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Wise Men Say…

Die romantische Ballade Can’t Help Falling In Love aus dem Film Blue Hawaii (dt. Blaues Hawai, 1961) ist der weltweit beliebteste Elvis-Song. Von den mehr als 700 Songs, die der King im Laufe seiner Karriere aufgenommen hat, ist es dieses gefühlvolle Liebeslied, das heute (2019) die meisten Hörer begeistert. Ablesbar ist das u.a. an der beachtlichen Anzahl der Streams und Downloads.

Dabei dürften die zeitgenössischen Hörer meist gar nicht wissen, dass Can’t Help Falling in Love ausgerechnet einer der bis heute eher kritisch gesehenen Filmsongs des King ist. Also eines der Lieder, die auf die Handlung der zwar durchaus unterhaltsamen, aber nicht gerade tiefschürfenden Elvis-Musicals der 1960er Jahre zugeschnitten waren.

Wer sich mit der Diskussion um die Elvis-Filmsongs ein bisschen auskennt und zudem weiß, wie Elvis Presley selbst dazu stand, dürfte überrascht sein, dass gerade sie diesen Klassiker hervorgebracht haben.

Wer hingegen unvoreingenommen mit der Distanz von mehr als einem halben Jahrhundert einfach nur zuhört, kommt zu einem anderen Ergebnis. Kein Wunder, denn hinter den Filmsongs steckten oft erfahrene und erfolgreiche Komponisten, während an den Aufnahmen die besten Studiomusiker ihrer Zeit beteiligt waren. So auch bei Can’t Help Falling In Love – aufgenommen am 23. März 1961 bei Radio Recorders in Hollywood.

Wie Can’t Help Falling in Love entsteht

Text und Melodie von Can’t Help Falling In Love ist eine Gemeinschaftsproduktion, und zwar von Luigi Federico Creatore (1921-2015), Hugo E. Peretti (1916-1986) und George David Weiss (1921-2010). Die Italo-Amerikaner Creatore und Peretti waren Cousins, die in den 1950ern zunächst als Songwriter-Duo Hugo & Luigi in New York bekannt wurden, später aber auch als Plattenproduzenten in Erscheinung traten.

Das Songwriter-Duo Luigi Creatore und Hugo Peretti.

Als Songwriter arbeiteten die beiden u.a. für Mercury Records, bevor sie für Elvis‘ New Yorker Plattenlabel RCA Hits für bekannte Sänger/innen wie Perry Como, Sam Cooke und Peggy March komponierten. Wie oft bei Komponisten, die im Duo arbeiten (→ Writing for the King: Sid Tepper und Roy Bennett, → Jerry Leiber und Mike Stoller), gab es eine Arbeitsaufteilung: Luigi war eher für die Texte und Hugo eher für die Melodien zuständig.

Komponist und Arrangeur George David Weiss.

In ihrer Zeit bei RCA arbeiteten sie hin und wieder, so auch bei The Lion Sleeps Tonight – 1961 ein Nummer-Eins-Hit für die Doo-Wop-Formation The Tokens -, mit George David Weiss zusammen, der im Team sowohl Texte als auch Melodien beisteuerte. Weiss, Creatore und Peretti hatten ein Händchen dafür, internationale Melodien als Basis für ihre eigenen Kompositionen zu adaptieren.

Bei The Lion Sleeps Tonight war es das afrikanische Lied Mbube Wimoweh (Der Löwe schläft) und bei Can’t Help Falling in Love lehnten sie sich an das französische Liebeslied Plaisir d’Amour an, dessen Melodie Jean-Paul-Égide Martini (auch Johann Paul Aegidius Schwarzendorf) im späten 18. Jahrhundert komponierte.

Einen Song für den Film Blue Hawaii zu schreiben, war nicht der erst Auftrag, den das Trio 1961 von Elvis‘ Musikverlegern – den Brüdern Aberbach von Hill & Range in New York – erhielt. Sie waren zuvor schon für den Titelsong des Films Wild In The Country (Lied des Rebellen, 1961), der im Jahr zuvor gedreht worden war, erfolgreich im Rennen gewesen.

Somit kannten Creatore, Peretti und Weiss auch das Prozedere schon, an das die Komponisten von Elvis-Filmsongs sich halten mussten. Das bestand im Wesentlichen darin, dass es keinen festen Auftrag mit garantierter Abnahme der Kompositionen gab, sondern mehrere Songwriter (-Teams) im Wettbewerb um die Soundtrack-Kompositionen standen (→ Elvis‘ Fun In Acapulco: Drehbuch und Soundtrack).

Die Teams wurden meist von Freddy Bienstock beim Musikverlag Hill & Range beauftragt. Anschließend wurden die in Form von Demobändern angelieferten Kompositionen von Elvis selbst angehört und für die Aufnahme seines Soundtracks ausgewählt – oder eben nicht. Persönlichen Kontakt zu den Komponisten hatte Elvis Presley in der Regel nicht. Luigi Creatore beschreibt das Verfahren so:

„They didn’t give you an assignment. They said: ‚We want a song for the title of the movie.‘ They gave it to us [Drehbuch], gave it to other songwriting teams, maybe six or eight writers. Then they would pick what they liked. All the writers were writing on spec because it was Presley. The writers that they were approaching were never writing on spec but with Presley you did because he was big enough to take the shot. Nobody was paying you and nobody was assuring you that once you wrote the song it would be in the movie.“

Luigi Creatore, zitiert nach Ken Sharp: Elvis Presley Writing for the King, FTD Books, 2006

Trotz des Risikos, vielleicht für umsonst zu arbeiten, nahmen Creatore, Peretti und Weiss 1961 den Auftrag der Musikverleger an, eine Ballade mit „europäischem Flair“ für eine ganz besondere Filmszene in Blue Hawaii (Blaues Hawai) zu komponieren und ein Demo aufzunehmen.

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Elvis, was bleibt?

Elvis Presley wäre heute 84 Jahre alt. Also genau doppelt so alt, wie er tatsächlich geworden ist. Als er 1977 im Alter von nur 42 Jahren starb, war er bereits die Hälfte seines Lebens ein internationaler Superstar – und in den Augen (und Ohren) vieler Zeitgenossen der weltweit bekannteste, mit zahllosen Hits wahrscheinlich auch beliebteste und erfolgreichste amerikanische Sänger seiner Ära.

Elvis Presley: 166 Millionen YouTuber can’t help falling in love.

Doch was ist von der Musik Elvis Presleys bis heute geblieben – 65 Jahre nachdem er in Memphis seine erste kommerzielle Platte aufnahm? Was fördert das Gedächtnis einer breiten Öffentlichkeit in 2019 zutage, wenn gefragt wird: Nenne den bekanntesten Elvis-Song? Oder nenne zumindest irgendeinen Elvis-Song?

Können Musikhörer in 2019 diese Frage überhaupt beantworten? Schließlich stand die Musikwelt in den letzten 40 Jahren alles andere als still, sondern hat immer wieder neue Megastars hervorgebracht. Jede Generation hat ihre eigenen musikalischen Lieblinge unterschiedlicher Stilrichtungen. Es lebe die Vielfalt.

Außerdem wird Musik heute anders konsumiert als in der Ära Elvis Presleys. Seine Songs kamen übers Radio (später auch Kino) und als Schallplatte via Single, Extended Play und Album an den Hörer. Es folgten Musikkassette und CD. Das Auslaufmodell CD hat der King schon gar nicht mehr erlebt. Heute wird Musik vor allem gestreamed – Streaming-Dienste wie Spotify haben nicht nur bei der jüngeren Generation zunehmend die Nase vorn.

Angebote wie YouTube bringen längst ihre eigenen Stars hervor – so mancher verzichtet gleich ganz auf ein Plattenlabel und vermarktet sich selbst. Wo sollte in dieser Welt Platz sein für die Musik Elvis Presleys, der aufhörte, Musik zu machen, als all das noch nicht einmal ein ferner Gedanke war?

166 Millionen YouTuber can’t help falling in love

Tatsächlich haben die Hörer von heute den King nicht nur längst fest auf Spotify und YouTube etabliert, sondern sorgen in der schönen neuen Musikwelt durch die Anzahl ihrer „Views“ und ihre vielsprachigen Kommentare für Transparenz im Hinblick darauf, was denn nun der weltweit beliebteste Elvis-Song ist, warum sie ihn mögen und warum „Elvis bleibt“.

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Revisited: Elvis Presleys Aloha From Hawaii

Was hat Richard Nixon mit Elvis Presleys legendärem Fernseh-Special Aloha From Hawaii zu tun? Er hat die Idee dazu geliefert… ganz unfreiwillig. Denn der Einfall, ein Elvis-Konzert via Satellit weltweit zu übertragen, kam seinem Manager Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk, 1909 – 1997), als er im amerikanischen Fernsehen ausgerechnet eine per Satellit übertragene Live-Sendung zum Staatsbesuch des Präsidenten Richard Nixon in China sah.

Was der Präsident kann, kann mein Junge schon lange, dachte sich wohl der findige „Colonel“ und verkündete im Sommer 1972 erstmals den Plan, ein Elvis-Konzert von Hawaii aus per Satellit weltweit auszustrahlen. Auf diese Weise sollte der internationalen Fangemeinde des King das Live-Erlebnis Elvis Presley – quasi vom heimischen Fernsehsessel aus – ermöglicht werden. Möglich gemacht mit innovativer Satellitentechnik.

Kult: Elvis Presley – Aloha From Hawaii – 14. Januar 1973

Ursprünglich war die Satelliten-Show schon für November 1972 geplant, da aber MGM (Metro Goldwyn Mayer) fürchtete, das Konzert könnte von dem dann gerade erst in die Kinos kommenden Dokumentarfilm Elvis On Tour ablenken, verschob man das Vorhaben kurzerhand auf den 14. Januar 1973, was erstmals auf einer Pressekonferenz in Las Vegas am 4. September 1972 verkündet wurde.

Eine weitere Pressekonferenz folgte am 20. November in Honolulu, wo Elvis Presley am 18. und 19. November 1972 schon mal einen Vorgeschmack auf sein noch folgendes Aloha-Konzert gegeben hatte. Ausschnitte aus den beiden Pressekonferenzen sind im folgenden YouTube-Video zu sehen, selten zu findende Sequenzen finden sich zwischen 4:27 und 7:22.

Aloha From Hawaii: Die sagenumwobene Einschaltquote

Bei diesen Pressekonferenzen und in einer Pressemitteilung aus demselben Zeitraum war erstmals die Rede davon, dass man über 1 Milliarde Zuschauer weltweit erwartete, was im Grunde nichts weiter als einer Hochrechnung entsprach, bei der man offensichtlich die Einwohner der Länder addierte, deren Fernsehstationen eine Sendelizenz des Aloha-Konzerts zu erwerben gedachten oder dies rein theoretisch hätten tun können. Kurioserweise sollte ausgerechnet Großbritannien – traditionell Heimat einer der größten Elvis-Fangemeinden – keine Sendelizenz erwerben, Hongkong, damals noch britische Kronkolonie, allerdings schon.

Und Deutschland? Dem damalige NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier, der in West-Deutschland verantwortlich zeichnete, war das Vorhaben eines Elvis Presley Konzerts live per Satellit schlicht zu riskant, er traute der Technik nicht und argumentierte zudem, die Lizenz sei zu teuer. An dieser Haltung konnte auch das folgende heftige Rauschen im deutschen Blätterwald, dass wir als technikaffine Nation uns gerade hier ja wohl nicht als Spaßbremsen erweisen sollten, nichts ändern.

Regnier setzte auf die Aufzeichnung, von deren Qualität sich der NDR am 21. Januar 1973 erst einmal selbst überzeugte – ich sag’s ja immer, es geht ja nix über deutsches Qualitätsstreben ;-). Das Urteil fiel positiv aus, man  erwarb daraufhin zusammen mit Österreich und der Schweiz im Rahmen der Eurovision eine Lizenz und der King konnte endlich am 12. März 1973 zur besten Sendezeit um 21.00 Uhr – also fast zwei Monate nach dem eigentlichen Ereignis – mit Aloha From Hawaii in der ARD auf Sendung gehen.

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Helmut Radermacher präsentiert: Elvis The King – Die Hits der deutschen Charts

Helmut Radermacher (* 1943) ist seit über fünf Jahrzehnten einer der bekanntesten deutschen Elvis-Kenner und -Aficionados. Der Düsseldorfer, der heute in Coburg lebt, gründete 1958 den ersten Elvis-Fanclub in Deutschland, war 1978 Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Elvis Presley Gesellschaft, ist leidenschaftlicher Elvis-Sammler und zeichnete jahrelang als freier Berater von Elvis Presleys Plattenfirma für erfolgreiche LP-Veröffentlichungen in Deutschland verantwortlich.

Viele deutsche Fans haben Elvis überhaupt erst über die Vermittlung von Helmut Radermacher, d.h. über die von ihm als Berater von RCA Deutschland zusammengestellten Hit-LPs, kennengelernt – ohne es zu wissen. Ich freue mich, dass Helmut heute in seinem 1. Gastbeitrag für The Memphis Flash einen Blick hinter die Kulissen einer seiner erfolgreichsten Ideen gewährt.


Wie „Elvis The King – Die Hits der deutschen Charts“ entstand

von Helmut Radermacher

1991 lief im deutschen Fernsehen, genauer im Vorabendprogramm der ARD, eine 13-teilige amerikanische TV-Serie über den jungen Elvis Presley. In den USA bekannt unter dem Titel Elvis (USA 1990), war die Serie in der ARD vom 28. September bis 21. Dezember 1991 unter dem Titel Elvis – King Of Rock’n’Roll zu sehen. 1995 wurde sie nochmals im WDR gezeigt.

Die Hauptrolle des jungen Elvis übernahm Michael St. Gerard, Mutter Gladys wurde von Millie Perkins verkörpert, die 1961 an der Seite von Elvis im Film Wild In The Country (dt. Lied des Rebellen) eine weibliche Hauptrolle gespielt hatte. Weitere wichtige Personen in der Handlung waren neben Vater Vernon Presley (Billy Green Bush) noch Elvis‘ frühe Bandmitglieder Scotty Moore (Jessie Dabson) und Bill Black (Blake Gibbons) sowie Studioinhaber Sam Phillips (Jordan Williams). Wer die Serie nicht kennt, ahnt es jetzt schon: Es ging in der Hauptsache um Elvis‘ berühmte SUN-Ära, also die frühen Jahre unter dem Dach von Sam Phillips Aufnahmestudio und Plattenlabel.

Leider waren die deutschen Angaben zur TV-Serie – wie so oft – ungenau bis falsch, denn es war mal wieder die Rede davon, dass die „Witwe“ von Elvis, Priscilla Beaulieu Presley, die TV-Story mit produziert hatte: Ex-Frau wäre natürlich richtig gewesen. Und natürlich wurde auch wieder die Geschichte aufgetischt, Elvis hätte seine erste, selbst finanzierte Platte My Happiness (1953) als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter Gladys  aufgenommen. Dieses Märchen ist einfach nicht totzukriegen! Dabei existiert eine Quittung darüber, dass Elvis den Song am 18. Juli 1953 aufnahm, fast drei Monate nach dem Geburtstag seiner Mutter am 25. April. Das wäre also ein reichlich verspätetes Geburtstagsgeschenk gewesen.

Sei’s drum. Begleitend zur TV-Serie wollte die deutsche Niederlassung von Elvis‘ Plattenfirma RCA jedenfalls eine Platte herausbringen. Da ich RCA zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach bei ähnlichen Projekten erfolgreich beraten hatte, bat mich 1991 die A&R-Abteilung (Artist und Repertoire) nach Hamburg zu kommen, um vor dem Start der Serie im TV ein paar Folgen anzusehen. Die Verantwortlichen bei RCA glaubten nämlich, dass in der Serie auch Elvis im Original zu hören und deswegen eine Kopplung mit einer Platte geradezu optimal wäre. In Hamburg saß seit 1956 die Teldec, ab 1975 RCA, ab 1986 hieß es Ariola, bevor das Ganze wiederum zu BMG (Bertelsmann Music Group) wurde. RCA als Label blieb aber stets bestehen – heute unter dem Dach von SONY.

Ich sah mir die Serie also an und musste die Herren enttäuschen – in der Serie hört man nämlich nicht Elvis im Original, sondern Ronnie Mc Dowell, genau den Mann, den man in den USA schon 1979 als Sänger für den Film ELVIS The Movie mit Kurt Russel in der Hauptrolle verpflichtet hatte, weil Elvis Presley Enterprises die Rechte an Elvis Originalstimme nicht erteilt hatte. Hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie ELVIS mit Michael St. Gerard als Elvis auf der Bühne und Ronnie McDowell, der dem King die Stimme zu Baby Let’s Play House leiht – sozusagen eine St. Gerard/Mc Dowell-Koproduktion:

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Erinnert: Elvis grüßt die Welt mit Aloha From Hawaii

Aloha From Hawaii dürfte das wohl bekannteste Elvis-Konzert überhaupt sein. Am 14. Januar 1973 ging der King via Satellitenübertragung mit Aloha From Hawaii vom Honolulu International Center (HIC) aus auf Sendung. Das Konzert gilt seither als einzigartiges weltweites Mega-TV-Event, als Konzert der Superlative, das Elvis Presleys Status als internationalen Superstar endgültig manifestierte.

  • Kult: Elvis Presley - Aloha From Hawaii - 14. Januar 1973

Zeit für einen gezielten Griff ins Blog-Archiv mit einem Memphis-Flash-Aloha-Special:

Elvis sagt Aloha: von der Idee zur sagenumwobenen Einschaltquote

Elvis, Präsident Richard Nixon, der Jaycee-Award und die Aloha-Botschaft

Welcome to the Promised Land: Elvis im Gelobten Land

The King’s Speech – der Jaycee-Award

Elvis & Nixon – der Film (2016)

Elvis – so isses!

Wenn es um Elvis Presley geht, dann gibt es im Grunde nur eine einzige Sache, die mich wirklich entttäuscht – nur eine Tatsache, die ich zutiefst bedaure: Ich hatte nie die Möglichkeit, diesen großartigen Performer je live zu erleben.

Elvis Presley 1970

Elvis Presley 1970

Und warum? Ich bin einfach zu jung! Elvis Presley hätte es mindestens bis gut in die 1980er, besser noch die 1990er, schaffen müssen, um mir eine realistische Chance zu geben, eines seiner Konzerte zu besuchen. Da beneide ich die Fans etwa der Rolling Stones oder eines Bob Dylan, die immer noch in den Genuss von Live-Auftritten ihrer Lieblinge kommen. So gut habe ich es nicht.

Dabei wäre mir kaum eine Anreise zu weit, kaum ein Ticketpreis zu hoch, um wenigstens 1 Konzert live zu erleben – in Las Vegas oder sonstwo auf dieser Welt. Aus naheliegenden Gründen – der vermaledeite 16. August 1977 hat mir unwiederbringlich einen Strich durch die Rechnung gemacht – ist das unmöglich: That’s The Way It Is. So isses nun mal. Weiterlesen

Elvis Presley On Stage 2014

Dieser Tage hat Elvis Presley wieder mächtig viel zu tun. Gerade erst hat er eine Europa-Tournee absolviert, die ihn mit 5 Konzerten auch nach Berlin, Hamburg, Halle, München und Mainz führte. Ähhh, wie bitte? Ist das ein schlechter Scherz? Oder hatte hier jemand eine außerirdische Erscheinung infolge eines Sonnenstichs, was bei den aktuellen Temperaturen bei uns ja durchaus denkbar wäre…

Elvis On Stage 2014

Elvis On Stage 2014

Aber nein, der King, 1977 viel zu früh verstorben, tourt posthum. Das macht er regelmäßig seit Ende der 1990er, in Deutschland zuletzt 2012 mit Originalmusikern seiner Band ab 1969 (→ Elvis in Concert rockt Deutschland, → Elvis‘ TCB-Band).

Das Prinzip dabei ist einfach wie genial: Band, Backgroundsänger und Orchester spielen live und Elvis wird per großer Videoleinwand optisch und per separierter Tonspur akustisch mit Original-Liveaufnahmen aus dem Zeitraum 1968 bis 1973 zugespielt. Klingt gut. Wer Elvis kennt, weiß, der King war eine stimmgewaltige, humorvolle Rampensau erster Güte, die ständig mit Band und Publikum interagierte. Kurz: hörens- und sehenswert.

Elvis, das Original, in seinen Element – 1970

Nun ist aber in den letzten Jahren ein kleines, aber nicht unerhebliches Problemchen aufgetaucht, welches das lange sehr erfolgreiche Konzept von → Elvis In Concert unter der Ägide von Stig Edgren von SEG Events und Elvis Presley Enterprises erschwert. Die Originalmusiker Elvis Presleys sind nämlich unübersehbar in die Jahre gekommen, teilweise gesundheitlich angeschlagen oder schon verstorben, während der per Videoleinwand transportierte King ein ewig knackiger Mitt- bis Enddreißiger bleibt…

Ein neues Konzept muss also her. Und genau das kann man Anfang Juni 2014 in Deutschland sehen, etwa in der Rheingoldhalle in Mainz, deren Sitzplatzkapazität etwa zu 75 Prozent mit Fans und Neugierigen gefüllt ist. Das Publikum ist deutlich 40+ mit einigen Endzwanzigern und Dreißigern darunter.

Elvis On Stage 2014 oder bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe

Das neue Konzept zeigt Elvis als Videoprojektion auf einer transparenten Leinwand, hinter der ich schemenhaft eine junge Band mit Backgroundsängern und Orchester erkennen kann. Neu ist bei Elvis on Stage 2014 gegenüber Elvis in Concert 2012, dass Elvis überlebensgroß  – und reichlich pixelig, d.h. zu niedrig aufgelöst – auf einer die volle Breite der Bühne abdeckenden, großen Leinwand klar im Vordergrund steht, während die Band dahinter praktisch nicht zu sehen ist. Nur in wenigen Sequenzen dürfen einzelne Bandmitglieder vor den großen transparenten Vorhang – und genau dann wirkt das neue Konzept am stimmigsten.

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Aloha: Welcome to my World – Welcome to the Promised Land

„Reine Unterhaltung, keine Botschaften“, betonte Elvis Presley bei der Ankündigung seiner Show der Superlative Aloha From Hawaii (1973), die hochgerechnet mehr als eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten gesehen haben sollen (zur Diskussion um Übertragung und Einschaltquote → Elvis Aloha From Hawaii).

Volles Rohr Jungs: Elvis Presley dirigiert seine Band beim Aloha-Konzert, 14. Januar 1973

Klingt irgendwie eine Spur zu harmlos, das mit der reinen Unterhaltung. Steckte am Ende nicht doch mehr dahinter? Ja und nein. Tatsächlich verstand sich Elvis Presley in erster Linie als Unterhaltungskünstler, als jemand, dessen vorrangiges Ziel es war, Menschen durch seine Musik glücklich zu machen, wie er u.a. bei seinem Besuch im Weißen Haus Ende 1970 und seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards im Januar 1971 (→ Aloha From Hawaii: die Botschaft) betonte.

Musik, die Menschen berührt und ihnen etwas bedeutet, Musik, die das Herz trifft (und manchmal auch Körperregionen eine Etage tiefer),  hatte für den King of Rock ’n‘ Roll einen Wert an sich und musste sich nicht erst durch bedeutungsschwere, intellektuell verbrämte, „trockene Botschaften“ legitimieren. Bloß keine Reden auf der Bühne schwingen, keine Predigten von der Kanzel, so sein Motto.

Mit seinem direkten Bekenntnis zu Musik als Zerstreuung im Alltag (→ Elvis‘ Zitat des Lieds „Without A Song/Ohne ein Lied“) wollte er sich offensichtlich deutlich von einer Musikergeneration absetzen, die damals – in Zeiten des Vietnamkriegs, der Bürgerrechtsbewegung, der Studentenproteste und der Frauenbewegung – offen politisch motiviert war. Und dies obwohl Elvis Presley privat Politik und Zeitgeschehen genau verfolgte und dort auch gerne Stellung bezog. Doch eine vordergründige Politisierung von Musik lehnte er für sich ab, was er einmal mehr in der Pressekonferenz zu seinen Konzerten im Madison Square Garden im Juni 1972 (→ Box-Set Prince From Another Planet) deutlich machte. Weiterlesen

Elvis Presley Aloha From Hawaii

Was hat Richard Nixon mit Elvis Presleys legendärem Fernseh-Special Aloha From Hawaii zu tun? Er hat die Idee dazu geliefert… ganz unfreiwillig. Denn der Einfall, ein Elvis-Konzert via Satellit weltweit zu übertragen, kam seinem Manager Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk, 1909 – 1997), als er im amerikanischen Fernsehen ausgerechnet eine per Satellit übertragene Live-Sendung zum Staatsbesuch des Präsidenten Richard Nixon in China sah.

Was der Präsident kann, kann mein Junge schon lange, dachte sich wohl der findige „Colonel“ und verkündete im Sommer 1972 erstmals ein in Planung befindliches, von Hawaii aus per Satellit weltweit auszustrahlendes Elvis-Konzert. Auf diese Weise sollte der internationalen Fangemeinde des King das Live-Erlebnis Elvis Presley – quasi vom heimischen Fernsehsessel aus – ermöglicht werden.

Kult: Elvis Presley – Aloha From Hawaii – 14. Januar 1973

Ursprünglich war die Satelliten-Show schon für November 1972 geplant, da aber MGM (Metro Goldwyn Mayer) fürchtete, das Konzert könnte von dem dann gerade erst in die Kinos kommenden Dokumentarfilm Elvis On Tour ablenken, verschob man das Vorhaben kurzerhand auf den 14. Januar 1973, was erstmals auf einer Pressekonferenz in Las Vegas am 4. September 1972 verkündet wurde.

Eine weitere Pressekonferenz folgte am 20. November in Honolulu, wo Elvis Presley am 18. und 19. November 1972 schon mal einen Vorgeschmack auf sein noch folgendes Aloha-Konzert gegeben hatte. Ausschnitte aus den beiden Pressekonferenzen sind im folgenden YouTube-Video zu sehen, selten zu findende Sequenzen finden sich zwischen 4:27 und 7:22.

Aloha From Hawaii: Die sagenumwobene Einschaltquote

Bei diesen Pressekonferenzen und in einer Pressemitteilung aus demselben Zeitraum war erstmals die Rede davon, dass man über 1 Milliarde Zuschauer weltweit erwartete, was im Grunde nichts weiter als einer Hochrechnung entsprach, bei der man offensichtlich die Einwohner der Länder addierte, deren Fernsehstationen eine Sendelizenz des Aloha-Konzerts zu erwerben gedachten oder dies rein theoretisch hätten tun können. Kurioserweise sollte ausgerechnet Großbritannien – traditionell Heimat einer der größten Elvis-Fangemeinden – keine Sendelizenz erwerben, Hongkong, damals noch britische Kronkolonie, allerdings schon.

Und Deutschland? Dem damalige NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier, der in West-Deutschland verantwortlich zeichnete, war das Vorhaben eines Elvis Presley Konzerts live per Satellit schlicht zu riskant, er traute der Technik nicht und argumentierte zudem, die Lizenz sei zu teuer. An dieser Haltung konnte auch das folgende heftige Rauschen im deutschen Blätterwald, dass wir als technikaffine Nation uns gerade hier ja wohl nicht als Spaßbremsen erweisen sollten, nichts ändern.

Regnier setzte auf die Aufzeichnung, von deren Qualität sich der NDR am 21. Januar 1973 erst einmal selbst überzeugte – ich sag’s ja immer, es geht ja nix über deutsches Qualitätsstreben ;-). Das Urteil fiel positiv aus, man  erwarb daraufhin zusammen mit Österreich und der Schweiz im Rahmen der Eurovision eine Lizenz und der King konnte endlich am 12. März 1973 zur besten Sendezeit um 21.00 Uhr – also fast zwei Monate nach dem eigentlichen Ereignis – mit Aloha From Hawaii in der ARD auf Sendung gehen.

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Elvis Prince From Another Planet – WOOOWWW!

Wooowww! Prince From Another Planet – das ist aber mal ein Deluxe-Boxset, bei dem sich die Sony-Mannen in Sachen Elvis Presley ordentlich ins Zeug gelegt haben. Wer hier gedacht hat, am Set mit der Neuveröffentlichung von Elvis‘ legendären Madison Square Garden-Konzerten in New York vom 10. Juni 1972 (→ Prince From Another Planet – Audio- und Video-Samples) ist vielleicht was faul, weil der Erscheinungstermin gefühlte eine Million Mal verschoben wurde, lag gründlich falsch. Das Warten auf die verspätete Jubiläumsausgabe zum 40. Jahrestag der Konzerte hat sich schlicht gelohnt.

Deluxe-Set ‚Prince From Another Planet: Cover des Schubers, Sony‘ 2012

Prince From Another Planet: die Aufmachung

Schon optisch ist das Boxset ein Hingucker (bis auf den FSK-Aufkleber vielleicht ;-)), das seinen Titel übrigens einer euphorischen Konzertbesprechung von 1972 in der ansonsten in Bezug auf Elvis nicht gerade als lobhudelnd bekannten New York Times entlehnt.

Elvis in Aktion – Madison Square Garden, 10. Juni 1972; Foto: Booklet des Boxsets ‚Prince From Another Planet‘, 2012

In einem Schuber im Format 20,5 x 20,5 cm befindet sich ein 50 Seiten starkes, auf hochwertigem Papier vierfarbig gedrucktes Booklet mit vielen Informationen (englischsprachig) und Fotos rund um Elvis Presleys Madison Square Garden-Konzerte plus das Herzstück des Sets: die aufklappbare Halterung für die enthaltenen 2 CDs und 1 DVD. Weiterlesen

Elvis On Stage

Immer wenn ich gefragt werde, welches der Live-Alben von Elvis Presley ich persönlich besonders empfehlen würde, dann gibt es ein Album, das mir in diesem Zusammenhang nie spontan einfällt. Und das kurioserweise, obwohl ich alle Songs des Albums sehr gerne höre, sogar einer meiner absoluten Lieblingssongs hier erstmals drauf zu finden war. Es handelt sich um das Album On Stage von 1970.

Elvis On Stage 1970

Eigentlich kann man ein Album mit einem so coolen Cover doch gar nicht vergessen, oder? Auch dann nicht, wenn der Name des Interpreten auf dem Cover, ziemlich selten bei Elvis, nirgendwo zu finden ist. Wieso passiert’s mir dann dauernd – früher Fall von Alzheimer?

Nein, soweit ist es dann doch noch nicht ganz ;-). Es liegt wohl in erster Linie daran, dass es mir schwerfällt, On Stage als ein in sich geschlossenes Album unter der Überschrift Elvis live 1970 wahrzunehmen. Irgendwie scheint da etwas zu fehlen. Und ich glaube, das hat viel mehr etwas mit der Entstehungsgeschichte, mit dem Konzept von On Stage zu tun als mit den enthaltenen Songs oder meinem Gedächtnis. Weiterlesen