Buchtipp: Elvis Presley A Listener’s Guide v. Shane Brown

Mit Robert Matthew-Walkers Elvis Presley A Study In Music  (1979, 1995) habe ich neulich meine kleine Reihe an interessanten Buchveröffentlichungen eröffnet, die sich in erster Linie mit der Musik des Memphis Flash – und zwar Song für Song – beschäftigen.

Buchcover Shane Browne: Elvis Presley A Listener's Guide

Buchcover Shane Browne: Elvis Presley A Listener’s Guide

Heute möchte ich eine Neuerscheinung vorstellen, die auf ähnlichen Pfaden wandelt wie A Study In Music: Shane Browns im Selbstverlag erschienenes Buch Elvis Presley A Listener’s Guide (2014).

Jeder der sich schon mal mit Elvis Presleys Diskografie beschäftigt hat und sei es auch nur, indem er leichtsinnigerweise einfach den Namen Presley bei Amazon in die Suchmaske eingegeben hat, kann sofort nachvollziehen, wieso man einen „Listener’s Guide“ richtig gut gebrauchen kann auf der Suche nach den Aufnahmen des King, die man unbedingt gehört haben sollte oder besser meidet. So ein Führer ist also per se schon mal eine gute Idee, will man den Presleyschen Veröffentlichungsdschungel auch nur so einigermaßen lichten.

Doch Vorsicht! Beim Lichten des Dschungels gilt es mehr als nur einer Tretmine auszuweichen. Die Expedition durch das Elvis-Dickicht kann sich zu einer aufregenden und überraschend gefährlichen Sache entwickeln… vor allem für den Autor und dessen Reputation. Diese Erfahrung hat Shane Brown jedenfalls machen müssen, der laut eigener Aussage nach Veröffentlichung seines Buches Drohungen von Lesern erhielt – Stichwort Cybermobbing -, die er immerhin so ernst nahm, dass er die Polizei enschaltete.

Jetzt fragt sich natürlich jeder: Was um Himmelswillen schreibt der Mann denn in seinem Buch mit dem harmlos klingenden Titel Elvis Presley A Listener’s Guide, dass er solche Reaktionen erntet? Und wer ist überhaupt dieser Autor?

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Elvis Presley Song by Song: A Study in Music

Am 8. Januar 2015 würde Elvis Aaron Presley seinen 80. Geburtstag feiern, wäre er nicht schon 1977 im Alter von nur 42 Jahren verstorben. Kaum jemand bezweifelt heute noch, dass der Memphis Flash zu den bedeutendsten Vertretern der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gehört.

Der bekannte Musikjournalist → Ernst Hofacker (Von Edison bis Elvis, Reclam 2012)  spricht stellvertretend für viele von Elvis als einem „Urknall der Popkultur“, dessen Megaerfolg – neben kulturhistorischen und technischen Entwicklungen – auf eine ganze Reihe persönlicher Voraussetzungen zurückzuführen ist. Elvis, so Hofacker, sah nicht nur „blendend“ aus, er trug auch die „richtige Mischung an halbstarkem Selbstbewusstsein und romantischer Verletzlichkeit“ zur Schau, war eine „Naturbegabung als Entertainer“ mit „überwältigendem Charisma“ und „obendrein ein hochbegabter Sänger mit intuitivem Verständnis für die verschiedensten Stile“.

Elvis hört Elvis bei der Aufnahmesession von 'Hound Dog/Don't Be Cruel' 1956 - Foto 'Scream' von Fotograf Alfred Wertheimer

Der „hochbegabte Sänger“ hört sich selbst bei der Aufnahmesession von ‚Hound Dog/Don’t Be Cruel‘ in New York 1956 – Foto ‚Scream‘ (Schrei) von Alfred Wertheimer

Das klingt fast schon hymnisch. Und viel Hymnisches darf auch zum 80. des King wieder erwartet werden, wenn weltweit Popkulturliebhaber, Musikjournalisten und so ziemlich jeder, der eine Tastatur in Griffnähe hat, dieses Ereignis feiern wird, indem er oder sie die ohnehin schon endlos lange Liste an Veröffentlichungen über Elvis Presley entschlossen erweitert.

Doch ein Aspekt, den Hofacker in seiner hymischen Aussage verpackt hat, wird bei alldem wahrscheinlich erneut eine eher untergeordnete Rolle spielen: „der hochbegabte Sänger“. Denn Elvis kennt zwar (fast) jeder, das aber vor allem als Mythos, als eine Überfigur, der  – wie → Filmhistoriker Björn Eckerl es ausdrückt – kaum noch jemand wirklich zuHÖRT.

Schon vor langer Zeit haben die Anekdoten über den Liebhaber schneller Autos (→ Elvis‘ gelebte Auto Emoción), den König des Spielerparadieses Las Vegas (→ Meet and Greet the King), den exzentrischen Frauenliebling mit Hang zu gesundheitsschädlichen Konsumgewohnheiten (→ Elvis in der Werbung: Geht’s noch?), der Musik den Rang abgelaufen. Elvis-Biograf Peter Guralnick spricht in seiner umfangreichen Biografie von der „Kakophonie der Stimmen“, die niemals zu verstummen scheint und das Ohr auf das Eigentliche verstellt: Elvis Presleys Musik.

Tatsächlich gibt es unter den vielen Veröffentlichungen über den Memphis Flash (→ Interview mit Elvis-Buch- und Filmliebhaber Nigel Patterson) nur eine kleine, aber feine Auswahl von Publikationen, deren Autoren sich gerade damit kenntnisreich beschäftigen. Und genau diesen meist wenig bekannten Veröffentlichungen möchte ich eine Reihe widmen.

Ich starte mit einem Buch, dessen Erstausgabe mich vor allem durch seinen Minimalismus beeindruckt. Es ist so leise, dass es in der erwähnten Kakophonie seit Jahrzehnten kaum Gehör findet, ebenso wenig wie der Gegenstand seines Themas: Elvis Presley: A Study in Music von Robert Matthew-Walker.

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Buchtipp: Elvis & Ginger von Ginger Alden

Ginger Alden Leyser (* 13.11.1956) hat mich überrascht. Ich hatte einfach nicht mehr damit gerechnet, dass Elvis Presleys letzte Freundin und damit auch die Frau, die den King am 16. August 1977 tot in seinem Badezimmer fand, doch noch ihr jahrzehntelanges Schweigen brechen und ein Buch mit ihrer Version der Liebesgeschichte veröffentlichen würde. Dennoch hat sie es jetzt endlich getan – und das ist gut so!

Elvis Presley und Ginger Alden im Urlaub auf Hawaii, Frühjahr 1977

Elvis Presley und Ginger Alden im Urlaub auf Hawaii, Frühjahr 1977

Erst Anfang September 2014 ist Elvis & Ginger: Elvis Presley’s Fiancée and Last Love Finally Tells Her Story im bekannten Berkley-Verlag (Penguin-Gruppe) erschienen. Vom Start weg hat sich das Buch eine gute Platzierung unter den Top 20 der New York Times-Bestsellerliste erobert. Wer dort so zielsicher landet – nur wenige Autoren von Elvis-Veröffentlichungen wagen es, davon auch nur im Ansatz zu träumen – hat also etwas zu erzählen, was viele Menschen interessiert und berührt. Gingers Geschichte gehört ganz sicher dazu.

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Buchtipp: Memphis Mafia Princess von Shirley Dieu

Manche Bücher fallen schon durch ihren Titel aus dem Rahmen. Shirley Dieus Buch, vor ein paar Wochen erst erschienen, ist so eins. Übersetzt heißt der Titel so viel wie Memphis Mafia-Prinzessin, was nicht für jeden spontan erhellend ist – erst der Untertitel Leben in der „Elvis-Welt“ enthüllt, dass es sich hier um eine Veröffentlichung über Elvis Presley handelt. Eins ist damit sofort klar: Shirley Dieu fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus, sie geht einen eigenen Weg.

Schutzumschlag des Buches 'Memphis Mafia Princess' von Shirley Dieu (2014)

Cover ‚Memphis Mafia Princess‘ von Shirley Dieu (2014)

Ungewöhnlich ist das Ganze, weil die meisten Veröffentlichungen von Elvis-Weggefährten praktisch immer mit der Tür ins Haus fallen und mit schöner Regelmäßigkeit mit so wenig einfallsreichen Titelvarianten wie M‘ n Elvis (Charlie Hodge, 1984), Elvis and Me (Priscilla Presley, 1985) oder Me and a Guy Named Elvis (Jerry Schilling, 2006) um die Ecke kommen. Und das ist längst nicht das Einzige, was bei Shirleys Buch aus dem Rahmen fällt.

Den Hardcover-Band schmückt ein geschmackvoller Schutzumschlag, auf dem… neeeiiin… eben nicht die zu erwartende Großaufnahme Elvis Presleys prangt, sondern ein sehr schönes Porträt der Autorin selbst. Ein bisschen sieht die hübsche Shirley (*1954) – heute Geschäftsfrau mit eigener PKW-Leasing-Firma, in jungen Jahren Kellnerin, Fotomodell, Schauspielerin in TV-Serien (Fantasy Island), später Inhaberin einer Werbespot-Produktionsfirma – auf dem Cover aus wie einst Lady Diana.

Analog zum Aufbau von Titel/Untertitel grenzt erst die dezente Fotoleiste am Fuß des Covers das Thema des Buches ein. Zu sehen ist hier eine Reihe privater Schnappschüsse aus den 1970ern, die Elvis Presley mit Mitgliedern seiner legendären Entourage – wegen ihrer Vorliebe für Schusswaffen und martialisches Auftreten auch Memphis Mafia genannt – und Shirley Dieu zeigen. Damit macht schon das Cover des Buches klar: Es geht inhaltlich in erster Linie um das private Umfeld Elvis Presleys der Jahre 1974-1977 und es handelt sich hier nicht um ein Enthüllungsbuch, das auf Sensation und kurzfristige Schockwirkung setzt.

Ein erster Blick in den Innenteil des Buches bestätigt diesen Eindruck. Ein ansprechendes, lesefreundliches Layout, die klare Kapitelstruktur mit Überschriften, die das Prinzessinnenmotiv des Titels sehr schön aufgreifen (More Than a Glass Slipper/Mehr als ein gläserner Schuh), sowie die Präsentation weniger, zum Inhalt passender Fotos (4-farbig, s/w) signalisieren: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, was und vor allem wie erzählt werden soll. Das ist nicht mal eben schnell zuammengestückelt – und bei 236 Seiten gibt es auch ordentlich was zu lesen.

Fast am überraschensten ist aber, dass Shirley Dieu sich nicht – wie die meisten Elvis-Weggefährten – hinter einem Co-Autor versteckt. Shirley ist die Autorin ihres Buches, was ein großer Pluspunkt in Sachen Authentizität ist!

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Understanding Elvis: Interview with Nigel Patterson

One of the most amazing things about Elvis Presley are his fans. The amount of creative, well-educated and dedicated people among them who manage to do continuous in-depth research and writing about the man besides having successful professional careers and active family lives is simply astounding. One of their key figures who for decades has helped to better understand Elvis Presley’s life, career and cultural impact on many different levels is Nigel Patterson from Australia. The Memphis Flash has talked to the Elvis expert about his passion for the King and what interests him most: Elvis‘ films and books.

The Memphis Flash: Nigel, most English-speaking Elvis aficionados are familiar with you as Honorary President of the Elvis Information Network (EIN), an Australian fan club that runs one of the, if not the most prolific and informative websites on Elvis Presley: www.elvisinfonet.com. Apart from that, not too much is known about you (at least not in Germany). Please do tell us more about yourself, your background and what made you such an expert on everything Elvis.

Nigel Patterson: I am originally from Northern Ireland and my family moved to Canberra, capital city of the “lucky country”, Australia, in the early 1960s.  While I knew of Elvis and seen some of his movies I did not become a fan until early 1969 when on a school excursion to Griffith, a small town in the winery region of country New South Wales. As I would learn later Griffith was also a hot spot for dope production in Australia (but I digress)!  While on the bus we were listening to 2CA, the only commercial radio station in Canberra at the time, and Edge of Reality came on.  I was hooked the moment I heard it and my interest in things Elvis quickly grew from there.

The Memphis Flash: Sounds like a fun way of being introduced to Elvis ;-). The psychedelic Edge Of Reality from the movie Live A Little, Love A Little (German: Liebling, laß‘ das Lügen, 1968) was a hit in Australia, right? It’s relatively unknown in Germany though. Let’s give it a listen.

Audio Edge of Reality – Complete Masters

 

The Memphis Flash: How was being an Elvis fan like in Australia in the late 1960s?

elvis-monthly-1960Nigel Patterson: Living “downunder” in a snail mail and pre-Internet time we relied on primarily newspapers and magazines for our news of overseas stars.  I started buying the newsstand magazine Elvis Monthly (which, due to its small size, fitted nicely into the inside pocket of my school jacket and served me well when I became bored with scholarly instruction), subscribed to Rocky Barra’s Strictly Elvis and submerged myself in various popular Aussie magazines including Movie News, Everybody’s and the Australasian Post, as they regularly featured Elvis on their cover and had feature articles inside.

In the early 70s I joined my first Elvis fan club, run by Bob Stephens in Sydney and I started contributing to Rex Martin’s fantastic Worldwide Weekly Elvis News Service and later Elvis Monthly.

The Memphis Flash: Some great magazines that have iconic status among fans today. I’ve seen that there is an → interesting interview with Rocky Barra, the guy behind Strictly Elvis, on EIN. Besides magazines films soon became another great interest of yours?

Nigel Patterson: From my childhood years growing up during the silver age of television I always had a fascination with TV shows and films.  In the late 1970s-early 1980s I became a reviewer for the Brisbane Film Group (BFG) enjoying working “flexi-time” (before it was introduced to the bureaucracy) as I was given free tickets to watch and review films screening usually at 11 am in the morning. I remember the first time I asked my boss if I could take an early, long lunch and he looked at me as if I was from another planet! In those days we had a regimented 12:30-1:30 lunch period.  A few years later flexitime was the norm.  Most of my reviews for the BFG were of horror movies as classic titles like Halloween, Friday the 13th, Prom Night and the underrated Happy Birthday To Me were enjoying peak popularity.  My involvement with the Brisbane Film Group was the genesis of my interest in a more analytical approach to the Elvis film canon.

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Buchtipp: The Elvis Movies von James L. Neibaur

Elvis was always a good actor, but the material was not always on his side.“ Dieses Statement klingt kühn. Kann das wirklich ernst gemeint sein? Das kann doch nur von einem beinharten Elvis-Fan mit rosaroter Brille auf der Nase kommen, der sich weigert, eine längst anerkannte Tatsache zu akzeptieren, die da lautet: Der Schauspieler Elvis Presley ist einfach nicht der Rede wert (→ Elvis in Hollywood).

Filmhistoriker James L. Neibaur

Filmhistoriker James L. Neibaur

Weit gefehlt! Wer sich hier so kühn aus dem Fenster lehnt, ist der bekannte Filmhistoriker James L. Neibaur in seinem gerade erst erschienenen Buch The Elvis Movies (2014).

Neibaur ist kein ausgewiesener Elvis-Aficionado, sondern hat sich vor allem einen Namen als Autor von Büchern über die Filme Charlie Chaplins, Buster Keatons, Bob Hopes, Harry Langdons und James Cagneys gemacht. Aktuell arbeitet er an einem weiteren Buch über die Filme Clint Eastwoods.

Mit über 40 Essays in der angesehenen Encyclopedia Britannica ist Neibaur wahrlich kein intellektuelles Leichtgewicht. Wie kommt er also zu der eingangs zitierten kühnen Aussage über den  Schauspieler Elvis Presley, bekannt vor allem als Darsteller seichter Unterhaltungsfilme? Ganz einfach: Der Filmkenner hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, ganz offensichtlich auch alle (!) 31 Spielfilme plus die Konzertdokumentationen genau angeschaut und selbst detailliert analysiert.

Seine Erkenntnisse präsentiert Neibaur in The Elvis Movies  auf 281 Seiten in 36 klar strukturierten Kapiteln, wobei jeder Spielfilm sein eigenes Kapitel hat. Die Konzertdokumentationen sind in einem weiteren Abschnitt zusammengefasst. Einleitende und abschließende Kapitel sowie Fußnoten und ein Literaturverzeichnis runden die Publikation ab. Die Filme werden chronologisch vorgestellt, was der Übersichtlichkeit dient und die Fülle der Information auch für diejenigen Leser verdaulich macht, die keine ausgewiesenen Elvis-Kenner sind.

Hilfreich ist auch, dass Neibaur seine Ausführungen zu den Filmen neben einer  Inhaltsangabe immer wieder kurz und knapp mit Informationen zur Karriere des Musikers Elvis Presley (Studioalben, ’68 Comeback-Special) ergänzt, was eine zeitliche und inhaltliche Einordnung erleichtert und so manches erstmals richtig nachvollziehbar macht. Dennoch liegt Neibaurs Fokus klar auf den Filmen selbst, auf die Soundtracks geht er nur am Rande ein, listet allerdings alle Filmsongs jeweils in den Kapitelanfängen zusammen mit den Übersichtsangaben zu Filmcrew, Drehzeitraum und Budget.

Elvis als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem wahrscheinlich besten Elvis-Musical

Elvis gibt alles als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem Pop Art-Klassiker unter den  Elvis-Musicals

The Elvis Movies ist kein Fotobuch, nein hier geht es in erster Linie um Inhalte, wie auch in Paul Simpsons ebenfalls sehr empfehlenswerter Publikation Elvis Films FAQ (2013)! Neibaurs Buch ist gut geschrieben, liegt aktuell jedoch nur in englischer Sprache vor. Der Erzählstil ist unaufgeregt sachlich, dabei nicht langweilig. Man merkt: Hier nimmt einer sein Thema wirklich ernst.

Der Autor beschönigt nicht, aber er macht den Verlauf von Elvis Presleys Filmkarriere nachvollziehbar: von den vielversprechenden Anfängen in den 1950ern über die formelhaften, lange sehr erfolgreichen Musicals der 1960er, die in eine künstlerische Sackgasse führten, bis hin zu dem zaghaften, aber vielversprechenden Neuanfang, der in den letzten Spielfilmen Ende der 1960er (→ The Trouble With Girls) zu erkennen ist.

Dass Neibaur in seinen Ausführungen auf den erhobenen Zeigefinger, das Besserwissertum in Form von „Hättest du mal besser, Elvis“, verzichtet, also keinerlei Überheblichkeit oder gar Herablassung erkennen lässt, macht das Buch auch für einen passionierten Fan zu einer gut verdaulichen Lektüre.

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Buchtipp: Elvis‘ Favorite Director von Michael A. Hoey

31 Hollywoodstreifen (→ Elvis in Hollywood) hat Elvis Presley zwischen 1956 und 1969 gedreht. Das ist eine ganz schöne Menge für jemanden, der in erster Linie Musiker war und gerade einmal 42 Jahre „alt“ wurde. Nun bezweifelt heute kaum noch jemand, dass der King Musikgeschichte geschrieben hat, als Schaupieler gilt er den meisten jedoch eher als Leichtgewicht – freundlich formuliert.

Trotzdem erfreuen sich seine Musikkomödien bis heute großer Beliebtheit. Sie laufen immer noch regelmäßig im TV und erleben gerade eine erstaunliche Renaissance auf YouTube. Hier der Trailer zu Live A Little Love A Little (Liebling, Lass‘ das Lügen, 1968), ein Film, bei dem Hollywood-Urgestein Norman Taurog Regie führte und Michael A. Hoey das Drehbuch schrieb – basierend auf der Romanvorlage Kiss My Firm And Pliant Lips:

Geht es um Elvis den Schauspieler, dann sprechen wohlmeinende Kritiker gerne von „nicht entfaltetem Potenzial“, weniger wohlmeindende Biografen – meist sind es Musikhistoriker – halten Elvis‘ Filmkarriere schlicht für  Zeitverschwendung, da ihrer Meinung nach einfach nicht genügend Talent vorhanden war und auch die Qualität der Soundtracks weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Hinzu kommt, dass Elvis Presley seiner Hollywoodkarriere selbst sehr kritisch gegenüberstand (→ Audio von 1972 mit Elvis‘ eigenenen Aussagen zu seinen Filmen).

Entsprechend weist die riesige Menge an Literatur über Elvis Presley – abgesehen von zum Teil toll aufgemachten Bildbänden für Fans, in denen etwa die Dreharbeiten und Kinoerfolge dokumentiert werden (→ Summer of ’61, → King Creole Frame by Frame, Helmut Radermachers Das Große Elvis Presley Filmbuch) – verhältnismäßig wenig Veröffentlichungen auf, in denen Autoren, die mit Filmhistorie und Filmindustrie vertraut sind, sich zum Thema äußern. Ein paar löbliche Ausnahmen habe ich hier im Blog schon besprochen: Elvis Films FAQ von Paul Simpson und Björn Eckerls Elvis im Kino. Beide Publikationen sind jüngeren Datums, ebenso wie Bill Brams hervorragendes Elvis Frame by Frame.

Gerade erst erschienen ist ein weiterer Band, der signalisiert, dass offensichtlich langsam aber sicher Bewegung in das Thema Elvis Presleys Filmkarriere kommt: Elvis‘ Favorite Director – The Amazing 52-Year Career of Norman Taurog von Michael A. Hoey. Dieses Buch über Elvis und den Regisseur Norman Taurog zeichnet zeichnet gleich mehrere Dinge aus, die es lesenswert machen.

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Interview mit Paul Simpson: Elvis in Hollywood

Praktisch nElvisFAQ-buchcoveroch druckfrisch ist die aktuelle Veröffentlichung des bekannten britischen Journalisten und Buchautors Paul Simpson mit dem inspirierenden Titel Elvis Films FAQ: All That’s Left To Know About the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood.

Simpson (*1961), der u. a. als Redakteur für das Fußballmagazin Champions Matchday – The official magazine of the UEFA Champions League arbeitet, hat schon eine ganze Reihe Bücher zu Themen der Popkultur veröffentlicht, darunter The Rough Guide to James Bond (2002), The Rough Guide to Cult Fiction (2005), 397 Ways To Pick A DVD (2009) … und er ist ein großer Elvis-Fan!

Elvis Films FAQ, was so viel heißt wie „häufig gestellte Fragen zu Elvis‘ Filmen“, ist nach dem bekannten The Rough Guide to Elvis (2005) Simpsons zweite Veröffentlichung über den King of Rock ‘n’ Roll – The Memphis Flash hat Paul Simpson zum Thema seines neuen Buchs interviewt.

Original English version of the interview with Paul Simpson

Interview

The Memphis Flash: Paul, als professioneller Autor und langjähriger Elvis-Fan, warum hast Du so viel Arbeit in ein Buch – immerhin über 400 Seiten – gesteckt, das sich ausschließlich mit Elvis Presleys 31 Hollywoodfilmen beschäftigt? Die Filme waren zu ihrer Zeit zwar an der Kinokasse ziemlich erfolgreich, aber heute stehen sie bei vielen Fans, Kritikern und Biografen des King (Peter Guralnick) nicht gerade besonders hoch im Kurs. Nicht wenige halten Elvis Presleys Schauspielambitionen für einen Tiefpunkt seiner Karriere. Macht ein Buch wie Elvis FAQ überhaupt Sinn?

Paul Simpson: Es macht schon allein deshalb Sinn, weil die Filme Elvis selbst wichtig waren. Und für einen Fan wie mich, der versucht, sein Leben und seine Karriere als Ganzes zu verstehen, ist es daher auch sinnvoll, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Außerdem haben sie eine ganze Reihe großartiger Musik und unvergessliche Szenen hervorgebracht, die mit ein Grund sind, weshalb Elvis Presley heute eine solche globale Ikone ist. Einige der Filme sind ganz sicher genauere Einzelbetrachtungen wert, wie etwa die beiden Höhepunkte King Creole (1958) und Flaming Star (1960). Die Rahmenbedingungen, unter denen die Filme entstanden, werfen zudem ein Licht darauf, wie die gesamte Karriere Elvis Presleys gemanagt wurde.

Flaming Star 1960: Elvis Presley with Barbara Eden and Steve Forrest

Flaming Star 1960: Elvis Presley als Halbindianer Pacer mit Co-Stars Barbara Eden und Steve Forrest

Bis heute sind die Filme ein Aspekt in der Karriere Elvis Presleys, der unterrepräsentiert ist. Peter Guralnick scheint es in seiner beinahe definitiven Elvis-Biografie kaum abwarten zu können, über einige der Musicals aus den 1960ern möglichst schnell hinwegzugehen. Ich kann das durchaus verstehen. Aber wenn Elvis nicht der nächste James Dean oder Tony Curtis hätte sein wollen, hätten wir am Ende vielleicht nie etwas von ihm gehört.

The Memphis Flash: Von diesem Traum sprach Elvis ja auch selbst in seiner Dankesrede anlässlich der Vergabe des Jaycee Award 1971: „When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. […] I saw movies, and I was the hero in the movie...“

Paul Simpson: Genau. Das Bild, das ich jetzt, nachdem mein Buch erschienen ist, immer noch im Kopf habe, ist das des jungen Elvis in Tupelo, der zusammen mit seinem Vater ins Kino eilt (etwas, was die Assembly-of-God-Kirchengemeinde der Presleys in den 1930ern und 1940ern sicher nicht guthieß), wo er sich für die Filme der damaligen Zeit begeistert, wo er Bing Crosby hört, wie er Blue Hawaii in dem Film Wakiki Wedding singt, und wo er selbst davon träumt, mit seiner Familie einmal ein anderes Leben zu führen. War es nicht gerade diese Form des Eskapismus, dieser Traum, der die Hoffnung in ihm wach hielt, der bitteren Armut seiner Jugend entkommen zu können?

The Memphis Flash: Das ist sehr wahrscheinlich. Was ich besonders faszinierend an Elvis Films FAQ finde, sind die vielen unterschiedlichen Perspektiven von Regisseuren, Drehbuchautoren und Co-Stars, die Du zusammengetragen hast. Es gibt da beispielsweise eine Passage, in der Du Drehbuchautor Allan Weiss, der gleich eine ganze Reihe Drehbücher für so erfolgreiche Hal Wallis-Produktionen wie Blue Hawaii (mit Hal Kanter, 1961), Girls, Girls, Girls (1962) und Fun in Acapulco (1963) geschrieben hat, mit den Worten zitierst:

“In viewing the [initial screen] test [1956] one thing was clear: it would be a mistake to try to force this strong personality into a preconceived role. His parts must be tailored for him, designed to exploit the thing he did best – sing”.
Allan Weiss zitiert nach: Paul Simpson’s Elvis FAQ, 2013

Das klingt fast wie eine Beleidigung. Aber war es tatsächlich auch so gemeint? Der deutsche Filmhistoriker Björn Eckerl – Autor des Buches Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können – verfolgt einen ähnlichen Ansatz, wenn er sagt, dass es gar nicht möglich war, Elvis in seinen Filmen in einer anderen Rolle als Elvis zu präsentieren, da seine Persönlichkeit, sein Image, sein Kultstatus sowieso jedes Genre sprengten. Selbst ein Science Fiction mutiere unweigerlich zum Elvis-Film mit Elvis in der Hauptrolle.

King Creole 1958: Elvis fights Walter Matthau

King Creole 1958: Elvis prügelt sich mit Walter Matthau

Eckerl macht dafür nicht etwa fehlende schauspielerische Fähigkeiten des King verantwortlich – um die geht es gar nicht, sondern die Erwartung des Kinobesuchers, der einfach sofort erkennt, wen er auf der Kinoleinwand vor sich hat. In anderen Worten, da gab es im Grunde nicht viel, was Elvis selbst (und letztendlich auch die Filmstudios) hätten ändern können. Was meinst Du, ist an der Sichtweise von Weiss und Eckerl was dran?

Paul Simpson: Da ist schon was dran. Es stimmt, dass Elvis eine so kraftvolle, sofort erkennbare Persönlichkeit darstellte, an deren Image man nur schwer vorbeikam und bis heute -kommt. Gerade deswegen gibt es ja so viele Filme mit idealisierten oder verzerrten Versionen seiner Lebensgeschichte und Person. Und dennoch haben es einige Filmemacher geschafft, diesen Nachteil zu überwinden.

In Filmen wie King Creole (1958), Flaming Star (1960), Wild In The Country (1961, hier vor allem in den Szenen mit Hope Lange) und Follow That Dream  (1962) gelang es, über das Elvis-Image hinauszugehen und glaubhafte Charaktere jenseits des Images darzustellen. Die Rolle des Toby Kwimper, die „Unschuld vom Lande“ aus Follow That Dream, spielt Elvis ganz ausgezeichnet. Er trifft nicht nur den feinen Humor in der Geschichte Richard Powells, sondern verkörpert mit seiner fülligeren Erscheinung und den helleren Haaren auch äußerlich gut diesen speziellen Charakter.

Elvis Presely as Toby Kwimper with co-star Howard Mc Near and director Gordon Douglas  on the set of 'Follow That Dream'

Elvis Presley als Toby Kwimper mit Co-Star Howard Mc Near und Regisseur Gordon Douglas bei den Dreharbeiten zu ‚Follow That Dream‘

Was Weiss angeht, hat man allerdings schon den Eindruck, dass er in der Retrospektive versucht, die Studiopolitik zu rechtfertigen, die letztendlich dazu führte, dass Elvis durch einige seiner Rollen nur noch schlafwandelte. Dabei war Weiss selbst deprimiert ob der Desillusionierung seines Stars und rieb sich auf an den engen Vorgaben, die ihm die Erfolgsformel des immer seichter werdenden Elvis-Musicals in den 1960ern als Drehbuchautor auferlegte.

Andererseits war die Formel der singenden Elvis-Persona nicht per se falsch – letztendlich kann man auch King Creole (für diese Hal Wallis-Produktion war Weiss nicht drehbuchmäßig tätig) in diese Kategorie einordnen – und sie zahlte sich auch aus, wenn man einen talentierten Regisseur wie George Sidney [für Viva Las Vegas, 1964] engagierte. Ab 1965 war aber klar, dass sowohl künstlerisch als auch kommerziell eine Neuausrichtung nötig war, was in späten Filmen wie The Trouble With Girls und Change Of Habit (beide 1969) auch zu sehen ist.

Kinobesucher, die Elvis-Persona vergessen zu lassen, war sicher kein leichtes Unterfangen – genauso schwierig wie es im Falle John Waynes war, den Cowboy auf der Ranch aus den Köpfen zu kriegen. Aber es war die Sache auf jeden Fall wert bei den wenigen Malen, die ein Regisseur diese Herausforderung auch tatsächlich annahm.

The Memphis Flash: Elvis war ja selbst ein großer Filmenthusiast: Er mietete sich nach Vorstellungsschluss regelmäßig ein komplettes Kino, um Filme seiner Wahl mit Freunden anzuschauen. Welche Filme mochte er? Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Und was kann man aus seinen Vorlieben schließen?

Paul Simpson: Elvis sagte einmal zu Marion Keisker, Sam Phillips Mitarbeiterin bei SUN: „Ich singe alles Mögliche“. Genauso offen war er, wenn es um Filme ging. Zu seinen besonderen Filmlieblingen gehörten offenbar Across 110th Street, Dr Strangelove, Rebel Without A Cause und Patton (inkl. der Textzeile, die er häufig selbst zitierte: “All glory is fleeting”).

Er fand ebenso Gefallen an To Kill A Mockingbird (eine interessante Wahl wegen der Rassenthematik des Films, was Autor Albert Goldman einst dazu veranlasste, Elvis als Rassisten darzustellen), Max Ophüls’ kunstvoller Romanze Letter From An Unknown Woman, Dirty Harry, Monty Python And The Holy Grail sowie an den meisten Filmen mit Peter Sellers. James Dean war wohl sein Lieblingsschauspieler, er hatte aber auch eine Vorliebe für Humphrey Bogart, Marlon Brando, Kim Novak, den schon erwähnten Peter Sellers und Richard Widmark, um nur mal einige Namen zu nennen.

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2 Klassiker und ein 3.: James Deans ‚Denn sie wissen nicht, was sie tun‘ (1955), ‚Straße zum Jenseits‘ mit Anthony Quinn und Yaphet Kotto (1972), Peter Sellers in ‚Dr. Seltsam‘ (1964)
 

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3 weitere Favoriten des King: ‚Wer die Nachtigall stört‘ (1962), Max Ophüls ‚Brief einer Unbekannten‘ (1948) und Monty Pythons ‚Der Ritter der Kokosnuss‘ (1975)

 

Dass er so viele völlig unterschiedliche Filme schaute – angefangen von Dokumentationen über die Ureinwohner Papua-Neuguineas bis zu den Dirty Harry-Filmen mit Clint Eastwood – lässt für mich nur den Schluss zu: Er war so ziemlich offen für alles, sofern er die Zeit dazu fand.

The Memphis Flash: Nun war Elvis zwar ein bekennender Filmliebhaber, von seiner eigenen Filmkarriere war er aber bald höchst desillisioniert, wie Du mehrfach in Elvis Films FAQ erwähnst. In seinem Interview mit Robert Abel und Peter Adidge für den Dokumentarfilm  Elvis On Tour (1972) sprach er ziemlich offen darüber und sagte unter anderem:

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Elvis in Hollywood: Interview with Paul Simpson

ElvisFAQ-buchcoverHot off the press is the newest book publication by well-known British journalist and author Paul Simpson with the intriguing title Elvis Films FAQ: All That’s Left To Know About the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood.

Simpson (*1961), who works as editor of Champions Matchday, The official magazine of the UEFA Champions League, has already published a number of books on topics closely related to popular culture such as The Rough Guide to James Bond (2002), The Rough Guide to Cult Fiction (2005), 397 Ways To Pick A DVD (2009) … and he is a big Elvis fan!

Elvis Films FAQ is Simpson’s second book on the King of Rock ‘n’ Roll after the well-received The Rough Guide to Elvis (2005) – The Memphis Flash talked with Paul Simpson about Elvis Presley’s movie career and the new book → Elvis Films FAQ.

zur deutschen Fassung des Interviews mit Paul Simpson

Interview

The Memphis Flash: Paul, as a professional writer and longtime Elvis fan what made you dedicate a book with 400 pages to Elvis’ movies? Although initially successful at the box office, they today are mostly not well-regarded by fans, critics and Elvis biographers (Peter Guralnick) alike. Some even say the movies are the low point of Elvis Presley’s career. Frankly, is there really a point for such a book – and why?

Paul Simpson: The point is the movies were important to him – and as a fan and someone trying to understand his life and career I felt they were worth exploring. They did produce some great music, memorable scenes and helped him become such a global icon. Many of the movies are worth exploring on their own merits – the twin peaks being King Creole and Flaming Star – and the process which created them sheds a lot of light on how Presley’s career was run.

Flaming Star 1960: Elvis Presley with Barbara Eden and Steve Forrest

Flaming Star 1960: Elvis Presley as Half-Indian Pacer with co-stars Barbara Eden and Steve Forrest

Also, this is one aspect of his working life that is under-explored – Guralnick, in his near definitive biography, can barely wait to gloss over some of the travelogues in the 1960s. I can understand why but if Elvis hadn’t wanted to be the next James Dean or Tony Curtis, we might never have heard of him.

The Memphis Flash: Elvis talked about his big childhood dream in his acceptance speech for the Jaycee award 1971: „When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. […] I saw movies, and I was the hero in the movie...“

Paul Simpson: Right. The image that stays with me now, after the book is published, is Elvis as a child rushing into a cinema in Tupelo with his dad (something the Assembly of God church would not have approved of in the 1930s and 1940s) and marveling at the serials and films, watching Crosby singing Blue Hawaii in Wakiki Wedding and dreaming of a different life for himself and his family. Did that escapism, that permission to dream, keep hope alive in the desperate, dehumanising poverty of his boyhood?

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Buchtipp: Elvis Films FAQ von Paul Simpson

ElvisFAQ-buchcoverWenn Elvis Presley bis zum Schluss einen ganz großen Traum hatte, dann war es der, selbst einen wirklich großen Film zu machen. Denn der King war zeitlebens ein leidenschaftlicher Kinofan. Als Teenager jobbte er als Platzanweiser, um sich die neuesten Filme aus Hollywoods Traumfabrik ansehen zu können, später mietete er sich regelmäßig in Memphis gleich das komplette Kino für Privatvorführungen an – Vorstellungen, für die er sich die Filme, die ihn besonders interessierten, extra organisieren ließ.

Wie dieser Traum mit den 31 Kino- und 2 Dokumentarfilmen, die der King zwischen 1956 und 1972 drehte, zusammenhängt, dieser Frage geht der britische Journalist und Buchautor Paul Simpson in seinem gerade erst erschienenen Buch Elvis Films FAQ: All That’s Left to Know about the King of Rock ’n‘ Roll in Hollywood auf über 400 Seiten ernsthaft, sehr informativ und dabei höchst unterhaltsam nach.

→ Interview mit Paul Simpson  → original English version deutsche Übersetzung.

Elvis Films FAQ: All That’s Left to Know about the King of Rock ’n‘ Roll in Hollywood, was so viel heißt wie „Häufig gestellte Fragen zu Elvis‘ Filmen: Alles, was es zu wissen gibt, über den King of Rock ’n‘ Roll in Hollywood„, ist keines der üblichen Bilderbücher für Elvis-Fans mit vielen Fotos und meist magerem Begleittext, wie es sie in Mengen gibt.

Nein, Simpson, der 2005 schon The Rough Guide To Elvis herausgebracht hat, schafft es in 65 mundgerechten, klar strukturierten Kapiteln – man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, das Schöne ist, man kann irgendwo einsteigen und findet sich trotzdem zurecht – viele interessante Hintergrundinformationen zu Elvis Presleys Filmkarriere zu präsentieren, die sich in der Form auch nicht in namhaften Biographien des King finden. Dabei ist das Ganze kurzweilig, alles andere als staubtrocken aufbereitet, was schon die bildhaften, oftmals witzigen Kapitelüberschriften erahnen lassen. Man kann auch folgen, wenn man sich bislang noch nicht groß mit Elvis Presleys Filmen beschäftigt hat… und – keine Angst – man muss sie auch nicht alle gesehen haben, um dem Buch etwas abzugewinnen ;-).

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Elvis in der Jugendliteratur: Jana Scheerer ‚Mein innerer Elvis‘

Elvis Presley als literarische Figur? Dazu hat man doch sofort Bilder im Kopf! Schwieriger wird es allerdings, wenn es um die Frage geht, für welche Literaturgattung sich der King als literarische Figur besonders gut eignet. Eine, an die ich dabei zunächst gar nicht gedacht hatte, ist die des Kinder- und Jugendbuchs: Jana Scheerers Roman Mein innerer Elvis (2010) hat mich also erst einmal überrascht.

Autorin Jana Scheerer

Autorin Jana Scheerer

Mein innerer Elvis ist bereits das zweite erfolgreiche Jugendbuch von Germanistin, Amerikanistin und Medienwissenschaftlerin Jana Scheerer (*1978 in Bochum), die für Mein Vater, sein Schwein und ich (2004) mit dem Literaturpreis Prenzlauer Berg ausgezeichnet wurde.

Hauptperson in Mein innerer Elvis ist die 15-jährige Antje, die mit ihren Eltern und der 6-jährigen Schwester in Norddeutschland lebt, wo sie offensichtlich ein Gymnasium besucht. Eins ist schon mit dem 1. Satz der Ich-Erzählung aus Antjes Perspektive unmissverständlich klar: Die 15-jährige ist ein riesiger Elvis-Fan.

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