Gladys Love Presley

Am 25. April 1912 erblickte Gladys Love Presley (25.4.1912 – 14.8.1958) in Pontotoc County, Mississippi das Licht der Welt. Kaum jemand bezweifelt heute, dass Elvis Presleys Mutter eine der wichtigsten Personen, wenn nicht die wichtigste Person überhaupt, in seinem Leben war.

Gerade deshalb wird sie von den meisten seiner Biografen als eine Person geschildert, deren Bedeutung vor allem im großen Verlust durch ihren frühen Tod 1958 und ihrer zwangsläufigen Abwesenheit im Leben des erwachsenen Sohnes liegt. Kurz: Gladys als tragischer Verlust mit fatalen Folgen.

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Gladys und Vernon Presley mit Ihrem 2 Jahre alten Sohn Elvis 1937

Diese Perspektive ist nachvollziehbar, doch sie greift  zu kurz. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Elvis‘ Mutter Gladys – wie überhaupt auf seine Vorfahren mütterlicherseits – zu werfen. Vorhang auf für eine wahrlich illustre Familiengeschichte mit Charakteren, die auf ihre Art einen ähnlich guten Stoff für ein Südstaatenepos abgeben wie die Figuren in Margret Mitchells berühmten Roman Vom Winde verweht. Und so ganz nebenbei gewährt die Familiengeschichte der Mansell-Smith tiefe Einblicke in die Historie der amerikanischen Südstaaten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Some of you never been down South too much…

Tony Joe Whites Südstaaten-Song Polk Salad Annie, aus dem diese Textzeile stammt, ab 1970  fester Bestandteil in Elvis Presleys Live-Repertoire, könnte auch gut ein Song über Gladys Smith und ihre Familie sein. Kein Wunder also, dass der King einmal selbst zu Tony Joe White sagte: „Man, I feel like I wrote this song myself“.

Gladys Vorfahren jedenfalls lassen sich auf die Familie der Mansells zurückverfolgen, die sich schon im 18. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten ansiedelten. Der Name Mansell ist eigentlich französicher Herkunft und heißt so viel wie „Mann aus Le Mans“. Im Zuge der normannischen Eroberung kamen die „Männer aus Le Mans“ zunächst nach England, wo sie sich mit der dortigen Bevölkerung mischten – im Falle von Elvis Presleys Vorfahren mütterlicherseits vor allem mit Schotten und Iren.

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Der Familienstammbaum mütterlicherseits

Irgendwann im 18. Jahrhundert wanderte Gladys‘ schottisch-irischer Familienzweig dann nach Amerika aus, wo Richard Mansell aus South Carolina als Soldat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Kriegerisch ging es zunächst auch für seinen Sein Sohn William (1795 – 1842) weiter, der unter dem Oberbefehl Andrew Jacksons, General der Tennessee-Miliz und späterer 7. Präsident der Vereinigten Staaten, an der Vertreibung der Muskogee (Creek)-Indianer und der berühmt-berüchtigten Schlacht am Horseshoe Bend 1814 beteiligt war. Man sieht schon, die Presleyschen Vorfahren haben von Anfang an  Spuren in den amerikanischen Geschichtsbüchern hinterlassen ;-).

Andrew Jackson, der auch als Begründer der Demokratischen Partei gilt, setzte sich vehement für die Vertreibung der amerikanischen Urbevölkerung ein, nachdem Indianer im 2. Unabhängigkeitskrieg zwischen dem Vereinten Königreich und den Vereinten Staaten von Amerika auf der Seite der Briten gekämpft hatten. In William Mansell hatte er offensichtlich einen treuen Gefolgsmann, denn dieser zog auch noch mit in den Krieg gegen den Stamm der Seminolen, bevor er die Waffe endgültig gegen den Pflug eintauschte und sich 1820 auf einer Farm in Marian County/Alabama niederließ.

Nun könnte man meine, dass William Mansell ein ausgesprochener Indianerhasser war, was aber ganz offensichtlich nicht der Fall war, denn der Gute suchte sich flugs eine Frau und heiratete eine waschechte Cherokee-Indianerin mit dem schönen Namen Morning White Dove (ca. 1800 – 1835). Das war gar nicht so ungewöhnlich in den Südstaaten, denn längst nicht alle indianischen Ureinwohner befanden sich im Krieg mit den weißen Siedlern – die Cherokees waren teilweise schon früh zum Christentum übergetreten und hatten sich assimiliert. Für einen jungen Farmer war eine Cherokee-Frau, die jahrhundertealtes Wissen um die Geheimnisse der Natur dieses wilden Landes mit in die Ehe brachte, pures Gold wert.

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit 'Indian Chief'

Clan-Chef Elvis 1976 im Jumpsuit ‚Indian Chief‘

Und es lief gut für William und Morning White Dove – sie bewirtschafteten erfolgreich ihre Farm und brachten trotz hoher Kindersterblichkeit drei Kinder durch: John, Morning Dizenie und James J. Mansell. Tochter Morning Dizenie konnte ihren sozialen Status verbessern, indem sie den angesehenen Arzt und Großgrundbesitzer Dr. Russell Palmer heiratete.

Im Gegensatz zu ihr war der älteste Sohn John Mansell, der die Farm erbte, ein ganz wilder Zeitgenosse, den die Familie euphemistisch als „wholly wild Injun“ (total wilden Indianer) beschrieb. Er war wohl kein besonders guter Farmer, dafür aber ein Womanizer erster Güte, der neben den Kindern, die er mit seiner Frau Betsy und wahrscheinlich auch deren Schwester Rebecca hatte, zudem eine große Menge illegitimer Nachfahren in die Welt setzte, bevor er 1880 die Farm ganz verlor, mit einer weiteren Dame durchbrannte und sich fortan Colonel Lee Mansell nannte. Die Versorgung von Ehefrau, Schwägerin und erklecklicher Nachkommenschaft überließ John einfach seinem ältesten Sohn: White Mansell.

White Mansell heiratete 1870 Martha Tackett aus Tennessee und mauserte sich zum veritablen Clan-Chef, der das Konzept der Großfamilie wirklich lebte. Zu einem Viertel indianischer Abstammung sorgte der Great White Father of the Mansells schon 1880 nicht nur für Frau und vier Kinder (es sollten noch mehr werden), sondern auch für die Großmutter mütterlicherseits, die eigene Mutter, zwei Schwestern und eine Tante sowie die zwei Kinder der Tante. Gleich nebenan lebten außerdem seine beiden Brüder William und George mit ihren Familien. Nachtigall ick hör dir trapsen: Elvis Presley war wohl nicht der Erste in seiner Familie, der die Hütte gerne so richtig voll hatte!

Der Mansell-Clan zog unter dem Kommando des White Chief um 1900 auf die Hussey Farm in Richmond, wo die Familienmitglieder als Baumwollpflücker arbeiteten. Eine der Töchter Whites und Marthas war die schöne, lebenslustige Octavia Luvenia Mansell (1876 – 1935), die von allen nur „Doll“ (Puppe) genannt wurde. Die schöne Octavia war fast schon so etwas wie ein „spätes Mädchen“ als sie mit 27 Jahren 1903 ihren Cousin Robert (Bob) Smith, Sohn von Whites Schwester Anna Mansell und Milege Obediah Smith, heiratete.

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Gladys Eltern Bob und Doll Smith

Und dieses schöne Paar waren Gladys Eltern bzw. Elvis Presleys Großeltern mütterlicherseits. Leider meinte es das Schicksal mit den Smith‘ nicht ganz so gut wie noch fast 100 Jahre zuvor mit William Mansell und Morning White Dove. Viel war passiert seitdem. Gelbfieberepedemien hatten die Bevölkerung dahingerafft und was das Gelbfieber nicht vermochte, hatten der Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg besorgt.

Die Smith lebten von der Hand in den Mund, Doll litt unter Tuberkulose – damals in der armen Bevölkerung praktisch unheilbar –  und war die meiste Zeit bettlägrig. Trotzdem bekam sie in knapp 20 Jahren neun Kinder, von denen acht überlebten – ihre Tochter Gladys Love kam als viertes Kind am 25. April 1912 in Pontotoc County, Mississippi zur Welt, wo sich die Smith-Familie unter der Führung von Clan-Chef White Mansells inzwischen niedergelassen hatte.

Die junge Gladys Smith

Die junge Gladys wuchs mit ihren Geschwistern Lillian, Levalle, Retha, Travis, Clettes, John und Tracy in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Alle Kinder schliefen mit den Eltern in einem Raum – die Kinder, bis auf das jeweils jüngste, das im Bett mit den Eltern schlafen durfte, auf dem Boden.

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Priscilla Presley: Für immer 14

Im Januar wäre Elvis Presley 85 Jahre alt geworden. Und wie bei allen Jubiläen, die der King nicht mehr erlebt, ist er auch diesmal wieder ordentlich gefeiert worden – unter tatkräftiger Mithilfe von Exfrau Priscilla. Schließlich ist sie eine der Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung ihres Göttergatten.

Was beim Jubiläums-Hype auch in diesem Jahr wieder völlig untergeht, ist die Tatsache, dass auch Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – einen feiernswerten Geburtstag begeht. Die Queen wird am 24. Mai 2020 stolze 75 Lenze alt. Da kann man doch wirklich gratulieren, oder?

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Für immer 14: Priscilla Presley heute vor 60 Jahren am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. War die nicht erst 14, als sie den G.I. Elvis in Deutschland kennenlernte? Genau!

Dieses Alter hat sich dergestalt ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass es für immer mit ihr verbunden wird. Irgendwie ist Priscilla für immer 14 – sehr unschuldig und sehr schön. Und die Ex des King tut so einiges, um ihr wahres Alter zu verschleiern. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute ähnlich zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wenn man in das alterslose Gesicht Priscilla Presleys schaut, das nicht einmal den Ansatz einer Sorgenfalte erkennen lässt, dann könnte man fast vergessen, dass sie eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Alterslos: Priscilla Presley 2019 – Foto: Demotix

Obwohl Tochter Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – heute mittlerweile deutlich über 50 ihr Erbe schon vor Jahrzehnten angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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Lesenswert: Dave Marsh in Elvis Walk A Mile In My Shoes

Die nächste Runde ist eröffnet für meine Serie über die überraschend kleine und zum Teil wenig bekannte Gruppe von lesenswerten Veröffentlichungen, die sich kenntnisreich ausschließlich mit dem Musiker und Sänger Elvis Presley beschäftigen.

Elvis Presley legt alles in einen Song (1972) – Foto: Boxset Walk A Mile in my Shoes

Vorgestellt habe ich in der Vergangenheit schon Will Friedwalds erstaunliches Elvis-Essay in A Biographical Guide to the Great Jazz and Pop Singers (2010), Shane Browns Elvis Presley A Listener’s Guide (2014 – hiervon gibt es eine bearbeitete und ergänzte 2. Auflage unter dem Titel Reconsider Baby, 2017), Robert Matthew-Walkers Elvis Presley A Study in Music (1979) und Helmut Radermachers Elvis A Life in Music (2017), die Neubearbeitung von Ernst Jorgensens Elvis Presley: A Life in Music.

Heute ist einer der bekannteren Elvis-Autoren an der Reihe: der amerikanische Rockmusk-Aficionado und Autor Dave Marsh (*1950), berühmt-berüchtigt für seine exzellent geschriebenen, aber oftmals auch provokanten Aussagen über die Musiker seines bevorzugten Genres.

Marsh, der ab den 1970ern für verschiedene Musikmagazine wie Creem und Rolling Stone schrieb, hat eine ganze Reihe von Büchern über Musiker – allein vier über Bruce Springsteen – sowie Rockmusik im Allgemeinen veröffentlicht (The Heart of Rock and Soul – The 1001 Best Singles Ever Made, 1999) und engagierte sich zudem in der Rock ’n‘ Roll Hall of Fame. 

Dave Marsh in seinem Büro – Foto: www.davemarsh.us

Marsh zählt neben Greil Marcus und Peter Guralnick zu den Top-Elvis-Autoren aus der Fraktion der amerikanischen Musikjournalisten, die sich vor allem mit Rockmusik beschäftigen bzw. in der Vergangenheit beschäftigt haben.

Zu seinen bekannteren Elvis-Veröffentlichungen gehören der Nachruf Elvis Presley: Spiritual Leader of a Generation im Magazin Rolling Stone vom 22.9.1977, vor allem aber die vielbeachtete Buchveröffentlichung Elvis aus dem Jahr 1982.

Elvis: The Seventies

Weit weniger bekannt als seine Buchveröffentlichung Elvis von 1982 ist Marshs Essay „Elvis: The Seventies“ im Begleitheft zu dem 1995 erschienenen und von Ernst Jorgensen zusammengestellten Boxset Elvis Walk A Mile in my Shoes: The Essential 70’s Masters.

Boxset Elvis Walk A Mile In My Shoes – The Essential 70’s Masters

Das dritte Boxset der Essential-Reihe aus den 1990ern konzentriert sich mit seinen fünf CDs ausschließlich auf Elvis Presleys musikalisches Schaffen zwischen 1970-1977 – hier vor allem die Studioaufnahmen – und gilt bis heute als guter Einstieg in den Elvis der 70er für alle, die hier bislang Berührungsängste hatten.

Das Bemerkenswerte an Marshs Essay Elvis: The Seventies ist, dass es dem Autor nicht nur gelingt, Elvis‘ Musik der 1970er stimmig in den Kontext seiner Gesamtkarriere einzuordnen – und dabei mit ein paar grundlegenden Missverständnissen aufzuräumen -, sondern zentrale Erkenntnisse über den Künstler Elvis Presley zu präsentieren, wie sie andernorts kaum je zu finden sind.

Dabei schlägt der Musikjournalist eine Brücke vom Elvis der 1950er zu dem der 1970er Jahre und zeigt erstmals die Kontinuität im Schaffen des King auf – vom Anfang bis zum (bitteren) Ende. Damit schafft Marsh auf knapp 40 Seiten, was Peter Guralnicks zweibändiger Biographie aus den 1990ern auf mehr als tausend – zweifelsohne hervorragend geschriebenen – Seiten nicht abschließend gelingt: Er bringt den Künstler Elvis Presley auf den Punkt!

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Spotlight 4. Dezember 1956: Elvis trifft Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash

Am 4. Dezember 1956 hat Elvis Presley einen seiner berühmten spontanen Einfälle. Mit seiner neuesten Flamme Marilyn Evans aus Las Vegas und Musikerfreund Cliff Gleaves im Schlepptau ist er in einem seiner Straßenkreuzer unterwegs durch Memphis, als er sich spontan entschließt, bei seiner alten Wirkungsstätte – Sam Phillips SUN-Studio, 706 Union Avenue – vorbeizuschauen.

Genau hier im SUN-Studio hat er fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahre zuvor seine erste kommerzielle Single That’s All Right (Mama)/Blue Moon Of Kentucky aufgenommen und damit praktisch aus dem Stand heraus seine Megakarriere gestartet. Inzwischen ein  Superstar mit lukrativem Plattenvertrag beim bekannten New Yorker Label RCA und einer beeindruckenden Folge an Nummer-1-Hits sowie gleich 2 Nummer-1-Alben in den amerikanischen Charts innerhalb weniger Monate, kehrt der King of Rock ’n‘ Roll an diesem milden Dezembernachmittag 1956 dorthin zurück, wo alles anfing für ihn.

  • The Kings of Rock 'n' Roll haben richtig Spaß (v.l.n.r.): Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Elvis (am Klavier) und Johnny Cash am 4. Dezember 1956 im Sun Studio in Memphis

Als Elvis gut gelaunt zusammen mit Marilyn Evans und Cliff Gleaves bei Sam Phillips reinschneit, ist einer seiner erfolgreichen Nachfolger bei SUN – Carl Perkins – gerade mit einer eigenen Aufnahmesession zugange. Perkins nimmt an diesem Tag einen seiner bekanntesten Songs – Matchbox – auf und wird dabei unterstützt von seinen Brüdern Clayton und Jay, Schlagzeuger W.S. Holland und einem noch wenig bekannten Mann am Klavier: Jerry Lee Lewis. Lewis arbeitet für Studioinhaber Phillips als Session-Pianist.

Nach ein bisschen Smalltalk mit Entdecker Phillips und Anhören der Perkins-Aufnahme, die ihm gut gefällt, gesellt sich Elvis zu den anderen Musikern im Aufnahmeraum, setzt sich ans Klavier und startet damit eine Jam-Session unter seiner Führung, an der alles spontan, nichts vorbereitet und erst recht nichts geprobt ist. Mit anderen Worten die Session ist vor allem eins: very Elvis, d.h. Spaß unter Kumpels, die einen sehr ähnlichen musikalischen Hintergrund haben.

Elvis übernimmt bei den meisten Songs den Leadgesang, ist an der Gitarre zu hören und gibt bald den Platz am Klavier frei für Jerry Lee Lewis, der ordentlich in die Tasten haut und auch gesanglich ganz vorne mit dabei ist. Zurückhaltender als Lewis gibt sich Carl Perkins, der Gitarre und Gesang beisteuert. Auf den erhaltenen Aufnahmen dieser Jam-Session praktisch gar nicht zu hören ist der 4. berühmte SUN-Künstler, der an diesem Tag ebenfalls bei Sam Phillips vorbeischaut: Johnny Cash.

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It’s Halloween, Baby!

An Halloween verkleiden sich nicht nur Imitatoren als Elvis. Nein, an Halloween langt auch schon mal der Karl-Heinz von nebenan tief in die Faschings-Klamottenkiste und zum Elvis-Kostüm. Dabei besonders beliebt: Motiv 70er Jahre Elvis – Jumpsuit mit oder ohne Cape, dazu schwarze Perücke mit unübersehbaren Koteletten und natürlich die legendäre Sonnenbrille. Nicht immer wirklich geschmackvoll, aber immer unverkennbar!

Elvis-Kostüm für Halloween – Foto: horror-shop.com

Ob Elvis sich selbst an Halloween verkleiden würde? Gut möglich. Am 31. Oktober 1957 tat er es auf jeden Fall für eine Celebrity-Party des bekannten Herrenschneiders Sy Devore in Los Angeles.

Sy Devore, der bekannt dafür war, die männlichen Hollywoodgrößen seiner Zeit – darunter Frank Sinatra, Nat King Cole, Bob Hope, Dean Martin, Sammy Davis Jr., Spencer Tracy und sogar Präsident John F. Kennedy – in stylische Klamotten zu hüllen, hatte seine berühmte Klientel ins Restaurant Lucy’s New Orleans in L.A. geladen.

Mit dabei war der neue Superstar am Entertainment-Himmel: Elvis Presley. Der hatte sich inzwischen auch in Hollywood mit drei Kinofilmen einen Namen gemacht – Jailhouse Rock war kürzlich abgedreht und sollte ein paar Tage nach Halloween am 7. November 1957 in die amerikanischen Kinos kommen. Sy Devore kreiierte in den Folgejahren noch so manches kultige Kleidungsstück, das Elvis in seinen Hollywoodfilmen trug. Darunter u.a. diese kragenlose Jacke mit aufgesetzten Taschen, die Elvis in der bekannten Filmszene C’mon, Everybody mit Ann-Margret aus dem Film Viva Las Vegas (1964) trug.

Bleibt die Frage, mit was der King sich an Halloween 1957 verkleidetete? Gruselmaske, Kürbiskopp, Ganzkörperskelettanzug oder eine frühe Version seiner 70er-Jahre-Jumpsuits? Oder ging er etwa als „Faschingsmuffel“ ganz langweilig einfach nur als er selbst? Weder noch.

Wie auf den Fotos vom 31. Oktober 1957 zu sehen ist, trug er eine stylische goldfarbene Augenmaske, die ein bisschen an „Karneval in Venedig“ erinnert und dazu ganz schlicht einen roten Wollpullover mit V-Ausschnitt, mit dem er auch privat in dieser Zeit immer wieder zu sehen war. Umgeben von einer ganzen Reihe attraktiver Damen hatte er offensichtlich Spaß und – sehr selten – wird dabei fotografiert, wie er ein Bierchen zischt.

  • Elvis mit Schauspielerin Allison Hayes (links) und Gastgeber Sy Devore am 31. Oktober 1957 in Restaurant Lucy's New Orleans in Los Angeles.

Happy Halloween!

Elvis Presleys Blue Moon

Ziemlich genau 15 Jahre bevor der amerikanische Astronaut Neil Armstrong im Sommer 1969 als erster Mensch den Mond betrat, setzte Elvis Presley unserem Lieblingsplaneten ein musikalisches Denkmal mit dem Song Blue Moon. Geniale Voraussicht des King, oder?

Elvis Presley und der Blue Moon.

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung und 65 Jahre nach Elvis‘ Aufnahme in Sam Phillips legendärem Sun-Studio in Memphis wird das jedenfalls ganz gerne so gesehen, zumal Blue Moon vom Sommer 1954 eine sehr ungewöhnliche Aufnahme für den „Rockabilly-Elvis“ aus den guten alten Sun-Tagen ist. Zumindest scheint das so – auf den ersten Blick.

Zu ungewöhnlich jedenfalls für Studioinhaber Sam Phillips, der nach der ersten erfolgreichen Single That’s All Right/Blue Moon Of Kentucky lieber etwas in dieselbe Richtung folgen lassen wollte.

Blue Moon wurde jedenfalls nie bei Sun veröffentlicht, sondern erschien erst nach Elvis Presleys Wechsel zum Plattenlabel RCA im März 1956 auf der ersten LP des King mit dem schlichten Titel Elvis Presley. Und ein halbes Jahr später dann gemeinsam mit Just Because – ebenfalls bei Sun aufgenommen – auf Single.

Elvis Presley Blue Moon – Boxset A Boy From Tupelo, 2012

Ein Chartstürmer wurde Blue Moon bei Label RCA nicht – dennoch gilt der Song heute zurecht als Elvis-Klassiker. Doch wo kommt der eigentlich her?

Blue Moon startet als Prayer

Blue Moon ist eigentlich ein klassischer Pop-Song – 1933 komponiert von Richard Rodgers und Lorenz Hart für den Hollywoodstreifen Hollywood Party mit Clark Gable und Myrna Loy. Darin wurde er – damals noch unter dem Titel Prayer und mit einem völlig anderen Text als dem heute bekannten – allerdings dann doch nicht verwendet.

Von den Komponisten mit einem neuen Text versehen, war Blue Moon ein Jahr später in einem anderen Hollywoodfilm, und zwar Manhattan Melodrama, zu hören. Allerdings hieß die Komposition jetzt It’s Just That Kind of Play und sie hat ebenfalls wenig mit dem Elvis-Song gemein.

Blue Moon unter dem Titel It’s Just That Kind of Play von Shirley Ross aus dem Film Manhattan Melodrama (1934):

Ein Hit wurde der Song in dieser Manhattan Melodrama-Version auch nicht – ein neuer, „kommerziellerer“ Songtext sollte es richten. Also machten sich die Komponisten, durchaus widerwillig, noch einmal ans Werk – und das war das Ergebnis:

Blue moon
You saw me standing alone
without a dream in my heart
without a love on my own.

Blue moon
You knew just what I was there for
you heard me saying a prayer for
somebody I really could care for

And then there suddenly appeared before me
the only one my arms will ever hold
I heard somebody whisper, „Please adore me“
and when I looked
the moon had turned to gold.

Blue moon
now I’m lo longer alone
without a dream in my heart
without a love on my own

Der neue Liedtext hat gleich mehrere Bedeutungsebenen: „blue moon“ verweist auf den Glauben an ein sehr seltenes Phänomen, bei dem der Vollmond zweimal kurz hintereinander (in einem Kalendermonat) zu sehen sein soll. Daraus leitet sich die englische Redewendung „once in a blue moon“ ab, mit der Ereignisse beschrieben werden, die höchst selten bis nie eintreten. Außerdem steckt natürlich das Adjektiv „blue“ im Songtitel, das übersetzt sowohl „blau“ als auch „traurig“ heißen kann.

So wie der Song von Rodgers und Hart aufgebaut ist, findet der zu Beginn einsame und daher traurige Sänger (oder die traurige Sängerin) schließlich doch die wenig wahrscheinliche große Liebe. Ein klassisches Liebeslied mit Happy End.

Mit diesem neuen Text schaffte es Billy Eckstines Jazz-Version 1947 in die Charts, allerdings auch ohne ein ganz großer Hit zu werden …

… und hier die Version der großen Billy Holiday aus dem Jahr 1952.

Sehr populär und ein Nummer-Eins-Hit wurde Blue Moon erst viel später in der völlig anders klingenden Doo Wop-Version von The Marcels Anfang der 1960er, die wohl (fast) jeder schon mal gehört hat. Von Elvis‘ Version ebenfalls weit entfernt, allerings mit Rodgers und Harts ursprünglichen Blue Moon-Text…

Elvis Presleys Crossover

Woher Elvis den Song, von dem es inzwischen Hunderte Cover-Versionen gibt, kannte und wer oder was ihn dazu inspirierte, Blue Moon aufzunehmen, ist bis heute unbekannt. Er selbst hat sich zur Songauswahl – wie in den meisten anderen Fällen – nicht geäußert, und auch Studioinhaber Sam Phillips konnte dazu leider keine genauen Angaben machen.

Der 19-jährige Elvis Presley im Nachclub Eagle’s Nest in Memphis, wo er im Sommer 1954 auftrat, etwa zu der Zeit als er Blue Moon aufnahm – Foto: Boxset The Boy From Tupelo, 2012

Man ging lange davon aus, dass Blue Moon am 19. August 1954 – also bei der zweiten professionellen Aufnahmesession von Elvis mit Scotty Moore und Bill Black im Sun Studio – eingespielt wurde. Aber selbst das gilt heute nicht mehr als sicher, da Sam Phillips ein auffälliger Fehler bei der Beschriftung der Bandaufnahme unterlief.

Seltsam ist, dass er – obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits eine erfolgreiche Single mit dem 19-jährigen Teenager Elvis Presley am Markt hatte und ganz auf ihn als Talent setzte – seinen Vor- und Nachnamen falsch vermerkte als: A. Pressley.

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Gekippt: Der Mythos von Elvis Presleys Tonträgerverkäufen

Elvis Presley hat mehr als 1 Milliarde Tonträger weltweit verkauft, so heißt es. Diese monströse Zahl ist seit Jahrzehnten in Umlauf, sie gilt als gesetzt. Erst kürzlich spielte sie bei der posthumen Verleihung der Freiheitsmedaille des amerikanischen Präsisdenten Donald Trump an Elvis Presley eine Rolle in der Laudatio. Aber lässt sich die Milliarde auch faktisch belegen… oder widerlegen?

Elvis Presley hat gut lachen, denn er gilt als Megaseller der Musikgeschichte. Ob er tatsächlich 1 Milliarde Tonträger verkauft hat, darf allerdings bezweifelt werden.

Elvis‘ Plattenlabel RCA – heute unter dem Dach von Riese Sony zuhause – dürfte kaum ein Interesse an der Veröffentlichung ungeschminkter Verkaufszahlen haben, so viel ist sicher. Wer lässt sich schon gerne in die Karten schauen? Schließlich wurden und werden dort wie in der Branche üblich hohe Verkaufszahlen seit Jahrzehnten gerne für Marketingzwecke eingesetzt. Frei nach dem Grundsatz, dass ein bisschen Hype auch den Großen der Branche nicht schaden kann – zu viel Transparenz hingegen schon.

Fairerweise muss man sagen, dass Sony den Milliarden-Hype im Falle von Elvis wohl in erster Linie geerbt hat: Die Milliarde soll auf einen ehemaligen Produktmanager zurückgehen, der – bevor Elvis‘ langjähriges Plattenlabel RCA zu Sony gehörte – die Zahl offensichtlich in Umlauf gebracht hat, ohne sie je näher zu erläutern. Seitdem – und das ist schon ein gutes Weilchen her – steht die Milliarde sozusagen im Raum. Wie Elvis selbst ist sie einfach nicht tot zu kriegen.

Dabei spricht längst einiges dafür, dass die Angaben zu Elvis‘ Tonträgerverkäufen ähnlich wie die sagenumwobene Einschaltquote von angeblich mehr als 1 Milliarde Fernsehzuschauern für das 1973 via Satellit übertragene TV-Konzert Elvis Aloha From Hawaii vor allem auf Hochrechnungen und der Annahme beruht, dass der King schon aufgrund seines globalen Bekanntheitsgrades einfach ein Megaseller sein muss.

Der Unbedarfte sagt sich jetzt: Das zu recherchieren, kann nicht so schwierig sein: Ein Blick auf die Alben, die er veröffentlicht hat, dazu die Zertifizierungen der Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) und die von Nielsen Soundscan erfassten Verkäufe, das müsste doch zumindest einen ersten Anhaltspunkt bringen. Guter Plan, aber leider ist es nicht ganz so einfach.

Die R.I.A.A. erfasst nämlich nur die Verkäufe in den USA (der Rest der Welt fehlt) – und das auch noch nach einem System, das Spielraum für Interpretationen lässt. Nielsen Soundscan startete 1991 mit seinen Erhebungen, da war Elvis Presley, der seine erste Single 1954 veröffentlichte, schon 14 Jahre tot. Und dazu kommt noch die Mutter aller Probleme, nämlich die unübersichtliche Diskografie Elvis Presleys mit einer Vielzahl von Kompilationen über Jahrzehnte hinweg.

In den letzten Jahren sind auch noch Downloads und Streamings dazu gekommen. Die meisten Leute verlieren schon nach einem kurzen Blick auf das Chaos spontan die Lust auf weitere Recherchen und legen stattdessen lieber gleich einen bekannten Elvis-Klassiker auf. Nicht die schlechteste Idee.

Die Chartmasters kommen

Wer sich davon nicht hat abschrecken lassen, ist eine kleine Gruppe von Musikstatistik-Enthusiasten um den französischen Informatiker Guillaume Vieira, die auf der englischsprachigen Website Chartmasters.org neben vielen anderen Informationen die Verkaufszahlen von Musikgrößen der Vergangenheit und Gegenwart über die vorhandenen physischen und digitalen Musikformate hinweg unter die Lupe nehmen.

Dafür nutzen sie ein eigens dafür entwickelten System, das sie Commensurate Sales to Popularity Concept (CSPC) nennen. CSPC dient dazu, die Verkäufe von verschiedenen analogen und digitalen Musikformaten vergleichbar zu machen, indem sie in „equivalent album sales“ (EAS), also äquivalente Albumverkäufe, umgerechnet werden. Zum „Umrechnungskurs“ siehe Legende zur Tabelle weiter unten.

In 2018 war die Evaluation von Elvis Presleys musikalischem Output zu Lebzeiten und posthum dran – ein monatelanges Unterfangen, dass das Chartmasters-Team laut Vieira an den Rand seiner Kapazitäten brachte. Herausgekommen ist dabei eine hochinteressante, wenn auch teilweise sehr komplexe und überraschende Analyse der Verkaufszahlen des King, die nicht fangetrieben ist und auch nicht in erster Linie darum kreist, ob der King nun die 1 Milliarde geknackt hat oder nicht.

Allerdings hat sich das Team unter Führung von Vieira schon mit den Hochrechnungen diverser Autoren der Elvis-Szene befasst und die Mechanismen, mit denen die Milliarde zu beweisen versucht wird, kritisch hinterfragt.

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If you’re looking for trouble: Der Vater-Sohn-Konflikt in King Creole

Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis Presley, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

„I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.“

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

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Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie „die Viper“) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis „verzärtelten“ Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

„If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin‘ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?“

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

„It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.“

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn „chicken“, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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Welcome Elvis Presley in Germany

Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen „E-Day“, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

Elvis, James Dean, Momism und das Hollywoodkino der 1950er

1956 wurde Elvis Presley zum gefeierten Idol von Millionen weltweit – und blieb dabei vor allem eins: selbst ein Fan. Neben den vielen Musikern unterschiedlicher Genres, die der King verehrte (I just loved music, all type of music“), galt seine ganz große Liebe dem Kino und den Kinohelden seiner Zeit.

Träumer Elvis bei den Dreharbeiten zu seinem 4. Hollywoodfilm King Creole (1958)

Früh träumte der junge Elvis, der während seiner High School-Jahre als Platzanweiser in Loew’s State Theater in Memphis jobbte, davon, selbst einmal zu den Helden der großen Leinwand zu gehören, wie er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards 1971 verriet:

„When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. I read comic books, and I was the hero of the comic book. I saw movies, and I was the hero in the movie. So every dream that I ever dreamed, has come true a hundred times.“

Elvis Presley bei der Preisverleihung der „Ten Outstanding Young Men Of The Nation“ 1971

Einer der Leinwandhelden, die der junge Elvis verehrte, war James Dean (1931-1955). Vor allem James Dean in der Rolle des jugendlichen Rebellen Jim Stark aus Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955).

Es war diese Rolle, die den 24-jährigen Dean, der am 30. September 1955 – nur paar Wochen vor der Kinopremiere des Films – bei einem Autounfall ums Leben kam, zum unsterblichen Jugendidol machte.

James Dean im Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

Zu diesem Zeitpunkt konnte Elvis noch nicht ahnen, dass er selbst nur wenige Monate später als singende Fortsetzung James Deans in den Fokus Hollywoods rücken sollte.

Schon im Januar 1956 wurde Hollywood-Produzent Hal B. Wallis (alias Aaron Blum Wolowicz, 1898-1986), der sehr erfolgreich für Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount Pictures arbeitete, auf Elvis Presley aufmerksam, als der einen seiner ersten Auftritte im amerikanischen Fernsehen, nämlich in der Jimmy und Tommy Dorsey Show, hatte.

Wallis war nach eigener Aussage (vgl. Wallis Autobiografie Starmaker, 1980) sofort elektrifiziert von Ausstrahlung des jungen Musikers und wollte ihn unbedingt für Hollywood verpflichten, was nach einem erfolgreichen Screentest im März 1956 und Verhandlungen mit Elvis‘ Manager Colonel Tom Parker auch gelang.

Bei den Dreharbeiten zu King Creole: Produzent Hal Wallis (Mitte), Regisseur Michael Curtiz und Elvis Presley im Gespräch

Laut Wallis hatte Elvis das gewisse Etwas, das ihn an den jungen Errol Flynn – Leinwandidol der 1930er und 40er Jahre – erinnerte, und er passte mit seinem wilden Musikstil und Aussehen sehr gut in die neue Riege der jungen Hollywood-Rebellen, zu denen Marlon Brando (1924-2004) wegen seiner Rolle im Kultfilm The Wilde One (Der Wilde, 1953) ebenso zählte wie James Dean.

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