Priscilla Beaulieu Presley: Elvis and Me

2015 ist ein großes Elvis-Jubiläumsjahr. In der immer noch stattlichen Fan-Community dreht sich alles um den 80. Geburtstag des King. Ein weltweites Spektakel, das sich auch die deutsche Medienlandschaft nicht entgehen lässt. Bislang geht dabei allerdings unter, dass eine der langjährigen Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung Elvis Presleys in diesem Jahr ebenfalls einen runden Geburtstag feiert: Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – wird am 24. Mai 70 Jahre alt.

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. Das kommt tatsächlich hin, auch wenn aus ihrem Gesicht jede Spur des Alters längst getilgt ist. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute fast so zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wer am 3. Januar 2015 zur besten deutschen Sendezeit das mehrstündige Elvis-Special auf VOX gesehen hat, der ahnt, dass die alterslose Priscilla Presley eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres  Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Obwohl Töchterchen Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten –  heute mit mittlerweile 47 Jahren ihr Erbe längst angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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Rassismus im Western Flaming Star: Elvis als Pacer Burton

Der Western Flaming Star (Flammender Stern, 1960) mit Elvis Presley in der Hauptrolle als Halbblut Pacer Burton ist gleich in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Außerhalb der Fangemeinde Elvis Presleys ist der Film heute kaum noch ein Begriff und dennoch sorgt die Figur des Pacer Burton regelmäßig für Schlagzeilen.

Elvis Presley als Pacer Burton in 'Flaming Star'

Gebrochener Held: Elvis Presley als Pacer Burton in ‚Flaming Star‘

Allerdings nicht für Schlagzeilen in Film- oder Musikkreisen, sondern in der internationalen Kunstszene, hat ihn doch ausgerechnet Pop Art-Genie Andy Warhol in seinen Siebdrucken eindrucksvoll verewigt und damit Kunstwerke geschaffen, für die  heute bis zu 100 Millionen USD gezahlt werden. Nun sind Elvis Presley und Andy Warhol als „Kings of Popular Art des 20. Jahrhunderts“ nachvollziehbar eine potente Mischung, aber was hat das jetzt genau mit einem fast vergessenen Western zu tun, der im Jahr 1878 spielt und der noch dazu alles andere als ein typisches Elvis-Musical ist, wie etwa der → Pop Art-Klassiker Viva Las Vegas (1964)?

Warum hat Warhol ausgerechnet ein Pressefoto des an der Kinokasse nicht besonders erfolgreichen Westerns Flaming Star (→ Elvis in Hollywood) – produziert 1960 von David Weisbart für die Twentieth Century Fox – als Vorlage für seine millionenschwere Elvis-Siebdruckreihe (1963) gewählt? Wäre nicht ein Motiv aus legendären Filmen des King wie Jailhouse Rock (1957) oder King Creole (1958) wesentlich naheliegender gewesen? Eine mögliche Antwort liegt in Warhols Siebdruck selbst und dem Hauptthema des Films Flaming Star: Rassismus.

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Triple Elvis: Andy Warhols Westernheld

73 zum 1., zum 2. zum 3.! Mit Wucht knallt Auktionator Jussi Pylkkänen seinen Hammer auf das Mahagonipult vor sich und besiegelt damit das Schicksal von Lot 9. Es ist der 12. November 2014 in New York, der Auktionssaal bei Christie’s im Rockefeller Center ist mit 600 betuchten Kunstliebhabern gut gefüllt, weitere Sammler aus 43 Ländern sind per Telefon zugeschaltet. Die mit Spannung erwartete, besondere Attraktion des Abends: 2 Siebdrucke von Pop Art-Künstler Andy Warhol aus deutschem Besitz – genauer aus dem Fundus der zur NRW.Bank gehörenden Spielcasinogruppe Westspiel – stehen zur Versteigerung an.

Schon Wochen vorher hatte die Versteigerung, mit der sich die finanziell angeschlagene Westspiel-Gruppe sanieren möchte, vor allem in der bundesdeutschen Politik und Kulturszene für Schlagzeilen gesorgt. Von Raubbau und Sündenfall war vielerorts die Rede, genützt hat es nichts. 100 Millionen USD erhoffte sich Westspiel im Vorfeld von den beiden Warhols, die Ende der 1970er zur Dekoration des zur Gruppe gehörenden Spielcasinos in Aachen für weniger als 200.000 angeschafft worden und seit 2009 wegen ihrer immensen Wertsteigerung eingelagert waren.

  • Christie-Auktionator Pylkkänen bei der Versteigerung der Westspiel-Warhols in New York, 12. November 2014

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Elvis Presley Song by Song: A Study in Music

Am 8. Januar 2015 würde Elvis Aaron Presley seinen 80. Geburtstag feiern, wäre er nicht schon 1977 im Alter von nur 42 Jahren verstorben. Kaum jemand bezweifelt heute noch, dass der Memphis Flash zu den bedeutendsten Vertretern der Rock- und Popkultur des 20. Jahrhunderts gehört.

Der bekannte Musikjournalist → Ernst Hofacker (Von Edison bis Elvis, Reclam 2012)  spricht stellvertretend für viele von Elvis als einem „Urknall der Popkultur“, dessen Megaerfolg – neben kulturhistorischen und technischen Entwicklungen – auf eine ganze Reihe persönlicher Voraussetzungen zurückzuführen ist. Elvis, so Hofacker, sah nicht nur „blendend“ aus, er trug auch die „richtige Mischung an halbstarkem Selbstbewusstsein und romantischer Verletzlichkeit“ zur Schau, war eine „Naturbegabung als Entertainer“ mit „überwältigendem Charisma“ und „obendrein ein hochbegabter Sänger mit intuitivem Verständnis für die verschiedensten Stile“.

Elvis hört Elvis bei der Aufnahmesession von 'Hound Dog/Don't Be Cruel' 1956 - Foto 'Scream' von Fotograf Alfred Wertheimer

Der „hochbegabte Sänger“ hört sich selbst bei der Aufnahmesession von ‚Hound Dog/Don’t Be Cruel‘ in New York 1956 – Foto ‚Scream‘ (Schrei) von Alfred Wertheimer

Das klingt fast schon hymnisch. Und viel Hymnisches darf auch zum 80. des King wieder erwartet werden, wenn weltweit Popkulturliebhaber, Musikjournalisten und so ziemlich jeder, der eine Tastatur in Griffnähe hat, dieses Ereignis feiern wird, indem er oder sie die ohnehin schon endlos lange Liste an Veröffentlichungen über Elvis Presley entschlossen erweitert.

Doch ein Aspekt, den Hofacker in seiner hymischen Aussage verpackt hat, wird bei alldem wahrscheinlich erneut eine eher untergeordnete Rolle spielen: „der hochbegabte Sänger“. Denn Elvis kennt zwar (fast) jeder, das aber vor allem als Mythos, als eine Überfigur, der  – wie → Filmhistoriker Björn Eckerl es ausdrückt – kaum noch jemand wirklich zuHÖRT.

Schon vor langer Zeit haben die Anekdoten über den Liebhaber schneller Autos (→ Elvis‘ gelebte Auto Emoción), den König des Spielerparadieses Las Vegas (→ Meet and Greet the King), den exzentrischen Frauenliebling mit Hang zu gesundheitsschädlichen Konsumgewohnheiten (→ Elvis in der Werbung: Geht’s noch?), der Musik den Rang abgelaufen. Elvis-Biograf Peter Guralnick spricht in seiner umfangreichen Biografie von der „Kakophonie der Stimmen“, die niemals zu verstummen scheint und das Ohr auf das Eigentliche verstellt: Elvis Presleys Musik.

Tatsächlich gibt es unter den vielen Veröffentlichungen über den Memphis Flash (→ Interview mit Elvis-Buch- und Filmliebhaber Nigel Patterson) nur eine kleine, aber feine Auswahl von Publikationen, deren Autoren sich gerade damit kenntnisreich beschäftigen. Und genau diesen meist wenig bekannten Veröffentlichungen möchte ich eine Reihe widmen.

Ich starte mit einem Buch, dessen Erstausgabe mich vor allem durch seinen Minimalismus beeindruckt. Es ist so leise, dass es in der erwähnten Kakophonie seit Jahrzehnten kaum Gehör findet, ebenso wenig wie der Gegenstand seines Themas: Elvis Presley: A Study in Music von Robert Matthew-Walker.

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Kings Town!

Am Rathaus sind die Elvis-Fahnen gehisst, ein → pinkfarbener Cadillac biegt langsam in die Terrassenstraße ein und eine hübsche Frau überquert mit wippendem Petticoat den Zebrastreifen Richtung Kurpark. Klarer Fall: Der Startschuss für das → 13. European Elvis Festival ist gefallen. Der King hat den Bürgermeister kurzerhand in Urlaub geschickt und vom 15. bis 17. August 2014 die Amtsgeschäfte in Bad Nauheim übernommen… Das Ganze mit ordentlich Wumms, wie sich das gehört für den King of Rock ’n‘ Roll. Für 3 volle Tage wird Bad Nauheim zu Kings Town.

13. European Elvis Festival: Bad Nauheim hisst die Elvis-Fahne

13. European Elvis Festival: Das Bad Nauheimer Rathaus hisst die Elvis-Fahne – Foto: The Memphis Flash

Im Schlepptau hat der King nicht nur alte Weggefährten wie den Fotografen und Dokumentarfilmer Alfred Wertheimer, sondern auch ein Gefolge von etwa 6.000 Fans aus ganz Europa und sogar den USA, das wie ein gut gelaunter Heuschreckenschwarm in die ansonsten beschauliche Kurstadt einfällt und ihr den Stempel aufdrückt. Kings Town eben.

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European Elvis Festival 2014: Frauenpower für den King!

Maria Hesterbergs Schopf mit den feuerroten Haaren hat Signalwirkung. Begeisterung und Dynamik bis in die Haarspitzen strahlt die 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e.V. aus, als sie gut 4 Wochen vor dem Start des 13. European Elvis Festivals 2014 in Bad Nauheim mit Katja Heiderich, der attraktiven Geschäftsführerin der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH, zusammensitzt, um  letzte Vorbereitungen für das wohl bedeutendste Elvis-Festival in Europa zu besprechen.

Ein starkes Team: Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft, und Katja Heiderich, Geschäftsführerin der Bad Nauheim Stadmarketing und Tourismus GmbH

Ein starkes Team: Maria Hesterberg (links), 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e.V., und Katja Heiderich, Geschäftsführerin der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH, im Juli 2014; Foto: www.memphisflash.de

Viel zu besprechen gibt es zwischen den beiden Powerfrauen, die sich ganz offensichtlich ausgezeichnet verstehen, in der Tat. Denn das 3-tägige Programm des 2002 ursprünglich von einem lokalen Fanclub ins Leben gerufenen Festivals ist in 2014 wieder prall gefüllt. Der Startschuss fällt in diesem Jahr schon am 14. August mit der beliebten Führung Hans Ulrich Halwes auf den Spuren Elvis Presleys durch Bad Nauheim und endet mit einem stimmungsvollen Fackelzug zum Johannisberg am 17. August 2014.

Dazwischen liegen 3 Tage Spaß, Unterhaltung und viel Musik vom legendären Original, von bekannten Cover-Bands, Fotoausstellungen, Kinoveranstaltungen, Talkrunden mit Weggefährten Elvis Presleys, Oldtimerparaden, Modenschauen und vielem mehr → Nachlese European Elvis Festival 2012, → Talkrunde mit Elvis Presleys Originalmusikern 2013. Wer in das Lebensgefühl der 1950er bis 1970er eintauchen möchte, findet hier ausreichend Gelegenheit dazu.

Hauptanlaufpunkt ist das Festivalzentrum auf dem Gelände des Hotel Dolce, wo die meisten Veranstaltungen stattfinden und wo sich auch der beliebte Fan-Markt befindet – mit allem, was Elvis-Aficionados lieben →  hier geht’s zum detaillierten Programm des European Elvis Festivals 2014.

Frauenpower: im Gespräch mit Maria Hesterberg und Katja Heiderich

Was aber macht das Elvis-Festival in Bad Nauheim so einzigartig im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen, die jedes Jahr in aller Herren Länder stattfinden, will ich bei einem Gespräch im Vorfeld des Festivals von Katja Heiderich und Maria Hesterberg wissen. Schließlich repräsentieren die beiden Powerfrauen mit der Stadt Bad Nauheim und der Bonner Elvis Presley Gesellschaft (EPG) die ideellen und finanziellen Hauptträger des jährlichen Festivals.

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Understanding Elvis: Interview with Nigel Patterson

One of the most amazing things about Elvis Presley are his fans. The amount of creative, well-educated and dedicated people among them who manage to do continuous in-depth research and writing about the man besides having successful professional careers and active family lives is simply astounding. One of their key figures who for decades has helped to better understand Elvis Presley’s life, career and cultural impact on many different levels is Nigel Patterson from Australia. The Memphis Flash has talked to the Elvis expert about his passion for the King and what interests him most: Elvis‘ films and books.

The Memphis Flash: Nigel, most English-speaking Elvis aficionados are familiar with you as Honorary President of the Elvis Information Network (EIN), an Australian fan club that runs one of the, if not the most prolific and informative websites on Elvis Presley: www.elvisinfonet.com. Apart from that, not too much is known about you (at least not in Germany). Please do tell us more about yourself, your background and what made you such an expert on everything Elvis.

Nigel Patterson: I am originally from Northern Ireland and my family moved to Canberra, capital city of the “lucky country”, Australia, in the early 1960s.  While I knew of Elvis and seen some of his movies I did not become a fan until early 1969 when on a school excursion to Griffith, a small town in the winery region of country New South Wales. As I would learn later Griffith was also a hot spot for dope production in Australia (but I digress)!  While on the bus we were listening to 2CA, the only commercial radio station in Canberra at the time, and Edge of Reality came on.  I was hooked the moment I heard it and my interest in things Elvis quickly grew from there.

The Memphis Flash: Sounds like a fun way of being introduced to Elvis ;-). The psychedelic Edge Of Reality from the movie Live A Little, Love A Little (German: Liebling, laß‘ das Lügen, 1968) was a hit in Australia, right? It’s relatively unknown in Germany though. Let’s give it a listen.

Audio Edge of Reality – Complete Masters

 

The Memphis Flash: How was being an Elvis fan like in Australia in the late 1960s?

elvis-monthly-1960Nigel Patterson: Living “downunder” in a snail mail and pre-Internet time we relied on primarily newspapers and magazines for our news of overseas stars.  I started buying the newsstand magazine Elvis Monthly (which, due to its small size, fitted nicely into the inside pocket of my school jacket and served me well when I became bored with scholarly instruction), subscribed to Rocky Barra’s Strictly Elvis and submerged myself in various popular Aussie magazines including Movie News, Everybody’s and the Australasian Post, as they regularly featured Elvis on their cover and had feature articles inside.

In the early 70s I joined my first Elvis fan club, run by Bob Stephens in Sydney and I started contributing to Rex Martin’s fantastic Worldwide Weekly Elvis News Service and later Elvis Monthly.

The Memphis Flash: Some great magazines that have iconic status among fans today. I’ve seen that there is an → interesting interview with Rocky Barra, the guy behind Strictly Elvis, on EIN. Besides magazines films soon became another great interest of yours?

Nigel Patterson: From my childhood years growing up during the silver age of television I always had a fascination with TV shows and films.  In the late 1970s-early 1980s I became a reviewer for the Brisbane Film Group (BFG) enjoying working “flexi-time” (before it was introduced to the bureaucracy) as I was given free tickets to watch and review films screening usually at 11 am in the morning. I remember the first time I asked my boss if I could take an early, long lunch and he looked at me as if I was from another planet! In those days we had a regimented 12:30-1:30 lunch period.  A few years later flexitime was the norm.  Most of my reviews for the BFG were of horror movies as classic titles like Halloween, Friday the 13th, Prom Night and the underrated Happy Birthday To Me were enjoying peak popularity.  My involvement with the Brisbane Film Group was the genesis of my interest in a more analytical approach to the Elvis film canon.

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Viva Las Vegas: Starvehikel mit Kultcharakter

Böse Zungen behaupten ja gerne, dass die meisten Filme mit Elvis Presley in der Hauptrolle keine richtige Handlung haben… Das mag überspitzt ausgedrückt sein, grundsätzlich falsch ist es aber nicht. Denn in in einem klassischen Elvis-Musical, wie etwa dem Pop Art-Klassiker Viva Las Vegas (Tolle Nächte in Las Vegas, 1964), sind Handlung und fiktive Hauptfigur des Films dem Star Elvis Presley klar untergeordnet. Und das ist auch so gewollt – vor allem vom Publikum.

Auch als Rennfahrer Lucky Jackson in 'Viva Las Vegas' bleibt Elvis Presley immer Elvis

Auch als Rennfahrer Lucky Jackson in ‚Viva Las Vegas‘ bleibt Elvis unverkennbar Elvis

Man kann daher auch sagen: Elvis ist die Handlung: Ohne ihn gäbe es die meisten seiner Filme nicht. Remakes von klassischen Elvis-Musicals sind deshalb nicht zu erwarten, obwohl die Filme lange sehr erfolgreich waren (→  Elvis in Hollywood: Interview mit Paul Simpson), bis heute regelmäßig im TV laufen, Hollywood Erfolgsrezepte bekanntermaßen gerne unendlich reproduziert und Elvis Presley nach wie vor als Superstar gilt. Aber ein Starvehikel ohne den originären Star? Das funktioniert nicht.

Überhaupt das „Starvehikel“. Von Filmkritikern wird es in der Regel abgetan als nicht weiter erwähnenswertes Massenprodukt für das „einfache Volk“, das keinen höheren künstlerischen Ansprüchen genügen kann, weil es ja nur um einen Star geht, der einfach sich selbst spielt – immer wieder, quasi in Serie.

Diese bestens etablierte Sichtweise wird heute zunehmend kritisch hinterfragt (→  Viva Las Vegas – ein Pop Art-Klassiker wird 50, James L. Neibaur: The Elvis Movies, → Björn Eckerl: Elvis im Kino), etwa von der Filmdozentin Susan M. Doll, die u.a. für Turner Classic Movies schreibt und sich auch mit den Filmen Elvis Presleys intensiv auseinandergesetzt hat. Hier ein längeres Zitat aus dem Filmkapitel ihrer sehr empfehlenswerten, aber leider wenig bekannten Veröffentlichung Understanding Elvis: Southern roots vs. star image (1998):

„Because most of Presley’s films were vehicles, his star image overshadows any fictional character he might play, which is precisely the point. Audiences went to see Elvis Presley, not to see him submerged into the personality of a fictional character. Presley’s star image defined his movie roles and vice versa. […]

A star’s appearance in a vehicle works in a specific fashion. The consistent use of a star and his/her image in a series of films tailored to the star’s talents establishes expectations in regard to subsequent films. Audiences expect each new film with that star to contain certain aspects associated with him/her. The star’s image provides direct entry into the vehicle. The narrative needs little in the way of exposition. Also by continually associating a star with a series of vehicles, the star’s image merges or fuses into the character type associated with those vehicles. Thus, the star’s image slides connotatively into character, and by extension, into narrative function. Star image, then, can act as the synopsis of the plot of any vehicle in which that star appears. […]

Film reviewers and other culture critics have inferred from this tendency that the star of a vehicle never really engages in acting, but merely plays himself. The star is generally criticized for this. Also the repetition of similar characteristics from vehicle to vehicle invites severe criticism from reviewers. The more the audience responds to a vehicular formula by making these films hits at the box office, the less likely the conventions for a star’s vehicles will change.

The narrow scope of a set of vehicles in terms of conventions, the blurring of star’s image into character, and the frequent repetition of conventions are inherent in the nature of the film vehicle. High-brow reviewers – or, in the case of Presley, rock music historians and certain biographers – who consider film vehicles inferior because of these characteristics are naive. Criticizing the star of a vehicle for playing himself, or attacking a film vehicle for being repetititve, is like criticizing a tiger for having stripes. It is the nature of the beast.“

– zitiert nach Susan M. Doll: Understanding Elvis: Southern roots vs. star image, 1998

Was heißt das nun aber genau für das klassische Elvis-Musical, für einen Film wie Viva Las Vegas? Es bedeutet, dass man den Film innerhalb seines Genres bewerten muss, also danach wie gut oder schlecht er sein Ziel erreicht, nämlich das bestimmende Handlungselement, den Star bzw. dessen Starimage, überzeugend zu präsentieren. Alles andere macht, wie Susan Doll nachvollziehbar ausführt, schlicht keinen Sinn.

Viva Las Vegas: Elvis hoch 2 in Action

Noch viel besser als 1 Elvis sind 2: Ann-Margret und Elvis als doppelter Elvis in Viva Las Vegas

Und bei Viva Las Vegas haben sich der musicalerfahrene Co-Produzent/Regisseur George Sidney und sein Team ganz schön was einfallen lassen, um dem Anfang der 1960er etablierten Elvis-Musical noch mal ordentlich auf die Sprünge zu helfen und dabei dennoch das Elvis-Image dieser Zeit gekonnt einzubinden. Schon in den ersten Minuten des Films wird das Starimage Elvis Presleys und damit die Handlung auf den Punkt genau gesetzt.

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Elvis Presley On Stage 2014

Dieser Tage hat Elvis Presley wieder mächtig viel zu tun. Gerade erst hat er eine Europa-Tournee absolviert, die ihn mit 5 Konzerten auch nach Berlin, Hamburg, Halle, München und Mainz führte. Ähhh, wie bitte? Ist das ein schlechter Scherz? Oder hatte hier jemand eine außerirdische Erscheinung infolge eines Sonnenstichs, was bei den aktuellen Temperaturen bei uns ja durchaus denkbar wäre…

Elvis On Stage 2014

Elvis On Stage 2014

Aber nein, der King, 1977 viel zu früh verstorben, tourt posthum. Das macht er regelmäßig seit Ende der 1990er, in Deutschland zuletzt 2012 mit Originalmusikern seiner Band ab 1969 (→ Elvis in Concert rockt Deutschland, → Elvis‘ TCB-Band).

Das Prinzip dabei ist einfach wie genial: Band, Backgroundsänger und Orchester spielen live und Elvis wird per großer Videoleinwand optisch und per separierter Tonspur akustisch mit Original-Liveaufnahmen aus dem Zeitraum 1968 bis 1973 zugespielt. Klingt gut. Wer Elvis kennt, weiß, der King war eine stimmgewaltige, humorvolle Rampensau erster Güte, die ständig mit Band und Publikum interagierte. Kurz: hörens- und sehenswert.

Elvis, das Original, in seinen Element – 1970

Nun ist aber in den letzten Jahren ein kleines, aber nicht unerhebliches Problemchen aufgetaucht, welches das lange sehr erfolgreiche Konzept von → Elvis In Concert unter der Ägide von Stig Edgren von SEG Events und Elvis Presley Enterprises erschwert. Die Originalmusiker Elvis Presleys sind nämlich unübersehbar in die Jahre gekommen, teilweise gesundheitlich angeschlagen oder schon verstorben, während der per Videoleinwand transportierte King ein ewig knackiger Mitt- bis Enddreißiger bleibt…

Ein neues Konzept muss also her. Und genau das kann man Anfang Juni 2014 in Deutschland sehen, etwa in der Rheingoldhalle in Mainz, deren Sitzplatzkapazität etwa zu 75 Prozent mit Fans und Neugierigen gefüllt ist. Das Publikum ist deutlich 40+ mit einigen Endzwanzigern und Dreißigern darunter.

Elvis On Stage 2014 oder bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe

Das neue Konzept zeigt Elvis als Videoprojektion auf einer transparenten Leinwand, hinter der ich schemenhaft eine junge Band mit Backgroundsängern und Orchester erkennen kann. Neu ist bei Elvis on Stage 2014 gegenüber Elvis in Concert 2012, dass Elvis überlebensgroß  – und reichlich pixelig, d.h. zu niedrig aufgelöst – auf einer die volle Breite der Bühne abdeckenden, großen Leinwand klar im Vordergrund steht, während die Band dahinter praktisch nicht zu sehen ist. Nur in wenigen Sequenzen dürfen einzelne Bandmitglieder vor den großen transparenten Vorhang – und genau dann wirkt das neue Konzept am stimmigsten.

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Buchtipp: The Elvis Movies von James L. Neibaur

Elvis was always a good actor, but the material was not always on his side.“ Dieses Statement klingt kühn. Kann das wirklich ernst gemeint sein? Das kann doch nur von einem beinharten Elvis-Fan mit rosaroter Brille auf der Nase kommen, der sich weigert, eine längst anerkannte Tatsache zu akzeptieren, die da lautet: Der Schauspieler Elvis Presley ist einfach nicht der Rede wert (→ Elvis in Hollywood).

Filmhistoriker James L. Neibaur

Filmhistoriker James L. Neibaur

Weit gefehlt! Wer sich hier so kühn aus dem Fenster lehnt, ist der bekannte Filmhistoriker James L. Neibaur in seinem gerade erst erschienenen Buch The Elvis Movies (2014).

Neibaur ist kein ausgewiesener Elvis-Aficionado, sondern hat sich vor allem einen Namen als Autor von Büchern über die Filme Charlie Chaplins, Buster Keatons, Bob Hopes, Harry Langdons und James Cagneys gemacht. Aktuell arbeitet er an einem weiteren Buch über die Filme Clint Eastwoods.

Mit über 40 Essays in der angesehenen Encyclopedia Britannica ist Neibaur wahrlich kein intellektuelles Leichtgewicht. Wie kommt er also zu der eingangs zitierten kühnen Aussage über den  Schauspieler Elvis Presley, bekannt vor allem als Darsteller seichter Unterhaltungsfilme? Ganz einfach: Der Filmkenner hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, ganz offensichtlich auch alle (!) 31 Spielfilme plus die Konzertdokumentationen genau angeschaut und selbst detailliert analysiert.

Seine Erkenntnisse präsentiert Neibaur in The Elvis Movies  auf 281 Seiten in 36 klar strukturierten Kapiteln, wobei jeder Spielfilm sein eigenes Kapitel hat. Die Konzertdokumentationen sind in einem weiteren Abschnitt zusammengefasst. Einleitende und abschließende Kapitel sowie Fußnoten und ein Literaturverzeichnis runden die Publikation ab. Die Filme werden chronologisch vorgestellt, was der Übersichtlichkeit dient und die Fülle der Information auch für diejenigen Leser verdaulich macht, die keine ausgewiesenen Elvis-Kenner sind.

Hilfreich ist auch, dass Neibaur seine Ausführungen zu den Filmen neben einer  Inhaltsangabe immer wieder kurz und knapp mit Informationen zur Karriere des Musikers Elvis Presley (Studioalben, ’68 Comeback-Special) ergänzt, was eine zeitliche und inhaltliche Einordnung erleichtert und so manches erstmals richtig nachvollziehbar macht. Dennoch liegt Neibaurs Fokus klar auf den Filmen selbst, auf die Soundtracks geht er nur am Rande ein, listet allerdings alle Filmsongs jeweils in den Kapitelanfängen zusammen mit den Übersichtsangaben zu Filmcrew, Drehzeitraum und Budget.

Elvis als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem wahrscheinlich besten Elvis-Musical

Elvis gibt alles als Lucky Jackson in Viva Las Vegas, dem Pop Art-Klassiker unter den  Elvis-Musicals

The Elvis Movies ist kein Fotobuch, nein hier geht es in erster Linie um Inhalte, wie auch in Paul Simpsons ebenfalls sehr empfehlenswerter Publikation Elvis Films FAQ (2013)! Neibaurs Buch ist gut geschrieben, liegt aktuell jedoch nur in englischer Sprache vor. Der Erzählstil ist unaufgeregt sachlich, dabei nicht langweilig. Man merkt: Hier nimmt einer sein Thema wirklich ernst.

Der Autor beschönigt nicht, aber er macht den Verlauf von Elvis Presleys Filmkarriere nachvollziehbar: von den vielversprechenden Anfängen in den 1950ern über die formelhaften, lange sehr erfolgreichen Musicals der 1960er, die in eine künstlerische Sackgasse führten, bis hin zu dem zaghaften, aber vielversprechenden Neuanfang, der in den letzten Spielfilmen Ende der 1960er (→ The Trouble With Girls) zu erkennen ist.

Dass Neibaur in seinen Ausführungen auf den erhobenen Zeigefinger, das Besserwissertum in Form von „Hättest du mal besser, Elvis“, verzichtet, also keinerlei Überheblichkeit oder gar Herablassung erkennen lässt, macht das Buch auch für einen passionierten Fan zu einer gut verdaulichen Lektüre.

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Viva Las Vegas: ein Pop Art-Klassiker wird 50!

Vor 50 Jahren, am 20. Mai 1964, lief Viva Las Vegas – Elvis Presleys 15. Hollywoodfilm – in den amerikanischen Kinos an. Deutschlandpremiere war am 24. Juli unter dem Titel Tolle Nächte in Las Vegas. Höchste Zeit für eine Hommage an einen unterhaltsamen Filmklassiker und seine beiden charismatischen Hauptdarsteller: Elvis Presley und Ann-Margret Olsson!

Nose to nose: Ann-Magret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in Viva Las Vegas

Ann-Margret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in ‚Viva Las Vegas‘ (1964)

2 echte Klassiker hat Elvis Presleys vielgeschmähte Hollywoodkarriere (→ Elvis in Hollywood, → Elvis im Kino) hervorgebracht, da sind sich Filmhistoriker mittlerweile ziemlich einig: → Jailhouse Rock (1957), der Rock ’n‘ Roll-Film schlechthin – 2004 ins Nationale Filmregister der USA als kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevanter Film aufgenommen – und… Viva Las Vegas (1964), ein klassisches Elvis-Musical der 1960er.

Nun könnten die Filme auf den ersten Blick unterschiedlicher gar nicht sein: der eine ein musikalisch unterlegtes Drama um einen „angry young man“ in der Tradition von Dean und Brando, der andere eine farbenfrohe Musikkomödie um einen Rennfahrer, der sein Glück ausgerechnet in Las Vegas findet. Können die wirklich in einer Liga spielen? Und ob. Viva Las Vegas gilt unter amerikanischen Filmhistorikern heute als „a visionary cultural artifact“, konkreter ausgedrückt als:

„A fully realized example for the early- to mid-’60s pop art movement, in its cinematic specifics it signifies every American fantasy of innocence and lust, flawless beauty and easy money, good times and charmed lives.“

– zitiert nach Douglas Brode: Elvis Cinema and Popular Culture, 2006

Viva Las Vegas wird also als filmische Pop Art erster Güte geschätzt, was Andy Warhols guten Riecher (→ Elvis und Andy Warhol: Kings of Popular Art) einmal mehr bestätigt. Eine Bewertung, der sich – in anderen Worten – auch Filmhistoriker James Neibaur → The Elvis Movies und Film-Aficionado → Paul Simpson in ihren Veröffentlichungen anschließen.

Viva Las Vegas: Spotlight Filmcrew

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, denn bei Viva Las Vegas – eine Produktion der MGM unter der Regie des Filmproduzenten und Regisseurs George Sidney – war eine Filmcrew am Werk, die den Auftrag, eine unterhaltsame, zeitgemäße Musikkomödie zu schaffen offensichtlich nicht nur ernst nahm, sondern mit den vorhandenen Mitteln auch kreativ umzusetzen wusste.Das ist vor allem bei den Gesangs- und Tanznummern von Elvis und Ann-Margret zu sehen.

Herausgekommen ist ein Film-Musical, das dem Team um Hollywoodproduzent Hal Wallis, der als eigentlicher Erfinder des Elvis-Musicals (G.I. Blues, Blue Hawaii, → Fun In Acapulco) gilt, zeigte, wie man’s besser machen kann.

My baby loves me: Ann-Magret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

My baby loves me: Ann-Margret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

Mit Ann-Margret Olsson besetzte Viva Las Vegas nur 1 weibliche Hauptrolle, während sich sonst in einem Elvis-Film gleich eine ganze Riege mehr oder minder bekannter (und begabter) Darstellerinnen die Klinke in die Hand gaben. Ann-Margret jedoch war 1963 selbst schon ein Star und konnte dem King das Wasser reichen, was Leinwandpräsenz und Musikalität anging.

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