Elvis in Sandras Kiezschnitte

Es gibt Läden, in denen fühlt man sich sofort sauwohl. So ging’s mir in Sandra Brandts Kiezschnitte. Kunststück, denn Sandra ist ein großer Elvis-Fan und hat dem unvergessenen King of Rock ’n‘ Roll mit seiner „dollen Tolle“ in ihrem kultigen Friseursalon im Hamburger Stadtteil St. Pauli eine zweite Heimat gegeben.

Wer Sandras kleinen Salon betritt, macht eine spontane Zeitreise in die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Salon ist übersät mit Souvenirs, die Elvis Presley in allen nur denkbaren Ausführungen zeigen. Ein ausgeschnittener Elvis rockt vor Sandras Meisterbrief – Fotos des King aus allen Schaffensphasen, auf PEZ-Spendern und Matrjoschkas stehen oder hängen über, neben, hinter Pomadetigeln, Shampoos, Kämmen, Scheren, Haarschneidern und -trocknern… kurz allem, was das Friseurhandwerk braucht, um die Elvis-Tolle in all ihren Varianten perfekt in Form zu bringen.

  • Sandra Brandt legt Hand an die berühmteste Tolle der Welt. Foto: www.memphisflash.de

Gleich gegenüber der Eingangstür hängt ein offenbar selbstgemaltes Bild, das Sandra dabei zeigt, wie sie dem King die Haare macht. Das Ambiente ist kitschig und kunstvoll zugleich, vor allem aber in sich stimmig – vom Prinzip her also genau so wie der Jungle Room im King’s Castle Graceland. Elvis würde diese Friseursalon lieben, da bin ich sicher! Auf dem Boden hat es sich der Mops gemütlich gemacht, der Hundeliebhaberin Sandra überall hin begleitet.

Sandras Kiezschnitte ist ein Herrensalon, 90 Prozent der Kunden sind Männer. Und die Herren, denen ich bei meinem Besuch hier begegne, fühlen sich sichtbar wohl in den Friseurstühlen aus der guten alten Zeit. Sechs Stück gibt’s davon in der Kiezschnitte – sie sind gut belegt an diesem Vormittag. Dabei sind Sandras Kunden alles andere als Oldies but Goldies – wer hier sitzt, ist eher unter 35 als drüber.

Sandra selbst ist 40 und kommt eigentlich aus Nordrhein-Westfalen. Nach dem Abitur hatte sie zunächst ein Studium begonnen: Englisch, Literaturwissenschaften und Geschichte waren die Studienfächer der Wahl. Sie merkte schnell, dass es sie in eine andere Richtung zog, brach das Studium ab, begann stattdessen eine Friseurlehre und zog nach Hamburg. Dort arbeitete sie zunächst als angestellte Friseurin, machte ihren Meister und Betriebswirt, beides mit dem Ziel, sich mit einem eigenen Salon, spezialisiert auf Herrenschnitte, selbständig zu machen.

Mit der Kiezschnitte, die sie seit 2007 in der Seilerstraße im Herzen St. Paulis betreibt, hat sich Sandra einen Traum erfüllt: Ein Stück Amerika und dessen Herz, Elvis Presley, in ihre Wahlheimat St. Pauli zu bringen, wo das Herz Hamburgs schlagt, wie sie sagt. „Der Name meines Ladens steht nicht mehr nur für den Salon, sondern für mich selbst. Sandra IST die Kiezschnitte und jede Frisur die hier entsteht, ist auch ein Teil von mir“, erzählt die quirlige Friseurin.

So viel ist sicher: Sandra hat das Elvis-Prinzip mustergültig umgesetzt. Die Wahlhamburgerin lebt – wie der King – ihre Leidenschaften. In ihrem Fall: Elvis und „die Lust am Haar“. Das Ergebnis ist eine ebenso liebenswerte wie clevere Kombination aus Lebensgefühl, Hobby und Geschäftsprinzip. „It’s all about me“, könnte Sandras Motto auch lauten.

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Elvis‘ Dschungelcamp zum Reinhören

Eigentlich sollte heute mein nächster längerer Blog-Beitrag online gehen. Aber mich hat die Grippe erwischt. Daher gibt es jetzt einfach etwas zum entspannten Reinhören, und zwar Elvis ganz individuelle Interpretation eines „Dschungelcamps“, veröffentlicht vor wenigen Monaten auf CD 2 von Way Down In The Jungle Room (RCA/Sony Legacy,2016).

Weitere Infos zu diesen Aufnahmen siehe mein Interview mit Toningenieur Matt Ross-Spang, der die Outtakes von Elvis Jungle Room-Sessions (1976), im letzten Jahr in Memphis neu abgemischt hat. Zu hören ist darauf ein gut gelaunter Elvis, der offensichtlich viel Spaß mit seinen Musikern bei sich zu Hause in seinem zum Aufnahmestudio umfunktionierten 2. Wohnzimmer, nämlich Gracelands Jungle Room, hat.

Und hier kommen sie, die 17 Outtakes aus Way Down In The Jungle Room. Viel Spaß mit dem etwas anderen Dschungelcamp.

Bitter They Are, Harder They Fall – Take 1

She Thinks I Still Care – Take 10

The Last Farewell – Take 2

Solitaire – Take 7

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Dolle Tolle

Elvis Presley gilt als King of Rock ’n‘ Roll oder schlicht als King nicht nur wegen seiner Musik, den aufsehenerregenden Auftritten und der unverkennbaren Stimme, sondern auch wegen seines Stils. Als Stilikone wird er bis heute vielfach kopiert und bleibt dennoch unerreicht.

In den 1950ern sorgte er auch mit seiner Frisur für reichlich Furore.

  • "It ain't tactics, honey. It's the beast in me" - Kult: die Elvis-Tolle im Film Jailhouse Rock (1957).

Damals regierte der Bürstenschnitt auf den Köpfen – ordentlich kurz, besonders an den Seiten und im Nacken, sollte der Mann sein Haupthaar tragen. Die gebändigte Pracht auf dem Kopf ohne jegliches Schi Schi stand für Ordnung und Anstand, für gefestigte moralische Werte ihres Trägers. Wenig konnte diesen militärisch anmutenden Durchschnittshaarschnitt erschüttern.

Welch ein Gegensatz dazu Elvis‘ dolle Tolle mit ihren langen Front- und Seitenpartien, die – mit viel Pomade schwungvoll nach hinten gekämmt – am Hinterkopf überlappten und so optisch an den Schwanz einer Ente erinnerten. Entsprechend schnell hatte dieser Teil der Frisur seinen Namen weg: duck’s tail, duck’s ass oder kurz D.A. in den USA – Entenschwanz hierzulande.

Herzstück der Haartracht war allerdings der über der Stirn aufgetürmte, in einer Welle aus dem Gesicht frisierte sogenannte Pompadour – kurz Pomp – plus die nach hinten gekämmten Seitenpartien, die in Elvis Presleys Variante mit (für damalige Verhältnisse) unanständig langen Koteletten akzentuiert wurden.

Pompadour, womöglich noch mit Entenschwanz und Koteletten, waren in den 1950ern der sprichwörtliche Stinkefinger in Richtung Bürstenhaarschnitt. Wer das trug, stellte sich gegen den Status Quo und hatte seinen Ruf als Querschläger und Revoluzzer weg. Und das nicht nur in den USA. Beatle John Lennon wäre wegen seiner Elvis-Frisur fast von der Schule gefolgen, wie er beim Treffen der Fab Four mit Elvis 1965 stolz erzählte.

„Before Elvis there was nothing“: Beatle John Lennon mit Elvis-Tolle.

Tollenträger wie Marlon Brando und James Dean sorgten Mitte der 1950er  in Kinofilmen wie The Wild One (Der Wilde, 1953) und Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) dafür, dass die Frisur zum Symbol für den Aufstand der „Halbstarken“ gegen die Spießergesellschaft der Erwachsenen wurde.

Angry young man: James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955)

Eine Frisur mit hoher Symbolkraft – sie wurde nicht zuletzt durch Elvis‘ Erfolg zu dem Erkennungzeichen der Rock ’n‘ Roller in den 1950ern, lebt weiter im Lebensgefühl der Rockabilly-Szene und in unzähligen modernen Varianten, getragen nicht nur von Männern wie Sänger Bruno Mars oder Fußballer David Beckham, sondern auch von weiblichen Superstars wie Rihanna.

Elvis Presley hat die Tolle nicht erfunden, ebenso wenig wie Marlon Brando oder James Dean, deren Filme der leidenschaftliche Kinogänger liebte. Aber Elvis entdeckte die Tolle schon als Teenager, der noch brav die Schulbank der Humes High School in Memphis drückte, als unübersehbaren Ausdruck des Andersseins für sich und verpasste ihr – ähnlich wie seiner Musik – früh einen eigenen Stil.

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Happy Birthday: Elvis Presley wird 82!

Happy, Happy Birthday! Es darf wieder gefeiert werden: Der King wird heute 82! Zeit für ein kleines Geburtstags-Special, bevor es zeitnah im Blog weitergeht mit dem neuen Beitrag „Dolle Tolle“ und der Fortsetzung zu Elvis & Nixon – der Film, den man heute – am 8. Januar 2017 – und in den nächsten Tagen u.a. im Bad Nauheimer Fantasia Filmtheater anschauen kann.

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Elvis Presley Geburtstags-Special:

Spotlight 8. Januar 1935: A King is born

Spotlight 8. Januar 1955: Elvis rockt den Louisiana Hayride

Spotlight 8. Januar 1961: Happy Birthday King Karate!

Viel Spaß beim Mitfeiern!

Elvis & Nixon – der Film

Elvis Presley war ein Jäger und Sammler, wer hätte das gedacht. Im Dezember 1970 – wenige Tage vor Weihnachten und gut zwei Wochen vor seinem 36. Geburtstag – ging der King auf die Jagd nach einem besonderen Geschenk für sich selbst, das als Prunkstück seiner Polizeidienstmarken-Sammlung gedacht war: eine Dienstmarke für Spezialagenten des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD).

Das 1968 gegründete BNDD war eine im US-amerikanischen Justizministerium angesiedelte Behörde zur Bekämpfung von Drogenschmuggel und -handel, die 1973 in der neuformierten Drug Enforcement Administration (DEA) aufging. Agenten, die für das BNDD tätig waren, wiesen sich mit einer speziellen Dienstmarke aus. Genau um eine solche ging es dem King, und zwar eine echte Marke, also keine Nachbildung für Sammler.

Dienstmarke für Spezialagenten der BNDD-Nachfolgebehörde DEA

Die Jagd nach „The Badge“ führte Elvis Presley über einige Umwege am 21. Dezember 1970 nach Washington D.C. – und zwar direkt in das Oval Office des Weißen Hauses, wo er den amtierenden republikanischen Präsidenten Richard Nixon traf, der ihm – man höre uns staune, tatsächlich noch am selben Tag zu einer BNDD-Dienstmarke verhalf. Letztlich waren es sogar zwei Dienstmarken, die Elvis Presley auf diesem Wege seiner Sammlung zuführte.

 

Elvis Presleys Original-BNDD-„Dienstmarken“. Die oben gezeigte wurde ihm am 21.12.1970 in Washington persönlich überreicht, die zweite ein paar Wochen später zugesendet – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Das Treffen des King mit Richard Nixon, der 1974 im Zuge der Watergate-Affäre als einziger Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurücktreten musste, ist so kurios, dass es Filmstoff erster Güte darstellt. Gäbe es nicht eine Reihe von Fotos im amerikanischen Nationalarchiv, die das Treffen dokumentieren, und einen offensichtlich hastig geschriebenen handschriftlichen Brief Elvis Presleys an Nixon auf Papier der Fluggesellschaft American Airlines als Beweis, dann würde man diese Geschichte am ehesten im Reich der hyperaktiven Phantasie eines Hollywood-Drehbuchautors verorten. Sie ist trotzdem passiert.

Präsident Richard Nixon mit Elvis Presley im Oval Office am 21.12.1970 – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Der berühmte Brief Elvis Presleys an Richard Nixon, hastig verfasst während eines Fluges von Los Angeles nach Washington wenige Stunden vor dem Treffen im Weißen Haus – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Jetzt wurden die Begegnung der besonderern Art und die Ereignisse unmittelbar davor in Elvis & Nixon (2016) unter der Regie der vor allem für ihre Kurzfilme bekannten Filmemacherin Liza Johnson nach einem Drehbuch von Joey Sagal, Hanala Sagal sowie Cary Elwes verfilmt. Die Komödie ist im Dezember 2016 auch in den deutschen Kinos angelaufen.

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Blue Christmas oder Millie und der Weihnachtsklassiker wider Willen

Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Im September 1957 war er aber wohl nicht so richtig in Stimmung für Weihnachtssongs. Zu sehr beschäftigen ihn bei der Aufnahmesession des Elvis‘ Christmas Albums, die Perfektionierung von Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – und My Wish Came True von Ivory Joe Hunter, das er unbedingt auf Platte bannen wollte.

Santa Claus Is Back In Town

Elvis hat Spaß unterm Weihnachtsbaum

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session bei Radio Recorders dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background ab 1957 zu hören. Trotz Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Session hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist.

Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas, vor 1957 schon erfolgreich u.a. von Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was richtig Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen evtl. gar nicht erst veröffentlicht.

Oh Mann, da hat der King seine Plattenfirma RCA aber völlig falsch eingeschätzt. Als hätten die Verantwortlichen in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Blue Christmas (1957)

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

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Diamond Joe Esposito

Hello, I’m Elvis Presley, glad to meet you, waren die Worte, mit denen der King of Rock ’n‘ Roll  Joe Esposito im Sommer 1959 bei ihrer ersten Begegnung begrüßte. Ein fester Händedruck begleitet vom berühmten schiefen Lächeln des King besiegelte eine 19 Jahre dauernde Freundschaft und ein fast ebenso langes Arbeitsverhältnis, in denen Joe Esposito als persönlicher Assistent und späterer Roadmanager so manche Höhen und Tiefen mit Elvis Presley durchlief.

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Ort des Geschehens dieser ersten Begegnung: ein sehr deutsch anmutendes Wohnzimmer in einem Einfamilienhaus mit der Adresse Goethestraße 14 in der hessischen Kurstadt Bad Nauheim. Also genau dort, wo G.I. Elvis Presley mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und zwei Freunden (Lamar Fike, Red West) Anfang 1959 für ein Jahr seine Zelte aufschlug, um in den Ray Barracks im benachbarten Friedberg seinen Wehrdienst zu leisten.

Der reine Zufall hatte Joseph Carmine Esposito, 1938 als Sohn italienischer Einwanderer in Chicago geboren, in das deutsche Wohnzimmer gespült. Fast zeitgleich mit seinem berühmten Zeitgenossen hatte Uncle Sam ihn zum Dienst am Vaterland nach Westdeutschland verschifft, wo der 21-Jährige in den Ray Barracks im hessischen Friedberg als Lohnbuchhalter eingesetzt wurde.

Von Elvis sah er dort erst einmal wenig, denn der hatte als Panzerspäher der Company C im 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division alles andere als einen Bürojob und war häufig auf Manöver.

Joe Esposito als G.I. in Deutschland, wo er 1959 Elvis Presley kennenlernte – Foto: Joe Esposito

Das änderte sich, als Wes Daniels, Fotograf der PR-Abteilung der US-Armee mit dem Auftrag, Elvis Presley bei seinen militärischen Aktivitäten im Foto festzuhalten, Joe zu dem ersten Treffen mit dem Superstar in die Goethestraße 14 einlud. Der Hintergrund: Elvis spielte in seiner Freizeit gerne mit seinen Kumpels Touch Football und brauchte noch Spieler.

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Impersonal Love

Sicher erinnert sich der ein oder andere noch an die Best-of-Zusammenstellung I’m An Elvis Fan, die sich die Marketingstrategen bei Sony 2012 ausdachten, um Elvis-Fans bei Laune zu halten. Die Idee dahinter, nämlich die internationale Fangemeinde selbst ihre 21 Lieblingssongs von Elvis wählen zu lassen und genau diese dann auf CD zu bannen, war nicht gerade ausnehmend innovativ, aber wirkungsvoll.

Mit der Abstimmung verbunden war nämlich auch eine Social Media-Aktion, bei der die teilnehmenden Fans ein Foto von sich per Upload zur Verfügung stellen konnten, das dann als kleiner Mosaikstein Teil eines großen Elvis-Porträts auf dem Cover der CD I’m An Elvis Fan wurde. Die Best-of-Zusammenstellung hatte also ein Titelbild, das Elvis Presley als Summe seiner Fans visualisiert. Diese Cover-Idee wiederum war genial auf den Punkt – und zwar weit über die wenig bedeutende Zusammenstellung schon x-fach zuvor veröffentlichter Hits hinaus.

 I'm An Elvis Fan: Mosaikartiges Cover mit Fan-Konterfeis

I’m An Elvis Fan: Cover mit Elvis-Porträt, das wie ein Mosaik aus Fan-Konterfeis zusammengesetzt ist – Sony 2012

Auf den Punkt war sie vor allem deshalb, weil sie Elvis Presleys eigene Wahrnehmung, wie seine Fans zu ihm standen, exakt trifft.

They [fans] see themselves in me, that’s all / Meine Fans sehen sich selbst in mir, das ist alles.“

Elvis Presley 1970/71 – zitiert nach Kathy Westmoreland in: Elvis and Kathy, 1987

… erklärte er kurz und bündig der Sopranistin Kathy Westmoreland, die von 1970 bis 1977 als Backgroundsängerin für ihn arbeitete, als sie ihn fragte, wie er selbst die rückhaltlose, hochgradig emotionale Anbetung seiner Fangemeinde bewertet und aushält.

Die Erkenntnis, dass die Anbetung seiner Fans nicht ihm persönlich, sondern der Projektionsfläche E.L.V.I.S, gilt, verhalf Elvis Presley früh zu einer sehr bodenständigen und auch verständnisvollen Haltung dem ganzen Wahnsinn gegenüber, der ihn ab seinem internationalen Durchbruch Mitte der 1950er umgab. Sie war lebenslang kennzeichnend für das Verhältnis zu seinen Fans – und sie wurde von ihm früh instrumentalisiert.

Von dem Tag an, an dem er erstmals mit weißer Farbe selbst die Buchstaben E.L.V.I.S. auf seinen Pink Cadillac malte, entwickelte der Musiker eine Star-Persona, an der sich seine „Follower“ vor allem emotional abarbeiten können.

Lange bevor es Facebook & Co. gibt, signalisierte er, wie Filmhistoriker Björn Eckerl es so treffend formuliert: Follow me/Folge mir, denn ich kann alles für dich sein, was du dir wünschst. Will heißen: deine individuelle Projektionsfläche. In diesem Sinne ist Elvis ein Star alter Schule, wie Eckerl ausführt: Er lebte die Träume seines Publikums, wie vielfältig sie auch immer sein mögen, bestmöglich, indem er sich ganz zur Außenfläche machte, hinter die er als Person völlig zurücktrat. In Elvis‘ eigenen Worten:

„My fans expect me to do the things they wish they could do – if they had the breaks I have. A lot of my fans have a rough life. They see me as someone who was lifted from poverty and dropped in a world of glamour and excitement. My job is to share that glamour and excitement with them. When I’m onstage, I want to create excitement. I want each person to feel I’m performing for him or her, and even when I’m offstage, the show goes on. The clothes I wear, the cars I drive, my style of living – they’re all part of what my fans expect from me.“

Elvis Presley – zitiert nach Joe Esposito: Good Rockin‘ Tonight, 1994

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The Wonder Of You: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra

Die Macher der sehr erfolgreichen Scheibe von If I Can Dream: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra (2015), das im letzten Jahr mit einem Duett von Elvis und Michael Buble zum Song Fever für Furore sorgte, haben erneut zugeschlagen.

Die zweite Produktion von Sony, die erneut bekannte und weniger bekannte Elvis-Songs aus allen Schaffensphasen neu arrangiert mit dem Royal Philharmonic Orchestra präsentiert, heißt The Wonder of You.

Ende Oktober 2016 erschienen, katapultierte The Wonder of You den King – wie schon der Vorgänger – im Eiltempo auf Platz 1 der britischen Charts, in Deutschland unter die Top 20.

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In Deutschland sorgte die Veröffentlichung schon vor Erscheinen für einen Sturm der Entrüstung in der immer noch stattlichen Elvis-Fangemeinde, da The Wonder Of You ein Duett von Elvis mit der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer enthält.

Ausgerechnet Helene Fischer, hieß es. Fischer durfte sich über einen regelrechten Shitstorm in Social Media „freuen“. Der Song, bei dem die beiden zusammen zu hören sind, ist Just Pretend. The Wonder of You ist der Auftakt zu einer Elvis-Tournee des Royal Philharmonic Orchestra, die im Frühjahr 2017 auch in Deutschland Halt macht.

Damit sich jeder selbst ein Bild von der neuen Scheibe inkl. Elvis-Helene-Duett machen kann, kommen hier die Tracks inkl. Duett.

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Kult: Elvis is not dead – he just went home!

November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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Revisited: Die letzte Reise des stillen Beobachters

2 Jahre ist das jetzt her: Meine Reise mit Elvis‘ berühmten Fotograf Alfred Wertheimer in seine jüdische Vergangenheit nach Coburg. Als kleiner Junge ist Alfred Wertheimer mit Eltern und Bruder nur knapp der Ermordung durch die Nationalsozialisten entkommen. Die Familie konnte 1936 noch rechtzeitig in die USA emigrieren.

Alfred Wertheimer vor dem Familengrab auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Alfred Wertheimer im August 2014 vor dem Grab seiner Familie auf dem jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Nur zwei Monate nach seinem letzten Deutschlandbesuch ist Alfred Wertheimer am 19. Oktober 2014 in seiner Wahlheimat New York verstorben.

Der stille Beobachter des King hat einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung, nicht nur wegen seiner wunderbaren Elvis-Fotografien, sondern als eine große Persönlichkeit, die mich auf der letzten Reise zu seinen Anfängen mit seiner Großzügigkeit, Intelligenz, mit Charme und Humor verzaubert hat → Elvis’ Fotograf Alfred Wertheimer: Reise in die Vergangenheit.