Elvis in der Jugendliteratur: ‚All Shook Up‘ von Shelley Pearsall

Spätestens seit → Jana Scheerers erfolgreichem Roman Mein innerer Elvis (2010) ist der King als literarische Figur auch in der deutschen Kinder- und Jugendbuchliteratur ein Begriff. In den USA ist das schon länger der Fall. Hier hat Elvis Presley über  zeitgenössische Jugendbücher zudem längst einen festen Platz in den Unterrichtsplänen der Schulen gefunden. Das mag überraschen, war der King of Rock ’n‘ Roll in den 1950ern doch vor allem als jugendverderbender Bürgerschreck verschrien.

"Jugendverderber" Elvis bei seinem umstrittenen Auftritt in der Milton Berle Show, 4. Juli 1956 - Foto: Elvis Australia

Individualist und „Jugendverderber“ Elvis bei seiner umstrittenen Performance von Hound Dog in der Milton Berle Show, Juni 1956 – Foto: Elvis Australia

Wie passt das zusammen? Überraschend gut, wenn man sich anschaut, wie Kinder- und Jugendbuchautoren dies- und jenseits des Atlantiks den King als literarische Figur einsetzen. Zwei Buchveröffentlichungen jüngeren Datums möchte ich in diesem Zusammenhang vorstellen: Shirley Pearsalls All Shook Up (2008) und in einem zweiten, separaten Beitrag Elvis verschwindet (2012) des deutschen Autors Robert Jüttner.

Gemeinsam ist beiden Veröffentlichungen, die ansonsten in völlig unterschiedlichen Milieus spielen, dass sie den schwierigen Reifeprozess ihrer männlichen Protagonisten schildern: Bei Pearsall ist es der 13-jährige Josh Greenwood, bei Jüttner der 17-jährige Daniel Nawrat. Und genau dabei spielt Elvis Presley eine wichtige Rolle. Hier gibt es eine deutliche Parallele zu Jana Scheerers Roman, in dem die 15-jährige Antje über die Beschäftigung mit bzw. die Suche nach Elvis schließlich ihren eigenen „inneren Elvis“, also ihre Identität findet, sich vom Elternhaus emanzipiert und erwachsen wird.

Stärker als bei Jana Scheerer ist in Pearsalls und Jüttners Romanen das Themenumfeld Erwachsenwerden/Elvis/Entdecken der eigenen Individualität/Generationenkonflikt an Vaterfiguren geknüpft. Daniel aus Jüttners Buch wächst ohne Vater auf, als Ersatz der männlichen Bezugsperson dient dem 17-Jährigen Elvis Presley, dessen großer Fan er ist.

Ganz anders Josh Greenwood: Er hat vielmehr ein riesiges Problem damit, dass sein geschiedener Vater sich quasi in Elvis verwandelt. Das führt dazu, dass Josh wirklich „all shook up“ ist, um die Situation mit einem berühmten Elvis-Hit auf den Punkt zu bringen.

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Alf sucht Elvis

Heute gibt’s „für zwischendurch“ eine witzige Episode aus der Sitcom ALF des TV-Senders NBC, die in den 1980ern in den USA und später auch bei uns sehr erfolgreich war.

Wer ALF nicht kennt – soll es ja geben ;-): Es handelt sich dabei um einen Außerirdischen vom Planeten Melmac, der sich bei der amerikanischen Durchschnittsfamilie Tanner einnistet und deren Leben ordentlich auf den Kopf stellt. In Folge 15 von Staffel 3 greift ALF die allgegenwärtigen Elvis-Verschwörungsstheorien auf: ALF glaubt felsenfest, dass Elvis lebt und der neue, mysteriöse Nachbar der Tanners, ein gewisser Aaron King, in Wirklichkeit der untergetauchte, vor seinem Ruhm geflüchtete Superstar ist.

Ähnlich wie in → Muppets Tonight – Great Moments in Elvis History, einem Ableger der Muppets Show, wird in dieser ALF-Folge unterhaltsam mit populären Ansichten über den King gespielt, so wie sie sich in vielen Varianten in der (Unterhaltungs-)Literatur, in populären Theater-, Film- und TV-Produktionen finden. Popkultur eben. Viel Spaß damit.

 

https://www.youtube.com/watch?v=FZGZj3oNuWs

Triple Elvis: Andy Warhols Westernheld

73 zum 1., zum 2. zum 3.! Mit Wucht knallt Auktionator Jussi Pylkkänen seinen Hammer auf das Mahagonipult vor sich und besiegelt damit das Schicksal von Lot 9. Es ist der 12. November 2014 in New York, der Auktionssaal bei Christie’s im Rockefeller Center ist mit 600 betuchten Kunstliebhabern gut gefüllt, weitere Sammler aus 43 Ländern sind per Telefon zugeschaltet. Die mit Spannung erwartete, besondere Attraktion des Abends: 2 Siebdrucke von Pop Art-Künstler Andy Warhol aus deutschem Besitz – genauer aus dem Fundus der zur NRW.Bank gehörenden Spielcasinogruppe Westspiel – stehen zur Versteigerung an.

Schon Wochen vorher hatte die Versteigerung, mit der sich die finanziell angeschlagene Westspiel-Gruppe sanieren möchte, vor allem in der bundesdeutschen Politik und Kulturszene für Schlagzeilen gesorgt. Von Raubbau und Sündenfall war vielerorts die Rede, genützt hat es nichts. 100 Millionen USD erhoffte sich Westspiel im Vorfeld von den beiden Warhols, die Ende der 1970er zur Dekoration des zur Gruppe gehörenden Spielcasinos in Aachen für weniger als 200.000 angeschafft worden und seit 2009 wegen ihrer immensen Wertsteigerung eingelagert waren.

  • Christie-Auktionator Pylkkänen bei der Versteigerung der Westspiel-Warhols in New York, 12. November 2014

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Muppets Tonight oder die ganz großen Momente der Elvis-Geschichte

Dass Elvis ein echter Pop Art-Klassiker ist, war schon mehrfach Thema im Blog. Schließlich finden sich Elvis-Themen und Elvis-Figuren sehr häufig in der (Unterhaltungs-)Literatur, in populären Theater-, Film- und TV-Produktionen.

Eine ziemlich witzige Umsetzung des Elvis-Themas haben die Muppets-Macher um Jim Henson in den 1990ern ins Rennen geschickt. In Muppets Tonight, einer Variante der Muppets Show, die zwischen 1996 und 1998 im amerikanischen TV-Sender ABC lief, hat Elvis als Muppet gleich eine eigene Serie: Great Moments in Elvis History.

Erzählt wird in der Miniserie von großen historischen Ereignissen mit Elvis in der Hauptrolle. Viel Spaß mit Elvis als Julius Caesar…

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Millionenschwer: Andys Elvis im Casino Aachen

Man kann sich nur sattsam wundern, was so manch einer für Schätze in seinem Keller hortet. Im Falle des Unternehmens WestSpiel, das in Deutschland 7 Spielbanken mit nach eigenen Angaben jährlich über einer Million Besuchern betreibt, ist es ein echter Andy Warhol aus der berühmten Elvis-Siebdruckserie: Triple Elvis von 1963.

Der Clou an der Sache: Der millionenschwere Vintage-Warhol – ein Pendant mit Motiv Double Elvis kam im Mai 2012 beim Auktionshaus Sothebys für 37 Millionen USD unter den Hammer – ist seit 2009 eingelagert, paradoxerweise gerade weil er als Paradestück der hauseigenen Kunstsammlung gilt.

Ein 'Double Elvis' aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie basierend auf einem Pressefoto für den Western 'Flaming Star" (1969)

Kam 2012 für 37 Mio. USD unter den Hammer: ‚Double Elvis‘ aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie zeigt Elvis Presley auf einem Pressefoto für den Western ‚Flaming Star“ (1960)

Angekauft hatte man Triple Elvis, der den King statt doppelt wie auf der Abb. oben einfach dreimal nebeneinander in derselben Westernpose im Film Flaming Star (Flammender Stern, 1960) zeigt, zusammen mit einem Marlon Brando-Warhol schon Ende der 1970er für das Spielcasino Aachen, um dort die Innenausstattung mit Pop Art-Kunst aufzuwerten. Doch inzwischen ist vor allem der Elvis-Warhol, der stattliche 2 Meter hoch und 1,70 Meter breit ist, viel zu viel wert, um ihn zu Dekorationszwecken mal eben so an die Wand zu pinnen.

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Understanding Elvis: Interview with Nigel Patterson

One of the most amazing things about Elvis Presley are his fans. The amount of creative, well-educated and dedicated people among them who manage to do continuous in-depth research and writing about the man besides having successful professional careers and active family lives is simply astounding. One of their key figures who for decades has helped to better understand Elvis Presley’s life, career and cultural impact on many different levels is Nigel Patterson from Australia. The Memphis Flash has talked to the Elvis expert about his passion for the King and what interests him most: Elvis‘ films and books.

The Memphis Flash: Nigel, most English-speaking Elvis aficionados are familiar with you as Honorary President of the Elvis Information Network (EIN), an Australian fan club that runs one of the, if not the most prolific and informative websites on Elvis Presley: www.elvisinfonet.com. Apart from that, not too much is known about you (at least not in Germany). Please do tell us more about yourself, your background and what made you such an expert on everything Elvis.

Nigel Patterson: I am originally from Northern Ireland and my family moved to Canberra, capital city of the “lucky country”, Australia, in the early 1960s.  While I knew of Elvis and seen some of his movies I did not become a fan until early 1969 when on a school excursion to Griffith, a small town in the winery region of country New South Wales. As I would learn later Griffith was also a hot spot for dope production in Australia (but I digress)!  While on the bus we were listening to 2CA, the only commercial radio station in Canberra at the time, and Edge of Reality came on.  I was hooked the moment I heard it and my interest in things Elvis quickly grew from there.

The Memphis Flash: Sounds like a fun way of being introduced to Elvis ;-). The psychedelic Edge Of Reality from the movie Live A Little, Love A Little (German: Liebling, laß‘ das Lügen, 1968) was a hit in Australia, right? It’s relatively unknown in Germany though. Let’s give it a listen.

Audio Edge of Reality – Complete Masters

 

The Memphis Flash: How was being an Elvis fan like in Australia in the late 1960s?

elvis-monthly-1960Nigel Patterson: Living “downunder” in a snail mail and pre-Internet time we relied on primarily newspapers and magazines for our news of overseas stars.  I started buying the newsstand magazine Elvis Monthly (which, due to its small size, fitted nicely into the inside pocket of my school jacket and served me well when I became bored with scholarly instruction), subscribed to Rocky Barra’s Strictly Elvis and submerged myself in various popular Aussie magazines including Movie News, Everybody’s and the Australasian Post, as they regularly featured Elvis on their cover and had feature articles inside.

In the early 70s I joined my first Elvis fan club, run by Bob Stephens in Sydney and I started contributing to Rex Martin’s fantastic Worldwide Weekly Elvis News Service and later Elvis Monthly.

The Memphis Flash: Some great magazines that have iconic status among fans today. I’ve seen that there is an → interesting interview with Rocky Barra, the guy behind Strictly Elvis, on EIN. Besides magazines films soon became another great interest of yours?

Nigel Patterson: From my childhood years growing up during the silver age of television I always had a fascination with TV shows and films.  In the late 1970s-early 1980s I became a reviewer for the Brisbane Film Group (BFG) enjoying working “flexi-time” (before it was introduced to the bureaucracy) as I was given free tickets to watch and review films screening usually at 11 am in the morning. I remember the first time I asked my boss if I could take an early, long lunch and he looked at me as if I was from another planet! In those days we had a regimented 12:30-1:30 lunch period.  A few years later flexitime was the norm.  Most of my reviews for the BFG were of horror movies as classic titles like Halloween, Friday the 13th, Prom Night and the underrated Happy Birthday To Me were enjoying peak popularity.  My involvement with the Brisbane Film Group was the genesis of my interest in a more analytical approach to the Elvis film canon.

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Viva Las Vegas: Starvehikel mit Kultcharakter

Böse Zungen behaupten ja gerne, dass die meisten Filme mit Elvis Presley in der Hauptrolle keine richtige Handlung haben… Das mag überspitzt ausgedrückt sein, grundsätzlich falsch ist es aber nicht. Denn in in einem klassischen Elvis-Musical, wie etwa dem Pop Art-Klassiker Viva Las Vegas (Tolle Nächte in Las Vegas, 1964), sind Handlung und fiktive Hauptfigur des Films dem Star Elvis Presley klar untergeordnet. Und das ist auch so gewollt – vor allem vom Publikum.

Auch als Rennfahrer Lucky Jackson in 'Viva Las Vegas' bleibt Elvis Presley immer Elvis

Auch als Rennfahrer Lucky Jackson in ‚Viva Las Vegas‘ bleibt Elvis unverkennbar Elvis

Man kann daher auch sagen: Elvis ist die Handlung: Ohne ihn gäbe es die meisten seiner Filme nicht. Remakes von klassischen Elvis-Musicals sind deshalb nicht zu erwarten, obwohl die Filme lange sehr erfolgreich waren (→  Elvis in Hollywood: Interview mit Paul Simpson), bis heute regelmäßig im TV laufen, Hollywood Erfolgsrezepte bekanntermaßen gerne unendlich reproduziert und Elvis Presley nach wie vor als Superstar gilt. Aber ein Starvehikel ohne den originären Star? Das funktioniert nicht.

Überhaupt das „Starvehikel“. Von Filmkritikern wird es in der Regel abgetan als nicht weiter erwähnenswertes Massenprodukt für das „einfache Volk“, das keinen höheren künstlerischen Ansprüchen genügen kann, weil es ja nur um einen Star geht, der einfach sich selbst spielt – immer wieder, quasi in Serie.

Diese bestens etablierte Sichtweise wird heute zunehmend kritisch hinterfragt (→  Viva Las Vegas – ein Pop Art-Klassiker wird 50, James L. Neibaur: The Elvis Movies, → Björn Eckerl: Elvis im Kino), etwa von der Filmdozentin Susan M. Doll, die u.a. für Turner Classic Movies schreibt und sich auch mit den Filmen Elvis Presleys intensiv auseinandergesetzt hat. Hier ein längeres Zitat aus dem Filmkapitel ihrer sehr empfehlenswerten, aber leider wenig bekannten Veröffentlichung Understanding Elvis: Southern roots vs. star image (1998):

„Because most of Presley’s films were vehicles, his star image overshadows any fictional character he might play, which is precisely the point. Audiences went to see Elvis Presley, not to see him submerged into the personality of a fictional character. Presley’s star image defined his movie roles and vice versa. […]

A star’s appearance in a vehicle works in a specific fashion. The consistent use of a star and his/her image in a series of films tailored to the star’s talents establishes expectations in regard to subsequent films. Audiences expect each new film with that star to contain certain aspects associated with him/her. The star’s image provides direct entry into the vehicle. The narrative needs little in the way of exposition. Also by continually associating a star with a series of vehicles, the star’s image merges or fuses into the character type associated with those vehicles. Thus, the star’s image slides connotatively into character, and by extension, into narrative function. Star image, then, can act as the synopsis of the plot of any vehicle in which that star appears. […]

Film reviewers and other culture critics have inferred from this tendency that the star of a vehicle never really engages in acting, but merely plays himself. The star is generally criticized for this. Also the repetition of similar characteristics from vehicle to vehicle invites severe criticism from reviewers. The more the audience responds to a vehicular formula by making these films hits at the box office, the less likely the conventions for a star’s vehicles will change.

The narrow scope of a set of vehicles in terms of conventions, the blurring of star’s image into character, and the frequent repetition of conventions are inherent in the nature of the film vehicle. High-brow reviewers – or, in the case of Presley, rock music historians and certain biographers – who consider film vehicles inferior because of these characteristics are naive. Criticizing the star of a vehicle for playing himself, or attacking a film vehicle for being repetititve, is like criticizing a tiger for having stripes. It is the nature of the beast.“

– zitiert nach Susan M. Doll: Understanding Elvis: Southern roots vs. star image, 1998

Was heißt das nun aber genau für das klassische Elvis-Musical, für einen Film wie Viva Las Vegas? Es bedeutet, dass man den Film innerhalb seines Genres bewerten muss, also danach wie gut oder schlecht er sein Ziel erreicht, nämlich das bestimmende Handlungselement, den Star bzw. dessen Starimage, überzeugend zu präsentieren. Alles andere macht, wie Susan Doll nachvollziehbar ausführt, schlicht keinen Sinn.

Viva Las Vegas: Elvis hoch 2 in Action

Noch viel besser als 1 Elvis sind 2: Ann-Margret und Elvis als doppelter Elvis in Viva Las Vegas

Und bei Viva Las Vegas haben sich der musicalerfahrene Co-Produzent/Regisseur George Sidney und sein Team ganz schön was einfallen lassen, um dem Anfang der 1960er etablierten Elvis-Musical noch mal ordentlich auf die Sprünge zu helfen und dabei dennoch das Elvis-Image dieser Zeit gekonnt einzubinden. Schon in den ersten Minuten des Films wird das Starimage Elvis Presleys und damit die Handlung auf den Punkt genau gesetzt.

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Buchtipp: The Elvis Movies von James L. Neibaur

Elvis was always a good actor, but the material was not always on his side.“ Dieses Statement klingt kühn. Kann das wirklich ernst gemeint sein? Das kann doch nur von einem beinharten Elvis-Fan mit rosaroter Brille auf der Nase kommen, der sich weigert, eine längst anerkannte Tatsache zu akzeptieren, die da lautet: Der Schauspieler Elvis Presley ist einfach nicht der Rede wert (→ Elvis in Hollywood).

Filmhistoriker James L. Neibaur

Filmhistoriker James L. Neibaur

Weit gefehlt! Wer sich hier so kühn aus dem Fenster lehnt, ist der bekannte Filmhistoriker James L. Neibaur in seinem gerade erst erschienenen Buch The Elvis Movies (2014).

Neibaur ist kein ausgewiesener Elvis-Aficionado, sondern hat sich vor allem einen Namen als Autor von Büchern über die Filme Charlie Chaplins, Buster Keatons, Bob Hopes, Harry Langdons und James Cagneys gemacht. Aktuell arbeitet er an einem weiteren Buch über die Filme Clint Eastwoods.

Mit über 40 Essays in der angesehenen Encyclopedia Britannica ist Neibaur wahrlich kein intellektuelles Leichtgewicht. Wie kommt er also zu der eingangs zitierten kühnen Aussage über den  Schauspieler Elvis Presley, bekannt vor allem als Darsteller seichter Unterhaltungsfilme? Ganz einfach: Der Filmkenner hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, ganz offensichtlich auch alle (!) 31 Spielfilme plus die Konzertdokumentationen genau angeschaut und selbst detailliert analysiert.

Seine Erkenntnisse präsentiert Neibaur in The Elvis Movies  auf 281 Seiten in 36 klar strukturierten Kapiteln, wobei jeder Spielfilm sein eigenes Kapitel hat. Die Konzertdokumentationen sind in einem weiteren Abschnitt zusammengefasst. Einleitende und abschließende Kapitel sowie Fußnoten und ein Literaturverzeichnis runden die Publikation ab. Die Filme werden chronologisch vorgestellt, was der Übersichtlichkeit dient und die Fülle der Information auch für diejenigen Leser verdaulich macht, die keine ausgewiesenen Elvis-Kenner sind.

Hilfreich ist auch, dass Neibaur seine Ausführungen zu den Filmen neben einer  Inhaltsangabe immer wieder kurz und knapp mit Informationen zur Karriere des Musikers Elvis Presley (Studioalben, ’68 Comeback-Special) ergänzt, was eine zeitliche und inhaltliche Einordnung erleichtert und so manches erstmals richtig nachvollziehbar macht. Dennoch liegt Neibaurs Fokus klar auf den Filmen selbst, auf die Soundtracks geht er nur am Rande ein, listet allerdings alle Filmsongs jeweils in den Kapitelanfängen zusammen mit den Übersichtsangaben zu Filmcrew, Drehzeitraum und Budget.

Elvis als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem wahrscheinlich besten Elvis-Musical

Elvis gibt alles als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem Pop Art-Klassiker unter den  Elvis-Musicals

The Elvis Movies ist kein Fotobuch, nein hier geht es in erster Linie um Inhalte, wie auch in Paul Simpsons ebenfalls sehr empfehlenswerter Publikation Elvis Films FAQ (2013)! Neibaurs Buch ist gut geschrieben, liegt aktuell jedoch nur in englischer Sprache vor. Der Erzählstil ist unaufgeregt sachlich, dabei nicht langweilig. Man merkt: Hier nimmt einer sein Thema wirklich ernst.

Der Autor beschönigt nicht, aber er macht den Verlauf von Elvis Presleys Filmkarriere nachvollziehbar: von den vielversprechenden Anfängen in den 1950ern über die formelhaften, lange sehr erfolgreichen Musicals der 1960er, die in eine künstlerische Sackgasse führten, bis hin zu dem zaghaften, aber vielversprechenden Neuanfang, der in den letzten Spielfilmen Ende der 1960er (→ The Trouble With Girls) zu erkennen ist.

Dass Neibaur in seinen Ausführungen auf den erhobenen Zeigefinger, das Besserwissertum in Form von „Hättest du mal besser, Elvis“, verzichtet, also keinerlei Überheblichkeit oder gar Herablassung erkennen lässt, macht das Buch auch für einen passionierten Fan zu einer gut verdaulichen Lektüre.

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Viva Las Vegas: ein Pop Art-Klassiker wird 50!

Vor 50 Jahren, am 20. Mai 1964, lief Viva Las Vegas – Elvis Presleys 15. Hollywoodfilm – in den amerikanischen Kinos an. Deutschlandpremiere war am 24. Juli unter dem Titel Tolle Nächte in Las Vegas. Höchste Zeit für eine Hommage an einen unterhaltsamen Filmklassiker und seine beiden charismatischen Hauptdarsteller: Elvis Presley und Ann-Margret Olsson!

Nose to nose: Ann-Magret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in Viva Las Vegas

Ann-Margret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in ‚Viva Las Vegas‘ (1964)

2 echte Klassiker hat Elvis Presleys vielgeschmähte Hollywoodkarriere (→ Elvis in Hollywood, → Elvis im Kino) hervorgebracht, da sind sich Filmhistoriker mittlerweile ziemlich einig: → Jailhouse Rock (1957), der Rock ’n‘ Roll-Film schlechthin – 2004 ins Nationale Filmregister der USA als kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevanter Film aufgenommen – und… Viva Las Vegas (1964), ein klassisches Elvis-Musical der 1960er.

Nun könnten die Filme auf den ersten Blick unterschiedlicher gar nicht sein: der eine ein musikalisch unterlegtes Drama um einen „angry young man“ in der Tradition von Dean und Brando, der andere eine farbenfrohe Musikkomödie um einen Rennfahrer, der sein Glück ausgerechnet in Las Vegas findet. Können die wirklich in einer Liga spielen? Und ob. Viva Las Vegas gilt unter amerikanischen Filmhistorikern heute als „a visionary cultural artifact“, konkreter ausgedrückt als:

„A fully realized example for the early- to mid-’60s pop art movement, in its cinematic specifics it signifies every American fantasy of innocence and lust, flawless beauty and easy money, good times and charmed lives.“

– zitiert nach Douglas Brode: Elvis Cinema and Popular Culture, 2006

Viva Las Vegas wird also als filmische Pop Art erster Güte geschätzt, was Andy Warhols guten Riecher (→ Elvis und Andy Warhol: Kings of Popular Art) einmal mehr bestätigt. Eine Bewertung, der sich – in anderen Worten – auch Filmhistoriker James Neibaur → The Elvis Movies und Film-Aficionado → Paul Simpson in ihren Veröffentlichungen anschließen.

Viva Las Vegas: Spotlight Filmcrew

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, denn bei Viva Las Vegas – eine Produktion der MGM unter der Regie des Filmproduzenten und Regisseurs George Sidney – war eine Filmcrew am Werk, die den Auftrag, eine unterhaltsame, zeitgemäße Musikkomödie zu schaffen offensichtlich nicht nur ernst nahm, sondern mit den vorhandenen Mitteln auch kreativ umzusetzen wusste.Das ist vor allem bei den Gesangs- und Tanznummern von Elvis und Ann-Margret zu sehen.

Herausgekommen ist ein Film-Musical, das dem Team um Hollywoodproduzent Hal Wallis, der als eigentlicher Erfinder des Elvis-Musicals (G.I. Blues, Blue Hawaii, → Fun In Acapulco) gilt, zeigte, wie man’s besser machen kann.

My baby loves me: Ann-Magret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

My baby loves me: Ann-Margret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

Mit Ann-Margret Olsson besetzte Viva Las Vegas nur 1 weibliche Hauptrolle, während sich sonst in einem Elvis-Film gleich eine ganze Riege mehr oder minder bekannter (und begabter) Darstellerinnen die Klinke in die Hand gaben. Ann-Margret jedoch war 1963 selbst schon ein Star und konnte dem King das Wasser reichen, was Leinwandpräsenz und Musikalität anging.

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Men in Black oder mein 1:34-Minuten-Elvis-im-Kino-Moment

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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Elvis, die Beatles und Bob Dylan kreieren einen Radiospot

Elvis Presleys Image wird heute immer noch sehr gerne in der Werbung eingesetzt. Besonders Autohersteller wie BMW und Audi nutzen Elvis’ gelebte Auto Emoción ausgiebig für die eigene Marke. Letzteres manchmal mit ungeahnten Folgen – das hat 2001 der Hype um den Wackel-Elvis aus dem Audi-TV-Spot The Fan eindrucksvoll bewiesen.

samsung-elvis-print-ads-560x789 (2)Doch auch die Musikindustrie lässt sich nicht lumpen, wenn es um den King geht – zahlreiche Werbekampagnen bedienen sich bis heute erfolgreich des Images Elvis Presleys. Völlig legitim vor dem Hintergrund, dass der Musikgigant selbst, dem gerne nachgesagt wird, zu Lebzeiten nie für ein anderes Produkt als ELVIS geworben zu haben, 1956 gleich mehrere Radiospots für den Victrola, einen tragbaren Plattenspieler der Radio Corporation of America (RCA), aufnahm (→ der King rockt die Musikindustrie).

Daneben hat der King zu Beginn seiner Karriere auch Werbung für seinen Herrenausstatter Lansky in Memphis und so hüftbeschwerende Leckereien wie Southern Maid Donuts gemacht. Ziemlich vielseitig und alltagstauglich, der Mann (→ Scott Williams über die globale Marke Elvis Presley)!

Die Sache mit den Radiospots hat ein paar findige Jungs und Mädels auf die witzige Idee gebracht, mal durchzuspielen, wie es wohl wäre, wenn Elvis den Auftrag bekäme, zusammen mit den Beatles und Bob Dylan einen Radiospot für Kinderschuhe einzuspielen. Klar, dass die Beteiligten da völlig andere Ansätze haben ;-):