis’ Gitarrist James Burton

„Ich war gerne mit ihm zusammen, er war witzig, hatte gerne Spaß, konnte aber auch ernst und tiefsinnig sein – er war einfach großartig in der Zusammenarbeit… einer der größten Künstler unter den vielen, mit denen ich gearbeitet habe. Ein klasse Typ”. Das sagt James Burton über seinen ehemaligen Boss Elvis Presley.

Was Elvis’ langjähriger Gitarrist –  laut Magazin Rolling Stone die Nummer 19 unter den 100 besten Gitarristen aller Zeiten – noch so alles über den King zu sagen weiß, wird im Rahmen des European Elvis Festival 2017, das vom 18. bis 20. August 2017 zum 16. Mal in Bad Nauheim stattfindet, zu hören sein. Und natürlich heißt es dann auch wieder frei nach Elvis: Play it, James!

In diesem Jahr wird der Gitarrist mit der TCB-Band und Dennis Jale eine neue Show auf die Festival-Bühne bringen, und zwar die Living-Room-Sessions, bei der es Elvis’ Band (nahezu) unplugged zu erleben gibt → hier geht’s zum Festival-Programm. Am Festivalsamstag (19. August) wird James zusammen mit Glen D. Hardin, dem langjährigen Pianisten der TCB-Band, in einer Talkshow aus seiner Zeit mit Elvis erzählen. Aber wer ist James Burton eigentlich?

Play it, James!

James Burton (* 21.8.1939 in Louisiana) – Lead-Gitarrist und so etwas wie der Leitwolf in Elvis’ TCB-Band – spielt seit seinem 13. Lebensjahr Gitarre, nach eigener Aussage hat er sich das Spielen selbst beigebracht. Schon mit 14 Jahren wurde er für die Hausband der sehr populären Radio-Show Louisiana Hayride engagiert, wo er – rein theoretisch – damals schon auf Elvis Presley hätte trennen können, der dort von 1954 bis 1956 regelmäßig auftrat – mit seinem damaligen Gitarristen Scotty Moore.

Es kam aber wohl zu keiner persönlichen Begegnung in dieser Zeit, auch wenn James eine ganze Reihe witziger Insider-Geschichten vom Hayride parat hat – etwa die, wie es dazu kam, dass George Jones von Elvis himselvis hinter der Bühne eine ordentliche Abreibung verpasst kam. In dieser Talkshow-Runde erzählt er es:

James jedenfalls verfolgte in den Folgejahren weiter seine eigene Karriere, spielte 1957 in der Band von Dale Hawkins und erlangte früh eigene Berühmtheit durch sein Gitarrensolo in dessen Hit Suzie Q, heute bewertet als einer der 500 größten Rock ‘n’ Roll Songs überhaupt.

Zwischen 1958 und 1964 war Burton Mitglied in der Band von Rickie Nelson (Hello Mary Lou), entwickelte sich zu einem der gefragtesten Session-Gitarristen im amerikanischen Musikgeschäft, der viele Country- und Rockgitarristen beeinflusst hat. Burton spielt am liebsten die Fender Telecaster und ist für seine Spielweise des „Chicken-Picking“ legendär.

1964 war Burton erstmals musikalisch an einer Elvis-Session beteiligt, und zwar dem Soundtrack zum Film Viva Las Vegas.

Er spielte außerdem bei Aufnahmen von Frank Sinatra, Bobby Darin, den Everly Brothers und Dean Martin – war von 1964 bis 1966 Mitglied der Rockband Shindogs – fester Bestandteil der sehr populären TV-Serie Shindig! des Sender ABC. Hier gaben sich viele Musikstars der damaligen Zeit die Klinke in die Hand – afroamerikanische ebenso wie weiße, was längst keine Selbstverständlichkeit war. Auch Pianist Glen D. Hardin war hier schon mit von der Partie.

Wer so eine musikalische Reputation hat, der ist einem Elvis Presley natürlich nicht entgangen. Als der Memphis Flash 1968 zu seinem Comeback anhob, rief er James Burton an, um ihn für sein TV-Special ELVIS zu engagieren. Aber James musste ablehnen, weil er schon ein aktuelles Projekt mit Sinatra hatte.

1969 meldete Elvis sich wieder – echt hartnäckig der Mann 😉 – mit der Neuigkeit, dass er wieder live auftreten wolle und daher eine richtig gute Band brauchte. Er bat James in einem stundenlangen Telefonat darum, ihn bei der Suche nach passenden Musikern zu unterstützen. Gesagt, getan: die legendäre TCB-Band wurde 1969 gegründet – James war führendes Mitglied bis zu Elvis Presleys Tod 1977. Weitere Mitglieder waren neben Burton 1969 zunächst Larry Muhoberac (Piano), Ronnie Tutt (Schlagzeug) und Jerry Scheff (Bass).

Geradezu zum geflügelten Wort geworden ist Elvis Presleys auf zahllosen Aufnahmen zu hörender Ausruf: Play it, James!, der unmissverständlich eins von Burtons Solos ankündigte. Wie James Burton heute über seinen ehemaligen “Ansager” denkt, erzählt er hier:

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Elvis’ Pianist Glen D. Hardin

Glen D. Hardin, Elvis’ langjähriger Pianist aus der TCB-Band, ist wieder mit von der Partie, wenn es vom 18. bis 20. August 2017 beim 16. European Elvis Festival in Bad Nauheim heißt: It’s Elvis Time!

Pianist Glen D. Hardin umringt von Fans in Bad Nauheim 2013

Kein Zweifel, der Texaner hat Feuer gefangen für die idyllische Kurstadt in der Wetterau, in der sein berühmter Boss während seiner Stationierung als GI in der Ray Barracks-Kaserne im benachbarten Friedberg für anderthalb Jahre wohnte.

Seit 2002 wird hier im Herzen der Wetterau von der Elvis Presley Gesellschaft jährlich das European Elvis Festival veranstaltet, das sich zu einem Anziehungspunkt für Fans des King aus aller Welt entwickelt hat. Und Glen Hardin ist als Festival-Gast ein gern gesehener Wiederholungstäter.

In diesem Jahr wird der Pianist mit der TCB-Band und Dennis Jale eine neue Show auf die Festival-Bühne bringen, und zwar am 18. August die Living-Room-Sessions, bei der es Elvis’ Band (nahezu) unplugged zu erleben gibt. Klingt spannend – ist aber weit weitem nicht das einzige musikalische Highlight des diesjährigen Festivals → das komplette Programm.

Am Festivalsamstag (19. August) wird der sympathische Glen in einer Talkshow aus seiner Zeit mit Elvis erzählen. Aber wer ist dieser Glen eigentlich genau?

On piano: Glen D. Hardin

Glen D. Hardin (* 18.4.1939 in Texas) ist der Clown unter den TCBlern. Selten ist er um einen Gag oder eine lustige Geschichte verlegen, er hat auf eine sehr sympathische Weise ein sonniges Gemüt.

Den Rummel um ihn scheint er nicht allzu ernst zu nehmen. Gerne lässt er seinem langjährigen Weggefährten und Vorzeige-TCBler James Burton den Vortritt… schließlich ist er selbst ja “nur” der Pianist!

Auf den ersten Blick wirkt Glen unscheinbar, man kann sich nicht gleich vorstellen, dass er laut Bandkollegen ein ziemlicher Womanizer gewesen sein soll. Erst wenn man direkt mit ihm spricht, lassen der langgedehnte Tonfall und der Charme des Texaners erahnen, dass das sehr wohl mehr als nur ein Gerücht sein könnte.

Glen D. stammt aus Texas und begann im Alter von acht Jahren mit dem Klavierspiel, zunächst jedoch ohne die Absicht, daraus je einen Beruf zu machen. Das änderte sich, als er nach seinem Dienst in der Navy 1959 begann, im bekannten Palomino Club in Hollywood – “Country Music’s most important West Coast club” – zu spielen. Hier traf sich die Country-Szene und Glen war mittendrin.

Glen D. Hardin mit Elvis bei den Proben zum Dokumentarfilm 'Elvis That's The Way It Is' (1970)

Glen D. Hardin mit Elvis bei den Proben zum Dokumentarfilm ‘Elvis That’s The Way It Is‘ (1970)

Seine Karriere bekam richtig Auftrieb, als er 1962 Mitglied der Crickets wurde, die zuvor Buddy Hollys Band gewesen waren. In dieser Zeit begann Glen für die Crickets und andere Musiker Songs zu komponieren. 1965 hatten Gary Lewis and The Playboys mit Glens Song Count Me In einen Nr. 1-Hit.

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Einmal in Elvis’ Bett schlafen

Einmal in Elvis’ Bett schlafen oder auf demselben grünen Sofa ein Nickerchen halten. Diesen Traum können sich die deutschen Fans des King demnächst ganz leicht erfüllen.

Elvis lesend auf dem grünen Sofa im Bad Nauheimer Hotel Grunewald – Foto: Elvis As Any Other Soldier von Jerry Osborne

Der Clou: Sie müssen dafür nicht weit reisen. Es reicht ein Trip in die Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim, wo Elvis während seines Militärdienstes in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 seine Zelte aufschlug.

Rechtzeitig vor dem 40. Todestag des King wird dort nämlich im August 2017 die Villa Grunewald nach Jahren des Leerstandes als Hotel und Boarding House neu eröffnet, wie die Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH mitteilt.

Das Hotel Grunewald in unmittelbarer Nähe des Kurparks in Bad Nauheim heute – Foto: www.memphisflash.de.

Das Grunewald ist das Hotel, in dem Elvis mit seinem Vater, seiner Großmutter und den Freunden Lamar Fike und Red West vom Herbst 1958 bis Anfang 1959 für etwa vier Monate wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 anmietete.

Im Grunewald hatte der King eines der schönsten Zimmer mit Blick auf den Kurpark – das Zimmer Nummer 10 im obersten Stockwerk des alterwürdigen Hotels. Und genau dieses Zimmer kann man ab August 2017 wieder als Hotelgast bewohnen.

Elvis’ Zimmer Nr. 10 im Hotel Grunewald – Foto aus 2011: Winfried Eberhardt

 

Zum Vergleich: Red West hat es sich auf Elvis’ Bett im Zimmer Nr. 10 gemütlich gemacht – 1958/59 – Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010.

Villa Grunewald: King’s Castle

Vor zwei Jahren war das Grunewald, das heute noch fast genau so aussieht wie zu der Zeit, als Elvis hier residierte, von den Bad Nauheimer Architekten Alfred und Christian Möller gekauft worden.

Das stadtbildprägende Haus in der Terrassenstraße 10 aus dem Jahr 1888 hatte nach dem Auszug der inzwischen verstorbenen früheren Eigentümerin Rita Issberner-Haldane seit 2011 leer gestanden. Eine Wiedereröffnung als Hotel unter Beibehaltung des historischen Ambientes bot sich an.

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Elvis, ein Biest und zwei Frolleinwunder

“Jetzt drück’ mal richtig auf die Tube. Ich will sehen, was das Biest drauf hat.” William Taylor, First Lieutenant (Oberleutnant) der US-Armee, hat den Satz noch nicht ganz beendet, als sein Fahrer, der auf diesen Befehl offensichtlich gewartet hat, das Gaspedal des schwarzen 1952er-Fords bis unten durchtritt und zum Überholen ansetzt. Die Tachonadel schnellt nach oben, die Landschaft entlang der A5 fliegt nur so vorbei.

“Das nenn’ ich fahren”, freut sich Taylor und schaut rüber zum Mann hinter dem Steuer. Dessen blau-graue Augen blitzen übermütig, die auffallend vollen Lippen haben sich zu einem schiefen Lächeln verzogen, das eine Reihe makelloser Zähne freilegt. Er weiß: Der Wagen, in dem Taylor und er an diesem Sonntag im Frühjahr 1959 die A5 in Richtung Frankfurt entlang brausen, ist ebensowenig ein normaler Ford wie er ein normaler Fahrer ist. Der Mann am Steuer ist Private First Class (Obergefreiter) Elvis Presley, hauptamtlich King of Rock ‘n’ Roll, der Ford – von seinem Besitzer Taylor liebevoll “das Biest” genannt, ein verkappter Cadillac mit V8-Motor.

  • Im Gleichschritt eins, zwo, drei, vier: GI Elvis Presley in Deutschland.

Kurz bevor Elvis, der seinen Wehrdienst im Spähtrupp einer amerikanischen Panzerdivision – genauer gesagt der Company C der 3rd Armored Division – im hessischen Friedberg  leistet, und sein Vorgesetzter bei Friedberg auf die A5 gefahren sind, haben sie sich zum Schrauben am “Biest” in Little Texas getroffen. In der Wohnsiedlung für amerikanische GIs in der Nähe der Ray Barracks-Kaserne wohnt der 26-jährige William Taylor mit seiner Frau Peggy und den beiden Kindern.

Elvis selbst, zwei Jahre jünger als sein”Lootenet”, hat seine Zelte in der nahegelegenen Kurstadt Bad Nauheim aufgeschlagen, wo er erst vor wenigen Wochen für sich, seinen Vater, die Großmutter und zwei Freunde ein Einfamilienhaus in der Goethestraße 14 angemietet hat.

An diesem Sonntagnachmittag hat der King das wöchentliche Football-Spiel mit seinen Kumpels auf der grünen Wiese in der Nähe vom Bad Nauheimer Gradierwerk IV extra kurz gehalten, um Taylor dabei zu helfen, in den getunten Ford Baujahr 1952, der neben dem besagten V8-Motor noch so allerlei weitere Optimierungen aufweist, einen neuen Zündkondensator einzubauen.

Taylor ist ganz schön überrascht, als sein berühmter Gast, der noch in seiner Sportkleidung bei ihm auftaucht, ihm nicht nur zur Hand geht, sondern das Teil gleich selbst einbaut. Er habe, so erklärt Autonarr Elvis, schon als Jugendlicher, wann immer sich die Gelegenheit ergab, an Hot Rods geschraubt. Benzin liege ihm einfach im Blut.

Nach so viel tatkräftiger Hilfe bleibt Zeit für eine Runde Geschwindigkeitsrausch auf der “German Autobahn”. “Hammer, wie das Teil beschleunigt”, bemerkt Elvis, als von hinten ein Mercedes-Cabrio kommt und an ihnen vorbei zieht, als sie gerade die nächste Ausfahrt nehmen wollen.

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The Wonder Of You: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra

Die Macher der sehr erfolgreichen Scheibe von If I Can Dream: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra (2015), das im letzten Jahr mit einem Duett von Elvis und Michael Buble zum Song Fever für Furore sorgte, haben erneut zugeschlagen.

Die zweite Produktion von Sony, die erneut bekannte und weniger bekannte Elvis-Songs aus allen Schaffensphasen neu arrangiert mit dem Royal Philharmonic Orchestra präsentiert, heißt The Wonder of You.

Ende Oktober 2016 erschienen, katapultierte The Wonder of You den King – wie schon der Vorgänger – im Eiltempo auf Platz 1 der britischen Charts, in Deutschland unter die Top 20.

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In Deutschland sorgte die Veröffentlichung schon vor Erscheinen für einen Sturm der Entrüstung in der immer noch stattlichen Elvis-Fangemeinde, da The Wonder Of You ein Duett von Elvis mit der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer enthält.

Ausgerechnet Helene Fischer, hieß es. Fischer durfte sich über einen regelrechten Shitstorm in Social Media “freuen”. Der Song, bei dem die beiden zusammen zu hören sind, ist Just Pretend. The Wonder of You ist der Auftakt zu einer Elvis-Tournee des Royal Philharmonic Orchestra, die im Frühjahr 2017 auch in Deutschland Halt macht.

Damit sich jeder selbst ein Bild von der neuen Scheibe inkl. Elvis-Helene-Duett machen kann, kommen hier die Tracks inkl. Duett.

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Revisited: Die letzte Reise des stillen Beobachters

2 Jahre ist das jetzt her: Meine Reise mit Elvis’ berühmten Fotograf Alfred Wertheimer in seine jüdische Vergangenheit nach Coburg. Als kleiner Junge ist Alfred Wertheimer mit Eltern und Bruder nur knapp der Ermordung durch die Nationalsozialisten entkommen. Die Familie konnte 1936 noch rechtzeitig in die USA emigrieren.

Alfred Wertheimer vor dem Familengrab auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Alfred Wertheimer im August 2014 vor dem Grab seiner Familie auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Nur zwei Monate nach seinem letzten Deutschlandbesuch ist Alfred Wertheimer am 19. Oktober 2014 in seiner Wahlheimat New York verstorben.

Der stille Beobachter des King hat einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung, nicht nur wegen seiner wunderbaren Elvis-Fotografien, sondern als eine große Persönlichkeit, die mich auf der letzten Reise zu seinen Anfängen mit seiner Großzügigkeit, Intelligenz, mit Charme und Humor verzaubert hat → Elvis’ Fotograf Alfred Wertheimer: Reise in die Vergangenheit.

Spotlight 1. Oktober 1958: E-Day – G.I. Elvis erobert Friedberg

Claus-Kurt Ilge steht mitten auf den Eisenbahnschienen, sein stahlblauer Blick ist nachdenklich in die Ferne gerichtet. Die Schienen gehören zu der alten, längst verlassenen und mittlerweile dicht zugewachsenen Truppenverladerampe der ehemaligen US-Kaserne Ray Barracks in Friedberg.

Genau hier betrat am Abend des 1. Oktober 1958 der berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat, erstmals Friedberger Boden: Elvis Presley. Zum “Begrüßungskomitee” auf dem schwer zugänglichen Gelände der Amerikaner gehörte 1958 neben einigen Journalisten auch eine Gruppe bestens informierter Teenager. Der damals 16-Jährige Claus-Kurt Ilge war einer von ihnen.

  • Claus-Kurt Ilge auf den Schienen an der Truppenverladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks im August 2015 - Foto: memphisflash.de

Das war kein Zufall. Während eine große Menge Schaulustiger ebenso geduldig wie vergeblich am Friedberger Hauptbahnhof auf die Ankunft des King of Rock ‘n’ Roll wartete, der zusammen mit vielen andern G.I.s per Militärzug direkt aus Bremerhaven kam, wusste der Friedberger Elvisfan Claus-Kurt sehr genau, wo die US-Armee ihre neuen Soldaten für die Ray Barracks ablieferte: nämlich genau hier an der Rampe. Als wir uns Jahrzehnte später im August 2015 an der ehemaligen Truppenverladerampe treffen, erzählt der junggebliebene ehemalige Fernmeldetechniker mit dem unverkennbaren schneeweißen Haarschopf, wie es dazu kam.

Amerikanisches Lebensgefühl in der Wetterau: AFN, Elvis und die Ray Barracks

1958 wohnt der 16-jährige Claus-Kurt noch bei seinen Eltern in Friedberg und besucht die Realschule. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Hausfrau – Claus-Kurt wächst in einer gutbürgerlichen Familie auf. Als der wildeste der drei Ilge-Jungs hat er für Lernerei und Schule nicht viel übrig. Das Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre ist vor allem eins: ziemlich grau und spießig. Das fängt bei der Musik an, die die Elterngeneration bevorzugt, etwa Rudi Schuricke, Fred Bertelmann und Paul Kuhn, und hört bei den Klamotten auf, die für Teenager damals als angemessen galten. Alles nichts für Claus-Kurt.

Aber da gibt es – in der direkten Nachbarschaft in Friedberg – noch eine andere Welt, so viel moderner und lässiger. Die Welt der US-Amerikaner in den Ray Barracks. Die neuen Nachbarn bringen ihre eigene Musik mit, verbreitet vom AFN, American Forces Network, der die amerikanischen Soldaten im besetzten Nachkriegsdeutschland mit Heimatklängen versorgt. Dabei hat der AFN schnell eine große Hörergemeinde unter den deutschen Jugendlichen, darunter auch Claus-Kurt. Hören kann er AFN allerdings nur heimlich, wenn die Eltern nicht zuhause sind. Schnell wird dann das Familienradio vom Hessischen Rundfunk auf den “Ami-Sender” eingestellt.

Da war die Stimme von diesem Elvis Presley – die faszinierte mich sofort, als ich sie 1956 zum ersten Mal hörte” , erzählt Claus-Kurt Jahrzehnte später. Nur erwischen lassen darf sich der 16-Jährige dabei von den Eltern nicht, sonst heißt es: “Der Saubub hört schon wieder Elvis” . Und ein paar hinter die Löffel gibt es wahrscheinlich auch. Dabei wachsen die deutschen Jugendlichen mit den Amerikanern in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft auf, nehmen sie längst als Freunde, nicht als Besatzer oder ehemalige Feinde wahr. Für die Eltern- und Großelterngeneration sieht das hingegen ganz anders aus: Vater Ilge war als Soldat im Zweiten Weltkrieg, er fühlt sich als Besiegter… besiegt von den Amerikanern.

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Mein Nachbar Elvis

Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte G.I. auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ‘n’ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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14. European Elvis Festival 2015 oder TCB in Graceland East

Taking Care of Business  heißt es für Elvis Presley vom 14. bis 16. August 2015. Denn an diesem verlängerten Wochenende hat er eine der wichtigsten Verabredungen im Jahr, und zwar die mit seiner immer noch stattlichen europäischen Fangemeinde in der schönen deutschen Wetterau. Also genau dort, wo er vom 1. Oktober 1958 bis 2. März 1960 als G.I. der 3. US-Panzerdivision stationiert war. Dienst tat der King damals in den Friedberger Ray Barracks, als Wohnort wählte er Bad Nauheim (→ Wandeln auf Elvis’ Pfaden in Bad Nauheim). So wurde die beschauliche Kurstadt schon in den 1950ern zu → Kings Town – zu Elvis Presleys Graceland East.

  • European Elvis Festival in Bad Nauheim: Selbst das Rathaus hisst die Elvis-Flagge

Das wiederholt sich seit 2002 jedes Jahr Mitte August, wenn Bad Nauheim das European Elvis Festival feiert. Dann werden in Bad Nauheim die Elvis-Fahnen gehisst und ein buntes Festivalprogramm bietet Fans und solchen, die vom King noch erobert werden wollen – ein paar Widerspenstige soll’s ja geben 😉 -, viel Unterhaltung und noch mehr Spaß mit Auftritten von Elvis’ ehemaligen Bandmitgliedern, Elvis-Kino-Sessions, Cadillac-Corsos und Führungen zu Elvis‘ Lieblingsplätzen in Bad Nauheim.

Längst hat das Festival Kultstatus erreicht und zieht Fans aus ganz Europa und sogar Australien und den USA an. Veranstaltet wird das European Elvis Festival übrigens von der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH in Zusammenarbeit mit der Elvis Presley Gesellschaft e.V., die ihren Sitz in Bonn hat. Mehr zum Konzept des Festivals in meinem  → Interview mit den Machern aus 2014.

Das diesjährige Festivalprogramm (siehe unten) gleicht dem des Festivaljahres 2013. Das liegt vor allem an dem Highlight, nämlich Konzert, Talkrunde und Autogrammstunde mit Mitgliedern von Elvis Presleys berühmter → TCB-Band. Das ist die Band, mit der der King von 1969 bis 1977 praktisch all seine Live-Konzerte bestritt und mit der er in den Dokumentarfilmen Elvis That’s The Way It Is (1970), Elvis On Tour (1972) sowie dem berühmten Satelliten-Special Aloha From Hawaii (1973) zu sehen ist. Diese rüstigen und dabei sehr witzigen Herren sollte man sich nicht entgehen lassen. Mit dabei in diesem Jahr außerdem mit Terry Blackwood ein Originalmitglied der Gospel-Gesangsgruppe The Imperials, die Elvis nicht nur auf dem Weg zu seinem ersten → Grammy begleitet hat.

Nicht mit von der Partie ist diesmal allerdings TCB-Schlagzeuger Ron Tutt, denn der ist wegen einer Tournee mit Neil Diamond leider verhindert. Kein Witz: Die noch aktiven Mitglieder der TCB-Band haben Elvis’ Motto Taking Care of Business in a Flash längst verinnerlicht und sind selbst im Alter von über 70 noch ganz vorne mit dabei.

Als Ersatz für Ron Tutt ist Sam Thompson am Start. Er arbeitete in den 1970ern als Bodyguard Elvis Presleys und ist außerdem Bruder von Linda Thompson, Lebensgefährtin des King zwischen 1972 und 1976. Hier darf man sich auf viele Anekdoten aus der königlichen Privatschatulle gefasst machen. Sam ist eloquent, sehr umgänglich und hat einen interessanten Werdegang.

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