Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie “die Viper”) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis “verzärtelten” Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

“If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin’ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?”

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

“It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.”

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn “chicken”, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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Welcome Elvis Presley in Germany

Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen “E-Day”, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

Elvis, James Dean, Momism und das Hollywoodkino der 1950er

1956 wurde Elvis Presley zum gefeierten Idol von Millionen weltweit – und blieb dabei vor allem eins: selbst ein Fan. Neben den vielen Musikern unterschiedlicher Genres, die der King verehrte (I just loved music, all type of music”), galt seine ganz große Liebe dem Kino und den Kinohelden seiner Zeit.

Träumer Elvis bei den Dreharbeiten zu seinem 4. Hollywoodfilm King Creole (1958)

Früh träumte der junge Elvis, der während seiner High School-Jahre als Platzanweiser in Loew’s State Theater in Memphis jobbte, davon, selbst einmal zu den Helden der großen Leinwand zu gehören, wie er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards 1971 verriet:

“When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. I read comic books, and I was the hero of the comic book. I saw movies, and I was the hero in the movie. So every dream that I ever dreamed, has come true a hundred times.”

Elvis Presley bei der Preisverleihung der “Ten Outstanding Young Men Of The Nation” 1971

Einer der Leinwandhelden, die der junge Elvis verehrte, war James Dean (1931-1955). Vor allem James Dean in der Rolle des jugendlichen Rebellen Jim Stark aus Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955).

Es war diese Rolle, die den 24-jährigen Dean, der am 30. September 1955 – nur paar Wochen vor der Kinopremiere des Films – bei einem Autounfall ums Leben kam, zum unsterblichen Jugendidol machte.

James Dean im Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

Zu diesem Zeitpunkt konnte Elvis noch nicht ahnen, dass er selbst nur wenige Monate später als singende Fortsetzung James Deans in den Fokus Hollywoods rücken sollte.

Schon im Januar 1956 wurde Hollywood-Produzent Hal B. Wallis (alias Aaron Blum Wolowicz, 1898-1986), der sehr erfolgreich für Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount Pictures arbeitete, auf Elvis Presley aufmerksam, als der einen seiner ersten Auftritte im amerikanischen Fernsehen, nämlich in der Jimmy und Tommy Dorsey Show, hatte.

Wallis war nach eigener Aussage (vgl. Wallis Autobiografie Starmaker, 1980) sofort elektrifiziert von Ausstrahlung des jungen Musikers und wollte ihn unbedingt für Hollywood verpflichten, was nach einem erfolgreichen Screentest im März 1956 und Verhandlungen mit Elvis’ Manager Colonel Tom Parker auch gelang.

Bei den Dreharbeiten zu King Creole: Produzent Hal Wallis (Mitte), Regisseur Michael Curtiz und Elvis Presley im Gespräch

Laut Wallis hatte Elvis das gewisse Etwas, das ihn an den jungen Errol Flynn – Leinwandidol der 1930er und 40er Jahre – erinnerte, und er passte mit seinem wilden Musikstil und Aussehen sehr gut in die neue Riege der jungen Hollywood-Rebellen, zu denen Marlon Brando (1924-2004) wegen seiner Rolle im Kultfilm The Wilde One (Der Wilde, 1953) ebenso zählte wie James Dean.

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5. Juni 1956: Elvis the Pelvis wird geboren

Am 5. Juni 1956 versetzte Elvis Presley die amerikanische Fernsehnation in Aufruhr. Das gelang ihm mit der knapp zweieinhalb Minuten langen, sehr dynamischen Parodie eines Rhythm-and-Blues-Songs, den die Songwriter Jerry Leiber und Mike Stoller Anfang der 1950er ursprünglich für Sängerin Willie Mae “Big Mama” Thornton komponiert hatten: Hound Dog.

Elvis Presleys Live-Auftritt in Milton Berles beliebter TV-Show am Dienstag, den 5. Juni 1956, katapultierte den 21-jährigen Nachwuchssänger aus den Südstaaten mit einem Schlag in das Bewusstsein der breiten amerikanischen Öffentlichkeit und machte ihn zu einer kontrovers diskutierten Figur, zum enfant terrible der Rock ‘n’ Roll-Generation. 40 Millionen US-Amerikaner (bei einer Gesamtbevölkerung von damals rund 169 Mio.) sollen den Auftritt zur besten Sendezeit in “Uncle Miltie’s” Varieté-Show gesehen haben. “Elvis the Pelvis” war geboren.

 

 

Bis heute gehört der nationale Aufreger von 1956 zu den bekanntesten Performances des King und ist fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur. Als solcher wird er etwa in Robert Zemeckis oscarträchtigem Filmklassiker Forrest Gump (1994) mit Tom Hanks in der Hauptrolle beschworen. Am 5. Juni 1956 schrieb Elvis Presley also ein weiteres Mal Geschichte (→ Spotlight 5. Juli 1954). Höchste Zeit, dem “Windhund” hier im Blog ein mehrteiliges Special zu widmen. Im 1. Teil geht es heute um Elvis’ Auftritte in der Milton Berle Show am 3. April und 5. Juni 1956.

Vorspiel April 1956: Elvis trifft Mr. Television

Elvis Presleys Wechsel vom regionalen Plattenlabel SUN zum etablierten New Yorker Label RCA Ende 1955 und die im Januar 1956 folgenden ersten Live-Auftritte im nationalen TV gaben der Karriere des Nachwuchsstars den entscheidenden Schub. War er bis dahin vor allem in den Südstaaten bekannt, machten ihn seine erste RCA-Single Heartbreak Hotel/I Was The One, das Debütalbum Elvis Presley und die ersten TV-Auftritte in Jimmy und Tommy Dorseys Stage Show (Januar bis März 1956) in nur wenigen Monaten zum nationalen und schnell auch zum internationalen Superstar.

Sogar der deutsche Spiegel widmete Mr. Presley 1956 erste Beiträge, im Dezember sogar ein eigenes Cover sowie einen längeren Artikel, der den damaligen Zeitgeist und die Aufregung um das Phänomen Elvis Presley gut auf den Punkt bringt.

Als Elvis im Frühjahr 1956 in San Diego zum ersten Mal auf Milton Berle traf, um am 3. April zusammen mit seiner Band bestehend aus Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und Drummer D.J. Fontana in  Berles Show beim TV-Sender NBC aufzutreten, hatte er mit Heartbreak Hotel bereits einen Nummer-1-Hit in Billboards Country-Charts eingefahren, einen weiteren Rang 1 in den Pop-Charts sowie zwei Triple-Crown-Awards für Heartbreak Hotel auf den Weg gebracht.

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

Einer von zwei Triple Crown Awards für Heartbreak Hotel, 12. Mai 1956

 

Inzwischen kletterte auch das Debütalbum Elvis Presley in den Albumcharts eifrig nach oben, wo es Anfang Juni die Nummer 1 wurde. Kein Wunder also, dass Milton Berle dem Publikum seiner Show den jungen Gast aus Memphis  als “America’s new singing sensation” vorstellte.

War Elvis’ zu diesem Zeitpunkt eindeutig auf einem aufsteigenden Ast, war die lange Karriere des Komikers Milton Berle (1908–2002) 1956 eher im Sinkflug begriffen. Dabei war Berle ein richtiger Tausendsassa. Er hatte sich schon als Kinderstar in der Stummfilmära einen Namen gemacht, war in jungen Jahren bereits erfolgreich am Broadway, reüssierte im Vaudeville, der US-amerikanischen Spielart des Varietés, und konnte sich in den 1930ern als Stand-Up-Comedian etablieren.

Bevor Berle Ende der 1940er das Medium Fernsehen für sich entdeckte – seine Milton Berle Varieté-Show erreichte teilweise bis zu 80 Prozent des amerikanischen Fernsehpublikums -, war er mit verschiedenen eigenen Radiosendungen erfolgreich.

Milton Berle ca. 1950

Milton Berle ca. 1950

Bei aller Vielseitigkeit bleib Berle sich stets treu: Er war ein Slapstick-Komiker und tief dem US-Vaudeville verbunden. Berle gilt heute als einer der ersten Superstars der TV-Ära in den USA, was ihm früh den Spitznamen “Mr. Television” einbrachte. Bekannt ist er auch als “Uncle Miltie”, ein Name, den er selbst mit einem Standardspruch für seine jugendlichen Zuschauer prägte: “Listen to your Uncle Miltie and go to bed“. Das Ende von Berles Ära als Mr. Television setzte ein, als Konkurrenzsender CBS 1955 die bald sehr populäre TV-Serie The Phil Silvers Show dienstags zur selben Sendezeit ins Rennen schickte. Die witzige Phil Silvers Show war neu, die Milton Berle Show war es jetzt nicht mehr.

Die Idee, den schwindenden Quoten der Milton Berle Show 1956 mit Elvis Presley auf die Sprünge zu helfen, war naheliegend, da RCA – Elvis’ Plattenlabel – zugleich auch Sponsor der Milton Berle Show war. Und so kam es, dass sich Elvis am 3. April 1956 in “Uncle Miltie’s” Varieté-Show wiederfand, die vom Deck eines Flugzeugträgers der US-Marine aus, der U.S.S. Hancock vor San Diego, auf Sendung ging.

Das Live-Publikum vor Ort bestand in erster Linie aus Angehörigen der US-Marine. Ganz typisch für Berles Varieté-Show trat auch an diesem Abend eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Gäste in bunter Reihenfolge auf, darunter Badenixe Esther Williams. Das Ganze garniert mit viel Stand-Up-Comedy von Berle, dessen Spezialität neben abgefahrenen Kostümen die schrägen Sketche mit seinen Gästen waren. Damit machte er auch vor Elvis nicht halt, wie in diesem Video zu sehen ist, in dem Milton Berle  Elvis’ Zwillingsbruder Melvin gibt:

 

 

Der Sketch ist aus heutiger Sicht ziemlich antiquiert, aber was man gut sehen kann, ist, dass Elvis und Milton Berle sich offensichtlich sympathisch waren. Im Vergleich zur Interaktion mit anderen Moderatoren, etwa Steve Allen oder Ed Sullivan, wirkt Elvis Presley hier sehr entspannt, natürlich und selbstsicher. Miltons Humor mag nicht jedermanns Sache gewesen sein, aber bösartig war er sicher nicht. Zudem verhielt sich der selbst ziemlich abgefahrene Gastgeber weder bei den Proben noch bei der Show von oben herab oder machte Anstalten, die dynamichen Auftritte seines Gastes in irgendeiner Form zu beeinflussen oder gar zu zensieren, wie das später der Fall sein sollte. Im folgenden Video ist Elvis’ mit Heartbreak Hotel am 3. April 1956 zu sehen.

 

 

5. Juni 1956: Hound Dog oder wie ein Windhund einen Sturm auslöst

Elvis und Milton Berle waren also eine ziemlich gute Kombination: Sie profitierten gleichermaßen von der Zusammenarbeit. Milton in Form gestiegener Einschaltquoten, die er dringend benötigte, und Elvis durch die Steigerung seiner Bekanntheit, was sich positiv auf die Chartpositionen und Abverkäufe seiner Platten auswirkte. Eine klare Win-Win-Situation also. Daher war es für Milton Berle auch überhaupt keine Frage, Elvis zu einer zweiten Show am 4. Juni 1956 einzuladen und gleich noch einmal das Honorar  zu erhöhen.

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60 Jahre Elvis in King Creole

2018 feiern gleich mehrere Elvis-Klassiker Jubiläum: Einer davon ist Elvis 4. Kinofilm King Creole. In dem atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Streifen aus dem Jahr 1958 erspielte sich der King vor 60 Jahren neben Walter Matthau den Respekt von Regiealtmeister Michael Curtiz (Casablanca). Das Ganze vor der Kulisse von New Orleans.

Der Hollywoodstreifen ist erstaunlich gut gealtert und im Vergleich zum legendären Jailhouse Rock (1957) vielleicht der wahre Elvis-Filmklassiker aus den 1950ern. Zum Jubiläum von King Creole gibt es hier jedenfalls endlich die längst überfällige Serie zu Soundtrack und Film.

Als Auftakt zur Serie folgt eine Buchbesprechung zum Bildband King Creole Frame by Frame, der 2012 erschienen ist und mit seinen Bilderwelten wunderbar auf den Film einstimmt.

Buchtipp King Creole Frame by Frame

Schon auf den 1. Blick in diese über 400 Seiten starke Veröffentlichung aus dem Hause Flaming Star in Kooperation mit dem Sammlerlabel Follow That Dream wird klar, dass die langjährigen Elvis-Aficionados und Hauptautoren Erik Lorentzen und Pål Granlund aus Norwegen hier tief in ihre umfangreichen Bildarchive gegriffen haben.

Elvis Presley in King Creole (1958)

Über 1.000 wenig bekannte und bislang unveröffentlichte Fotos, meist schwarz/weiß, findet der Leser hier in guter Druckqualität (besser als in diesen Scans!) auf gestrichenem Papier vor. Den Hauptteil der Fotos, die von den Paramount-Fotografen Bud Fraker und Mal Bulloch im Paramount-Studio und vor Ort in New Orleans gemacht wurden, wollen die Autoren schon in den frühen 1970er Jahren während einer ihrer USA-Reisen zu Elvis-Konzerten für ihre Sammlung entdeckt haben.

Alle Fotos: © 2012 Flaming Star

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Onkel Gustav’s Hütte

Potzblitz, das ist er ja tatsächlich! Der Hermann hat recht. In Gustav Matthes’ Biergarten – im Volksmund liebevoll “Onkel Gustav’s Hütte” genannt – sitzt unterm Bluna-Sonnenschirm kein geringerer als Elvis Presley höchstpersönlich. Er ist – wie die beiden GIs, die ihn begleiten – in Uniform. Unverkennbar prangt darauf sein Name und das Abzeichen seiner Einheit.

Elvis Presley mit Jugendlichen aus dem Usinger Land vor “Onkel Gustav’s Hütte” am Hattsteinweiher 1959 – in der Mitte vorne sitzt der 15-jährige Peter Weidemann, rechts neben ihm Freund Hermann Wöhlermann. Foto: Dr. Peter Weidemann

Hinter der kleinen Gruppe, die (noch) allein an einem Tisch sitzt, erstreckt sich eine Liegewiese. Auf ihr haben es sich an diesem hochsommerlich-sonnigen Freitagnachmittag Mitte August 1959 zahlreiche Badegäste auf Decken und Handtüchern bequem gemacht.

Ein beliebtes Ausflugslokal: “Onkel Gustav’s Hütte” in den 1950er Jahren – Foto: Dr. Peter Weidemann

Die Wiese mündet nämlich in den Hattsteinweiher, dem einzigen offiziellen Badesee im Usinger Land. Eigentlich ist der nichts weiter als ein künstlich angelegter Teich, etwa 1,6 Hektar groß, umgeben von einem Rundweg.

Der Hattsteinweiher bei Usingen heute – vom Rundweg aus in Richtung Liegewiese fotografiert: Rechts hinten im Bild ist die Stelle zu sehen, an der einst Onkel Gustav’s Hütte stand. Es gibt sie schon lange nicht mehr, dafür einen Strand und ein Ausflugslokal – Foto: memphisflash.de

Der Hattsteinweiher liegt vor den Toren des kleinen Örtchens Usingen im Hochtaunus, etwa 30 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Von den Friedberger Ray Barracks aus, wo Elvis Presley vom Herbst 1958 bis März 1960 als Späher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division seinen Wehrdienst absolviert, erreicht man den Weiher mit dem Auto in einer knappen halben Stunde.

GI Presley vor dem Schild seiner Einheit in Friedberg 1958 – kurze Zeit nach dieser Aufnahme wechselte er zur Company C.

Der Hattsteinweiher ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region – im Sommer zum Zelten, Campen und Baden, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Und er ist so ziemlich die einzige Attraktion, die Usingen seinen knapp 5.000 Einwohnern in den 1950ern an einem heißen Sommertag zu bieten hat.

Niemand weiß das besser als der 15-jährige Peter Weidemann, der 1959 in dem Städtchen wohnt und hier das örtliche Gymnasium, die Christian-Wirth-Schule, besucht. 1963 wird er in Usingen sein Abitur machen. Aber noch ist es nicht so weit.

Blick über die Dächer von Usingen heute: Das schlossartige Gebäude in der hinteren Bildmitte ist die Christian-Wirth-Schule, an der Peter Weidemann 1963 sein Abitur macht. Foto: Wikipedia

Keine halbe Stunde bevor Peter an diesem 14. August 1959 zum ersten Mal vor Elvis Presley steht, hat er noch keine Ahnung, was ihn erwartet. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und damit auch sein Ferienjob auf dem Bau. Es ist glücklicherweise ein Freitag und er hat früher mit der Arbeit Schluss machen können.

Jetzt heißt es schnell die Badesachen packen, bloß das wertvolle Philips-Kofferradio, ein Geschenk zur Konfirmation, nicht vergessen und die 10 Minuten zum Hattsteinweiher laufen, wo sein jüngerer Bruder Günther und die Clique um seinen gleichaltrigen Freund Hermann sicher schon auf ihn warten.

Fahrrad und Radio immer dabei: Die “Weiher-Clique” um Peter (in der Mitte) und Hermann (im dunklen Shirt links hinter Peter) am Hattsteinweiher in Usingen. Foto: Dr. Peter Weidemann

Doch kaum hat er sein Zuhause in der Hattsteiner Allee verlassen, sieht er plötzlich seinen Freund auf seinem Rennrad die Allee hinunter sausen. Mit einer Vollbremsung macht er vor Peter Halt. “Peter, du musst unbedingt umkehren und einen Fotoapparat holen. Der Elvis ist am Weiher”, stößt Hermann aufgeregt und völlig außer Atem hervor. “Hier nimm mein Rad, ich warte hier auf dich”, sagt Hermann.

Peter weiß, sein Freund ist nicht nur wie er ein begeisterter AFN-Hörer, sondern auch ein riesiger Elvis-Fan, während er selbst sich genauso gerne Buddy Holly oder Frankie Avalon hört. Dass Elvis sich ausgerechnet an “den Weiher” zu Onkel Gustav verirrt, ist dennoch wie ein Sechser im Lotto. Peter schnappt sich ohne viel Federlesen das Rad von Hermann und saust zurück zum Elternhaus, wo Vater Weidemann seine Kamera, eine Agfa Clack, aufbewahrt. Und Gott sei Dank ist heute auch ein Film drin.

Zusammen machen sich die beiden Jungs in großer Eile auf dem Weg zum Weiher und dort schnurstracks an den Tisch, an dem der King in aller Seelen Ruhe sitzt und eine Cola trinkt. Als sie ankommen, ist es etwa 15.00 Uhr am Nachmittag. Und obwohl einiges los ist am Weiher – viele Kinder und Jugendliche genießen die Badesaison – haben erst wenige Elvis Presley erkannt.

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Einmal in Elvis’ Bett schlafen

Einmal in Elvis’ Bett schlafen oder auf demselben grünen Sofa ein Nickerchen halten. Diesen Traum können sich die deutschen Fans des King demnächst ganz leicht erfüllen.

Elvis lesend auf dem grünen Sofa im Bad Nauheimer Hotel Grunewald – Foto: Elvis As Any Other Soldier von Jerry Osborne

Der Clou: Sie müssen dafür nicht weit reisen. Es reicht ein Trip in die Wetterauer Kurstadt Bad Nauheim, wo Elvis während seines Militärdienstes in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 seine Zelte aufschlug.

Rechtzeitig vor dem 40. Todestag des King wird dort nämlich im August 2017 die Villa Grunewald nach Jahren des Leerstandes als Hotel und Boarding House neu eröffnet, wie die Bad Nauheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH mitteilt.

Das Hotel Grunewald in unmittelbarer Nähe des Kurparks in Bad Nauheim heute – Foto: www.memphisflash.de.

Das Grunewald ist das Hotel, in dem Elvis mit seinem Vater, seiner Großmutter und den Freunden Lamar Fike und Red West vom Herbst 1958 bis Anfang 1959 für etwa vier Monate wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 anmietete.

Im Grunewald hatte der King eines der schönsten Zimmer mit Blick auf den Kurpark – das Zimmer Nummer 10 im obersten Stockwerk des alterwürdigen Hotels. Und genau dieses Zimmer kann man ab August 2017 wieder als Hotelgast bewohnen.

Elvis’ Zimmer Nr. 10 im Hotel Grunewald – Foto aus 2011: Winfried Eberhardt

 

Zum Vergleich: Red West hat es sich auf Elvis’ Bett im Zimmer Nr. 10 gemütlich gemacht – 1958/59 – Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010.

Villa Grunewald: King’s Castle

Vor zwei Jahren war das Grunewald, das heute noch fast genau so aussieht wie zu der Zeit, als Elvis hier residierte, von den Bad Nauheimer Architekten Alfred und Christian Möller gekauft worden.

Das stadtbildprägende Haus in der Terrassenstraße 10 aus dem Jahr 1888 hatte nach dem Auszug der inzwischen verstorbenen früheren Eigentümerin Rita Issberner-Haldane seit 2011 leer gestanden. Eine Wiedereröffnung als Hotel unter Beibehaltung des historischen Ambientes bot sich an.

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Buchtipp: Elvis A Life In Music 2017

Nehmen wir mal an, Elvis Presley würde tatsächlich noch leben und käme – mittlerweile jenseits der 80 Lenze – während einer seiner schlaflosen Nächte so richtig ins Grübeln, bei welcher seiner zahlreichen Aufnahmesessions er denn eigentlich den Song Let Yourself Go aufgenommen hatte. War das nicht eine dieser Soundtracksessions für seine Filme? Aber welche bloß? Es gab ja so viele…

Und hatte er den Song nicht auch noch ein zweites Mal aufgenommen? Zu einem späteren Zeitpunkt – mit anderen Musikern? Aber wann und zu welchem Anlass nochmal? Welche Aufnahme von Let Yourself Go erschien erstmals auf Single, EP, LP, oder CD? Wer kann sich so was auch merken bei mehr als 700 Songs und ihren diversen Versionen, die zudem seit Jahrzehnten in ständig neuen Zusammenstellungen auf den Markt kommen?

Dergestalt um seinen königlichen Schlaf gebracht, hätte der King natürlich mehrere Optionen, um der quälenden Grübelei ein Ende zu setzen. Er könnte beispielsweise auf YouTube nachschauen. Mit ein bisschen Glück ergäbe das zumindest den richtigen Erinnerungsstups, welcher Film und welches TV-Special eine Rolle spielen. Aber auf den Rest seiner Fragen würde er weder dort noch auf einer anderen Website so schnell verlässliche Antworten finden.

Sach’ ma’, Ernst!

Nein, um es ganz genau zu wissen, würde der King wohl eher sein eigens für ihn designtes Smart Phone zücken und die Kurzwahl einer Nummer im fernen Dänemark anwählen. Dort wäre ein gewisser Ernst Jørgensen sicher hocherfreut über seinen Anruf und könnte das “Problemchen” in Sekundenschnelle lösen.

Ernst Jorgensen mit einer seiner vielen Veröffentlichungen

Der Däne ist nämlich sozusagen das wandelnde Gedächtnis aller Elvis-Aufnahmesessions, Hüter des 1999 gegründeten Elvis-Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) unter dem Dach von Sony und Herausgeber einer ganzen Latte namhafter Elvis Presley-Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre, darunter Young Man With The Big Beat, A Boy From Tupelo, Elvis At Stax, Prince From Another Planet, Way Down In The Jungle Room und Taking Care Of Business – In A Flash.

Außerdem ist Jørgensen nicht nur qua Beruf Kenner des Memphis Flash, er ist auch einer seiner größten Fans und recherchiert schon seit seinen Schultagen in den 1960ern, also seit gut einem halben Jahrhundert, zu den Aufnahmesessions seines Lieblingsmusikers.

Wer allerdings nicht den königlichen Luxus genießt, Ernst Jørgensens Wissen telefonisch oder gleich persönlich anzapfen zu können, so nach dem Motto “Sach’ ma, Ernst”, der musste sich bislang mit den englischsprachigen Veröffentlichungen des Dänen zur den Aufnahmesessions des King begnügen. Die gibt es nämlich auch.

Am weitesten verbreitet dürfte Jørgensens Standardwerk Elvis Presley A Life In Music. The Complete Recording Sessions sein, erschienen 1998 und geadelt mit einem Vorwort von Elvis-Biograf Peter Guralnick (Last Train To Memphis, The Unmaking of Elvis Presley).

Schade nur, dass Elvis Presley A Life In Music mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und leider keine Erkenntnisse enthält, die Ernst Jørgensen aus seiner Arbeit für das Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream gewonnen hat, in dem mittlerweile rund 200 CD-, LP- und Buchveröffentlichungen für den leidenschaftlichen Elvis-Aficionado und -Sammler erscheinen sind. Und für eine überarbeitete Fassung seines Standardwerks hat der Hüter von Elvis’ musikalischem Vermächtnis selbst schlicht keine Zeit – der Elvis der Gegenwart hält den Mann auf Trab.

Der Helmut macht’s

Genau dieser Umstand brachte einen weiteren Elvis-Kenner auf den Plan, nämlich Sammler Helmut Radermacher (→ Interview mit Helmut RadermacherElvis the King: Die Hits der deutschen Charts), der als der “deutsche Ernst Jørgensen” gilt und sich fast noch länger als sein dänisches Pendant mit den vielen Aufnahmen Elvis Presleys im Detail beschäftigt.

Radermacher hat jetzt (Frühjahr 2017) mit Einverständnis Jørgensens dessen Standardwerk A Life in Music von 1998 aktualisiert, wobei Jørgensens Originalkapitel, die Elvis Presleys Karriere entlang seiner Aufnahmesessions veranschaulichen, von Michael Widemann ins Deutsche übersetzt wurden. Widemann hat sich auch schon bei der Übersetzung von Guralnicks zweibändiger Elvis-Biografie verdient gemacht.

Cover: Alle Aufnahmesessions des King nach Ernst Jorgensen jetzt in deutscher Sprache bearbeitet von Helmut Radermacher

 

Backcover Elvis A Life In Music 2017

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Elvis, ein Biest und zwei Frolleinwunder

“Jetzt drück’ mal richtig auf die Tube. Ich will sehen, was das Biest drauf hat.” William Taylor, First Lieutenant (Oberleutnant) der US-Armee, hat den Satz noch nicht ganz beendet, als sein Fahrer, der auf diesen Befehl offensichtlich gewartet hat, das Gaspedal des schwarzen 1952er-Fords bis unten durchtritt und zum Überholen ansetzt. Die Tachonadel schnellt nach oben, die Landschaft entlang der A5 fliegt nur so vorbei.

“Das nenn’ ich fahren”, freut sich Taylor und schaut rüber zum Mann hinter dem Steuer. Dessen blau-graue Augen blitzen übermütig, die auffallend vollen Lippen haben sich zu einem schiefen Lächeln verzogen, das eine Reihe makelloser Zähne freilegt. Er weiß: Der Wagen, in dem Taylor und er an diesem Sonntag im Frühjahr 1959 die A5 in Richtung Frankfurt entlang brausen, ist ebensowenig ein normaler Ford wie er ein normaler Fahrer ist. Der Mann am Steuer ist Private First Class (Obergefreiter) Elvis Presley, hauptamtlich King of Rock ‘n’ Roll, der Ford – von seinem Besitzer Taylor liebevoll “das Biest” genannt, ein verkappter Cadillac mit V8-Motor.

  • Im Gleichschritt eins, zwo, drei, vier: GI Elvis Presley in Deutschland.

Kurz bevor Elvis, der seinen Wehrdienst im Spähtrupp einer amerikanischen Panzerdivision – genauer gesagt der Company C der 3rd Armored Division – im hessischen Friedberg  leistet, und sein Vorgesetzter bei Friedberg auf die A5 gefahren sind, haben sie sich zum Schrauben am “Biest” in Little Texas getroffen. In der Wohnsiedlung für amerikanische GIs in der Nähe der Ray Barracks-Kaserne wohnt der 26-jährige William Taylor mit seiner Frau Peggy und den beiden Kindern.

Elvis selbst, zwei Jahre jünger als sein”Lootenet”, hat seine Zelte in der nahegelegenen Kurstadt Bad Nauheim aufgeschlagen, wo er erst vor wenigen Wochen für sich, seinen Vater, die Großmutter und zwei Freunde ein Einfamilienhaus in der Goethestraße 14 angemietet hat.

An diesem Sonntagnachmittag hat der King das wöchentliche Football-Spiel mit seinen Kumpels auf der grünen Wiese in der Nähe vom Bad Nauheimer Gradierwerk IV extra kurz gehalten, um Taylor dabei zu helfen, in den getunten Ford Baujahr 1952, der neben dem besagten V8-Motor noch so allerlei weitere Optimierungen aufweist, einen neuen Zündkondensator einzubauen.

Taylor ist ganz schön überrascht, als sein berühmter Gast, der noch in seiner Sportkleidung bei ihm auftaucht, ihm nicht nur zur Hand geht, sondern das Teil gleich selbst einbaut. Er habe, so erklärt Autonarr Elvis, schon als Jugendlicher, wann immer sich die Gelegenheit ergab, an Hot Rods geschraubt. Benzin liege ihm einfach im Blut.

Nach so viel tatkräftiger Hilfe bleibt Zeit für eine Runde Geschwindigkeitsrausch auf der “German Autobahn”. “Hammer, wie das Teil beschleunigt”, bemerkt Elvis, als von hinten ein Mercedes-Cabrio kommt und an ihnen vorbei zieht, als sie gerade die nächste Ausfahrt nehmen wollen.

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Dolle Tolle

Elvis Presley gilt als King of Rock ‘n’ Roll oder schlicht als King nicht nur wegen seiner Musik, den aufsehenerregenden Auftritten und der unverkennbaren Stimme, sondern auch wegen seines Stils. Als Stilikone wird er bis heute vielfach kopiert und bleibt dennoch unerreicht.

In den 1950ern sorgte er auch mit seiner Frisur für reichlich Furore.

  • "It ain't tactics, honey. It's the beast in me" - Kult: die Elvis-Tolle im Film Jailhouse Rock (1957).

Damals regierte der Bürstenschnitt auf den Köpfen – ordentlich kurz, besonders an den Seiten und im Nacken, sollte der Mann sein Haupthaar tragen. Die gebändigte Pracht auf dem Kopf ohne jegliches ChiChi stand für Ordnung und Anstand, für gefestigte moralische Werte ihres Trägers. Wenig konnte diesen militärisch anmutenden Durchschnittshaarschnitt erschüttern.

Welch ein Gegensatz dazu Elvis’ dolle Tolle mit ihren langen Front- und Seitenpartien, die – mit viel Pomade schwungvoll nach hinten gekämmt – am Hinterkopf überlappten und so optisch an den Schwanz einer Ente erinnerten. Entsprechend schnell hatte dieser Teil der Frisur seinen Namen weg: duck’s tail, duck’s ass oder kurz D.A. in den USA – Entenschwanz hierzulande.

Herzstück der Haartracht war allerdings der über der Stirn aufgetürmte, in einer Welle aus dem Gesicht frisierte sogenannte Pompadour – kurz Pomp – plus die nach hinten gekämmten Seitenpartien, die in Elvis Presleys Variante mit (für damalige Verhältnisse) unanständig langen Koteletten akzentuiert wurden.

Pompadour, womöglich noch mit Entenschwanz und Koteletten, waren in den 1950ern der sprichwörtliche Stinkefinger in Richtung Bürstenhaarschnitt. Wer das trug, stellte sich gegen den Status Quo und hatte seinen Ruf als Querschläger und Revoluzzer weg. Und das nicht nur in den USA. Beatle John Lennon wäre wegen seiner Elvis-Frisur fast von der Schule gefolgen, wie er beim Treffen der Fab Four mit Elvis 1965 stolz erzählte.

“Before Elvis there was nothing”: Beatle John Lennon mit Elvis-Tolle.

Tollenträger wie Marlon Brando und James Dean sorgten Mitte der 1950er  in Kinofilmen wie The Wild One (Der Wilde, 1953) und Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) dafür, dass die Frisur zum Symbol für den Aufstand der “Halbstarken” gegen die Spießergesellschaft der Erwachsenen wurde.

Angry young man: James Dean in “Denn sie wissen nicht, was sie tun” (1955)

Eine Frisur mit hoher Symbolkraft – sie wurde nicht zuletzt durch Elvis’ Erfolg zu dem Erkennungzeichen der Rock ‘n’ Roller in den 1950ern, lebt weiter im Lebensgefühl der Rockabilly-Szene und in unzähligen modernen Varianten, getragen nicht nur von Männern wie Sänger Bruno Mars oder Fußballer David Beckham, sondern auch von weiblichen Superstars wie Rihanna.

Elvis Presley hat die Tolle nicht erfunden, ebenso wenig wie Marlon Brando oder James Dean, deren Filme der leidenschaftliche Kinogänger liebte. Aber Elvis entdeckte die Tolle schon als Teenager, der noch brav die Schulbank der Humes High School in Memphis drückte, als unübersehbaren Ausdruck des Andersseins für sich und verpasste ihr – ähnlich wie seiner Musik – früh einen eigenen Stil.

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Blue Christmas oder Millie und der Weihnachtsklassiker wider Willen

Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Im September 1957 war er aber wohl nicht so richtig in Stimmung für Weihnachtssongs. Zu sehr beschäftigen ihn bei der Aufnahmesession des Elvis’ Christmas Albums, die Perfektionierung von Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – und My Wish Came True von Ivory Joe Hunter, das er unbedingt auf Platte bannen wollte.

Santa Claus Is Back In Town

Elvis hat Spaß unterm Weihnachtsbaum

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session bei Radio Recorders dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background ab 1957 zu hören. Trotz Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Session hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist.

Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas, vor 1957 schon erfolgreich u.a. von Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was richtig Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen evtl. gar nicht erst veröffentlicht.

Oh Mann, da hat der King seine Plattenfirma RCA aber völlig falsch eingeschätzt. Als hätten die Verantwortlichen in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Blue Christmas (1957)

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

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