TCB: Taking Care of Business in a Flash

3 Buchstaben mit einem Blitz: Elvis Presleys Motto Taking Care of Business (in a Flash) war in den 1970en als Logo auf Gegenständen seines beruflichen und persönlichen Lebens geradezu allgegenwärtig. Das von ihm selbst entworfene Logo fand sich auf dem Briefpapier ebenso wie auf dem Heck des eigenen Flugzeugs, an den Wänden des TV-Raums in Graceland, verarbeitet zu Schmuckstücken als Geschenk für gute Freunde und Mitarbeiter, auf Karate-Equipment aller Art, bis hin zu privaten Gegenständen wie den eigenen Brillengestellen und sündhaft teuren Ringen.

Ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

Symbolträchtig und ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

TCB: Bedeutungsebenen

Aber was bedeutet das eigentlich: Taking Care of Business in a Flash? Zunächst einmal ist Taking Care of Business eine heute ziemlich weit verbreitete Formulierung, die am ehesten zu verstehen ist als „tun, was getan werden muss“. Damit wird kurz und knapp der inneren Haltung Ausdruck verliehen, sich für Aufgaben verantwortlich zu fühlen, sie jederzeit sorgfältig, kompetent – und in Elvis’ Sinne auch noch blitzschnell – zu erledigen.

Auf gut Deutsch: nicht lange reden, zackig selbst die Ärmel hochkrempeln, ordentlich anpacken. Die Abkürzung T.C.O.B. für Taking Care of Business wird in Wirtschaftskreisen der USA auch verwendet, um die leitende Funktion eines Managers zu unterstreichen, damit kommen auch Führungsqualitäten als Bedeutung mit ins Spiel.

Aber es spielt noch eine weitere, indirektere Bedeutungsebene eine Rolle, die erst sichtbar wird, wenn man sich anschaut, wo der Ausdruck TCB Ende der 1960er – also etwa zu dem Zeitpunkt, als Elvis ihn als Lebensmotto adaptierte – besonders in Erscheinung trat: in der Musik afroamerikanischer Künstler nämlich. In Aretha Franklins Riesenhit Respect (1967), eine Coverversion von Otis Reddings gleichnamigen Song aus dem Jahr 1965, findet er sich in den Liedzeilen: R-E-S-P-E-C-T – Find out what it means to me – R-E-S-P-E-C-T – Take care … TCB. Interessanterweise ist diese TCB-Passage in Otis Reddings Original nicht enthalten.

Weiterlesen

50 Jahre Fun in Acapulco mit Elvis Presley: Spotlight Filmcrew

Seit 50 Jahren hat Elvis mächtig Spaß in Acapulco – und das obwohl er nie einen Fuß in das  mexikanische Urlaubsparadies gesetzt hat. Hollywood macht es möglich mit einer Hal Wallis-Produktion für Paramount Pictures aus dem Jahr 1963, die den ungeheuer einfallsreichen Titel Fun in Acapulco trägt und Elvis Presley in einer seiner Paraderollen zeigt: die des charmanten, singenden Sonnyboys und Womanizers.

Filmplakat 'Fun in Acapulco' 1963 - Foto: Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

Filmplakat ‚Fun in Acapulco‘ 1963 – Foto aus Helmut Radermachers Elvis Presley Filmbuch

Man ahnt es schon, der Film ist eine typische Elvis-Musikkomödie aus den frühen 1960ern (→ Elvis im Kino: Interview mit Musikwissenschaftler Björn Eckerl), so wie sie nach dem Megaerfolg von Blue Hawaii 1961 (dt. Blaues Hawai) – ebenfalls eine Hal Wallis-Produktion – für den King zum Standard wurden. Es ist also leicht, den Film wie die Redaktion des Filmmagazins Cinema schnell als „Elvis-Enchiladas mit schlapper Musiksoße“ abzutun. Und dennoch: Der Unterhaltungfilm, der mittlerweile ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, ist verblüffend gut gealtert. Woran liegt’s?

Nun, zuerst einmal wartet Fun In Acapulco mit noch heute gültigen Zutaten für einen erfolgreichen Unterhaltungsfilm auf: tolle Bilder von Sommer, Sonne, Meer, schöne Hotel- + Poollandschaften, Urlaubsfeeling mit gutaussehenden, leichtbekleideten Darstellern, Partystimmung und viel (hier: südamerikanisch inspirierter) Musik. Und dann ist da natürlich noch der Hauptdarsteller…

Weiterlesen

European Elvis Festival 2013 – der King rockt Bad Nauheim

Vom 15. bis 18. August 2013 ist es wieder so weit – Elvis Presley erobert Bad Nauheim! Elvis in der Kur- und Rosenstadt Bad Nauheim? Wie geht das denn? Ganz einfach: Hier wohnte der King vom 1. Oktober 1958 bis 2. März 1960, als er als regulärer G.I. der US-Armee – genauer 3. US-Panzerdivision – in den Ray Barracks der Nachbarstadt Friedberg stationiert war (→ siehe auch: Elvis gut getarnt in der Oberpfalz).

Foto: Bad Nauheim Stadmarketing und Tourismus GmbH

Foto: Bad Nauheim Stadmarketing und Tourismus GmbH

Außer in Deutschland hat Elvis Presley nie außerhalb der USA gelebt. Und weil der King in Bad Nauheim und Friedberg eine Menge erlebt hat, gibt es seit 2002 das European Elvis Festival, das von der Stadt Bad Nauheim in Zusammenarbeit mit der Elvis Presley Gesellschaft e.V. mit Sitz in Bonn und dem Elvis Presley-Verein Bad Nauheim-Friedberg veranstaltet wird.

Mittlerweile hat das Festival Kultstatus erreicht und Fans aus ganz Europa reisen jedes Jahr im August an, um 4 Tage lang mit Gleichgesinnten bei einem bunten musikalischen Rahmenprogramm, Elvis-Kino-Sessions, Cadillac-Corsos und Führungen zu Elvis‘ Lieblingsplätzen ordentlich Spaß zu haben.

The Memphis Flash war schon letztes Jahr beim European Elvis Festival mit von der Partie und wird natürlich auch dieses Jahr wieder berichten. Hier ein paar Impressionen aus 2012:

Das vollständige Programm des 12. European Elvis Festivals, das am verlängerten Wochenende vom 15. bis 18. August 2013 stattfindet, gibt’s in deutscher und englischer Sprache sowie zum Download auf der → Website der Stadt Bad Nauheim. Wie immer gibt es einen bunten Mix an kostenfreien Veranstaltung und solchen, die (meist geringen) Eintritt kosten. Die kostenpflichtigen Veranstaltungen kann man einzeln oder komplett über einen Festivalpass buchen.

Absolutes Highlight im Programm 2013 dürften die Veranstaltungen am 17. August mit Elvis berühmter TCB-Band sein – also der Band, mit der der King von 1969 bis 1977 praktisch all seine Live-Konzerte bestritt und mit der er in den Dokumentarfilmen Elvis That’s The Way It Is (1970), Elvis On Tour (1972) sowie dem berühmten Satelliten-Special Aloha From Hawaii (1973) zu sehen ist. Prädikat besonders empfehlenswert!

Wir sehen uns in Bad Nauheim!

Elvis Presley: Guitar Man

Einer meiner Elvis-Lieblingssongs ist einer, den man auf den Hit-Zusammenstellungen des Memphis Flash eher vergeblich sucht: Guitar Man (1967). Kunststück, schließlich war Guitar Man zumindest chartmäßig zunächst kein Hit für den King – und ist es auf den zweiten Blick doch.

Guitar Man –  Elvis Sings Guitar Man, FTD 2011:

 

Die meisten werden den Song am ehesten mit dem legendären Comeback-Special ELVIS (1968) verbinden, wo er in einer abgewandelten Form das musikalische Grundthema, den erzählerischen roten Faden bildet: hier erzählt Guitar Man vom Aufstieg des Musikers zum Superstar, den Jahren in Hollywood und der musikalischen Wiederauferstehung nach langer Zeit der ausschließlichen Kinoleinwandpräsenz.

Elvis Presley im Comeback-TV-Special ELVIS 1968 - hier mit der Gibson seines langjährigen Lead-Gitarristen Scotty Moore

Guitar Man Elvis Presley im Comeback-TV-Special ELVIS 1968 mit der Gibson seines langjährigen Weggefährten und Lead-Gitarristen Scotty Moore

Guitar Man ist also vor allem auf der symbolischen Ebene ein Hit. Umso mehr, wenn man sich anschaut, wann und wie es tatsächlich zu Elvis‘ Aufnahme dieses Songs und seiner engen Zusammenarbeit mit Gitarrist und Songschreiber Jerry Reed kam.

Elvis, Guitar Man und das Comeback

Wenn von Elvis‘ Comeback Ende der 1960er die Rede ist, dann bezieht sich das meist auf das schon erwähnte TV-Special ELVIS, das Anfang Dezember 1968 in den USA beim Sender NBC auf Sendung ging und die satte Einschaltquote von 42 Prozent erreichte. Eigentlich startete das musikalische Comeback des Memphis Flash aber schon ein paar Jahre früher.

Elvis selbst sagte in einem Interview einmal, dass er sich schon 1965 entschloss, seiner Karriere, die Mitte der 1960er auf langfristige Hollywoodfilmverträge und die dazugehörigen Soundtrack-Alben beschränkt war, eine neue Wendung zu geben. Und das kommt zeitlich auch hin, blieb aber zunächst weitgehend unbemerkt, genauso wie der Song Guitar Man, der dabei eine Rolle spielte.

Weiterlesen

Elvis Presley: Summer of ’61

Praktisch noch druckfrisch ist die neueste Buchveröffentlichung des Elvis-Sammlerlabels Follow That Dream (FTD): Elvis Presley – Summer of ’61.

Elvis Presley: Summer of '61, FTD Books 2013

Elvis Presley: Summer of ’61, FTD Books 2013

Der rund 390 Seiten starke Bildband im Format 24,5 x 24,5 cm, zusammengestellt von David English und dem bekannten norwegischen Foto-Sammler Pål Granlund (→ Elvis Presley – King Creole Frame by Frame), dokumentiert die Ereignisse rund um die Außenaufnahmen zu Elvis Presleys 9. Kinofilm Follow That Dream (dt. Ein Sommer in Florida). Der wurde im schwülwarmen Juli/August 1961 in Florida gedreht – und zwar vor allem in der Region um Inverness, Ocala, Inglis und Yankeetown – und kam 1962 in die Kinos.

Elvis Presley – Summer of ’61 folgt vom Konzept her in mancherlei Hinsicht dem bahnbrechenden → A Boy From Tupelo-Boxset, das FTD-Sammlerchef Ernst Jørgensen erst 2012 herausgebracht hat. So ist der Hauptteil des neuen FTD-Bildbands ebenfalls chronologisch nach Kalenderdaten angeordnet, denen die zahlreichen, meist schwarz-weißen Fotos (sehr gute Qualität auf hochwertigem Papier) zusammen mit Zeitungsartikeln aus der Region, Interviews mit der Film-Crew, Stories von Anwohnern, Securitymitgliedern und Fans, die bei den Dreharbeiten hautnah mit dabei waren, zugeordnet sind. 200 der Fotos in Summer of ’61 sollen bislang unveröffentlicht sein.

Weiterlesen

Lansky Bros. on Beale Street – Clothier to the King

You gotta dress for success, das wusste Elvis Presley schon im zarten Alter von 17! Also suchte der künftige King sich noch bevor die Musikkarriere richtig am Start war und namhafte Designer Schlange standen, um ihm die Garderobe auf die begehrten Hüften zu schneidern, einen Herrenausstatter mit möglichst coolen „cat clothes“.

Fündig wurde Elvis bei Bernard Lansky von Lansky Bros. auf der kultigen Beale Street in Memphis (→ Kleider machen Leute – Elvis Presley und Bernard Lansky). Aus der ersten Begegnung im Jahr 1952 wurde eine langjährige Kundenbeziehung, die Bernard Lanskys Geschäft weltberühmt machte, denn der King trug die kultigen Klamotten bei seinen Auftritten, auf der Kinoleinwand und privat.

Werbung mit Elvis im Ballonhemd von Lansky

Werbung mit Elvis im Ballonhemd von Lansky

Seit dem Tod von Bernard Lansky im November 2012 führt die jüngere Generation das Geschäft in Memphis erfolgreich fort, wie in diesem aktuellen Video mit Hal Lansky zu sehen ist.

Mehr zu Elvis dem Dandy Rocker → Kleider machen Leute

Elvis und The Jordanaires – meine Top 20 vom Dream Team

An einem schönen Sonntagnachmittag des Jahres 1955 bekamen Gordon Stoker (→ In Memoriam Gordon Stoker), Hugh Jarrett, Neal Matthews und Hoyt Hawkins von den Jordanaires nach einem Auftritt in Memphis backstage Besuch von einem  auffällig gekleideten Mann um die 20.  Der sehr freundliche Unbekannte stellte sich als Elvis Presley vor und überraschte das Quartett mit der Aussage: „Wenn ich je einen Vertrag mit einem großen Plattenlabel bekomme, dann möchte ich, dass ihr meine Backgroundgruppe werdet“.

Elvis Presley mit den ‚Jordanaires‘  1957

Die Jordanaires, damals selbst schon eine Größe im Musikgeschäft, wünschten dem höflichen Jungen alles Gute, aber rechneten nicht wirklich damit, je wieder von ihm zu hören.  Doch Elvis Presley löste sein Versprechen ein. Sofort nach seinem Wechsel von SUN zu RCA Records Ende 1955 wurden die  Jordanaires für fast anderthalb Jahrzehnte eine feste Größe bei seinen Plattenaufnahmen, Live-Auftritten und Filmaufnahmen. Dabei ist die Anzahl von Klassikern, die das Dream Team hervorbrachte, geradezu atemberaubend. Hier sind – mehr oder weniger chronologisch – meine ganz persönlichen Top 20 des King mit den Jordanaires. Viel Spaß damit ;-).

Love Me (1956): Complete Masters Boxset

Love Me

Santa Claus Is Back In Town (1957): Complete Masters Boxset

Santa Claus Is Back In Town

King Creole (1958): Complete Masters Boxset

King Creole

Weiterlesen

Elvis und The Jordanaires: Gordon Stoker in Memoriam

Am 27. März 2013 ist ein weiterer der langjährigen Weggefährten Elvis Presleys im Alter von 88 Jahren in Brentwood/Tennessee verstorben: Gordon Stoker. Als Tenor des Gesangsquartetts The Jordanaires hat Gordon Stoker ab 1956 den Sound vieler großer Elvis-Hits wesentlich geprägt – im Aufnahmestudio ebenso wie live auf der Bühne und auf der großen Kinoleinwand.

Gordon und ‚The Jordanaires‘ in der Besetzung zwischen 1954 und 1958 – im Uhrzeigersinn: Gordon Stoker,  Hugh Jarrett, Neal Matthews und Hoyt Hawkins; Foto: jordanaires.net

Gordon Stoker kam am 3. August 1924 in Gleason/Tennessee zur Welt. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf – schon im Alter von 8 Jahren sang und spielte er Orgel in der Kirche. Schon früh verdiente er sich die ersten Sporen als Pianist in The Clement Trio, war mit 15 Jahren einer der jüngsten Performer auf der Bühne der Grand Ole Opry und wurde von John Daniel für das damals in der Country-Szene sehr populäre John Daniel Quartet entdeckt. 1943 kam der Ruf von Uncle Sam an die Front – Stoker diente in der Air Force und war in Australien stationiert.

Gordon Stoker und ‚The Jordanaires‘

1945 kehrte Gordon Stoker in die USA zurück, wo er zunächst an der Oaklahoma Baptist University Psychologie, Musik und Gesang studierte. Aber die Heimat ließ ihn nicht los, 1948 siedelte er nach Nashville über, wo er zunächst sein Studium fortsetzte, jedoch letztendlich nicht abschloss. Stattdessen zog es ihn wieder zum Daniel Quartet – bis sich 1949 eine neue Chance über das Gesangsquartett The Jordanaires eröffnete.

Weiterlesen

White N.I.G.G.E.R.S und Black A.N.G.E.L.S

Quentin Tarantinos oscarprämierter Kinofilm Django Unchained hat bei Erscheinen 2012 wegen der häufigen Verwendung des Ausdrucks Nigger für heftige Emotionen in den USA gesorgt (→ Grenzgänger: Elvis Presley und Quentin Tarantino). Kein Wunder, steht das „N-Wort“ doch wie kein anderes für die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung, für Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft.

Vor allem seit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement, etwa 1955 – 1968) hat sich Nigger  zu einem Wort mit großer Symbolkraft entwickelt, die Bezeichnung einer Person als Nigger gilt als eines der schlimmsten Schimpfwörter überhaupt… und richtet(e) sich längst nicht nur gegen Afroamerikaner. Landsleute heller Hautfarbe wurden ebenso, wenn sie die einst klar gezogenen Grenzen von schwarz und weiß in einer von Rassentrennung geprägten amerikanischen Gesellschaft nicht einhielten, als Nigger bzw. white Nigger beschimpft.

Das galt auch für Elvis Presley, der ab 1954 aus Sam Phillips SUN-Studio heraus die Musikszene ordentlich aufmischte mit seinem Rockabilly-Stil, einem Mix aus „weißer“ Country-Musik und „schwarzem“ Rhythm & Blues, einem musikalischen Mix mit Hüftschwung, den es in den Augen und Ohren vieler nicht hätte geben dürfen. So mancher Bürger der Vereinigten Staaten sah durch Elvis Presley gar die nationale Sicherheit gefährdet und rief das FBI an, das daraufhin eine schöne dicke Akte über den Memphis Flash anlegte. Kaum zu glauben, aber wahr.

Ein Foto, das es eigentlich nicht geben durfte: Elvis Presley mit Fans heller und dunkler Hautfarbe am 1. Juli 1956; Foto: Alfred Wertheimer

Unerbittlich war teilweise auch die Kritik, die Mr. Presley schon früh aus Musikerkreisen entgegenschlug.  Country-Musiker Ira Louvin von den Louvin Brothers, der Mitte der 1950er mit Elvis auf Tournee war, sagte es seinem jungen Kollegen  einmal unverblümt ins Gesicht: „Well, you damn white nigger„. So mancher, der in der etablierten Country-Szene das Sagen hatte, hätte Elvis Presley gerne gleich ganz aus den Country-Musikcharts verbannt, weil er „nigger music“ sang und damit in seinen Augen das Genre degradierte (→ vgl. Michael T. Bertrand: Race, Rock And Elvis).

Auch auf der „anderen Seite“ hatte so mancher mehr als nur Bauchgrimmen angesichts des Erfolgs des Memphis Flash, der laut Joel Whitburns Chartstatistik in Hot R&B Songs 1942 – 2010 mit 24 Songs in den Top 10, davon 6 Mal Nummer 1,  bis heute der weiße Musiker mit den meisten Hits in den Rhythm & Blues-Charts ist.  Schnell stand der Vorwurf im Raum, Elvis Presley sei auch nur ein weiterer rassistischer Weißer, der sich am kulturellen Erbe der Afroamerikaner bereichere. Da half es zunächst auch wenig, dass afroamerikanische Kollegen wie B.B. King und Jackie Wilson dem Mann aus Memphis beisprangen – Jackie Wilson mit der ziemlich provokanten Aussage:

„A lot of people have accused Elvis of stealing the black man’s music, when in fact, almost every black solo entertainer copied from Elvis –  Eine Menge Leute haben Elvis beschuldigt, die Musik der Schwarzen zu stehlen, wo es doch so ist, dass fast jeder schwarze Soloentertainer Elvis kopiert.“
– Jackie Wilson

Im April 1957 veröffentlichte das Sensationsblatt SEPIA eine Umfrage unter Afroamerikanern mit dem Titel What negroes think about Elvis. Durch diese Veröffentlichung wurde das äußerst langlebige Gerücht geboren, Elvis Presley hätte bei einer Gelegenheit folgende rassistische Bemerkung vom Stapel gelassen: „The only thing negroes can do for me is shine my shoes and buy my records / Das einzige, was Neger für mich tun können, ist meine Schuhe zu putzen und meine Platten zu kaufen“.

Hier erzählt der Historiker und Autor des sehr lesenswerten Buches Race, Rock And Elvis, Universitätsprofessor Michael T. Bertrand, wie es dazu kam und was denn nun wirklich dran war an dem „Schuhputzer“-Gerücht: Weiterlesen

Grenzgänger: Elvis Presley und Quentin Tarantino

Quentin Tarantinos oscarprämierter Kinofilm Django Unchained hat vor allem in den USA für einiges an Diskussion gesorgt. Und zwar nicht nur wegen einer Reihe äußerst blutiger Filmszenen, die längst Markenzeichen des Kultregisseurs von Pulp Fiction und Inglourious Basterds  sind, sondern wegen des ungehemmten Gebrauchs des rassistisch-konnotierten Unworts Nigger in Django Unchained.

Quentin Tarantinos ‚Django Unchained‘ (2012) – Abb.: Filmdienst.de

Über 100 Mal wollen eifrige Kinozuschauer in Django Unchained das Unwort aller Unwörter, das schlimmste aller Schimpfwörter gezählt haben, das aus dem öffentlichen Leben der USA verbannt ist, wo es höchstens – sofern der Gebrauch unvermeidlich scheint – euphemistisch als „N-Wort“ Verwendung findet, sofern ihm nicht doch ein besonders cooler Hip-Hopper Exil in einem seiner provokanten Songtexte gewährt.

Vom Unwort aller Unwörter

Wenige Wörter sind so emotional aufgeladen wie Nigger – 6 Buchstaben, die wie kaum sonst etwas für die Versklavung der afroamerikanischen durch die weiße Bevölkerung in den USA stehen. Dabei bedeutetete das heutige Unwort ursprünglich nichts weiter als schwarz, leitete es sich doch vom spanischen negro (lateinisch: niger)  und französischen nègre ab, bevor es sich im amerikanischen Wortgebrauch über verschiedene Formen wie negro, neger, negar, niggur schließlich zu nigger für Personen mit dunkler Hautfarbe entwickelte. Als solches fand es noch im 19. Jahrhundert rege Verwendung in den Romanen Joseph Conrads und Marc Twains.

Seine abwertende, rassistische Bedeutung bekam es vor allem dadurch, dass Plantagenbesitzer in den Südstaaten ihre afroamerikanischen Sklaven als Nigger bezeichneten, wobei die Verwendung des Worts auch andernorts, z.B. durch britische Kolonialherren in ihren indischen Kolonien nachgewiesen ist. Nigger stand damit also nicht mehr nur für Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern – aufgrund der bedenklich verqueren Perspektive weißer Kolonialherren – für solche einer unterlegenen, minderwertigen „Rasse“.

Und damit ist das äußerst ernste Thema von Quentin Tarantinos Django Unchained – Rassismus – auch schon genannt: Hier offensichtlich ganz bewusst verpackt in einem zunächst gar nicht so ernst daher kommenden Film, der sich als Genre-Mix aus Italo- bzw. Spaghetti-Western, Blaxploitation-Movie (gemeint ist das Genre des Exploitationfilms afroamerikanischer Machart) und Südstaatendrama mit Elementen der Nibelungensaga präsentiert.

Leonardo DiCaprio, Jamie Foxx und Christoph Waltz in ‚Django Unchained‘

Eine ganz schön wilde Mischung mit vielen Stars, darunter der zweimalige Oscar-Gewinner Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Don Johnson sowie Franco Nero in einer kleinen Nebenrolle. Den Titel seines Films hat Tarantino übrigens dem bekannten Italo-Western Django des Regisseurs Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle entlehnt – ein Film, der durch seine starke gesellschaftskritische Komponente, durch seine Brutalität und seinen schwarzen Humor für Aufsehen sorgte, ähnlich wie Django Unchained heute.

Elvis bei Quentin Tarantino

Was hat das alles nun aber mit Elvis Presley zu tun? Nun, wer sich ein wenig mit Tarantino auskennt, der weiß, dass der 1963 in Tennessee geborene Regisseur und Drehbuchautor in praktisch jedem seiner Filme Verweise auf Elvis einbaut, er ist ein bekennender Fan des King mit einer großen Vorliebe für Rockabilly. Weiterlesen