Elvis Presley durch die Linse des Fotografen Alfred Wertheimer

Ein TV-Tipp für Schnellentschlossene: Am Sonntag, 10. März 2013, bringt die ARD in der Sendung ttt – titel thesen temperamente ab 23:05 Uhr eine Reportage über den deutschstämmigen Fotografen Alfed Wertheimer und dessen wundervoll intime Fotos des jungen Elvis Presley aus dem Jahr 1956, als der King noch ein Prinz war. Einschalten lohnt sich, Buchtipps gibt’s obendrein! Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Momentaufnahme: Elvis nimmt ‚Hound Dog / Don’t Be Cruel‘ auf, Studio One, New York, Anfang Juli 1956

Weiterlesen

Neu: Der Schamane in Las Vegas von Heinrich Detering

Jetzt im transcript Verlag erschienen ist Prof. Heinrich Deterings sehr  interessante Studie über Elvis Presley mit dem Titel Der Schamane in Las Vegas.

Selbst alles andere als unmusikalisch – Prof. Heinrich Detering bei einer Session der ‚Blues and Boogie Küche‘

Wie der ganz und gar nicht im Elfenbeinturm sitzende Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dazu kommt, eine Studie über Elvis Presley zu veröffentlichen, und worum es dabei genau geht, das erzählt er in seinem Interview mit The Memphis Flash.

 Interview mit Prof. Heinrich Detering

Elvis Presley – A Boy From Tupelo

Tot ist man erst dann, wenn sich keiner mehr an einen erinnert, heißt es. Wenn dies stimmt, dann ist Elvis Presley ein ausgesprochen lebendiger Zeitgenosse. Dieser Tage erinnert man sich besonders häufig, jährt sich am 16. August 2012  der Todestag des King doch zum 35. Mal (→ Der King hält Hof beim European Elvis Festival 2012).

Klar, dass sich dieses Jubiläum wie alle anderen zuvor weder Plattenlabel Sony noch Rechtsnachfolger Elvis Presley Enterprises (EPE) – und sonst noch so einige rechts und links des Weges – entgehen lassen, ist es doch ein mehr als willkommener Anlass, um unserer Erinnerung  mit einer Flut an Veröffentlichungen, alte und neue,  auf die Sprünge zu helfen (→ Das kann doch nicht euer Ernst sein).

Eine dieser Veröffentlichungen kommt ganz unspektakulär daher, wird praktisch nicht beworben, sondern seit Monaten vor allem als ganz heißer Tipp in der Fangemeinde gehandelt.  Es ist Ernst Mikael Jørgensens – Jørgensen ist maßgeblich verantwortlich für das Sammlerlabel Follow That Dream (FTD) – Meisterstück in Sachen Elvis, in das er Jahre intensivster Recherche gesteckt hat: das Boxset Elvis Presley – A Boy From Tupelo. The Complete 1953 – 1955 Recordings.

Ernst Michael Jørgensens Boxset A Boy From Tupelo

Ach, schon wieder die Aufnahmen aus der berühmten SUN-Ära, als der King noch jung, unschuldig und vor allem „pur“ war – kenn‘ ich, hab‘ ich schon, alles klar, mag da so mancher Fan denken. Falsch gedacht, denn dieses Set hat überraschend viel bisher Unveröffentlichtes für Auge und Ohr aus der legendären frühen Schaffensperiode zu bieten. Weiterlesen

Der Schamane in Las Vegas – Heinrich Detering über Elvis Presley

Der Schamane in Las Vegas: Elvis als Serienheld (1969 – 1977) ist der Titel einer spannenden Studie von Professor Heinrich Detering, die im August 2012 im transcript Verlag erschienen ist.

Integriert ist Deterings Studie über den King in Professor Frank Kelleters geisteswissenschaftlichem Band Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion vollständige Angaben zum Buch siehe Ende des Beitrags.

Heinrich Detering, Jahrgang 1959, ist Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und hat seit 2005 einen Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Themen Kunst – Religion – Kunstreligion vom 18. Jahrhundert bis zur Popkultur sowie die deutsch-skandinavischen Literaturbeziehungen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. 2007 hat er zudem eine vielbeachtete Publikation über Bob Dylan im Reclam Verlag herausgebracht. The Memphis Flash hat Professor Detering zu seinem Projekt über Elvis Presley interviewt.

The Memphis Flash: Professor Detering, warum ausgerechnet Elvis Presley? Wie kommt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dazu, eine Studie über den King of Rock ‘n‘ Roll zu verfassen?

Heinrich Detering: Dieser Aufsatz über Elvis in Vegas ist hoffentlich der Anfang einer längeren Arbeit über Elvis als Künstler, über die Entwicklung von Elvis’ Kunst. Die kritische Diskussion um Elvis ist immer noch sehr auf Biographisches konzentriert, auf seine privaten Beziehungen, seinen kommerziellen Werdegang, seine Krankheiten, seinen Körper. Aber worin diese Kunst eigentlich besteht, die ja erst der Grund dafür ist, dass wir uns schließlich auch für seine Beziehungen und seinen Körper interessieren, darüber gibt es erstaunlich wenig zu lesen. Wie lässt sich diese Stimme beschreiben, was macht er mit seinen Song-Vorlagen, wie inszeniert er die Songs und sich selber, welche Beziehungen lässt er entstehen zwischen den Songs, seinen Arrangements, seiner Stimme, seiner Kostümierung, seiner körperlichen Präsenz, und in welchem Verhältnis steht dies alles zu der Kultur seiner Zeit?

The Memphis Flash: Gibt es neben diesem wissenschaftlichen Interesse an dem Künstler Elvis Presley auch eine persönliche Ebene, eine eher private Vorgeschichte?

Heinrich Detering: Meine private Geschichte mit Elvis ist lang. Als ich ungefähr elf oder zwölf war, schenkte mir eine Tante ihre Sammlung von Rock ’n’-Roll-Singles, lauter Originalpressungen von Fats Domino, Eddie Cochran, Duane Eddy, den Kalin Twins, Chuck Berry. Elvis war am umfangreichsten vertreten. Es war das Beste, was die Tante für meine Erziehung getan hat. Jailhouse Rock, Don’t, Heartbreak Hotel habe ich Tag für Tag gehört; es hat mir auch eine Ahnung davon gegeben, welche unterschiedlichen Seiten (und Stimmen) es bei Elvis zu entdecken gibt. Als ich dann mit fünfzehn zum ersten Mal Dylan begegnete, verblassten die Rock ’n’ Roll-Helden. Es ist mir so gegangen, wie ich es von Freunden später auch gehört habe, dass die Elvis-Welt mir im Vergleich damit kommerziell und banal erschien. Es hat dann lange gedauert, bis ich, so um 1990, Elvis allmählich wiederentdeckte, und das verdanke ich ganz wesentlich auch Dylan selbst. Seitdem höre ich nicht auf, über Elvis zu staunen. Weiterlesen

Elvis im Kino – Interview mit Björn Eckerl

Björn Eckerl, Jahrgang 1976, studierte in Frankfurt und Bologna Filmwissenschaft, Germanistik und Politologie. Er ist Gesellschafter der Frankfurter Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS und hat Ende 2011 im Stroemfeld Verlag sein erstes Buch Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können veröffentlicht. The Memphis Flash hat Björn Eckerl interviewt.

The Memphis Flash: Herr Eckerl, warum Elvis? Was hat Sie dazu bewogen, ausgerechnet ein Buch über Elvis Presley zu schreiben?

Björn Eckerl: Ich habe ja Filmwissenschaften studiert, dann aber während meines Studiums mit Freunden die Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS gegründet. Da war es erstmal nichts mit der Magisterarbeit. Mit fünf Jahren Verzögerung hab ich dann parallel zum Job einen neuen Anlauf genommen. Dazu passte Elvis sehr gut – ich wollte kein zu abstraktes Thema, sondern eins mit Fleisch sozusagen, etwas, das mich auch sinnlich beschäftigt.

Gerade weil ich mittlerweile etwas Abstand zur akademischen Arbeit gefunden hatte, fand ich es interessant, die Perspektive des Fans fruchtbar zu machen. Das wird ja normal eher wie im Labor betrieben: Ah, schau mal diese Fans, wie lässt sich dieser kopflose Haufen denn psychologisch analysieren? Ich fand es interessant, das eigene Fan-Sein ganz persönlich zum Gegenstand zu nehmen, gerne auch wissenschaftlich, aber eben anders als Adorno und Horkheimer, die uns alle zu Marionetten der Kulturindustrie machen.

The Memphis Flash: Waren Sie denn zu diesem Zeitpunkt schon ein Elvis-Fan?

Björn Eckerl: Zuerst einmal nicht. Obwohl ich ziemlich musikbegeistert bin, gehörte Elvis bislang zu diesen Stars, bei denen es mir schwerfiel, wirklich zuzuhören, weil sie eben diese immense Strahlkraft haben, die alles andere zudeckt. Elvis ist der Inbegriff des Stars überhaupt und das war es auch in erster Linie, was mich zunächst ganz distanziert wissenschaftlich interessiert hat.

Dass sich dieser Blick verändert hat, begann mit einer Szene aus G.I. Blues, die dann auch zum Auslöser für mein Buch wurde: Hier sehen wir Elvis im Kasperletheater, wie er nicht die Puppen spielt, sondern mit ihnen; wie er sich selbst zur Puppe macht und das dem Publikum ganz offensiv zeigt. Er bietet sich als Projektionsfläche an und scheint zu sagen: „Ich kann für Dich alles sein und alles bedeuten“. Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen; irgendwann stellte ich dann rückblickend fest, dass ich längst zum Fan geworden war.

 

The Memphis Flash: So gut wie immer, wenn von Elvis Presleys Filmkarriere, von Elvis dem Schauspieler die Rede ist, dann sind sich Biografen, Fans und Kritiker überraschend einig: die Filme markieren den künstlerischen Tiefpunkt einer ansonsten fast makellosen Karriere. Wie erklären Sie sich diese Haltung und inwieweit ist sie berechtigt? Weiterlesen

Elvis Presley – King Creole Frame by Frame

Elvis Presley – King Creole Frame by Frame ist ein wunderbarer Bildband zu Elvis 4. und vielleicht besten Kinofilm King Creole unter der Regie des großen Michael Curtiz.

Schon auf den 1. Blick in diese über 400 Seiten starke Veröffentlichung aus dem Hause Flaming Star in Kooperation mit dem Sammlerlabel Follow That Dream wird klar, dass die langjährigen Elvis-Aficionados und Hauptautoren Erik Lorentzen und Pål Granlund aus Norwegen hier tief in ihre beeindruckend umfangreichen Bildarchive gegriffen haben.

Über 1.000 wenig bekannte und bislang unveröffentlichte Fotos, meist schwarz/weiß, findet der Leser hier in guter Druckqualität (besser als in diesen Scans!) auf gestrichenem Papier vor. Den Hauptteil der Fotos, die von den Paramount-Fotografen Bud Fraker und Mal Bulloch im Paramount-Studio und vor Ort in New Orleans gemacht wurden, wollen die Autoren schon in den frühen 1970er Jahren während einer ihrer USA-Reisen zu Elvis-Konzerten für ihre Sammlung entdeckt haben.

Fortsetzung: 60 Jahre Elvis in King Creole

Buchtipp – Elvis im Kino von Björn Eckerl

Elvis in Speedway (1967)

Elvis Presley hat zwischen 1956 und 1969 in 31 Kinofilmen gespielt und zählte zeitweise zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods. Doch wenn von Elvis Presleys Filmkarriere, von Elvis dem Schauspieler die Rede ist, dann sind sich Biografen, Fans und Kritiker überraschend einig: die Filme markieren den künstlerischen Tiefpunkt einer ansonsten fast makellosen Karriere.

Seit kurzem gibt es eine interessante Neuerscheinung zum Thema aus dem Stroemfeld Verlag mit dem Titel Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können. Verfasst hat sie der Mittdreißiger Björn Eckerl, Filmwissenschaftler und Gesellschafter einer Frankfurter Werbeagentur » Interview mit Björn Eckerl.

Was dieses Buch bemerkenswert macht, ist, dass der Autor darin überzeugt, die Filmkarriere als ein Kontinuum des Phänomens Elvis Presley zu sehen, und eben nicht, wie im Elvis-Kanon üblich, als einen nicht nachvollziehbaren Bruch. Weiterlesen

Elvis Presley: A Moment in Time – 4 Days in ’56 von M. Rose

Elvis Presley: A Moment in Time – 4 Days in ’56 ist eine tolle Neuerscheinung nicht nur für Fans, die Fotobücher lieben. Autor Michael Rose ist ja bereits ein Begriff seit Veröffentlichung seiner wirklich gut recherchierten DVD-Dokumentation Elvis: Return To Tupelo (2008) und hat jetzt mit diesem Bildband nachgelegt, der von Follow That Dream Books vertrieben wird.

A Moment in Time – 4 Days in ’56 konzentriert sich – wie der Titel schon sagt – auf 4 Tage im Mai des ereignisreichen Jahres 1956, in dem sich der gerade mal 21-jährige Elvis Presley vom regionalen Gesangstalent zum absoluten Superstar entwickelte.

Zahlreiche, bislang weithin unbekannte Fotos aus den Archiven der Library of Congress und des Look Magazines sowie ein gelungenes, klassisches Layout machen diesen Band zum Augenschmaus.

Alle Fotos: © Michael Rose Productions 2011

Ein verlängertes Wochenende mit Elvis Presley kann der Leser hier hautnah miterleben, angefangen vom Konzert in Detroit/Michigan am Freitag, den 25. Mai 1956, über die Auftritte in Columbus und Dayton/Ohio am Samstag und Sonntag bis zur kurzen Verschnaufpause, die Elvis in seinem neuen Zuhause im Audubon Drive in Memphis am 28. Mai 1956 einlegte.

Columbus/Ohio 26. Mai 1956_Rose

Columbus/Ohio 26. Mai 1956

Action in Columbus 26. Mai 1956

Mit Gitarrist Scotty Moore 26.Mai 1956

Zu sehen ist Elvis in Action auf der Bühne, hinter der Bühne mit Fans, seinen Musikern und Cousin Gene Smith, auf einer Party mit aktuellem Date und zuhause mit seinen Eltern. So ungezwungen, natürlich und vor allem megacool kennt man Elvis sonst fast nur auf den berühmten Fotos von Alfred Wertheimer (→ Elvis Presleys Sweetheart) aus demselben Jahr.

Backstage mit Cousin Gene Smith – 27. Mai 1956

Mit Date Dolores Miklas (Pipski) auf einer Party am 25. Mai 1956

Anstrengend so ein Leben als Superstar – Elvis und Mama Gladys 28. Mai 1956

Elvis führt seinen 1956 Messerschmitt KR200 vor – Memphis 28. Mai 1956

Gut eingebunden sind die Fotos durch den informativen Begleittext, zeitgenössische Besprechungen der Konzerte aus der Tagespresse und Augenzeugenberichten von Fans, die Gelegenheit hatten, diese Konzerte zu besuchen und den künftigen King im Backstage-Bereich persönlich kennen zu lernen.

Mit Fans vor dem Konzert in Detroit 25. Mai 1956

Elvis hautnah – Dayton 27. Mai 1956

Der King geht auf Tuchfühlung – 25. Mai 1956

Und WOW, was muss das für ein Erlebnis gewesen sein! Die Aufregung springt einem aus manchen Fotos geradezu ins Gesicht.

Fans außer sich in Dayton – 27. Mai 1956

Elvis charmiert Fan Toni Thomas – Dayton 27. Mai 1956

Elvis steht Rede und Antwort in Detroit – 25. Mai 1956

Fazit Elvis Presley: A Moment in Time – 4 Days in ’56:

Klare Kaufempfehlung! Tolle Ergänzung zu → Alfred Wertheimers hochwertigen Bildbänden und natürlich auch zum kürzlich erschienenen, Grammy-nominierten Box-Set „Young Man With The Big Beat“, das ganz dem Wahnsinnsjahr 1956 gewidmet ist.

Nur wenige Fotos aus Michael Roses Buch sind schon aus diesem Box-Set bekannt, so dass sich die Anschaffung in jedem Fall lohnt. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte Elvis-Projekt von Michael Rose ist, denn Veröffentlichungen in dieser Liga kann die Elvis-Welt gut gebrauchen.

Buchcover Elvis Presley: A Moment In Time

Michael Rose: Elvis Presley: A Moment in Time – 4 Days in ’56
Hardcover 24,5 x 24,5 cm, rund 190 Seiten mit zahlreichen s/w-Fotos
Michael Rose Productions 2011
Vertrieb: FTD Books