Elvis Presleys ‚How Great Thou Art‘

Mit How Great Thou Art hat Elvis Presley gleich zwei seiner insgesamt drei Grammys eingefahren. Den ersten für sein zweites Gospel-Album How Great Thou Art, das der King im Mai 1966 – also vor genau 50 Jahren –  in RCAs Studio B in Nashville aufnahm, und einen weiteren für eine Liveversion des Titelsongs, die er am 20. März 1974 bei einem Konzert in Memphis sang. Sie ist verewigt auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974).

How Great Thou Art ist damit also ein doppelter Gewinner – besonders die Studioversion vom 25. Mai 1966 wird heute zu den besten Gesangsdarbietungen des Memphis Flash gezählt.

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presley verband von Kindes Beinen an eine große Liebe zur Gospelmusik der amerikanischen Südstaaten. Sang er Gospels, dann legte sich der King jedes Mal mächtig ins Zeug mit einer Intensität und einer inneren Überzeugung, die sich in seinem Repertoire in dieser gleichbleibend hohen Qualität sonst kaum findet, findet etwa Musikhistoriker Will Friedwald.

Zu Elvis‘ frühen Heroen zählten die Sänger der bekannten Gospelquartette Blackwood Brothers und Statesmen Quartet. Besonders der charismatische Leadsänger der Statesmen, Jake Hess (1927–2004), hatte es dem jungen Elvis angetan. Hess gründete Anfang der 1960er mit den Imperials eine eigene Gospelformation, die später sowohl im Studio als auch live mit Elvis erfolgreich war und die es bis heute gibt.

Bevor Elvis sein Glück als Solist in Sam Phillips Sun Studio suchte, hoffte er Anfang der 1950er vergeblich auf einen Einstieg als Gospelsänger bei den Nachwuchstruppe der Blackwood Brothers, den Songfellows. Das klappte nicht, da er sich gesanglich nicht in die Gruppe einfügen konnte. Die Songfellows erkannten vor Elvis, dass ihm eine Karriere als Solosänger besser passte, und „stupsten“ in mit ihrer Ablehnung in die entscheidende Richtung:

„As long as [Elvis] was singing lead, he was fine. But when the baritone or the tenor took over, someone had to sing harmony, and he could not harmonize. He’d sing baritone a line or two, then switch off to tenor a couple of lines, and wind up singing the lead part. That was the reason we didn’t take him into the quartet with us.“

Songfellow-Mitglied Jim Hamill zitiert nach The Sound of Light: A History of Gospel Music

Elvis Presley soll zunächst ganz schön gefrustet gewesen sein, dass die Songfellows ihn nicht haben wollten, löste das „Problemchen“ dann aber auf seine Weise: Er machte Weltkarriere als Solosänger und engagierte seine geliebten Gospelquartette einfach als Backgroundsänger – angefangen von den Jordanaires über die schon erwähnten Imperials bis zu den Stamps. Eine bis heute sehr hörenswerte Lösung eines Problems.

Wenn der King es ganz perfekt haben wollte, dann kamen gleich mehrere Gospelformationen zum Einsatz, wie etwa bei der Aufnahmesession für das Album How Great Thou Art im Mai 1966. Am Grammy-Gewinner waren nämlich sowohl die Jordanaires – seit 1956 fester Bestandteil seiner Studioalben, Live-Auftritte und auch frühen Filme – mit Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker als auch die noch jungen Imperials mit Elvis‘ Jugendidol Ex-Statesmen Jake Hess beteiligt.

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Ausverkauft! Elvis – das Musical

AUSVERKAUFT steht in großen Lettern auf dem Plakat, das am Eingang des Rüsselsheimer Theaters unübersehbar Elvis – das Musical ankündigt. AUSVERKAUFT, ELVIS, RÜSSELSHEIM?! Noch bin ich skeptisch, werde aber sofort eines Besseren belehrt, als ich die Menschenmenge sehe, die sich an diesem Freitagabend kurz vor 20 Uhr ebenso zielstrebig wie gut gelaunt vom Parkplatz auf den Eingang des Theaters zu bewegt.

Elvis - das Musical mit Grahame Patrick

Elvis – das Musical mit Grahame Patrick

„So voll habe ich das hier noch nie erlebt“, bestätigt eine sympathische ältere Dame im Foyer. Sie muss es wissen, schließlich hat sie ein Theaterabonnement, wie sie mir gleich erzählt. Trotzdem sei sie wählerisch, betont meine neue Zufallsbekanntschaft. Nur 3 handverlesene Aufführungen pro Saison gönne sie sich zusammen mit ihrer Freundin. Und heute steht ganz was Besonderes auf dem Plan im Großen Haus der Opelstadt. Nein, nicht Molière oder Mozart, sondern ELVIS. „Den mochte ich schon immer“, spricht’s und zieht mit der gerade eintreffenden Freundin flugs von dannen in Richtung Getränkestand. Ein Weinchen oder ein Prosecco, bevor es losgeht, das muss jetzt noch drin sein.

Ich trolle mich derweil schon mal auf meinen Platz in Reihe 5, erst mal ohne Weinchen oder Prosecco. Es ist proppenvoll im Saal. Das Publikum ist gut 45+, meistens Paare, ebenso viele Männer wie Frauen. Die Stimmung gleicht verhaltener Erwartungsfreude. Endlich ist der King „in the building“, besucht die Autostadt Rüsselsheim… Na ja, fast.

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Spotlight 5. Juni 1956: „You ain’t nothing but a Hound Dog“

Am 5. Juni 1956 versetzte Elvis Presley die amerikanische Fernsehnation in Aufruhr. Das gelang ihm mit der knapp zweieinhalb Minuten langen, sehr dynamischen Parodie eines Rhythm-and-Blues-Songs, den die Songwriter Jerry Leiber und Mike Stoller Anfang der 1950er ursprünglich für Sängerin Willie Mae „Big Mama“ Thornton komponiert hatten: Hound Dog.

Elvis Presleys Live-Auftritt in Milton Berles beliebter TV-Show am Dienstag, den 5. Juni 1956, katapultierte den 21-jährigen Nachwuchssänger aus den Südstaaten mit einem Schlag in das Bewusstsein der breiten amerikanischen Öffentlichkeit und machte ihn zu einer kontrovers diskutierten Figur, zum enfant terrible der Rock ’n‘ Roll-Generation. 40 Millionen US-Amerikaner (bei einer Gesamtbevölkerung von damals rund 169 Mio.) sollen den Auftritt zur besten Sendezeit in „Uncle Miltie’s“ Varieté-Show gesehen haben. „Elvis the Pelvis“ war geboren.

 

 

Bis heute gehört der nationale Aufreger von 1956 zu den bekanntesten Performances des King und ist fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur. Als solcher wird er etwa in Robert Zemeckis oscarträchtigem Filmklassiker Forrest Gump (1994) mit Tom Hanks in der Hauptrolle beschworen. Am 5. Juni 1956 schrieb Elvis Presley also ein weiteres Mal Geschichte (→ Spotlight 5. Juli 1954). Höchste Zeit, dem „Windhund“ hier im Blog ein mehrteiliges Special zu widmen. Im 1. Teil geht es heute um Elvis‘ Auftritte in der Milton Berle Show am 3. April und 5. Juni 1956.

Vorspiel April 1956: Elvis trifft Mr. Television

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

Elvis Presleys Wechsel vom regionalen Plattenlabel SUN zum etablierten New Yorker Label RCA Ende 1955 und die im Januar 1956 folgenden ersten Live-Auftritte im nationalen TV gaben der Karriere des Nachwuchsstars den entscheidenden Schub. War er bis dahin vor allem in den Südstaaten bekannt, machten ihn seine erste RCA-Single Heartbreak Hotel/I Was The One, das Debütalbum Elvis Presley und die ersten TV-Auftritte in Jimmy und Tommy Dorseys Stage Show (Januar bis März 1956) in nur wenigen Monaten zum nationalen und schnell auch zum internationalen Superstar.

Sogar der deutsche Spiegel widmete Mr. Presley 1956 erste Beiträge, im Dezember sogar ein eigenes Cover sowie einen längeren Artikel, der den damaligen Zeitgeist und die Aufregung um das Phänomen Elvis Presley gut auf den Punkt bringt.

Als Elvis im Frühjahr 1956 in San Diego zum ersten Mal auf Milton Berle traf, um am 3. April zusammen mit seiner Band bestehend aus Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und Drummer D.J. Fontana in  Berles Show beim TV-Sender NBC aufzutreten, hatte er mit Heartbreak Hotel bereits einen Nummer-1-Hit in Billboards Country-Charts eingefahren, einen weiteren Rang 1 in den Pop-Charts sowie zwei Triple-Crown-Awards für Heartbreak Hotel auf den Weg gebracht.

Inzwischen kletterte auch das Debütalbum Elvis Presley in den Albumcharts eifrig nach oben, wo es Anfang Juni die Nummer 1 wurde. Kein Wunder also, dass Milton Berle dem Publikum seiner Show den jungen Gast aus Memphis  als „America’s new singing sensation“ vorstellte.

War Elvis‘ zu diesem Zeitpunkt eindeutig auf einem aufsteigenden Ast, war die lange Karriere des Komikers Milton Berle (1908–2002) 1956 eher im Sinkflug begriffen. Dabei war Berle ein richtiger Tausendsassa. Er hatte sich schon als Kinderstar in der Stummfilmära einen Namen gemacht, war in jungen Jahren bereits erfolgreich am Broadway, reüssierte im Vaudeville, der US-amerikanischen Spielart des Varietés, und konnte sich in den 1930ern als Stand-Up-Comedian etablieren.

Bevor Berle Ende der 1940er das Medium Fernsehen für sich entdeckte – seine Milton Berle Varieté-Show erreichte teilweise bis zu 80 Prozent des amerikanischen Fernsehpublikums -, war er mit verschiedenen eigenen Radiosendungen erfolgreich.

Milton Berle ca. 1950

Milton Berle ca. 1950

Bei aller Vielseitigkeit bleib Berle sich stets treu: Er war ein Slapstick-Komiker und tief dem US-Vaudeville verbunden. Berle gilt heute als einer der ersten Superstars der TV-Ära in den USA, was ihm früh den Spitznamen „Mr. Television“ einbrachte. Bekannt ist er auch als „Uncle Miltie“, ein Name, den er selbst mit einem Standardspruch für seine jugendlichen Zuschauer prägte: „Listen to your Uncle Miltie and go to bed„. Das Ende von Berles Ära als Mr. Television setzte ein, als Konkurrenzsender CBS 1955 die bald sehr populäre TV-Serie The Phil Silvers Show dienstags zur selben Sendezeit ins Rennen schickte. Die witzige Phil Silvers Show war neu, die Milton Berle Show war es jetzt nicht mehr.

Die Idee, den schwindenden Quoten der Milton Berle Show 1956 mit Elvis Presley auf die Sprünge zu helfen, war naheliegend, da RCA – Elvis‘ Plattenlabel – zugleich auch Sponsor der Milton Berle Show war. Und so kam es, dass sich Elvis am 3. April 1956 in „Uncle Miltie’s“ Varieté-Show wiederfand, die vom Deck eines Flugzeugträgers der US-Marine aus, der U.S.S. Hancock vor San Diego, auf Sendung ging.

Das Live-Publikum vor Ort bestand in erster Linie aus Angehörigen der US-Marine. Ganz typisch für Berles Varieté-Show trat auch an diesem Abend eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Gäste in bunter Reihenfolge auf, darunter Badenixe Esther Williams. Das Ganze garniert mit viel Stand-Up-Comedy von Berle, dessen Spezialität neben abgefahrenen Kostümen die schrägen Sketche mit seinen Gästen waren. Damit machte er auch vor Elvis nicht halt, wie in diesem Video zu sehen ist, in dem Milton Berle  Elvis‘ Zwillingsbruder Melvin gibt:

 

 

Der Sketch ist aus heutiger Sicht ziemlich antiquiert, aber was man gut sehen kann, ist, dass Elvis und Milton Berle sich offensichtlich sympathisch waren. Im Vergleich zur Interaktion mit anderen Moderatoren, etwa Steve Allen oder Ed Sullivan, wirkt Elvis Presley hier sehr entspannt, natürlich und selbstsicher. Miltons Humor mag nicht jedermanns Sache gewesen sein, aber bösartig war er sicher nicht. Zudem verhielt sich der selbst ziemlich abgefahrene Gastgeber weder bei den Proben noch bei der Show von oben herab oder machte Anstalten, die dynamichen Auftritte seines Gastes in irgendeiner Form zu beeinflussen oder gar zu zensieren, wie das später der Fall sein sollte. Im folgenden Video ist Elvis‘ mit Heartbreak Hotel am 3. April 1956 zu sehen.

 

 

5. Juni 1956: Hound Dog oder wie ein Windhund einen Sturm auslöst

Elvis und Milton Berle waren also eine ziemlich gute Kombination: Sie profitierten gleichermaßen von der Zusammenarbeit. Milton in Form gestiegener Einschaltquoten, die er dringend benötigte, und Elvis durch die Steigerung seiner Bekanntheit, was sich positiv auf die Chartpositionen und Abverkäufe seiner Platten auswirkte. Eine klare Win-Win-Situation also. Daher war es für Milton Berle auch überhaupt keine Frage, Elvis zu einer zweiten Show am 4. Juni 1956 einzuladen und gleich noch einmal das Honorar  zu erhöhen.

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Erinnert: Elvis grüßt die Welt mit Aloha From Hawaii

Aloha From Hawaii dürfte das wohl bekannteste Elvis-Konzert überhaupt sein. Am 14. Januar 1973 ging der King via Satellitenübertragung mit Aloha From Hawaii vom Honolulu International Center (HIC) aus auf Sendung. Das Konzert gilt seither als einzigartiges weltweites Mega-TV-Event, als Konzert der Superlative, das Elvis Presleys Status als internationalen Superstar endgültig manifestierte.

  • Kult: Elvis Presley - Aloha From Hawaii - 14. Januar 1973

Zeit für einen gezielten Griff ins Blog-Archiv mit einem Memphis-Flash-Aloha-Special:

Elvis sagt Aloha: von der Idee zur sagenumwobenen Einschaltquote

Elvis, Präsident Richard Nixon, der Jaycee-Award und die Aloha-Botschaft

Welcome to the Promised Land: Elvis im Gelobten Land

The King’s Speech – der Jaycee-Award

Elvis & Nixon – der Film (2016)

Buchtipp: Elvis Presley A Listener’s Guide v. Shane Brown

Mit Robert Matthew-Walkers Elvis Presley A Study In Music  (1979, 1995) habe ich neulich meine kleine Reihe an interessanten Buchveröffentlichungen eröffnet, die sich in erster Linie mit der Musik des Memphis Flash – und zwar Song für Song – beschäftigen.

Buchcover Shane Browne: Elvis Presley A Listener's Guide

Buchcover Shane Browne: Elvis Presley A Listener’s Guide

Heute möchte ich eine Neuerscheinung vorstellen, die auf ähnlichen Pfaden wandelt wie A Study In Music: Shane Browns im Selbstverlag erschienenes Buch Elvis Presley A Listener’s Guide (2014).

Jeder der sich schon mal mit Elvis Presleys Diskografie beschäftigt hat und sei es auch nur, indem er leichtsinnigerweise einfach den Namen Presley bei Amazon in die Suchmaske eingegeben hat, kann sofort nachvollziehen, wieso man einen „Listener’s Guide“ richtig gut gebrauchen kann auf der Suche nach den Aufnahmen des King, die man unbedingt gehört haben sollte oder besser meidet. So ein Führer ist also per se schon mal eine gute Idee, will man den Presleyschen Veröffentlichungsdschungel auch nur so einigermaßen lichten.

Doch Vorsicht! Beim Lichten des Dschungels gilt es mehr als nur einer Tretmine auszuweichen. Die Expedition durch das Elvis-Dickicht kann sich zu einer aufregenden und überraschend gefährlichen Sache entwickeln… vor allem für den Autor und dessen Reputation. Diese Erfahrung hat Shane Brown jedenfalls machen müssen, der laut eigener Aussage nach Veröffentlichung seines Buches Drohungen von Lesern erhielt – Stichwort Cybermobbing -, die er immerhin so ernst nahm, dass er die Polizei enschaltete.

Jetzt fragt sich natürlich jeder: Was um Himmelswillen schreibt der Mann denn in seinem Buch mit dem harmlos klingenden Titel Elvis Presley A Listener’s Guide, dass er solche Reaktionen erntet? Und wer ist überhaupt dieser Autor?

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Elvis Presley Song by Song: A Study in Music

Am 8. Januar 2015 würde Elvis Aaron Presley seinen 80. Geburtstag feiern, wäre er nicht schon 1977 im Alter von nur 42 Jahren verstorben. Kaum jemand bezweifelt heute noch, dass der Memphis Flash zu den bedeutendsten Vertretern der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gehört.

Der bekannte Musikjournalist → Ernst Hofacker (Von Edison bis Elvis, Reclam 2012)  spricht stellvertretend für viele von Elvis als einem „Urknall der Popkultur“, dessen Megaerfolg – neben kulturhistorischen und technischen Entwicklungen – auf eine ganze Reihe persönlicher Voraussetzungen zurückzuführen ist. Elvis, so Hofacker, sah nicht nur „blendend“ aus, er trug auch die „richtige Mischung an halbstarkem Selbstbewusstsein und romantischer Verletzlichkeit“ zur Schau, war eine „Naturbegabung als Entertainer“ mit „überwältigendem Charisma“ und „obendrein ein hochbegabter Sänger mit intuitivem Verständnis für die verschiedensten Stile“.

Elvis hört Elvis bei der Aufnahmesession von 'Hound Dog/Don't Be Cruel' 1956 - Foto 'Scream' von Fotograf Alfred Wertheimer

Der „hochbegabte Sänger“ hört sich selbst bei der Aufnahmesession von ‚Hound Dog/Don’t Be Cruel‘ in New York 1956 – Foto ‚Scream‘ (Schrei) von Alfred Wertheimer

Das klingt fast schon hymnisch. Und viel Hymnisches darf auch zum 80. des King wieder erwartet werden, wenn weltweit Popkulturliebhaber, Musikjournalisten und so ziemlich jeder, der eine Tastatur in Griffnähe hat, dieses Ereignis feiern wird, indem er oder sie die ohnehin schon endlos lange Liste an Veröffentlichungen über Elvis Presley entschlossen erweitert.

Doch ein Aspekt, den Hofacker in seiner hymischen Aussage verpackt hat, wird bei alldem wahrscheinlich erneut eine eher untergeordnete Rolle spielen: „der hochbegabte Sänger“. Denn Elvis kennt zwar (fast) jeder, das aber vor allem als Mythos, als eine Überfigur, der  – wie → Filmhistoriker Björn Eckerl es ausdrückt – kaum noch jemand wirklich zuHÖRT.

Schon vor langer Zeit haben die Anekdoten über den Liebhaber schneller Autos (→ Elvis‘ gelebte Auto Emoción), den König des Spielerparadieses Las Vegas (→ Meet and Greet the King), den exzentrischen Frauenliebling mit Hang zu gesundheitsschädlichen Konsumgewohnheiten (→ Elvis in der Werbung: Geht’s noch?), der Musik den Rang abgelaufen. Elvis-Biograf Peter Guralnick spricht in seiner umfangreichen Biografie von der „Kakophonie der Stimmen“, die niemals zu verstummen scheint und das Ohr auf das Eigentliche verstellt: Elvis Presleys Musik.

Tatsächlich gibt es unter den vielen Veröffentlichungen über den Memphis Flash (→ Interview mit Elvis-Buch- und Filmliebhaber Nigel Patterson) nur eine kleine, aber feine Auswahl von Publikationen, deren Autoren sich gerade damit kenntnisreich beschäftigen. Und genau diesen meist wenig bekannten Veröffentlichungen möchte ich eine Reihe widmen.

Ich starte mit einem Buch, dessen Erstausgabe mich vor allem durch seinen Minimalismus beeindruckt. Es ist so leise, dass es in der erwähnten Kakophonie seit Jahrzehnten kaum Gehör findet, ebenso wenig wie der Gegenstand seines Themas: Elvis Presley: A Study in Music von Robert Matthew-Walker.

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Elvis – so isses!

Wenn es um Elvis Presley geht, dann gibt es im Grunde nur eine einzige Sache, die mich wirklich entttäuscht – nur eine Tatsache, die ich zutiefst bedaure: Ich hatte nie die Möglichkeit, diesen großartigen Performer je live zu erleben.

Elvis Presley 1970

Elvis Presley 1970

Und warum? Ich bin einfach zu jung! Elvis Presley hätte es mindestens bis gut in die 1980er, besser noch die 1990er, schaffen müssen, um mir eine realistische Chance zu geben, eines seiner Konzerte zu besuchen. Da beneide ich die Fans etwa der Rolling Stones oder eines Bob Dylan, die immer noch in den Genuss von Live-Auftritten ihrer Lieblinge kommen. So gut habe ich es nicht.

Dabei wäre mir kaum eine Anreise zu weit, kaum ein Ticketpreis zu hoch, um wenigstens 1 Konzert live zu erleben – in Las Vegas oder sonstwo auf dieser Welt. Aus naheliegenden Gründen – der vermaledeite 16. August 1977 hat mir unwiederbringlich einen Strich durch die Rechnung gemacht – ist das unmöglich: That’s The Way It Is. So isses nun mal. Weiterlesen

Elvis Presley On Stage 2014

Dieser Tage hat Elvis Presley wieder mächtig viel zu tun. Gerade erst hat er eine Europa-Tournee absolviert, die ihn mit 5 Konzerten auch nach Berlin, Hamburg, Halle, München und Mainz führte. Ähhh, wie bitte? Ist das ein schlechter Scherz? Oder hatte hier jemand eine außerirdische Erscheinung infolge eines Sonnenstichs, was bei den aktuellen Temperaturen bei uns ja durchaus denkbar wäre…

Elvis On Stage 2014

Elvis On Stage 2014

Aber nein, der King, 1977 viel zu früh verstorben, tourt posthum. Das macht er regelmäßig seit Ende der 1990er, in Deutschland zuletzt 2012 mit Originalmusikern seiner Band ab 1969 (→ Elvis in Concert rockt Deutschland, → Elvis‘ TCB-Band).

Das Prinzip dabei ist einfach wie genial: Band, Backgroundsänger und Orchester spielen live und Elvis wird per großer Videoleinwand optisch und per separierter Tonspur akustisch mit Original-Liveaufnahmen aus dem Zeitraum 1968 bis 1973 zugespielt. Klingt gut. Wer Elvis kennt, weiß, der King war eine stimmgewaltige, humorvolle Rampensau erster Güte, die ständig mit Band und Publikum interagierte. Kurz: hörens- und sehenswert.

Elvis, das Original, in seinen Element – 1970

Nun ist aber in den letzten Jahren ein kleines, aber nicht unerhebliches Problemchen aufgetaucht, welches das lange sehr erfolgreiche Konzept von → Elvis In Concert unter der Ägide von Stig Edgren von SEG Events und Elvis Presley Enterprises erschwert. Die Originalmusiker Elvis Presleys sind nämlich unübersehbar in die Jahre gekommen, teilweise gesundheitlich angeschlagen oder schon verstorben, während der per Videoleinwand transportierte King ein ewig knackiger Mitt- bis Enddreißiger bleibt…

Ein neues Konzept muss also her. Und genau das kann man Anfang Juni 2014 in Deutschland sehen, etwa in der Rheingoldhalle in Mainz, deren Sitzplatzkapazität etwa zu 75 Prozent mit Fans und Neugierigen gefüllt ist. Das Publikum ist deutlich 40+ mit einigen Endzwanzigern und Dreißigern darunter.

Elvis On Stage 2014 oder bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe

Das neue Konzept zeigt Elvis als Videoprojektion auf einer transparenten Leinwand, hinter der ich schemenhaft eine junge Band mit Backgroundsängern und Orchester erkennen kann. Neu ist bei Elvis on Stage 2014 gegenüber Elvis in Concert 2012, dass Elvis überlebensgroß  – und reichlich pixelig, d.h. zu niedrig aufgelöst – auf einer die volle Breite der Bühne abdeckenden, großen Leinwand klar im Vordergrund steht, während die Band dahinter praktisch nicht zu sehen ist. Nur in wenigen Sequenzen dürfen einzelne Bandmitglieder vor den großen transparenten Vorhang – und genau dann wirkt das neue Konzept am stimmigsten.

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Elvis Recorded Live On Stage 1974

Am 1. März 1974 startete Elvis Presley in Tulsa/Oklahoma eine Tournee durch die amerikanischen Südstaaten, die mit zu seinen besten gezählt wird. 25 Konzerte in 20 Tagen, fast jeden Tag in einer anderen Stadt, gab der Flash im März ’74: gut gelaunt, energiegeladen und stimmlich in Top-Form! 40 Jahre ist das jetzt schon her!

Elvis Presley im März 1974 - Foto: Recorded Live On Stage In Memphis (FTD), 2004

Dynamisch: Elvis Presley im März 1974 – Foto: Recorded Live On Stage In Memphis (FTD), 2004

Gerade mal 2 Monate waren seit der berühmten 2. Aufnahmesession im Stax Studio in Memphis (→ Elvis At Stax) vergangen und nur 3 Wochen zuvor hatte er seine inzwischen 10. Saison in Las Vegas mit 29 Shows erfolgreich beendet. Ein ordentliches straffes Programm.

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Mixing Elvis Presley: Interview with Michael Brauer

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In early 2012 Grammy-winning mix engineer Michael Brauer got a phone call from Sony Legacy’s Vice President Rob Santos that led to a very interesting assignment: remixing 2 of Elvis Presleys famous concerts at New York’s Madison Square Garden for the upcoming deluxe box set Prince From Another Planet. Of course both concerts had been published before: The evening show from June 10, 1972 only a week after the concert took place on the LP Elvis As Recorded At Madison Square Garden (1972), the afternoon show 25 years later  on the CD An Afternoon In The Garden (1997).

I have always loved those concerts very much. As soon as I heard about the upcoming release, I wanted to know more about who Michael H. Brauer is, what his famous Brauerize® compression and mixing technique is about, why the new box set really is worth buying, and how it felt to remix the King. And that was not exactly an easy task for me because I really have no clue about sound engineering. I then decided to take the bull by the horns and ask Michael Brauer himself who turned out to be an extremely nice guy with a fascinating background!

Grammy-winning mix engineer Michael Brauer - Foto: Sonya Jasinski

Grammy-winning mix engineer Michael Brauer – photo: Sonya Jasinski

In fall 2012 – just a couple of weeks before the box set Prince From Another Planet was finally released – I interviewed him about what to expect. A German version of my interview with Michael Brauer was first published in the well-known German fan magazine Graceland (issue 208) of the Elvis Presley Gesellschaft e.V. Here is the orginal English version of the interview.

The Memphis Flash: Michael, your list of credits is very impressive and wide-ranging. Being famous for your trademark Brauerize® compression and mixing technique, you have worked for stellar names such as Luther Vandross, Aretha Franklin, The Rolling Stones, James Brown, Aerosmith, Jeff Buckley, Bruce Springsteen, Phil Collins, Tony Bennett, Billy Joel, Rod Stewart, Paul McCartney, Pet Shop Boys, Bob Dylan and Willie Nelson, to name just a few. Your work with Coldplay and John Mayer resulted in several Grammy Awards. Apart from that, there is relatively little known about you. What is your background?

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