It’s Halloween, Baby!

An Halloween verkleiden sich nicht nur Imitatoren als Elvis. Nein, an Halloween langt auch schon mal der Karl-Heinz von nebenan tief in die Faschings-Klamottenkiste und zum Elvis-Kostüm. Dabei besonders beliebt: Motiv 70er Jahre Elvis – Jumpsuit mit oder ohne Cape, dazu schwarze Perücke mit unübersehbaren Koteletten und natürlich die legendäre Sonnenbrille. Nicht immer wirklich geschmackvoll, aber immer unverkennbar!

Elvis-Kostüm für Halloween – Foto: horror-shop.com

Ob Elvis sich selbst an Halloween verkleiden würde? Gut möglich. Am 31. Oktober 1957 tat er es auf jeden Fall für eine Celebrity-Party des bekannten Herrenschneiders Sy Devore in Los Angeles.

Sy Devore, der bekannt dafür war, die männlichen Hollywoodgrößen seiner Zeit – darunter Frank Sinatra, Nat King Cole, Bob Hope, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Spencer Tracy und sogar Präsident John F. Kennedy – in stylische Klamotten zu hüllen, hatte seine berühmte Klientel ins Restaurant Lucy’s New Orleans in L.A. geladen.

Mit dabei war der neue Superstar am Entertainment-Himmel: Elvis Presley. Der hatte sich inzwischen auch in Hollywood mit drei Kinofilmen einen Namen gemacht – Jailhouse Rock war kürzlich abgedreht und sollte ein paar Tage nach Halloween am 7. November 1957 in die amerikanischen Kinos kommen. Sy Devore kreiierte in den Folgejahren noch so manches kultige Kleidungsstück, das Elvis in seinen Hollywoodfilmen trug. Darunter u.a. diese kragenlose Jacke mit aufgesetzten Taschen, die Elvis in der bekannten Filmszene C’mon, Everybody mit Ann-Margret aus dem Film Viva Las Vegas (1964) trug.

Bleibt die Frage, mit was der King sich an Halloween 1957 verkleidetete? Gruselmaske, Kürbiskopp, Ganzkörperskelettanzug oder eine frühe Version seiner 70er-Jahre-Jumpsuits? Oder ging er etwa als „Faschingsmuffel“ ganz langweilig einfach nur als er selbst? Weder noch.

Wie auf den Fotos vom 31. Oktober 1957 zu sehen ist, trug er eine stylische goldfarbene Augenmaske, die ein bisschen an „Karneval in Venedig“ erinnert und dazu ganz schlicht einen roten Wollpullover mit V-Ausschnitt, mit dem er auch privat in dieser Zeit immer wieder zu sehen war. Umgeben von einer ganzen Reihe attraktiver Damen hatte er offensichtlich Spaß und – sehr selten – wird dabei fotografiert, wie er ein Bierchen zischt.

  • Elvis mit Schauspielerin Allison Hayes (links) und Gastgeber Sy Devore am 31. Oktober 1957 in Restaurant Lucy's New Orleans in Los Angeles.

Happy Halloween!

Elvis Presleys Blue Moon

Ziemlich genau 15 Jahre bevor der amerikanische Astronaut Neil Armstrong im Sommer 1969 als erster Mensch den Mond betrat, setzte Elvis Presley unserem Lieblingsplaneten ein musikalisches Denkmal mit dem Song Blue Moon. Geniale Voraussicht des King, oder?

Elvis Presley und der Blue Moon.

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung und 65 Jahre nach Elvis‘ Aufnahme in Sam Phillips legendärem Sun-Studio in Memphis wird das jedenfalls ganz gerne so gesehen, zumal Blue Moon vom Sommer 1954 eine sehr ungewöhnliche Aufnahme für den „Rockabilly-Elvis“ aus den guten alten Sun-Tagen ist. Zumindest scheint das so – auf den ersten Blick.

Zu ungewöhnlich jedenfalls für Studioinhaber Sam Phillips, der nach der ersten erfolgreichen Single That’s All Right/Blue Moon Of Kentucky lieber etwas in dieselbe Richtung folgen lassen wollte.

Blue Moon wurde jedenfalls nie bei Sun veröffentlicht, sondern erschien erst nach Elvis Presleys Wechsel zum Plattenlabel RCA im März 1956 auf der ersten LP des King mit dem schlichten Titel Elvis Presley. Und ein halbes Jahr später dann gemeinsam mit Just Because – ebenfalls bei Sun aufgenommen – auf Single.

Elvis Presley Blue Moon – Boxset A Boy From Tupelo, 2012

Ein Chartstürmer wurde Blue Moon bei Label RCA nicht – dennoch gilt der Song heute zurecht als Elvis-Klassiker. Doch wo kommt der eigentlich her?

Blue Moon startet als Prayer

Blue Moon ist eigentlich ein klassischer Pop-Song – 1933 komponiert von Richard Rodgers und Lorenz Hart für den Hollywoodstreifen Hollywood Party mit Clark Gable und Myrna Loy. Darin wurde er – damals noch unter dem Titel Prayer und mit einem völlig anderen Text als dem heute bekannten – allerdings dann doch nicht verwendet.

Von den Komponisten mit einem neuen Text versehen, war Blue Moon ein Jahr später in einem anderen Hollywoodfilm, und zwar Manhattan Melodrama, zu hören. Allerdings hieß die Komposition jetzt It’s Just That Kind of Play und sie hat ebenfalls wenig mit dem Elvis-Song gemein.

Blue Moon unter dem Titel It’s Just That Kind of Play von Shirley Ross aus dem Film Manhattan Melodrama (1934):

Ein Hit wurde der Song in dieser Manhattan Melodrama-Version auch nicht – ein neuer, „kommerziellerer“ Songtext sollte es richten. Also machten sich die Komponisten, durchaus widerwillig, noch einmal ans Werk – und das war das Ergebnis:

Blue moon
You saw me standing alone
without a dream in my heart
without a love on my own.

Blue moon
You knew just what I was there for
you heard me saying a prayer for
somebody I really could care for

And then there suddenly appeared before me
the only one my arms will ever hold
I heard somebody whisper, „Please adore me“
and when I looked
the moon had turned to gold.

Blue moon
now I’m lo longer alone
without a dream in my heart
without a love on my own

Der neue Liedtext hat gleich mehrere Bedeutungsebenen: „blue moon“ verweist auf den Glauben an ein sehr seltenes Phänomen, bei dem der Vollmond zweimal kurz hintereinander (in einem Kalendermonat) zu sehen sein soll. Daraus leitet sich die englische Redewendung „once in a blue moon“ ab, mit der Ereignisse beschrieben werden, die höchst selten bis nie eintreten. Außerdem steckt natürlich das Adjektiv „blue“ im Songtitel, das übersetzt sowohl „blau“ als auch „traurig“ heißen kann.

So wie der Song von Rodgers und Hart aufgebaut ist, findet der zu Beginn einsame und daher traurige Sänger (oder die traurige Sängerin) schließlich doch die wenig wahrscheinliche große Liebe. Ein klassisches Liebeslied mit Happy End.

Mit diesem neuen Text schaffte es Billy Eckstines Jazz-Version 1947 in die Charts, allerdings auch ohne ein ganz großer Hit zu werden …

… und hier die Version der großen Billy Holiday aus dem Jahr 1952.

Sehr populär und ein Nummer-Eins-Hit wurde Blue Moon erst viel später in der völlig anders klingenden Doo Wop-Version von The Marcels Anfang der 1960er, die wohl (fast) jeder schon mal gehört hat. Von Elvis‘ Version ebenfalls weit entfernt, allerings mit Rodgers und Harts ursprünglichen Blue Moon-Text…

Elvis Presleys Crossover

Woher Elvis den Song, von dem es inzwischen Hunderte Cover-Versionen gibt, kannte und wer oder was ihn dazu inspirierte, Blue Moon aufzunehmen, ist bis heute unbekannt. Er selbst hat sich zur Songauswahl – wie in den meisten anderen Fällen – nicht geäußert, und auch Studioinhaber Sam Phillips konnte dazu leider keine genauen Angaben machen.

Der 19-jährige Elvis Presley im Nachclub Eagle’s Nest in Memphis, wo er im Sommer 1954 auftrat, etwa zu der Zeit als er Blue Moon aufnahm – Foto: Boxset The Boy From Tupelo, 2012

Man ging lange davon aus, dass Blue Moon am 19. August 1954 – also bei der zweiten professionellen Aufnahmesession von Elvis mit Scotty Moore und Bill Black im Sun Studio – eingespielt wurde. Aber selbst das gilt heute nicht mehr als sicher, da Sam Phillips ein auffälliger Fehler bei der Beschriftung der Bandaufnahme unterlief.

Seltsam ist, dass er – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits eine erfolgreiche Single mit dem 19-jährigen Teenager Elvis Presley am Markt hatte und ganz auf ihn als Talent setzte – seinen Vor- und Nachnamen falsch vermerkte als: A. Pressley.

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Gekippt: Der Mythos von Elvis Presleys Tonträgerverkäufen

Elvis Presley hat mehr als 1 Milliarde Tonträger weltweit verkauft, so heißt es. Diese monströse Zahl ist seit Jahrzehnten in Umlauf, sie gilt als gesetzt. Erst kürzlich spielte sie bei der posthumen Verleihung der Freiheitsmedaille des amerikanischen Präsisdenten Donald Trump an Elvis Presley eine Rolle in der Laudatio. Aber lässt sich die Milliarde auch faktisch belegen… oder widerlegen?

Elvis Presley hat gut lachen, denn er gilt als Megaseller der Musikgeschichte. Ob er tatsächlich 1 Milliarde Tonträger verkauft hat, darf allerdings bezweifelt werden.

Elvis‘ Plattenlabel RCA – heute unter dem Dach von Riese Sony zuhause – dürfte kaum ein Interesse an der Veröffentlichung ungeschminkter Verkaufszahlen haben, so viel ist sicher. Wer lässt sich schon gerne in die Karten schauen? Schließlich wurden und werden dort wie in der Branche üblich hohe Verkaufszahlen seit Jahrzehnten gerne für Marketingzwecke eingesetzt. Frei nach dem Grundsatz, dass ein bisschen Hype auch den Großen der Branche nicht schaden kann – zu viel Transparenz hingegen schon.

Fairerweise muss man sagen, dass Sony den Milliarden-Hype im Falle von Elvis wohl in erster Linie geerbt hat: Die Milliarde soll auf einen ehemaligen Produktmanager zurückgehen, der – bevor Elvis‘ langjähriges Plattenlabel RCA zu Sony gehörte – die Zahl offensichtlich in Umlauf gebracht hat, ohne sie je näher zu erläutern. Seitdem – und das ist schon ein gutes Weilchen her – steht die Milliarde sozusagen im Raum. Wie Elvis selbst ist sie einfach nicht tot zu kriegen.

Dabei spricht längst einiges dafür, dass die Angaben zu Elvis‘ Tonträgerverkäufen ähnlich wie die sagenumwobene Einschaltquote von angeblich mehr als 1 Milliarde Fernsehzuschauern für das 1973 via Satellit übertragene TV-Konzert Elvis Aloha From Hawaii vor allem auf Hochrechnungen und der Annahme beruht, dass der King schon aufgrund seines globalen Bekanntheitsgrades einfach ein Megaseller sein muss.

Der Unbedarfte sagt sich jetzt: Das zu recherchieren, kann nicht so schwierig sein: Ein Blick auf die Alben, die er veröffentlicht hat, dazu die Zertifizierungen der Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) und die von Nielsen Soundscan erfassten Verkäufe, das müsste doch zumindest einen ersten Anhaltspunkt bringen. Guter Plan, aber leider ist es nicht ganz so einfach.

Die R.I.A.A. erfasst nämlich nur die Verkäufe in den USA (der Rest der Welt fehlt) – und das auch noch nach einem System, das Spielraum für Interpretationen lässt. Nielsen Soundscan startete 1991 mit seinen Erhebungen, da war Elvis Presley, der seine erste Single 1954 veröffentlichte, schon 14 Jahre tot. Und dazu kommt noch die Mutter aller Probleme, nämlich die unübersichtliche Diskografie Elvis Presleys mit einer Vielzahl von Kompilationen über Jahrzehnte hinweg.

In den letzten Jahren sind auch noch Downloads und Streamings dazu gekommen. Die meisten Leute verlieren schon nach einem kurzen Blick auf das Chaos spontan die Lust auf weitere Recherchen und legen stattdessen lieber gleich einen bekannten Elvis-Klassiker auf. Nicht die schlechteste Idee.

Die Chartmasters kommen

Wer sich davon nicht hat abschrecken lassen, ist eine kleine Gruppe von Musikstatistik-Enthusiasten um den französischen Informatiker Guillaume Vieira, die auf der englischsprachigen Website Chartmasters.org neben vielen anderen Informationen die Verkaufszahlen von Musikgrößen der Vergangenheit und Gegenwart über die vorhandenen physischen und digitalen Musikformate hinweg unter die Lupe nehmen.

Dafür nutzen sie ein eigens dafür entwickelten System, das sie Commensurate Sales to Popularity Concept (CSPC) nennen. CSPC dient dazu, die Verkäufe von verschiedenen analogen und digitalen Musikformaten vergleichbar zu machen, indem sie in „equivalent album sales“ (EAS), also äquivalente Albumverkäufe, umgerechnet werden. Zum „Umrechnungskurs“ siehe Legende zur Tabelle weiter unten.

In 2018 war die Evaluation von Elvis Presleys musikalischem Output zu Lebzeiten und posthum dran – ein monatelanges Unterfangen, dass das Chartmasters-Team laut Vieira an den Rand seiner Kapazitäten brachte. Herausgekommen ist dabei eine hochinteressante, wenn auch teilweise sehr komplexe und überraschende Analyse der Verkaufszahlen des King, die nicht fangetrieben ist und auch nicht in erster Linie darum kreist, ob der King nun die 1 Milliarde geknackt hat oder nicht.

Allerdings hat sich das Team unter Führung von Vieira schon mit den Hochrechnungen diverser Autoren der Elvis-Szene befasst und die Mechanismen, mit denen die Milliarde zu beweisen versucht wird, kritisch hinterfragt.

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If you’re looking for trouble: Der Vater-Sohn-Konflikt in King Creole

Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis Presley, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

„I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.“

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

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Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie „die Viper“) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis „verzärtelten“ Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

„If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin‘ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?“

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

„It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.“

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn „chicken“, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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Welcome Elvis Presley in Germany

Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen „E-Day“, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

Elvis, James Dean, Momism und das Hollywoodkino der 1950er

1956 wurde Elvis Presley zum gefeierten Idol von Millionen weltweit – und blieb dabei vor allem eins: selbst ein Fan. Neben den vielen Musikern unterschiedlicher Genres, die der King verehrte (I just loved music, all type of music“), galt seine ganz große Liebe dem Kino und den Kinohelden seiner Zeit.

Träumer Elvis bei den Dreharbeiten zu seinem 4. Hollywoodfilm King Creole (1958)

Früh träumte der junge Elvis, der während seiner High School-Jahre als Platzanweiser in Loew’s State Theater in Memphis jobbte, davon, selbst einmal zu den Helden der großen Leinwand zu gehören, wie er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards 1971 verriet:

„When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. I read comic books, and I was the hero of the comic book. I saw movies, and I was the hero in the movie. So every dream that I ever dreamed, has come true a hundred times.“

Elvis Presley bei der Preisverleihung der „Ten Outstanding Young Men Of The Nation“ 1971

Einer der Leinwandhelden, die der junge Elvis verehrte, war James Dean (1931-1955). Vor allem James Dean in der Rolle des jugendlichen Rebellen Jim Stark aus Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955).

Es war diese Rolle, die den 24-jährigen Dean, der am 30. September 1955 – nur paar Wochen vor der Kinopremiere des Films – bei einem Autounfall ums Leben kam, zum unsterblichen Jugendidol machte.

James Dean im Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

Zu diesem Zeitpunkt konnte Elvis noch nicht ahnen, dass er selbst nur wenige Monate später als singende Fortsetzung James Deans in den Fokus Hollywoods rücken sollte.

Schon im Januar 1956 wurde Hollywood-Produzent Hal B. Wallis (alias Aaron Blum Wolowicz, 1898-1986), der sehr erfolgreich für Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount Pictures arbeitete, auf Elvis Presley aufmerksam, als der einen seiner ersten Auftritte im amerikanischen Fernsehen, nämlich in der Jimmy und Tommy Dorsey Show, hatte.

Wallis war nach eigener Aussage (vgl. Wallis Autobiografie Starmaker, 1980) sofort elektrifiziert von Ausstrahlung des jungen Musikers und wollte ihn unbedingt für Hollywood verpflichten, was nach einem erfolgreichen Screentest im März 1956 und Verhandlungen mit Elvis‘ Manager Colonel Tom Parker auch gelang.

Bei den Dreharbeiten zu King Creole: Produzent Hal Wallis (Mitte), Regisseur Michael Curtiz und Elvis Presley im Gespräch

Laut Wallis hatte Elvis das gewisse Etwas, das ihn an den jungen Errol Flynn – Leinwandidol der 1930er und 40er Jahre – erinnerte, und er passte mit seinem wilden Musikstil und Aussehen sehr gut in die neue Riege der jungen Hollywood-Rebellen, zu denen Marlon Brando (1924-2004) wegen seiner Rolle im Kultfilm The Wilde One (Der Wilde, 1953) ebenso zählte wie James Dean.

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5. Juni 1956: Elvis the Pelvis wird geboren

Am 5. Juni 1956 versetzte Elvis Presley die amerikanische Fernsehnation in Aufruhr. Das gelang ihm mit der knapp zweieinhalb Minuten langen, sehr dynamischen Parodie eines Rhythm-and-Blues-Songs, den die Songwriter Jerry Leiber und Mike Stoller Anfang der 1950er ursprünglich für Sängerin Willie Mae „Big Mama“ Thornton komponiert hatten: Hound Dog.

Elvis Presleys Live-Auftritt in Milton Berles beliebter TV-Show am Dienstag, den 5. Juni 1956, katapultierte den 21-jährigen Nachwuchssänger aus den Südstaaten mit einem Schlag in das Bewusstsein der breiten amerikanischen Öffentlichkeit und machte ihn zu einer kontrovers diskutierten Figur, zum enfant terrible der Rock ’n‘ Roll-Generation. 40 Millionen US-Amerikaner (bei einer Gesamtbevölkerung von damals rund 169 Mio.) sollen den Auftritt zur besten Sendezeit in „Uncle Miltie’s“ Varieté-Show gesehen haben. „Elvis the Pelvis“ war geboren.

 

 

Bis heute gehört der nationale Aufreger von 1956 zu den bekanntesten Performances des King und ist fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur. Als solcher wird er etwa in Robert Zemeckis oscarträchtigem Filmklassiker Forrest Gump (1994) mit Tom Hanks in der Hauptrolle beschworen. Am 5. Juni 1956 schrieb Elvis Presley also ein weiteres Mal Geschichte (→ Spotlight 5. Juli 1954). Höchste Zeit, dem „Windhund“ hier im Blog ein mehrteiliges Special zu widmen. Im 1. Teil geht es heute um Elvis‘ Auftritte in der Milton Berle Show am 3. April und 5. Juni 1956.

Vorspiel April 1956: Elvis trifft Mr. Television

Elvis Presleys Wechsel vom regionalen Plattenlabel SUN zum etablierten New Yorker Label RCA Ende 1955 und die im Januar 1956 folgenden ersten Live-Auftritte im nationalen TV gaben der Karriere des Nachwuchsstars den entscheidenden Schub. War er bis dahin vor allem in den Südstaaten bekannt, machten ihn seine erste RCA-Single Heartbreak Hotel/I Was The One, das Debütalbum Elvis Presley und die ersten TV-Auftritte in Jimmy und Tommy Dorseys Stage Show (Januar bis März 1956) in nur wenigen Monaten zum nationalen und schnell auch zum internationalen Superstar.

Sogar der deutsche Spiegel widmete Mr. Presley 1956 erste Beiträge, im Dezember sogar ein eigenes Cover sowie einen längeren Artikel, der den damaligen Zeitgeist und die Aufregung um das Phänomen Elvis Presley gut auf den Punkt bringt.

Als Elvis im Frühjahr 1956 in San Diego zum ersten Mal auf Milton Berle traf, um am 3. April zusammen mit seiner Band bestehend aus Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und Drummer D.J. Fontana in  Berles Show beim TV-Sender NBC aufzutreten, hatte er mit Heartbreak Hotel bereits einen Nummer-1-Hit in Billboards Country-Charts eingefahren, einen weiteren Rang 1 in den Pop-Charts sowie zwei Triple-Crown-Awards für Heartbreak Hotel auf den Weg gebracht.

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

 

Inzwischen kletterte auch das Debütalbum Elvis Presley in den Albumcharts eifrig nach oben, wo es Anfang Juni die Nummer 1 wurde. Kein Wunder also, dass Milton Berle dem Publikum seiner Show den jungen Gast aus Memphis  als „America’s new singing sensation“ vorstellte.

War Elvis‘ zu diesem Zeitpunkt eindeutig auf einem aufsteigenden Ast, war die lange Karriere des Komikers Milton Berle (1908–2002) 1956 eher im Sinkflug begriffen. Dabei war Berle ein richtiger Tausendsassa. Er hatte sich schon als Kinderstar in der Stummfilmära einen Namen gemacht, war in jungen Jahren bereits erfolgreich am Broadway, reüssierte im Vaudeville, der US-amerikanischen Spielart des Varietés, und konnte sich in den 1930ern als Stand-Up-Comedian etablieren.

Bevor Berle Ende der 1940er das Medium Fernsehen für sich entdeckte – seine Milton Berle Varieté-Show erreichte teilweise bis zu 80 Prozent des amerikanischen Fernsehpublikums -, war er mit verschiedenen eigenen Radiosendungen erfolgreich.

Milton Berle ca. 1950

Milton Berle ca. 1950

Bei aller Vielseitigkeit bleib Berle sich stets treu: Er war ein Slapstick-Komiker und tief dem US-Vaudeville verbunden. Berle gilt heute als einer der ersten Superstars der TV-Ära in den USA, was ihm früh den Spitznamen „Mr. Television“ einbrachte. Bekannt ist er auch als „Uncle Miltie“, ein Name, den er selbst mit einem Standardspruch für seine jugendlichen Zuschauer prägte: „Listen to your Uncle Miltie and go to bed„. Das Ende von Berles Ära als Mr. Television setzte ein, als Konkurrenzsender CBS 1955 die bald sehr populäre TV-Serie The Phil Silvers Show dienstags zur selben Sendezeit ins Rennen schickte. Die witzige Phil Silvers Show war neu, die Milton Berle Show war es jetzt nicht mehr.

Die Idee, den schwindenden Quoten der Milton Berle Show 1956 mit Elvis Presley auf die Sprünge zu helfen, war naheliegend, da RCA – Elvis‘ Plattenlabel – zugleich auch Sponsor der Milton Berle Show war. Und so kam es, dass sich Elvis am 3. April 1956 in „Uncle Miltie’s“ Varieté-Show wiederfand, die vom Deck eines Flugzeugträgers der US-Marine aus, der U.S.S. Hancock vor San Diego, auf Sendung ging.

Das Live-Publikum vor Ort bestand in erster Linie aus Angehörigen der US-Marine. Ganz typisch für Berles Varieté-Show trat auch an diesem Abend eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Gäste in bunter Reihenfolge auf, darunter Badenixe Esther Williams. Das Ganze garniert mit viel Stand-Up-Comedy von Berle, dessen Spezialität neben abgefahrenen Kostümen die schrägen Sketche mit seinen Gästen waren. Damit machte er auch vor Elvis nicht halt, wie in diesem Video zu sehen ist, in dem Milton Berle  Elvis‘ Zwillingsbruder Melvin gibt:

 

 

Der Sketch ist aus heutiger Sicht ziemlich antiquiert, aber was man gut sehen kann, ist, dass Elvis und Milton Berle sich offensichtlich sympathisch waren. Im Vergleich zur Interaktion mit anderen Moderatoren, etwa Steve Allen oder Ed Sullivan, wirkt Elvis Presley hier sehr entspannt, natürlich und selbstsicher. Miltons Humor mag nicht jedermanns Sache gewesen sein, aber bösartig war er sicher nicht. Zudem verhielt sich der selbst ziemlich abgefahrene Gastgeber weder bei den Proben noch bei der Show von oben herab oder machte Anstalten, die dynamichen Auftritte seines Gastes in irgendeiner Form zu beeinflussen oder gar zu zensieren, wie das später der Fall sein sollte. Im folgenden Video ist Elvis‘ mit Heartbreak Hotel am 3. April 1956 zu sehen.

 

 

5. Juni 1956: Hound Dog oder wie ein Windhund einen Sturm auslöst

Elvis und Milton Berle waren also eine ziemlich gute Kombination: Sie profitierten gleichermaßen von der Zusammenarbeit. Milton in Form gestiegener Einschaltquoten, die er dringend benötigte, und Elvis durch die Steigerung seiner Bekanntheit, was sich positiv auf die Chartpositionen und Abverkäufe seiner Platten auswirkte. Eine klare Win-Win-Situation also. Daher war es für Milton Berle auch überhaupt keine Frage, Elvis zu einer zweiten Show am 4. Juni 1956 einzuladen und gleich noch einmal das Honorar  zu erhöhen.

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60 Jahre Elvis in King Creole

2018 feiern gleich mehrere Elvis-Klassiker Jubiläum: Einer davon ist Elvis 4. Kinofilm King Creole. In dem atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Streifen aus dem Jahr 1958 erspielte sich der King vor 60 Jahren neben Walter Matthau den Respekt von Regiealtmeister Michael Curtiz (Casablanca). Das Ganze vor der Kulisse von New Orleans.

Der Hollywoodstreifen ist erstaunlich gut gealtert und im Vergleich zum legendären Jailhouse Rock (1957) vielleicht der wahre Elvis-Filmklassiker aus den 1950ern. Zum Jubiläum von King Creole gibt es hier jedenfalls endlich die längst überfällige Serie zu Soundtrack und Film.

Als Auftakt zur Serie folgt eine Buchbesprechung zum Bildband King Creole Frame by Frame, der 2012 erschienen ist und mit seinen Bilderwelten wunderbar auf den Film einstimmt.

Buchtipp King Creole Frame by Frame

Schon auf den 1. Blick in diese über 400 Seiten starke Veröffentlichung aus dem Hause Flaming Star in Kooperation mit dem Sammlerlabel Follow That Dream wird klar, dass die langjährigen Elvis-Aficionados und Hauptautoren Erik Lorentzen und Pål Granlund aus Norwegen hier tief in ihre umfangreichen Bildarchive gegriffen haben.

Elvis Presley in King Creole (1958)

Über 1.000 wenig bekannte und bislang unveröffentlichte Fotos, meist schwarz/weiß, findet der Leser hier in guter Druckqualität (besser als in diesen Scans!) auf gestrichenem Papier vor. Den Hauptteil der Fotos, die von den Paramount-Fotografen Bud Fraker und Mal Bulloch im Paramount-Studio und vor Ort in New Orleans gemacht wurden, wollen die Autoren schon in den frühen 1970er Jahren während einer ihrer USA-Reisen zu Elvis-Konzerten für ihre Sammlung entdeckt haben.

Alle Fotos: © 2012 Flaming Star

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Onkel Gustav’s Hütte

Potzblitz, das ist er ja tatsächlich! Der Hermann hat recht. In Gustav Matthes‘ Biergarten – im Volksmund liebevoll „Onkel Gustav’s Hütte“ genannt – sitzt unterm Bluna-Sonnenschirm kein geringerer als Elvis Presley höchstpersönlich. Er ist – wie die beiden GIs, die ihn begleiten – in Uniform. Unverkennbar prangt darauf sein Name und das Abzeichen seiner Einheit.

Elvis Presley mit Jugendlichen aus dem Usinger Land vor „Onkel Gustav’s Hütte“ am Hattsteinweiher 1959 – in der Mitte vorne sitzt der 15-jährige Peter Weidemann, rechts neben ihm Freund Hermann Wöhlermann. Foto: Dr. Peter Weidemann

Hinter der kleinen Gruppe, die (noch) allein an einem Tisch sitzt, erstreckt sich eine Liegewiese. Auf ihr haben es sich an diesem hochsommerlich-sonnigen Freitagnachmittag Mitte August 1959 zahlreiche Badegäste auf Decken und Handtüchern bequem gemacht.

Ein beliebtes Ausflugslokal: „Onkel Gustav’s Hütte“ in den 1950er Jahren – Foto: Dr. Peter Weidemann

Die Wiese mündet nämlich in den Hattsteinweiher, dem einzigen offiziellen Badesee im Usinger Land. Eigentlich ist der nichts weiter als ein künstlich angelegter Teich, etwa 1,6 Hektar groß, umgeben von einem Rundweg.

Der Hattsteinweiher bei Usingen heute – vom Rundweg aus in Richtung Liegewiese fotografiert: Rechts hinten im Bild ist die Stelle zu sehen, an der einst Onkel Gustav’s Hütte stand. Es gibt sie schon lange nicht mehr, dafür einen Strand und ein Ausflugslokal – Foto: memphisflash.de

Der Hattsteinweiher liegt vor den Toren des kleinen Örtchens Usingen im Hochtaunus, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Von den Friedberger Ray Barracks aus, wo Elvis Presley vom Herbst 1958 bis März 1960 als Späher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division seinen Wehrdienst absolviert, erreicht man den Weiher mit dem Auto in einer knappen halben Stunde.

GI Presley vor dem Schild seiner Einheit in Friedberg 1958 – kurze Zeit nach dieser Aufnahme wechselte er zur Company C.

Der Hattsteinweiher ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region – im Sommer zum Zelten, Campen und Baden, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Und er ist so ziemlich die einzige Attraktion, die Usingen seinen knapp 5.000 Einwohnern in den 1950ern an einem heißen Sommertag zu bieten hat.

Niemand weiß das besser als der 15-jährige Peter Weidemann, der 1959 in dem Städtchen wohnt und hier das örtliche Gymnasium, die Christian-Wirth-Schule, besucht. 1963 wird er in Usingen sein Abitur machen. Aber noch ist es nicht so weit.

Blick über die Dächer von Usingen heute: Das schlossartige Gebäude in der hinteren Bildmitte ist die Christian-Wirth-Schule, an der Peter Weidemann 1963 sein Abitur macht. Foto: Wikipedia

Keine halbe Stunde bevor Peter an diesem 14. August 1959 zum ersten Mal vor Elvis Presley steht, hat er noch keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und damit auch sein Ferienjob auf dem Bau. Es ist glücklicherweise ein Freitag und er hat früher mit der Arbeit Schluss machen können.

Jetzt heißt es schnell die Badesachen packen, bloß das wertvolle Philips-Kofferradio, ein Geschenk zur Konfirmation, nicht vergessen und die 10 Minuten zum Hattsteinweiher laufen, wo sein jüngerer Bruder Günther und die Clique um seinen gleichaltrigen Freund Hermann sicher schon auf ihn warten.

Fahrrad und Radio immer dabei: Die „Weiher-Clique“ um Peter (in der Mitte) und Hermann (im dunklen Shirt links hinter Peter) am Hattsteinweiher in Usingen. Foto: Dr. Peter Weidemann

Doch kaum hat er sein Zuhause in der Hattsteiner Allee verlassen, sieht er plötzlich seinen Freund auf seinem Rennrad die Allee hinunter sausen. Mit einer Vollbremsung macht er vor Peter Halt. „Peter, du musst unbedingt umkehren und einen Fotoapparat holen. Der Elvis ist am Weiher“, stößt Hermann aufgeregt und völlig außer Atem hervor. „Hier nimm mein Rad, ich warte hier auf dich“, sagt Hermann.

Peter weiß, sein Freund ist nicht nur wie er ein begeisterter AFN-Hörer, sondern auch ein riesiger Elvis-Fan, während er selbst sich genauso gerne Buddy Holly oder Frankie Avalon hört. Dass Elvis sich ausgerechnet an „den Weiher“ zu Onkel Gustav verirrt, ist dennoch wie ein Sechser im Lotto. Peter schnappt sich ohne viel Federlesen das Rad von Hermann und saust zurück zum Elternhaus, wo Vater Weidemann seine Kamera, eine Agfa Clack, aufbewahrt. Und Gott sei Dank ist heute auch ein Film drin.

Zusammen machen sich die beiden Jungs in großer Eile auf dem Weg zum Weiher und dort schnurstracks an den Tisch, an dem der King in aller Seelen Ruhe sitzt und eine Cola trinkt. Als sie ankommen, ist es etwa 15.00 Uhr am Nachmittag. Und obwohl einiges los ist am Weiher – viele Kinder und Jugendliche genießen die Badesaison – haben erst wenige Elvis Presley erkannt.

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Einmal in Elvis‘ Bett schlafen

Einmal in Elvis‘ Bett schlafen oder auf demselben grünen Sofa ein Nickerchen halten. Diesen Traum können sich die deutschen Fans des King demnächst ganz leicht erfüllen.

Elvis lesend auf dem grünen Sofa im Bad Nauheimer Hotel Grunewald – Foto: Elvis As Any Other Soldier von Jerry Osborne

Der Clou: Sie müssen dafür nicht weit reisen. Es reicht ein Trip in die Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim, wo Elvis während seines Militärdienstes in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 seine Zelte aufschlug.

Rechtzeitig vor dem 40. Todestag des King wird dort nämlich im August 2017 die Villa Grunewald nach Jahren des Leerstandes als Hotel und Boarding House neu eröffnet, wie die Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH mitteilt.

Das Hotel Grunewald in unmittelbarer Nähe des Kurparks in Bad Nauheim heute – Foto: www.memphisflash.de.

Das Grunewald ist das Hotel, in dem Elvis mit seinem Vater, seiner Großmutter und den Freunden Lamar Fike und Red West vom Herbst 1958 bis Anfang 1959 für etwa vier Monate wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 anmietete.

Im Grunewald hatte der King eines der schönsten Zimmer mit Blick auf den Kurpark – das Zimmer Nummer 10 im obersten Stockwerk des alterwürdigen Hotels. Und genau dieses Zimmer kann man ab August 2017 wieder als Hotelgast bewohnen.

Elvis‘ Zimmer Nr. 10 im Hotel Grunewald – Foto aus 2011: Winfried Eberhardt

 

Zum Vergleich: Red West hat es sich auf Elvis‘ Bett im Zimmer Nr. 10 gemütlich gemacht – 1958/59 – Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010.

Villa Grunewald: King’s Castle

Vor zwei Jahren war das Grunewald, das heute noch fast genau so aussieht wie zu der Zeit, als Elvis hier residierte, von den Bad Nauheimer Architekten Alfred und Christian Möller gekauft worden.

Das stadtbildprägende Haus in der Terrassenstraße 10 aus dem Jahr 1888 hatte nach dem Auszug der inzwischen verstorbenen früheren Eigentümerin Rita Issberner-Haldane seit 2011 leer gestanden. Eine Wiedereröffnung als Hotel unter Beibehaltung des historischen Ambientes bot sich an.

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