Baz Luhrmanns Biopic mit Austin Butler und Tom Hanks in den Hauptrollen

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Geht es um Elvis Presleys Verhältnis zur Black Community, dann ist beinahe sofort auch von »cultural appropriation«, von kultureller Aneignung und Rassismus, die Rede. Das hat eine lange Tradition. Sie geht weit über den Hip-Hopper und politischen Aktivisten Chuck D von Public Enemy hinaus, der Elvis 1989 im Song Fight The Power rundheraus als Rassisten bezeichnete: »Elvis was a hero to most / But he never meant shit to me you see / Straight up racist that sucker was«. Chuck Ds Sicht war damals keineswegs neu, aber sie saß – und sie wirkt bis in die Gegenwart fort. Zu Unrecht.

Frühe Nachfragen zur „cultural appropriation“: Elvis steht Rede und Antwort in Detroit – 25. Mai 1956

Nicht nur unter Afroamerikanern gilt Elvis vielen bis heute als eine der Symbolfiguren für kulturelle Aneignung. Als ein Weißer, der – ohne einen legitimen Bezug zur afroamerikanischen Kultur zu haben – seinen musikalischen Stil bei schwarzen Vorbildern »stahl« und dafür von der weißen Mehrheitsgesellschaft als »King of Rock ’n’ Roll« gefeiert wurde, während die »wahren Rock ’n’ Roller« aufgrund ihrer Hautfarbe wenig Beachtung fanden.

Diese Sichtweise ist gerade in unserer Zeit, in der die Diskussion um kulturelle Aneignung einen neuen Höhepunkt erreicht hat (man denke nur an die Winnetou-Debatte), populärer denn je. Dabei lässt sie entscheidende Fakten aus Elvis Presleys Biografie und musikalischem Schaffen – sei es aus Unkenntnis oder Ignoranz – außer Acht.

Einen dieser Aspekte greift der australische Filmproduzent und Regisseur Baz Luhrmann in seinem neuen, vieldiskutierten Biopic Elvis (2022) auf. Es ist die Freundschaft zwischen Elvis Presley und Sam Bell – eine Freundschaft, die es gar nicht hätte geben dürfen, wäre an den genannten Vorwürfen etwas dran.

Auf dem Hügel und über den Zaun in Tupelo

»Eines Tages stand er einfach am Gartenzaun«, erinnert sich Sam Bell im Gespräch mit Filmregisseur Baz Luhrmann, als dieser ihn in Tupelo zu Recherchen für sein Biopic Elvis besuchte.

„Eines Tages stand er einfach am Zaun“: Sam Bell (re.) im Gespräch mit Filmproduzent Baz Luhrmann in Tupelo

Der blonde Junge stand dort ganz allein und schaute sehnsüchtig zu ihnen rüber – hinüber auf das große Nachbargrundstück, wo Sam mit seinen vier gleichaltrigen Kumpels spielte. Er war im selben Alter wie sie, vielleicht elf oder zwölf Jahre, schätzte Sam. Die abgewetzte Latzhose schlotterte um seine dünne Gestalt und er war barfuß. Es war heiß – wie immer um diese Zeit in Tupelo/Mississippi im Sommer 1947.

Sam wusste, der neue Nachbarsjunge war gerade erst mit seinen Eltern eingezogen in das Haus in der North Green Street, dessen Grundstück an das seiner Großeltern grenzte. Er mochte ihn auf Anhieb. Und an diesem Nachmittag rief Sam spontan: »Komm‘ doch rüber zu uns«. Der Junge zögerte einen Moment, schaute fragend über die Schulter Richtung Veranda, auf der seine Mutter saß und die kleine Szene beobachtete. Auch sie zögerte. Doch als sie  zustimmend nickte, machte der Junge sofort einen Satz über den Zaun auf die andere Seite – »er sprang schneller als jedes Kanickel«, erinnert sich Sam lachend.

Von diesem Sprung an war der Junge Teil von Sams »Gang«, die sich jeden Nachmittag nach der Schule bei den Bells traf. Deren großes Grundstück hatte einen Nutzgarten mit vielen Obstbäumen, außerdem einen Teich, in dem die Jungs fischen durften, und ein Wasserloch, das sie als Pool nutzten. Es war wie ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz.

Bemerkenswert daran war, dass der Zaun, der die Jungs trennte, nicht einfach irgendein beliebiger Grundstückszaun war. Vielmehr markierte er die sogenannte »Color Line« – die Farblinie, die in den amerikanischen Südstaaten die strikte Trennung der afroamerikanischen und der weißen Bevölkerung vorsah. Denn Sam Bell und seine Freunde waren Schwarz – der Nachbarsjunge hingegen war Weiß. Er hieß Elvis Presley.

Grenzenlose Freundschaft trotz vorgeschriebener Rassentrennung: Elvis und sein Kumpel Sam Bell 1947 – nachgestellt im Biopic Elvis (2022)

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Das European Elvis Festival in Bad Nauheim ist längst eine feste Größe unter den vielen Events weltweit, die jedes Jahr den King of Rock ’n‘ Roll Elvis Presley feiern. Vom 12. bis 14. August 2022 findet es zum 20. Mal statt.

Jubiläum voraus: 20 Jahre European Elvis Festival in Bad Nauheim – Foto: Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH

The Memphis Flash hat Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft, die neben der Stadt Bad Nauheim Veranstalterin des Festivals ist, zu Jubiläum und Festival-Programm 2022, ihren Lieblingsmusiker Elvis und Baz Luhrmanns neues, sehr erfolgreiches Biopic ELVIS interviewt.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Maria, zwei Jahrzehnte European Elvis Festival in Bad Nauheim. Wie groß ist die Freude, dass Ihr jetzt nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder richtig loslegen könnt – und dann noch mit einem Jubiläum?

„Weil Elvis Elvis ist“: Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e. V. (EPG) – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Wir freuen uns natürlich riesig. Allerdings haben wir trotz Pandemie auch in 2020 und 2021 Veranstaltungen gehabt, auch wenn die aus pandemischen Gründen natürlich kleiner ausgefallen sind und nicht unter dem Begriff „Festival“ liefen. Wir waren einfach der Meinung, dass es nicht sein kann, im August gar nichts zu machen. Letztes Jahr waren wir in Sachen Programm auch schon wieder ganz gut aufgestellt. Aber es ist natürlich nochmal was ganz Anderes, wenn es dann wirklich ein richtiges European Elvis Festival mit umfangreichem Programm ist, zu dem die Leute ja auch aus dem Ausland anreisen.

The Memphis Flash: Auf welche Programm-Highlights dürfen wir uns beim European Elvis Festival 2022 freuen?

Maria Hesterberg: Ich denke, ganz toll ist, dass wir Peter Kraus gewinnen konnten für das Konzert am Samstagabend (13. August) um 20 Uhr in der Trinkkuranlage. Wir hatten das in der Vergangenheit schon mal versucht, aber da hat’s aus verschiedenen Gründen nicht gepasst. Dieses Jahr hat er die Einladung akzeptiert, freut sich drauf und wird auch tatsächlich ein Elvis-Programm spielen. Am Sonntag wird er sich außerdem ins Goldene Buch der Stadt Bad Nauheim eintragen, bei unserer Talkrunde dabei sein und anschließend Autogramme geben.

Peter Kraus: Galt in den 1950ern als der deutsche Elvis und ist Stargast auf dem European Elvis Festival 2022 – Foto: Rene van der Voorden

The Memphis Flash: Sind dieses Mal auch wieder ehemalige Weggefährt:innen von Elvis aus den USA in der Talkrunde? In der Vergangenheit hattet Ihr ja unter anderem Alfred Wertheimer, George Klein, Joe Esposito, Jerry Schilling, Linda und Sam Thompson im Programm?

European Elvis Festival 2014: Maria Hesterberg im Talk mit Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer – Foto: www.memphisflash.de

 

Noch mehr Talk: Maria Hesterberg mit Elvis-Weggefährte George Klein beim European Elvis Festival in Bad Nauheim 2016 – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Leider nicht. Und zwar hat das einfach den Grund, dass die Impfung doch für manche ein großes Problem darstellt. Wir wiederum sind der Sicherheit aller verpflichtet. Und ich möchte nicht, dass das European Elvis Festival hinterher als neuer Corona-Hotspot in den Schlagzeilen steht. Es war also die richtige Entscheidung, diesmal darauf zu verzichten. Außerdem sind wir auch so gut aufgestellt.

The Memphis Flash: Wer kommt neben Peter Kraus noch?

Maria Hesterberg: Für den letzten Festivaltag, also den Sonntag, haben wir uns diesmal was ganz Besonderes einfallen lassen. Einen richtigen Schlussknaller zum 20-Jährigen. Und zwar um 11 Uhr die Gospel-Show „Let us Pray“ mit Jim Brown und dem Lüneburger Gospelchor in der Trinkkuranlage. Dann ab 19 Uhr zusätzlich Jim Brown mit großer Band im Konzert „Walking in Memphis“. Und wer Jim schon mal gehört hat, der weiß, worauf er sich da freuen kann. Wir sind total froh, dass das geklappt hat.

Steht für Qualität beim Festival: Elvis-Interpret Jim Brown – Foto: Jens Heltzig

The Memphis Flash: Für die musikalische Unterhaltung ist also gesorgt. Hier schon mal der Link zu Gesamt-Programm und Ticket-Shop. Macht die Stadt Bad Nauheim denn auch wieder ihren verkaufsoffenen Sonntag?

Maria Hesterberg: Auf jeden Fall. Da wird auch in der Stadt wieder einiges los sein. Aber wir haben auch noch was ganz Besonderes im Festival-Programm – und zwar eine phänomenale Ausstellung mit Schwerpunkt Elvis: „Rock ’n‘ Roll Heaven. Das knallt nur so von Originalen, die mal Elvis gehört haben.

The Memphis Flash: Zum Beispiel?

Maria Hesterberg: Wir werden ein Original-Auto aus Elvis‘ Besitz in der Ausstellung haben. Wir werden viele Dokumente, Schmuck und Kleidungsstücke von Elvis präsentieren – aus den Anfängen seiner Karriere, seiner Filmzeit, natürlich sehr viel aus seiner Zeit bei der Armee hier in Deutschland. Initiiert ist das Ganze von unserem Mitglied und Freund Andreas Schröer vom Initiativkreis Gelsenkirchen, der zusammen mit einem Kollegen aus Schweden auch Führungen durch die Ausstellung anbieten wird. Dazu kann man sich beim Festival bei uns am Infostand der Elvis Presley Gesellschaft (EPG) anmelden.

The Memphis Flash: Apropos Führung: Wie sieht das mit den Corona-Schutzbestimmungen aus? Gibt es eine Maskenpflicht?

Maria Hesterberg: Also, wir sind immer den aktuell geltenden Schutzbestimmungen verpflichtet. Aber auch wenn keine Maskenpflicht besteht, kann das jeder so halten, wie er sich am wohlsten fühlt. Es wird voll sein – Leute eng an eng. Da sollte jeder die eigene Gesundheit gut schützen.

The Memphis Flash: Wohl war. Wenn Du jetzt auf 20 Jahre European Elvis Festival zurückschaust, wie hat sich das Festival in den zwei Jahrzehnten entwickelt und vielleicht auch verändert?

Maria Hesterberg: Also, die Elvis Presley Gesellschaft ist ja erst seit 2010 dabei. Wir sind  dazugestoßen, weil die Stadt Bad Nauheim uns gefragt hat, ob wir Interesse hätten, am Festival mitzuwirken. Und ich weiß noch, wir haben uns damals das Programm angeschaut und gedacht: Hm, das kann mehr Elvis gebrauchen.

The Memphis Flash: Okay. Woran lag das?

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Eindrucksvolle zwölf Minuten dauerte die Standing Ovation für ELVIS – das neue Biopic des australischen Produzenten und Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll mit Austin Butler und Tom Hanks in den Hauptrollen – bei der Premiere im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele in Cannes. Das allein, gefolgt von der sofort einsetzenden Flut an Filmkritiken in Print- und Onlinemedien, ließ großes Kino erahnen, noch bevor der Film überhaupt in den Kinos angelaufen war.

Jetzt läuft ELVIS in den Kinos, ist in aller Munde und toppte am Startwochenende in den USA sogar die Kinobesucherzahlen von Tom Cruises Blockbuster Maverick. Doch wie gut ist Luhrmanns ELVIS?

Baz Luhrmanns ELVIS ist in einem Wort: GROSSARTIG. Und das in mehrfacher Hinsicht. Wer bislang geglaubt hat, die allseits bekannte Geschichte von Elvis, dem armen Jungen aus Tupelo/Mississippi, der zum Megastar seiner Zeit aufstieg, an seinem Ruhm zerbrach, mit nur 42 Jahren früh verstarb und posthum endgültig zum Mythos wurde, sei schon seit langem auserzählt, wird von Baz Luhrmanns Biopic widerlegt.

Denn es gelingt dem australischen Produzenten und Regisseur, den allseits bekannten Mythos als Leinwand zu nutzen, auf der er zwei zentrale Themen neu in den Fokus rückt. Die wiederum sagen zum einen viel über den Künstler und Menschen Elvis Presley aus, zum anderen verweisen sie über das persönliche Schicksal hinaus auf größere Themen im Zentrum der amerikanischen Gesellschaft der 1950er bis 1970er, die bis in unsere Gegenwart hinein wirken.

Dabei wird das Ganze in einem Stil erzählt, der very Elvis und gleichzeitig very Luhrmann ist: energiegeladen, temporreich und hochemotional wie die beste Musik des King – in opulenten Bildern mit viel Liebe zum Detail und reichlich Glitz und Glam (hier wird nicht gekleckert, sondern ordentlich gerockt).

Außerdem punktet ELVIS mit einem tollen Soundtrack, bei dem bekannte Elvis-Songs mit denen zeitgenössischer Künster:innen, darunter Doja Cat,  Kacey Musgraves, Steve Nicks, Chris Isaak, Jack White, Stuart Price, Yola und Eminem, präsentiert werden.

ELVIS 2022: Austin Butler, Baz Luhrmann und Tom Hanks

Absolutes Highlight sind jedoch die beiden Hauptdarsteller: Austin Butler, der Elvis oscarreif und dabei zum Verlieben sympathisch spielt, außerdem den jungen Elvis selbst singt (siehe Soundtrack), und Tom Hanks in der Rolle seines gewieften Managers Colonel Tom Parker. Um es mit Elvis zu sagen: Mah, boy, mah boy!

Elvis und Colonel Tom Parker: »The Soul and the Sell«

Und damit ist auch schon das erste der beiden zentralen Themen, die Luhrmanns im Biopic setzt, angesprochen: Nämlich die schwierige Beziehung des Künstlers zu seinem Manager Colonel Tom Parker – von Luhrmann verdichtet zum Konflikt zwischen The Soul (Elvis) und The Sell (Parker) – zwischen Seele alias Kunst und Kommerz, wie es der Regisseur formuliert. Sie bildet den Erzählfaden des Biopics, in dem die Ereignisse aus der Retrospektive Tom Parkers dargestellt werden.

Was bislang gar nicht so viele Leute jenseits der Fanszene wissen: Parker wurde als Andreas Cornelius van Kuijk (26. Juni 1909 bis 21. Januar 1997) im niederländischen Breda geboren, reiste als junger Mann illegal in die USA ein, wo er sich flugs umbenannte in Tom Parker aus Huntington/Virginia – seine tatsächliche Herkunft verleugnend. Parker arbeitete zunächst beim Zirkus, bevor er sich als Manager von Countrymusikern wie Eddy Arnold und Hank Snow einen Namen machte. Den Titel eines Colonels erhielt van Kuijk alias Tom Parker 1948 ehrenhalber vom Gouverneur des Bundesstaates Louisiana als Dank für die Mitarbeit bei seiner Wahlkampagne.

Der Snowman: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Schon an diesem Punkt wird klar: Der falsche Colonel, der sein Handwerk beim Zirkus lernte, versteht sich auf den schönen Schein. Die Illusion ist seine Welt. Man ist, wer man vorgibt zu sein. Doch er ist viel eher ein Spieler im ganz ursprünglichen Sinne als ein reiner Hochstapler. Es geht ihm nicht nur einfach ums Geld an sich, sondern um das Spiel um Geld – und um Macht. Andere zu »snowen«, sie einzuwickeln bzw. einzulullen, ihnen mit der Aussicht auf ein besonderes Erlebnis mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, als sie ursprünglich ausgeben wollten, das ist seine große Leidenschaft.

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Vor wenigen Tagen feierte »Elvis«, das langerwartete neue Biopic des australischen Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll, Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022. Im Kino läuft »Elvis« zwar erst ab dem 23. Juni, aber da die internationale Presse den Film schon sehen durfte, gibt es bereits erste Reaktionen und teils sehr ausführliche Kritiken. Was uns da wohl im Kinosessel erwartet? Schau’n wir uns die Kritiken doch mal an.

Demnächst im Kino: Der 30-jährige Austin Butler spielt Elvis in Baz Luhrmanns gleichnamigen Biopic

Publikumsliebling »Elvis« in Cannes

Eins schon mal vorweg: Baz Luhrmanns »Elvis« lief beim 75. Filmfestspielen in Cannes außer Konkurrenz, das heißt er ging nicht ins Rennen um die Gunst der Jury und die berühmte Goldene Palme. Den Titel als Publikumsliebling hat sich »Elvis« aber offenbar gesichtert, denn Medienberichten zufolge gab es im Anschluss an die Premiere, die unter großem Staraufgebot und in Anwesenheit von Priscilla Presley stattfand, den längsten Applaus, der jemals an der Croisette bei einer Premiere gemessen wurde. Bis zu 12 Minuten Standing Ovations sollen es gewesen sein. Das klingt nach ganz großem Kino.

Bei der Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022: Baz Luhrmann (Mitte) im Elvis-Outfit mit Priscilla Presley im Arm und Elvis-Darsteller Austin Butler sowie Tom Hans links im Bild

Restlos überzeugen konnte das neueste Biopic über Elvis Presley, das die komplexe Beziehung des Superstars zu seinem langjährigen Manager Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk) in den Fokus rückt, die Filmkritiker allerdings nicht. Und das liegt nicht an Hauptdarsteller Austin Butler, bekannt unter anderem aus Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood, der Elvis Presley glaubwürdig verkörpert, wie es unisono hieß.

Das ist keine große Überraschung, da sich die ansonsten in ihren Äußerungen sehr zurückhaltenden Presley-Damen, also Ex-Frau Priscilla, Tochter Lisa Marie und Enkelin Riley Keough, die in Cannes ihr Regiedebut gab, schon im Vorfeld der Premiere übereinstimmend sehr anerkennend über Austin Butlers Darstellung geäußert hatten.

Gemeinsamer großer Auftritt: Austin Butler hat Priscilla Presley als Elvis überzeugt – Met-Gala 2022

 

Es war einmal: Der echte Elvis Presley mit Ehefrau Priscilla Ende der 1960er

 

Im Film: Austin Butler als Elvis mit Film-Priscilla Olivia DeJonge

Dass Publikumsliebling »Elvis« die Fachpresse dennoch nicht restlos überzeugte, liegt auch nicht an Tom Hanks, der im Biopic zwar nicht brilliert, als Elvis‘ zwielichtiger Manager Tom Parker aber eine für ihn eher ungewöhnliche Rolle übernimmt und praktisch nicht wiederzuerkennen ist.

Kaum wiederzuerkennen: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Nein, der zweieinhalb Stunden lange Film sorgt vor allem wegen des bekanntermaßen sehr besonderen Stils von Regisseur Luhrmann (*1962) – berühmt für opulente, bildgewaltige Filme wie Romeo + Julia (1996), das Musical Moulin Rouge (2001) oder The Great Gatsby/Der Große Gatsby (2013) – und das Drehbuch für Gesprächsstoff.

Einen ersten Eindruck vom Film vermittelt dieser Trailer von Studio Warner Bros.

Baz Luhrmanns »Elvis« – Reaktionen aus der amerikanischen Presse

Jetzt aber ein paar repräsentative Beispiele dafür, wie die amerikanische Presse Luhrmanns Biopic »Elvis« bewertet – jeweils übersetzt ins Deutsche. Die Übersetzung klingt nicht immer hundertprozentig rund, aber transportiert das Gesagte dennoch recht gut.

Austin Butler gibt eine Darstellung, die des Königs würdig ist, aber er wird lebendig begraben unter einer Strass-Achterbahn voll schwacher Biopic-Klischees

Luhrmann mag einer der unbändigsten Maximalisten sein, die das Kino je hervorgebracht hat, und sein neues Werk ist vielleicht der visuell anarchischste Hollywood-Film seit „Speed Racer“ der Geschwister Wachowski von 2008. Aber es ist schwer, auch nur ironisches Vergnügen an etwas zu finden, das sich so sehr an seinen eigenen Vorräten bedient; etwas, das viel weniger daran interessiert ist, wie Elvis die Regeln bricht, als daran, wie sein Regisseur es tut, und etwas, das unermüdlich unfähig ist, irgendeine sinnvolle Überschneidung zwischen den beiden zu finden.

In der Tat ist „Elvis“ so anhimmelnd in seinem Stil und so desinteressiert an seinem Thema, dass „Baz“ ein passenderer Titel für den Film gewesen wäre. Warum braucht ein wahnsinnig einfaches Musical-Biopic, das sich mit 60 Millionen Umdrehungen pro Minute durch die Zeit dreht, länger, um Elvis Presley die „Bohemian Rhapsody“-Behandlung zukommen zu lassen, als Luhrmann brauchte, um „Romeo und Julia“, „Der große Gatsby“ oder den gesamten Kontinent „Australien“ zu adaptieren? Denn der „Moulin Rouge!“-Regisseur kann – trotz seiner offensichtlichen Zuneigung zu Elvis und seinem gutgläubigen Bemühen, den Rockgott so zu ehren, wie er es für richtig hielt – nicht anders, als Presleys Ikonographie auf ähnlich eigennützige Weise zu nutzen, wie Parker sein Talent ausbeutete. […]

Butlers makellose Presley-Imitation wäre das Beste an diesem Film, selbst wenn es bei der Nachahmung bliebe, aber der Schauspieler schafft es nicht nur, Presleys Gesangsstimme und Bühnenpräsenz zu treffen; er schafft es auch, sich darüber hinwegzusetzen, sich von der Ikonografie zu lösen und dem Film die Gelegenheit zu geben, einen neuen emotionalen Kontext für einen Mann zu schaffen, der eingefroren in der Zeit war, bevor Luhrmanns Zielpublikum geboren wurde.

Eine Chance, die der Regisseur auf Schritt und Tritt ausschlägt: Sein Elvis wird nie sein eigener Mann. Stattdessen entwickelt er sich von einem Avatar für das Nachkriegsamerika zu einem hilflosen Süchtigen, der in einem goldenen Käfig gefangen ist. In beiden Modi hat er nicht den Hauch einer Handlungsmöglichkeit; durch die Jahre taumelnd und von einer eingeblendeten Zeitungsschlagzeile zur nächsten hüpfend, wirkt Elvis weniger wie jemand, der das 20. Jahrhundert umgestaltet hat, sondern eher wie jemand, der zusah, wie es um ihn herum ohnmächtig wurde und ihn dann hinausdrängte. Kein Wunder, dass sich die Wege von Elvis und Forrest Gump ständig zu kreuzen scheinen.

Anstatt einen sinnvollen Weg zu finden, der Elvis durch die Geschichte führt, lässt Luhrmann ihn einfach auf einem Floß aus Non-Stop-Musik durch die Jahre treiben, das mit Lichtgeschwindigkeit auf eine endlose Reihe von Biopic-Klischees stößt, bis es schließlich ein paar Jahrzehnte später kentert. Die Handlung bewegt sich so schnell und mit so wenig Gewicht, dass ich buchstäblich verpasst habe, wie Elvis‘ Mutter stirbt.

Filmkritiker David Ehrlich, Indiewire, 25. Mai 2022

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