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Eindrucksvolle zwölf Minuten dauerte die Standing Ovation für ELVIS – das neue Biopic des australischen Produzenten und Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll mit Austin Butler und Tom Hanks in den Hauptrollen – bei der Premiere im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele in Cannes. Das allein, gefolgt von der sofort einsetzenden Flut an Filmkritiken in Print- und Onlinemedien, ließ großes Kino erahnen, noch bevor der Film überhaupt in den Kinos angelaufen war.

Jetzt läuft ELVIS in den Kinos, ist in aller Munde und toppte am Startwochenende in den USA sogar die Kinobesucherzahlen von Tom Cruises Blockbuster Maverick. Doch wie gut ist Luhrmanns ELVIS?

Baz Luhrmanns ELVIS ist in einem Wort: GROSSARTIG. Und das in mehrfacher Hinsicht. Wer bislang geglaubt hat, die allseits bekannte Geschichte von Elvis, dem armen Jungen aus Tupelo/Mississippi, der zum Megastar seiner Zeit aufstieg, an seinem Ruhm zerbrach, mit nur 42 Jahren früh verstarb und posthum endgültig zum Mythos wurde, sei schon seit langem auserzählt, wird von Baz Luhrmanns Biopic widerlegt.

Denn es gelingt dem australischen Produzenten und Regisseur, den allseits bekannten Mythos als Leinwand zu nutzen, auf der er zwei zentrale Themen neu in den Fokus rückt. Die wiederum sagen zum einen viel über den Künstler und Menschen Elvis Presley aus, zum anderen verweisen sie über das persönliche Schicksal hinaus auf größere Themen im Zentrum der amerikanischen Gesellschaft der 1950er bis 1970er, die bis in unsere Gegenwart hinein wirken.

Dabei wird das Ganze in einem Stil erzählt, der very Elvis und gleichzeitig very Luhrmann ist: energiegeladen, temporreich und hochemotional wie die beste Musik des King – in opulenten Bildern mit viel Liebe zum Detail und reichlich Glitz und Glam (hier wird nicht gekleckert, sondern ordentlich gerockt).

Außerdem punktet ELVIS mit einem tollen Soundtrack, bei dem bekannte Elvis-Songs mit denen zeitgenössischer Künster:innen, darunter Doja Cat,  Kacey Musgraves, Steve Nicks, Chris Isaak, Jack White, Stuart Price, Yola und Eminem, präsentiert werden.

ELVIS 2022: Austin Butler, Baz Luhrmann und Tom Hanks

Absolutes Highlight sind jedoch die beiden Hauptdarsteller: Austin Butler, der Elvis oscarreif und dabei zum Verlieben sympathisch spielt, außerdem den jungen Elvis selbst singt (siehe Soundtrack), und Tom Hanks in der Rolle seines gewieften Managers Colonel Tom Parker. Um es mit Elvis zu sagen: Mah, boy, mah boy!

Elvis und Colonel Tom Parker: »The Soul and the Sell«

Und damit ist auch schon das erste der beiden zentralen Themen, die Luhrmanns im Biopic setzt, angesprochen: Nämlich die schwierige Beziehung des Künstlers zu seinem Manager Colonel Tom Parker – von Luhrmann verdichtet zum Konflikt zwischen The Soul (Elvis) und The Sell (Parker) – zwischen Seele alias Kunst und Kommerz, wie es der Regisseur formuliert. Sie bildet den Erzählfaden des Biopics, in dem die Ereignisse aus der Retrospektive Tom Parkers dargestellt werden.

Was bislang gar nicht so viele Leute jenseits der Fanszene wissen: Parker wurde als Andreas Cornelius van Kuijk (26. Juni 1909 bis 21. Januar 1997) im niederländischen Breda geboren, reiste als junger Mann illegal in die USA ein, wo er sich flugs umbenannte in Tom Parker aus Huntington/Virginia – seine tatsächliche Herkunft verleugnend. Parker arbeitete zunächst beim Zirkus, bevor er sich als Manager von Countrymusikern wie Eddy Arnold und Hank Snow einen Namen machte. Den Titel eines Colonels erhielt van Kuijk alias Tom Parker 1948 ehrenhalber vom Gouverneur des Bundesstaates Louisiana als Dank für die Mitarbeit bei seiner Wahlkampagne.

Der Snowman: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Schon an diesem Punkt wird klar: Der falsche Colonel, der sein Handwerk beim Zirkus lernte, versteht sich auf den schönen Schein. Die Illusion ist seine Welt. Man ist, wer man vorgibt zu sein. Doch er ist viel eher ein Spieler im ganz ursprünglichen Sinne als ein reiner Hochstapler. Es geht ihm nicht nur einfach ums Geld an sich, sondern um das Spiel um Geld – und um Macht. Andere zu »snowen«, sie einzuwickeln bzw. einzulullen, ihnen mit der Aussicht auf ein besonderes Erlebnis mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, als sie ursprünglich ausgeben wollten, das ist seine große Leidenschaft.

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Dixie bemerkt ihn zum ersten Mal vor der sonntäglichen Bibelstunde. Wie unglaublich gut er aussieht, denkt sie. Erst vor kurzem ist seine Familie zu ihrer Kirchengemeinde gestoßen, der First Assembly of God Church in der 1084 McLemore Street in Memphis. Verstohlen schaut sie noch einmal zu ihm hinüber in die letzte Reihe. Jetzt lächelt er sie an – mit diesem schüchternen, leicht schiefen Lächeln, bei dessen Anblick Dixie schwindlig wird vor Glück. Was für ein Prince Charming! Er heißt Elvis Presley und ist gerade erst 19 Jahre alt geworden – so viel hat sie schon herausgefunden.

Begegnung in der Kirchengemeinde: Die Jungs der Sonntagsklasse der „First Assembly of God Church“ in Memphis Anfang 1954…

… mit dem „gutaussehenden schüchternen Neuen“ in der letzten Reihe – Foto: Unlocked – Memoirs Of Elvis‘ First Girlfriend by Dixie Locke Emmons, 2021

Als Dixie »den Neuen« das erste Mal in der Sonntagsschule bemerkt, ist sie 15 und besucht die South Side High School in Memphis. Willa Dean (*1938), wie Dixie eigentlich heißt, wächst mit ihren vier Geschwistern – drei Schwestern und einem Bruder – in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.

Bescheidene Verhältnisse in Memphis

Die Lockies stammen eigentlich aus Georgia und ziehen 1940 nach Memphis, wo Dixies Vater Thad schließlich einen Job bei der American Railway Express Agency findet, einem nationalen Paketzustelldienst, für den er Züge be- und entlädt.

Die Großfamilie wohnt in einem kleinen Haus mit nur drei Zimmern in der Lucy Street nahe der Innenstadt von Memphis. Die Locke-Kinder müssen sich eins der Zimmer teilen – ganz schön eng. Wenn Vater Thad, der morgens früh raus muss, um 8 Uhr abends ins Bett geht, ist auch für den Rest der Familie Schicht im Schacht.

Das einzige Bad befindet sich auf der hinteren Veranda – die stählerne Badewanne dient nicht nur der Körperhygiene, sondern wird auch fürs Wäschewaschen genutzt. Eine Waschmaschine ist unvollstellbarer Luxus für die Lockes. Nein, bei den Lockes wird per Hand gewaschen, von Mutter Lillian und den Töchtern. Auch ein Auto hat die Familie nicht – der Vater fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

Trotz der bescheidenen Verhältnisse hat Willa Dean, die ihren Geburtsnamen nicht besonders mag und sich deshalb schon früh in »Dixie« (Abkürzung für Dixieland = amerikanische Südstaaten) umbenennt, eine glückliche Kindheit. Zwar sind die Folgen der Weltwirtschaftskrise noch immer überall spürbar, doch die Lockes sind froh, dass der Vater einen einigermaßen sicheren Job hat, der ihnen in diesen schwierigen Zeiten ein Dach über dem Kopf, genügend zu essen und etwas zum Anziehen sichert.

Der Höhepunkt des Jahres ist der Familienurlaub bei der Familie des Vaters auf dem Land in Georgia, der nur deshalb möglich ist, weil die Zugtickets von Thads Arbeitgeber bezahlt werden.

Die Schwestern Locke (v. l. n. r.): Betty Jean (1934-2010), Juanity Fay (*1936), Willa Dean „Dixie“ (*1938) und Shirley Lois (1946-2016) – Foto: Unlocked, 2021

Ein weiteres Highlight für die Locke-Mädchen ist, wenn Mutter Lillian vor Beginn des neuen Schuljahres den dicken Katalog von Sears Roebuck raussucht, aus dem sich jede ein paar Stoffe zum Bestellen aussuchen darf. Aus den Stoffen näht Mutter Locke auf ihrer alten Nähmaschine die neuen Röcke und Blusen für ihre Töchter (Hosen sind tabu). Ansonsten sind die jüngeren Schwestern darauf angewiesen, die Kleidung der älteren aufzutragen. Dixie ist die Zweitjüngste – aua!

Dass die Familie darüber hinaus sehr wenig Geld zur Verfügung hat, empfindet Dixie jedoch nicht als großen Nachteil – schließlich haben alle anderen in ihrem Umfeld auch nicht mehr. Ihre Freizeitaktivitäten kreisen ganz um die Familie, die Nachbarschaft und die Kirche, die First Assembly of God Church, in der die Lockes seit 1944 Mitglied sind. Die Lockes sind sehr religiös. Vor allem Mutter Lillian achtet streng darauf, dass ihre Kinder die zehn Gebote und Kapitel 3, Vers 16 des Johannes-Evangeliums in- und auswendig können, noch bevor sie eingeschult werden.

Die First Assembly of God Church in der McLemore Street in Memphis – Foto: Unlocked, 2021

Davon abgesehen ist Dixie ein typischer Teenager, wird sie später sagen. Sie hat ein besonders enges Verhältnis zu ihrer zwei Jahre älteren Schwester Juanita und verbringt die Zeit, wenn sie nicht in der Schule ist oder im Haushalt helfen muss, am liebsten mit ihren Freunden. Obwohl bodenständig und praktisch veranlagt, ist die sportliche 15-Jährige auch eine Romantikerin. Sie träumt von der großen Liebe, von dem Märchenprinzen, von Prince Charming, der ihr Herz im Sturm erobert. Ihr Vorbild ist die Ehe ihrer Eltern, die 70 Jahre bis zum Tod des Vaters halten wird.

Wartet auf ihren Märchenprinzen: Dixie als Teenager im Haus ihrer Eltern – Foto: Unlocked, 2021

Doch als der Märchenprinz in ihr Leben tritt, hat er so gar nichts von dem eigenen Vater. Genau genommen fällt der Junge aus der sonntäglichen Bibelstunde ihr vor allem deshalb auf, weil er »so anders« ist. Da ist einmal die Art, wie er sich kleidet: so auffällig in Pink und Schwarz. Dann seine für damalige Verhältnisse ziemlich langen, mit Pomade zum Entenschwanz zurückgekämmten Haare. Unerhört!

Elvis in Pink und Schwarz: Hier fotografiert 1956 in der Innenstadt von Memphis, als der er sich einen Strafzettel einfängt

»Alle anderen Jungs waren wie die Ebenbilder ihrer Väter«, wird sie später sagen. Der Neue jedoch fällt unübersehbar aus dem Rahmen, weswegen die anderen Mädchen in der Gruppe ihn »seltsam« finden. Und noch etwas bemerkt Dixie: Seine Schüchternheit steht in einem eigenartigen Kontrast zu seinem offensichtlichen Bemühen, unbedingt aus der Menge herauszustechen. Sie verknallt sich Hals über Kopf in den Neuen.

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Es gibt Bücher über Elvis Presley, bei denen ich mir ziemlich sicher war, dass sie niemals geschrieben werden. Warum? Ganz einfach, weil ich mir bislang nicht vorstellen konnte, dass ihr durchaus wichtiges Thema je einen Autor finden würde.

Die Amerikanerin Sally Hoedel – Journalistin, vierfache Mutter und langjähriger Elvis-Fan – hat mich eines Besseren belehrt. Vor wenigen Wochen hat sie im Selbstverlag ihr erstes Buch mit dem Titel Elvis Destined To Die Young veröffentlicht, was übersetzt so viel heißt wie: „Elvis, dazu bestimmt, jung zu sterben“.

Cover und Titel wirken geschmackvoll, aber unspektakulär. Als ich das erste Mal drauf gestoßen bin, dachte ich ehrlich gesagt: Ach, das ist wieder so eine Mythos-Geschichte entlang der Idee, dass die ganz Großen nun mal jung sterben. Über Elvis gibt es sie wie Sand am Meer.

Buchcover von Sally Hoedels „Elvis Destined To Die Young“.

Aber die Annahme war falsch, denn das ist keineswegs der Ansatz von Hoedels Buch. Worum geht es also?

Zurück zum Anfang

Sally Hoedel geht in ihrem rund 340 Seiten umfassenden Buch (inkl. umfangreichen Quellenverzeichnis) der Krankheitsgeschichte Elvis Presleys von den Kindertagen bis zu seinem frühen Tod 1977 im Alter von 42 Jahren auf den Grund, indem sie sehr gründlich in seiner Familiengeschichte recherchiert.

Zu diesem Zweck hat die Autorin nicht nur umfänglich die gängige Elvis-Literatur durchforstet, sondern auch Mitglieder und Nachbarn der Familien Smith (Elvis‘ Familie mütterlicherseits) und Presley aus Tupeloer Tagen ebenso befragt wie Schulkameraden Elvis Presleys in Tupelo sowie Memphis. Dazu gehört beispielsweise die Tochter des Arztes der Presleys in Memphis, der Elvis‘ Mutter Gladys (1912-1958) wegen ihrer anhaltenden gesundheitlichen Probleme, z.B. vermutete Herzschwäche, in den Jahren vor ihrem Tod am 14. August 1958 behandelte. Gladys Presley wurde nur wenige Jahre älter als ihr Sohn Elvis.

Ausgangspunkt für Hoedels Recherchen sind zum einen die Erkenntnisse aus der Autopsie Elvis Presleys, die noch am Tag seines Todes, also dem 16. August 1977,  im Baptist Memorial Hospital in Memphis durchgeführt wurde, zum anderen die hohe Sterblichkeitsrate von noch jungen Familienmitgliedern vor allem aus der mütterlichen Linie.

Kleiner Mangel mit großen Folgen

So gelingt es Hoedel, einen direkten Zusammenhang herzustellen zwischen der Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, die bei der Autopsie Elvis Presleys erstmals festgestellt wurde, und den häufig auftretenden Erkrankungen der inneren Organe bei Mitgliedern der Familie Smith – darunter Gladys, die die Erkrankung an ihren Sohn weitervererbte.

Diese erbliche Stoffwechselerkrankung ist gar nicht so selten, gilt aber wegen ihrer diffusen Symptomatik bis heute als schwierig für Ärzte zu diagnostizieren. Häufig bleibt sie gänzlich unentdeckt. Und das, obwohl sie gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringt. In aller Kürze: Die Erkrankung bewirkt, dass die Leberzellen das Enzym Alpha-1-Antitrypsin fehlerhaft oder in zu geringer Menge bilden oder freisetzen. Unbehandelt macht sich die Erkrankung je nach Ausprägung früher oder später vor allem an Lunge und Leber – in selteneren Fällen auch auf der Haut und weiteren Organen – bemerkbar.

Bei Erwachsenen geht „Alpha-1“ unter anderem mit einem erhöhten Risiko einher, neben häufigen Atemwegserkrankungen auch die Lungenkrankheit COPD zu entwickeln, da die Lunge aufgrund des Enzymmangels nicht ausreichend geschützt ist. Außerdem gehen Lebererkrankungen wie Leberentzündung (Hepatitis) und Leberzirrhose (in diesem Fall nicht durch Alkoholmissbrauch hervorgerufen), die bei Gladys sowie Elvis Presley im Alter ab etwa Mitte Dreißig in unterschiedlicher Ausprägung festgestellt wurden, mit diesem Krankheitsbild einher. Die Krankheit gilt als unheilbar.

Cousin und Cousine ersten Grades: Bob und Doll Smith – Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits – bei ihrer Hochzeit 1903

Hoedel führt die Erbkrankheit, unter deren Symptomen Elvis Presley vor allem in den 1970ern zunehmend zu kämpfen hatte (das belegt die Autorin mit Aussagen von Ärzten, die ihn behandelten), auf Elvis Presleys Großeltern Robert „Bob“ Smith (ca.1877-1931) und Octavia Mansell (1876-1935), genannt „Doll“, zurück. Bob und Doll waren nämlich Cousin und Cousine ersten Grades, was dazu führte, dass sich die Erbkrankheit besonders stark bei ihren unmittelbaren Nachkommen – hier vor allem den männlichen – manifestierte.

Von den neun Kindern, die Bob und Doll bekamen, so führt Hoedel aus, starb eins bereits als Kleinkind und drei von den restlichen acht in ihren Vierzigern (darunter auch Gladys). Ein weiterer Sohn verstarb in seinen Fünfzigern.

Nach Aussagen von Familienangehörigen gingen diese Todesfälle jeweils mit einer längeren Phase des diffusen „Nie-Völlig-Gesundseins“, gefolgt von einer kürzeren akuten und letztlich tödlichen endenden Krankheitsphase einher. Als Todesursache wurden bei allen Familienangehörigen nicht exakt diagnostizierbare Komplikationen mit den inneren Organen, vor allem Leber, Herz und Nieren festgestellt. Im Fall von Doll Smith, die bereits als junge Frau als schwer lungenkrank galt, argumentiert Sally Hoedel nachvollziehbar, dass es sich bei ihrer Erkrankung viel eher um Alpha-1 gehandelt haben muss als um Tuberkulose, wie es in der Familienhistorie bis heute heißt.

Die teils recht komplexen genetischen Zusammenhänge werden in Sally Hoedels Elvis Destined to Die Young übersichtlich und nachvollziehbar in verschiedenen Grafiken dargestellt, sodass auch ein Leser, der im Biounterricht bei der Genetik nicht so gut folgen konnte, hier mitkommt.

Als nächstes widmet sich Sally Hoedel in ihrem Buch den anderen Krankheitsbildern Elvis Presleys, deren Auswirkungen zu seinen Lebzeiten entweder gar nicht oder nur im Ansatz bekannt waren und die erst bei der Autopsie teilweise ans Licht kamen. Es sind Erkrankungen, die sich laut Hoedel bis in die frühe Kindheit Elvis Presleys zurückverfolgen lassen: chronische Verstopfung und Insomnie (Schlaflosigkeit).

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»Cause Dixieland, that’s where I was born… one frosty morning«, singt Elvis in seiner legendären Version des Songs American Trilogy. Und ungemütlich kalt ist es in der Tat in dem winzigen Holzhaus in Tupelo/Mississippi – im Herzen Dixielands – in den frühen Morgenstunden des 8. Januar 1935, als der künftige King of Rock ’n‘ Roll hier das Licht der Welt erblickt.

  • Elvis Presleys Geburtshaus in Tupelo/Mississippi in den späten 1930ern/1940ern - Foto: ElvisExpressRadio

Doch noch ist es nicht so weit. Die hochschwangere Gladys dreht sich unruhig im Bett von einer Seite auf die andere. Keine Position verschafft ihr Erleichterung. Die Wehen haben eingesetzt und kommen nun in immer kürzeren Abständen. Gladys liegt in einem Doppelbett direkt neben der Eingangstür der kleinen Holzhütte, die Ehemann Vernon zusammen mit seinem Vater Jessie und Bruder Vester selbst gebaut hat. Nur 2 Räume hat das winzige Häuschen, ein karg eingerichtetes Schlafzimmer mit alten Zeitungen als Tapetenersatz und eine Wohnküche, in der das Feuer jetzt fast ganz ausgegangen ist.

Die werdenden Eltern: Gladys Love und Vernon Elvis Presley

Die 22-Jährige freut sich auf ihren ersten Nachwuchs ebenso wie Vernon. Wenn nur die Schwangerschaft nicht so beschwerlich wäre. Gladys ahnt, dass sie Zwillinge bekommen wird. Doch sicher sein kann sie sich nicht, denn ärztliche Voruntersuchungen für Schwangere sind alles andere als die Norm unter der ländlichen Bevölkerung Tupelos in den Jahren der Weltwirtschaftskrise.

Eine Krankenversicherung haben die Presleys nicht. Das junge Ehepaar ist arm, sehr arm. Vernon schlägt sich mit wechselnden Gelegenheitsjobs durch und Gladys hat ihren Arbeit als Näherin im Tupelo Garment Center wegen der schwierigen Schwangerschaft längst aufgeben müssen.

Skizze von Elvis Presleys Geburtshaus in Tupelo nach Vernon Presleys Angaben - Skizze: ElvisExpressRadio

Innenansicht der beiden Räume in Elvis Presleys Geburtshaus nach Angaben Vernon Presleys – Skizze: ElvisExpressRadio

 

Überhaupt kennen Gladys und Vernon sich erst knapp 2 Jahre. Schwer verliebt sind sie nur wenige Monate nach dem Kennenlernen einfach durchgebrannt und haben am 17. Juni 1933 in Pontotoc County, Gladys Heimat, geheiratet. In Tupelo hätte das leidenschaftliche Pärchen auch gar nicht ohne Weiteres heiraten können, da die lebenslustige Gladys (25.4.1912-14.8.1958) zu diesem Zeitpunkt mit 21 Jahren zwar schon volljährig ist, nicht aber der erst knapp 17-jährige Vernon (10.4.1916-26.6.1979).

In Gladys Heimat umgeht das Paar dieses klitzekleine Hindernis einfach, indem es bei der Eheschließung falsche Altersangaben macht. Vernon gibt vor, volljährig zu sein, Gladys hingegen macht sich ein paar Jahre jünger als sie ist. Das geht? Sicher, denn die Registrierung von Geburten ist noch keine Pflicht, als Gladys Love Smith im April 1912 in Pontotoc County als viertes von acht Kindern zur Welt kommt. Und Vernon kennt dort ja keiner… Geld für die Heiratslizenz haben die beiden übrigens auch nicht, sie borgen es sich auf die Schnelle von einem befreundeten Ehepaar.

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Am 16. Januar 1971 macht Elvis Presley etwas für ihn sehr Ungewöhnliches: Er betritt in seiner Heimatstadt Memphis ein Podium, stellt sich an ein Rednerpult und hält vor einer honorigen Versammlung eine selbstverfasste Rede. Bedankt er sich etwa für einen Grammy, die vielen Goldenen Schallplatten und ausverkauften Konzerte? Wurde ja auch mal Zeit…

16. Januar 1971: Elvis Presley hält eine Rede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jaycee Award

16. Januar 1971: Elvis Presley bedankt sich für die Auszeichnung mit dem Jaycee Award

Aber nein, er hält  eine Rede, weil er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 ausgezeichnet wirde. Der sog. Jaycee-Award wird von einer hochkarätigen Jury, zu der 1970 auch der amerikanische Ex-Präsident Lyndon B. Johnson zählt, an herausragende Persönlichkeiten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren verliehen, die „die besten Eigenschaften ihrer Generation verkörpern und damit einen Fortschritt für eine bessere Welt bewirken“. Dabei müssen sich die Kandidaten durch besondere Leistungen in ihrem jeweiligen Betätigungsfeld sowie ihr humanitäres Engagement auszeichnen.

Die Jaycees und ihr Award

Die Gemeinschaft der Jaycees vertritt die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Aus Sicht der Jaycees werden Veränderungen eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Zu den Jaycee-Preisträgern des Jahres 1970, die am 16. Januar 1971 in Memphis geehrt werden, zählen neben Elvis u.a. der afroamerikanische Jurist und Bürgerrechtler Thomas Atkins, Biophysiker Mario R. Capecchi, späterer Nobelpreisträger für Medizin, und Paul W. Bucha, Experte für den Nahen Osten und Barack Obamas Berater für Außenpolitik. Die frischgebackenen Jaycees erhalten eine Skulptur mit zwei sich berührenden Händen.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King mit ihren symbolträchtigen Awards in der Hand: zwei Hände, die sich berühren

Zwei Hände, die sich berühren: Jaycee-Preisträger Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, mit Elvis Presley 1971

Der Jaycee-Award ist also eine sehr hohe Auszeichnung und Elvis Presley ist 1970 der einzige Preisträger aus dem Entertainment. Vorgeschlagen für den Award – und man muss vorgeschlagen werden – wurde Elvis zuvor von dem demokratischen Politiker, Sheriff und späteren Bürgermeister des Bezirks Shelby County, William N. („Bill“) Morris. Bill Morris war nach der Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 in Memphis maßgeblich an der Festnahme des Attentäters James Earl Ray beteiligt.

»I was a dreamer«: Eine Rede, die es in sich hat

Was die Verleihung des Jaycee-Awards an Elvis Presley besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die einzige bekannte Preisverleihung ist, zu der der King nicht nur persönlich erscheint (selbst den Grammy für sein Lebenswerk ließ der Mann sich einfach zwischen zwei Konzerten in Las Vegas „vorbeibringen“ → Elvis und die Grammys), sondern für die er selbst am Abend vor der Preisverleihung eine kurze, dabei erstaunlich poetische Rede verfasst. Als der King seine Rede am 16. Januar 1971 als letzter Preisträger frei am Rednerpult hält, braucht er dazu kaum  mehr als 1 Minute – noch nicht einmal die Länge eines Songs.

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Alwin Bressler! Hätte Elvis Presley mit diesem sehr deutsch klingenden Namen auch der King of Rock ’n‘ Roll werden können? Oder hätte er sich für eine Megakarriere im Showbiz doch besser rechtzeitig umbenannt?

Alwin Bressler alias Elvis Presley hat deutsche Vorfahren

Alwin Bressler alias Elvis Presley – allwissender, edler Freund mit deutschen Vorfahren

Wie auch immer, diese Entscheidung wurde Alwin, was – zusammengesetzt aus den althochdeutschen Wörtern „adal“ (edel, vornehm) und „wini“ (Freund) – so viel heißt wie “edler Freund”, schon gut 200 Jahre vor seiner Geburt abgenommen. Denn die deutschen Vorfahren des King sind zwar 1710 als Bresslers in die USA emigriert, haben sich dann aber bald umbenannt in die im englischen Sprachraum leichter von der Zunge laufenden Namensvarianten Preslar, Presler, Presley.

Logischerweise zogen die Vornamen von Alwins Vorfahren ebenfalls um: Aus Andreas und Peter wurden Andrew und Pieter. Man darf annehmen, dass auch ein Alwin sich beizeiten in die englische Richtung Elwin oder Elvis entwickelt hätte, schließlich war der Name im Altenglischen schon geläufig als Alviss (all-viss = allwissend, weise).

Der edle Freund hätte sich also in den allwissenden Weisen verwandelt. Mit beiden Namensbedeutungen braucht man sich nicht zu verstecken, man kann sie sogar sehr schön kombinieren, was aus Elvis so etwas wie den „allwissenden, edlen Freund“ macht. Also, wenn man mit diesem Namen nicht zu Höherem berufen ist, dann weiß ich es auch nicht…

Alle Mann an Bord: die Bresslers aus Deutschland wandern aus

Für all dies hat ein gewisser Johannes Valentine Bressler den Grundstock gelegt. Johannes, dem gerne nachgesagt wird, dass er aus Hochstadt stammt, erblickte laut Lorina Boligs geradezu erschlagendem Ahnenforschungswerk Ancestors of Elvis Presley 50 Generations 1669 in Walburg, Kreis Witzenhausen, also im heutigen Hessen, das Licht der Welt.

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Gladys Love Presley (25.4.1912–14.8.1958) war zweifellos eine der wichtigsten Bezugspersonen im Leben ihres Sohnes. Elvis Presley selbst bezeichnete die Beziehung zu seiner Mutter ganz offen als eine sehr enge und führte das vor allem darauf zurück, dass er ein Einzelkind war. Gladys sei nicht nur seine Mutter, sondern auch eine Freundin für ihn gewesen, erzählte er Journalisten kurz nach dem Tod der Mutter 1958.

Enge Beziehung: Gladys mit ihrem Sohn Elvis 1956

Er habe immer zu seiner Mutter kommen und mit ihr reden können, wenn er sich über irgendetwas Sorgen machte. Gladys sei immer für ihn da gewesen.

Elvis Presley über das Verhältnis zu seiner Mutter Gladys – September 1958

Es mag an dieser Aussage und dem frühen Tod Gladys Presleys im Alter von nur 46 Jahren liegen, dass sich die meisten Elvis-Biografien vor allem auf den Verlust der Mutter in einer entscheidenden Lebensphase des Sohnes und die tragischen Folgen, die das Ereignis hatte, konzentrieren.

Diese Perspektive ist nachvollziehbar, doch sie greift zu kurz. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Elvis Presleys Mutter – vor allem die junge Gladys Smith – und ihren familiären Hintergrund zu werfen. Denn Gladys hat ihrem Sohn so einiges mehr mit auf den Weg gegeben, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Die junge Gladys mit ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis und Ehemann Vernon 1937

Vorhang auf also für eine wahrlich illustre Familiengeschichte mit Charakteren, die auf ihre Art einen ähnlich guten Stoff für ein Südstaatenepos abgeben wie die Figuren in Margret Mitchells berühmten Roman Vom Winde verweht. Und ganz nebenbei gewährt die Familiengeschichte von Gladys Smith tiefe Einblicke in die Historie der amerikanischen Südstaaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Some of you never been down South too much…

Tony Joe Whites Südstaaten-Song Polk Salad Annie, aus dem diese Textzeile stammt – ab 1970  fester Bestandteil in Elvis Presleys Live-Repertoire – könnte auch gut ein Song über Gladys Smith und ihre Familie sein. Kein Wunder also, dass der King einmal selbst zu Tony Joe White sagte: „Man, I feel like I wrote this song myself“.

Gladys Vorfahren jedenfalls lassen sich auf die Familie der Mansells zurückverfolgen, die sich schon im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten ansiedelten. Der Name Mansell ist eigentlich französicher Herkunft und heißt so viel wie „Mann aus Le Mans“. Im Zuge der normannischen Eroberung kamen die „Männer aus Le Mans“ zunächst nach England, wo sie sich mit der dortigen Bevölkerung mischten – im Falle von Elvis Presleys Vorfahren mütterlicherseits vor allem mit Schotten und Iren.

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Stammbaum von Gladys Smith

Irgendwann im 18. Jahrhundert wanderte Gladys‘ schottisch-irischer Familienzweig dann nach Amerika aus, wo Richard Mansell aus South Carolina als Soldat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Kriegerisch ging es zunächst auch für seinen Sein Sohn William (1795 – 1842) weiter, der unter dem Oberbefehl Andrew Jacksons, General der Tennessee-Miliz und späterer 7. Präsident der Vereinigten Staaten, an der Vertreibung der Muskogee (Creek)-Indianer und der berühmt-berüchtigten Schlacht am Horseshoe Bend 1814 beteiligt war. Man sieht schon, die Presleyschen Vorfahren haben von Anfang an  Spuren in den amerikanischen Geschichtsbüchern hinterlassen ;-).

Andrew Jackson, der auch als Begründer der Demokratischen Partei gilt, setzte sich vehement für die Vertreibung der amerikanischen Urbevölkerung ein, nachdem Indianer im 2. Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Vereinten Königreich und den Vereinten Staaten von Amerika auf der Seite der Briten gekämpft hatten. In William Mansell hatte er offensichtlich einen treuen Gefolgsmann, denn dieser zog auch noch mit in den Krieg gegen den Stamm der Seminolen, bevor er die Waffe endgültig gegen den Pflug eintauschte und sich 1820 auf einer Farm in Marian County/Alabama niederließ.

Nun könnte man meine, dass William Mansell ein ausgesprochener „Indianerhasser“ war, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall war, denn der Gute suchte sich flugs eine Frau und heiratete eine waschechte Cherokee-Indianerin mit dem schönen Namen Morning White Dove (ca. 1800 – 1835). Das war gar nicht so ungewöhnlich in den Südstaaten, denn längst nicht alle indianischen Ureinwohner befanden sich im Krieg mit den weißen Siedlern – die Cherokees waren teilweise schon früh zum Christentum übergetreten und hatten sich assimiliert. Für einen jungen Farmer war eine Cherokee-Frau, die jahrhundertealtes Wissen um die Geheimnisse der Natur dieses wilden Landes mit in die Ehe brachte, pures Gold wert.

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit 'Indian Chief'

Ehrt sein indianische Erbe: Elvis im Jumpsuit ‚Indian Chief’1976

Und es lief gut für William und Morning White Dove – sie bewirtschafteten erfolgreich ihre Farm und brachten trotz hoher Kindersterblichkeit drei Kinder durch: John, Morning Dizenie und James J. Mansell. Tochter Morning Dizenie konnte ihren sozialen Status verbessern, indem sie den angesehenen Arzt und Großgrundbesitzer Dr. Russell Palmer heiratete.

Im Gegensatz zu ihr war der älteste Sohn John Mansell, der die Farm erbte, ein ganz wilder Zeitgenosse, den die Familie euphemistisch als „wholly wild Injun“ (total wilden Indianer) beschrieb. Er war wohl kein besonders guter Farmer, dafür aber ein Womanizer erster Güte, der neben den Kindern, die er mit seiner Frau Betsy und wahrscheinlich auch deren Schwester Rebecca hatte, zudem eine große Menge illegitimer Nachfahren in die Welt setzte, bevor er 1880 die Farm ganz verlor, mit einer weiteren Dame durchbrannte und sich fortan Colonel Lee Mansell nannte. Die Versorgung von Ehefrau, Schwägerin und erklecklicher Nachkommenschaft überließ John einfach seinem ältesten Sohn: White Mansell.

White Mansell heiratete 1870 Martha Tackett aus Tennessee und mauserte sich zum veritablen Clan-Chef, der das Konzept der Großfamilie wirklich lebte. Zu einem Viertel indianischer Abstammung sorgte der Great White Father of the Mansells schon 1880 nicht nur für Frau und vier Kinder (es sollten noch mehr werden), sondern auch für die Großmutter mütterlicherseits, die eigene Mutter, zwei Schwestern und eine Tante sowie die zwei Kinder der Tante. Gleich nebenan lebten außerdem seine beiden Brüder William und George mit ihren Familien. Elvis Presley war also nicht der Erste in seiner Familie, der „die Hütte“ gerne so richtig voll hatte!

Der Mansell-Clan zog unter dem Kommando des White Chief um 1900 auf die Hussey Farm in Richmond, wo die Familienmitglieder als Baumwollpflücker arbeiteten. Eine der Töchter Whites und Marthas war die schöne, lebenslustige Octavia Luvenia Mansell (1876 – 1935), die von allen nur „Doll“ (Püppchen) genannt wurde. Die schöne Octavia war fast schon so etwas wie ein „spätes Mädchen“ als sie mit 27 Jahren 1903 ihren Cousin Robert (Bob) Smith, Sohn von Whites Schwester Anna Mansell und Milege Obediah Smith, heiratete.

Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits: Bob und Doll Smith 1903

Und dieses schöne Paar waren Gladys Eltern bzw. Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits. Leider meinte es das Schicksal mit den Smith‘ nicht ganz so gut wie noch fast 100 Jahre zuvor mit William Mansell und Morning White Dove. Viel war passiert seitdem. Gelbfieberepedemien hatten die Bevölkerung dahingerafft und was das Gelbfieber nicht vermochte, hatten der Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg besorgt.

Die Smith lebten von der Hand in den Mund, Doll war lungenkrank – man ging lange von Tuberkulose aus – und war die meiste Zeit bettlägrig. Trotzdem bekam sie in knapp 20 Jahren neun Kinder, von denen acht überlebten – ihre Tochter Gladys Love kam als viertes Kind am 25. April 1912 in Pontotoc County, Mississippi zur Welt, wo sich die Smith-Familie unter der Führung von Clan-Chef White Mansells inzwischen niedergelassen hatte.

Die junge Gladys Smith

Die junge Gladys wuchs mit ihren Geschwistern Lillian, Levalle, Retha, Travis, Clettes, John und Tracy in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Alle Kinder schliefen mit den Eltern in einem Raum – die Kinder, bis auf das jeweils jüngste, das im Bett mit den Eltern schlafen durfte, auf dem Boden.

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Im Januar 2020 wäre Elvis Presley 85 Jahre alt geworden. Und wie bei allen Jubiläen, die der King nicht mehr erlebt, ist er auch diesmal wieder ordentlich gefeiert worden – unter tatkräftiger Mithilfe von Exfrau Priscilla. Schließlich ist sie eine der Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung ihres Göttergatten.

Was beim Jubiläums-Hype auch in diesem Jahr wieder völlig untergeht, ist die Tatsache, dass auch Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – einen feiernswerten Geburtstag begeht. Die Queen wird am 24. Mai 2020 stolze 75 Lenze alt. Da kann man doch wirklich gratulieren, oder?

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Für immer 14: Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. War die nicht erst 14, als sie den G.I. Elvis in Deutschland kennenlernte? Genau!

Dieses Alter hat sich dergestalt ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass es für immer mit ihr verbunden wird. Irgendwie ist Priscilla für immer 14 – sehr unschuldig und sehr schön. Und die Ex des King tut so einiges, um ihr wahres Alter zu verschleiern. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute ähnlich zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wenn man in das alterslose Gesicht Priscilla Presleys schaut, das nicht einmal den Ansatz einer Sorgenfalte erkennen lässt, dann könnte man fast vergessen, dass sie eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Alterslos: Priscilla Presley 2019 – Foto: Demotix

Obwohl Tochter Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – heute mittlerweile deutlich über 50 ihr Erbe schon vor Jahrzehnten angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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An Halloween verkleiden sich nicht nur Imitatoren als Elvis. Nein, an Halloween langt auch schon mal der Karl-Heinz von nebenan tief in die Faschings-Klamottenkiste und zum Elvis-Kostüm. Dabei besonders beliebt: Motiv 70er Jahre Elvis – Jumpsuit mit oder ohne Cape, dazu schwarze Perücke mit unübersehbaren Koteletten und natürlich die legendäre Sonnenbrille. Nicht immer wirklich geschmackvoll, aber immer unverkennbar!

Elvis-Kostüm für Halloween – Foto: horror-shop.com

Ob Elvis sich selbst an Halloween verkleiden würde? Gut möglich. Am 31. Oktober 1957 tat er es auf jeden Fall für eine Celebrity-Party des bekannten Herrenschneiders Sy Devore in Los Angeles.

Sy Devore, der bekannt dafür war, die männlichen Hollywoodgrößen seiner Zeit – darunter Frank Sinatra, Nat King Cole, Bob Hope, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Spencer Tracy und sogar Präsident John F. Kennedy – in stylische Klamotten zu hüllen, hatte seine berühmte Klientel ins Restaurant Lucy’s New Orleans in L.A. geladen.

Mit dabei war der neue Superstar am Entertainment-Himmel: Elvis Presley. Der hatte sich inzwischen auch in Hollywood mit drei Kinofilmen einen Namen gemacht – Jailhouse Rock war kürzlich abgedreht und sollte ein paar Tage nach Halloween am 7. November 1957 in die amerikanischen Kinos kommen. Sy Devore kreiierte in den Folgejahren noch so manches kultige Kleidungsstück, das Elvis in seinen Hollywoodfilmen trug. Darunter u.a. diese kragenlose Jacke mit aufgesetzten Taschen, die Elvis in der bekannten Filmszene C’mon, Everybody mit Ann-Margret aus dem Film Viva Las Vegas (1964) trug.

Bleibt die Frage, mit was der King sich an Halloween 1957 verkleidetete? Gruselmaske, Kürbiskopp, Ganzkörperskelettanzug oder eine frühe Version seiner 70er-Jahre-Jumpsuits? Oder ging er etwa als „Faschingsmuffel“ ganz langweilig einfach nur als er selbst? Weder noch.

Wie auf den Fotos vom 31. Oktober 1957 zu sehen ist, trug er eine stylische goldfarbene Augenmaske, die ein bisschen an „Karneval in Venedig“ erinnert und dazu ganz schlicht einen roten Wollpullover mit V-Ausschnitt, mit dem er auch privat in dieser Zeit immer wieder zu sehen war. Umgeben von einer ganzen Reihe attraktiver Damen hatte er offensichtlich Spaß und – sehr selten – wird dabei fotografiert, wie er ein Bierchen zischt.

  • Elvis mit Schauspielerin Allison Hayes (links) und Gastgeber Sy Devore am 31. Oktober 1957 in Restaurant Lucy's New Orleans in Los Angeles.

Happy Halloween!

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Wenn Elvis Presley die Gelegenheit gehabt hätte, seine Autobiografie zu schreiben, wie wäre die wohl ausgefallen? Wäre er detailliert auf die vielen Fragen eingegangen, die seine Hardcore-Fans seit Jahrzehnten um den Schlaf bringen, etwa wie viele Takes von Hound Dog er 1956 tatsächlich brauchte für den legendären Master?

Und hätte er endlich – auch das ein Wunschtraum vieler Fans – mal ordentlich mit seinem dominanten Manager Colonel Tom Parker alias Andreas van Kuijk abgerechnet oder Ex-Gattin Priscilla vom Platz gestellt? Inwieweit hätte er tiefe Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt gegeben… in den guten und in den weniger guten Zeiten? Und was genau waren für ihn die guten und die weniger guten Jahre? Wäre er auf gesundheitliche Probleme und Medikamentenabhängigkeit eingegangen?

Hmmm… so schön es wäre, mehr darüber von Elvis selbst zu erfahren, es spricht doch einiges dafür, dass der Memphis Flash sich auch bei seiner Autobiografie selbst treu geblieben wäre und eben nicht das Innerste nach außen gekehrt, sondern seinem Publikum vor allem den Entertainer gezeigt hätte. So ähnlich sah es auch die bekannte Dokumentarfilmerin Annett Wolf, die den King 1977 bei den Dreharbeiten zum CBS-TV-Special Elvis in Concert kennenlernte, und eben keine Gelegenheit zu einem ihrer berühmten Tiefen-Interviews bekam.

Elvis‘ Darstellung, wie das „Landei aus Tupelo/Mississippi“ auszog, um die Welt zu erobern, wäre wahrscheinlich gespickt mit reichlich Humor und ordentlich viel Selbstironie. Bloß das Publikum nicht langweilen mit zu viel Nabelschau, so die Devise. Soll nicht heißen, dass er dabei im Verlauf seiner Erzählung nicht so ganz nebenbei den ein oder anderen Mythos gekilled hätte.

Einen guten Eindruck, wie Elvis Presley seine Sicht der Dinge in eine Autobiografie packen würde, geben neben dem Konzept des ’68 Comeback-Special, an dem er maßgeblich beteiligt war, die Ansprachen an sein Live-Publikum, die er praktisch bei jedem Konzert seines ersten Engagements in Las Vegas im Sommer 1969 hielt – zu der Zeit also, als er nach Jahren in Hollywood auf die Bühne zurückkehrte. Bei späteren Engagements gab es diese sogenannten „Monologues“ nicht mehr.

Ein kreativer YouTube-Nutzer hat eine dieser kurzen, dabei sehr witzigen und an so mancher Stelle auch hintergründigen Monologe von Elvis Presley in ein cooles Video gepackt, dass ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier kommt Elvis mit „My Side of the Story“ – also seiner Version seiner Biografie bis zum Sommer 1969. Genau hinhören lohnt sich!

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Des Königs Prinzessin, Lisa Marie Presley ( *1. Februar 1968), hat heute Geburtstag – einen runden noch dazu. Mensch, wie die Zeit vergeht. Herzlichen Glückwunsch zum 50, Lisa Marie!

Schön und glücklos in der Liebe: Lisa Marie Presley

Doch mit wem feiert Lisa Marie ihren runden Geburtstag? Ganz sicher nicht mit dem Noch-Ehemann Nr. 4, Musiker und Produzent Michael Lockwood, mit dem sie sich seit der Trennung Mitte 2016 einen erbitterten Scheidungskrieg liefert.

Glückliche Zeiten: Lisa Marie Presley und Ehemann Nr. 4, Michael Lockwood, 2011

Es geht dabei u.a. um die Rechtmäßigkeit eines Ehevertrags, Unterhaltszahlungen für Lockwood, Missbrauchsvorwürfe und ein Gerücht, der Ehemann sei zumindest zeitweise im Besitz kinderpornographischen Materials gewesen. Kurz: Eine Menge schmutzige Wäsche wird gewaschen – ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse.

Auf der Flucht vor der Presse: Lisa Marie mit Ehemann Michael Lockwood und den Zwillingen Finley und Harper

Wie viel davon wahr ist, ist schwierig auszumachen. 2016 soll Lisa Marie sich in der Entzugsklinik The Hills Treatment Center in Los Angeles wegen ihrer Abhängigkeit von Alkohol und Tabletten behandelt lassen haben. In dieser Zeit kamen die Zwillingstöchter Harper und Finley (*2008) aus der Ehe mit Lockwood in die Obhut von Großmama Priscilla Presley (*1945), die das über ihre Social Media Accounts bestätigte.

Oma Priscilla Presley hat Spaß mit ihren Enkelinnen Finley und Harper

Mama Priscilla wird also sicher zum runden Geburtstag ihres einzigen Kindes aus der Ehe mit dem King of Rock ’n‘ Roll vorbeischauen – mit ihren jüngsten Enkeln im Schlepptau. Ebenso wie Lisa Maries schon erwachsene Tochter Riley (*1989), inzwischen selbst verheiratet und eine erfolgreiche Schauspielerin, und Sohn Benjamin (1992-2020) – beide stammen aus Lisas erster Ehe mit dem Musiker Danny Keough. (Beitrags-Update 13.7.2020: Benjamin Keough ist im Alter von 27 Jahren verstorben – offenbar durch Selbstmord.)

Familie Presley: Lisa Marie umringt von ihren älteren Kinden Benjamin und Riley mit Priscilla bei einer Gedenkfeier zu Ehren des berühmten Großvaters in Graceland

 

Drei Generationen Presley auf dem Cover der Vogue: Priscilla, Riley und Lisa Marie

 

Lisa Marie Presley mit Ehemann Nr. 1: Musiker Danny Keough

Zu ihrer Mutter Priscilla Presley hat Lisa nach eigener Aussage heute ein gutes Verhältnis – das war längst nicht immer so, zu unterschiedlich sind die beiden Frauen.

Das wird auch im folgenden Interview der beiden in der Oprah Winfrey Show 2005 deutlich. Lisa Marie hatte ihre Mutter bei ihren beiden ersten Eheschließungen schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Und die war alles andere als begeistert.

Daddy’s Girl

Lisa Marie ist offensichtlich, wie so viel Töchter, ein richtiges „Papa-Kind“. Das Verhältnis zum Vater, dem sie auf verblüffende Weise ähnlich sieht, war sehr eng, auch nach der Scheidung der Eltern (1973) nach nur 6 Jahren Ehe.

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