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Keine Frage, Elvis‘ Schulfreund und langjähriger Weggefährte George Klein hat eine Menge zu erzählen. Und genau das tat er auch auf dem 15. European Elvis Festival in Bad Nauheim, zu dem die Elvis Presley Gesellschaft ihn Mitte August auf das rote Sofa zum Talk eingeladen hatte.

Da Radiomoderator George ein veritabler Dampfplauderer ist, der am liebsten nonstop selber redet, war der Talk zwar sehr unterhaltsam, wurde aber für Moderatorin Maria Hesterberg, die alle Aussagen ins Deutsche übersetzen musste, zu einer echten Bewährungsprobe. Aber Maria hat reichlich Erfahrung mit illustren Elvis-Zeitzeugen und meisterte die Situation wie immer ganz ausgezeichnet.

Hier der Auftakt zum Talk mit George Klein – Maria Hesterbergs Übersetzungen habe ich diesmal nicht mit aufgenommen, um Wiederholungen zu vermeiden. In nachfolgender Erzählung von George geht es darum, wie er Elvis Presley in ihrer gemeinsamen Zeit an der Humes High School in Memphis  kennenlernte.

Im zweiten Teil erzählt George, wie er als Rock ’n‘ Roll-DJ in den 1950ern durchstartete und 1957 eine Zeit lang für Elvis arbeitete, nachdem seinen Job verloren hatte. Glück im Unglück für George: Seinen Job als DJ war er zwar los, dafür konnte er dabei sein, als Elvis in Hollywood den Film Jailhouse Rock mit der berühmten Tanzszene drehte und einen seiner bekanntesten Soundtracks aufnahm.

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Hier stehe ich also und kann es kaum glauben. Nur einen Steinwurf von der verschlafenen hessischen Kleinstadt entfernt, in der ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zur Schule gegangen bin, hat Elvis Presley Spuren hinterlassen.

Es kommt noch besser: Der King hat hier sogar richtig Party gemacht, und zwar im Gasthaus Herrnmühle, gelegen an der B 275 zwischen Bad Nauheim und Usingen, genauer gesagt an der Kreuzung zur Abfahrt Richtung Usingen-Kransberg. Elvis‘ Party in der Herrnmühle fand im Frühjahr 1959 zu Ehren von Sergeant Ira Jones statt.

Kreuzung

Wie kam es dazu? Im Frühjahr 1959 war der damals schon weltberühmte King of Rock ’n‘ Roll seit einem halben Jahr als amerikanischer G.I. mit der Nummer US 53310861 in den Friedberger Ray Barracks stationiert. Er tat Dienst als Panzerspäher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division.

In dieser Panzerdivision war Elvis Presley unter anderem als Jeepfahrer für Sergeant Ira Jones eingesetzt, einem sehr erfahrenen und mit dem Purple Heart ausgezeichneten Veteranen des 2. Weltkrieges, der 1944 an der Landung der Alliierten in der Normandie teilgenommen hatte.

Der bodenständige Jones hatte den bei seiner Ankunft in Deutschland im Oktober 1958 noch etwas verlorenen wirkenden King of Rock ’n‘ Roll unter seine Fittiche genommen, um den Superstar möglichst gut in die Truppe zu integrieren und – falls nötig – vor Fans und Presse abzuschirmen.

Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

Einsatzbereit: Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

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Claus-Kurt Ilge steht mitten auf den Eisenbahnschienen, sein stahlblauer Blick ist nachdenklich in die Ferne gerichtet. Die Schienen gehören zu der alten, längst verlassenen und mittlerweile dicht zugewachsenen Truppenverladerampe der ehemaligen US-Kaserne Ray Barracks in Friedberg.

Genau hier betrat am Abend des 1. Oktober 1958 der berühmteste G.I., den es je in die Wetterau verschlagen hat, erstmals Friedberger Boden: Elvis Presley. Zum „Begrüßungskomitee“ auf dem schwer zugänglichen Gelände der Amerikaner gehörte 1958 neben einigen Journalisten auch eine Gruppe bestens informierter Teenager. Der damals 16-Jährige Claus-Kurt Ilge war einer von ihnen.

  • Claus-Kurt Ilge auf den Schienen an der Truppenverladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks im August 2015 - Foto: memphisflash.de

Das war kein Zufall. Während eine große Menge Schaulustiger ebenso geduldig wie vergeblich am Friedberger Hauptbahnhof auf die Ankunft des King of Rock ’n‘ Roll wartete, der zusammen mit vielen andern G.I.s per Militärzug direkt aus Bremerhaven kam, wusste der Friedberger Elvisfan Claus-Kurt sehr genau, wo die US-Armee ihre neuen Soldaten für die Ray Barracks ablieferte: nämlich genau hier an der Rampe. Als wir uns Jahrzehnte später im August 2015 an der ehemaligen Truppenverladerampe treffen, erzählt der junggebliebene ehemalige Fernmeldetechniker mit dem unverkennbaren schneeweißen Haarschopf, wie es dazu kam.

Amerikanisches Lebensgefühl in der Wetterau: AFN, Elvis und die Ray Barracks

1958 wohnt der 16-jährige Claus-Kurt noch bei seinen Eltern in Friedberg und besucht die Realschule. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Hausfrau – Claus-Kurt wächst in einer gutbürgerlichen Familie auf. Als der wildeste der drei Ilge-Jungs hat er für Lernerei und Schule nicht viel übrig. Das Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre ist vor allem eins: ziemlich grau und spießig. Das fängt bei der Musik an, die die Elterngeneration bevorzugt, etwa Rudi Schuricke, Fred Bertelmann und Paul Kuhn, und hört bei den Klamotten auf, die für Teenager damals als angemessen galten. Alles nichts für Claus-Kurt.

Aber da gibt es – in der direkten Nachbarschaft in Friedberg – noch eine andere Welt, so viel moderner und lässiger. Die Welt der US-Amerikaner in den Ray Barracks. Die neuen Nachbarn bringen ihre eigene Musik mit, verbreitet vom AFN, American Forces Network, der die amerikanischen Soldaten im besetzten Nachkriegsdeutschland mit Heimatklängen versorgt. Dabei hat der AFN schnell eine große Hörergemeinde unter den deutschen Jugendlichen, darunter auch Claus-Kurt. Hören kann er AFN allerdings nur heimlich, wenn die Eltern nicht zuhause sind. Schnell wird dann das Familienradio vom Hessischen Rundfunk auf den „Ami-Sender“ eingestellt.

Da war die Stimme von diesem Elvis Presley – die faszinierte mich sofort, als ich sie 1956 zum ersten Mal hörte“ , erzählt Claus-Kurt Jahrzehnte später. Nur erwischen lassen darf sich der 16-Jährige dabei von den Eltern nicht, sonst heißt es: „Der Saubub hört schon wieder Elvis“ . Und ein paar hinter die Löffel gibt es wahrscheinlich auch. Dabei wachsen die deutschen Jugendlichen mit den Amerikanern in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft auf, nehmen sie längst als Freunde, nicht als Besatzer oder ehemalige Feinde wahr. Für die Eltern- und Großelterngeneration sieht das hingegen ganz anders aus: Vater Ilge war als Soldat im Zweiten Weltkrieg, er fühlt sich als Besiegter… besiegt von den Amerikanern.

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Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste GI, den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte GI auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ’n‘ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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Helmut Radermacher (* 1943) ist seit über fünf Jahrzehnten einer der bekanntesten deutschen Elvis-Kenner und -Aficionados. Der Düsseldorfer, der heute in Coburg lebt, gründete 1958 den ersten Elvis-Fanclub in Deutschland, war 1978 Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied der Elvis Presley Gesellschaft, ist leidenschaftlicher Elvis-Sammler und zeichnete jahrelang als freier Berater von Elvis Presleys Plattenfirma für erfolgreiche LP-Veröffentlichungen in Deutschland verantwortlich.

2017 gab Radermacher zudem Ernst Jørgensens Standardwerk Elvis Presley A Life In Music. The Complete Recording Sessions in einer überarbeiteten und ergänzten Version in deutscher Sprache heraus.

Elvis-Kenner Helmut Radermacher vor einem Teil seiner gigantischen Plattensammlung – Foto: Sammlung Radermacher

Viele deutsche Fans haben Elvis überhaupt erst über die Vermittlung von Helmut Radermacher, d.h. über die von ihm als Berater von RCA Deutschland zusammengestellten Hit-LPs, kennengelernt – ohne es zu wissen. Ich freue mich, dass Helmut heute in seinem 1. Gastbeitrag für The Memphis Flash einen Blick hinter die Kulissen einer seiner erfolgreichsten Ideen gewährt.


Wie „Elvis The King – Die Hits der deutschen Charts“ entstand

von Helmut Radermacher

1991 lief im deutschen Fernsehen, genauer im Vorabendprogramm der ARD, eine 13-teilige amerikanische TV-Serie über den jungen Elvis Presley. In den USA bekannt unter dem Titel Elvis (USA 1990), war die Serie in der ARD vom 28. September bis 21. Dezember 1991 unter dem Titel Elvis – King Of Rock’n’Roll zu sehen. 1995 wurde sie nochmals im WDR gezeigt.

Die Hauptrolle des jungen Elvis übernahm Michael St. Gerard, Mutter Gladys wurde von Millie Perkins verkörpert, die 1961 an der Seite von Elvis im Film Wild In The Country (dt. Lied des Rebellen) eine weibliche Hauptrolle gespielt hatte. Weitere wichtige Personen in der Handlung waren neben Vater Vernon Presley (Billy Green Bush) noch Elvis‘ frühe Bandmitglieder Scotty Moore (Jessie Dabson) und Bill Black (Blake Gibbons) sowie Studioinhaber Sam Phillips (Jordan Williams). Wer die Serie nicht kennt, ahnt es jetzt schon: Es ging in der Hauptsache um Elvis‘ berühmte SUN-Ära, also die frühen Jahre unter dem Dach von Sam Phillips Aufnahmestudio und Plattenlabel.

 

Leider waren die deutschen Angaben zur TV-Serie – wie so oft – ungenau bis falsch, denn es war mal wieder die Rede davon, dass die „Witwe“ von Elvis, Priscilla Beaulieu Presley, die TV-Story mit produziert hatte: Ex-Frau wäre natürlich richtig gewesen. Und natürlich wurde auch wieder die Geschichte aufgetischt, Elvis hätte seine erste, selbst finanzierte Platte My Happiness (1953) als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter Gladys  aufgenommen. Dieses Märchen ist einfach nicht totzukriegen! Dabei existiert eine Quittung darüber, dass Elvis den Song am 18. Juli 1953 aufnahm, fast drei Monate nach dem Geburtstag seiner Mutter am 25. April. Das wäre also ein reichlich verspätetes Geburtstagsgeschenk gewesen.

Sei’s drum. Begleitend zur TV-Serie wollte die deutsche Niederlassung von Elvis‘ Plattenfirma RCA jedenfalls eine Platte herausbringen. Da ich RCA zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach bei ähnlichen Projekten erfolgreich beraten hatte, bat mich 1991 die A&R-Abteilung (Artist und Repertoire) nach Hamburg zu kommen, um vor dem Start der Serie im TV ein paar Folgen anzusehen. Die Verantwortlichen bei RCA glaubten nämlich, dass in der Serie auch Elvis im Original zu hören und deswegen eine Kopplung mit einer Platte geradezu optimal wäre. In Hamburg saß seit 1956 die Teldec, ab 1975 RCA, ab 1986 hieß es Ariola, bevor das Ganze wiederum zu BMG (Bertelsmann Music Group) wurde. RCA als Label blieb aber stets bestehen – heute unter dem Dach von SONY.

Ich sah mir die Serie also an und musste die Herren enttäuschen – in der Serie hört man nämlich nicht Elvis im Original, sondern Ronnie Mc Dowell, genau den Mann, den man in den USA schon 1979 als Sänger für den Film ELVIS The Movie mit Kurt Russel in der Hauptrolle verpflichtet hatte, weil Elvis Presley Enterprises die Rechte an Elvis Originalstimme nicht erteilt hatte. Hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie ELVIS mit Michael St. Gerard als Elvis auf der Bühne und Ronnie McDowell, der dem King die Stimme zu Baby Let’s Play House leiht – sozusagen eine St. Gerard/Mc Dowell-Koproduktion:

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Taking Care of Business  heißt es für Elvis Presley vom 14. bis 16. August 2015. Denn an diesem verlängerten Wochenende hat er eine der wichtigsten Verabredungen im Jahr, und zwar die mit seiner immer noch stattlichen europäischen Fangemeinde in der schönen deutschen Wetterau. Also genau dort, wo er vom 1. Oktober 1958 bis 2. März 1960 als G.I. der 3. US-Panzerdivision stationiert war. Dienst tat der King damals in den Friedberger Ray Barracks, als Wohnort wählte er Bad Nauheim (→ Wandeln auf Elvis‘ Pfaden in Bad Nauheim). So wurde die beschauliche Kurstadt schon in den 1950ern zu → Kings Town – zu Elvis Presleys Graceland East.

  • European Elvis Festival in Bad Nauheim: Selbst das Rathaus hisst die Elvis-Flagge

Das wiederholt sich seit 2002 jedes Jahr Mitte August, wenn Bad Nauheim das European Elvis Festival feiert. Dann werden in Bad Nauheim die Elvis-Fahnen gehisst und ein buntes Festivalprogramm bietet Fans und solchen, die vom King noch erobert werden wollen – ein paar Widerspenstige soll’s ja geben 😉 -, viel Unterhaltung und noch mehr Spaß mit Auftritten von Elvis‘ ehemaligen Bandmitgliedern, Elvis-Kino-Sessions, Cadillac-Corsos und Führungen zu Elvis‘ Lieblingsplätzen in Bad Nauheim.

Längst hat das Festival Kultstatus erreicht und zieht Fans aus ganz Europa und sogar Australien und den USA an. Veranstaltet wird das European Elvis Festival übrigens von der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH in Zusammenarbeit mit der Elvis Presley Gesellschaft e.V., die ihren Sitz in Bonn hat. Mehr zum Konzept des Festivals in meinem  → Interview mit den Machern aus 2014.

Das diesjährige Festivalprogramm (siehe unten) gleicht dem des Festivaljahres 2013. Das liegt vor allem an dem Highlight, nämlich Konzert, Talkrunde und Autogrammstunde mit Mitgliedern von Elvis Presleys berühmter → TCB-Band. Das ist die Band, mit der der King von 1969 bis 1977 praktisch all seine Live-Konzerte bestritt und mit der er in den Dokumentarfilmen Elvis That’s The Way It Is (1970), Elvis On Tour (1972) sowie dem berühmten Satelliten-Special Aloha From Hawaii (1973) zu sehen ist. Diese rüstigen und dabei sehr witzigen Herren sollte man sich nicht entgehen lassen. Mit dabei in diesem Jahr außerdem mit Terry Blackwood ein Originalmitglied der Gospel-Gesangsgruppe The Imperials, die Elvis nicht nur auf dem Weg zu seinem ersten → Grammy begleitet hat.

Nicht mit von der Partie ist diesmal allerdings TCB-Schlagzeuger Ron Tutt, denn der ist wegen einer Tournee mit Neil Diamond leider verhindert. Kein Witz: Die noch aktiven Mitglieder der TCB-Band haben Elvis‘ Motto Taking Care of Business in a Flash längst verinnerlicht und sind selbst im Alter von über 70 noch ganz vorne mit dabei.

Als Ersatz für Ron Tutt ist Sam Thompson am Start. Er arbeitete in den 1970ern als Bodyguard Elvis Presleys und ist außerdem Bruder von Linda Thompson, Lebensgefährtin des King zwischen 1972 und 1976. Hier darf man sich auf viele Anekdoten aus der königlichen Privatschatulle gefasst machen. Sam ist eloquent, sehr umgänglich und hat einen interessanten Werdegang.

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Vor ein paar Wochen habe ich Shelley Pearsalls Roman All Shook Up (2008) als ein humorvolles Beispiel aus der amerikanischen Kinder- und Jugendbuchliteratur vorgestellt, in dem Elvis Presley als erzählerisches Motiv eingesetzt wird, um einen Vater-Sohn-Konflikt auf den Punkt zu bringen.

Ganz ähnlich wie im Fall der 15-jährigen Antje aus Jana Scheerers deutschem Roman Mein innerer Elvis (2010) dient Josh Greenwoods „Begegnung mit Elvis“ in All Shook Up als Katalysator für den Prozess des Erwachsenwerdens. Beiden Jugendbüchern gemeinsam sind bei aller Ernsthaftigkeit in der Bearbeitung des Themas die erfrischende Leichtigkeit und der Humor, mit denen von den Problemen der jugendlichen Protagonisten erzählt wird.

Auch im wirklichen Leben ein Freund von Kindern: Elvis Presley mit Chris Karmedar, Deutschland 1959 - Foto: Chris Karmedar

Kinderlieb: Elvis Presley ganz privat mit dem männlichen Nachwuchs eines befreundeten Ehepaars in Deutschland 1959 – Foto: Chris Karmedar

Über die Begegnung mit Elvis – im Fall von Josh ist es eher eine Konfrontation – lernen sowohl die 15-jährige Antje als auch der 13-jährige Josh etwas Entscheidendes für ihre Entwicklung hinzu. Anders ausgedrückt: Die Begegnung und Auseinandersetzung mit Elvis ist sowohl für Antje aus Hamburg, die aktiv auf der Suche nach ihrem „inneren Elvis“ ist, als auch Josh aus Boston, dem Elvis einfach passiert, letztlich ein Gewinn.

Elvis verschwindet: Daniel und der Verlust der Kindheit

Der ehemalige Fußballspieler Robert Jüttner (*1959) geht das Thema Erwachsenwerden in seinem Romanerstling Elvis verschwindet (2012) anders an als beispielsweise Shelley Pearsall in All Shook Up und Jana Scheerer in Mein innerer Elvis. Zwar geht es in seiner Bearbeitung auch um den Prozess des Erwachsenwerdens, der wird allerdings viel stärker als schmerzhafter und vor allem als sehr verlustreicher Prozess geschildert.

Buchcover-Elvis-verschwindet

In Jüttners Roman um den 17-jährigen Daniel Nawrat steht das „Verschwinden von Elvis“ vor allem für den Verlust der Kindheit als einen sicheren Ort, in dem sich die Welt, wenn auch nicht als ideal, so doch als einfach und vor allem eindeutig darstellt. Daniels Weltsicht – Elvis verschwindet wird ganz aus der Perspektive des 17-Jährigen erzählt – gerät im Verlauf der Romanhandlung gehörig ins Wanken. Plötzlich ist nichts mehr sicher – nichts ist wirklich so, wie es lange schien. Daniels Welt wird auf den Kopf gestellt.

Entsprechend geht Daniels innere Entwicklung nicht – wie im Falle von Antje und Josh – mit dem Finden von Elvis, sondern mit seinem Verschwinden einher. Soviel schon mal vorab zur Erklärung des Romantitels. Und Josh verliert nicht nur im übertragenen Sinne „seinen Elvis“, er verliert ganz real ihm nahestehende Personen: seine erste große Liebe Sarah und den Vater, die beide sterben. Trotz dieser Gegensätze findet sich bei Jüttner eine zentrale Parallele zu Scheerer und Pearsall: Elvis als Vaterfigur.

Die Geschichte um den 17-jährigen Daniel spielt in Westberlin 1980/81. Daniel lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter im Hinterhaus eines – wie er es beschreibt – ziemlich heruntergekommenen Altbaus. Die Mutter, die selbst erst Mitte Dreißig ist, arbeitet als Serviererin, hat wechselnde, meist unglücklich endende Beziehungen zu Männern, raucht und trinkt zu viel. Aber sie hat eine wichtiges Ziel vor Augen: Ihr Junge soll das Abitur machen und es einmal besser haben.

An seinen Vater kann Daniel sich nicht erinnern. Seine Mutter hat ihm erzählt, dass er während eines Urlaubs beim Schwimmen im Meer ertrunken ist. Nur ein Foto ist vom Vater erhalten, es zeigt einen gutaussehenden jungen Mann mit Elvis-Tolle. Die Vorliebe für Elvis ist auch schon alles, was Daniel über seinen Vater weiß. Es ist eine Vorliebe, die Daniel wie selbstverständlich teilt – sein Zimmer ist mit Elvis-Postern gepflastert. Elvis dient als eine Art Ersatzvater.

Väterlichen Rat und Beistand kann Daniel im Zusammenleben mit seiner labilen Mutter gut gebrauchen, denn er selbst ist schüchtern und unsicher, empfindet sich als Außenseiter. Heimlich verknallt ist er in Schulfreundin Sarah, die ihm unerreichbar scheint. Sein einziger richtiger Freund an der Schule ist Johnny, ein großer Fan von Punkrocker Sid Vicious, dem legendären Bassisten der Sex Pistols. Braucht Johnny einen Rat, spricht er mit Sid – Daniel kommuniziert mit Elvis.

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Am 23. September 1958 steht es in der Wetterauer Zeitung: Presley kommt nach Friedberg. Was hier so leidenschaftslos kurz und knapp in 7 Zeitungszeilen verkündet wird, versetzt die Wetterauer Fans des King of Rock ’n‘ Roll in einen emotionalen Ausnahmezustand. Elvis Presley wird nicht nur als GI der US-Armee in Westdeutschland stationiert – das allein ist schon wie ein Lotteriegewinn -, nein, er wird seinen Wehrdienst ganz in ihrer Nähe, in den Friedberger Ray Barracks, ableisten.

GI Elvis Presley in Deutchland - Foto: Schüssler

GI Elvis Presley in Deutchland – Foto: Schüssler

Der Elvis kommt!

Plötzlich ist der Megastar aus dem fernen Amerika ganz nah: Das beschauliche Friedberg und die Kurstadt Bad Nauheim werden für gut 17 Monate die deutsche Heimat des King. Einer seiner ganz großen Fans ist Elvira Schmitt, 1958 süße 10 Jahre alt. Bis kurz vor Elvis‘ Ankunft hat sie mit ihrer Familie in Bad Nauheim gewohnt, nicht weit von der Goethestraße 14 entfernt, wo der King mit Familie und Bodyguards seit Anfang 1959 in einem Privathaus zur Miete wohnt.

Doch ausgerechnet jetzt, wo Elvis zum Greifen nah ist, muss Elvira mit der Mutter zur Oma aufs Land ziehen. 13 Kilometer trennen sie jetzt von ihrem Idol. Das klingt nicht nach viel, aber für eine 10-Jährige im grauen Nachkriegsdeutschland der 1950er könnten es ebenso gut 3.000 Kilometer sein. Wie soll sie nach Bad Nauheim kommen? Die Mutter erlaubt es nicht. Zum Elvis, diesem „heulenden Derwisch“, dem die Jugend verderbenden Symbol für Rebellion, dem amerikanischen Besatzer – auf gar keinen Fall!

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Es ist überraschend kühl an diesem Morgen Mitte August 2014, als wir den Jüdischen Friedhof in Coburg betreten. Am Eingang empfängt uns ein großer Gedenkstein, auf dem unter der Überschrift „Opfer des Faschismus 1941–1954“ etwa 50 Namen in Stein gemeißelt sind. Es sind Namen von Coburger Bürgern jüdischen Glaubens, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Ein Name fehlt auf diesem Gedenkstein: Alfred Wertheimer.

Genau dieser Name ist der Grund, weshalb sich unsere kleine Gruppe an diesem kühlen, wenn auch sonnigen Morgen auf dem Jüdischen Friedhof in Coburg einfindet. Wir, das sind der wegen seiner legendären Fotos vom jungen Elvis Presley bekannte Fotograf Alfred Wertheimer aus den USA, das Coburger Ehepaar Helmut und Karin Radermacher und ich selbst.

  • Am Eingang zum jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Der 84-jährige Fotograf hat erst ein paar Tage zuvor auf Einladung der Elvis Presley Gesellschaft (EPG) im Rahmen des European Elvis Festivals in Bad Nauheim eine Ausstellung seiner Fotos eröffnet und begleitet, um anschließend nach fast 60 Jahren erstmals wieder seine Heimatstadt Coburg zu besuchen.

Im Sommer 1936 hatte Wertheimer Deutschland mit seinen Eltern, dem Metzgerehepaar Käthe und Julius Wertheimer, sowie dem älteren Bruder Heinz in Richtung USA verlassen – noch rechtzeitig bevor die Deportationen der Coburger Juden in die todbringenden Konzentrationslager der Nationalsozialisten im großen Stil begannen.

Initiiert haben diesen Besuch Wertheimers in Oberfranken die leidenschaftlichen Elvis-Fans Karin und Helmut Radermacher, die nicht nur zu dem Fotografen seit längerem Kontakt pflegen, sondern auch zu dessen Nichte Pam Wertheimer. Die erfolgreiche Künstleragentin, die u.a. Sängerin Sheryl Crow managt, hat selbst einige Zeit in Deutschland gelebt und ist sehr interessiert an ihrer deutsch-jüdischen Familiengeschichte. Sie hat Coburg im Jahr zuvor einen Besuch abgestattet und ihren Onkel motiviert, im Herbst des Lebens noch einmal seinen deutschen Wurzeln nachzuspüren.

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Sehr aufrecht, dabei langsam und vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, kommt er mir auf dem langen, spärlich beleuchten Hotelflur entgegen. Sportlich gekleidet in khakifarbene Fotografenweste und Freizeithose, an den Füßen weiße Turnschuhe, auf dem immer noch vollen grauen Haarschopf ein blaues Basecap mit kurzem Schirm, scheint Alfred Wertheimer mehr als bereit für das letzte, ganz große Abenteuer. An seiner linken Hand baumelt lässig ein kleiner Stoffrucksack, in der rechten hält er „schussbereit“ eine handliche Digitalkamera Marke Canon. Als er näher kommt, erkenne ich den Schriftzug auf dem runden Ansteckbutton seiner Weste: European Elvis Festival 2014.

  • Tipp vom Foto-Profi: "If your photos are boring, get closer!" Foto: www.memphisflash.de

Das Festival in Bad Nauheim ist auch der Grund für unsere Begegnung. Denn der 84-jährige Starfotograf und Dokumentarfilmer Alfred Wertheimer aus New York ist einer Einladung der Elvis Presley Gesellschaft gefolgt, um beim 13. European Elvis Festival Mitte August 2014 eine Ausstellung seiner berühmten Elvis-Fotos zu begleiten.

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Man kann sich nur sattsam wundern, was so manch einer für Schätze in seinem Keller hortet. Im Falle des Unternehmens WestSpiel, das in Deutschland 7 Spielbanken mit nach eigenen Angaben jährlich über einer Million Besuchern betreibt, ist es ein echter Andy Warhol aus der berühmten Elvis-Siebdruckserie: Triple Elvis von 1963.

Der Clou an der Sache: Der millionenschwere Vintage-Warhol – ein Pendant mit Motiv Double Elvis kam im Mai 2012 beim Auktionshaus Sothebys für 37 Millionen USD unter den Hammer – ist seit 2009 eingelagert, paradoxerweise gerade weil er als Paradestück der hauseigenen Kunstsammlung gilt.

Ein 'Double Elvis' aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie basierend auf einem Pressefoto für den Western 'Flaming Star" (1969)

Kam 2012 für 37 Mio. USD unter den Hammer: ‚Double Elvis‘ aus Warhols berühmter Elvis-Siebdruckserie zeigt Elvis Presley auf einem Pressefoto für den Western ‚Flaming Star“ (1960)

Angekauft hatte man Triple Elvis, der den King statt doppelt wie auf der Abb. oben einfach dreimal nebeneinander in derselben Westernpose im Film Flaming Star (Flammender Stern, 1960) zeigt, zusammen mit einem Marlon Brando-Warhol schon Ende der 1970er für das Spielcasino Aachen, um dort die Innenausstattung mit Pop Art-Kunst aufzuwerten. Doch inzwischen ist vor allem der Elvis-Warhol, der stattliche 2 Meter hoch und 1,70 Meter breit ist, viel zu viel wert, um ihn zu Dekorationszwecken mal eben so an die Wand zu pinnen.

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