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Dolle Tolle

Elvis Presley gilt als King of Rock ’n‘ Roll oder schlicht als King nicht nur wegen seiner Musik, den aufsehenerregenden Auftritten und der unverkennbaren Stimme, sondern auch wegen seines Stils. Als Stilikone wird er bis heute vielfach kopiert und bleibt dennoch unerreicht.

In den 1950ern sorgte er auch mit seiner Frisur für reichlich Furore.

  • "It ain't tactics, honey. It's the beast in me" - Kult: die Elvis-Tolle im Film Jailhouse Rock (1957).

Damals regierte der Bürstenschnitt auf den Köpfen – ordentlich kurz, besonders an den Seiten und im Nacken, sollte der Mann sein Haupthaar tragen. Die gebändigte Pracht auf dem Kopf ohne jegliches ChiChi stand für Ordnung und Anstand, für gefestigte moralische Werte ihres Trägers. Wenig konnte diesen militärisch anmutenden Durchschnittshaarschnitt erschüttern.

Welch ein Gegensatz dazu Elvis‘ dolle Tolle mit ihren langen Front- und Seitenpartien, die – mit viel Pomade schwungvoll nach hinten gekämmt – am Hinterkopf überlappten und so optisch an den Schwanz einer Ente erinnerten. Entsprechend schnell hatte dieser Teil der Frisur seinen Namen weg: duck’s tail, duck’s ass oder kurz D.A. in den USA – Entenschwanz hierzulande.

Herzstück der Haartracht war allerdings der über der Stirn aufgetürmte, in einer Welle aus dem Gesicht frisierte sogenannte Pompadour – kurz Pomp – plus die nach hinten gekämmten Seitenpartien, die in Elvis Presleys Variante mit (für damalige Verhältnisse) unanständig langen Koteletten akzentuiert wurden.

Pompadour, womöglich noch mit Entenschwanz und Koteletten, waren in den 1950ern der sprichwörtliche Stinkefinger in Richtung Bürstenhaarschnitt. Wer das trug, stellte sich gegen den Status Quo und hatte seinen Ruf als Querschläger und Revoluzzer weg. Und das nicht nur in den USA. Beatle John Lennon wäre wegen seiner Elvis-Frisur fast von der Schule gefolgen, wie er beim Treffen der Fab Four mit Elvis 1965 stolz erzählte.

„Before Elvis there was nothing“: Beatle John Lennon mit Elvis-Tolle.

Tollenträger wie Marlon Brando und James Dean sorgten Mitte der 1950er  in Kinofilmen wie The Wild One (Der Wilde, 1953) und Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) dafür, dass die Frisur zum Symbol für den Aufstand der „Halbstarken“ gegen die Spießergesellschaft der Erwachsenen wurde.

Angry young man: James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955)

Eine Frisur mit hoher Symbolkraft – sie wurde nicht zuletzt durch Elvis‘ Erfolg zu dem Erkennungzeichen der Rock ’n‘ Roller in den 1950ern, lebt weiter im Lebensgefühl der Rockabilly-Szene und in unzähligen modernen Varianten, getragen nicht nur von Männern wie Sänger Bruno Mars oder Fußballer David Beckham, sondern auch von weiblichen Superstars wie Rihanna.

Elvis Presley hat die Tolle nicht erfunden, ebenso wenig wie Marlon Brando oder James Dean, deren Filme der leidenschaftliche Kinogänger liebte. Aber Elvis entdeckte die Tolle schon als Teenager, der noch brav die Schulbank der Humes High School in Memphis drückte, als unübersehbaren Ausdruck des Andersseins für sich und verpasste ihr – ähnlich wie seiner Musik – früh einen eigenen Stil.

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