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ELVIS LIVE 1969

Der Hochsommer 1969 war ohne Zweifel ereignisreich. Am 21. Juli betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond, vom 15. bis 17. August fand mit dem Musikfestival Woodstock in Bethel/New York die Hippie-Party schlechthin statt, und am 31. Juli 1969 kehrte Elvis Presley nach mehr als acht Jahren Live-Abstinenz endlich auf die Bühne zurück – in Las Vegas. Kaum zu glauben: Ein halbes Jahrhundert ist das jetzt schon her.

Da wäre man natürlich gerne dabei gewesen. Schade. Aber es gibt ein Trostpflaster für alle Zuspätgeborenen – nämlich das neue schön gemachte Boxset zum 50. Jubiläum von Elvis‘ Rückkehr auf die Konzertbühne: Elvis Live 1969 von RCA Legacy unter dem Dach von Sony.

Neues Boxset Elvis Live 1969 von RCA Legacy Recordings/Sony 2019

Enthalten sind im Boxset auf 11 CDs genau 11 komplette Konzerte des King, die er im Zeitraum vom 21. bis 26. August 1969 im International Hotel in Las Vegas gab – hörbar voll motiviert und enthusiastisch. Darunter die Midnight Show vom 22. August, die bislang als offiziell unveröffentlicht gilt – zumindest als vollständiges Konzert.

Und jetzt heißt es anschnallen für die Zeitreise, denn hier folgt die erwähnte offiziell unveröffentlichte Show vom 22. August 1969 mit einem endzeitmäßig gut gelaunten Elvis, der zwischen den Songs viele Witzchen reißt und in einem längeren Monolog humorvoll Einblick in seine Lebensgeschichte bis zu jenem 22. August 1969 gibt.

Wer sich das nicht anhört, ist selber schuld ;-).

International Hotel Las Vegas – 22. August 1969 – Mitternachtsshow

Blue Suede Shoes

I Got A Woman

All Shook Up

Love Me Tender

Jailhouse Rock/Don’t Be Cruel

Heartbreak Hotel

Hound Dog

Memories

My Babe

Mystery Train/Tiger Man

Monolog – Elvis spricht zum Publikum

Baby What You Want Me To Do

Funny How Time Slips Away

Runaway

Are You Lonesome Tonight

Yesterday/Hey Jude

Vorstellung der Band

In The Ghetto

Suspicious Minds

What’d I Say

Can’t Help Falling In Love

Alle Audios vom Boxset Elvis Live 1969.

Are You… Laughing Tonight?

Heute schon so richtig von Herzen gelacht? Nein? Da gibt’s ein Gegenmittel: rein in die Zeitmaschine, zurück ins Jahr 1969, genauer gesagt den 26. August 1969, den besten Platz ganz vorne im großen Showroom des International Hotel in Las Vegas entern und Elvis sehen und vor allem hören: Are You… Laughing Tonight?

Einer hat gut lachen: Elvis Presley bei seinem 1. Las Vegas-Engagement im August 1969

Hat gut lachen: Elvis Presley bei seinem 1. Las Vegas-Engagement im August 1969

»Are You Lonesome Tonight« (Lachversion), Midnight Show, Las Vegas 26.8.1969 –
Elvis All Shook Up, Sammlerlabel FTD 2005

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Elvis darf nicht sterben

Hier sitze ich also in Block N der Frankfurter Festhalle an einem frühsommerlichen Samstagabend Ende Mai 2017. Nach längerer Überlegung habe ich sie mir dann noch besorgt, die Eintrittskarte zu Elvis in ConcertDas Original aus Graceland, wie auf meiner Karte zu lesen ist.

Elvis in Concert 2017 – Festhalle Frankfurt

Letzteres ist reichlich schräg, denn eins werde ich heute Abend ganz sicher nicht zu sehen und zu hören bekommen: das „Original aus Graceland“. Elvis Presley ist nämlich verhindert… seit ziemlich genau 40 Jahren. Ein Todesfall ist ihm dazwischen gekommen… Es war sein eigener. Leider!

Wenn man diese Tatsache einen Moment „sacken“ lässt, (ich tue es, während ich meinen Platz suche), dann ist es erstaunlich, dass die Festhalle so gut besucht ist an diesem Samstagabend. Nicht ausverkauft, aber gut besucht. Das Publikum ist deutlich 40+, viele Paare, aber auch ganze Familien sind darunter.

Neben mir sitzen zwei unternehmungslustig dreinblickende Mitvierzigerinnen, offensichtlich Freundinnen, die sich schön gemacht haben für die „special occasion“. Schade, dass der King die Beauties heute Abend nicht gebührend wird würdigen können.

Denn was wir jetzt in den nächsten zwei Stunden zu sehen bekommen, ist ein Konzert des King in Abwesenheit des King. Genauer gesagt gibt es eine weitere Auflage von Elvis in Concert (→ Elvis in Concert 2012, → Elvis Presley On Stage 2014), bei dem Elvis per Videoprojektion zu sehen und mit Originalstimme zu hören ist.

Musikalisch begleitet wird er diesmal vom Czech National Symphony Orchestra, also nicht seinen Originalmusikern, wie das bis 2012 der Fall war. Wen wundert’s, die Herrschaften aus Elvis‘ ehemaliger Band sind inzwischen ja auch schon weit über 70.

Eine weitere Neuerung des Konzepts: Priscilla Presley, „Ex-Ehefrau-Witwe“ des King, moderiert das Ereignis und wird, so heißt es, Einblicke in die private Seite des King bieten. Oha. Ich dachte immer, da wäre schon alles gesagt seit der Veröffentlichung von Elvis & Me vor gut 30 Jahren und der Dokumentation Elvis by the Presleys… Denkste.

Das Ganze steht unter dem Motto The Wonder Of You – Titel eines Elvis-Songs aus den 1970ern und passenderweise auch der Titel einer erfolgreichen CD aus dem Jahr 2016, auf der Elvis-Klassiker mit dem Royal Philharmonic Orchestra vertont wurden. 2015 gab es die erste sehr erfolgreiche Version von Elvis mit dem Royal Philharmonic Orchestra: If I Can Dream. Mit ihr kam der King in vielen Ländern bis in die Spitze der Charts. Jetzt gibt es also die Europatournee dazu, allerdings mit einem anderen Orchester.

Der Clou: Priscilla Presley – zu Lebzeiten des King völlig außer vor, was die Karriere ihres Göttergatten anging – fungierte als Co-Executive-Producer beider Erfolgsscheiben und erfüllt, so heißt es, ihrem Ex mit der neuen Tournee den Wunsch, einmal gemeinsam mit großem Orchester aufzutreten. Wirklich eine nette Geste von ihr, oder? Endlich darf er mal mit Orchester, nicht nur mit so einer „mickrigen“ 3-Mann-Band. Jawoll!

Komisch nur, dass Elvis‘ bei seinen Auftritten in den 1970ern zusätzlich zur legendären TCB-Band auch dauernd ein Orchester am Start hatte, etwas, was den Rock ’n‘ Roll-Puristen bis heute so derart gegen den Strich geht, das sie für „Vegas-Elvis“ nur vielfach dokumentierte Verachtung übrig haben. Aber wer könnte sich Elvis‘ berühmte American Trilogy ohne das wunderbare Zusammenspiel des Joe Guercio Orchestra mit der TCB-Band vorstellen?

Man merkt schon, an der Elvis-Legende wird auch weiterhin eifrig gestrickt – posthume Wunscherfüllung inklusive: Elvis darf einfach nicht sterben. Aber zurück in die Frankfurter Festhalle.

Elvis In Concert 2017: Programm

Auftritt für Elvis und das vielseitige Czech National Symphony Orchestra aus Prag, das sich 1993 formierte und das neben Klassik auch Jazz sowie Musical im Portfolio hat. Dirigiert wird es von Maestro Libor Pešek. Es geht los mit dem Klassiker If I Can Dream aus dem TV-Special ELVIS, heute besser bekannt als ’68 Comeback Special.

In Frankfurt läuft dazu auf Leinwand der Liedtext – klatschen und mitsingen ausdrücklich erlaubt. Die Videoprojektionen laufen auf einer großen Leinwand hinter dem Orchester, einer weiteren direkt über dem Orchester und zwei kleineren an den Seiten der Halle ab. Da Leinwände bei Konzerten heute schlicht Status Quo sind, damit alle gut sehen können, was auf der Bühne vor sich geht, könnte man fast vergessen, dass der Star von Elvis In Concert gar nicht auf der Bühne steht. Es starren sowieso alle auf die Leinwände. Allerdings könnte die Akustik – wie immer in der Festhalle – durchaus besser sein.

Nach dem Konzertauftakt mit If I Can Dream folgt Priscilla Presleys erster Auftritt mit Begrüßung des Publikums in deutscher Sprache. Kunststück: Die Dame hat einige Jahre ihrer Schulzeit in Deutschland verbracht, wo sie 1959 ja auch ihren berühmten Ehemann kennenlernte, der als G.I. der US-Armee im hessischen Friedberg stationiert war. Aber für mehr als ein paar Sätze reicht ihr Deutsch nach fast 60 Jahren dann doch nicht mehr.

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Will Friedwald: Elvis Presley oder warum John Lennon doch nicht Recht hat

Serienzeit! Längst überfällig ist die Fortsetzung meiner Serie zu den kleinen, aber feinen, dabei oft wenig bekannten Essays und Buchveröffentlichungen, die sich ausschließlich mit dem Musiker Elvis Presley, dem Sänger und Songinterpreten, beschäftigen. In der schier kaum zu überblickenden Menge an Publikationen über den King fällt diese Gruppe der Publikationen fast verstörend klein aus.

Elvis Presley 1970

Elvis Presley 1970

Kein Wunder, haben doch schon vor Jahrzehnten die Anekdoten über den Liebhaber schneller Autos (→ Elvis‘ gelebte Auto Emoción), den König des Spielerparadieses Las Vegas (→ Meet and Greet the King), den exzentrischen Frauenliebling mit Hang zu gesundheitsschädlichen Konsumgewohnheiten (→ Elvis in der Werbung: Geht’s noch?) der Musik den Rang abgelaufen.

Schon Elvis-Biograf Peter Guralnick spricht in seiner umfangreichen, in den 1990ern veröffentlichten zweibändigen Biografie Last Train To Memphis/Careless Love von der unendlichen „Kakophonie der Stimmen“, die das Ohr auf das Eigentliche verstellt: Elvis Presleys Musik.

Aber es gibt sie eben doch, die Handvoll Publikationen von Musikhistorikern, -kritikern, und -journalisten, die es immer wieder schaffen, sich auf das Wesentliche „einzuschießen“. Am interessantesten finde ich darunter die Veröffentlichungen, die nicht aus der zu erwartenden Ecke der etablierten und entsprechend vielzitierten Rockmusikverteranen – Greil Marcus, Dave Marsh, Robert Hillburn und Jon Landau lassen grüßen – kommen, sondern einen anderen Hintergrund haben.

Zwei davon, nämlich Robert Matthew-Walker (→ Elvis Presley Song by Song: A Study in Music) und Shane Brown ( → Elvis Presley’s A Listener’s Guide), habe ich schon mit ihren Publikationen vorgestellt. Heute geht es um Will Friedwald und sein sehr lesenswertes Essay Rock ’n‘ Roll: Elvis Presley, das er 2010 in seinem fast 1.000 Seiten umfassenden Standardwerk A Biographical Guide to the Great Jazz and Pop Singers veröffentlicht hat.

Elvis-Epiphanie: Ein Pre-Rock-Musikfan macht eine Entdeckung

Wie der Buchtitel des Werkes schon assoziiert, ist Will Friedwald (*1961) ein amerikanischer Musikjournalist, -autor und -kritiker, der sich vor allem mit Jazz und Pop beschäftigt. Zu seinen vielbeachteten Buchpublikationen zählen Stardust Melodies: A Biography of Twelve of America’s Great Voices from Bessie Smith to Bebop and Beyond, und Sinatra! The Song Is You: A Singer’s Art.

Will Friedwald - Foto: jazzwax

Später Elvis-Kenner: Will Friedwald – Foto: jazzwax

Zudem schreibt Friedwald über Musikthemen für das Wall Street Journal und The New York Sun, ferner Vanity Fair, The Village Voice sowie die New York Times. Für seine Begleittexte zu diversen CD-Boxsets hat Friedwald im Laufe der Jahre 8 Grammy-Nominierungen eingefahren – der Mann ist also alles andere als ein Leichtgewicht. Der Umfang seiner Musiksammlung soll legendär sein.

Dabei ist der Autor und Journalist vor allem bekannt für seine kenntisreichen Essays über die großen amerikanischen Sänger und Sängerinnen der Pre-Rock-Ära – Essays, die alles andere als staubtrocken, sondern humorvoll, sehr persönlich, begeisternd und manchmal auch provokant sind. Bleibt die Frage, was Friedwald jetzt genau mit Elvis „am Hut“ hat. Wie der Musikliebhaber in seinem Essay über Elvis auf sehr witzige und unterhaltsame Weise beschreibt, über Jahrzehnte hinweg: rein gar nichts!

Und das erklärt er so: 1961 geboren, hat Friedwald Elvis‘ 1. Karrierehöhepunkt in den 1950ern schlicht nicht mitbekommen, dafür ist er einfach zu jung. Friedwald senior hingegen, an dessen Plattenschrank sich der junge Will schon bald bediente, war ein bisschen zu alt, um sich für Elvis Presley zu begeistern. Die musikalischen Vorlieben von Vater Friedwald waren längst durch die Heroen der Jazz- und Swing-Ära geprägt, als der Teenager Elvis all seinen Mut zusammen nahm und in Sam Phillips Aufnahmestudio in Memphis seine erste private Plattenaufnahme machte. Sohnemann Will übernahm diese Vorlieben des Vaters. Für Elvis und Will stimmte das Timing also nicht.

Hinzu kam, dass Will, wie er beschreibt, sich für den in seiner Jugend populären Rock (Rolling Stones, Jimi Hendrix etc.), ebenso wenig begeistern konnte wie für Disco und Punk. Seine Neigung, sich auf die Entdeckungsreise durch die Aufnahmen eines Künstlers mit dem Titel „King of Rock ’n‘ Roll“ zu begeben, war damit gleich Null. Als Elvis Presley 1977 starb, bekam Will Friedwald das natürlich mit, aber Elvis blieb von da an vor allem dieser komische Typ im Glitzeranzug, über den die kuriosesten Stories im Fernsehen kolportiert wurden – mit Musik hatte das alles nichts zu tun für den späteren Musikjournalisten. Damit dürfte er sich in seiner Altersgruppe durchaus in guter Gesellschaft befinden.

Diese Einstellung änderte sich Mitte der 2000er Jahre schlagartig, als Friedwald mit den Vorbereitungen zu A Biographical Guide to the Great Jazz and Pop Singers begann. Angeregt durch andere Musikkenner aus seinem Umfeld, beschloss Friedwald, sich nun doch endlich dem Mann aus Memphis zu stellen. Er besorgte sich die unter der Ägide von Ernst Jorgensen – Elvis‘ musikalischem Nachlassverwalter – in den 1990ern erstmals erschienen Essential Masters CD-Boxsets, zusätzlich die dort nicht enthaltenen Gospelaufnahmen plus Zusammenstellungen der Filmmusik. Hier im O-Ton die geradezu hymnische Reaktion Friedwalds auf das Hörerlebnis, die seinen Schreibstil gut charakterisiert:

„By the time I finished listening to them, I was completely hooked. Seventeen CDs were hardly enough. I was amazed by what I heard. After a lifetime of not getting it, I finally experienced my own Elvis epiphany, and the mystery why he is considered one of the great pop performers of all time was revealed to me. It was a vision straight from Graceland of a trascendental being, not in a white robe but in a white jumpsuit, with guitar rather than harp.“

– Zitat Will Friedwald: A Biographical Guide to the Great Jazz and Pop Singers, Seite 795

Man ahnt es schon, mit dieser CD-Sammlung eroberte sich der King of Rock ’n‘ Roll das fast 10-seitige Extra-Kapitel in Friedwalds Standardwerk A Biographical Guide to the Great Jazz and Pop Singers, in dem er eigentlich gar nicht hätte vorkommen sollen. Aber wie passt das jetzt zum Rest eines Buches, das sich schwerpunktmäßig mit Künstlern aus der Pre-Rock-Ära beschäftigt, also der Generation vor Elvis?

Ganz ausgezeichnet passt das. Will Friedwald schafft es nämlich nach diesem humorvollen Einstieg in sein Essay, in dem er deutlich macht, dass er aufgrund eines schlechten Timings Elvis Presley erst Jahrzehnte nach dessen Tod erstmals zuHÖRTE, mit ein paar alten Zöpfen in der musikalischen Rezeptionsgeschichte des King aufzuräumen. Das macht er ebenso kenntnisreich wie gründlich. Die zeitliche Distanz zum „Urknall der Popkultur“, von der Ernst Hofacker in seinem Buch „Von Edison bis Elvis“ (2012) spricht, und Friedwalds breites musikalisches Wissen machen dies erst möglich.

Warum John Lennon sich gleich zweimal irrt

Als Aufhänger für seine Thesen greift Friedwald zwei sehr bekannte Zitate von Beatle John Lennon auf, von denen wohl fast jeder schon einmal gehört hat und die Friedwald auf den Folgeseiten seines Essays eindrucksvoll widerlegt. Das erste Lennon-Zitat lautet: Before Elvis there was nothing/Vor Elvis gab es einfach nichts (will sagen: keine gescheite Musik), das zweite: Elvis died when he went into the Army/Elvis starb, als er als Soldat eingezogen wurde (also schon 1958).

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Helmut Radermacher präsentiert: Elvis The King – Die Hits der deutschen Charts

Helmut Radermacher (* 1943) ist seit über fünf Jahrzehnten einer der bekanntesten deutschen Elvis-Kenner und -Aficionados. Der Düsseldorfer, der heute in Coburg lebt, gründete 1958 den ersten Elvis-Fanclub in Deutschland, war 1978 Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Elvis Presley Gesellschaft, ist leidenschaftlicher Elvis-Sammler und zeichnete jahrelang als freier Berater von Elvis Presleys Plattenfirma für erfolgreiche LP-Veröffentlichungen in Deutschland verantwortlich.

Viele deutsche Fans haben Elvis überhaupt erst über die Vermittlung von Helmut Radermacher, d.h. über die von ihm als Berater von RCA Deutschland zusammengestellten Hit-LPs, kennengelernt – ohne es zu wissen. Ich freue mich, dass Helmut heute in seinem 1. Gastbeitrag für The Memphis Flash einen Blick hinter die Kulissen einer seiner erfolgreichsten Ideen gewährt.


Wie „Elvis The King – Die Hits der deutschen Charts“ entstand

von Helmut Radermacher

1991 lief im deutschen Fernsehen, genauer im Vorabendprogramm der ARD, eine 13-teilige amerikanische TV-Serie über den jungen Elvis Presley. In den USA bekannt unter dem Titel Elvis (USA 1990), war die Serie in der ARD vom 28. September bis 21. Dezember 1991 unter dem Titel Elvis – King Of Rock’n’Roll zu sehen. 1995 wurde sie nochmals im WDR gezeigt.

Die Hauptrolle des jungen Elvis übernahm Michael St. Gerard, Mutter Gladys wurde von Millie Perkins verkörpert, die 1961 an der Seite von Elvis im Film Wild In The Country (dt. Lied des Rebellen) eine weibliche Hauptrolle gespielt hatte. Weitere wichtige Personen in der Handlung waren neben Vater Vernon Presley (Billy Green Bush) noch Elvis‘ frühe Bandmitglieder Scotty Moore (Jessie Dabson) und Bill Black (Blake Gibbons) sowie Studioinhaber Sam Phillips (Jordan Williams). Wer die Serie nicht kennt, ahnt es jetzt schon: Es ging in der Hauptsache um Elvis‘ berühmte SUN-Ära, also die frühen Jahre unter dem Dach von Sam Phillips Aufnahmestudio und Plattenlabel.

Leider waren die deutschen Angaben zur TV-Serie – wie so oft – ungenau bis falsch, denn es war mal wieder die Rede davon, dass die „Witwe“ von Elvis, Priscilla Beaulieu Presley, die TV-Story mit produziert hatte: Ex-Frau wäre natürlich richtig gewesen. Und natürlich wurde auch wieder die Geschichte aufgetischt, Elvis hätte seine erste, selbst finanzierte Platte My Happiness (1953) als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter Gladys  aufgenommen. Dieses Märchen ist einfach nicht totzukriegen! Dabei existiert eine Quittung darüber, dass Elvis den Song am 18. Juli 1953 aufnahm, fast drei Monate nach dem Geburtstag seiner Mutter am 25. April. Das wäre also ein reichlich verspätetes Geburtstagsgeschenk gewesen.

Sei’s drum. Begleitend zur TV-Serie wollte die deutsche Niederlassung von Elvis‘ Plattenfirma RCA jedenfalls eine Platte herausbringen. Da ich RCA zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach bei ähnlichen Projekten erfolgreich beraten hatte, bat mich 1991 die A&R-Abteilung (Artist und Repertoire) nach Hamburg zu kommen, um vor dem Start der Serie im TV ein paar Folgen anzusehen. Die Verantwortlichen bei RCA glaubten nämlich, dass in der Serie auch Elvis im Original zu hören und deswegen eine Kopplung mit einer Platte geradezu optimal wäre. In Hamburg saß seit 1956 die Teldec, ab 1975 RCA, ab 1986 hieß es Ariola, bevor das Ganze wiederum zu BMG (Bertelsmann Music Group) wurde. RCA als Label blieb aber stets bestehen – heute unter dem Dach von SONY.

Ich sah mir die Serie also an und musste die Herren enttäuschen – in der Serie hört man nämlich nicht Elvis im Original, sondern Ronnie Mc Dowell, genau den Mann, den man in den USA schon 1979 als Sänger für den Film ELVIS The Movie mit Kurt Russel in der Hauptrolle verpflichtet hatte, weil Elvis Presley Enterprises die Rechte an Elvis Originalstimme nicht erteilt hatte. Hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie ELVIS mit Michael St. Gerard als Elvis auf der Bühne und Ronnie McDowell, der dem King die Stimme zu Baby Let’s Play House leiht – sozusagen eine St. Gerard/Mc Dowell-Koproduktion:

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Elvis und The Jordanaires – meine Top 20 vom Dream Team

An einem schönen Sonntagnachmittag des Jahres 1955 bekamen Gordon Stoker (→ In Memoriam Gordon Stoker), Hugh Jarrett, Neal Matthews und Hoyt Hawkins von den Jordanaires nach einem Auftritt in Memphis backstage Besuch von einem  auffällig gekleideten Mann um die 20.  Der sehr freundliche Unbekannte stellte sich als Elvis Presley vor und überraschte das Quartett mit der Aussage: „Wenn ich je einen Vertrag mit einem großen Plattenlabel bekomme, dann möchte ich, dass ihr meine Backgroundgruppe werdet“.

Elvis Presley mit den ‚Jordanaires‘  1957

Die Jordanaires, damals selbst schon eine Größe im Musikgeschäft, wünschten dem höflichen Jungen alles Gute, aber rechneten nicht wirklich damit, je wieder von ihm zu hören.  Doch Elvis Presley löste sein Versprechen ein. Sofort nach seinem Wechsel von SUN zu RCA Records Ende 1955 wurden die  Jordanaires für fast anderthalb Jahrzehnte eine feste Größe bei seinen Plattenaufnahmen, Live-Auftritten und Filmaufnahmen. Dabei ist die Anzahl von Klassikern, die das Dream Team hervorbrachte, geradezu atemberaubend. Hier sind – mehr oder weniger chronologisch – meine ganz persönlichen Top 20 des King mit den Jordanaires. Viel Spaß damit ;-).

Love Me (1956): Complete Masters Boxset

Love Me

Santa Claus Is Back In Town (1957): Complete Masters Boxset

Santa Claus Is Back In Town

King Creole (1958): Complete Masters Boxset

King Creole

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Elvis On Stage

Immer wenn ich gefragt werde, welches der Live-Alben von Elvis Presley ich persönlich besonders empfehlen würde, dann gibt es ein Album, das mir in diesem Zusammenhang nie spontan einfällt. Und das kurioserweise, obwohl ich alle Songs des Albums sehr gerne höre, sogar einer meiner absoluten Lieblingssongs hier erstmals drauf zu finden war. Es handelt sich um das Album On Stage von 1970.

Elvis On Stage 1970

Eigentlich kann man ein Album mit einem so coolen Cover doch gar nicht vergessen, oder? Auch dann nicht, wenn der Name des Interpreten auf dem Cover, ziemlich selten bei Elvis, nirgendwo zu finden ist. Wieso passiert’s mir dann dauernd – früher Fall von Alzheimer?

Nein, soweit ist es dann doch noch nicht ganz ;-). Es liegt wohl in erster Linie daran, dass es mir schwerfällt, On Stage als ein in sich geschlossenes Album unter der Überschrift Elvis live 1970 wahrzunehmen. Irgendwie scheint da etwas zu fehlen. Und ich glaube, das hat viel mehr etwas mit der Entstehungsgeschichte, mit dem Konzept von On Stage zu tun als mit den enthaltenen Songs oder meinem Gedächtnis. Weiterlesen