Einmal in Elvis‘ Bett schlafen

Einmal in Elvis‘ Bett schlafen oder auf demselben grünen Sofa ein Nickerchen halten. Diesen Traum können sich die deutschen Fans des King demnächst ganz leicht erfüllen.

Elvis lesend auf dem grünen Sofa im Bad Nauheimer Hotel Grunewald – Foto: Elvis As Any Other Soldier von Jerry Osborne

Der Clou: Sie müssen dafür nicht weit reisen. Es reicht ein Trip in die Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim, wo Elvis während seines Militärdienstes in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 seine Zelte aufschlug.

Rechtzeitig vor dem 40. Todestag des King wird dort nämlich im August 2017 die Villa Grunewald nach Jahren des Leerstandes als Hotel und Boarding House neu eröffnet, wie die Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH mitteilt.

Das Hotel Grunewald in unmittelbarer Nähe des Kurparks in Bad Nauheim heute – Foto: www.memphisflash.de.

Das Grunewald ist das Hotel, in dem Elvis mit seinem Vater, seiner Großmutter und den Freunden Lamar Fike und Red West vom Herbst 1958 bis Anfang 1959 für etwa vier Monate wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 anmietete.

Im Grunewald hatte der King eines der schönsten Zimmer mit Blick auf den Kurpark – das Zimmer Nummer 10 im obersten Stockwerk des alterwürdigen Hotels. Und genau dieses Zimmer kann man ab August 2017 wieder als Hotelgast bewohnen.

Elvis‘ Zimmer Nr. 10 im Hotel Grunewald – Foto aus 2011: Winfried Eberhardt

 

Zum Vergleich: Red West hat es sich auf Elvis‘ Bett im Zimmer Nr. 10 gemütlich gemacht – 1958/59 – Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010.

Villa Grunewald: King’s Castle

Vor zwei Jahren war das Grunewald, das heute noch fast genau so aussieht wie zu der Zeit, als Elvis hier residierte, von den Bad Nauheimer Architekten Alfred und Christian Möller gekauft worden.

Das stadtbildprägende Haus in der Terrassenstraße 10 aus dem Jahr 1888 hatte nach dem Auszug der inzwischen verstorbenen früheren Eigentümerin Rita Issberner-Haldane seit 2011 leer gestanden. Eine Wiedereröffnung als Hotel unter Beibehaltung des historischen Ambientes bot sich an.

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Buchtipp: Elvis A Life In Music 2017

Nehmen wir mal an, Elvis Presley würde tatsächlich noch leben und käme – mittlerweile jenseits der 80 Lenze – während einer seiner schlaflosen Nächte so richtig ins Grübeln, bei welcher seiner zahlreichen Aufnahmesessions er denn eigentlich den Song Let Yourself Go aufgenommen hatte. War das nicht eine dieser Soundtracksessions für seine Filme? Aber welche bloß? Es gab ja so viele…

Und hatte er den Song nicht auch noch ein zweites Mal aufgenommen? Zu einem späteren Zeitpunkt – mit anderen Musikern? Aber wann und zu welchem Anlass nochmal? Welche Aufnahme von Let Yourself Go erschien erstmals auf Single, EP, LP, oder CD? Wer kann sich so was auch merken bei mehr als 700 Songs und ihren diversen Versionen, die zudem seit Jahrzehnten in ständig neuen Zusammenstellungen auf den Markt kommen?

Dergestalt um seinen königlichen Schlaf gebracht, hätte der King natürlich mehrere Optionen, um der quälenden Grübelei ein Ende zu setzen. Er könnte beispielsweise auf YouTube nachschauen. Mit ein bisschen Glück ergäbe das zumindest den richtigen Erinnerungsstups, welcher Film und welches TV-Special eine Rolle spielen. Aber auf den Rest seiner Fragen würde er weder dort noch auf einer anderen Website so schnell verlässliche Antworten finden.

Sach‘ ma‘, Ernst!

Nein, um es ganz genau zu wissen, würde der King wohl eher sein eigens für ihn designtes Smart Phone zücken und die Kurzwahl einer Nummer im fernen Dänemark anwählen. Dort wäre ein gewisser Ernst Jørgensen sicher hocherfreut über seinen Anruf und könnte das „Problemchen“ in Sekundenschnelle lösen.

Ernst Jorgensen mit einer seiner vielen Veröffentlichungen

Der Däne ist nämlich sozusagen das wandelnde Gedächtnis aller Elvis-Aufnahmesessions, Hüter des 1999 gegründeten Elvis-Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) unter dem Dach von Sony und Herausgeber einer ganzen Latte namhafter Elvis Presley-Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre, darunter Young Man With The Big Beat, A Boy From Tupelo, Elvis At Stax, Prince From Another Planet, Way Down In The Jungle Room und Taking Care Of Business – In A Flash.

Außerdem ist Jørgensen nicht nur qua Beruf Kenner des Memphis Flash, er ist auch einer seiner größten Fans und recherchiert schon seit seinen Schultagen in den 1960ern, also seit gut einem halben Jahrhundert, zu den Aufnahmesessions seines Lieblingsmusikers.

Wer allerdings nicht den königlichen Luxus genießt, Ernst Jørgensens Wissen telefonisch oder gleich persönlich anzapfen zu können, so nach dem Motto „Sach‘ ma, Ernst“, der musste sich bislang mit den englischsprachigen Veröffentlichungen des Dänen zur den Aufnahmesessions des King begnügen. Die gibt es nämlich auch.

Am weitesten verbreitet dürfte Jørgensens Standardwerk Elvis Presley A Life In Music. The Complete Recording Sessions sein, erschienen 1998 und geadelt mit einem Vorwort von Elvis-Biograf Peter Guralnick (Last Train To Memphis, The Unmaking of Elvis Presley).

Schade nur, dass Elvis Presley A Life In Music mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und leider keine Erkenntnisse enthält, die Ernst Jørgensen aus seiner Arbeit für das Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream gewonnen hat, in dem mittlerweile rund 200 CD-, LP- und Buchveröffentlichungen für den leidenschaftlichen Elvis-Aficionado und -Sammler erscheinen sind. Und für eine überarbeitete Fassung seines Standardwerks hat der Hüter von Elvis‘ musikalischem Vermächtnis selbst schlicht keine Zeit – der Elvis der Gegenwart hält den Mann auf Trab.

Der Helmut macht’s

Genau dieser Umstand brachte einen weiteren Elvis-Kenner auf den Plan, nämlich Sammler Helmut Radermacher (→ Interview mit Helmut RadermacherElvis the King: Die Hits der deutschen Charts), der als der „deutsche Ernst Jørgensen“ gilt und sich fast noch länger als sein dänisches Pendant mit den vielen Aufnahmen Elvis Presleys im Detail beschäftigt.

Radermacher hat jetzt (Frühjahr 2017) mit Einverständnis Jørgensens dessen Standardwerk A Life in Music von 1998 aktualisiert, wobei Jørgensens Originalkapitel, die Elvis Presleys Karriere entlang seiner Aufnahmesessions veranschaulichen, von Michael Widemann ins Deutsche übersetzt wurden. Widemann hat sich auch schon bei der Übersetzung von Guralnicks zweibändiger Elvis-Biografie verdient gemacht.

Cover: Alle Aufnahmesessions des King nach Ernst Jorgensen jetzt in deutscher Sprache bearbeitet von Helmut Radermacher

 

Backcover Elvis A Life In Music 2017

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Elvis, ein Biest und zwei Frolleinwunder

„Jetzt drück‘ mal richtig auf die Tube. Ich will sehen, was das Biest drauf hat.“ William Taylor, First Lieutenant (Oberleutnant) der US-Armee, hat den Satz noch nicht ganz beendet, als sein Fahrer, der auf diesen Befehl offensichtlich gewartet hat, das Gaspedal des schwarzen 1952er-Fords bis unten durchtritt und zum Überholen ansetzt. Die Tachonadel schnellt nach oben, die Landschaft entlang der A5 fliegt nur so vorbei.

„Das nenn‘ ich fahren“, freut sich Taylor und schaut rüber zum Mann hinter dem Steuer. Dessen blau-graue Augen blitzen übermütig, die auffallend vollen Lippen haben sich zu einem schiefen Lächeln verzogen, das eine Reihe makelloser Zähne freilegt. Er weiß: Der Wagen, in dem Taylor und er an diesem Sonntag im Frühjahr 1959 die A5 in Richtung Frankfurt entlang brausen, ist ebensowenig ein normaler Ford wie er ein normaler Fahrer ist. Der Mann am Steuer ist Private First Class (Obergefreiter) Elvis Presley, hauptamtlich King of Rock ’n‘ Roll, der Ford – von seinem Besitzer Taylor liebevoll „das Biest“ genannt, ein verkappter Cadillac mit V8-Motor.

  • Im Gleichschritt eins, zwo, drei, vier: GI Elvis Presley in Deutschland.

Kurz bevor Elvis, der seinen Wehrdienst im Spähtrupp einer amerikanischen Panzerdivision – genauer gesagt der Company C der 3rd Armored Division – im hessischen Friedberg  leistet, und sein Vorgesetzter bei Friedberg auf die A5 gefahren sind, haben sie sich zum Schrauben am „Biest“ in Little Texas getroffen. In der Wohnsiedlung für amerikanische GIs in der Nähe der Ray Barracks-Kaserne wohnt der 26-jährige William Taylor mit seiner Frau Peggy und den beiden Kindern.

Elvis selbst, zwei Jahre jünger als sein“Lootenet“, hat seine Zelte in der nahegelegenen Kurstadt Bad Nauheim aufgeschlagen, wo er erst vor wenigen Wochen für sich, seinen Vater, die Großmutter und zwei Freunde ein Einfamilienhaus in der Goethestraße 14 angemietet hat.

An diesem Sonntagnachmittag hat der King das wöchentliche Football-Spiel mit seinen Kumpels auf der grünen Wiese in der Nähe vom Bad Nauheimer Gradierwerk IV extra kurz gehalten, um Taylor dabei zu helfen, in den getunten Ford Baujahr 1952, der neben dem besagten V8-Motor noch so allerlei weitere Optimierungen aufweist, einen neuen Zündkondensator einzubauen.

Taylor ist ganz schön überrascht, als sein berühmter Gast, der noch in seiner Sportkleidung bei ihm auftaucht, ihm nicht nur zur Hand geht, sondern das Teil gleich selbst einbaut. Er habe, so erklärt Autonarr Elvis, schon als Jugendlicher, wann immer sich die Gelegenheit ergab, an Hot Rods geschraubt. Benzin liege ihm einfach im Blut.

Nach so viel tatkräftiger Hilfe bleibt Zeit für eine Runde Geschwindigkeitsrausch auf der „German Autobahn“. „Hammer, wie das Teil beschleunigt“, bemerkt Elvis, als von hinten ein Mercedes-Cabrio kommt und an ihnen vorbei zieht, als sie gerade die nächste Ausfahrt nehmen wollen.

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Dolle Tolle

Elvis Presley gilt als King of Rock ’n‘ Roll oder schlicht als King nicht nur wegen seiner Musik, den aufsehenerregenden Auftritten und der unverkennbaren Stimme, sondern auch wegen seines Stils. Als Stilikone wird er bis heute vielfach kopiert und bleibt dennoch unerreicht.

In den 1950ern sorgte er auch mit seiner Frisur für reichlich Furore.

  • "It ain't tactics, honey. It's the beast in me" - Kult: die Elvis-Tolle im Film Jailhouse Rock (1957).

Damals regierte der Bürstenschnitt auf den Köpfen – ordentlich kurz, besonders an den Seiten und im Nacken, sollte der Mann sein Haupthaar tragen. Die gebändigte Pracht auf dem Kopf ohne jegliches ChiChi stand für Ordnung und Anstand, für gefestigte moralische Werte ihres Trägers. Wenig konnte diesen militärisch anmutenden Durchschnittshaarschnitt erschüttern.

Welch ein Gegensatz dazu Elvis‘ dolle Tolle mit ihren langen Front- und Seitenpartien, die – mit viel Pomade schwungvoll nach hinten gekämmt – am Hinterkopf überlappten und so optisch an den Schwanz einer Ente erinnerten. Entsprechend schnell hatte dieser Teil der Frisur seinen Namen weg: duck’s tail, duck’s ass oder kurz D.A. in den USA – Entenschwanz hierzulande.

Herzstück der Haartracht war allerdings der über der Stirn aufgetürmte, in einer Welle aus dem Gesicht frisierte sogenannte Pompadour – kurz Pomp – plus die nach hinten gekämmten Seitenpartien, die in Elvis Presleys Variante mit (für damalige Verhältnisse) unanständig langen Koteletten akzentuiert wurden.

Pompadour, womöglich noch mit Entenschwanz und Koteletten, waren in den 1950ern der sprichwörtliche Stinkefinger in Richtung Bürstenhaarschnitt. Wer das trug, stellte sich gegen den Status Quo und hatte seinen Ruf als Querschläger und Revoluzzer weg. Und das nicht nur in den USA. Beatle John Lennon wäre wegen seiner Elvis-Frisur fast von der Schule gefolgen, wie er beim Treffen der Fab Four mit Elvis 1965 stolz erzählte.

„Before Elvis there was nothing“: Beatle John Lennon mit Elvis-Tolle.

Tollenträger wie Marlon Brando und James Dean sorgten Mitte der 1950er  in Kinofilmen wie The Wild One (Der Wilde, 1953) und Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) dafür, dass die Frisur zum Symbol für den Aufstand der „Halbstarken“ gegen die Spießergesellschaft der Erwachsenen wurde.

Angry young man: James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955)

Eine Frisur mit hoher Symbolkraft – sie wurde nicht zuletzt durch Elvis‘ Erfolg zu dem Erkennungzeichen der Rock ’n‘ Roller in den 1950ern, lebt weiter im Lebensgefühl der Rockabilly-Szene und in unzähligen modernen Varianten, getragen nicht nur von Männern wie Sänger Bruno Mars oder Fußballer David Beckham, sondern auch von weiblichen Superstars wie Rihanna.

Elvis Presley hat die Tolle nicht erfunden, ebenso wenig wie Marlon Brando oder James Dean, deren Filme der leidenschaftliche Kinogänger liebte. Aber Elvis entdeckte die Tolle schon als Teenager, der noch brav die Schulbank der Humes High School in Memphis drückte, als unübersehbaren Ausdruck des Andersseins für sich und verpasste ihr – ähnlich wie seiner Musik – früh einen eigenen Stil.

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Blue Christmas oder Millie und der Weihnachtsklassiker wider Willen

Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Im September 1957 war er aber wohl nicht so richtig in Stimmung für Weihnachtssongs. Zu sehr beschäftigen ihn bei der Aufnahmesession des Elvis‘ Christmas Albums, die Perfektionierung von Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – und My Wish Came True von Ivory Joe Hunter, das er unbedingt auf Platte bannen wollte.

Santa Claus Is Back In Town

Elvis hat Spaß unterm Weihnachtsbaum

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session bei Radio Recorders dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background ab 1957 zu hören. Trotz Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Session hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist.

Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas, vor 1957 schon erfolgreich u.a. von Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was richtig Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen evtl. gar nicht erst veröffentlicht.

Oh Mann, da hat der King seine Plattenfirma RCA aber völlig falsch eingeschätzt. Als hätten die Verantwortlichen in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Blue Christmas (1957)

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

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Diamond Joe Esposito

Hello, I’m Elvis Presley, glad to meet you, waren die Worte, mit denen der King of Rock ’n‘ Roll  Joe Esposito im Sommer 1959 bei ihrer ersten Begegnung begrüßte. Ein fester Händedruck begleitet vom berühmten schiefen Lächeln des King besiegelte eine 19 Jahre dauernde Freundschaft und ein fast ebenso langes Arbeitsverhältnis, in denen Joe Esposito als persönlicher Assistent und späterer Roadmanager so manche Höhen und Tiefen mit Elvis Presley durchlief.

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Ort des Geschehens dieser ersten Begegnung: ein sehr deutsch anmutendes Wohnzimmer in einem Einfamilienhaus mit der Adresse Goethestraße 14 in der hessischen Kurstadt Bad Nauheim. Also genau dort, wo G.I. Elvis Presley mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und zwei Freunden (Lamar Fike, Red West) Anfang 1959 für ein Jahr seine Zelte aufschlug, um in den Ray Barracks im benachbarten Friedberg seinen Wehrdienst zu leisten.

Der reine Zufall hatte Joseph Carmine Esposito, 1938 als Sohn italienischer Einwanderer in Chicago geboren, in das deutsche Wohnzimmer gespült. Fast zeitgleich mit seinem berühmten Zeitgenossen hatte Uncle Sam ihn zum Dienst am Vaterland nach Westdeutschland verschifft, wo der 21-Jährige in den Ray Barracks im hessischen Friedberg als Lohnbuchhalter eingesetzt wurde.

Von Elvis sah er dort erst einmal wenig, denn der hatte als Panzerspäher der Company C im 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division alles andere als einen Bürojob und war häufig auf Manöver.

Joe Esposito als G.I. in Deutschland, wo er 1959 Elvis Presley kennenlernte – Foto: Joe Esposito

Das änderte sich, als Wes Daniels, Fotograf der PR-Abteilung der US-Armee mit dem Auftrag, Elvis Presley bei seinen militärischen Aktivitäten im Foto festzuhalten, Joe zu dem ersten Treffen mit dem Superstar in die Goethestraße 14 einlud. Der Hintergrund: Elvis spielte in seiner Freizeit gerne mit seinen Kumpels Touch Football und brauchte noch Spieler.

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Revisited: Die letzte Reise des stillen Beobachters

2 Jahre ist das jetzt her: Meine Reise mit Elvis‘ berühmten Fotograf Alfred Wertheimer in seine jüdische Vergangenheit nach Coburg. Als kleiner Junge ist Alfred Wertheimer mit Eltern und Bruder nur knapp der Ermordung durch die Nationalsozialisten entkommen. Die Familie konnte 1936 noch rechtzeitig in die USA emigrieren.

Alfred Wertheimer vor dem Familengrab auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Alfred Wertheimer im August 2014 vor dem Grab seiner Familie auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Nur zwei Monate nach seinem letzten Deutschlandbesuch ist Alfred Wertheimer am 19. Oktober 2014 in seiner Wahlheimat New York verstorben.

Der stille Beobachter des King hat einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung, nicht nur wegen seiner wunderbaren Elvis-Fotografien, sondern als eine große Persönlichkeit, die mich auf der letzten Reise zu seinen Anfängen mit seiner Großzügigkeit, Intelligenz, mit Charme und Humor verzaubert hat → Elvis’ Fotograf Alfred Wertheimer: Reise in die Vergangenheit.

Way Down in the Jungle Room: Interview with Matt Ross-Spang

I’ve always liked Elvis‘ last studio recordings – those 16 songs that he recorded in February and October 1976 in the Jungle Room of his beloved home Graceland. Most of these songs that were first released on the albums From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) and Moody Blue (1977) are of a contemplative nature. They are highly emotional expressions of deep loss. In that sense quite a few of them belong to Elvis Presleys finest interpretations for me.

Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

A serious looking Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

Knowing that the Jungle Room recordings are Elvis‘ last studio recordings ever, many people are naturally drawn to listen to them simply as the final farewell of a sick and unhappy superstar who knows that his end is near. For a reason that I could never pinpoint myself I always found this retrospective viewpoint debatable, although it definitely reflects the mood of the songs. For me the Jungle Room recordings felt more like Elvis trying to refer to the beginnings of his career in the early 1950s at Sam Phillips‘ Sun Studio in Memphis. But as I said, I could never really explain why.

When RCA/Sony announced earlier this year that a new set with 2 discs called Way Down In The Jungle Room (Legacy Edition) is in the making with the support of a very successful young engineer called Matt Ross-Spang, I became curious. I found out that Matt had worked for years at the still existing Sun Studio in Memphis, before he changed location to the Sam Phillips Recording Service operated by the Phillips family.

Cover of Way Down In The Jungle Room - RCA/Sony Legacy 2016

Cover of Way Down In The Jungle Room – RCA/Sony Legacy 2016

 

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on CD 2 - RCA/Sony Legacy

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on disc 2 – RCA/Sony Legacy 2016

Matt Ross-Spang’s credits in the studio include names like Jerry Lee Lewis, Grace Potter & The Nocturnals, Mary Chapin Carpenter, Jakob Dylan, Justin Townes Earle, JD McPherson, and Chris Isaak. Just to name a few. Earlier this year Matt won a well deserved Grammy for engineering and mixing Jason Isabell’s Something More Than Free. Besides, he was responsible for engineering, mixing, and co-producing Margo Price’s debut record Midwestern Farmer’s Daughter.

Legendary Elvis – Sam Phillips – Sun Studio – Matt Ross Spang – Jungle Room sessions 1976? Was I right after all with my feelings about Elvis‘ last „studio“ recordings at Graceland? I decided to find out more about the new mix on Way Down In The Jungle Room (2016) and the engineer behind it by asking the man himself what all of this is really about. Matt Ross-Spang turned out to be a very nice guy.

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis - Photo: Ross-Spang

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis – Photo: Ross-Spang

INTERVIEW

The Memphis Flash: Matt, you’re from Memphis where it all started for Elvis in 1954 in Sam Phillips’ now world-famous Sun Studio. The studio and the Phillips family play a major role in your successful career as well. How come?

Matt Ross-Spang: Sure! I was born and raised in Memphis! I played guitar in bands and I got 2 hours of studio time at Sun Studio for my 14th birthday from my wonderful parents. When I recorded there I was mesmerized by the studio and the process of recording and mixing. The engineer there James Lott was a great patient man who made the whole process fun and answered all of my annoying questions! My cousin John was the President at Sun and offered me a job when I was 16 and could drive, so I started working there then as a tour guide and an intern in the studio.

Hound Dog-Parodist Sam Phillips in seinem berühmten Aufnahmestudio in der Union Avenue

Matt’s hero Sam Phillips at Sun Studio in Memphis

I soon worked my way up to Operations Manager and Chief Engineer. I spent 11 years at Sun and spent most of that time installing and using the same period equipment Sam Phillips used back in Sun’s heyday. While working at Sun I met and became friend with the Phillips‘. Sam and his two sons Knox and Jerry I consider to be heroes of mine (and many others). Obviously being from Memphis you are born an Elvis fan! But especially for me the history and the music that was recorded in Memphis really consumed me. Elvis is a big part of that!

The Memphis Flash: How did you get the assignment for a new mix of the outtakes and alternate versions on the new release Way Down in the Jungle Room?

Matt Ross-Spang: A friend of mine Sharon Corbitt-House recommended me to Sony’s Rob Santos and Ernst Jorgensen who are the Producers of the Elvis record. After a few phone calls we worked out scheduling and we decided to do it at Phillips. I am a freelance engineer but Phillips is a magical studio and Rob always wanted to do a project there so it was a perfect fit.

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Talking Elvis: George Klein beim 15. European Elvis Festival 2016

Keine Frage, Elvis‘ Schulfreund und langjähriger Weggefährte George Klein hat eine Menge zu erzählen. Und genau das tat er auch auf dem 15. European Elvis Festival in Bad Nauheim, zu dem die Elvis Presley Gesellschaft ihn Mitte August auf das rote Sofa zum Talk eingeladen hatte.

Da Radiomoderator George ein veritabler Dampfplauderer ist, der am liebsten nonstop selber redet, war der Talk zwar sehr unterhaltsam, wurde aber für Moderatorin Maria Hesterberg, die alle Aussagen ins Deutsche übersetzen musste, zu einer echten Bewährungsprobe. Aber Maria hat reichlich Erfahrung mit illustren Elvis-Zeitzeugen und meisterte die Situation wie immer ganz ausgezeichnet.

Hier der Auftakt zum Talk mit George Klein – Maria Hesterbergs Übersetzungen habe ich diesmal nicht mit aufgenommen, um Wiederholungen zu vermeiden. In nachfolgender Erzählung von George geht es darum, wie er Elvis Presley in ihrer gemeinsamen Zeit an der Humes High School in Memphis  kennenlernte.

Im zweiten Teil erzählt George, wie er als Rock ’n‘ Roll-DJ in den 1950ern durchstartete und 1957 eine Zeit lang für Elvis arbeitete, nachdem seinen Job verloren hatte. Glück im Unglück für George: Seinen Job als DJ war er zwar los, dafür konnte er dabei sein, als Elvis in Hollywood den Film Jailhouse Rock mit der berühmten Tanzszene drehte und einen seiner bekanntesten Soundtracks aufnahm.

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Klassenkameraden

George Klein ist auf dem Weg zur Schule. Der Sohn jüdischer Einwanderer ist fast 13 und geht in die 8. Klasse der Humes High School, die in einem großen Backsteingebäude im Norden von Memphis an der North Manassas Street zuhause ist. George hat es nicht weit zur Schule, denn seine Familie wohnt schräg gegenüber der Humes High.

Humes High School, Memphis

Humes High School, Memphis/Tennessee

Georges Eltern sind vor mehr als 20 Jahren aus Russland und Polen in die USA eingewandert, um dem Antisemitismus in der Heimat zu entkommen. Sie lernten sich in Memphis kennen, heirateten und ließen sich endgültig in der Stadt am Mississippi nieder.

Wie seine Schwester Rosie in den USA geboren, ist George (* 8. Oktober 1935) gut integriert in der zweiten Heimat der Familie Klein. Der schmächtige Junge ist ein kommunikativer Typ, engagiert sich als Klassensprecher und träumt – inspiriert von der reichen Musiklandschaft in Memphis – von einer Karriere als Radiomoderator.

George Klein

Der junge George Klein

Aber erst einmal muss er seinen High School-Abschluss schaffen. Dem steht weiter nichts im Wege, wenn da nicht Musiklehrerin Miss Marmann wäre. An der Humes High gibt es eine ganze Reihe strenger Lehrer, aber Miss Marmann ist definitiv ein Fall für sich.

Selbst gemessen an den Standards von 1948 ist sie „old school“, sogar bei den hartgesottensten Schülern berüchtigt, weil sie nicht nur mit dem Rohrstock droht, sondern ihn auch einzusetzen weiß. Wer sich von Miss Marmann auch nur mit Kaugummi erwischen lässt, dem droht Schmerzhaftes.

Den richtigen Musikgeschmack sollte man als Schüler von Miss Marmann außerdem haben – und der beginnt bei Beethoven und hört mit Brahms auf. Zeitgenössische Musik? Fehlanzeige! Aber es gibt nur eine einzige Chance für George, der Musikklasse von Miss Marmann zu entkommen: Er kann versuchen, in die Marschkapelle der Humes High aufgenommen zu werden.

Das Problem ist allerdings, dass das so ziemlich jeder versucht, der vor Miss Marmann flüchten möchte. Deswegen hat sich die Verantwortlichen in der Marschkapelle einen  anspruchsvollen theoretischen und praktischen Aufnahmetest ausgedacht.

Rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr 1948/49 hat sich George als neuer Schlagzeuger der Band in Stellung gebracht, kann dabei aber leider ebenso wenig überzeugen wie im Theorietest. Also marschiert der 13-Jährige nach den großen Ferien nicht in der Schulband, sondern doch in Miss Marmanns „Klasse zur Förderung des Musikverständnisses“. Aua!

Wie sich schon bald heraustellt, kommt der umgängliche George  besser als gedacht mit der strengen Musiklehrerin aus. Eine Sache haben sie nämlich gemeinsam: Beide sind überzeugt, dass die aktuellen Musik-Charts nur mit Mist aufwarten – völlig einig sind sie sich bei Vaughn Monroes Hit Ballerina, der aktuell im Radio rauf und runter läuft…

Nichts für George und Miss Marmann – allerdings aus völlig anderen Gründen: George zieht es mehr zur Musik der Radiosender WDIA und später Daddy-O-Deweys WHBQ, die vor allem afroamerikanische Musiker auflegen, Miss Marmann hingegen zur Klassik.

The Velvet Hammer oder der Neue in der Klasse

Elvis Presley kurz vor seinem Umzug von Tupelo nach Memphis

Elvis Presley kurz vor seinem Umzug von Tupelo nach Memphis

Eines Morgens nicht lange nach Beginn des neuen Schuljahres wird in Georges Klasse ein neuer Schüler vorgestellt. Er ist gerade erst mit seinen Eltern aus Tupelo nach Memphis gezogen und ist ganz neu an der Humes High. George beachtet den Neuen nicht weiter, er ist ein unauffälliger blonder 13-Jähriger, wie es sie zu Hauf in der Klasse gibt. Den Namen des Neuen hat er nicht mitbekommen oder sich nicht gemerkt.

Doch ein paar Wochen später wird George aufmerksam auf den unauffälligen Neuen in der Musikklasse. Weihnachten rückt näher und Miss Marmann schlägt vor, dass die Klasse statt der üblichen Stunde doch einfach mal was Besonderes machen könne: Weihnachtslieder singen. George rollt innerlich mit den Augen (nur innerlich, denn Miss Marmann hat den Rohrstock immer griffbereit). Was soll schließlich am Singen von Weihnachtsliedern schon Besonderes sein?

Zum Erstaunen von George sieht der Neue das offensichtlich ganz anders. Miss Marmann hat kaum die magischen Worte ausgesprochen, als der Klassenkamerad sich zu Wort meldet: „Miss Marmann, kann ich dann meine Gitarre zur nächsten Stunde mitbringen und singen?“ Ein verhaltenes schadenfrohes Kichern ist im Raum zu hören. Ach Gott, das Landei aus Tupelo, der Hillbilly will seinen Mitschülern was auf der Gitarre vorspielen und singen. Wie uncool! Das will doch keiner hören, ist als leises Wispern in der Klasse zu vernehmen.

Auch Miss Marmann ist verblüfft. Damit hat sie sichtlich nicht gerechnet, aber sie fängt sich schnell und antwortet: „Aber ja Elvis, bring‘ du deine Gitarre mal mit„. George kann nicht glauben, was er da gerade hört. Er reckt den Hals, schaut rüber zur  letzte Reihe, wo dieser Elvis sitzt, und denkt: „Boah, der Typ hat Chuzpe. Miss Marmann und der Klasse was auf der Gitarre vorspielen und singen. Das ist schulpolitisches Harakiri, da kann man sich auch gleich erschießen lassen!

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Old Man

Wo bleibt der Junge nur? Nervös streicht Scotty Moore über seine Gibson ES-295. Er liebt die Gitarre… vielleicht sogar mehr als seine Frau. Zumindest behauptet das Mary, die ihn deswegen mit den beiden Kindern Donald und Linda verlassen hat. Aber daran will Scotty jetzt nicht denken. Seit kurzem ist er zum zweiten Mal verheiratet – und seine neue Frau Bobby ist klug genug, sicht nicht zwischen ihn und seine Gitarre zu stellen. Zärtlich fährt der 22-Jährige mit seinen Fingern die feminine Kontur der goldfarbenen Gibson entlang.

Scottys Gibson ES-295

Scottys erste große Liebe: Die Gibson ES-295

Die Gibson ES-295 symbolisiert Scottys Traum, seinen Brot-und-Butter-Job in der Reinigung endlich aufzugeben und eine Band zu formen, die mehr ist als ein Zeitvertreib. Eine Band, die besser ist als die Starlite Wranglers, eine Country- und Western-Band, die Scotty aktuell managt und mit der er in seiner Freizeit in den Honky-Tonk-Kneipen in und um Memphis auftritt.

Vor allem braucht seine Band einen charismatischen Frontmann, wenn das mit der Profikarriere endlich etwas werden soll, da ist sich der Gitarrist ganz sicher. Doug Poindexter, Sänger der Starlite Wranglers, ist nicht das, was ihm dabei vorschwebt. Er braucht einen jungen, ungebundenen Typen, der die Profikarriere als Musiker genauso will wie er.

Der junge Scotty Moore während seiner Zeit bei der US-Marine (1948-1952).

Der junge Scotty Moore während seiner Zeit bei der US-Marine (1948-1952).

Selbst die Rampensau ganz vorne im Scheinwerferlicht zu geben, das ist allerdings nichts für Scotty. Der blonde Scotty mit dem akkuraten Scheitel und den makellos gebügelten Hemden, 1931 auf einer Farm in Gadsden/Tennessee geboren, ist ein zurückhaltener Typ, ruhig und konzentriert. Er bleibt lieber im Hintergrund – abgesehen von den Solos natürlich – das weiß er selbst sehr genau.

Seine Leidenschaft brennt für die Gitarre, mit der er sich in jeder Minute seiner Freizeit beschäftigt. Schon als Kind hat er viel allein und mit Freunden gespielt. Doch erst seit er nicht mehr für die US-Marine in Fernost zur See fährt (1948-1952) sammelt er gezielt Erfahrung als Gitarrist in verschiedenen semiprofessionellen Bands… und träumt seinen Gibson-Traum.

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