Elvis’ Co-Star Marlyn Mason in Deutschland

Unterbewertet und geradezu Altmanesque nennt der britische → Journalist Paul Simpson – Autor des 2013 erschienenen Buchs Elvis Films FAQ – den 30. und damit vorletzten Kinofilm Elvis Presleys mit dem irreführenden Titel The Trouble With Girls (deutsch: Immer Ärger mit den Mädchen, 1969), in dem Schauspielerin Marlyn Mason die weibliche Hauptrolle spielt.

Underrated and Altmanesque: Elvis Presley and Marlyn Mason in 'The Trouble With Girls' (1969)

Unterbewertet and Altmanesque: Elvis Presley als Chautauqua-Manager Walter Hale and Marlyn Mason als gewerkschaftsaktive ‘Story Lady’ Charlene in ‘The Trouble With Girls’ (1969)

Der Film nach einer Romanvorlage von Day Keene und Dwight Babcock, der ursprünglich viel treffender Chautauqua – nach einer frühen Form der Ewachsenenbildung in den USA – heißen sollte,  ist bei uns gar nicht so bekannt. Der Streifen mit Elvis als Boss einer umherreisenden Chautauqua-Truppe lief nämlich nicht in deutschen Kinos und wurde hier erst 1988 im TV gezeigt.

Auch in den USA, dort schaffte The Trouble With Girls es im September 1969 auf die große Kinoleinwand, fand er trotz guter Kritiken (New York Times) wenig Beachtung, da Elvis Presley zu diesem Zeitpunkt schon sein vielbeachtetes Bühnen-Comeback absolviert und  mit → From Elvis in Memphis ein erfolgreiches Studioalbum in den Charts hatte. Außerdem betonte der King in beinahe jedem Interview, wie froh er war, Hollywood jetzt hinter sich gelassen zu haben.

Ein cooles Paar: Marlyn Mason als Charlene mit Elvis Presley als Walter Hale in 'The Trouble With Girls' (1969)

Ein cooles Paar: Marlyn Mason als Charlene mit Elvis Presley als Walter Hale in ‘The Trouble With Girls’ (1969) – Foto aus Helmut Radermachers ‘Das Große Elvis Presley Filmbuch’

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Rollenbilder in Elvis Presleys Film Fun In Acapulco

Schon die ersten Szenen von Fun In Acapulco (1963) zeigen dem Zuschauer: Elvis Presley als Mike Windgren hat wirklich nichts mehr mit der Person des “unverstandenen jungen Mannes”, des Außenseiters und Rebells in der Tradition James Deans zu tun, in der Elvis in den 1950ern in Loving YouJailhouse Rock und King Creole zu sehen war.

Stets wie aus dem Ei gepellt: Elvis Presley als charmanter Playboy Mike Windgren in Acapulco

Stets wie aus dem Ei gepellt: Elvis Presley als charmanter Playboy Mike Windgren in Acapulco

Mike verkörpert vielmehr die Spielart eines neuen Männerbildes, das als Folge gesellschaftlicher Veränderungen in den 1950ern – Veränderungen, die Elvis Presley entscheidend mitgeprägt hat –  salonfähig und sehr populär wurde: das des attraktiven und charmanten, wohlhabenden, stets gut gekleideten, aber bindungsunwilligen Junggesellen.

Mike ist – typisch für alle Protagonisten des Elvis-Musicals – ein Playboy, der an keiner hübschen Frau vorbeikommt, ohne sein Glück zu versuchen. Und er ist immer dort zu finden, wo garantiert was los ist, ob in Las Vegas (Viva Las Vegas, 1964), auf der Weltausstellung in Seattle (It Happened At The World’s Fair, 1963) oder eben im angesagten Urlaubsparadies Acapulco.

El Torito: In der angesagtesten Bar von Acapulco sucht Mike die Nähe der attraktiven Dolores (Elsa Cardénas)

El Torito: In der angesagtesten Bar von Acapulco sucht Mike die Nähe der attraktiven Dolores (Elsa Cárdenas)

1963, als Fun In Acapulco gedreht wird,  ist die 1. große Welle der sexuellen Revolution in weiten Teilen der amerikanischen Gesellschaft angekommen. Ein Elvis “the pelvis” Presley hat die Musikszene längst revolutioniert, die beiden Kinsey-Reports haben bei Männlein und Weiblein eifrige Leser gefunden, seit 1960 ist mit Enovid die erste Antibabypille auf den amerikanischen Markt, man bewegt sich insgesamt freier… in jeder Hinsicht.

Was in den 1950ern noch als anstößig und revolutionär galt, ist jetzt salonfähig. Moderne Männer- und Frauenbilder – wenn auch stereotyp – erobern die Kinoleinwand. Beim Mann ist das etwa der Typ Playboy, wie ihn Hugh Hefners 1953 gegründetes gleichnamiges Magazin, der Industriellensohn Gunter Sachs – in den 1960ern verbandelt mit Brigitte Bardot – oder auch die frühen James Bond-Verfilmungen mit Sean Connery in der Hauptrolle (inkl. Bond-Girl Ursula Andress, Elvis’ Filmpartnerin in Fun In Acapulco) propagieren.

Elvis alias Mike umgarnt die hübsche Maggie, gespielt von Bond-Girl Ursula Andress

Elvis alias Mike umgarnt die hübsche Maggie, gespielt von Bond-Girl Ursula Andress

Bei den Frauen ist es zunehmend die unabhängige, berufstätige Frau, die selbstbewusst kommuniziert, dass sie nicht unbedingt einen Ring am Finger möchte, bevor sie Sex mit einem Mann hat.

Dolores und Mike: Emanzipation in der Stierkampfarena

Die interessanteste Beziehung in Sachen veränderte Rollenbilder in Fun In Acapulco ist sicher die zwischen Mike und der schönen Stierkämpferin Dolores, gespielt von der → Mexikanerin Elsa Cárdenas. Mike begegnet Dolores gleich zu Beginn des Films bei seinem Ausflug in die Bar El Torito. Kaum sieht er die zierliche Dame, die in ihrem hautengen Stierkampf-Anzug eine mehr als gute Figur macht, geht er schon zum Charmeangriff über…

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Buchtipp: Elvis’ Favorite Director von Michael A. Hoey

31 Hollywoodstreifen (→ Elvis in Hollywood) hat Elvis Presley zwischen 1956 und 1969 gedreht. Das ist eine ganz schöne Menge für jemanden, der in erster Linie Musiker war und gerade einmal 42 Jahre “alt” wurde. Nun bezweifelt heute kaum noch jemand, dass der King Musikgeschichte geschrieben hat, als Schaupieler gilt er den meisten jedoch eher als Leichtgewicht – freundlich formuliert.

Trotzdem erfreuen sich seine Musikkomödien bis heute großer Beliebtheit. Sie laufen immer noch regelmäßig im TV und erleben gerade eine erstaunliche Renaissance auf YouTube. Hier der Trailer zu Live A Little Love A Little (Liebling, Lass’ das Lügen, 1968), ein Film, bei dem Hollywood-Urgestein Norman Taurog Regie führte und Michael A. Hoey das Drehbuch schrieb – basierend auf der Romanvorlage Kiss My Firm And Pliant Lips:

Geht es um Elvis den Schauspieler, dann sprechen wohlmeinende Kritiker gerne von “nicht entfaltetem Potenzial”, weniger wohlmeindende Biografen – meist sind es Musikhistoriker – halten Elvis’ Filmkarriere schlicht für  Zeitverschwendung, da ihrer Meinung nach einfach nicht genügend Talent vorhanden war und auch die Qualität der Soundtracks weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Hinzu kommt, dass Elvis Presley seiner Hollywoodkarriere selbst sehr kritisch gegenüberstand (→ Audio von 1972 mit Elvis’ eigenenen Aussagen zu seinen Filmen).

Entsprechend weist die riesige Menge an Literatur über Elvis Presley – abgesehen von zum Teil toll aufgemachten Bildbänden für Fans, in denen etwa die Dreharbeiten und Kinoerfolge dokumentiert werden (→ Summer of ’61, → King Creole Frame by Frame, Helmut Radermachers Das Große Elvis Presley Filmbuch) – verhältnismäßig wenig Veröffentlichungen auf, in denen Autoren, die mit Filmhistorie und Filmindustrie vertraut sind, sich zum Thema äußern. Ein paar löbliche Ausnahmen habe ich hier im Blog schon besprochen: Elvis Films FAQ von Paul Simpson und Björn Eckerls Elvis im Kino. Beide Publikationen sind jüngeren Datums, ebenso wie Bill Brams hervorragendes Elvis Frame by Frame.

Gerade erst erschienen ist ein weiterer Band, der signalisiert, dass offensichtlich langsam aber sicher Bewegung in das Thema Elvis Presleys Filmkarriere kommt: Elvis’ Favorite Director – The Amazing 52-Year Career of Norman Taurog von Michael A. Hoey. Dieses Buch über Elvis und den Regisseur Norman Taurog zeichnet zeichnet gleich mehrere Dinge aus, die es lesenswert machen.

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Spotlight 8. Januar 1961: Happy Birthday King Karate

Heute vor 53 Jahren – am 8. Januar 1961 –  feierte Elvis Presley seinen 26. Geburtstag bei den Dreharbeiten zu seinem 7. Kinofilm: Wild in the Country (Lied des Rebellen, 1961). Wild in the Country unter der Regie von Philip Dunne war nach Love Me Tender (1956) und Flaming Star (1960) die 3. und letzte Produktion des Memphis Flash für die 20th Century Fox: Nach zwei Western für die Fox war er hier in einem Melodram als straffällig gewordener “angry young man” mit schriftstellerischen Ambitionen zu sehen.

Elvis Presley als "angry young man" Glenn Tyler vor Gericht in 'Wild in the Country' 1961

Wild in the Country 1961: Elvis Presley muss sich  als “angry young man” Glenn Tyler  gleich zweimal wegen versuchten Totschlags verantworten

Überhaupt nicht melodramatisch, sondern sehr ausgelassen fröhlich verlief die kleine Party, die die Filmcrew, darunter Schauspielkollegin Hope Lange und Regisseur Philip Dunne, am 8. Januar 1961 am Filmset für das Geburtstagskind ausrichtete. Happy Birthday King Karate war auf einem Plakat zu lesen, dass die Crew ihrem Hauptdarsteller in humorvoller Anspielung auf seine Karateleidenschaft zum Geschenk machte.

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Interview mit Paul Simpson: Elvis in Hollywood

Praktisch nElvisFAQ-buchcoveroch druckfrisch ist die aktuelle Veröffentlichung des bekannten britischen Journalisten und Buchautors Paul Simpson mit dem inspirierenden Titel Elvis Films FAQ: All That’s Left To Know About the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood.

Simpson (*1961), der u. a. als Redakteur für das Fußballmagazin Champions Matchday – The official magazine of the UEFA Champions League arbeitet, hat schon eine ganze Reihe Bücher zu Themen der Popkultur veröffentlicht, darunter The Rough Guide to James Bond (2002), The Rough Guide to Cult Fiction (2005), 397 Ways To Pick A DVD (2009) … und er ist ein großer Elvis-Fan!

Elvis Films FAQ, was so viel heißt wie “häufig gestellte Fragen zu Elvis’ Filmen”, ist nach dem bekannten The Rough Guide to Elvis (2005) Simpsons zweite Veröffentlichung über den King of Rock ‘n’ Roll – The Memphis Flash hat Paul Simpson zum Thema seines neuen Buchs interviewt.

Original English version of the interview with Paul Simpson

Interview

The Memphis Flash: Paul, als professioneller Autor und langjähriger Elvis-Fan, warum hast Du so viel Arbeit in ein Buch – immerhin über 400 Seiten – gesteckt, das sich ausschließlich mit Elvis Presleys 31 Hollywoodfilmen beschäftigt? Die Filme waren zu ihrer Zeit zwar an der Kinokasse ziemlich erfolgreich, aber heute stehen sie bei vielen Fans, Kritikern und Biografen des King (Peter Guralnick) nicht gerade besonders hoch im Kurs. Nicht wenige halten Elvis Presleys Schauspielambitionen für einen Tiefpunkt seiner Karriere. Macht ein Buch wie Elvis FAQ überhaupt Sinn?

Paul Simpson: Es macht schon allein deshalb Sinn, weil die Filme Elvis selbst wichtig waren. Und für einen Fan wie mich, der versucht, sein Leben und seine Karriere als Ganzes zu verstehen, ist es daher auch sinnvoll, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Außerdem haben sie eine ganze Reihe großartiger Musik und unvergessliche Szenen hervorgebracht, die mit ein Grund sind, weshalb Elvis Presley heute eine solche globale Ikone ist. Einige der Filme sind ganz sicher genauere Einzelbetrachtungen wert, wie etwa die beiden Höhepunkte King Creole (1958) und Flaming Star (1960). Die Rahmenbedingungen, unter denen die Filme entstanden, werfen zudem ein Licht darauf, wie die gesamte Karriere Elvis Presleys gemanagt wurde.

Flaming Star 1960: Elvis Presley with Barbara Eden and Steve Forrest

Flaming Star 1960: Elvis Presley als Halbindianer Pacer mit Co-Stars Barbara Eden und Steve Forrest

Bis heute sind die Filme ein Aspekt in der Karriere Elvis Presleys, der unterrepräsentiert ist. Peter Guralnick scheint es in seiner beinahe definitiven Elvis-Biografie kaum abwarten zu können, über einige der Musicals aus den 1960ern möglichst schnell hinwegzugehen. Ich kann das durchaus verstehen. Aber wenn Elvis nicht der nächste James Dean oder Tony Curtis hätte sein wollen, hätten wir am Ende vielleicht nie etwas von ihm gehört.

The Memphis Flash: Von diesem Traum sprach Elvis ja auch selbst in seiner Dankesrede anlässlich der Vergabe des Jaycee Award 1971: “When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. […] I saw movies, and I was the hero in the movie...”

Paul Simpson: Genau. Das Bild, das ich jetzt, nachdem mein Buch erschienen ist, immer noch im Kopf habe, ist das des jungen Elvis in Tupelo, der zusammen mit seinem Vater ins Kino eilt (etwas, was die Assembly-of-God-Kirchengemeinde der Presleys in den 1930ern und 1940ern sicher nicht guthieß), wo er sich für die Filme der damaligen Zeit begeistert, wo er Bing Crosby hört, wie er Blue Hawaii in dem Film Wakiki Wedding singt, und wo er selbst davon träumt, mit seiner Familie einmal ein anderes Leben zu führen. War es nicht gerade diese Form des Eskapismus, dieser Traum, der die Hoffnung in ihm wach hielt, der bitteren Armut seiner Jugend entkommen zu können?

The Memphis Flash: Das ist sehr wahrscheinlich. Was ich besonders faszinierend an Elvis Films FAQ finde, sind die vielen unterschiedlichen Perspektiven von Regisseuren, Drehbuchautoren und Co-Stars, die Du zusammengetragen hast. Es gibt da beispielsweise eine Passage, in der Du Drehbuchautor Allan Weiss, der gleich eine ganze Reihe Drehbücher für so erfolgreiche Hal Wallis-Produktionen wie Blue Hawaii (mit Hal Kanter, 1961), Girls, Girls, Girls (1962) und Fun in Acapulco (1963) geschrieben hat, mit den Worten zitierst:

“In viewing the [initial screen] test [1956] one thing was clear: it would be a mistake to try to force this strong personality into a preconceived role. His parts must be tailored for him, designed to exploit the thing he did best – sing”.
Allan Weiss zitiert nach: Paul Simpson’s Elvis FAQ, 2013

Das klingt fast wie eine Beleidigung. Aber war es tatsächlich auch so gemeint? Der deutsche Filmhistoriker Björn Eckerl – Autor des Buches Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können – verfolgt einen ähnlichen Ansatz, wenn er sagt, dass es gar nicht möglich war, Elvis in seinen Filmen in einer anderen Rolle als Elvis zu präsentieren, da seine Persönlichkeit, sein Image, sein Kultstatus sowieso jedes Genre sprengten. Selbst ein Science Fiction mutiere unweigerlich zum Elvis-Film mit Elvis in der Hauptrolle.

King Creole 1958: Elvis fights Walter Matthau

King Creole 1958: Elvis prügelt sich mit Walter Matthau

Eckerl macht dafür nicht etwa fehlende schauspielerische Fähigkeiten des King verantwortlich – um die geht es gar nicht, sondern die Erwartung des Kinobesuchers, der einfach sofort erkennt, wen er auf der Kinoleinwand vor sich hat. In anderen Worten, da gab es im Grunde nicht viel, was Elvis selbst (und letztendlich auch die Filmstudios) hätten ändern können. Was meinst Du, ist an der Sichtweise von Weiss und Eckerl was dran?

Paul Simpson: Da ist schon was dran. Es stimmt, dass Elvis eine so kraftvolle, sofort erkennbare Persönlichkeit darstellte, an deren Image man nur schwer vorbeikam und bis heute -kommt. Gerade deswegen gibt es ja so viele Filme mit idealisierten oder verzerrten Versionen seiner Lebensgeschichte und Person. Und dennoch haben es einige Filmemacher geschafft, diesen Nachteil zu überwinden.

In Filmen wie King Creole (1958), Flaming Star (1960), Wild In The Country (1961, hier vor allem in den Szenen mit Hope Lange) und Follow That Dream  (1962) gelang es, über das Elvis-Image hinauszugehen und glaubhafte Charaktere jenseits des Images darzustellen. Die Rolle des Toby Kwimper, die “Unschuld vom Lande” aus Follow That Dream, spielt Elvis ganz ausgezeichnet. Er trifft nicht nur den feinen Humor in der Geschichte Richard Powells, sondern verkörpert mit seiner fülligeren Erscheinung und den helleren Haaren auch äußerlich gut diesen speziellen Charakter.

Elvis Presely as Toby Kwimper with co-star Howard Mc Near and director Gordon Douglas  on the set of 'Follow That Dream'

Elvis Presley als Toby Kwimper mit Co-Star Howard Mc Near und Regisseur Gordon Douglas bei den Dreharbeiten zu ‘Follow That Dream’

Was Weiss angeht, hat man allerdings schon den Eindruck, dass er in der Retrospektive versucht, die Studiopolitik zu rechtfertigen, die letztendlich dazu führte, dass Elvis durch einige seiner Rollen nur noch schlafwandelte. Dabei war Weiss selbst deprimiert ob der Desillusionierung seines Stars und rieb sich auf an den engen Vorgaben, die ihm die Erfolgsformel des immer seichter werdenden Elvis-Musicals in den 1960ern als Drehbuchautor auferlegte.

Andererseits war die Formel der singenden Elvis-Persona nicht per se falsch – letztendlich kann man auch King Creole (für diese Hal Wallis-Produktion war Weiss nicht drehbuchmäßig tätig) in diese Kategorie einordnen – und sie zahlte sich auch aus, wenn man einen talentierten Regisseur wie George Sidney [für Viva Las Vegas, 1964] engagierte. Ab 1965 war aber klar, dass sowohl künstlerisch als auch kommerziell eine Neuausrichtung nötig war, was in späten Filmen wie The Trouble With Girls und Change Of Habit (beide 1969) auch zu sehen ist.

Kinobesucher, die Elvis-Persona vergessen zu lassen, war sicher kein leichtes Unterfangen – genauso schwierig wie es im Falle John Waynes war, den Cowboy auf der Ranch aus den Köpfen zu kriegen. Aber es war die Sache auf jeden Fall wert bei den wenigen Malen, die ein Regisseur diese Herausforderung auch tatsächlich annahm.

The Memphis Flash: Elvis war ja selbst ein großer Filmenthusiast: Er mietete sich nach Vorstellungsschluss regelmäßig ein komplettes Kino, um Filme seiner Wahl mit Freunden anzuschauen. Welche Filme mochte er? Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Und was kann man aus seinen Vorlieben schließen?

Paul Simpson: Elvis sagte einmal zu Marion Keisker, Sam Phillips Mitarbeiterin bei SUN: “Ich singe alles Mögliche”. Genauso offen war er, wenn es um Filme ging. Zu seinen besonderen Filmlieblingen gehörten offenbar Across 110th Street, Dr Strangelove, Rebel Without A Cause und Patton (inkl. der Textzeile, die er häufig selbst zitierte: “All glory is fleeting”).

Er fand ebenso Gefallen an To Kill A Mockingbird (eine interessante Wahl wegen der Rassenthematik des Films, was Autor Albert Goldman einst dazu veranlasste, Elvis als Rassisten darzustellen), Max Ophüls’ kunstvoller Romanze Letter From An Unknown Woman, Dirty Harry, Monty Python And The Holy Grail sowie an den meisten Filmen mit Peter Sellers. James Dean war wohl sein Lieblingsschauspieler, er hatte aber auch eine Vorliebe für Humphrey Bogart, Marlon Brando, Kim Novak, den schon erwähnten Peter Sellers und Richard Widmark, um nur mal einige Namen zu nennen.

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2 Klassiker und ein 3.: James Deans ‘Denn sie wissen nicht, was sie tun’ (1955), ‘Straße zum Jenseits’ mit Anthony Quinn und Yaphet Kotto (1972), Peter Sellers in ‘Dr. Seltsam’ (1964)
 

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3 weitere Favoriten des King: ‘Wer die Nachtigall stört’ (1962), Max Ophüls ‘Brief einer Unbekannten’ (1948) und Monty Pythons ‘Der Ritter der Kokosnuss’ (1975)

 

Dass er so viele völlig unterschiedliche Filme schaute – angefangen von Dokumentationen über die Ureinwohner Papua-Neuguineas bis zu den Dirty Harry-Filmen mit Clint Eastwood – lässt für mich nur den Schluss zu: Er war so ziemlich offen für alles, sofern er die Zeit dazu fand.

The Memphis Flash: Nun war Elvis zwar ein bekennender Filmliebhaber, von seiner eigenen Filmkarriere war er aber bald höchst desillisioniert, wie Du mehrfach in Elvis Films FAQ erwähnst. In seinem Interview mit Robert Abel und Peter Adidge für den Dokumentarfilm  Elvis On Tour (1972) sprach er ziemlich offen darüber und sagte unter anderem:

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Elvis in Hollywood: Interview with Paul Simpson

ElvisFAQ-buchcoverHot off the press is the newest book publication by well-known British journalist and author Paul Simpson with the intriguing title Elvis Films FAQ: All That’s Left To Know About the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood.

Simpson (*1961), who works as editor of Champions Matchday, The official magazine of the UEFA Champions League, has already published a number of books on topics closely related to popular culture such as The Rough Guide to James Bond (2002), The Rough Guide to Cult Fiction (2005), 397 Ways To Pick A DVD (2009) … and he is a big Elvis fan!

Elvis Films FAQ is Simpson’s second book on the King of Rock ‘n’ Roll after the well-received The Rough Guide to Elvis (2005) – The Memphis Flash talked with Paul Simpson about Elvis Presley’s movie career and the new book → Elvis Films FAQ.

zur deutschen Fassung des Interviews mit Paul Simpson

Interview

The Memphis Flash: Paul, as a professional writer and longtime Elvis fan what made you dedicate a book with 400 pages to Elvis’ movies? Although initially successful at the box office, they today are mostly not well-regarded by fans, critics and Elvis biographers (Peter Guralnick) alike. Some even say the movies are the low point of Elvis Presley’s career. Frankly, is there really a point for such a book – and why?

Paul Simpson: The point is the movies were important to him – and as a fan and someone trying to understand his life and career I felt they were worth exploring. They did produce some great music, memorable scenes and helped him become such a global icon. Many of the movies are worth exploring on their own merits – the twin peaks being King Creole and Flaming Star – and the process which created them sheds a lot of light on how Presley’s career was run.

Flaming Star 1960: Elvis Presley with Barbara Eden and Steve Forrest

Flaming Star 1960: Elvis Presley as Half-Indian Pacer with co-stars Barbara Eden and Steve Forrest

Also, this is one aspect of his working life that is under-explored – Guralnick, in his near definitive biography, can barely wait to gloss over some of the travelogues in the 1960s. I can understand why but if Elvis hadn’t wanted to be the next James Dean or Tony Curtis, we might never have heard of him.

The Memphis Flash: Elvis talked about his big childhood dream in his acceptance speech for the Jaycee award 1971: “When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. […] I saw movies, and I was the hero in the movie...”

Paul Simpson: Right. The image that stays with me now, after the book is published, is Elvis as a child rushing into a cinema in Tupelo with his dad (something the Assembly of God church would not have approved of in the 1930s and 1940s) and marveling at the serials and films, watching Crosby singing Blue Hawaii in Wakiki Wedding and dreaming of a different life for himself and his family. Did that escapism, that permission to dream, keep hope alive in the desperate, dehumanising poverty of his boyhood?

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Buchtipp: Elvis Films FAQ von Paul Simpson

ElvisFAQ-buchcoverWenn Elvis Presley bis zum Schluss einen ganz großen Traum hatte, dann war es der, selbst einen wirklich großen Film zu machen. Denn der King war zeitlebens ein leidenschaftlicher Kinofan. Als Teenager jobbte er als Platzanweiser, um sich die neuesten Filme aus Hollywoods Traumfabrik ansehen zu können, später mietete er sich regelmäßig in Memphis gleich das komplette Kino für Privatvorführungen an – Vorstellungen, für die er sich die Filme, die ihn besonders interessierten, extra organisieren ließ.

Wie dieser Traum mit den 31 Kino- und 2 Dokumentarfilmen, die der King zwischen 1956 und 1972 drehte, zusammenhängt, dieser Frage geht der britische Journalist und Buchautor Paul Simpson in seinem gerade erst erschienenen Buch Elvis Films FAQ: All That’s Left to Know about the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood auf über 400 Seiten ernsthaft, sehr informativ und dabei höchst unterhaltsam nach.

→ Interview mit Paul Simpson  → original English version deutsche Übersetzung.

Elvis Films FAQ: All That’s Left to Know about the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood, was so viel heißt wie “Häufig gestellte Fragen zu Elvis’ Filmen: Alles, was es zu wissen gibt, über den King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood“, ist keines der üblichen Bilderbücher für Elvis-Fans mit vielen Fotos und meist magerem Begleittext, wie es sie in Mengen gibt.

Nein, Simpson, der 2005 schon The Rough Guide To Elvis herausgebracht hat, schafft es in 65 mundgerechten, klar strukturierten Kapiteln – man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, das Schöne ist, man kann irgendwo einsteigen und findet sich trotzdem zurecht – viele interessante Hintergrundinformationen zu Elvis Presleys Filmkarriere zu präsentieren, die sich in der Form auch nicht in namhaften Biographien des King finden. Dabei ist das Ganze kurzweilig, alles andere als staubtrocken aufbereitet, was schon die bildhaften, oftmals witzigen Kapitelüberschriften erahnen lassen. Man kann auch folgen, wenn man sich bislang noch nicht groß mit Elvis Presleys Filmen beschäftigt hat… und – keine Angst – man muss sie auch nicht alle gesehen haben, um dem Buch etwas abzugewinnen ;-).

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Fun In Acapulco: Elvis in seinem 13. Kinofilm

Elvis Presleys 13. Kinofilm Fun In Acapulco (1963) ist ein klassisches Elvis-Musical, wie es nach dem Mega-Erfolg des Vorläufers Blue Hawaii (1961) – beide Filme wurden von Hal Wallis produziert – für den King in den 1960ern zum Standard wurde.

Elvis Presley in seinem 13. Kinofilm 'Fun In Acapulco'

Schicker Serienheld: Elvis Presley in seinem 13. Kinofilm ‘Fun In Acapulco’ (1963)

Elvis-Musicals wirken wie Teile einer Fortsetzungsserie. Im Zentrum steht nicht nur immer wieder derselbe Hauptdarsteller, auch die Nebendarsteller kommen mehrfach zum Einsatz, ebenso wie  Drehbuchautoren, Soundtrackkomponisten, Musiker und Produzenten (→ siehe 50 Jahre Fun In Acapulco: Spotlight Filmcrew,Fun In Acapulco: Drehbuch und Soundtrack).

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Men in Black oder mein 1:34-Minuten-Elvis-im-Kino-Moment

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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Elvis Presleys Fun In Acapulco: Drehbuch und Soundtrack

Ein gutes Drehbuch für ein Elvis-Musical zu schreiben, war selbst für den Wiederholungstäter Allan Weiss, der vor Fun In Acapulco (Acapulco, 1963) schon an Blue Hawaii (Blaues Hawai, 1961) sowie Girls, Girls, Girls (1962) beteiligt war und später noch für Roustabout (König der heißen Rhythmen, 1964), Paradise Hawaian Style (Südseeparadies, 1966) sowie Easy Come, Easy Go (Seemann Ahoi, 1967) tätig wurde, kein reines Kinderspiel. Schließlich gab es in den 1960ern eine maßgebliche  Rahmenbedingung, die in jedem Fall für einen Elvis-Film erfüllt werden musste: Es sollte eine albumfüllende Menge an Songs in der Handlung untergebracht werden – und zwar möglichst so, dass es auch logische Anlässe für die Gesangsnummern gab.

Seit dem Megaerfolg von Blue Hawaii 1961 waren sich nämlich Elvis Presleys Manager, die Anzugträger in Elvis’ Plattenfirma RCA und die Hollywood-Produzenten auffällig einig: Es gab finanziell einfach keine sicherere Bank als ein Elvis-Musical mit begleitendem Soundtrackalbum. Schließlich bewarben sich Film und Soundtrack gegenseitig, wenn man es richtig anfing, und das bedeutete $$$ für alle Beteiligten, auch für den Hauptdarsteller.

Nach der Etablierung des kommerziell erfolgreichen Elvis-Musicals mit Soundtrackalbum trat Elvis Presleys ursprüngliche Ziesetzung, sich neben seiner Gesangskarriere ein 2. Standbein als ernstzunehmender Schauspieler in eher dramatischen Rollen mit wenig bis keinen Gesangsnummern zu etablieren, völlig in den Hintergrund, obwohl er vor dem Erfolg von Blue Hawaii (1961) mit einem Soundtarck von sage und schreibe 14 Songs durchaus in solchen Rollen zu sehen gewesen war.

Zwar gab es auch zu seinen frühen Filmen meist einen Soundtrack, aber mit wesentlich weniger Liedern. Statt Alben wurden Singles und EPs (Extended Plays) veröffentlicht, auf  denen von vornherein weniger Titel – im Fall der Jailhouse Rock-EP waren es 5 – Platz fanden. Das ließ im Film selbst neben den Songs naturgemäß mehr Raum für die Entwicklung von Handlung und Charakteren – Jailhouse Rock (1957) und vor allem King Creole (1958) sind gute Beispiele dafür.

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Erinnert: Elvis’ Filmpartnerin Dolores Hart

Vor genau 50 Jahren tauschte Dolores Hart – Elvis Presleys bezaubernde Filmpartnerin aus Loving You (1957) und King Creole (1958) – ihre vielversprechende Schaupielkarriere gegen ein Leben als Nonne in einem Benediktinerinnenorden ein.

Die Verführung der Unschuld: Dolores Hart mit Filmpartner Elvis Presley in 'King Creole' (1958)

Die Verführung der Unschuld: Dolores Hart mit Filmpartner Elvis Presley in ‘King Creole’ (1958)

Warum “Gott der größere Elvis” ist und was das alles mit einem 2012 für den Oscar nominierten Dokumentarfilm über Dolores Hart zu tun hat…

Private Momente: Dolores Hart und Elvis Presley in einer Drehpause zum Film 'King Creole' (1958)

Private Momente: Dolores Hart und Elvis Presley in einer Drehpause 1958

… gibt’s hier zu lesen und vor allem anzuschauenGod Is The Bigger Elvis.