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Elvis, ein Biest und zwei Frolleinwunder

“Jetzt drück’ mal richtig auf die Tube. Ich will sehen, was das Biest drauf hat.” William Taylor, First Lieutenant (Oberleutnant) der US-Armee, hat den Satz noch nicht ganz beendet, als sein Fahrer, der auf diesen Befehl offensichtlich gewartet hat, das Gaspedal des schwarzen 1952er-Fords bis unten durchtritt und zum Überholen ansetzt. Die Tachonadel schnellt nach oben, die Landschaft entlang der A5 fliegt nur so vorbei.

“Das nenn’ ich fahren”, freut sich Taylor und schaut rüber zum Mann hinter dem Steuer. Dessen blau-graue Augen blitzen übermütig, die auffallend vollen Lippen haben sich zu einem schiefen Lächeln verzogen, das eine Reihe makelloser Zähne freilegt. Er weiß: Der Wagen, in dem Taylor und er an diesem Sonntag im Frühjahr 1959 die A5 in Richtung Frankfurt entlang brausen, ist ebensowenig ein normaler Ford wie er ein normaler Fahrer ist. Der Mann am Steuer ist Private First Class (Obergefreiter) Elvis Presley, hauptamtlich King of Rock ‘n’ Roll, der Ford – von seinem Besitzer Taylor liebevoll “das Biest” genannt, ein verkappter Cadillac mit V8-Motor.

  • Im Gleichschritt eins, zwo, drei, vier: GI Elvis Presley in Deutschland.

Kurz bevor Elvis, der seinen Wehrdienst im Spähtrupp einer amerikanischen Panzerdivision – genauer gesagt der Company C der 3rd Armored Division – im hessischen Friedberg  leistet, und sein Vorgesetzter bei Friedberg auf die A5 gefahren sind, haben sie sich zum Schrauben am “Biest” in Little Texas getroffen. In der Wohnsiedlung für amerikanische GIs in der Nähe der Ray Barracks-Kaserne wohnt der 26-jährige William Taylor mit seiner Frau Peggy und den beiden Kindern.

Elvis selbst, zwei Jahre jünger als sein”Lootenet”, hat seine Zelte in der nahegelegenen Kurstadt Bad Nauheim aufgeschlagen, wo er erst vor wenigen Wochen für sich, seinen Vater, die Großmutter und zwei Freunde ein Einfamilienhaus in der Goethestraße 14 angemietet hat.

An diesem Sonntagnachmittag hat der King das wöchentliche Football-Spiel mit seinen Kumpels auf der grünen Wiese in der Nähe vom Bad Nauheimer Gradierwerk IV extra kurz gehalten, um Taylor dabei zu helfen, in den getunten Ford Baujahr 1952, der neben dem besagten V8-Motor noch so allerlei weitere Optimierungen aufweist, einen neuen Zündkondensator einzubauen.

Taylor ist ganz schön überrascht, als sein berühmter Gast, der noch in seiner Sportkleidung bei ihm auftaucht, ihm nicht nur zur Hand geht, sondern das Teil gleich selbst einbaut. Er habe, so erklärt Autonarr Elvis, schon als Jugendlicher, wann immer sich die Gelegenheit ergab, an Hot Rods geschraubt. Benzin liege ihm einfach im Blut.

Nach so viel tatkräftiger Hilfe bleibt Zeit für eine Runde Geschwindigkeitsrausch auf der “German Autobahn”. “Hammer, wie das Teil beschleunigt”, bemerkt Elvis, als von hinten ein Mercedes-Cabrio kommt und an ihnen vorbei zieht, als sie gerade die nächste Ausfahrt nehmen wollen.

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Helmut Radermacher im Interview – Fortsetzung

Helmut Radermacher, Deutschlands wohl bekanntester Elvis-Fan und -Kenner der ersten Stunde, erzählt noch mehr über den Soundtrack seines Lebens hier im zweiten Teil seines Interviews mit The Memphis Flash (→ Radermacher-Interview Teil 1).

Und Action! Helmut alias Scotty (Mitte) mit seiner Band ‘The Silver Strings’ vor Elvis-Filmplakaten, frühe 1960er; Foto: Sammlung Radermacher

The Memphis Flash: Nach fast 60 Jahren unermüdlicher Beschäftigung mit der Musik und Karriere Elvis Presleys ist es sicher nicht übertrieben zu sagen, dass der King den Soundtrack Deines Lebens bildet. Was fasziniert Dich bis heute an dem Mann aus Memphis, was treibt Dich an, weiter viel Freizeit und Energie in dieses Hobby zu investieren?

Helmut Radermacher: Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil es viele Faktoren gibt. Der Mann sah gut aus, hatte Stimme, gute Musiker und perfekte Lieder. Er wirkte auf Frauen, aber – wie ich an mir und meinen Freunden merkte – auch auf Männer. Die Stimme war einfach passend, zu allen Liedern, die ich hörte. Er wurde einfach nie langweilig. Während andere Sänger hauptsächlich Balladen oder eben nur Rock ‘n’ Roll sangen, brachte Elvis eine Abwechslung, die zu bewundern war. Meine  erste LP von Elvis war sein Weihnachtsalbum.

The Memphis Flash: Du meinst das legendäre Elvis Christmas Album von 1957 mit Santa Claus Is Back in Town und Blue Christmas drauf?

Helmut Radermacher: Genau. Da war kein einziges Lied dabei, das ich nicht mochte, im Gegenteil. Ob nun Weihnachtslied, Country, ob Blues oder Rhythm & Blues, ob Pop, Balladen, Gospels oder Rock ‘n’ Roll, auf jedem Gebiet war er besser als die anderen Sänger, die ich kannte und von denen ich auch Platten kaufte.

The Memphis Flash: Im → ersten Teil unseres Interviews hast Du erzählt, wie Elvis Dich dazu inspiriert hat, selbst Musiker zu werden. Du warst in den 1960er Jahren erfolgreich als Scotty mit Deiner Band The Silver Strings in deutschen Clubs unterwegs, bis Du in Coburg Deine Frau Karin kennengelernt hast, sozusagen„sesshaft“ wurdest ;-), lange als Schallplatten-Disponent für die Kaufhof AG gearbeitet hast, um dann – auch wieder über Elvis – als Radiomoderator entdeckt zu werden.

Beim 6. Elvis-Weekend letzten November in Bischofsgrün hast Du erzählt, wie es durch einen glücklichen Zufall dazu kam, dass Du plötzlich bei Europawelle Saar und Radio Luxemburg moderiertest und mit der Sendung HALLO ELVIS 1985 sogar im Ersten Deutschen Fernsehen gelandet bist. Als Elvis-Fan kann man richtig Karriere machen, das steht mal fest. Was viele gar nicht mehr wissen ist, dass Du 1985 mit Radio Schleswig Holstein (RSH) in Kiel auch den ersten deutschen Privatsender mitbegründet hast. Und Du hast neben Gründung  und langjähriger Tätigkeit für den größten Elvis-Fanclub in Deutschland – die Elvis Presley Gesellschaft – über Jahre als freier Berater für Elvis‘ Plattenfirma hier in Deutschland gearbeitet. Erzähle, wie kam es dazu?

Helmut mit Radiomoderator Wolfgang Hellmann im Studio bei einem ihrer vielen Elvis-Specials; Foto: Sammlung Radermacher

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Helmut Radermacher im Interview

Helmut Radermacher (* 1943) ist seit über fünf Jahrzehnten einer der bekanntesten deutschen Elvis-Kenner und -Aficionados. Der Düsseldorfer, der heute in Coburg lebt,  hatte lange erfolgreich eine eigene Band, gründete 1958 den ersten Elvis-Fanclub in Deutschland, war 1978 Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Elvis Presley Gesellschaft, ist leidenschaftlicher Elvis-Sammler und zeichnete jahrelang als freier Berater von Elvis Presleys Plattenfirma für erfolgreiche LP-Veröffentlichungen in Deutschland verantwortlich. Helmut ist sozusagen der deutsche Ernst Jørgensen (→ zu Jorgensen u.a.: Elvis Presley – A Boy From Tupelo).

Wer hat die schönste Tolle? Das könnte richtig knapp werden für den King! Helmut Radermacher neben einem besonders seltenen großformatigen Filmplakat zu G.I. Blues (Café Europa) Anfang der 1960er; Foto: Radermacher

Heute gibt Helmut Radermacher in Eigenregie ein vereinsunabhängiges Fanmagazin – Golden Boy Elvis – heraus, hat sich als Buchautor u.a. mit dem Großen Elvis Presley Filmbuch einen Namen gemacht, arbeitet als DJ und führt deutsche Reisegruppen an die vielen Elvis-Kultstätten in den USA (→ Von New York nach Graceland 2013). The Memphis Flash hat Helmut Radermacher, einen der treuesten, kenntnisreichsten und sympathischsten Fans des King, interviewt.

Die Tolle ist weg, aber die Elvis-Leidenschaft ist ungebrochen: Helmut Radermacher beim 6. Elvis-Weekend in Bischofsgrün im November 2012; Foto: The Memphis Flash

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