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White N.I.G.G.E.R.S und Black A.N.G.E.L.S

Quentin Tarantinos oscarprämierter Kinofilm Django Unchained hat bei Erscheinen 2012 wegen der häufigen Verwendung des Ausdrucks Nigger für heftige Emotionen in den USA gesorgt (→ Grenzgänger: Elvis Presley und Quentin Tarantino). Kein Wunder, steht das „N-Wort“ doch wie kein anderes für die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung, für Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft.

Vor allem seit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement, etwa 1955 – 1968) hat sich Nigger  zu einem Wort mit großer Symbolkraft entwickelt, die Bezeichnung einer Person als Nigger gilt als eines der schlimmsten Schimpfwörter überhaupt… und richtet(e) sich längst nicht nur gegen Afroamerikaner. Landsleute heller Hautfarbe wurden ebenso, wenn sie die einst klar gezogenen Grenzen von schwarz und weiß in einer von Rassentrennung geprägten amerikanischen Gesellschaft nicht einhielten, als Nigger bzw. white Nigger beschimpft.

Das galt auch für Elvis Presley, der ab 1954 aus Sam Phillips SUN-Studio heraus die Musikszene ordentlich aufmischte mit seinem Rockabilly-Stil, einem Mix aus „weißer“ Country-Musik und „schwarzem“ Rhythm & Blues, einem musikalischen Mix mit Hüftschwung, den es in den Augen und Ohren vieler nicht hätte geben dürfen. So mancher Bürger der Vereinigten Staaten sah durch Elvis Presley gar die nationale Sicherheit gefährdet und rief das FBI an, das daraufhin eine schöne dicke Akte über den Memphis Flash anlegte. Kaum zu glauben, aber wahr.

Ein Foto, das es eigentlich nicht geben durfte: Elvis Presley mit Fans heller und dunkler Hautfarbe am 1. Juli 1956; Foto: Alfred Wertheimer

Unerbittlich war teilweise auch die Kritik, die Mr. Presley schon früh aus Musikerkreisen entgegenschlug.  Country-Musiker Ira Louvin von den Louvin Brothers, der Mitte der 1950er mit Elvis auf Tournee war, sagte es seinem jungen Kollegen  einmal unverblümt ins Gesicht: „Well, you damn white nigger„. So mancher, der in der etablierten Country-Szene das Sagen hatte, hätte Elvis Presley gerne gleich ganz aus den Country-Musikcharts verbannt, weil er „nigger music“ sang und damit in seinen Augen das Genre degradierte (→ vgl. Michael T. Bertrand: Race, Rock And Elvis).

Auch auf der „anderen Seite“ hatte so mancher mehr als nur Bauchgrimmen angesichts des Erfolgs des Memphis Flash, der laut Joel Whitburns Chartstatistik in Hot R&B Songs 1942 – 2010 mit 24 Songs in den Top 10, davon 6 Mal Nummer 1,  bis heute der weiße Musiker mit den meisten Hits in den Rhythm & Blues-Charts ist.  Schnell stand der Vorwurf im Raum, Elvis Presley sei auch nur ein weiterer rassistischer Weißer, der sich am kulturellen Erbe der Afroamerikaner bereichere. Da half es zunächst auch wenig, dass afroamerikanische Kollegen wie B.B. King und Jackie Wilson dem Mann aus Memphis beisprangen – Jackie Wilson mit der ziemlich provokanten Aussage:

„A lot of people have accused Elvis of stealing the black man’s music, when in fact, almost every black solo entertainer copied from Elvis –  Eine Menge Leute haben Elvis beschuldigt, die Musik der Schwarzen zu stehlen, wo es doch so ist, dass fast jeder schwarze Soloentertainer Elvis kopiert.“
– Jackie Wilson

Im April 1957 veröffentlichte das Sensationsblatt SEPIA eine Umfrage unter Afroamerikanern mit dem Titel What negroes think about Elvis. Durch diese Veröffentlichung wurde das äußerst langlebige Gerücht geboren, Elvis Presley hätte bei einer Gelegenheit folgende rassistische Bemerkung vom Stapel gelassen: „The only thing negroes can do for me is shine my shoes and buy my records / Das einzige, was Neger für mich tun können, ist meine Schuhe zu putzen und meine Platten zu kaufen“.

Hier erzählt der Historiker und Autor des sehr lesenswerten Buches Race, Rock And Elvis, Universitätsprofessor Michael T. Bertrand, wie es dazu kam und was denn nun wirklich dran war an dem „Schuhputzer“-Gerücht: Weiterlesen

Grenzgänger: Elvis Presley und Quentin Tarantino

Quentin Tarantinos oscarprämierter Kinofilm Django Unchained hat vor allem in den USA für einiges an Diskussion gesorgt. Und zwar nicht nur wegen einer Reihe äußerst blutiger Filmszenen, die längst Markenzeichen des Kultregisseurs von Pulp Fiction und Inglourious Basterds  sind, sondern wegen des ungehemmten Gebrauchs des rassistisch-konnotierten Unworts Nigger in Django Unchained.

Quentin Tarantinos ‚Django Unchained‘ (2012) – Abb.: Filmdienst.de

Über 100 Mal wollen eifrige Kinozuschauer in Django Unchained das Unwort aller Unwörter, das schlimmste aller Schimpfwörter gezählt haben, das aus dem öffentlichen Leben der USA verbannt ist, wo es höchstens – sofern der Gebrauch unvermeidlich scheint – euphemistisch als „N-Wort“ Verwendung findet, sofern ihm nicht doch ein besonders cooler Hip-Hopper Exil in einem seiner provokanten Songtexte gewährt.

Vom Unwort aller Unwörter

Wenige Wörter sind so emotional aufgeladen wie Nigger – 6 Buchstaben, die wie kaum sonst etwas für die Versklavung der afroamerikanischen durch die weiße Bevölkerung in den USA stehen. Dabei bedeutetete das heutige Unwort ursprünglich nichts weiter als schwarz, leitete es sich doch vom spanischen negro (lateinisch: niger)  und französischen nègre ab, bevor es sich im amerikanischen Wortgebrauch über verschiedene Formen wie negro, neger, negar, niggur schließlich zu nigger für Personen mit dunkler Hautfarbe entwickelte. Als solches fand es noch im 19. Jahrhundert rege Verwendung in den Romanen Joseph Conrads und Marc Twains.

Seine abwertende, rassistische Bedeutung bekam es vor allem dadurch, dass Plantagenbesitzer in den Südstaaten ihre afroamerikanischen Sklaven als Nigger bezeichneten, wobei die Verwendung des Worts auch andernorts, z.B. durch britische Kolonialherren in ihren indischen Kolonien nachgewiesen ist. Nigger stand damit also nicht mehr nur für Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern – aufgrund der bedenklich verqueren Perspektive weißer Kolonialherren – für solche einer unterlegenen, minderwertigen „Rasse“.

Und damit ist das äußerst ernste Thema von Quentin Tarantinos Django Unchained – Rassismus – auch schon genannt: Hier offensichtlich ganz bewusst verpackt in einem zunächst gar nicht so ernst daher kommenden Film, der sich als Genre-Mix aus Italo- bzw. Spaghetti-Western, Blaxploitation-Movie (gemeint ist das Genre des Exploitationfilms afroamerikanischer Machart) und Südstaatendrama mit Elementen der Nibelungensaga präsentiert.

Leonardo DiCaprio, Jamie Foxx und Christoph Waltz in ‚Django Unchained‘

Eine ganz schön wilde Mischung mit vielen Stars, darunter der zweimalige Oscar-Gewinner Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Don Johnson sowie Franco Nero in einer kleinen Nebenrolle. Den Titel seines Films hat Tarantino übrigens dem bekannten Italo-Western Django des Regisseurs Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle entlehnt – ein Film, der durch seine starke gesellschaftskritische Komponente, durch seine Brutalität und seinen schwarzen Humor für Aufsehen sorgte, ähnlich wie Django Unchained heute.

Elvis bei Quentin Tarantino

Was hat das alles nun aber mit Elvis Presley zu tun? Nun, wer sich ein wenig mit Tarantino auskennt, der weiß, dass der 1963 in Tennessee geborene Regisseur und Drehbuchautor in praktisch jedem seiner Filme Verweise auf Elvis einbaut, er ist ein bekennender Fan des King mit einer großen Vorliebe für Rockabilly. Weiterlesen