Buchtipp: Elvis A Life In Music 2017

Nehmen wir mal an, Elvis Presley würde tatsächlich noch leben und käme – mittlerweile jenseits der 80 Lenze – während einer seiner schlaflosen Nächte so richtig ins Grübeln, bei welcher seiner zahlreichen Aufnahmesessions er denn eigentlich den Song Let Yourself Go aufgenommen hatte. War das nicht eine dieser Soundtracksessions für seine Filme? Aber welche bloß? Es gab ja so viele…

Und hatte er den Song nicht auch noch ein zweites Mal aufgenommen? Zu einem späteren Zeitpunkt – mit anderen Musikern? Aber wann und zu welchem Anlass nochmal? Welche Aufnahme von Let Yourself Go erschien erstmals auf Single, EP, LP, oder CD? Wer kann sich so was auch merken bei mehr als 700 Songs und ihren diversen Versionen, die zudem seit Jahrzehnten in ständig neuen Zusammenstellungen auf den Markt kommen?

Dergestalt um seinen königlichen Schlaf gebracht, hätte der King natürlich mehrere Optionen, um der quälenden Grübelei ein Ende zu setzen. Er könnte beispielsweise auf YouTube nachschauen. Mit ein bisschen Glück ergäbe das zumindest den richtigen Erinnerungsstups, welcher Film und welches TV-Special eine Rolle spielen. Aber auf den Rest seiner Fragen würde er weder dort noch auf einer anderen Website so schnell verlässliche Antworten finden.

Sach‘ ma‘, Ernst!

Nein, um es ganz genau zu wissen, würde der King wohl eher sein eigens für ihn designtes Smart Phone zücken und die Kurzwahl einer Nummer im fernen Dänemark anwählen. Dort wäre ein gewisser Ernst Jørgensen sicher hocherfreut über seinen Anruf und könnte das „Problemchen“ in Sekundenschnelle lösen.

Ernst Jorgensen mit einer seiner vielen Veröffentlichungen

Der Däne ist nämlich sozusagen das wandelnde Gedächtnis aller Elvis-Aufnahmesessions, Hüter des 1999 gegründeten Elvis-Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) unter dem Dach von Sony und Herausgeber einer ganzen Latte namhafter Elvis Presley-Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre, darunter Young Man With The Big Beat, A Boy From Tupelo, Elvis At Stax, Prince From Another Planet, Way Down In The Jungle Room und Taking Care Of Business – In A Flash.

Außerdem ist Jørgensen nicht nur qua Beruf Kenner des Memphis Flash, er ist auch einer seiner größten Fans und recherchiert schon seit seinen Schultagen in den 1960ern, also seit gut einem halben Jahrhundert, zu den Aufnahmesessions seines Lieblingsmusikers.

Wer allerdings nicht den königlichen Luxus genießt, Ernst Jørgensens Wissen telefonisch oder gleich persönlich anzapfen zu können, so nach dem Motto „Sach‘ ma, Ernst“, der musste sich bislang mit den englischsprachigen Veröffentlichungen des Dänen zur den Aufnahmesessions des King begnügen. Die gibt es nämlich auch.

Am weitesten verbreitet dürfte Jørgensens Standardwerk Elvis Presley A Life In Music. The Complete Recording Sessions sein, erschienen 1998 und geadelt mit einem Vorwort von Elvis-Biograf Peter Guralnick (Last Train To Memphis, The Unmaking of Elvis Presley).

Schade nur, dass Elvis Presley A Life In Music mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und leider keine Erkenntnisse enthält, die Ernst Jørgensen aus seiner Arbeit für das Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream gewonnen hat, in dem mittlerweile rund 200 CD-, LP- und Buchveröffentlichungen für den leidenschaftlichen Elvis-Aficionado und -Sammler erscheinen sind. Und für eine überarbeitete Fassung seines Standardwerks hat der Hüter von Elvis‘ musikalischem Vermächtnis selbst schlicht keine Zeit – der Elvis der Gegenwart hält den Mann auf Trab.

Der Helmut macht’s

Genau dieser Umstand brachte einen weiteren Elvis-Kenner auf den Plan, nämlich Sammler Helmut Radermacher (→ Interview mit Helmut RadermacherElvis the King: Die Hits der deutschen Charts), der als der „deutsche Ernst Jørgensen“ gilt und sich fast noch länger als sein dänisches Pendant mit den vielen Aufnahmen Elvis Presleys im Detail beschäftigt.

Radermacher hat jetzt (Frühjahr 2017) mit Einverständnis Jørgensens dessen Standardwerk A Life in Music von 1998 aktualisiert, wobei Jørgensens Originalkapitel, die Elvis Presleys Karriere entlang seiner Aufnahmesessions veranschaulichen, von Michael Widemann ins Deutsche übersetzt wurden. Widemann hat sich auch schon bei der Übersetzung von Guralnicks zweibändiger Elvis-Biografie verdient gemacht.

Cover: Alle Aufnahmesessions des King nach Ernst Jorgensen jetzt in deutscher Sprache bearbeitet von Helmut Radermacher

 

Backcover Elvis A Life In Music 2017

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Gospel-Klassiker von Elvis

Ostern ist die perfekte Zeit, um nach längerem wieder einmal intensiver in Elvis‘ Gospels reinzuhören. Was dabei nie fehlen darf, ist das wunderbare How Great Thou Art, das Elvis Presley gleich zwei seiner insgesamt drei Grammys einbrachte. Den ersten für sein zweites Gospel-Album How Great Thou Art, das der King im Mai 1966 in RCAs Studio B in Nashville aufnahm, und einen weiteren für eine Liveversion des Titelsongs, die er am 20. März 1974 bei einem Konzert in Memphis sang. Sie ist verewigt auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974).

How Great Thou Art ist damit also ein doppelter Gewinner – besonders die Studioversion vom 25. Mai 1966 wird heute zu den besten Gesangsdarbietungen des Memphis Flash gezählt.

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presley verband von Kindes Beinen an eine große Liebe zur Gospelmusik der amerikanischen Südstaaten. Sang er Gospels, dann legte sich der King jedes Mal mächtig ins Zeug mit einer Intensität und einer inneren Überzeugung, die sich in seinem Repertoire in dieser gleichbleibend hohen Qualität sonst kaum findet, findet etwa Musikhistoriker Will Friedwald.

Zu Elvis‘ frühen Heroen zählten die Sänger der bekannten Gospelquartette Blackwood Brothers und Statesmen Quartet. Besonders der charismatische Leadsänger der Statesmen, Jake Hess (1927–2004), hatte es dem jungen Elvis angetan. Hess gründete Anfang der 1960er mit den Imperials eine eigene Gospelformation, die später sowohl im Studio als auch live mit Elvis erfolgreich war und die es bis heute gibt.

Bevor Elvis sein Glück als Solist in Sam Phillips Sun Studio suchte, hoffte er Anfang der 1950er vergeblich auf einen Einstieg als Gospelsänger bei den Nachwuchstruppe der Blackwood Brothers, den Songfellows. Das klappte nicht, da er sich gesanglich nicht in die Gruppe einfügen konnte. Die Songfellows erkannten vor Elvis, dass ihm eine Karriere als Solosänger besser passte, und „stupsten“ in mit ihrer Ablehnung in die entscheidende Richtung:

„As long as [Elvis] was singing lead, he was fine. But when the baritone or the tenor took over, someone had to sing harmony, and he could not harmonize. He’d sing baritone a line or two, then switch off to tenor a couple of lines, and wind up singing the lead part. That was the reason we didn’t take him into the quartet with us.“

Songfellow-Mitglied Jim Hamill zitiert nach The Sound of Light: A History of Gospel Music

Elvis Presley soll zunächst ganz schön gefrustet gewesen sein, dass die Songfellows ihn nicht haben wollten, löste das „Problemchen“ dann aber auf seine Weise: Er machte Weltkarriere als Solosänger und engagierte seine geliebten Gospelquartette einfach als Backgroundsänger – angefangen von den Jordanaires über die schon erwähnten Imperials bis zu den Stamps. Eine bis heute sehr hörenswerte Lösung eines Problems.

Wenn der King es ganz perfekt haben wollte, dann kamen gleich mehrere Gospelformationen zum Einsatz, wie etwa bei der Aufnahmesession für das Album How Great Thou Art im Mai 1966. Am Grammy-Gewinner waren nämlich sowohl die Jordanaires – seit 1956 fester Bestandteil seiner Studioalben, Live-Auftritte und auch frühen Filme – mit Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker als auch die noch jungen Imperials mit Elvis‘ Jugendidol Ex-Statesmen Jake Hess beteiligt.

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Elvis‘ Dschungelcamp zum Reinhören

Eigentlich sollte heute mein nächster längerer Blog-Beitrag online gehen. Aber mich hat die Grippe erwischt. Daher gibt es jetzt einfach etwas zum entspannten Reinhören, und zwar Elvis ganz individuelle Interpretation eines „Dschungelcamps“, veröffentlicht vor wenigen Monaten auf CD 2 von Way Down In The Jungle Room (RCA/Sony Legacy,2016).

Weitere Infos zu diesen Aufnahmen siehe mein Interview mit Toningenieur Matt Ross-Spang, der die Outtakes von Elvis Jungle Room-Sessions (1976), im letzten Jahr in Memphis neu abgemischt hat. Zu hören ist darauf ein gut gelaunter Elvis, der offensichtlich viel Spaß mit seinen Musikern bei sich zu Hause in seinem zum Aufnahmestudio umfunktionierten 2. Wohnzimmer, nämlich Gracelands Jungle Room, hat.

Und hier kommen sie, die 17 Outtakes aus Way Down In The Jungle Room. Viel Spaß mit dem etwas anderen Dschungelcamp.

Bitter They Are, Harder They Fall – Take 1

She Thinks I Still Care – Take 10

The Last Farewell – Take 2

Solitaire – Take 7

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Elvis & Nixon – der Film

Elvis Presley war ein Jäger und Sammler, wer hätte das gedacht. Im Dezember 1970 – wenige Tage vor Weihnachten und gut zwei Wochen vor seinem 36. Geburtstag – ging der King auf die Jagd nach einem besonderen Geschenk für sich selbst, das als Prunkstück seiner Polizeidienstmarken-Sammlung gedacht war: eine Dienstmarke für Spezialagenten des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD).

Das 1968 gegründete BNDD war eine im US-amerikanischen Justizministerium angesiedelte Behörde zur Bekämpfung von Drogenschmuggel und -handel, die 1973 in der neuformierten Drug Enforcement Administration (DEA) aufging. Agenten, die für das BNDD tätig waren, wiesen sich mit einer speziellen Dienstmarke aus. Genau um eine solche ging es dem King, und zwar eine echte Marke, also keine Nachbildung für Sammler.

Dienstmarke für Spezialagenten der BNDD-Nachfolgebehörde DEA

Die Jagd nach „The Badge“ führte Elvis Presley über einige Umwege am 21. Dezember 1970 nach Washington D.C. – und zwar direkt in das Oval Office des Weißen Hauses, wo er den amtierenden republikanischen Präsidenten Richard Nixon traf, der ihm – man höre uns staune, tatsächlich noch am selben Tag zu einer BNDD-Dienstmarke verhalf. Letztlich waren es sogar zwei Dienstmarken, die Elvis Presley auf diesem Wege seiner Sammlung zuführte.

 

Elvis Presleys Original-BNDD-„Dienstmarken“. Die oben gezeigte wurde ihm am 21.12.1970 in Washington persönlich überreicht, die zweite ein paar Wochen später zugesendet – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Das Treffen des King mit Richard Nixon, der 1974 im Zuge der Watergate-Affäre als einziger Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurücktreten musste, ist so kurios, dass es Filmstoff erster Güte darstellt. Gäbe es nicht eine Reihe von Fotos im amerikanischen Nationalarchiv, die das Treffen dokumentieren, und einen offensichtlich hastig geschriebenen handschriftlichen Brief Elvis Presleys an Nixon auf Papier der Fluggesellschaft American Airlines als Beweis, dann würde man diese Geschichte am ehesten im Reich der hyperaktiven Phantasie eines Hollywood-Drehbuchautors verorten. Sie ist trotzdem passiert.

Präsident Richard Nixon mit Elvis Presley im Oval Office am 21.12.1970 – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Der berühmte Brief Elvis Presleys an Richard Nixon, hastig verfasst während eines Fluges von Los Angeles nach Washington wenige Stunden vor dem Treffen im Weißen Haus – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Jetzt wurden die Begegnung der besonderern Art und die Ereignisse unmittelbar davor in Elvis & Nixon (2016) unter der Regie der vor allem für ihre Kurzfilme bekannten Filmemacherin Liza Johnson nach einem Drehbuch von Joey Sagal, Hanala Sagal sowie Cary Elwes verfilmt. Die Komödie ist im Dezember 2016 auch in den deutschen Kinos angelaufen.

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Diamond Joe Esposito

Hello, I’m Elvis Presley, glad to meet you, waren die Worte, mit denen der King of Rock ’n‘ Roll  Joe Esposito im Sommer 1959 bei ihrer ersten Begegnung begrüßte. Ein fester Händedruck begleitet vom berühmten schiefen Lächeln des King besiegelte eine 19 Jahre dauernde Freundschaft und ein fast ebenso langes Arbeitsverhältnis, in denen Joe Esposito als persönlicher Assistent und späterer Roadmanager so manche Höhen und Tiefen mit Elvis Presley durchlief.

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Ort des Geschehens dieser ersten Begegnung: ein sehr deutsch anmutendes Wohnzimmer in einem Einfamilienhaus mit der Adresse Goethestraße 14 in der hessischen Kurstadt Bad Nauheim. Also genau dort, wo G.I. Elvis Presley mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und zwei Freunden (Lamar Fike, Red West) Anfang 1959 für ein Jahr seine Zelte aufschlug, um in den Ray Barracks im benachbarten Friedberg seinen Wehrdienst zu leisten.

Der reine Zufall hatte Joseph Carmine Esposito, 1938 als Sohn italienischer Einwanderer in Chicago geboren, in das deutsche Wohnzimmer gespült. Fast zeitgleich mit seinem berühmten Zeitgenossen hatte Uncle Sam ihn zum Dienst am Vaterland nach Westdeutschland verschifft, wo der 21-Jährige in den Ray Barracks im hessischen Friedberg als Lohnbuchhalter eingesetzt wurde.

Von Elvis sah er dort erst einmal wenig, denn der hatte als Panzerspäher der Company C im 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division alles andere als einen Bürojob und war häufig auf Manöver.

Joe Esposito als G.I. in Deutschland, wo er 1959 Elvis Presley kennenlernte – Foto: Joe Esposito

Das änderte sich, als Wes Daniels, Fotograf der PR-Abteilung der US-Armee mit dem Auftrag, Elvis Presley bei seinen militärischen Aktivitäten im Foto festzuhalten, Joe zu dem ersten Treffen mit dem Superstar in die Goethestraße 14 einlud. Der Hintergrund: Elvis spielte in seiner Freizeit gerne mit seinen Kumpels Touch Football und brauchte noch Spieler.

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Kult: Elvis is not dead – he just went home!

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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Way Down in the Jungle Room: Interview with Matt Ross-Spang

I’ve always liked Elvis‘ last studio recordings – those 16 songs that he recorded in February and October 1976 in the Jungle Room of his beloved home Graceland. Most of these songs that were first released on the albums From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) and Moody Blue (1977) are of a contemplative nature. They are highly emotional expressions of deep loss. In that sense quite a few of them belong to Elvis Presleys finest interpretations for me.

Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

A serious looking Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

Knowing that the Jungle Room recordings are Elvis‘ last studio recordings ever, many people are naturally drawn to listen to them simply as the final farewell of a sick and unhappy superstar who knows that his end is near. For a reason that I could never pinpoint myself I always found this retrospective viewpoint debatable, although it definitely reflects the mood of the songs. For me the Jungle Room recordings felt more like Elvis trying to refer to the beginnings of his career in the early 1950s at Sam Phillips‘ Sun Studio in Memphis. But as I said, I could never really explain why.

When RCA/Sony announced earlier this year that a new set with 2 discs called Way Down In The Jungle Room (Legacy Edition) is in the making with the support of a very successful young engineer called Matt Ross-Spang, I became curious. I found out that Matt had worked for years at the still existing Sun Studio in Memphis, before he changed location to the Sam Phillips Recording Service operated by the Phillips family.

Cover of Way Down In The Jungle Room - RCA/Sony Legacy 2016

Cover of Way Down In The Jungle Room – RCA/Sony Legacy 2016

 

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on CD 2 - RCA/Sony Legacy

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on disc 2 – RCA/Sony Legacy 2016

Matt Ross-Spang’s credits in the studio include names like Jerry Lee Lewis, Grace Potter & The Nocturnals, Mary Chapin Carpenter, Jakob Dylan, Justin Townes Earle, JD McPherson, and Chris Isaak. Just to name a few. Earlier this year Matt won a well deserved Grammy for engineering and mixing Jason Isabell’s Something More Than Free. Besides, he was responsible for engineering, mixing, and co-producing Margo Price’s debut record Midwestern Farmer’s Daughter.

Legendary Elvis – Sam Phillips – Sun Studio – Matt Ross Spang – Jungle Room sessions 1976? Was I right after all with my feelings about Elvis‘ last „studio“ recordings at Graceland? I decided to find out more about the new mix on Way Down In The Jungle Room (2016) and the engineer behind it by asking the man himself what all of this is really about. Matt Ross-Spang turned out to be a very nice guy.

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis - Photo: Ross-Spang

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis – Photo: Ross-Spang

INTERVIEW

The Memphis Flash: Matt, you’re from Memphis where it all started for Elvis in 1954 in Sam Phillips’ now world-famous Sun Studio. The studio and the Phillips family play a major role in your successful career as well. How come?

Matt Ross-Spang: Sure! I was born and raised in Memphis! I played guitar in bands and I got 2 hours of studio time at Sun Studio for my 14th birthday from my wonderful parents. When I recorded there I was mesmerized by the studio and the process of recording and mixing. The engineer there James Lott was a great patient man who made the whole process fun and answered all of my annoying questions! My cousin John was the President at Sun and offered me a job when I was 16 and could drive, so I started working there then as a tour guide and an intern in the studio.

Hound Dog-Parodist Sam Phillips in seinem berühmten Aufnahmestudio in der Union Avenue

Matt’s hero Sam Phillips at Sun Studio in Memphis

I soon worked my way up to Operations Manager and Chief Engineer. I spent 11 years at Sun and spent most of that time installing and using the same period equipment Sam Phillips used back in Sun’s heyday. While working at Sun I met and became friend with the Phillips‘. Sam and his two sons Knox and Jerry I consider to be heroes of mine (and many others). Obviously being from Memphis you are born an Elvis fan! But especially for me the history and the music that was recorded in Memphis really consumed me. Elvis is a big part of that!

The Memphis Flash: How did you get the assignment for a new mix of the outtakes and alternate versions on the new release Way Down in the Jungle Room?

Matt Ross-Spang: A friend of mine Sharon Corbitt-House recommended me to Sony’s Rob Santos and Ernst Jorgensen who are the Producers of the Elvis record. After a few phone calls we worked out scheduling and we decided to do it at Phillips. I am a freelance engineer but Phillips is a magical studio and Rob always wanted to do a project there so it was a perfect fit.

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Buchtipp: A Little Thing Called Life von Linda Thompson

Nach Priscilla Presley, Anita Wood und Ginger Alden hat nun auch Linda Thompson (* 23. Mai 1950 in Memphis) die Geschichte ihrer viereinhalb Jahre dauerenden Liebesbeziehung zu Elvis Presley in einem Buch verarbeitet. A Little Thing Called Life: On Loving Elvis Presley, Bruce Jenner, and Songs in Between ist Ende August 2016  erschienen und hat – wie Ginger Aldens Veröffentlichung 2014 – sofort die Bestsellerliste der New York Times erklommen. Völlig zu Recht, denn A Little Thing Called Life ist wirklich lesenswert.

Linda Thompson in der Zeit, in der sie mit Elvis Presley liiert war (1972-1976)

Ebenso schön wie talentiert: Linda Thompson in der Zeit, in der sie mit Elvis Presley liiert war (1972-1976)

Das liegt vor allem daran, dass Linda neben ihrer frühen Karriere als Schönheitskönigin, mit der sie sich ihr Studium (Englisch, Theaterwissenschaften) an der Memphis State University verdiente, und späteren, meist eher kleineren Rollen als Schauspielerin in bekannten amerikanischen TV-Serien wie Hee Haw, Starsky & Hutch, Vega$, Beverly Hills 90210 und dem Film Bodyguard (1992) vor allem eins ist: eine talentierte Schriftstellerin mit einer besonderen Begabung für lyrische Texte.

Erfolgreich wurde Linda ab den 1985ern als Songtexterin u.a. für Kenny Rogers, Celine Dion, Whitney Houston, Josh Groban und Barbra Streisand. Gearbeitet hat Linda als Texterin meist im Duo mit einem Komponisten, hier vor allem ihrem 2. Ehemann, dem erfolgreichen kanadischen Musiker und Plattenproduzenten David Foster, mit dem sie bis 2005 verheiratet war. Foster zeichnet für die Debütalben von Michael Bublé und Josh Groban verantwortlich.

Für die Powerballade I Have Nothing, die Linda gemeinsam mit David Foster komponierte, und die Whitney Houston in dem Hollywood-Klassiker The Bodyguard singt, wurde sie 1993 zusammen mit Foster für einen Academy Award und 1994 für einen Grammy nominiert. 2003 erhielt Linda einen Emmy für Outstanding Music and Lyrics ihres Songs Aren’t They All Our Children in The Concert for World Children’s Day.

Wow. Warum hat die Dame eigentlich keine Songs für Elvis Presley geschrieben, der gute Songwriter nun wahrlich zu schätzen wusste? Ganz einfach: Sie wollte es nicht. Die Gedichte, die sie dem King – ihrer ersten großen Liebe – während ihrer Beziehung schrieb, waren zu privat, wie sie damals fand.

Seinen Vorschlag, einige besonders gelungene von einem Komponisten vertonen zu lassen, lehnte sie ab. Ganz schön blöd, wie Linda heute selber findet, wäre es doch zu schön, zumindest einen ihrer Songstexte von ihm, bekannterweise ein Fan gefühlvoller Powerballaden, interpretiert zu wissen. Finanziell lukrativ wäre es außerdem gewesen.

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Talking Elvis: George Klein beim 15. European Elvis Festival 2016

Keine Frage, Elvis‘ Schulfreund und langjähriger Weggefährte George Klein hat eine Menge zu erzählen. Und genau das tat er auch auf dem 15. European Elvis Festival in Bad Nauheim, zu dem die Elvis Presley Gesellschaft ihn Mitte August auf das rote Sofa zum Talk eingeladen hatte.

Da Radiomoderator George ein veritabler Dampfplauderer ist, der am liebsten nonstop selber redet, war der Talk zwar sehr unterhaltsam, wurde aber für Moderatorin Maria Hesterberg, die alle Aussagen ins Deutsche übersetzen musste, zu einer echten Bewährungsprobe. Aber Maria hat reichlich Erfahrung mit illustren Elvis-Zeitzeugen und meisterte die Situation wie immer ganz ausgezeichnet.

Hier der Auftakt zum Talk mit George Klein – Maria Hesterbergs Übersetzungen habe ich diesmal nicht mit aufgenommen, um Wiederholungen zu vermeiden. In nachfolgender Erzählung von George geht es darum, wie er Elvis Presley in ihrer gemeinsamen Zeit an der Humes High School in Memphis  kennenlernte.

Im zweiten Teil erzählt George, wie er als Rock ’n‘ Roll-DJ in den 1950ern durchstartete und 1957 eine Zeit lang für Elvis arbeitete, nachdem seinen Job verloren hatte. Glück im Unglück für George: Seinen Job als DJ war er zwar los, dafür konnte er dabei sein, als Elvis in Hollywood den Film Jailhouse Rock mit der berühmten Tanzszene drehte und einen seiner bekanntesten Soundtracks aufnahm.

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Elvis Presleys ‚How Great Thou Art‘

Mit How Great Thou Art hat Elvis Presley gleich zwei seiner insgesamt drei Grammys eingefahren. Den ersten für sein zweites Gospel-Album How Great Thou Art, das der King im Mai 1966 – also vor genau 50 Jahren –  in RCAs Studio B in Nashville aufnahm, und einen weiteren für eine Liveversion des Titelsongs, die er am 20. März 1974 bei einem Konzert in Memphis sang. Sie ist verewigt auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974).

How Great Thou Art ist damit also ein doppelter Gewinner – besonders die Studioversion vom 25. Mai 1966 wird heute zu den besten Gesangsdarbietungen des Memphis Flash gezählt.

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presley verband von Kindes Beinen an eine große Liebe zur Gospelmusik der amerikanischen Südstaaten. Sang er Gospels, dann legte sich der King jedes Mal mächtig ins Zeug mit einer Intensität und einer inneren Überzeugung, die sich in seinem Repertoire in dieser gleichbleibend hohen Qualität sonst kaum findet, findet etwa Musikhistoriker Will Friedwald.

Zu Elvis‘ frühen Heroen zählten die Sänger der bekannten Gospelquartette Blackwood Brothers und Statesmen Quartet. Besonders der charismatische Leadsänger der Statesmen, Jake Hess (1927–2004), hatte es dem jungen Elvis angetan. Hess gründete Anfang der 1960er mit den Imperials eine eigene Gospelformation, die später sowohl im Studio als auch live mit Elvis erfolgreich war und die es bis heute gibt.

Bevor Elvis sein Glück als Solist in Sam Phillips Sun Studio suchte, hoffte er Anfang der 1950er vergeblich auf einen Einstieg als Gospelsänger bei den Nachwuchstruppe der Blackwood Brothers, den Songfellows. Das klappte nicht, da er sich gesanglich nicht in die Gruppe einfügen konnte. Die Songfellows erkannten vor Elvis, dass ihm eine Karriere als Solosänger besser passte, und „stupsten“ in mit ihrer Ablehnung in die entscheidende Richtung:

„As long as [Elvis] was singing lead, he was fine. But when the baritone or the tenor took over, someone had to sing harmony, and he could not harmonize. He’d sing baritone a line or two, then switch off to tenor a couple of lines, and wind up singing the lead part. That was the reason we didn’t take him into the quartet with us.“

Songfellow-Mitglied Jim Hamill zitiert nach The Sound of Light: A History of Gospel Music

Elvis Presley soll zunächst ganz schön gefrustet gewesen sein, dass die Songfellows ihn nicht haben wollten, löste das „Problemchen“ dann aber auf seine Weise: Er machte Weltkarriere als Solosänger und engagierte seine geliebten Gospelquartette einfach als Backgroundsänger – angefangen von den Jordanaires über die schon erwähnten Imperials bis zu den Stamps. Eine bis heute sehr hörenswerte Lösung eines Problems.

Wenn der King es ganz perfekt haben wollte, dann kamen gleich mehrere Gospelformationen zum Einsatz, wie etwa bei der Aufnahmesession für das Album How Great Thou Art im Mai 1966. Am Grammy-Gewinner waren nämlich sowohl die Jordanaires – seit 1956 fester Bestandteil seiner Studioalben, Live-Auftritte und auch frühen Filme – mit Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker als auch die noch jungen Imperials mit Elvis‘ Jugendidol Ex-Statesmen Jake Hess beteiligt.

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