Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie “die Viper”) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis “verzärtelten” Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

“If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin’ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?”

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

“It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.”

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn “chicken”, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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Elvis, James Dean, Momism und das Hollywoodkino der 1950er

1956 wurde Elvis Presley zum gefeierten Idol von Millionen weltweit – und blieb dabei vor allem eins: selbst ein Fan. Neben den vielen Musikern unterschiedlicher Genres, die der King verehrte (I just loved music, all type of music”), galt seine ganz große Liebe dem Kino und den Kinohelden seiner Zeit.

Träumer Elvis bei den Dreharbeiten zu seinem 4. Hollywoodfilm King Creole (1958)

Früh träumte der junge Elvis, der während seiner High School-Jahre als Platzanweiser in Loew’s State Theater in Memphis jobbte, davon, selbst einmal zu den Helden der großen Leinwand zu gehören, wie er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards 1971 verriet:

“When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. I read comic books, and I was the hero of the comic book. I saw movies, and I was the hero in the movie. So every dream that I ever dreamed, has come true a hundred times.”

Elvis Presley bei der Preisverleihung der “Ten Outstanding Young Men Of The Nation” 1971

Einer der Leinwandhelden, die der junge Elvis verehrte, war James Dean (1931-1955). Vor allem James Dean in der Rolle des jugendlichen Rebellen Jim Stark aus Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955).

Es war diese Rolle, die den 24-jährigen Dean, der am 30. September 1955 – nur paar Wochen vor der Kinopremiere des Films – bei einem Autounfall ums Leben kam, zum unsterblichen Jugendidol machte.

James Dean im Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

Zu diesem Zeitpunkt konnte Elvis noch nicht ahnen, dass er selbst nur wenige Monate später als singende Fortsetzung James Deans in den Fokus Hollywoods rücken sollte.

Schon im Januar 1956 wurde Hollywood-Produzent Hal B. Wallis (alias Aaron Blum Wolowicz, 1898-1986), der sehr erfolgreich für Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount Pictures arbeitete, auf Elvis Presley aufmerksam, als der einen seiner ersten Auftritte im amerikanischen Fernsehen, nämlich in der Jimmy und Tommy Dorsey Show, hatte.

Wallis war nach eigener Aussage (vgl. Wallis Autobiografie Starmaker, 1980) sofort elektrifiziert von Ausstrahlung des jungen Musikers und wollte ihn unbedingt für Hollywood verpflichten, was nach einem erfolgreichen Screentest im März 1956 und Verhandlungen mit Elvis’ Manager Colonel Tom Parker auch gelang.

Bei den Dreharbeiten zu King Creole: Produzent Hal Wallis (Mitte), Regisseur Michael Curtiz und Elvis Presley im Gespräch

Laut Wallis hatte Elvis das gewisse Etwas, das ihn an den jungen Errol Flynn – Leinwandidol der 1930er und 40er Jahre – erinnerte, und er passte mit seinem wilden Musikstil und Aussehen sehr gut in die neue Riege der jungen Hollywood-Rebellen, zu denen Marlon Brando (1924-2004) wegen seiner Rolle im Kultfilm The Wilde One (Der Wilde, 1953) ebenso zählte wie James Dean.

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Die Faszination der Elvis-Filmsongs: Stefanie Tauber im Interview

Sehr klar und puristisch, begleitet allein vom Klang der Ukulele, scheint Stefanie Taubers Stimme durch den spärlich beleuchteten Saal des Programmkinos Harmonie geradezu zu schweben. Es ist der 16. August 2018, Elvis Presleys 41. Todestag. In der Harmonie in Frankfurt-Sachsenhausen steht an diesem Abend – wie in vielen Kinos deutschlandweit – Elvis auf dem Programm.

  • Stefanie Tauber mit Elvis und ihrer Ukulele - Foto: To Kühne

Das ’68 Comeback Special feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag mit einer Special-Edition der legendären TV-Show, die nun auch auf der großen Kinoleinwand zu sehen ist. Doch bevor der King in der Harmonie seine überlebensgroße Magie entfaltet, kommt erst einmal Stefanie Tauber alias Preslisa im Vorprogramm des Kinoabends zum Zuge, und zwar mit ihrer ganz individuellen Interpretation von Songs aus Elvis’ umfangreichen Filmrepertoire.

Wie? Elvis’ Filmssongs ausgerechnet im Vorprogramm des legendären ’68 Comeback Specials? Was wie ein Widerspruch erscheint – schließlich läutete das ’68 Comeback Special das wohltuende Ende von Elvis’ Hollywoodkarriere mit Soundtrackalben in Endlosschleife ein -, ist ein gelungener Kunstgriff.

Denn Taubers Interpretation von Liedern wie I Want To Be Free aus dem Film Jailhouse Rock (1957), Wooden Heart aus G.I. Blues (1960), Forget Me Never (aufgenommen für Wild In The Country, 1961) sowie Song Of A Shrimp (Girls, Girls, Girls, 1962), die es an diesem Abend zu hören gibt, werfen ein ganz eigenes Licht darauf, worin bei aller Skurrilität die Faszination der vielfach belächelten und dennoch beliebten Filmsongs liegt.

Preslisas Forget Me Never – Audio vom Album Back in Bornheim

The Memphis Flash hat Stefanie Tauber alias Preslisa vor ihrem Auftritt im Programmkino Harmonie interviewt.

Interview

The Memphis Flash: Stefanie, warum ausgerechnet Elvis? Wie kam es zu Deiner Faszination für den King, die dazu geführt hat, dass Du ihm als Preslisa ein musikalisches Soloprogramm widmest und mit Back in Bornheim, Aloha From Neukölln, Preslisa Live gleich mehrere Alben mit seinen Songs veröffentlicht hast?

Stefanie Tauber: Das ist erst einmal so eine einfache Frage, wie es scheint, aber ich könnte Dir da stundenlang drauf antworten. Vielleicht fang’ ich am besten bei meinem Schlüsselerlebnis an. Ich hab’ Elvis beim Durchwühlen der Plattensammlung meiner Eltern entdeckt.

The Memphis Flash: Das war 1984?

Stefanie Tauber: Ja, ich war damals acht. Besonders hatten es mir die “kleinen Schallplatten” angetan, von denen ich noch nicht wusste, dass sie Singles heißen. Von denen gab es einen kleinen Stapel, teilweise mit Hülle, teilweise ohne. Und ich bin an diesem einen Gesicht hängengeblieben. Da stand überall Elvis drauf. Und es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß noch genau, was ich damals gedacht habe: Wie kann ein Mann nur so schön sein!

The Memphis Flash: Die Optik hat Dein Interesse also sozusagen getriggert?

Stefanie Tauber: Genau. Dann wollte ich natürlich auch wissen, wer das ist. Mein Vater hat gleich abgewinkt, aber meine Mutter hat es mir bereitwillig erklärt. Zuerst war ich traurig, weil sie mir erzählte, dass Elvis schon gestorben war. Aber ich habe die “kleinen Schallplatten” trotzdem aufgelegt und damit begann meine eigentliche Faszination, die bis heute anhält: die Begeisterung für diese Stimme. Die Stimme ist das, was das Phänomen Elvis für mich heute in erster Linie ausmacht.

The Memphis Flash: Weißt Du noch, welche Songs Du als erstes gehört hast?

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Sing it! Der Soundtrack zu Speedway

Als Elvis’ 27. Film Speedway im Juni 1968 – ein volles Jahr nach dem Start der Dreharbeiten – endlich in die amerikanischen Kinos kam, markierte er das Ende einer Ära. Speedway ist der letzte Hollywoodstreifen mit dem King in der Hauptrolle, zu dem ein Soundtrackalbum erschien. Und das ist jetzt sage und schreibe genau ein halbes Jahrhundert her!

Heute ein Sammlerstück: Elvis’ letzte Soundtrack-LP in Mono-Ausführung.

Dass die Zeit der Soundtrack-Alben für ihn 1968 vorbei war, hat Elvis Presley wohl selbst am wenigsten bedauert. In einem Interview, das er fünf Jahre nach dem Kinostart von Speedway den Dokumentarfilmern Robert Abel und Pierre Adidge (Elvis On Tour, 1972) gab, sprach er erstaunlich offen über sein Hollywood-Image, die Austauschbarkeit seiner Filmrollen, die Qualität der Filmsongs und seinen mangelnden Spielraum, an dieser Gesamtsituation etwas zu verändern. Eine Situation, die ihn zuletzt regelrecht krank machte, wie er im Interview erzählt.

Audio: Elvis Presley über seine Filme und ihre Soundtracks (1972)

Auch die Unterstützung von Regisseur Norman Taurog und Drehbuchautor Michael A. Hoey, die sich u.a. bei Speedway für ein besseres Drehbuch einsetzten, hatte letztlich keinen Erfolg mehr. Es führte nicht zur Wende.

Dabei hatte man ihm bessere Rollen wiederholt zumindest in Aussicht gestellt, wie der King im Interview erwähnt. Rollen, in denen er schauspielerisches Können hätte zeigen können, was in seinen PR-Image-Musicals nicht vorgesehen war. Schließlich lebt(e) das Genre des Elvis-Imagefilms (wie im Grunde jedes Star-Vehikel) davon, dass die Grenzen von Star-Persona und fiktivem Charakter fließend sind. Dass der Star schauspielert und in seiner Filmrolle sozusagen verschwindet, ist bei dieser Art von Film unerwünscht, so Filmhistorikerin Susan Doll.

Elvis Presley ahnte 1967 längst, dass er die “Rolle” des singenden Playboys nicht mehr loswerden würde. Schlimmer noch: Die Kombination von Elvis-Musical und Soundtrack in gefühlter Endlosschleife wirkte sich ab Mitte der 1960er zunehmend negativ auf seinen Status als Musiker aus, was der Star sehr wohl registrierte.

Es gäbe die Haltung, dass alles, was er mache, sich irgendwie verkaufe, so Elvis zu Abel und Adidge. Das stimme aber nicht, er brauche gute Drehbücher und gute Songs. Vor allem die Qualität des Soundtrack-Materials bereitete ihm in den 1960ern Kopfschmerzen, wie er den Dokumentarfilmern erzählte. Letzteres wegen der albumfüllenden Menge an Songs, die für eine Vielzahl sehr ähnlicher Elvis-(Image)-Musicals gebraucht wurde, und deren Zuschnitt auf bestimmte Filmsituationen.

“It had to be a thing also of 10 to 12 songs in a movie. It was very difficult to get good material. And I know good material when I hear it. Songs had to fit situations. And I had to gear down to a certain thing – like sing a song to a dog.”

Elvis Presley 1972

Ende der 1960er zog Elvis Presley aus alldem schließlich die Konsequenzen, beendete seine Filmkarriere und kehrte noch im selben Jahr, als sein 27. Film Speedway seine Erwartungen einmal mehr nicht erfüllte, mit dem ’68 Comeback-Special ELVIS nach fast 8 Jahren Live-Abstinenz spektakulär auf die Bühne zurück.

Pop-Kultur trifft Realität: Elvis als Steve in Speedway möchte nicht singen, als das Drehbuch es (mal wieder) fordert.

Die ganze Problematik des einst durchaus sehr erfolgreichen Elvis-Filmmusicals mit begleitendem Soundtrackalbum (→ mehr zur Entstehung der Soundtracks), das sich Ende der 1960er schlicht totgelaufen hatte, spiegelt sich im im letzten Soundtrack-Album Speedway, das – im Mai 1968 veröffentlicht – in den amerikanischen Billboard-Charts nur einen mageren Rang 82 als höchste Platzierung erreichte.

Soundtrack-Single zu Speedway (1968)

Die dazugehörige Single Let Yourself Go/Your Time Hasen’t Come Yet Baby schnitt mit Rang 71 auch nicht viel besser ab. Die Hörer hatten die Soundtracks offenbar ebenso “über” wie der Star selbst.

7 + 5: Soundtrack mit Resterampe

Zudem war es diesmal besonders schwierig, bei der Aufnahmesession, die am 20. und 21. Juni 1967 in den MGM Studios – also vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten – stattfand,  überhaupt 12 Songs für ein Album zusammenzubekommen.

Was entstand, war eher eine Verlegenheitslösung: eine wenig heterogene Mischung aus situativen, zur Speedway-Handlung passenden Filmsongs, aufgefüllt mit älteren (Studio)-Aufnahmen, die keinen Platz auf einem Studioalbum gefunden hatten, und last but not least “geschobene” Filmsongs, die ursprünglich für andere Soundtrackalben gedacht gewesen waren. Von den 12 auf dem Speedway-Soundtrack-Album enthaltenen Liedern waren die Hälfte Bonus-Songs.

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Elvis, der American Dream und Donald Trumps Amerika

In Eugene Jareckis Dokumentation “The King – Mit Elvis durch Amerika” (2017), die vor wenigen Wochen auch im deutschen Kino angelaufen ist, zieht der amerikanische Regisseur eine provokante Parallele zwischen Leben und Karriere Elvis Presleys und dem Niedergang der USA bis zur Wahl Donald Trumps als 45. Präsidenten der Vereinigen Staaten.

 

Pop Art: Elvis Presley als humorvolle Personifikation von U(ncle) S(am).

Elvis wird in der sozialkritischen Dokumentation, in der Jarecki während des Wahlkampfes Donald Trumps am Steuer von Elvis’ 1963er Rolls Royce Phantom 5 einen Roadtrip quer durch die USA unternimmt, als Metapher für den gescheiterten amerikanischen Traum präsentiert.

Auf dem Roadtrip, der wichtige Stationen in Elvis Presleys Vita einschließt, steigen immer wieder bekannte Persönlichkeiten in den Fond des Rolls Royce, neben Musikern auch Schauspieler wie Alec Baldwin und Ethan Hawke, und erzählen aus ihrer Perspektive über den King, den American Dream und den gesellschaftlichen Ist-Zustand in den USA.

Ein spannendes Konzept für eine sozialkritische Dokumentation, die den King in den Fokus nimmt. Aber vielleicht doch ein bisschen zu weit hergeholt 40 Jahre nach dem Tod Elvis Presleys?

Was ist dran an Elvis als nach wie vor lebendigem Symbol für den (verlorenen) American Dream? Es lohnt ein Blick zurück in das Jahr 1973.

Aloha: Mit freundlichen Grüßen von Elvis aus Honululu

Am 14. Januar 1973 betrat Elvis Presley die Bühne im Honolulu International Center, um eines seiner bis heute bekanntesten Konzerte zu geben: Aloha From Hawaii Via Satellite. Der Legende nach sollen über eine Milliarde Menschen aus 40 Ländern weltweit dieses Konzert live gesehen haben.

Gesungene Grüße an die Welt: Elvis am 14. Januar 1973.

Heute weiß man längst, dass es wohl doch nicht ganz so viele Zuschauer waren, die dem King am 14. Januar live auf der Mattscheibe folgten (→ mehr zur Einschaltquote von Aloha From Hawaii). Dies wäre wegen gleich mehrerer Rahmenbedingungen 1973 schlicht nicht machbar gewesen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Aloha From Hawaii Via Satellite dem King das größte, internationalste und wohl auch heterogenste Publikum seiner gesamten Karriere bescherte.

Reichweite sowie Internationalität des Satelliten-Specials der Superlative gaben Elvis Presley zudem die einmalige Möglichkeit für ein persönliches politisches Statement, die er auf bemerkenswerte Weise nutzte. Nun waren öffentliche Äußerungen zu politischen und gesellschaftlichen Themen etwas, das Elvis Presley bekannterweise stets vermied – jedenfalls in ihrer direkten Form.

Verpackt in die Symbolik einer Performance sah das dann schon anders aus, wie der King bei seinem  Überraschungsbesuch bei Präsident Richard Nixon im Dezember 1970 andeutete, ohne allerdings bei dieser Gelegenheit das “Wie” genauer zu erläutern:

“I do my things just by singing, Mr. President. I don’t make any speeches on stage. I just reach them in my own way.”

“Ich mache die Dinge einfach, indem ich singe, Herr Präsident. Ich halte keine Reden auf der Bühne. Ich erreiche [die Menschen] auf meine Art.”

Zitat aus: Egil “Bud” Krogh: The Day Elvis Met Nixon (1994)

Sollte Präsident Nixon gut zwei Jahre nach dem denkwürdigen Treffen seinen Fernseher eingeschaltet haben, um sich Aloha From Hawaii anzuschauen, dann bekam er das Anschauungsmaterial für diese Aussage quasi nachgeliefert.

Was dem Zuschauer des Aloha-Konzertes sofort ins Auge springt, ist das auffällige, reich verzierte Bühnenkostüm Elvis Presleys, der “American Bald Headed Eagle-Jumpsuit”, dessen Design unübersehbar dem amerikanischen Weißkopfadler gewidmet ist.

Der ist seit 1782 das Wahrzeichen der Vereinigten Staaten von Amerika und findet bis heute als Symbol weite Verbreitung im täglichen Leben, u.a. auf den Münzen der amerikanischen Währung. In dem majestätischen Adler mit seinen eindrucksvollen Schwingen sahen die Urväter der amerikanischen Nation Freiheit, Stärke, Langlebigkeit und Autorität ihres Landes verkörpert.

Auf Elvis Presleys Bühnenkostüm findet sich der Adler groß auf Brust und Rücken, kleiner auf den Ärmeln, den Hosenbeinen und dem Gürtel des Einteilers, wo er sich jeweils mosaikartig aus einer Vielzahl vor allem roter, blauer, silberner und goldener Steine verschiedener Art, Größe und Form zusammensetzt. Manche der Steine sind aus Strass, andere wieder nicht, ergänzt werden sie von goldenen und silbernen Sternen um die Adler herum.

Die Sterne symbolisieren offenbar den Himmel, den Lebensraum des Königs der Lüfte, während die Steine, aus denen sich der Adler zusammensetzt, mit ihren unterschiedlichen Größen, Farben und Formen für die Vielseitigkeit der Nation selbst stehen.

Eindrucksvoll auch das zum Bühnenkostüm gehörende Cape, das ausgebreitet die majestätischen Schwingen des Adlers symbolisiert.

Elvis Presley hatte sich also für seinen internationalen Auftritt der Superlative im Januar 1973 die amerikanische Identität sozusagen auf den Leib schneidern lassen und präsentierte sich einem internationalen Publikum als personifiziertes Wahrzeichen Amerikas. Und das war alles andere als ein Zufall.

Der personifizierte American Dream

Fast auf den Tag zwei Jahre vor dem Aloha-Konzert –  und kurz nach seinem Besuch im Weißen Haus – wurde Elvis Presley eine der höchsten Auszeichnungen zuteil, die ein amerikanischer Bürger zu dieser Zeit erhalten konnte: Am 16. Januar 1971 wurde er vom United States Junior Chamber of Commerce als einer der 10 Outstanding Young Men of the Nation des Jahres 1970 mit dem Jaycee-Award, ausgezeichnet.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley mit Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King, und ihren symbolträchtigen Awards: zwei Hände, die sich berühren.

In seiner selbstverfassten kurzen Dankesrede vor der Jury und den anderen Preisträgern, darunter der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Thomas I. Atkins, stellte Elvis Presley einen direkten Bezug zwischen seiner Kindheit als armer Landarbeiterjunge aus dem Süden, den großen Träumen kleiner Jungen von Heldentum und Ruhm und der Erfüllung des American Dream her (→ mehr zu den Jaycees und  der Dankesrede).

Audio von Elvis Presleys Dankesrede anläßlich der Verleihung des Jaycee-Awards 1971

Elvis Presley glaube also fest an die schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verankerte Vision vom amerikanischen Traum, die im Kern besagt, dass alle Bürger der Vereinigten Staaten die Chance haben, durch eigene Anstrengung und Wahrnehmung ihrer Möglichkeiten Erfolg zu haben und ihr Glück zu finden.

Sich selbst sah er als lebenden Beweis dafür, was er nicht nur bei der Befragung durch die Jury der Jaycees 1971, sondern auch bei seinen Besuchen im Weißen Haus und dem Headquarter des FBI im Dezember 1970 zu Protokoll gab.

Mehr noch: Diese Vision musste bewahrt und verteidigt werden – besonders in Zeiten wie den späten 1960er, frühen 1970er Jahren, in denen sich das Nation in einem fast bürgerkriegsartigen Zustand befand (Buchtipp Mark H. Lytle: Americas Uncivil Wars, The Sixties Era from Elvis to the Fall of Richard Nixon, 2005).

In einer Zeit, in denen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, der viele Opfer forderte, in brutale Straßenschlachten ausarteten, die einst friedliche Bürgerrechtsbewegung sich nach der Ermordung Dr. Martin Luther Kings in Elvis’ Heimatstadt Memphis gefährlich radikalisierte und eine selig berauschte Hippie-Generation den Cannabis-Konsum ihrer Kinder ganz in Ordnung fand.

“Promised Land” war in Gefahr. Seine Landsleute und die Welt “da draußen” daran zu erinnern, was großartig an der Vision der Gründerväter der Vereingten Staaten von Amerika war, sich auf ihre ursprünglichen Werte, ihre Stärken zu besinnen und “antiamerikanische Tendenzen” zurückzudrängen, war das Gebot der Stunde. Hier sah Jaycee-Preisträger Elvis Presley sich offenbar persönlich in der Pflicht.

Schließlich vertreten die Jaycees die Auffassung, dass positive gesellschaftliche Entwicklungen nur in begrenztem Umfang durch Maßnahmen von Regierungen erreicht werden können. Sie werden laut Jaycees eher durch die Initiativen verantwortungsbewußter Bürger in Gang gesetzt, die durch ihr lokales, nationales und internationales Engagement und soziales Veranwortungsbewusstsein Positives zugunsten aller bewirken.

Als genialer Performer nutzte Elvis Presley sein besonderes Talent beim Aloha-Konzert für die Kommunikation dieser Überzeugung, indem er sich im Wahrzeichen Amerikas den eigenen Landsleuten ebenso wie dem internationalen Publikum präsentierte und eben nicht – wie erwartet – einen seiner weltbekannten Hits, sondern seine Interpretation von Mickey Newburys American Trilogy zum Höhepunkt des Konzerts machte.

An American Trilogy hat einen starken Bezug zum Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 1865) sowohl in Text als auch in Melodie und verweist damit auf eine Zeit, in der ein militärischer Konflikt zwischen den – nach der Wahl Abraham Lincolns zum amerikanischen Präsidenten – aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten (Konföderation) und den in der Union verbliebenen Nordstaaten entbrannte. Ursache des Bürgerkriegs war eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, bei der es vor allem auch um die Abschaffung der Sklaverei im Süden ging.

Die drei in den tödlichen Konflikt verstrickten Parteien – die Vertreter der Nord-, die der Südstaaten und die versklavte afroamerikanische Bevölkerung – werden in American Trilogy durch den Marsch der Union (Nordstaaten), The Battle Hymn of Republic einerseits, durch  Dixie, der inoffiziellen Nationalhymne der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg andererseits, und All My Trials, einem Wiegenlied, das eng verwandt mit afroamerikanischen Spirituals sein soll, repräsentiert:

An American Trilogy

Oh I wish I was in the land of cotton
Old things they are not forgotten
Look away, look away, look away dixieland
Oh I wish I was in dixie, away, away
In dixieland I take my stand to live and die in dixie
Cause dixieland, that’s where I was born
Early lord one frosty morning
Look away, look away, look away dixieland

Glory, glory hallelujah
Glory, glory hallelujah
Glory, glory hallelujah
His truth is marching on

So hush little baby
Don’t you cry
You know your daddy ‘s bound to die
But all my trials, lord will soon be over

Hier wird einmal mehr deutlich, dass Elvis Presleys Ansatz, Botschaften zu transportieren, ein indirekter war. Wie bei seinem Bühnenkostüm, dessen Design er selbst nie kommentierte, bediente er sich vor allem der Symbolik. American Trilogy ist kein zeitgenössischer Protestsong, bei dem der Liedtext, wie etwa beim klassischen Singer-/Songwriting, eine direkte Botschaft vermittelt, die sich leicht einordnen und interpretieren lässt.

American Trilogy in Elvis Presleys bombastischem Arrangement mit allem, was Band, Orchester sowie weiße und afroamerikanische Backgroundsänger aufzubieten haben, setzte ganz darauf, den Zuhörer emotional aufzurütteln.

Indem unterschiedliche musikalische Traditionen der amerikanischen Gesellschaft heraufbeschworen und lose miteinander verknüft werden, wird eine Analogie hergestellt zwischen dem Amerikanischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert und “America’s Uncivil War” im 20. Jahrhundert. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in den 1960er und 1970er Jahren des 20. Jahrhunderts werden so als Fortsetzung eines ungelösten gesellschaftlichen Konflikts präsentiert, der tief in der Geschichte der Nation wurzelt.

Trotz des fatalistischen Liedtextes (You know your daddy ‘s bound to die) vermittelt Elvis’ Darbietung der American Trilogy die Sicherheit, dass die Nation die Stärke (symbolisiert durch den Adler) und den Glauben hat, ihre Konflikte mit Gottes Hilfe (Glory, glory haleluja, his truth is marching on) zu überwinden und ihren Bürgern – ungeachtet von Hautfarbe und Herkunft – die Verwirklichung des American Dream zu ermöglichen.

Interessant ist, dass die Gesangsstimme durchweg die Perspektive des Südstaatlers beibehält (Cause dixieland, that’s where I was born, early lord one frosty morning), was ihr vor dem Hintergrund von Elvis Presleys Vita besondere Authentizität verleiht. Gerade in den amerikanischen Südstaaten wurden die gesellschaftlichen Konflikte besonders erbittert ausgetragen – im 19. ebenso wie im 20. Jahrhundert.

Elvis Presleys American Trilogy, das von einem ehemals armen Jungen aus dem Süden, der den amerikanischen Traum lebt, dargeboten wird in einem Bühnenkostüm, das den amerikanischen Adler als Symbol für Freiheit, Stärke, Langlebigkeit und Autorität symbolisiert, entwickelt eine ungeheure Kraft, der sich Zuschauer und Zuhörer des Aloha-Konzerts bis heute kaum entziehen können. Und das gilt längst nicht nur für US-Amerikaner, wie der Blick auf YouTube verrät.

In mehr als einer Hinsicht ist American Trilogy die Fortsetzung von If I Can Dream (1968), das Elvis Presley kurz nach der Ermordung Martin Luther Kings aufnahm. Auch hier spielt der American Dream eine zentrale Rolle, allerdings fehlt in der Performance noch die Personfizierung über ein symbolträchtiges Bühnenkostüm.

Ganz sicher ist es auch kein Zufall, dass der King den Gürtel seines Adlerkostüms bei seinem Konzert Aloha From Hawaii ausgerechnet nach American Trilogy ins Publikum des Honululu Convention Center warf – eine Geste, die er am Schluss des Konzerts mit dem „Fliegenlassen“ des Adler-Capes noch einmal aufnahm. Dergestalt ließ er den amerikanischen Adler um die Welt segeln.

Festzuhalten ist, dass Elvis Presley nicht zuletzt mit diesem Auftritt den bis heute lebendigen Mythos, er symbolisiere Amerika, ganz wesentlich mitbegründet hat. Es war u.a. dieser Moment, der zeitgenössische Dokumentationen wie Jareckis The King – Mit Elvis Durch Amerika nahelegt.

Elvis oder der amerikanische Albtraum

Bleibt die Frage, inwieweit Jareckis Dokumentation Elvis Presleys Sicht auf sich selbst und den American Dream überhaupt berücksichtigt. Sie tut es nicht – leider! Wie die meisten Dokumentationen über Elvis Presley stellt auch sie die Perspektiven anderer in den Mittelpunkt, ohne sie den Absichten des Protagonisten gegenüber zu stellen. In diesem Sinne ist sie eine Elvis-Dokumentation ohne Elvis. Da hilft auch der Original-Rolls nicht, mit dem Jarecki durch die USA kurvt.

Wie Jarecki in einem Interview erläutert, ist Elvis für ihn – und in der Erweiterung auch für alle, die in der Dokumentation zu Wort kommen – vor allem eine Metapher für das Scheitern des American Dream, das eine lange Vorgeschichte hat, aber nie deutlicher zutage trat als im Zeitalter Donald Trumps.

 

Die Metapher macht Jarecki, dessen Familie vor dem Holocaust aus Deutschland in die USA floh, vor allem an Parallelen zwischen der Situation, in der sich die amerikanische Gesellschaft derzeit befindet, und einer sehr einfachen Sicht auf das Leben Elvis Presleys fest. Eine Sicht, die sich schon früh nach dem Tod Presleys etablierte und daher sehr weit verbreitet ist, mittlerweile aber einer differenzierteren Sichtweise Platz gemacht hat.

Die vereinfachte Sicht, hundertfach nacherzählt, geht so: Elvis startete als junges unverbrauchtes Naturtalent, wurde aufgrund seines Genies weltberühmt, in der Folge zwangsläufig durch seinen Megaerfolg korrumpiert, verschwendete sein Talent in Hollywood und landete – nach einer kurzen Rückkehr zu alter Größe 1968 – in Las Vegas, wo er völlig übersättigt und vollgepumpt mit Tabletten fragwürdigen Wirkunsgrades sein Talent einbüßte und viel zu früh verstarb. Abgerundet wird das Ganze häufig noch mit John Lennons Zitat, dass Elvis im Grunde schon starb, als er 1958 zur Armee ging. 1973 wäre er damit bereits 15 Jahre tot gewesen.

Was so vielversprechend begann, entwickelte sich wie die Vision des American Dream schon sehr bald zu einem Albtraum erster Güte – und ist deckungsgleich mit dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft in der Ära Trump. “Amerika, wenn Du nicht endlich aufwachst, wirst Du enden wie Elvis”, ist die Botschaft in Jareckis Dokumentation.

Elvis ist hier das Symbol für einen Totalschaden des American Dream – sinnigerweise gibt auch sein Rolls Royce auf Jareckis Roadtip irgendwann den Geist auf.

Der American Dream als Totalschaden: Elvis Rolls Royce wird abgeschleppt.

Fazit: Jareckis The King – Mit Elvis durch Amerika, auch bekannt unter dem wesentlich treffenderen Titel “Promised Land”, ist sicher sehenswert, aber sie ist keine Elvis-Dokumentation im eigentlichen Sinne. Das sollte man wissen.

Elvis ist vor allem ein unterhaltsamer Aufhänger, um einen sozialkritischen Gesichtspunkt bildhaft an den Mann und die Frau zu bringen. Aber ganz offensichtlich ist er einer, der immer noch zieht, was zeigt, wie tief verankert im amerikanischen Bewusstsein der King mehr als 40 Jahre nach seinem Tod immer noch ist.

60 Jahre Elvis in King Creole

2018 feiern gleich mehrere Elvis-Klassiker Jubiläum: Einer davon ist Elvis 4. Kinofilm King Creole. In dem atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Streifen aus dem Jahr 1958 erspielte sich der King vor 60 Jahren neben Walter Matthau den Respekt von Regiealtmeister Michael Curtiz (Casablanca). Das Ganze vor der Kulisse von New Orleans.

Der Hollywoodstreifen ist erstaunlich gut gealtert und im Vergleich zum legendären Jailhouse Rock (1957) vielleicht der wahre Elvis-Filmklassiker aus den 1950ern. Zum Jubiläum von King Creole gibt es hier jedenfalls endlich die längst überfällige Serie zu Soundtrack und Film.

Als Auftakt zur Serie folgt eine Buchbesprechung zum Bildband King Creole Frame by Frame, der 2012 erschienen ist und mit seinen Bilderwelten wunderbar auf den Film einstimmt.

Buchtipp King Creole Frame by Frame

Schon auf den 1. Blick in diese über 400 Seiten starke Veröffentlichung aus dem Hause Flaming Star in Kooperation mit dem Sammlerlabel Follow That Dream wird klar, dass die langjährigen Elvis-Aficionados und Hauptautoren Erik Lorentzen und Pål Granlund aus Norwegen hier tief in ihre umfangreichen Bildarchive gegriffen haben.

Elvis Presley in King Creole (1958)

Über 1.000 wenig bekannte und bislang unveröffentlichte Fotos, meist schwarz/weiß, findet der Leser hier in guter Druckqualität (besser als in diesen Scans!) auf gestrichenem Papier vor. Den Hauptteil der Fotos, die von den Paramount-Fotografen Bud Fraker und Mal Bulloch im Paramount-Studio und vor Ort in New Orleans gemacht wurden, wollen die Autoren schon in den frühen 1970er Jahren während einer ihrer USA-Reisen zu Elvis-Konzerten für ihre Sammlung entdeckt haben.

Alle Fotos: © 2012 Flaming Star

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Speedway: Vom Studio auf die Kinoleinwand

Die Musikkomödie Speedway (1968) war Elvis Presleys 27. Kinofilm und sein neunter für Metro-Goldwyn-Mayer (MGM).

Elvis Presley in seinem neunten Film für Metro-Goldwyn-Mayer: Speedway (1968).

Von den insgesamt 33 Filmen Elvis Presleys, die zwischen 1956 und 1972 gedreht wurden, waren 14 MGM-Produktionen. Mit Jailhouse Rock (1957) und Viva Las Vegas (1964) gehören zwei Musikfilme dazu, die heute zu den Klassikern des amerikanischen Kinos gezählt werden. Allerdings sind auch zwei Filme, die als absoluter Tiefpunkt der Presleyschen Filmkarriere gelten, bei MGM entstanden: Harum Scarum (Verschollen im Harum, 1965) und Double Trouble (Zoff für Zwei, 1967).

Ebenfalls unter dem Dach von MGM produziert wurden später die Konzertdokumentation Elvis That’s The Way It Is (1970) und der Golden Globe-Gewinner Elvis On Tour (1972).

Offensichtlich hatten die Bosse bei MGM hatten eine besondere Vorliebe für Elvis als singenden Rennfahrer, denn alle drei Rennfahrer-Streifen mit dem King in der Hauptrolle – Viva Las Vegas (Tolle Nächte in Las Vegas, 1964), Spinout (Sag’ niemals ja, 1966) und Speedway (1968) – sind MGM-Produktionen.

Elvis gibt alles als Rennfahrer in Speedway (1968).

Insgesamt ist Metro-Goldwyn-Mayer mit Abstand die Filmgesellschaft mit den meisten Elvis-Filmen im Portfolio – und zwar mit beträchtlichem Abstand vor Paramount (9), United Artists (4) und Twentieth Century Fox (3).

Die 14 MGM-Filme Elvis Presleys waren in sechs verschiedenen Verträgen geregelt und gehören zu den lukrativsten Filmdeals seines Managers Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk). Für Speedway (1968) erhielt Elvis Presley eine Gage von 850.000 USD sowie eine 50-prozentige Beteiligung am Gewinn. Bei Jailhouse Rock (1957) hatte die Gage für den Star mit 250.000 USD noch beträchtlich niedriger gelegen. Allerdings sah auch dieser Vertrag schon eine Gewinnbeteiligung von 50 Prozent vor.

Am Filmset von Speedway 1967: Elvis mit Gesangskollege Eddy Arnold (links) und seinem Manager Tom Parker (rechts).

Man sieht: MGM glaubte lange an Elvis Presley als Kinokassenmagnet. Sonst hätte man sich – Verhandlungsgeschick des Presleyschen Managements hin oder her – wohl nicht auf diese Verträge eingelassen.

Eingespielt haben soll Speedway an der Kinokasse in den USA 3 Mio. USD (siehe James L. Neibaur: The Elvis Movies; Helmut Radermacher: Das Große Elvis Presley Filmbuch; IMDB-Filmdatenbank). Damit ließ Speedway die Kinokasse in den USA fast doppelt so häufig klingeln wie die schon erwähnte, eher enttäuschende MGM-Produktion Double Trouble (1,6 Mio. USD), allerdings auch weit weniger als das sehr erfolgreiche Musical Viva Las Vegas von 1964 (mehr als 5 Mio USD).

Zudem lief Speedway in den Kinos einiger südamerikanischer, europäischer und asiatischer Länder – Auslandseinnahmen gab es also auch. Hierzulande kam Speedway allerdings nicht auf die große Leinwand, sondern wurde erstmals im Fernsehen gezeigt – und zwar im Dezember 1976.

Zu den Produktionskosten von Speedway gibt es unterschiedliche Angaben, die weit auseinandergehen: Sie werden zwischen 1,5 Mio USD (Neibaur, IMDB-Filmdatenbank) und rund 3 Mio. USD (Michael A. Hoey: Elvis’ Favorite Director) geschätzt. Liegen Autor James Neibaur und die IMDB-Filmdatenbank mit ihrer Schätzung in etwa richtig – dafür sprechen die Budgets anderer Elvis-Filme aus dieser Zeit – dann war Elvis’ drittes RennfahrerMusical kein Verlustprojekt. Und das weder für den Star und seinen Manager, der wiederum prozentual an den Einnahmen Elvis Presleys beteiligt war, noch die Produktionsfirma. Sollte Michael Hoey mit seiner Schätzung recht haben, sähe das allerdings schon wieder anders aus.

Mit auf der Rennstrecke: Produzent – Drehbuchautor – Regisseur

Als Produzent von Speedway fungierte Douglas Laurence (1918-2012), der später noch mit den  Elvis-Streifen Stay Away Joe (Harte Fäuste, heiße Lieder, 1968), Live A Little, Love A Little (Liebling, laß das Lügen, 1968) sowie The Trouble With Girls (Immer Ärger mit den Mädchen, 1969) für den King ins Rennen ging.

Produzent Douglas Laurence (Mitte) mit Elvis Presley und Nancy Sinatra bei den Dreharbeiten zu Speedway (1967).

Laurence war einige Zeit Entertainment-Direktor des bekannten Flamingo Hotels in Las Vegas (das Flamingo wird in der Eingangssequenz  von Viva Las Vegas gezeigt), hatte sich als Musikproduzent für Judy Garland verdient gemacht und 1966 den Film Mister Buddwing mit James Garner in der Hauptrolle produziert, der zwei Oscar-Nominierungen einfuhr.

Zu Elvis Presley hatte Laurence von Beginn an einen guten Draht. Laurence beschrieb den King später als eine “sehr freundliche und überraschend bescheidene Persönlichkeit, wenn man das Ausmaß seines Ruhms bedenkt”. Mit Laurence sprach der Star offen darüber, dass er mit der Art seiner Filmrollen nicht zufrieden war und sich andere Rollen wünschte als die des ewig singenden Sonnyboys. Wohl aus deshalb waren die drei nach Speedway von Laurence produzierten Elvis-Filme keine klassischen Elvis-Musicals mehr.

Mit an Bord von Speedway waren außerdem Norman Taurog (1899-1981), von dem man sagt, er sei Elvis Presleys liebster Regisseur gewesen, und dessen Assistent, der britische Drehbuchautor und Regisseur Michael A. Hoey (1934-2014).

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Speedway: Elvis mit Nancy auf der Piste

Der Film Speedway aus dem Jahr 1968 markiert das Ende einer Ära: Es ist das letzte der klassischen Elvis-Musicals, zu dem auch ein Soundtrack-Album erschien.

Der Hollywoodstreifen mit Elvis Presley und Nancy Sinatra in den Hauptrollen wurde im Sommer 1967 von Douglas Laurence unter der Regie von Altmeister Norman Taurog für Metro Goldwyn Mayer (MGM) produziert, lief aber erst ein Jahr später, nämlich ab Mitte Juni 1968, in den amerikanischen Kinos.

Speedway: Original-Filmplakat aus dem Jahr 1968 – aus: Helmut Radermacher, Das große Elvis Presley Filmbuch

Speedway entstand in einer Zeit, als Elvis Presley seiner Filmkarriere überdrüssig war und auch das Kinopublikum deutlich das Interesse daran verloren hatte. In den deutschen Kinos lief der Film gar nicht erst an. Hierzulande wurde Speedway erstmals im TV gezeigt, und zwar im Dezember 1976, also fast zehn Jahre nach den Dreharbeiten.

Die Tatsache, dass Speedway kurz vor Elvis Presleys berühmten ’68 Comeback-TV-Special und seine anschließende Rückkehr auf die Konzertbühne veröffentlicht wurde, sich der King ab diesem Zeitpunkt immer wieder enttäuscht über den Verlauf seiner Filmkarriere äußerte, die zwar kommerziell über Jahre sehr erfolgreich war, ihm aber kaum die Möglichkeit bot, als Schauspieler zu überzeugen, hat das Interesse an diesem Klassiker lange im Keim erstickt.

Fast 50 Jahre nach der Filmpremiere sieht das anders aus. Speedway, eine Art Fortsetzung des Pop Art-Klassikers Viva Las Vegas (1964), ist erstaunlich gut gealtert und hat längst sein Publikum (zurück)erobert. Das zeigt schon allein ein Blick auf YouTube, wo zahlreiche User diesen Film (wie auch andere Elvis-Musicals) lustvoll in seine Einzelteile zerlegen, auf die zentralen Szenen eindampfen und in ihren YouTube-Kanälen den überwiegend positiven Kommentaren der Onlinegemeinde preisgeben. Man könnte glatt meinen, Elvis-Musicals wären ihrer Zeit weit voraus gewesen, so gut eignen sie sich für die Darstellung in kurzen Filmsequenzen per YouTube-Video.

Und auch die Filmhistoriker haben das lange von der Filmkritik als flunderflach geächtete Konzept des Elvis-Musicals, das 1960 von Produzent Hal Wallis mit G.I. Blues (Café Europa) sozusagen erfunden und bis 1967/68 von gleich mehreren Hollywood-Studios in Serie produziert wurde, inzwischen rehabilitiert und als eigenes Genre identifiziert. Sehr zu empfehlen sind dazu die Erkenntnisse der Filmhistorikerin Susan M. Doll (Understanding Elvis: Southern roots vs. star image, 1998), die unter anderem für Turner Classic Movies arbeitet.

Bleibt die Frage: Was genau ist ein “Elvis-Musical” eigentlich und inwieweit ist Speedway (1968) ein klassischer Vertreter des Genres?

Der Elvis-Imagefilm: Singender Playboy auf der Überholspur des Lebens

Im Privaten bezeichnete Elvis Presley seine Musicals gerne kurz und knapp als “travelogues” (Reisebeschreibungen), wenn er in den 1960ern nach der Handlung seiner Filme gefragt wurde. Das ist erstaunlich auf den Punkt. Denn was ein klassisches Elvis-Musical als Ausgangspunkt unbedingt braucht, um gut zu funktionieren, ist ein möglichst aufregender Handlungsort, an dem Spaß, Action und schöne Frauen zu Hause sind.

Deswegen wurde der Handlungsort meistens schon im Titel der Elvis-Musikkomödien genannt: Blue Hawaii (Blaues Hawai, 1961), Viva Las Vegas (Tolle Nächte in Las Vegas, 1964), die Weltausstellung in Seattle in It Happened At The World’s Fair (Ob blond, ob braun, 1963), Fun In Acapulco (Acapulco, 1963)… oder eben – wie im Film Speedway (1968) – die bekannte Rennstrecke Charlotte Motor Speedway in North Carolina, wo die amerikanischen Stockcar-Rennen der Nascar beheimatet sind.

Für Speedway wurden Szenen vor Ort auf dem Charlotte Motor Speedway gedreht und einige der damals sehr bekannten Stockcar-Rennfahrer, wie etwa Cale Yarborough, sind im Film kurz zu sehen.

Stockcar-Rennfahrer Cale Yarborough bei seinem Gastauftritt in Speedway.

Speedway spielt also in der aufregenden Stockcar-Szene und ist nach Klassiker Viva Las Vegas ( 1964) und dem weniger bekannten Spinout (Sag niemals ja, 1966) das dritte Musical, in dem Autonarr Elvis einen Rennfahrer spielt. Das ist kein Zufall. Denn ein klassisches Elvis-Musical ist immer ganz gezielt als Starvehikel oder – anders formuliert – als Imagefilm angelegt (→ Viva Las Vegas: Starvehikel mit Kultcharakter), bei dem die Handlung bewusst vom Image des berühmten Hauptdarstellers bestimmt wird. Überspitzt formuliert: Das Image des Stars ist die Handlungsvorlage des Films.

Spaß und viel Action: Autonarr Elvis als Rennfahrer in Viva Las Vegas (1964)…

… und vier Jahre später hinter dem Steuer in Speedway (1968).

Wenn etwas zu Lebzeiten Elvis Presleys in der breiten Öffentlichkeit bekannt war, dann war es seine Vorliebe für alles, was Räder hat. Vom Beginn seiner Karriere an wurde das in einer Vielzahl von Presseartikeln über ihn transportiert – es war sozusagen “common knowledge” – ebenso wie seine Vorliebe für schöne Frauen. Musik sowieso, schließlich war er als Sänger international sehr erfolgreich.

Beim Genre des Imagefilms ist es hochgradig unerwünscht, wie Filmkennerin Susan Doll argumentiert, dass der Star im klassischen Sinne schauspielert, d.h. in der Rolle eines fiktionalen Charakters aufgeht, sozusagen in ihr verschwindet. Vielmehr ist genau das Gegenteil gewollt: Je besser die Grenzen zwischen Star und Filmrolle, zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, desto gelungener ist diese Art von Film. Wer diesen Aspekt kritisiert ist entweder naiv oder kennt sich schlicht nicht besonders gut aus, so Filmhistorikerin Doll:

“Because most of Presley’s films were vehicles, his star image overshadows any fictional character he might play, which is precisely the point. Audiences went to see Elvis Presley, not to see him submerged into the personality of a fictional character. Presley’s star image defined his movie roles and vice versa. […] High-brow reviewers – or, in the case of Presley, rock music historians and certain biographers – who consider film vehicles inferior because of these characteristics are naive. Criticizing the star of a vehicle for playing himself, or attacking a film vehicle for being repetititve, is like criticizing a tiger for having stripes. It is the nature of the beast.”

– zitiert nach Susan M. Doll: Understanding Elvis: Southern roots vs. star image, 1998

Ein Elvis-Musical ist also gewollt etwas völlig anderes als ein Film, in dem der Schaupieler Elvis Presley zu sehen ist, wobei es letzteres durchaus gibt, siehe → Flaming Star/Flammender Stern (1960). Speedway wird dem Genre des Elvis-Imagefilms auf seine ganz eigene Weise gerecht. Genau das macht den Film zum Klassiker.

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Elvis & Nixon – der Film

Elvis Presley war ein Jäger und Sammler, wer hätte das gedacht. Im Dezember 1970 – wenige Tage vor Weihnachten und gut zwei Wochen vor seinem 36. Geburtstag – ging der King auf die Jagd nach einem besonderen Geschenk für sich selbst, das als Prunkstück seiner Polizeidienstmarken-Sammlung gedacht war: eine Dienstmarke für Spezialagenten des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD).

Das 1968 gegründete BNDD war eine im US-amerikanischen Justizministerium angesiedelte Behörde zur Bekämpfung von Drogenschmuggel und -handel, die 1973 in der neuformierten Drug Enforcement Administration (DEA) aufging. Agenten, die für das BNDD tätig waren, wiesen sich mit einer speziellen Dienstmarke aus. Genau um eine solche ging es dem King, und zwar eine echte Marke, also keine Nachbildung für Sammler.

Dienstmarke für Spezialagenten der BNDD-Nachfolgebehörde DEA

Die Jagd nach “The Badge” führte Elvis Presley über einige Umwege am 21. Dezember 1970 nach Washington D.C. – und zwar direkt in das Oval Office des Weißen Hauses, wo er den amtierenden republikanischen Präsidenten Richard Nixon traf, der ihm – man höre uns staune, tatsächlich noch am selben Tag zu einer BNDD-Dienstmarke verhalf. Letztlich waren es sogar zwei Dienstmarken, die Elvis Presley auf diesem Wege seiner Sammlung zuführte.

 

Elvis Presleys Original-BNDD-“Dienstmarken”. Die oben gezeigte wurde ihm am 21.12.1970 in Washington persönlich überreicht, die zweite ein paar Wochen später zugesendet – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Das Treffen des King mit Richard Nixon, der 1974 im Zuge der Watergate-Affäre als einziger Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurücktreten musste, ist so kurios, dass es Filmstoff erster Güte darstellt. Gäbe es nicht eine Reihe von Fotos im amerikanischen Nationalarchiv, die das Treffen dokumentieren, und einen offensichtlich hastig geschriebenen handschriftlichen Brief Elvis Presleys an Nixon auf Papier der Fluggesellschaft American Airlines als Beweis, dann würde man diese Geschichte am ehesten im Reich der hyperaktiven Phantasie eines Hollywood-Drehbuchautors verorten. Sie ist trotzdem passiert.

Präsident Richard Nixon mit Elvis Presley im Oval Office am 21.12.1970 – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Der berühmte Brief Elvis Presleys an Richard Nixon, hastig verfasst während eines Fluges von Los Angeles nach Washington wenige Stunden vor dem Treffen im Weißen Haus – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Jetzt wurden die Begegnung der besonderern Art und die Ereignisse unmittelbar davor in Elvis & Nixon (2016) unter der Regie der vor allem für ihre Kurzfilme bekannten Filmemacherin Liza Johnson nach einem Drehbuch von Joey Sagal, Hanala Sagal sowie Cary Elwes verfilmt. Die Komödie ist im Dezember 2016 auch in den deutschen Kinos angelaufen.

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Kult: Elvis is not dead – he just went home!

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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A Star Is Born – der Film, der Elvis Presleys Leben retten sollte

Es ist ganz schön lange her, dass mich ein Film so gelangweilt hat, dass ich mich nur mit Mühe wach halten konnte. Jetzt ist es passiert… und es war KEIN Elvis-Film. Aber es hätte einer sein können. Der Film, um den es geht, ist A Star Is Born – und zwar das Remake von 1976 mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson in den Hauptrollen.

Kris Kristofferson und Barbra Streisand in 'A Star Is Born' (1976)

Kris Kristofferson und Barbra Streisand im Duett in ‘A Star Is Born’ (1976)

Das Kuriose daran ist, A Star Is Born ist genau der Film, dem nachgesagt wird, er hätte Elvis Presleys Leben retten können, wenn er statt Singer-/Songwriter Kris Kristofferson die Hauptrolle übernommen hätte. Eine Hauptrolle, die dem King 1975 auch tatsächlich von Barbra Streisand und Jon Peters – Co-Produzenten des Films – angeboten wurde. Der Film wäre genau die künstlerische Herausforderung gewesen, die Elvis Presleys selbstzerstörerischen Lebensstil Einhalt geboten und damit vielleicht sein frühes Ableben mit 42 Jahren hätte abwenden können, so wird vielfach argumentiert, u.a. von dem bekannten britischen Journalisten, Filmkenner und bekennenden Elvisfan Paul Simpson: → Elvis in Hollywood.

Darüber hinaus gilt A Star Is Born als die Art von ernsthaftem, künstlerisch wertvollen Film, den Elvis Presley selbst immer gerne machen wollte im Gegensatz zu den → Elvis-Musicals, auf die er fast seine gesamte Karriere hindurch beschränkt blieb, so erzählen es auch ehemalige Angestellte und Freunde wie beispielsweise Jerry Schilling in seinem Buch Me and A Guy Named Elvis (2006). Das klingt eindrucksvoll und macht ordentlich neugierig auf diesen Film. Worum geht es dabei?

Vom Aufstieg und Fall eines Superstars

Die Geschichte, die in A Star Is Born erzählt wird, ist ein Klassiker, der in seiner Ursprungsfassung den Aufstieg und tragischen Fall von Filmstars in Hollywood zum Thema hat. Erstmals verfilmt wurde der dramatische Stoff 1937 mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen als Esther Victoria Blodgett und Norman Maine. Produziert wurde das Ganze von David O. Selznick, der zwei Jahre später auch für die Verfilmung von Gone With The Wind (Vom Winde Verweht, 1939) verantwortlich zeichnete.

In dieser ersten Filmfassung von 1937 träumt Esther Blodgett, ein einfaches Mädchen vom Lande davon, ein großer Star in Hollywood zu werden. Sie macht sich auf den Weg ins “Gelobte Filmland”, kann dort ihren Traum aber zunächst nicht verwirklichen. Als sie auf einer Party kellnert, lernt sie den berühmten Schauspieler Norman Maine kennen, der ihr zu einem Screen-Test und kurz darauf zu ihrer ersten Hauptrolle verhilft. Maines eigene Karriere hat zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt schon überschritten, u.a. weil der Star ein massives Alkoholproblem hat.

Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Esther und Norman, die beiden heiraten. In der Folge blüht und gedeiht Esthers Schauspielkarriere, während Norman nicht mehr so recht Fuß fassen kann. Mit Hilfe von Esther gelingt es Norman, zumindest zeitweise vom Alkohol loszukommen. Doch die Frustration des einstigen Stars über das eigene Karrieretief ist letztlich so groß, dass Norman Selbstmord begeht. Er ertränkt sich im Pazifik. Ganz großes Drama.

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