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Das European Elvis Festival in Bad Nauheim ist längst eine feste Größe unter den vielen Events weltweit, die jedes Jahr den King of Rock ’n‘ Roll Elvis Presley feiern. Vom 12. bis 14. August 2022 findet es zum 20. Mal statt.

Jubiläum voraus: 20 Jahre European Elvis Festival in Bad Nauheim – Foto: Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH

The Memphis Flash hat Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft, die neben der Stadt Bad Nauheim Veranstalterin des Festivals ist, zu Jubiläum und Festival-Programm 2022, ihren Lieblingsmusiker Elvis und Baz Luhrmanns neues, sehr erfolgreiches Biopic ELVIS interviewt.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Maria, zwei Jahrzehnte European Elvis Festival in Bad Nauheim. Wie groß ist die Freude, dass Ihr jetzt nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder richtig loslegen könnt – und dann noch mit einem Jubiläum?

„Weil Elvis Elvis ist“: Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e. V. (EPG) – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Wir freuen uns natürlich riesig. Allerdings haben wir trotz Pandemie auch in 2020 und 2021 Veranstaltungen gehabt, auch wenn die aus pandemischen Gründen natürlich kleiner ausgefallen sind und nicht unter dem Begriff „Festival“ liefen. Wir waren einfach der Meinung, dass es nicht sein kann, im August gar nichts zu machen. Letztes Jahr waren wir in Sachen Programm auch schon wieder ganz gut aufgestellt. Aber es ist natürlich nochmal was ganz Anderes, wenn es dann wirklich ein richtiges European Elvis Festival mit umfangreichem Programm ist, zu dem die Leute ja auch aus dem Ausland anreisen.

The Memphis Flash: Auf welche Programm-Highlights dürfen wir uns beim European Elvis Festival 2022 freuen?

Maria Hesterberg: Ich denke, ganz toll ist, dass wir Peter Kraus gewinnen konnten für das Konzert am Samstagabend (13. August) um 20 Uhr in der Trinkkuranlage. Wir hatten das in der Vergangenheit schon mal versucht, aber da hat’s aus verschiedenen Gründen nicht gepasst. Dieses Jahr hat er die Einladung akzeptiert, freut sich drauf und wird auch tatsächlich ein Elvis-Programm spielen. Am Sonntag wird er sich außerdem ins Goldene Buch der Stadt Bad Nauheim eintragen, bei unserer Talkrunde dabei sein und anschließend Autogramme geben.

Peter Kraus: Galt in den 1950ern als der deutsche Elvis und ist Stargast auf dem European Elvis Festival 2022 – Foto: Rene van der Voorden

The Memphis Flash: Sind dieses Mal auch wieder ehemalige Weggefährt:innen von Elvis aus den USA in der Talkrunde? In der Vergangenheit hattet Ihr ja unter anderem Alfred Wertheimer, George Klein, Joe Esposito, Jerry Schilling, Linda und Sam Thompson im Programm?

European Elvis Festival 2014: Maria Hesterberg im Talk mit Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer – Foto: www.memphisflash.de

 

Noch mehr Talk: Maria Hesterberg mit Elvis-Weggefährte George Klein beim European Elvis Festival in Bad Nauheim 2016 – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Leider nicht. Und zwar hat das einfach den Grund, dass die Impfung doch für manche ein großes Problem darstellt. Wir wiederum sind der Sicherheit aller verpflichtet. Und ich möchte nicht, dass das European Elvis Festival hinterher als neuer Corona-Hotspot in den Schlagzeilen steht. Es war also die richtige Entscheidung, diesmal darauf zu verzichten. Außerdem sind wir auch so gut aufgestellt.

The Memphis Flash: Wer kommt neben Peter Kraus noch?

Maria Hesterberg: Für den letzten Festivaltag, also den Sonntag, haben wir uns diesmal was ganz Besonderes einfallen lassen. Einen richtigen Schlussknaller zum 20-Jährigen. Und zwar um 11 Uhr die Gospel-Show „Let us Pray“ mit Jim Brown und dem Lüneburger Gospelchor in der Trinkkuranlage. Dann ab 19 Uhr zusätzlich Jim Brown mit großer Band im Konzert „Walking in Memphis“. Und wer Jim schon mal gehört hat, der weiß, worauf er sich da freuen kann. Wir sind total froh, dass das geklappt hat.

Steht für Qualität beim Festival: Elvis-Interpret Jim Brown – Foto: Peter Mayer

The Memphis Flash: Für die musikalische Unterhaltung ist also gesorgt. Hier schon mal der Link zu Gesamt-Programm und Ticket-Shop. Macht die Stadt Bad Nauheim denn auch wieder ihren verkaufsoffenen Sonntag?

Maria Hesterberg: Auf jeden Fall. Da wird auch in der Stadt wieder einiges los sein. Aber wir haben auch noch was ganz Besonderes im Festival-Programm – und zwar eine phänomenale Ausstellung mit Schwerpunkt Elvis: „Rock ’n‘ Roll Heaven. Das knallt nur so von Originalen, die mal Elvis gehört haben.

The Memphis Flash: Zum Beispiel?

Maria Hesterberg: Wir werden ein Original-Auto aus Elvis‘ Besitz in der Ausstellung haben. Wir werden viele Dokumente, Schmuck und Kleidungsstücke von Elvis präsentieren – aus den Anfängen seiner Karriere, seiner Filmzeit, natürlich sehr viel aus seiner Zeit bei der Armee hier in Deutschland. Initiiert ist das Ganze von unserem Mitglied und Freund Andreas Schröer vom Initiativkreis Gelsenkirchen, der zusammen mit einem Kollegen aus Schweden auch Führungen durch die Ausstellung anbieten wird. Dazu kann man sich beim Festival bei uns am Infostand der Elvis Presley Gesellschaft (EPG) anmelden.

The Memphis Flash: Apropos Führung: Wie sieht das mit den Corona-Schutzbestimmungen aus? Gibt es eine Maskenpflicht?

Maria Hesterberg: Also, wir sind immer den aktuell geltenden Schutzbestimmungen verpflichtet. Aber auch wenn keine Maskenpflicht besteht, kann das jeder so halten, wie er sich am wohlsten fühlt. Es wird voll sein – Leute eng an eng. Da sollte jeder die eigene Gesundheit gut schützen.

The Memphis Flash: Wohl war. Wenn Du jetzt auf 20 Jahre European Elvis Festival zurückschaust, wie hat sich das Festival in den zwei Jahrzehnten entwickelt und vielleicht auch verändert?

Maria Hesterberg: Also, die Elvis Presley Gesellschaft ist ja erst seit 2010 dabei. Wir sind  dazugestoßen, weil die Stadt Bad Nauheim uns gefragt hat, ob wir Interesse hätten, am Festival mitzuwirken. Und ich weiß noch, wir haben uns damals das Programm angeschaut und gedacht: Hm, das kann mehr Elvis gebrauchen.

The Memphis Flash: Okay. Woran lag das?

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Eindrucksvolle zwölf Minuten dauerte die Standing Ovation für ELVIS – das neue Biopic des australischen Produzenten und Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll mit Austin Butler und Tom Hanks in den Hauptrollen – bei der Premiere im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele in Cannes. Das allein, gefolgt von der sofort einsetzenden Flut an Filmkritiken in Print- und Onlinemedien, ließ großes Kino erahnen, noch bevor der Film überhaupt in den Kinos angelaufen war.

Jetzt läuft ELVIS in den Kinos, ist in aller Munde und toppte am Startwochenende in den USA sogar die Kinobesucherzahlen von Tom Cruises Blockbuster Maverick. Doch wie gut ist Luhrmanns ELVIS?

Baz Luhrmanns ELVIS ist in einem Wort: GROSSARTIG. Und das in mehrfacher Hinsicht. Wer bislang geglaubt hat, die allseits bekannte Geschichte von Elvis, dem armen Jungen aus Tupelo/Mississippi, der zum Megastar seiner Zeit aufstieg, an seinem Ruhm zerbrach, mit nur 42 Jahren früh verstarb und posthum endgültig zum Mythos wurde, sei schon seit langem auserzählt, wird von Baz Luhrmanns Biopic widerlegt.

Denn es gelingt dem australischen Produzenten und Regisseur, den allseits bekannten Mythos als Leinwand zu nutzen, auf der er zwei zentrale Themen neu in den Fokus rückt. Die wiederum sagen zum einen viel über den Künstler und Menschen Elvis Presley aus, zum anderen verweisen sie über das persönliche Schicksal hinaus auf größere Themen im Zentrum der amerikanischen Gesellschaft der 1950er bis 1970er, die bis in unsere Gegenwart hinein wirken.

Dabei wird das Ganze in einem Stil erzählt, der very Elvis und gleichzeitig very Luhrmann ist: energiegeladen, temporreich und hochemotional wie die beste Musik des King – in opulenten Bildern mit viel Liebe zum Detail und reichlich Glitz und Glam (hier wird nicht gekleckert, sondern ordentlich gerockt).

Außerdem punktet ELVIS mit einem tollen Soundtrack, bei dem bekannte Elvis-Songs mit denen zeitgenössischer Künster:innen, darunter Doja Cat,  Kacey Musgraves, Steve Nicks, Chris Isaak, Jack White, Stuart Price, Yola und Eminem, präsentiert werden.

ELVIS 2022: Austin Butler, Baz Luhrmann und Tom Hanks

Absolutes Highlight sind jedoch die beiden Hauptdarsteller: Austin Butler, der Elvis oscarreif und dabei zum Verlieben sympathisch spielt, außerdem den jungen Elvis selbst singt (siehe Soundtrack), und Tom Hanks in der Rolle seines gewieften Managers Colonel Tom Parker. Um es mit Elvis zu sagen: Mah, boy, mah boy!

Elvis und Colonel Tom Parker: »The Soul and the Sell«

Und damit ist auch schon das erste der beiden zentralen Themen, die Luhrmanns im Biopic setzt, angesprochen: Nämlich die schwierige Beziehung des Künstlers zu seinem Manager Colonel Tom Parker – von Luhrmann verdichtet zum Konflikt zwischen The Soul (Elvis) und The Sell (Parker) – zwischen Seele alias Kunst und Kommerz, wie es der Regisseur formuliert. Sie bildet den Erzählfaden des Biopics, in dem die Ereignisse aus der Retrospektive Tom Parkers dargestellt werden.

Was bislang gar nicht so viele Leute jenseits der Fanszene wissen: Parker wurde als Andreas Cornelius van Kuijk (26. Juni 1909 bis 21. Januar 1997) im niederländischen Breda geboren, reiste als junger Mann illegal in die USA ein, wo er sich flugs umbenannte in Tom Parker aus Huntington/Virginia – seine tatsächliche Herkunft verleugnend. Parker arbeitete zunächst beim Zirkus, bevor er sich als Manager von Countrymusikern wie Eddy Arnold und Hank Snow einen Namen machte. Den Titel eines Colonels erhielt van Kuijk alias Tom Parker 1948 ehrenhalber vom Gouverneur des Bundesstaates Louisiana als Dank für die Mitarbeit bei seiner Wahlkampagne.

Der Snowman: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Schon an diesem Punkt wird klar: Der falsche Colonel, der sein Handwerk beim Zirkus lernte, versteht sich auf den schönen Schein. Die Illusion ist seine Welt. Man ist, wer man vorgibt zu sein. Doch er ist viel eher ein Spieler im ganz ursprünglichen Sinne als ein reiner Hochstapler. Es geht ihm nicht nur einfach ums Geld an sich, sondern um das Spiel um Geld – und um Macht. Andere zu »snowen«, sie einzuwickeln bzw. einzulullen, ihnen mit der Aussicht auf ein besonderes Erlebnis mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, als sie ursprünglich ausgeben wollten, das ist seine große Leidenschaft.

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Vor wenigen Tagen feierte »Elvis«, das langerwartete neue Biopic des australischen Regisseurs Baz Luhrmann über den King of Rock ’n‘ Roll, Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022. Im Kino läuft »Elvis« zwar erst ab dem 23. Juni, aber da die internationale Presse den Film schon sehen durfte, gibt es bereits erste Reaktionen und teils sehr ausführliche Kritiken. Was uns da wohl im Kinosessel erwartet? Schau’n wir uns die Kritiken doch mal an.

Demnächst im Kino: Der 30-jährige Austin Butler spielt Elvis in Baz Luhrmanns gleichnamigen Biopic

Publikumsliebling »Elvis« in Cannes

Eins schon mal vorweg: Baz Luhrmanns »Elvis« lief beim 75. Filmfestspielen in Cannes außer Konkurrenz, das heißt er ging nicht ins Rennen um die Gunst der Jury und die berühmte Goldene Palme. Den Titel als Publikumsliebling hat sich »Elvis« aber offenbar gesichtert, denn Medienberichten zufolge gab es im Anschluss an die Premiere, die unter großem Staraufgebot und in Anwesenheit von Priscilla Presley stattfand, den längsten Applaus, der jemals an der Croisette bei einer Premiere gemessen wurde. Bis zu 12 Minuten Standing Ovations sollen es gewesen sein. Das klingt nach ganz großem Kino.

Bei der Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2022: Baz Luhrmann (Mitte) im Elvis-Outfit mit Priscilla Presley im Arm und Elvis-Darsteller Austin Butler sowie Tom Hans links im Bild

Restlos überzeugen konnte das neueste Biopic über Elvis Presley, das die komplexe Beziehung des Superstars zu seinem langjährigen Manager Colonel Tom Parker (alias Andreas van Kuijk) in den Fokus rückt, die Filmkritiker allerdings nicht. Und das liegt nicht an Hauptdarsteller Austin Butler, bekannt unter anderem aus Quentin Tarantinos Once Upon A Time In Hollywood, der Elvis Presley glaubwürdig verkörpert, wie es unisono hieß.

Das ist keine große Überraschung, da sich die ansonsten in ihren Äußerungen sehr zurückhaltenden Presley-Damen, also Ex-Frau Priscilla, Tochter Lisa Marie und Enkelin Riley Keough, die in Cannes ihr Regiedebut gab, schon im Vorfeld der Premiere übereinstimmend sehr anerkennend über Austin Butlers Darstellung geäußert hatten.

Gemeinsamer großer Auftritt: Austin Butler hat Priscilla Presley als Elvis überzeugt – Met-Gala 2022

 

Es war einmal: Der echte Elvis Presley mit Ehefrau Priscilla Ende der 1960er

 

Im Film: Austin Butler als Elvis mit Film-Priscilla Olivia DeJonge

Dass Publikumsliebling »Elvis« die Fachpresse dennoch nicht restlos überzeugte, liegt auch nicht an Tom Hanks, der im Biopic zwar nicht brilliert, als Elvis‘ zwielichtiger Manager Tom Parker aber eine für ihn eher ungewöhnliche Rolle übernimmt und praktisch nicht wiederzuerkennen ist.

Kaum wiederzuerkennen: Tom Hanks als Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker

Nein, der zweieinhalb Stunden lange Film sorgt vor allem wegen des bekanntermaßen sehr besonderen Stils von Regisseur Luhrmann (*1962) – berühmt für opulente, bildgewaltige Filme wie Romeo + Julia (1996), das Musical Moulin Rouge (2001) oder The Great Gatsby/Der Große Gatsby (2013) – und das Drehbuch für Gesprächsstoff.

Einen ersten Eindruck vom Film vermittelt dieser Trailer von Studio Warner Bros.

Baz Luhrmanns »Elvis« – Reaktionen aus der amerikanischen Presse

Jetzt aber ein paar repräsentative Beispiele dafür, wie die amerikanische Presse Luhrmanns Biopic »Elvis« bewertet – jeweils übersetzt ins Deutsche. Die Übersetzung klingt nicht immer hundertprozentig rund, aber transportiert das Gesagte dennoch recht gut.

Austin Butler gibt eine Darstellung, die des Königs würdig ist, aber er wird lebendig begraben unter einer Strass-Achterbahn voll schwacher Biopic-Klischees

Luhrmann mag einer der unbändigsten Maximalisten sein, die das Kino je hervorgebracht hat, und sein neues Werk ist vielleicht der visuell anarchischste Hollywood-Film seit „Speed Racer“ der Geschwister Wachowski von 2008. Aber es ist schwer, auch nur ironisches Vergnügen an etwas zu finden, das sich so sehr an seinen eigenen Vorräten bedient; etwas, das viel weniger daran interessiert ist, wie Elvis die Regeln bricht, als daran, wie sein Regisseur es tut, und etwas, das unermüdlich unfähig ist, irgendeine sinnvolle Überschneidung zwischen den beiden zu finden.

In der Tat ist „Elvis“ so anhimmelnd in seinem Stil und so desinteressiert an seinem Thema, dass „Baz“ ein passenderer Titel für den Film gewesen wäre. Warum braucht ein wahnsinnig einfaches Musical-Biopic, das sich mit 60 Millionen Umdrehungen pro Minute durch die Zeit dreht, länger, um Elvis Presley die „Bohemian Rhapsody“-Behandlung zukommen zu lassen, als Luhrmann brauchte, um „Romeo und Julia“, „Der große Gatsby“ oder den gesamten Kontinent „Australien“ zu adaptieren? Denn der „Moulin Rouge!“-Regisseur kann – trotz seiner offensichtlichen Zuneigung zu Elvis und seinem gutgläubigen Bemühen, den Rockgott so zu ehren, wie er es für richtig hielt – nicht anders, als Presleys Ikonographie auf ähnlich eigennützige Weise zu nutzen, wie Parker sein Talent ausbeutete. […]

Butlers makellose Presley-Imitation wäre das Beste an diesem Film, selbst wenn es bei der Nachahmung bliebe, aber der Schauspieler schafft es nicht nur, Presleys Gesangsstimme und Bühnenpräsenz zu treffen; er schafft es auch, sich darüber hinwegzusetzen, sich von der Ikonografie zu lösen und dem Film die Gelegenheit zu geben, einen neuen emotionalen Kontext für einen Mann zu schaffen, der eingefroren in der Zeit war, bevor Luhrmanns Zielpublikum geboren wurde.

Eine Chance, die der Regisseur auf Schritt und Tritt ausschlägt: Sein Elvis wird nie sein eigener Mann. Stattdessen entwickelt er sich von einem Avatar für das Nachkriegsamerika zu einem hilflosen Süchtigen, der in einem goldenen Käfig gefangen ist. In beiden Modi hat er nicht den Hauch einer Handlungsmöglichkeit; durch die Jahre taumelnd und von einer eingeblendeten Zeitungsschlagzeile zur nächsten hüpfend, wirkt Elvis weniger wie jemand, der das 20. Jahrhundert umgestaltet hat, sondern eher wie jemand, der zusah, wie es um ihn herum ohnmächtig wurde und ihn dann hinausdrängte. Kein Wunder, dass sich die Wege von Elvis und Forrest Gump ständig zu kreuzen scheinen.

Anstatt einen sinnvollen Weg zu finden, der Elvis durch die Geschichte führt, lässt Luhrmann ihn einfach auf einem Floß aus Non-Stop-Musik durch die Jahre treiben, das mit Lichtgeschwindigkeit auf eine endlose Reihe von Biopic-Klischees stößt, bis es schließlich ein paar Jahrzehnte später kentert. Die Handlung bewegt sich so schnell und mit so wenig Gewicht, dass ich buchstäblich verpasst habe, wie Elvis‘ Mutter stirbt.

Filmkritiker David Ehrlich, Indiewire, 25. Mai 2022

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Wer hätte das gedacht? Elvis Presley, von seinen Kritikern, Biografen und Fans oft gleichermaßen geschmäht für seine 31 Hollywoodfilme, hat mindestens einen echten Klassiker im Portfolio: Jailhouse Rock (dt. Rhythmus hinter Gittern) von 1957. Denn wie kaum ein anderer Film seiner Ära transportierte Jailhouse Rock das rebellische Lebensgefühl der Rock ’n’ Roll-Generation der 1950er.

Lebensgefühl Rock ’n‘ Roll: Elvis Presley in ‚Jailhouse Rock‘ 1957

In Jailhouse Rock kulminierte das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl erstmals musikalisch und filmisch in einer Person: Elvis Presley, King of Rock ’n’ Roll. Kein Wunder also, dass der Film seit 2004 im Nationalen Filmregister der USA für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme gelistet wird und laut einer Umfrage des Empire Magazins (2008) als einer der 500 besten Filme aller Zeiten gilt. Bis es zu dieser Anerkennung kam, mussten Film und Hauptdarsteller allerdings eine langen Weg zurücklegen.

Jailhouse Rock: Drehbuch – Regie – Crew

Die Dreharbeiten für den MGM-Filmklassiker mit Elvis Presley in der Hauptrolle starteten im Mai 1957 direkt im Anschluss an die Aufnahmesession für den Soundtrack. Beim Dreh mit von der Partie waren auch die Musiker Scotty Moore, Bill Black, D.J. Fontana, Komponist Mike Stoller und einige von Elvis‘ Freunden, die in kleinen Rollen in verschiedenen Szenen des Films zu sehen sind.

Das Drehbuch zu Jailhouse Rock beruht auf einer Erzählung des Schauspielers und Drehbuchautors Nedrick „Ned“ Young, der unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas 1959 einen Oscar für sein Drehbuch The Defiant Ones (Flucht in Ketten) gewann. Als Produzent des Schwarzweiß-Films fungierte der mehrfach Oscar-nominierte Sandro S. Berman, der zuvor schon Blackboard Jungle (1955) mit dem bekannten Titelsong Rock Around The Clock von Bill Haley produziert hatte, assistiert von Kathryn Hereford (u.a. Die Brüder Karamasov).

Und auch der Regisseur von Jailhouse Rock war eine bekannte Größe in Hollywood. Allerdings hatte sich Richard Thorpe die Sporen eher in Low-Budget-Komödien und Westernfilmen verdient. Im Studiosystem Hollywoods war Thorpe – Spitzname: Mr. One Take – ein beliebter Regisseur der MGM, einfach weil er besonders „budgetsensibel“ und effizient Regie führte. Als ansprucksvoller oder gar besonders kreativer Regisseur galt er nicht. Allerdings profitierte Jailhouse Rock durchaus von Thorpes Vorliebe, in besonders langen Einstellungen zu filmen, was Kameramann Robert J. Bronner stimmungsvoll umzusetzen wusste.

Klassisch: „That ain’t tactics, honey. That’s just the beast in me!“ Elvis Presley mit Judy Tyler

Elvis selbst spielte in seinem 3. Film nicht nur die Hauptrolle, in Jailhouse Rock trägt der von ihm dargestellte Charakter (Vince Everett) erstmals überzeugend die Handlung  – und ist dabei im Gegensatz zu den meisten Protagonisten der 31 Elvis-Spielfilme ( → Elvis im Kino: Interview mit Filmwissenschaftler Björn Eckerl) kein gradlinig sympathischer Kerl,  was erheblich zum Reiz des Films beiträgt. Weiterlesen

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Dixie bemerkt ihn zum ersten Mal vor der sonntäglichen Bibelstunde. Wie unglaublich gut er aussieht, denkt sie. Erst vor kurzem ist seine Familie zu ihrer Kirchengemeinde gestoßen, der First Assembly of God Church in der 1084 McLemore Street in Memphis. Verstohlen schaut sie noch einmal zu ihm hinüber in die letzte Reihe. Jetzt lächelt er sie an – mit diesem schüchternen, leicht schiefen Lächeln, bei dessen Anblick Dixie schwindlig wird vor Glück. Was für ein Prince Charming! Er heißt Elvis Presley und ist gerade erst 19 Jahre alt geworden – so viel hat sie schon herausgefunden.

Begegnung in der Kirchengemeinde: Die Jungs der Sonntagsklasse der „First Assembly of God Church“ in Memphis Anfang 1954…

… mit dem „gutaussehenden schüchternen Neuen“ in der letzten Reihe – Foto: Unlocked – Memoirs Of Elvis‘ First Girlfriend by Dixie Locke Emmons, 2021

Als Dixie »den Neuen« das erste Mal in der Sonntagsschule bemerkt, ist sie 15 und besucht die South Side High School in Memphis. Willa Dean (*1938), wie Dixie eigentlich heißt, wächst mit ihren vier Geschwistern – drei Schwestern und einem Bruder – in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.

Bescheidene Verhältnisse in Memphis

Die Lockies stammen eigentlich aus Georgia und ziehen 1940 nach Memphis, wo Dixies Vater Thad schließlich einen Job bei der American Railway Express Agency findet, einem nationalen Paketzustelldienst, für den er Züge be- und entlädt.

Die Großfamilie wohnt in einem kleinen Haus mit nur drei Zimmern in der Lucy Street nahe der Innenstadt von Memphis. Die Locke-Kinder müssen sich eins der Zimmer teilen – ganz schön eng. Wenn Vater Thad, der morgens früh raus muss, um 8 Uhr abends ins Bett geht, ist auch für den Rest der Familie Schicht im Schacht.

Das einzige Bad befindet sich auf der hinteren Veranda – die stählerne Badewanne dient nicht nur der Körperhygiene, sondern wird auch fürs Wäschewaschen genutzt. Eine Waschmaschine ist unvollstellbarer Luxus für die Lockes. Nein, bei den Lockes wird per Hand gewaschen, von Mutter Lillian und den Töchtern. Auch ein Auto hat die Familie nicht – der Vater fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

Trotz der bescheidenen Verhältnisse hat Willa Dean, die ihren Geburtsnamen nicht besonders mag und sich deshalb schon früh in »Dixie« (Abkürzung für Dixieland = amerikanische Südstaaten) umbenennt, eine glückliche Kindheit. Zwar sind die Folgen der Weltwirtschaftskrise noch immer überall spürbar, doch die Lockes sind froh, dass der Vater einen einigermaßen sicheren Job hat, der ihnen in diesen schwierigen Zeiten ein Dach über dem Kopf, genügend zu essen und etwas zum Anziehen sichert.

Der Höhepunkt des Jahres ist der Familienurlaub bei der Familie des Vaters auf dem Land in Georgia, der nur deshalb möglich ist, weil die Zugtickets von Thads Arbeitgeber bezahlt werden.

Die Schwestern Locke (v. l. n. r.): Betty Jean (1934-2010), Juanity Fay (*1936), Willa Dean „Dixie“ (*1938) und Shirley Lois (1946-2016) – Foto: Unlocked, 2021

Ein weiteres Highlight für die Locke-Mädchen ist, wenn Mutter Lillian vor Beginn des neuen Schuljahres den dicken Katalog von Sears Roebuck raussucht, aus dem sich jede ein paar Stoffe zum Bestellen aussuchen darf. Aus den Stoffen näht Mutter Locke auf ihrer alten Nähmaschine die neuen Röcke und Blusen für ihre Töchter (Hosen sind tabu). Ansonsten sind die jüngeren Schwestern darauf angewiesen, die Kleidung der älteren aufzutragen. Dixie ist die Zweitjüngste – aua!

Dass die Familie darüber hinaus sehr wenig Geld zur Verfügung hat, empfindet Dixie jedoch nicht als großen Nachteil – schließlich haben alle anderen in ihrem Umfeld auch nicht mehr. Ihre Freizeitaktivitäten kreisen ganz um die Familie, die Nachbarschaft und die Kirche, die First Assembly of God Church, in der die Lockes seit 1944 Mitglied sind. Die Lockes sind sehr religiös. Vor allem Mutter Lillian achtet streng darauf, dass ihre Kinder die zehn Gebote und Kapitel 3, Vers 16 des Johannes-Evangeliums in- und auswendig können, noch bevor sie eingeschult werden.

Die First Assembly of God Church in der McLemore Street in Memphis – Foto: Unlocked, 2021

Davon abgesehen ist Dixie ein typischer Teenager, wird sie später sagen. Sie hat ein besonders enges Verhältnis zu ihrer zwei Jahre älteren Schwester Juanita und verbringt die Zeit, wenn sie nicht in der Schule ist oder im Haushalt helfen muss, am liebsten mit ihren Freunden. Obwohl bodenständig und praktisch veranlagt, ist die sportliche 15-Jährige auch eine Romantikerin. Sie träumt von der großen Liebe, von dem Märchenprinzen, von Prince Charming, der ihr Herz im Sturm erobert. Ihr Vorbild ist die Ehe ihrer Eltern, die 70 Jahre bis zum Tod des Vaters halten wird.

Wartet auf ihren Märchenprinzen: Dixie als Teenager im Haus ihrer Eltern – Foto: Unlocked, 2021

Doch als der Märchenprinz in ihr Leben tritt, hat er so gar nichts von dem eigenen Vater. Genau genommen fällt der Junge aus der sonntäglichen Bibelstunde ihr vor allem deshalb auf, weil er »so anders« ist. Da ist einmal die Art, wie er sich kleidet: so auffällig in Pink und Schwarz. Dann seine für damalige Verhältnisse ziemlich langen, mit Pomade zum Entenschwanz zurückgekämmten Haare. Unerhört!

Elvis in Pink und Schwarz: Hier fotografiert 1956 in der Innenstadt von Memphis, als der er sich einen Strafzettel einfängt

»Alle anderen Jungs waren wie die Ebenbilder ihrer Väter«, wird sie später sagen. Der Neue jedoch fällt unübersehbar aus dem Rahmen, weswegen die anderen Mädchen in der Gruppe ihn »seltsam« finden. Und noch etwas bemerkt Dixie: Seine Schüchternheit steht in einem eigenartigen Kontrast zu seinem offensichtlichen Bemühen, unbedingt aus der Menge herauszustechen. Sie verknallt sich Hals über Kopf in den Neuen.

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»Elvis hated to overdub«, das wusste nicht nur Elvis Presleys langjähriger Schlagzeuger D. J. Fontana, von dem dieses Zitat stammt. Beinahe alle Musiker, Produzenten und Tontechniker, mit denen Elvis Presley im Verlauf seiner Karriere zusammenarbeitete, können bestätigen, dass der King kein großer Freund der Overdub-Technik war. Genau das macht Veröffentlichungen wie das kürzlich erschienene Boxset Elvis Back In Nashville (Sony 2021) so interessant.

Featuring Elvis 1971: Cover des Boxsets Elvis Back In Nashville 2021

Denn darauf gibt es legendäre Aufnahmen aus dem Jahr 1971 – darunter die des mit einem Grammy ausgezeichneten Gospel-Albums He Touched Me – ohne die ungeliebten Overdubs zu hören. Also genauso, wie Elvis Presley sie mit seinen handverlesenen Musikern in RCAs Studio B in Nashville im März, Mai und Juni 1971 aufnahm, bevor sie für die Veröffentlichung unter anderem mit Orchester-Arrangements »aufgemotzt« wurden.

Aber was hatte Elvis eigentlich genau gegen das branchenübliche Overdubbing einzuwenden? Ganz einfach: Es widersprach seiner Auffassung davon, was gute Aufnahmen ausmacht und wie sie entstehen.

Perfect imperfection: Studioaufnahmen als Live-Performance

Von seinen ersten Aufnahmesessions in Sam Phillips Memphis Recording Studio an, bei denen er seine Aufnahmen mit Gitarrist Scotty Moore, Bassist Bill Black und später D. J. Fontana – weitere Musiker gab es anfangs nicht – gemeinsam entwickelte und dabei so lange von vorn bis hinten wiederholte bis eine Aufnahme dabei herauskam, mit der man zufrieden war, blieb genau das Elvis Presleys bevorzugte Arbeitsweise im Studio. Overdubbing gab’s nicht. Entsprechend war Sam Phillips berühmtes »Slapback Echo Delay« so ziemlich der einzige Effekt, der bei Elvis Presleys frühen Aufnahmen zur Anwendung kam.

Die damalige Studiotechnik ließ insgesamt wenig Raum für die Bearbeitung einmal eingespielter Versionen – aufwendige Postproduktion, wie sie heute längst Standard ist, fand nicht statt. Auch war Software wie das seit 1997 weitverbreitete Autotune, mit der gesangliche Mängel problemlos automatisch korrigiert werden können, noch nicht erfunden.

Einfache Ausstattung: Sam Phillips bei Aufnahmen in seinem Studio Memphis Recording Service (SUN Studio) in den 1950ern – Foto: Memphis Recording Service

Allerdings legte Sam Phillips, Inhaber des Memphis Recording Services und des Musiklabels SUN, bei dem der junge Elvis Mitte der 1950er seine ersten Erfahrungenn sammelte, ohnehin keinen großen Wert auf technische Perfektion im herkömmlichen Sinne. Stattdessen ging es bei der Arbeit im Studio darum, eine Atmosphäre herzustellen, die die individuelle Kreativität aller Beteiligten förderte und so Musikaufnahmen hervorbrachte, die einzigartig, authentisch, frisch und spontan klangen (→Musikkritiker Dave Marsh in seinem Essay in Walk A Mile In My Shoes ). »Perfect imperfection« lautete das Motto.

Bloß nichts technisch zu Tode optimieren, sondern stattdessen auf das besondere »Feeling« der Aufnahmen setzen, die live entstanden, indem alle beiligten Musiker:innen in ein und demselben Studioraum ihre Gesangs- und Instrumentalparts zusammen einspielten. Studiotechnik hatte dabei die Aufgabe, das Live-Gespielte bestmöglich für die Veröffentlichung zu konservieren. Mehr nicht. Alles, was im Nachgang hinzugefügt wurde und damit nicht mehr live war, trug nach dieser Auffassung das Potenzial fehlender Authentizität in sich – also auch das Overdubbing.

Entsprechend sei Elvis, so erzählte Ron Tutt, der nach dem eingangs zitierten D. J. Fontana von 1969 bis 1977 Presleys erster Mann am Schlagzeug war, auch in späteren Jahren ein absoluter Purist gewesen. Für ihn war eine Studioaufnahme eine Live-Performance im Studio – und damit keine eigenständige Kunstform:

[Elvis] believed that recording is an art of recording a live performance, not an art of a recording studio. You see what I mean? There’s a real differentation between the two. He was very puristic when it came to that.“

Ron Tutt im Interview mit Arjan Deelen 2009

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Der britische Journalist Paul Simpson ist Autor der lesenswerten englischsprachigen Buchveröffentlichung »Elvis Films FAQ: All That’s Left To Know About the King of Rock ‘n’ Roll in Hollywood« (2013), die sich ausführlich mit Elvis Presleys Hollywoodfilmen beschäftigt. Im folgenden Interview mit »The Memphis Flash« gibt Paul Simpson spannende Einblicke in die Filmkarriere des King.

Kennt sich mit Elvis Presleys Filmen aus: Journalist, Buchautor und Elvis-Fan Paul Simpson – Foto: Paul Simpson

Elvis Films FAQ, was so viel heißt wie »häufig gestellte Fragen zu Elvis‘ Filmen«, ist bereits Paul Simpsons zweite Veröffentlichung über den King of Rock ‘n’ Roll – die erste erschien 2005 unter dem Titel The Rough Guide to Elvis.

Darüber hinaus veröffentlichte Simpson (*1961), der unter anderem als Redakteur für das Fußballmagazin Champions Matchday – The official magazine of the UEFA Champions League arbeitet, eine ganze Reihe weiterer Bücher zu Themen der Popkultur. Dazu gehören The Rough Guide to James Bond (2002), The Rough Guide to Cult Fiction (2005) und 397 Ways To Pick A DVD (2009).

INTERVIEW

The Memphis Flash: Paul, als professioneller Autor und langjähriger Elvis-Fan, warum hast Du so viel Arbeit in ein Buch – immerhin über 400 Seiten – gesteckt, das sich ausschließlich mit Elvis Presleys 31 Hollywoodfilmen beschäftigt? Die Filme waren zu ihrer Zeit zwar an der Kinokasse ziemlich erfolgreich, aber heute stehen sie bei vielen Fans, Kritikern und Biografen des King, darunter auch Peter Guralnick, nicht gerade hoch im Kurs. Nicht wenige halten Elvis Presleys Schauspielambitionen für einen Tiefpunkt seiner Karriere. Macht ein Buch wie Elvis Films FAQ da überhaupt Sinn?

Paul Simpson: Es macht schon allein deshalb Sinn, weil die Filme Elvis selbst wichtig waren. Und für einen Fan wie mich, der versucht, sein Leben und seine Karriere als Ganzes zu verstehen, ist es daher auch sinnvoll, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Außerdem haben sie eine ganze Reihe großartiger Musik und unvergessliche Szenen hervorgebracht, die mit ein Grund sind, weshalb Elvis Presley heute eine solche globale Ikone ist. Einige der Filme sind ganz sicher genauere Einzelbetrachtungen wert, wie etwa die beiden Höhepunkte King Creole (1958) und Flaming Star (1960). Die Rahmenbedingungen, unter denen die Filme entstanden, werfen zudem ein Licht darauf, wie die gesamte Karriere Elvis Presleys gemanagt wurde.

Flaming Star 1960: Elvis Presley with Barbara Eden and Steve Forrest

Flaming Star 1960: Elvis Presley als Halbindianer Pacer mit Co-Stars Barbara Eden und Steve Forrest

Bis heute sind die Filme ein Aspekt in der Karriere Elvis Presleys, der unterrepräsentiert ist. Peter Guralnick scheint es in seiner beinahe definitiven Elvis-Biografie kaum abwarten zu können, über einige der Musicals aus den 1960ern möglichst schnell hinweg z ugehen. Ich kann das durchaus verstehen. Aber wenn Elvis nicht der nächste James Dean oder Tony Curtis hätte sein wollen, hätten wir am Ende vielleicht nie etwas von ihm gehört.

The Memphis Flash: Von diesem Traum sprach Elvis ja auch selbst in seiner Dankesrede anlässlich der Vergabe des Jaycee Award 1971: „When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. […] I saw movies, and I was the hero in the movie...“

Paul Simpson: Genau. Das Bild, das ich jetzt, nachdem mein Buch erschienen ist, immer noch im Kopf habe, ist das des jungen Elvis in Tupelo, der zusammen mit seinem Vater ins Kino eilt (etwas, was die Assembly-of-God-Kirchengemeinde der Presleys in den 1930ern und 1940ern sicher nicht guthieß), wo er sich für die Filme der damaligen Zeit begeistert, wo er Bing Crosby hört, wie er Blue Hawaii in dem Film Wakiki Wedding singt, und wo er selbst davon träumt, mit seiner Familie einmal ein anderes Leben zu führen. War es nicht gerade diese Form des Eskapismus, dieser Traum, der die Hoffnung in ihm wachhielt, der bitteren Armut seiner Jugend entkommen zu können?

The Memphis Flash: Das ist sehr wahrscheinlich. Was ich besonders faszinierend an Elvis Films FAQ finde, sind die vielen unterschiedlichen Perspektiven von Regisseuren, Drehbuchautoren und Co-Stars, die Du zusammengetragen hast. Es gibt da beispielsweise eine Passage, in der Du Drehbuchautor Allan Weiss, der gleich eine ganze Reihe Drehbücher für so erfolgreiche Hal Wallis-Produktionen wie Blue Hawaii (mit Hal Kanter, 1961), Girls, Girls, Girls (1962) und Fun in Acapulco (1963) geschrieben hat, mit den Worten zitierst:

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Fast jeder, der einigermaßen erfolgreich im Musikgeschäft ist, spielt irgendwann auch Weihnachtslieder ein. Schließlich ist dafür garantiert jedes Jahr einmal Saison und das lässt die Kasse immer wieder aufs Neue klingeln. Elvis Presley ist keine Ausnahme. Zu seinen bekanntesten Weihnachtssongs gehört »Santa Claus Is Back In Town« aus dem Jahr 1957 – erstmals erschienen auf dem Megaseller Elvis‘ Christmas Album.

  • Weihnachtsstimmung mit Elvis

Das inzwischen legendäre Elvis‘ Christmas Album mit 12 Songs kam im Oktober 1957 rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit in den USA auf den Markt und hielt sich volle vier Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts. 2011 zeichnete die Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) die spätere Camden-Version des Albums (1970) mit einem Diamond-Award für mehr als 10 Mio. allein in den USA verkaufte Exemplare aus. Damit soll Elvis Christmas Album das bis heute erfolgreichste Weihnachtsalbum aller Zeiten in den USA sein.

Elvis‘ Christmas Album – 2014 mit einer Veröffentlichung des Sammlerlabels Follow That Dream bedacht – gilt heute längst auch musikalisch als Klassiker. Die Redaktion des Musikmagazins Rolling Stone listet es als zweitbestes Weihnachtsalbum aller Zeiten. Das war nicht immer so.

Als Elvis‘ Weihnachtsalbum 1957 erschien, stürmte es nämlich nicht nur die Charts, sondern sorgte auch für reichlich Aufregung. Jetzt verunglimpfe die Galionsfigur der vulgären, Amerikas Jugend verführenden Rock ’n‘ Roller Elvis the Pelvis auch noch das heilige Weihnachtsfest, so wurde das damals von vielen gesehen.

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Wie ein Fels in der Brandung wirkte Ron „Ronnie“ Tutt, langjähriger Schlagzeuger in Elvis Presleys TCB-Band, beim Treffen mit Fans, die 2013 aus ganz Europa zum European Elvis Festival nach Bad Nauheim angereist waren, um ihn und seine Bandkollegen James Burton und Glen D. Hardin endlich einmal fragen zu können: Hey, sag‘ mal, wie war es denn nun wirklich mit dem King auf der Bühne und im Aufnahmestudio?

Schlagzeuger Ron(nie) Tutt beim European Elvis Festival 2013

Schlagzeuger Ron(nie) Tutt beim European Elvis Festival 2013

Doch Ronald Ellis Tutt (1938-2021) wirkte nicht nur wie die Ruhe selbst, der Vater von 10 Kindern hatte die Ruhe auch tatsächlich weg in dem ganzen Trubel um die TCB-Band. Wer ihm persönlich begegenete, konnte sich fast nicht vorstellen, welche Dynamik dieser freundliche, weißhaarige Bär mit Vollbart – von Elvis bei Konzerten gerne mit „on drums hard working Ronnie Tutt“ vorgestellt – entfalten konnte, wenn er am Schlagzeug saß. Nicht ohne Grund gilt er vielen als Drummer von Weltklasse-Format. Hier kommt eine Zusammenstellung von Szenen aus den 1970ern, die Ron Tutt mit seinem legendären Frontmann in Action zeigen.

Während TCB-Gitarrist James Burton gerne im Mittelpunkt steht, Pianist Glen Hardin den charmanten Clown spielt, war Ron Tutt vor allem eins: zurückhaltend. Er schaute sich alles erst einmal genau an, peilte gewissermaßen aus der Distanz die Lage – auffällig dabei sein scharf beobachtender Blick. Ron Tutt entging so schnell nichts.

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Elvis Presley kehrt zurück – in Bronze – nach Bad Nauheim. Am 13. August 2021 wird die lebensgroße Bronze-Statue des King of Rock ’n‘ Roll, die ihren Platz auf einer Fußgängerbrücke über dem Flüsschen Usa gefunden hat, eingeweiht. Möglich gemacht haben das die Macherinnen hinter der Initiative „Elvis in Bronze“. Im Interview mit The Memphis Flash erzählt Angela Storm, wie Bad Nauheim zu einer einzigartigen Elvis-Statue kam.

Einzigartig: Bronzener GI Elvis Presley in Bad Nauheim 2021 – Foto: www.memphisflash.de

Doch was genau macht die Bad Nauheimer Elvis-Statue so besonders – abgesehen von ihrer interessanten Entstehungsgeschichte? Zunächst einmal ist sie die Erste ihrer Art in Deutschland und sie dürfte darüber hinaus die Einzige weltweit sein, die Elvis Presley als amerikanischen Soldaten in Uniform zeigt. Damit wird die Statue auch zu einem Symbol deutsch-amerikanischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wir erinnern uns: Als GI war der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Friedberger Ray Barracks stationiert und wohnte im benachbarten Kurort Bad Nauheim. Die kleine Fußgängerbrücke zwischen Stadtbücherei und Rosengarten, die seine Statue nun schmückt, dürfte Elvis so manches Mal auf seinem Weg von der Goethestraße, wo er ein Haus angemietet hatte, in den Ortskern Bad Nauheims überquert haben.

Wie man sich das vorstellen kann, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1959, auf dem der Superstar als flanierender GI zu sehen ist, der auf der Brücke einen Moment innehält, um in schmucker Uniform für einen Pressefotografen zu posieren. Das Foto war eigentlich für ein Plattencover gedacht – doch daraus wurde nichts. Mehr als ein halbes Jahrhundert später sollte es als Vorlage für weitaus Größeres dienen – eine originalgetreue Bronze-Statue.

Lässiger Flaneur: GI Elvis Presley am Brückengeländer über dem Flüsschen Usa in Bad Nauheim 1959

Ein Selfie mit dem erstaunlich lebensechten Bronze-Elvis, der lässig am eigens für ihn rekonstruierten historischen Brückengeländer lehnt, das können ab Mitte August flanierende Touristen und Fans aus aller Welt machen, egal ob sie zum Kuraufenthalt, Urlaub oder den Besuch des European Elvis Festivals (→ Festivalprogramm 2021) nach Bad Nauheim kommen.

Und eins ist jetzt schon sicher: Der Bronze-Elvis auf der Usa-Brücke dürfte eines der meistfotografierten Motive in der Region werden. Ein willkommener Tourismusmagnet für das rund 30 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegene Städtchen Bad Nauheim, das etwa 32.000 Einwohner zählt. Noch dazu ein Lichtblick für das von der Corona-Pandemie stark getroffene regionale Gastgewerbe. Entsprechend klingt das Ganze nach der Idee eines ausgefuchsten Tourismus-Marketing-Managers. Doch weit gefehlt.

Hinter dem Bronze-Elvis stecken die ebenso sympathischen wie tatkräftigen Elvis-Fans Angela Storm aus Lübeck und Meike Berger aus Bochum von der ehremamtlichen Initiative „Elvis in Bronze“. Wie es ihnen mit ordentlich viel „Elvis-Spirit“ gelang, den King mehr als 60 Jahre nach seiner Abreise zurück nach Bad Nauheim zu holen, das erzählt Angela Storm jetzt im Interview.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Frau Storm, wie sind Sie als Lübeckerin eigentlich auf die Idee gekommen, eine lebensgroße Elvis-Statue für Bad Nauheim auf den Weg zu bringen? Sind Sie Elvis-Fan?

Angela Storm: Ja, ich bin seit meiner Kindheit Fan. Elvis hat mich durch meine ganze Teenagerzeit begleitet. Dann habe ich irgendwann geheiratet und Kinder bekommen und das Ganze ist ein bisschen eingeschlafen. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nicht zu einer Veranstaltung begleiten will, auf der auch ein Elvis-Double aufgetreten ist. Das habe ich gemacht – und danach ist alles wieder aufgeflammt bei mir. Ich habe angefangen meine Elvis-Sammlung durchzugehen, zu schauen, was habe ich, was fehlt mir noch. Es kommen ja auch ständig neue Veröffentlichungen raus. Dann bin ich das erste Mal auf so ein Festival gefahren.

The Memphis Flash: Sie meinen das European Elvis Festival, das jedes Jahr im August in Bad Nauheim stattfindet?

Angela Storm: Genau. Ich habe damals jedenfalls gedacht: Meine Güte, was ist denn hier los? Ich war davon ausgegangen, dass die Elvis-Szene nach so langer Zeit ein bisschen eingeschlafen ist. Aber die ist nach wie vor sehr lebendig. Als Fan wird man auch immer wieder spontan auf Elvis angesprochen, ob das in der Bank am Schalter ist, wenn zufällig ein Elvis-Schüsselanhänger aus der Tasche guckt, oder von Autofahrern, die ihren Wackel-Elvis spazieren fahren. Das ist schon witzig. Jedenfalls fahre ich jetzt seit circa 15 Jahren jedes Jahr nach Bad Nauheim zum European Elvis Festival. Und dann ist da eben immer diese Enttäuschung, wenn man vor der Stele steht.

The Memphis Flash: Sie meinen die Stele, die zum Gedenken an Elvis 1995 neben den Hotel Villa Grunewald aufgestellt wurde und die geradezu berühmt dafür ist, dass sie Elvis Presley nicht besonders ähnlich sieht?

Keine Ähnlichkeit mit dem King: Elvis-Stele vor dem Hotel Villa Grunewald in Bad Nauheim – Foto: The Memphis Flash

Angela Storm: Ja. Ohne den Typ, der sie entworfen hat, angreifen zu wollen, aber jedes mal, wenn wir vor der Stele in Bad Nauheim standen, haben wir gedacht: Das gibt’s doch nicht, das muss doch besser gehen. Dann waren Meike Berger und ich in Memphis und haben dort einge Elvis-Statuen gesehen. Wir waren auch in Dänemark, wo der Fan Henrik Knudsen das ganze Graceland-Gebäude nachgebaut hat. Auch er hat eine Statue. Dann kam das nächste Elvis-Festival. Und irgendwann haben wir uns gesagt: Das kann doch nicht angehen – jedes Jahr dasselbe Gemecker. Wir müssen endlich was machen. Vielleicht lässt sich so eine Bronze-Statue über Spenden finanzieren. Also haben wir angefangen zu recherchieren, was so eine Statue kostet und ob es überhaupt erlaubt ist, Elvis als Statue nachzubilden. Auch war uns klar, dass wir das nicht einfach der Stadt aufbürden können. So kam der Stein ins Rollen.

Geben alles für den Bronze-Elvis: Angela Storm (rechts) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Was muss man denn anlegen für eine lebensgroße Bronze-Statue?

Angela Storm: Man muss zwischen 30.000 und 40.000 Euro anlegen. Wir liegen aktuell bei 35-36.000. Wenn man es vom Acrylbauer gestalten lässt, dann ist es weitaus günstiger. Das haben wir auch zuerst versucht, aber die Optik hat uns einfach nicht überzeugt. Und wir wollten ja nicht irgendeine Statue haben – wir wollten etwas wirklich Gutes haben. Viele der Statuen, die wir uns angeschaut hatten, haben dasselbe Problem: Das Gesicht ist nicht so getroffen, wie es sein sollte. Kurz: Wir hatten zwei Herausforderungen – die Optik und das Geld.

The Memphis Flash: Und wie haben Sie die Stadt Bad Nauheim ins Boot bekommen?

Angela Storm: Wir haben angefragt, ob die Stadt bereit wäre, die Statue aufzustellen, wenn wir sie über Spenden finanzieren. Steffen Schneider, der Leiter Kur- und Servicebetrieb, war sofort ganz begeistert von der Idee. Der Vorschlag, den Elvis auf der Brücke aufzustellen, kam dann auch von der Stadt, weil die Brücke am Rosengarten ohnehin saniert werden musste und es eben dieses Foto von Elvis auf der Brücke gibt. Wir hatten zunächst noch die Idee, den Elvis vor die Villa Grunewald zu stellen. Wir haben dann aber sofort gesagt: Das mit der Brücke machen wir.

The Memphis Flash: Jetzt musste aber noch die Finanzierung gesichert werden?

Angela Storm: Mir war sofort klar: über Spenden. Ich habe dann bei Maria Hesterberg, der Vorsitzenden der deutschen Elvis Presley Gesellschaft e. V., angefragt, ob wir etwas über Spendengelder und Sponsoren organisieren könnten. Sie hat uns gleich gesagt, dass es schwierig wird, die Leute zu einer Spende zu motivieren. Der Verein hatte die Erfahrung schon gemacht, als eine gestohlene Gedenkplatte über Spenden ersetzt werden sollte. Und da habe ich mir gesagt: Ja, das ist auch schwierig.

Unterwegs mit Elvis-T-Shirt und Sammeldose: Angela Storm (re.) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Misstrauen gegenüber Spendensammlern?

Angela Storm: Man muss die Leute einfach direkt ansprechen. So sind Meike und ich auf die Idee mit den Sammeldosen gekommen. Wir wollten direkt an den Fan ran, um von unserer Idee zu erzählen. Wir haben auch Flyer gedruckt und uns T-Shirts machen lassen. Auf dem European Elvis Festival 2018 sind wir dann voller Enthusiasmus mit den Sammeldosen rumgelaufen und haben die Dosen auch in Geschäften verteilt. Das war die Idee schlechthin. Gab eine Riesenwelle. Unterstützt wurden wir dabei von der Elvis Presley Gesellschaft. Natürlich ging nicht alles über die Dosen – also haben wir zusätzlich ein Go-Fund-Me-Konto eröffnet. Als das Festival 2018 zu Ende war, kam die Überlegung, was jetzt?

The Memphis Flash: Weil Sie das Geld natürlich noch nicht zusammen hatten?

Angela Storm: Genau. Wir sind dann auf jedes Konzert, das irgendwo stattgefunden hat. Wir waren ein paar Mal bei Elvis – das Musical mit einem Infostand und haben Spenden gesammelt. Und dann kamen auch schon die ersten Sachspenden der Fans rein. Daraus ist dann ein richtiger Verkaufsstand geworden. Alle Einnahmen immer in die Spendendosen rein und dann aufs Konto. Natürlich kam auch immer wieder die Frage: Was macht ihr denn, wenn ihr das Geld nicht zusammenkriegt? Da haben wir gesagt: Sowas gibt’s gar nicht. Wir sammeln so lange, bis wir das Geld zusammenhaben und wenn es fünf oder sechs Jahre dauert. Wir wollen endlich eine vernünftige Statue von Elvis haben. Aber das ist halt die Leidenschaft – das ist einfach die Freude an Elvis und an seiner Musik, die uns da immer so ein Stückchen weitergebracht hat. Die Fans haben auch immer mehr Vertrauen in uns gehabt.

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»B. J. Thomas has got out a new record. I don’t especially like it, but I like to sing it for you anyway«, witzelt ein gut gelaunter Elvis Presley auf der Bühne des großen Showrooms im International Hotel in Las Vegas. Das Publikum lacht – und sofort legt der King los mit seiner Version des Thomas-Hits I Just Can’t Help Believin‘ vom Sommer 1970. Es ist eine Interpretation, die Komponistin Cynthia Weil treffend als »pure Elvisness« beschreibt.

Elvisness: Der King live mit ‚I Just Can’t Help Believin‘, 11. August 1970

Elvis Presley: I Just Can’t Help Believin‘ live 11. August 1970, Las Vegas (Mitternachts-Show)

Worauf Elvis bei seiner Ankündigung des Songs humorvoll anspielt, ist die Tatsache, dass der texanische Pop- und Country-Sänger B. J. Thomas (1942-2021) nach seinem großen Erfolg mit dem Ohrschmeichler Teardrops Keep Fallin‘ On My Head (1969), der als bester Filmsong aus der Western-Komädie Butch Cassidy und Sundance Kid (dt. Zwei Banditen) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, mit I Just Can’t Help Believin‘ 1970 einen weiteren Top-10-Hit in den amerikanischen Hot 100-Billboard-Charts verbuchen kann. In Billboards Adult Contemporary Charts erreicht I Just Can’t Help Believin‘ sogar Platz 1. Damit ist B. J. Thomas einer der angesagtesten Interpreten des beginnenden 70er-Jahrzehnts.

Erfolgreich: Sänger B.J. Thomas in den 1970ern

B. J. Thomas: I Just Can’t Help Believin‘ – Album ‚Everybody Is Out Of Town‘, 1970

Beides gute Gründe für Elvis, I Just Can’t Help Believin‘ im Sommer 1970 in sein Live-Repertoire aufzunehmen. Schließlich möchte er sich in dieser Phase – ein Jahr nach seinem Bühnen-Comeback in Las Vegas – vor allem als zeitgenössischer Musiker und nicht als Retro-Act aus den 1950ern präsentieren.

Und wie könnte das besser gehen als mit dem brandaktuellen Hit eines populären Sängers, mit dem er außerdem eine Vorliebe für junge aufstrebende Komponisten wie Mark James (Suspicious Minds, 1969; Hooked On A Feeling, 1968) und das erfolgreiche Songwriter-Duo Cynthia Weil/Barry Mann teilt? Thomas‘ Hit Hooked On A Feeling aus der Feder von Mark James findet sich jedenfalls in Elvis Presleys privater Plattensammlung. Und Thomas nimmt gleich eine ganze Reihe seiner Hits direkt vor Elvis‘ Haustür auf – im American Sound Studio in Memphis, wo 1969 auch die legendären Elvis-Alben From Elvis In Memphis und Back in Memphis entstehen.

Cynthia Weil und Barry Mann: Wie ein Song entsteht

So erfolgreich, wie B. J. Thomas‘ Version von I Just Can’t Help Believin‘ auch war, sie war längst nicht die erste Veröffentlichung des Songs. Das Lied stammt aus der Feder des Ehepaares Barry Mann (*1939) und Cynthia Weil (*1940), die ab den 1960ern über Jahrzehnte sehr erfolgreich als Songwriter-Duo arbeiteten.

Barry Mann (eigentlich Barry Imberman) komponierte die Melodien, Cynthia war für die Texte zuständig. Ihre bis heute bekannteste Komposition dürfte You’ve Lost That Lovin‘ Feelin‘ sein, mit dem die Righteous Brothers, produziert von Phil Spector, 1964 einen großen Hit hatten, den Elvis 1970 ebenfalls aufnahm.

Ein schönes Paar und ein erfolgreiches Komponisten-Duo: Barry Mann und Cynthia Weil in den 1960ern

Cynthia und Barry lernten sich im New Yorker Musikverlag Aldon Music – 1958 von Don Kirshner und Al Nevins gegründet – kennen, wo sie zusammen mit späteren Größen wie Carole King, Neil Sedaka, Neil Diamond, Paul Simon und Phil Spector als Vertrags-Songwriter tätig waren. Aldon Music war Teil des berühmten Brill-Building-Komplexes am Broadway, das Anfang der 1960er mehr als 160 Musikverlage beherbergte, darunter auch Elvis Presleys Musikverleger Hill & Range, und dessen Produktionen den Pop-Sound der 1960er wesentlich beeinflussten.

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