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The Elvis Spirit: Interview mit Angela Storm von der Initiative ‚Elvis in Bronze‘

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Elvis Presley kehrt zurück – in Bronze – nach Bad Nauheim. Am 13. August 2021 wird die lebensgroße Bronze-Statue des King of Rock ’n‘ Roll, die ihren Platz auf einer Fußgängerbrücke über dem Flüsschen Usa gefunden hat, eingeweiht. Möglich gemacht haben das die Macherinnen hinter der Initiative „Elvis in Bronze“. Im Interview mit The Memphis Flash erzählt Angela Storm, wie Bad Nauheim zu einer einzigartigen Elvis-Statue kam.

Einzigartig: Bronzener GI Elvis Presley in Bad Nauheim 2021 – Foto: www.memphisflash.de

Doch was genau macht die Bad Nauheimer Elvis-Statue so besonders – abgesehen von ihrer interessanten Entstehungsgeschichte? Zunächst einmal ist sie die Erste ihrer Art in Deutschland und sie dürfte darüber hinaus die Einzige weltweit sein, die Elvis Presley als amerikanischen Soldaten in Uniform zeigt. Damit wird die Statue auch zu einem Symbol deutsch-amerikanischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wir erinnern uns: Als GI war der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Friedberger Ray Barracks stationiert und wohnte im benachbarten Kurort Bad Nauheim. Die kleine Fußgängerbrücke zwischen Stadtbücherei und Rosengarten, die seine Statue nun schmückt, dürfte Elvis so manches Mal auf seinem Weg von der Goethestraße, wo er ein Haus angemietet hatte, in den Ortskern Bad Nauheims überquert haben.

Wie man sich das vorstellen kann, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1959, auf dem der Superstar als flanierender GI zu sehen ist, der auf der Brücke einen Moment innehält, um in schmucker Uniform für einen Pressefotografen zu posieren. Das Foto war eigentlich für ein Plattencover gedacht – doch daraus wurde nichts. Mehr als ein halbes Jahrhundert später sollte es als Vorlage für weitaus Größeres dienen – eine originalgetreue Bronze-Statue.

Lässiger Flaneur: GI Elvis Presley am Brückengeländer über dem Flüsschen Usa in Bad Nauheim 1959

Ein Selfie mit dem erstaunlich lebensechten Bronze-Elvis, der lässig am eigens für ihn rekonstruierten historischen Brückengeländer lehnt, das können ab Mitte August flanierende Touristen und Fans aus aller Welt machen, egal ob sie zum Kuraufenthalt, Urlaub oder den Besuch des European Elvis Festivals (→ Festivalprogramm 2021) nach Bad Nauheim kommen.

Und eins ist jetzt schon sicher: Der Bronze-Elvis auf der Usa-Brücke dürfte eines der meistfotografierten Motive in der Region werden. Ein willkommener Tourismusmagnet für das rund 30 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegene Städtchen Bad Nauheim, das etwa 32.000 Einwohner zählt. Noch dazu ein Lichtblick für das von der Corona-Pandemie stark getroffene regionale Gastgewerbe. Entsprechend klingt das Ganze nach der Idee eines ausgefuchsten Tourismus-Marketing-Managers. Doch weit gefehlt.

Hinter dem Bronze-Elvis stecken die ebenso sympathischen wie tatkräftigen Elvis-Fans Angela Storm aus Lübeck und Meike Berger aus Bochum von der ehremamtlichen Initiative „Elvis in Bronze“. Wie es ihnen mit ordentlich viel „Elvis-Spirit“ gelang, den King mehr als 60 Jahre nach seiner Abreise zurück nach Bad Nauheim zu holen, das erzählt Angela Storm jetzt im Interview.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Frau Storm, wie sind Sie als Lübeckerin eigentlich auf die Idee gekommen, eine lebensgroße Elvis-Statue für Bad Nauheim auf den Weg zu bringen? Sind Sie Elvis-Fan?

Angela Storm: Ja, ich bin seit meiner Kindheit Fan. Elvis hat mich durch meine ganze Teenagerzeit begleitet. Dann habe ich irgendwann geheiratet und Kinder bekommen und das Ganze ist ein bisschen eingeschlafen. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nicht zu einer Veranstaltung begleiten will, auf der auch ein Elvis-Double aufgetreten ist. Das habe ich gemacht – und danach ist alles wieder aufgeflammt bei mir. Ich habe angefangen meine Elvis-Sammlung durchzugehen, zu schauen, was habe ich, was fehlt mir noch. Es kommen ja auch ständig neue Veröffentlichungen raus. Dann bin ich das erste Mal auf so ein Festival gefahren.

The Memphis Flash: Sie meinen das European Elvis Festival, das jedes Jahr im August in Bad Nauheim stattfindet?

Angela Storm: Genau. Ich habe damals jedenfalls gedacht: Meine Güte, was ist denn hier los? Ich war davon ausgegangen, dass die Elvis-Szene nach so langer Zeit ein bisschen eingeschlafen ist. Aber die ist nach wie vor sehr lebendig. Als Fan wird man auch immer wieder spontan auf Elvis angesprochen, ob das in der Bank am Schalter ist, wenn zufällig ein Elvis-Schüsselanhänger aus der Tasche guckt, oder von Autofahrern, die ihren Wackel-Elvis spazieren fahren. Das ist schon witzig. Jedenfalls fahre ich jetzt seit circa 15 Jahren jedes Jahr nach Bad Nauheim zum European Elvis Festival. Und dann ist da eben immer diese Enttäuschung, wenn man vor der Stele steht.

The Memphis Flash: Sie meinen die Stele, die zum Gedenken an Elvis 1995 neben den Hotel Villa Grunewald aufgestellt wurde und die geradezu berühmt dafür ist, dass sie Elvis Presley nicht besonders ähnlich sieht?

Keine Ähnlichkeit mit dem King: Elvis-Stele vor dem Hotel Villa Grunewald in Bad Nauheim – Foto: The Memphis Flash

Angela Storm: Ja. Ohne den Typ, der sie entworfen hat, angreifen zu wollen, aber jedes mal, wenn wir vor der Stele in Bad Nauheim standen, haben wir gedacht: Das gibt’s doch nicht, das muss doch besser gehen. Dann waren Meike Berger und ich in Memphis und haben dort einge Elvis-Statuen gesehen. Wir waren auch in Dänemark, wo der Fan Henrik Knudsen das ganze Graceland-Gebäude nachgebaut hat. Auch er hat eine Statue. Dann kam das nächste Elvis-Festival. Und irgendwann haben wir uns gesagt: Das kann doch nicht angehen – jedes Jahr dasselbe Gemecker. Wir müssen endlich was machen. Vielleicht lässt sich so eine Bronze-Statue über Spenden finanzieren. Also haben wir angefangen zu recherchieren, was so eine Statue kostet und ob es überhaupt erlaubt ist, Elvis als Statue nachzubilden. Auch war uns klar, dass wir das nicht einfach der Stadt aufbürden können. So kam der Stein ins Rollen.

Geben alles für den Bronze-Elvis: Angela Storm (rechts) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Was muss man denn anlegen für eine lebensgroße Bronze-Statue?

Angela Storm: Man muss zwischen 30.000 und 40.000 Euro anlegen. Wir liegen aktuell bei 35-36.000. Wenn man es vom Acrylbauer gestalten lässt, dann ist es weitaus günstiger. Das haben wir auch zuerst versucht, aber die Optik hat uns einfach nicht überzeugt. Und wir wollten ja nicht irgendeine Statue haben – wir wollten etwas wirklich Gutes haben. Viele der Statuen, die wir uns angeschaut hatten, haben dasselbe Problem: Das Gesicht ist nicht so getroffen, wie es sein sollte. Kurz: Wir hatten zwei Herausforderungen – die Optik und das Geld.

The Memphis Flash: Und wie haben Sie die Stadt Bad Nauheim ins Boot bekommen?

Angela Storm: Wir haben angefragt, ob die Stadt bereit wäre, die Statue aufzustellen, wenn wir sie über Spenden finanzieren. Steffen Schneider, der Leiter Kur- und Servicebetrieb, war sofort ganz begeistert von der Idee. Der Vorschlag, den Elvis auf der Brücke aufzustellen, kam dann auch von der Stadt, weil die Brücke am Rosengarten ohnehin saniert werden musste und es eben dieses Foto von Elvis auf der Brücke gibt. Wir hatten zunächst noch die Idee, den Elvis vor die Villa Grunewald zu stellen. Wir haben dann aber sofort gesagt: Das mit der Brücke machen wir.

The Memphis Flash: Jetzt musste aber noch die Finanzierung gesichert werden?

Angela Storm: Mir war sofort klar: über Spenden. Ich habe dann bei Maria Hesterberg, der Vorsitzenden der deutschen Elvis Presley Gesellschaft e. V., angefragt, ob wir etwas über Spendengelder und Sponsoren organisieren könnten. Sie hat uns gleich gesagt, dass es schwierig wird, die Leute zu einer Spende zu motivieren. Der Verein hatte die Erfahrung schon gemacht, als eine gestohlene Gedenkplatte über Spenden ersetzt werden sollte. Und da habe ich mir gesagt: Ja, das ist auch schwierig.

Unterwegs mit Elvis-T-Shirt und Sammeldose: Angela Storm (re.) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Misstrauen gegenüber Spendensammlern?

Angela Storm: Man muss die Leute einfach direkt ansprechen. So sind Meike und ich auf die Idee mit den Sammeldosen gekommen. Wir wollten direkt an den Fan ran, um von unserer Idee zu erzählen. Wir haben auch Flyer gedruckt und uns T-Shirts machen lassen. Auf dem European Elvis Festival 2018 sind wir dann voller Enthusiasmus mit den Sammeldosen rumgelaufen und haben die Dosen auch in Geschäften verteilt. Das war die Idee schlechthin. Gab eine Riesenwelle. Unterstützt wurden wir dabei von der Elvis Presley Gesellschaft. Natürlich ging nicht alles über die Dosen – also haben wir zusätzlich ein Go-Fund-Me-Konto eröffnet. Als das Festival 2018 zu Ende war, kam die Überlegung, was jetzt?

The Memphis Flash: Weil Sie das Geld natürlich noch nicht zusammen hatten?

Angela Storm: Genau. Wir sind dann auf jedes Konzert, das irgendwo stattgefunden hat. Wir waren ein paar Mal bei Elvis – das Musical mit einem Infostand und haben Spenden gesammelt. Und dann kamen auch schon die ersten Sachspenden der Fans rein. Daraus ist dann ein richtiger Verkaufsstand geworden. Alle Einnahmen immer in die Spendendosen rein und dann aufs Konto. Natürlich kam auch immer wieder die Frage: Was macht ihr denn, wenn ihr das Geld nicht zusammenkriegt? Da haben wir gesagt: Sowas gibt’s gar nicht. Wir sammeln so lange, bis wir das Geld zusammenhaben und wenn es fünf oder sechs Jahre dauert. Wir wollen endlich eine vernünftige Statue von Elvis haben. Aber das ist halt die Leidenschaft – das ist einfach die Freude an Elvis und an seiner Musik, die uns da immer so ein Stückchen weitergebracht hat. Die Fans haben auch immer mehr Vertrauen in uns gehabt.

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