Blue Christmas oder Millie und der Weihnachtsklassiker wider Willen (1957)

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Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Bei der Aufnahmesession für das Elvis Christmas Album im September 1957 war er allerdings noch nicht so richtig in Stimmung für Weihnachten – und schuf mit Blue Christmas dennoch einen Weihnachtssong-Klassiker.

Blue Christmas: Elvis Presley unterm Christbaum in den 1950ern

Zu viel Anderes ging Elvis im September ’57 noch im Kopf herum. Statt sich ganz den Aufnahmen für das Elvis‘ Christmas Album zu widmen, war er mehr daran interessiert, weiter an seiner Aufnahme des Songs Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – zu arbeiten und außerdem My Wish Came True des R&B-Sängers und Komponisten Ivory Joe Hunter auf Platte zu bannen.

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session, die im September 1957 im Studio von Radio Recorders in Hollywood stattfand, dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme ab 1957 auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background zu hören.

Millie Kirkham: »Elvis was a funny guy«

Trotz Elvis‘ Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Aufnahmesession hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist. Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas – vor 1957 schon erfolgreich unter anderem von dem Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Hier kommt seine gemächliche Countryversion.

Blue Christmas in der Version von Countrysänger Ernest Tubb

Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen vielleicht gar nicht erst veröffentlicht. Er hatte eine großartigen Sinn für Humor, erzählt Millie.

Allerdings schätzte er seine Plattenfirma völlig falsch ein. Als hätten die Verantwortlichen bei RCA in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Elvis Presleys Blue Christmas 1957

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

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Elvis‘ Monster-Single: Hound Dog/Don’t Be Cruel (1956)

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Elvis Presleys Single Hound Dog/Don’t Be Cruel hat amerikanische Chartgeschichte geschrieben. Denn A- und B-Seite der Single, die am 13. Juli 1956 bei RCA Victor erschien, verbrachten 1956/57 zusammengenommen unglaubliche 55 Wochen in Billboards Pop-Charts. Hound Dog war 28, Don’t Be Cruel 27 Wochen gelistet. Damit nicht genug: Hound Dog und Don’t Be Cruel jagten sich gegenseitig bis zur Chartspitze, wo sie sich ab Spätsommer ’56 abwechselten – unglaubliche 11 Wochen lang.

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show am 1. Juli 1956 - Vorlage für das Cover der Monstersingle Hound Dog/Don't Be Cruel

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956 – Vorlage für das Cover der „Monstersingle“ Hound Dog/Don’t Be Cruel – Foto: Alfred Wertheimer

Zusätzlich charteten beide Songs in Billboards Country- und R&B-Charts, wo sie ebenfalls die Top-Position erreichten (Quelle: Joel Whitburns Billboard Chart-Statistiken). Den geradezu monströsen wechselseitigen Erfolg der A- und B-Seite der Single spiegeln die zwei Versionen des leicht abgewandelten Single-Covers aus dieser Zeit, die einmal die A-Seite Hound Dog und einmal die B-Seite Don’t Be Cruel in den Vordergrund rückten.

Das Cover auf Basis eines Fotos von Alfred Wertheimer zeigt Elvis bei seinem Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956, bei der er eine Live-Version von Hound Dog zu einem Basset singen musste, um den Aufruhr in der amerikanischen Öffentlichkeit, der nach seinem Auftritt in der Milton Berle-Show am 5. Juni 1956 entstanden war, nicht weiter zu befeuern.

Hound Dog Single

Audio Hound Dog – Boxset Young Man With The Big Beat (2011)

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Legendär: Elvis und The Million Dollar Quartet 1956

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Am 4. Dezember 1956 hat Elvis Presley einen seiner berühmten spontanen Einfälle. Mit seiner neuesten Flamme Marilyn Evans aus Las Vegas und Musikerfreund Cliff Gleaves im Schlepptau ist er in einem seiner Straßenkreuzer unterwegs durch Memphis, als er sich spontan entschließt, bei seiner alten Wirkungsstätte – Sam Phillips SUN-Studio, 706 Union Avenue – vorbeizuschauen.

  • The Kings of Rock 'n' Roll haben richtig Spaß (v.l.n.r.): Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Elvis (am Klavier) und Johnny Cash am 4. Dezember 1956 im Sun Studio in Memphis

Genau hier im SUN-Studio hat er fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahre zuvor seine erste kommerzielle Single That’s All Right (Mama)/Blue Moon Of Kentucky aufgenommen und damit praktisch aus dem Stand heraus seine Megakarriere gestartet. Inzwischen ein  Superstar mit lukrativem Plattenvertrag beim bekannten New Yorker Label RCA und einer beeindruckenden Folge an Nummer-1-Hits sowie gleich 2 Nummer-1-Alben in den amerikanischen Charts innerhalb weniger Monate, kehrt der King of Rock ’n‘ Roll an diesem milden Dezembernachmittag 1956 dorthin zurück, wo alles anfing für ihn.

Elvis trifft Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash

Als Elvis gut gelaunt zusammen mit Marilyn Evans und Cliff Gleaves bei Sam Phillips reinschneit, ist einer seiner erfolgreichen Nachfolger bei SUN – Carl Perkins – gerade mit einer eigenen Aufnahmesession zugange. Perkins nimmt an diesem Tag einen seiner bekanntesten Songs – Matchbox – auf und wird dabei unterstützt von seinen Brüdern Clayton und Jay, Schlagzeuger W.S. Holland und einem noch wenig bekannten Mann am Klavier: Jerry Lee Lewis. Lewis arbeitet für Studioinhaber Phillips als Session-Pianist.

Nach ein bisschen Smalltalk mit Entdecker Phillips und Anhören der Perkins-Aufnahme, die ihm gut gefällt, gesellt sich Elvis zu den anderen Musikern im Aufnahmeraum, setzt sich ans Klavier und startet damit eine Jam-Session unter seiner Führung, an der alles spontan, nichts vorbereitet und erst recht nichts geprobt ist. Mit anderen Worten die Session ist vor allem eins: very Elvis, d.h. Spaß unter Kumpels, die einen sehr ähnlichen musikalischen Hintergrund haben.

Elvis übernimmt bei den meisten Songs den Leadgesang, ist an der Gitarre zu hören und gibt bald den Platz am Klavier frei für Jerry Lee Lewis, der ordentlich in die Tasten haut und auch gesanglich ganz vorne mit dabei ist. Zurückhaltender als Lewis gibt sich Carl Perkins, der Gitarre und Gesang beisteuert. Auf den erhaltenen Aufnahmen dieser Jam-Session praktisch gar nicht zu hören ist der 4. berühmte SUN-Künstler, der an diesem Tag ebenfalls bei Sam Phillips vorbeischaut: Johnny Cash.

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Elvis‘ Christmas Album (1957)

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1957 war ein sehr erfolgreiches Jahr für Elvis Presley – beruflich und privat. Der gerade mal 22-Jährige spielte 1957 die Hauptrolle in zwei Hollywoodfilmen, Loving You und Jailhouse Rock, deren Soundtracks zielsicher auf Platz 1 der Billboard-Charts landeten. Außerdem war er auf Auslandstournee in Kanada, schuf für sich und seine Eltern in Memphis mit Graceland ein neues Zuhause und lernte Freundin Anita Wood kennen.

Doch damit nicht genug: Er schloss das Jahr 1957 außerdem mit einem weiteren Albumklassiker und Charttopper ab: Elvis‘ Christmas Album!

Weihnachtlicher Charttopper: Elvis' Christmas Album 1957

Weihnachtlicher Charttopper: Elvis‘ Christmas Album 1957

Aufgenommen hat Elvis die Songs seines  1. Weihnachtsalbum (→ siehe auch Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas) im Januar und September 1957 bei Radio Recorders in Hollywood, also in demselben Aufnahmestudio, in dem auch die Soundtracks für die Filme Loving You und Jailhouse Rock entstanden.

Mit von der Partie waren mit Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und Schlagzeuger D.J. Fontana Elvis‘ musikalische Weggefährten aus den Anfangsjahren, unterstützt am Piano von Dudley Brooks, gesanglich von den Jordanaires um Gordon Stoker und im September erstmals auch der Sopranistin Millie Kirkham.

Werbetrommel im TV

Veröffentlicht wurde Elvis‘ Christmas Album in den USA Mitte Oktober 1957. Es hielt sich volle vier Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts und wurde mit seiner Deluxe-Ausstattung, die mehrere attraktive Elvis-Fotos mit Motiven aus dem Film Jailhouse Rock präsentierte, ordentlich von der Plattenfirma beworben – auch im TV. Hier ein witziges Video mit einem TV-Werbeclip für das Originalalbum von 1957.

 

Elvis‘ Christmas Album wurde in den Folgejahren mehrfach neu aufgelegt in so vielen unterschiedlichen Ausführungen, das einem dabei schwindlig werden kann.

2011 zeichnete die Recording Industry Association of America (RIAA) die Camden-Version des Albums von 1970 mit einem Diamond-Award für mehr als 10 Mio. allein in den USA verkaufte Exemplare aus. Damit soll Elvis Christmas Album bis heute das erfolgreichste Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA sein… und das ist nur diese eine Platte.

Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass fast jeder, der im Musikgeschäft einigermaßen erfolgreich ist, auch irgendwann ein Weihnachtsalbum herausbringt. Man kann es so schön jedes Jahr vor Weihnachten wieder ins Spiel bringen. Entsprechend viele gibt es.

Elvis‘ Christmas Album gilt jedoch auch musikalisch als Klassiker  –  die Redaktion des Musikmagazins Rolling Stone listet es als zweitbestes Weihnachtsalbum aller Zeiten.

Elvis‘ Christmas Album: Songs zum Reinhören

Zum Reinhören hier nun die 12 Songs in der Reihenfolge, in der sie 1957 auf Elvis‘ Christmas Album veröffentlicht wurden.

Bewegt sich der King of Rock ’n‘ Roll bei Songs wie O Little Time Of Bethlehem oder Silent Night klassisch in der Weihnachtstradition, so wartet er bei Santa Bring My Baby Back To Me und Here Comes Santa Claus mit fröhlich rockigen Nummern auf, während Santa Claus Is Back In Town von Leiber & Stoller – bluesig und sehr suggestiv – das Genre in eine neue Dimension bringt. Christmas Blues, wie der Song ursprünglich hieß, ist für mich DER Klassiker auf der Scheibe, auch wenn dieser Titel meist an Blue Christmas geht.

Die 4 Gospels Take My Hand, Precious Lord, There’ll Be Peace In The Valley, It Is No Secret und I Believe  waren – bevor sie auf dem Weihnachtsalbum landeten – im Frühjahr 1957 schon auf der Extended Play (EP) Peace In The Valley erschienen. Heute sind sie fester Bestandteil der Gospel-Kompilationen des Memphis Flash. Jetzt aber die Ohren auf!

Santa Claus Is Back In Town

 

White Christmas


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Elvis At Stax – erster Eindruck: WOOOWWW!

Gerade erst ist es erschienen: Elvis at Stax – das neue Deluxe-Boxset aus Sonys Legacy-Serie zum 40. Jubiläum von Elvis Presleys Aufnahmen im Studio von Stax Records in Memphis.

Cover des Deluxe-Boxsets 'Elvis At Stax'

Cover des Deluxe-Boxsets ‚Elvis At Stax‘

Die Aufnahmen der beiden Sessions, die vom 21. bis 25. Juli und 10. bis 16. Dezember 1973 stattfanden, waren ursprünglich auf 3 verschiedenen Studioalben verstreut: Raised On Rock (1973), Good Times (1974) und Promised Land (1975). 6 Singles wurden in den 1970ern mit Material der Stax-Sessions veröffentlicht, 1 weitere posthum 1979.

Von den rund 30 Songs der Stax-Sessions erreichten 3 die Top 20 der Billboard Hot 100 (Pop-) Charts, 4 die Top 20 bzw. 3  die Top 10 der Billboard Country-Charts und 2 die Top 10 der Adult Contemporay-Charts, darunter der Nr. 1-Hit My Boy (Quelle: Joel Whitburns Billboard Chartstatistiken). Promised Land mauserte sich 1975 zum Nummer-1-Album in Billboards Country-Charts. Im Deluxe-Boxset Elvis at Stax ist das alles nun auf 3 CDs mit spannenden Outtakes und Studiogeplauder vereint.

Abgerundet wird das Boxset durch ein Booklet, für dessen Inhalt der mehrfach ausgezeichnete Journalist und Autor Robert Gordon verantwortlich zeichnet. Gordon hat schon für Sonys Legacy-Veröffentlichung From Elvis In Memphis (2009) in die Tastatur gegriffen und neben Biografien über Muddy Waters sowie Jerry Lee Lewis auch 2 Elvis-Bücher – The King on the Road: Elvis Live on Tour 1954 to 1977 (1996) und The Elvis Treasures (2002) – unters Volk gebracht hat.

Elvis At Stax: Der erste Eindruck zählt!

Bestandteile des neuen Boxsets 'Elvis At Stax'

Bestandteile des neuen Boxsets ‚Elvis At Stax‘

Mein spontaner Eindruck beim ersten Reinhören – mit dem Booklet  beschäftige ich mich später ;-): uneingeschränktes WOOOWWW! Und das liegt vor allem an der neuen Abmischung, die Legacy-Boss Rob Santos zusammen mit Steve Rosenthal vor allem den Outtakes hat angedeihen lassen. Nie klang das für mich so spritzig wie hier!

Verantwortlich für die Zusammenstellung des Boxsets sind neben Santos erneut Ernst Jørgensen und Roger Semon, die mit großen Erfolg das Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream (FTD) betreuen. Ein verdammt gutes Team hat der King hier am Start, wie 2012 schon das vergleichbar aufgemachte → Deluxe-Boxset Elvis – Prince From Another Planet mit den neu abgemischten legendären Madison Square Garden-Konzerten von 1972 bewies.

Da wollen wir auch gar nicht mehr groß über die weitaus weniger gelungene Legacy-Veröffentlichung zum 40. von Aloha From Hawaii meckern, die im Frühjahr 2013 veröffentlicht wurde. Aber interessant ist es schon, dass Elvis‘ Dream Team den Fokus in 2013 ganz offensichtlich nicht auf das → Mega-TV-Event Aloha From Hawaii, sondern auf Elvis‘ letzte wirklich umfangreiche Studiosession legt. Zufall ist das ganz sicher nicht!

Elvis At Stax: Was ist denn nun drauf?

Auf den 3 CDs sind insgesamt 54 Aufnahmen. Zu den Buchstaben in Klammern siehe weiter unten – es sind Hinweise darauf, auf welcher LP/CD die Aufnahmen ursprünglich erschienen sind.

 

CD 1: R&B and Country Outtakes zum Reinhören

1. I Got A Feelin‘ In My Body – Take 1 (I)
I Got A Feelin‘ In My Body (Take 1)

2. Find Out What’s Happening – Takes 8-7 (B)
Find Out What’s Happening (Takes 8-7)

3. Promised Land – Take 4 (I)
Promised Land (Take 4)

4. For Ol‘ Times Sake – Take 4 (I)
For Ol‘ Times Sake (Take 4)

5. I’ve Got A Thing About You, Babe – Take 14 (I)
I’ve Got A Thing About You, Babe (Take 14)

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Elvis Presley – A Boy From Tupelo

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Tot ist man erst dann, wenn sich keiner mehr an einen erinnert, heißt es. Wenn dies stimmt, dann ist Elvis Presley ein ausgesprochen lebendiger Zeitgenosse. Dieser Tage erinnert man sich besonders häufig, jährt sich am 16. August 2012  der Todestag des King doch zum 35. Mal (→ Der King hält Hof beim European Elvis Festival 2012).

Klar, dass sich dieses Jubiläum wie alle anderen zuvor weder Plattenlabel Sony noch Rechtsnachfolger Elvis Presley Enterprises (EPE) – und sonst noch so einige rechts und links des Weges – entgehen lassen, ist es doch ein mehr als willkommener Anlass, um unserer Erinnerung  mit einer Flut an Veröffentlichungen, alte und neue,  auf die Sprünge zu helfen.

Eine dieser Veröffentlichungen kommt ganz unspektakulär daher, wird praktisch nicht beworben, sondern seit Monaten vor allem als ganz heißer Tipp in der Fangemeinde gehandelt.  Es ist Ernst Mikael Jørgensens – Jørgensen ist maßgeblich verantwortlich für das Sammlerlabel Follow That Dream (FTD) – Meisterstück in Sachen Elvis, in das er Jahre intensivster Recherche gesteckt hat: das Boxset Elvis Presley – A Boy From Tupelo. The Complete 1953 – 1955 Recordings.

Ernst Michael Jørgensens Boxset A Boy From Tupelo

Ach, schon wieder die Aufnahmen aus der berühmten SUN-Ära, als der King noch jung, unschuldig und vor allem „pur“ war – kenn‘ ich, hab‘ ich schon, alles klar, mag da so mancher Fan denken. Falsch gedacht, denn dieses Set hat überraschend viel bisher Unveröffentlichtes für Auge und Ohr aus der legendären frühen Schaffensperiode zu bieten. Weiterlesen

Elvis Presley: Jailhouse Rock Aufnahmesession 1957

Bis zum Frühjahr 1957 hatte Elvis Presley schon eine ganze Reihe von Songs des Komponistenteams Jerry Leiber und Mike Stoller erfolgreich vertont, darunter den Megahit Hound Dog. Demnach war es auch keine allzu große Überraschung, dass es gleich mehrere Songs, die das Duo für den Soundtrack des MGM-Films Jailhouse Rock bei Elvis Presleys Musikverlag einreichte, in die Endauswahl schafften. Völlig neu war allerdings, dass dies für Jerry Leiber und Mike Stoller mit der Einladung verbunden war, bei der Aufnahmesession selbst mit von der Partie zu sein.

Elvis Presley (Mitte) mit den Komponisten Jerry Leiber (links)  und Mike Stoller (rechts)

Die Aufnahmesession zu Jailhouse Rock fand am 30. April und den ersten Maitagen 1957 bei Radio Recorders in Los Angeles statt. Elvis Presley traf am 27. April 1957 per Zug zusammen mit Freddy Bienstock vom Musikverlag Hill & Range, Cousin Gene Smith, den Freunden George Klein und Arthur Hooton in Los Angeles ein, wo er sich mit seinem Gefolge im vornehmen Beverly Wilshire Hotel einquartierte.

Zuvor hatte sich der Memphis Flash fast den ganzen April über – nach einer Konzerttournee, die ihn u.a. nach Kanada führte – in seiner Wahlheimatstadt aufgehalten, um mit seinen Eltern den bevorstehenden Umzug in das erst kürzlich erworbene neue Zuhause Graceland vorzubereiten. Im Zug ging er dann mit Musikverleger Freddy Bienstock – ein Cousin der Hill & Range-Begründer Jean und Julian Aberbach – noch einmal das für den Soundtrack von Jailhouse Rock ausgewählte Songmaterial durch – Songs, die auch die Zustimmung der für den Film verantwortlichen MGM-Studiobosse gefunden hatten.

Bühne frei für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Jerry Leiber und Mike Stoller hingegen fanden sich am 30. April 1957 direkt bei Radio Recorders in Los Angeles ein, wo sie auf Elvis‘ bewährte Bandkollegen Scotty Moore (Gitarre), Bill Black (Bass) sowie D.J. Fontana (Schlagzeug), die Backgroundformation The Jordanaires, Dudley Brooks (Piano), Toningenieur Thorne Nogar und MGM-Produzent Jeff Alexander trafen.

Ihrem ersten Treffen mit Elvis Presley sahen die beiden Jungkomponisten kurioserweise nicht mit allzu großen Erwartungen entgegen. Aus einem – wie sie später selbst zugaben – nicht wirklich nachvollziehbaren Grund, gingen sie davon aus, es handele sich bei dem „Landei“ aus Memphis einfach um einen schnöseligen, musikalisch wahrscheinlich wenig begabten, dafür aber verwöhnten Jungstar – kurz: ein musikalisches Leichtgewicht. Wie man sich täuschen kann… Weiterlesen

Jailhouse Rock: Ein Filmklassiker feiert Geburtstag

Elvis Presleys dritter Kinofilm Jailhouse Rock (Rhythmus hinter Gittern, 1957) gilt heute als Klassiker der amerikanischen Film- und Musikgeschichte. Jailhouse Rock wurde 2004 in das Nationale Filmregister der USA für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme aufgenommen und 2008 in einer Umfrage des Empire Magazins als einer der 500 besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet.

Anerkannter Klassiker: Elvis Presley in seinem dritten Hollywoodfilm Jailhouse Rock (1957).

Der gleichnamige Titelsong des Films zählt laut Rolling Stone zu den 100 besten Songs, die zentrale Musik- und Tanzszene von Jailhouse Rock gilt Musikhistorikern als Prototyp des modernen Musikvideos.

Wer hätte das gedacht? Der King, von seinen Kritikern, Biografen und Fans meist gleichermaßen geschmäht für seine 31 Spielfilme, hat mindestens einen echten Klassiker im Portfolio. Das verwundert jedoch nur auf den ersten Blick, denn wie kaum ein anderer Film seiner Ära transportierte Jailhouse Rock das rebellische Lebensgefühl der Rock ’n’ Roll-Generation in den 1950ern. In Jailhouse Rock kulminierte das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl erstmals musikalisch und filmisch in einer Person: Elvis Presley, King of Rock ’n’ Roll.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielte Musik nämlich auch in den früheren richtungsweisenden Filmen wie Blackboard Jungle (Saat der Gewalt, 1955), der Bill Haleys Rock Around The Clock mit großem Erfolg als Titelsong verwendete, nicht die Hauptrolle – die Musik war hier (noch) nicht personalisiert durch den Hauptdarsteller (Glenn Ford). Dies änderte sich mit Jailhouse Rock 1957, der übrigens wie Blackboard Jungle ebenfalls von Pandro S. Berman für MGM produziert wurde.

Höhepunkt des Schwarzweißfilm-Klassikers mit Elvis Presley in der dramatischen Hauptrolle des musikalisch begabten „bad boy“ Vince Everett, den sein explosives Temperament hinter schwedische Gardinen verfrachtet, ist die berühmte Musik- und Tanzszene, der Jailhouse Rock – so ziemlich jeder dürfte sie irgendwann einmal gesehen haben, spätestens seit YouTube Einzug gehalten hat.

 

Der Titelsong Jailhouse Rock mit seiner Fülle subtiler Anspielungen, u.a. homoerotischer Natur (man wundert sich sattsam, was da alles so durch die Zensur ging), wurde von dem bekannten Komponistenduo Jerry Leiber und Mike Stoller direkt für den Film verfasst. Überhaupt stammen gleich vier der sechs im Film von Elvis Presley dargebotenen Songs aus ihrer Feder.

Dabei stand diese fruchtbare Zusammenarbeit, die ihren Höhepunkt Ende April/Anfang Mai 1957 in den Jailhouse Rock-Aufnahmesessions fand, zunächst unter gar keinem guten Stern.  Weiterlesen

Elvis Presleys Heartbreak Hotel 1956

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Heartbreak Hotel – Elvis Presleys erster Monster-Hit aus dem Jahr 1956 – gilt als minimalistisches Meisterwerk. Am ehesten ein Blues, wird die düstere, selbstmordlastige Atmosphäre des Songs vor allem vom Gesang Elvis Presleys getragen. Es ist die Intensität seiner Stimme, die zugleich Entschlossenheit, Verletzlichkeit und eine Spur Selbstironie offenbart, die den Song zum Elvis-Klassiker macht.

Heartbreak Hotel: Single-Cover von Elvis Presleys Klassiker aus dem Jahr 1956.


Elvis Presley: Heartbreak Hotel, Studioversion RCA Victor 1956

Heute gilt Heartbreak Hotel als Klassiker. 1956 jedoch waren jedoch bei weitem nicht alle vom Potenzial des Songs und des damals noch sehr jungen, weitgehend unbekannten Interpreten Elvis Presley überzeugt.

Heartbreak Hotel: I walk a lonely street

Heartbreak Hotel wurde von Mae Boren Axton und ihrem Partner, dem Gitarristen Tommy Durden, 1955 speziell für Elvis Presley geschrieben. Mae Axton arbeitete Mitte der 1950er unter anderem als Promoterin und lernte Elvis über dessen damaligen Manager Bob Neal kennen, als sie den Nachwuchsstar 1955 für eine Hank-Snow-Show in Florida buchte.

Elvis Presley mit Mae Boren Axton (rechts im Foto) im Mai 1955 – Foto: Ken Sharp, Writing for the King, 2006

Vom Talent des Memphis Flash überzeugt, den sie außerdem sehr sympathisch fand, versprach sie ihm einen Top-Hit, der ihm zum Durchbruch verhelfen sollte. Elvis sei so jung und aufrichtig gewesen, das habe sie damals sehr berührt, wird Axton noch Jahrzehnte später erzählen.

Die zündende Idee zu Heartbreak Hotel hatten Mae Axton und Tommy Durden von einem Zeitungsartikel über einen Mann, der Selbstmord verübt und einen Abschiedsbrief mit nur einer einzigen verzweifelten Zeile, nämlich I walk a lonely street, hinterlassen hatte. Das traurige Schicksal des Unbekannten inspirierte die beiden so, dass sie Heartbreak Hotel in kaum mehr als 20 Minuten komponierten.

Heartbreak Hotel

Well, since my baby left me
Well, I found a new place to dwell
Well, it’s down at the end of Lonely Street
At Heartbreak Hotel
Where I’ll be–where I get so lonely, baby
Well, I’m so lonely
I get so lonely, I could die
Although it’s always crowded
You still can find some room
For broken-hearted lovers
To cry there in the gloom
And be so, where they’ll be so lonely, baby
Well, they’re so lonely
They’ll be so lonely, they could die
Well, the bellhop’s tears keep flowin‘
And the desk clerk’s dressed in black
Well, they’ve been so long on Lonely Street
Well, they’ll never, they’ll never get back
And they’ll be so, where they’ll be so lonely, baby
Well, they’re so lonely
They’ll be so lonely, they could die
Well now, if your baby leaves you
And you have a sad tale to tell
Just take a walk down Lonely Street
To Heartbreak Hotel
And you will be, you will be, you will be lonely, baby
You’ll be so lonely
You’ll be so lonely, you could die
Well, though it’s always crowded
You still can find some room
For broken-hearted lovers
To cry there in the gloom
And they’ll be so, they’ll be so lonely, baby
They’ll be so lonely
They’ll be so lonely, they could die

Flugs mit der Komposition fertig, baten Axton und Durden den Discjockey Glenn Reeves, eine Demoversion für Elvis anzufertigen. Dabei versuchte Reeves, möglichst genau wie Elvis zu klingen, wie man auf dem erhaltenen Demo hören kann.

Reeves‘ Demoversion von Heartbreak Hotel – Ken Sharp: Writing for the King, 2006

Elvis Presley war von Heartbreak Hotel offenbar sofort begeistert, denn er nahm den Song schon 1955 – noch bevor es eine Plattenaufnahme gab – in sein Live-Repertoire auf und äußerte, er sei sich sicher, dass dies sein erster großer Hit werden würde. Andere waren davon längst nicht so überzeugt, wie sich schnell herausstellen sollte.

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