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Das European Elvis Festival in Bad Nauheim ist längst eine feste Größe unter den vielen Events weltweit, die jedes Jahr den King of Rock ’n‘ Roll Elvis Presley feiern. Vom 12. bis 14. August 2022 findet es zum 20. Mal statt.

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Jubiläum voraus: 20 Jahre European Elvis Festival in Bad Nauheim – Foto: Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH

The Memphis Flash hat Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft, die neben der Stadt Bad Nauheim Veranstalterin des Festivals ist, zu Jubiläum und Festival-Programm 2022, ihren Lieblingsmusiker Elvis und Baz Luhrmanns neues, sehr erfolgreiches Biopic ELVIS interviewt.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Maria, zwei Jahrzehnte European Elvis Festival in Bad Nauheim. Wie groß ist die Freude, dass Ihr jetzt nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder richtig loslegen könnt – und dann noch mit einem Jubiläum?

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„Weil Elvis Elvis ist“: Maria Hesterberg, 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e. V. (EPG) – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Wir freuen uns natürlich riesig. Allerdings haben wir trotz Pandemie auch in 2020 und 2021 Veranstaltungen gehabt, auch wenn die aus pandemischen Gründen natürlich kleiner ausgefallen sind und nicht unter dem Begriff „Festival“ liefen. Wir waren einfach der Meinung, dass es nicht sein kann, im August gar nichts zu machen. Letztes Jahr waren wir in Sachen Programm auch schon wieder ganz gut aufgestellt. Aber es ist natürlich nochmal was ganz Anderes, wenn es dann wirklich ein richtiges European Elvis Festival mit umfangreichem Programm ist, zu dem die Leute ja auch aus dem Ausland anreisen.

The Memphis Flash: Auf welche Programm-Highlights dürfen wir uns beim European Elvis Festival 2022 freuen?

Maria Hesterberg: Ich denke, ganz toll ist, dass wir Peter Kraus gewinnen konnten für das Konzert am Samstagabend (13. August) um 20 Uhr in der Trinkkuranlage. Wir hatten das in der Vergangenheit schon mal versucht, aber da hat’s aus verschiedenen Gründen nicht gepasst. Dieses Jahr hat er die Einladung akzeptiert, freut sich drauf und wird auch tatsächlich ein Elvis-Programm spielen. Am Sonntag wird er sich außerdem ins Goldene Buch der Stadt Bad Nauheim eintragen, bei unserer Talkrunde dabei sein und anschließend Autogramme geben.

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Peter Kraus: Galt in den 1950ern als der deutsche Elvis und ist Stargast auf dem European Elvis Festival 2022 – Foto: Rene van der Voorden

The Memphis Flash: Sind dieses Mal auch wieder ehemalige Weggefährt:innen von Elvis aus den USA in der Talkrunde? In der Vergangenheit hattet Ihr ja unter anderem Alfred Wertheimer, George Klein, Joe Esposito, Jerry Schilling, Linda und Sam Thompson im Programm?

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European Elvis Festival 2014: Maria Hesterberg im Talk mit Elvis‘ Fotograf Alfred Wertheimer – Foto: www.memphisflash.de

 

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Noch mehr Talk: Maria Hesterberg mit Elvis-Weggefährte George Klein beim European Elvis Festival in Bad Nauheim 2016 – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Leider nicht. Und zwar hat das einfach den Grund, dass die Impfung doch für manche ein großes Problem darstellt. Wir wiederum sind der Sicherheit aller verpflichtet. Und ich möchte nicht, dass das European Elvis Festival hinterher als neuer Corona-Hotspot in den Schlagzeilen steht. Es war also die richtige Entscheidung, diesmal darauf zu verzichten. Außerdem sind wir auch so gut aufgestellt.

The Memphis Flash: Wer kommt neben Peter Kraus noch?

Maria Hesterberg: Für den letzten Festivaltag, also den Sonntag, haben wir uns diesmal was ganz Besonderes einfallen lassen. Einen richtigen Schlussknaller zum 20-Jährigen. Und zwar um 11 Uhr die Gospel-Show „Let us Pray“ mit Jim Brown und dem Lüneburger Gospelchor in der Trinkkuranlage. Dann ab 19 Uhr zusätzlich Jim Brown mit großer Band im Konzert „Walking in Memphis“. Und wer Jim schon mal gehört hat, der weiß, worauf er sich da freuen kann. Wir sind total froh, dass das geklappt hat.

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Steht für Qualität beim Festival: Elvis-Interpret Jim Brown – Foto: Peter Mayer

The Memphis Flash: Für die musikalische Unterhaltung ist also gesorgt. Hier schon mal der Link zu Gesamt-Programm und Ticket-Shop. Macht die Stadt Bad Nauheim denn auch wieder ihren verkaufsoffenen Sonntag?

Maria Hesterberg: Auf jeden Fall. Da wird auch in der Stadt wieder einiges los sein. Aber wir haben auch noch was ganz Besonderes im Festival-Programm – und zwar eine phänomenale Ausstellung mit Schwerpunkt Elvis: „Rock ’n‘ Roll Heaven. Das knallt nur so von Originalen, die mal Elvis gehört haben.

The Memphis Flash: Zum Beispiel?

Maria Hesterberg: Wir werden ein Original-Auto aus Elvis‘ Besitz in der Ausstellung haben. Wir werden viele Dokumente, Schmuck und Kleidungsstücke von Elvis präsentieren – aus den Anfängen seiner Karriere, seiner Filmzeit, natürlich sehr viel aus seiner Zeit bei der Armee hier in Deutschland. Initiiert ist das Ganze von unserem Mitglied und Freund Andreas Schröer vom Initiativkreis Gelsenkirchen, der zusammen mit einem Kollegen aus Schweden auch Führungen durch die Ausstellung anbieten wird. Dazu kann man sich beim Festival bei uns am Infostand der Elvis Presley Gesellschaft (EPG) anmelden.

The Memphis Flash: Apropos Führung: Wie sieht das mit den Corona-Schutzbestimmungen aus? Gibt es eine Maskenpflicht?

Maria Hesterberg: Also, wir sind immer den aktuell geltenden Schutzbestimmungen verpflichtet. Aber auch wenn keine Maskenpflicht besteht, kann das jeder so halten, wie er sich am wohlsten fühlt. Es wird voll sein – Leute eng an eng. Da sollte jeder die eigene Gesundheit gut schützen.

The Memphis Flash: Wohl war. Wenn Du jetzt auf 20 Jahre European Elvis Festival zurückschaust, wie hat sich das Festival in den zwei Jahrzehnten entwickelt und vielleicht auch verändert?

Maria Hesterberg: Also, die Elvis Presley Gesellschaft ist ja erst seit 2010 dabei. Wir sind  dazugestoßen, weil die Stadt Bad Nauheim uns gefragt hat, ob wir Interesse hätten, am Festival mitzuwirken. Und ich weiß noch, wir haben uns damals das Programm angeschaut und gedacht: Hm, das kann mehr Elvis gebrauchen.

The Memphis Flash: Okay. Woran lag das?

Maria Hesterberg: Es ist ja so: Es reicht nicht Elvis-begeistert zu sein, sondern man muss Kontakte und Verbindungen haben. Wenn man aber nicht die Unterstützung hat, die man benötigt, dann sind ganz schnell Grenzen gesetzt. Jeder, der mal so eine Veranstaltung organisiert hat, der weiß auch, es ist nicht damit getan, einmal irgendwo anzurufen oder mal irgendwie zu überlegen, dass es ja ganz schön wäre, wenn wir dieses oder jenes machen würden. Das ist richtig viel Arbeit, die hinter so einem Festival steckt. Und da muss man sich gegenseitig unterstützen. Als wir von der EPG damals dazukamen, haben wir natürlich viele Programmpunkte, die konkret Elvis zum Thema haben, eingeführt und organisiert.

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Gegenseitige Unterstützung: Maria Hesterberg im Gespräch mit Vertretern der Bad Nauheim Stadmarketing und Tourismus GmbH vor dem European Elvis Festival

The Memphis Flash: Nenn‘ mal ein Beispiel bitte.

Maria Hesterberg: Als wir damals mit der Blu-Ray-Europa-Premiere der Dokumentation „Elvis On Tour“ (1972) eingestiegen sind, war das für die Stadt Bad Nauheim sicherlich ein Augenöffner. Ich weiß noch, dass der damalige Fachbereichsleiter Kultur und Sport, Johannes Lenz, zu mir gesagt hat, dass das Programm schon stehen würde und nur noch ganz spät am Freitagabend Zeit wäre und da käme doch keiner mehr für eine Doku, die schon alle kennen. Da haben wir gesagt: Einfach machen – die Fans kommen, wenn wir das exklusiv zeigen. Und am Ende war der Saal rappelvoll bis auf den letzten Platz! Als wir nachts um halb zwei nach der Vorstellung rauskamen, hat Johannes Lenz nur zu mir gesagt: „Also jetzt habe ich eine Ahnung, was Sie meinen.“

The Memphis Flash: Kann man sagen, dass sich durch Eure Beteiligung auch was verändert hat, was die Art der Festival-Besucher angeht?

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Spaß garantiert: Parade der Classic Cars auf dem European Elvis Festival – Foto: memphisflash.de

 

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Junger Fan bewundert Elvis auf dem Rücksitz: Classic Cars beim European Elvis Festival

Maria Hesterberg: Das siehst Du völlig richtig. Denn wir haben ja immer ein großes Rahmenprogramm, das erst mal wenig mit Elvis zu tun hat, zum Beispiel die Classic Cars. Es gibt eine Reihe von Programmpunkten, die eher Lifestyle-mäßig und nicht nur für Elvis-Fans sind. Und hier haben wir schon über die letzten Jahre hinweg beobachtet, dass auch viele Besucher kommen, die einfach die Fünfziger- und Sechzigerjahre als Lifestyle mögen. Es sind also nicht mehr ausschließlich die Hardcore-Elvis-Fans, die zum Festival kommen – und das ist natürlich eine schöne Sache.

The Memphis Flash: Könnt Ihr dadurch auch einen Zuwachs an nationalen und internationalen Besuchern verzeichnen?

Maria Hesterberg: Ich will es mal so sagen: Es kommt immer so ein bisschen drauf an, in welchem Jahr wir uns befinden. Ganz klar ist es so, dass in den Jahren, in denen es ein Elvis-Jubiläum gibt, mehr Leute kommen als sonst. Dann ist es natürlich auch abhängig von den Show Acts, die wir im Programm haben. Und ja, so blöd sich das auch anhört, es kommt immer auch ein bisschen aufs Wetter an! Ich denke aber, dass wir noch wachsen können. Wobei es dabei natürlich auch auf die Unterstützung der Stadt Bad Nauheim ankommt.

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Bad Nauheim 2021: Maria Hesterberg bei der Enthüllung der lebensgroßen Elvis-Bronze auf der Fußgängerbrücke über das Flüsschen USA – Foto: www.memphisflash.de

The Memphis Flash: Was die Stadt Bad Nauheim angeht, so gibt es vor allem in den letzten Jahren doch verstärkt Bemühungen, Elvis in den Fokus zu rücken – beispielsweise mit den Elvis-Ampeln, der Wiedereröffnung der Villa Grunewald mit Elvis berühmten Zimmer Nummer 10 oder der lebensgroßen Elvis-Bronze-Statue, die letztes Jahr enthüllt wurde.

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Neuer Besucher-Magnet: Der lebensgroße Bronze-Elvis in Bad Nauheim – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Ja, das ist einfach cool.

The Memphis Flash: Jetzt war Elvis so etwas wie ein klassischer Pendler, als er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in der Wetterau als GI stationiert war. Er wohnte in Bad Nauheim, diente in Friedberg in der Ray-Barracks-Kaserne und fuhr täglich zwischen den beiden Städten hin und her. Wie sieht es vor diesem Hintergrund eigentlich mit einer Zusammenarbeit zwischen Team EPG/Bad Nauheim und der Stadt Friedberg und dem dortigen Elvis Presley Verein aus? Schließlich veranstaltet man in Friedberg parallel zum European Elvis Festival ebenfalls, wenn auch in einem viel kleineren Rahmen, ein Elvis-Weekend?

Maria Hesterberg: Ich habe mit dem neuen Kollegen Im Vorstand des Elvis Presley Vereins in Friedberg ein paar Mal telefoniert und bei diesen Gelegenheiten auch gesagt, dass wir gerne bereit sind, etwas zusammen mit Friedberg zu machen. Dass ich es schön fände, mit einem Projekt zu starten, um zu sehen, ob die Zusammenarbeit funktioniert. Es muss ja realistisch sein, denn wenn man beginnt, miteinander zu arbeiten, muss es ja auch passen. Aber die Gespräche haben leider bislang keine Fortsetzung gefunden. Aber was nicht ist…

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Schnittig unterwegs in seinem BMW: Pendler Elvis Presley in Bad Nauheim

The Memphis Flash: Bei einer solchen Zusammenarbeit sind sicher auch finanzielle Ressourcen ein Knackpunkt, könnte ich mir vorstellen?

Maria Hesterberg: Na klar. Und ich meine, wir reden ja hier auch nicht von 3,50 Euro, sondern das Festival hat schon ein ordentliches Volumen. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir nicht kostendeckend arbeiten und dass die EPG das entstehende Defizit immer mitträgt, damit wir das gemeinsam mit der Stadt stemmen können. Das können wir nur durch die Unterstützung unserer Mitglieder! Wir denken an manchen Stellen vielleicht auch anders als es eine Kommune tut oder tun kann. Kommunalverwaltungen haben eine andere Struktur. Wir denken eher unternehmerisch. Wenn du  für etwas Geld in die Hand nimmst, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du das wieder reinkriegst, groß – jedenfalls wenn man vernünftig und an der richtigen Stelle investiert.

The Memphis Flash: Apropos gelungene Investition. Ende Juni ist Baz Luhrmanns langerwartetes Biopic ELVIS in den Kinos angelaufen. Mit Produktionskosten von 85 Millionen USD auch wahrlich kein Billigheimer. Allerdings hat der Film im Verleih von Warner Bros. bislang international an der Kinokasse auch schon fast das Dreifache seiner Produktionskosten eingespielt und gilt aktuell als zweiterfolgreichstes Musiker-Biopic überhaupt. Davon mal abgesehen: Hast Du das Biopic gesehen? Falls ja, wie findest Du es?

 | Austin-Butler-als-Elvis-Presley---Elvis-Biopic-Baz-Luhrmann-1000 | The Memphis Flash

Hervorragende Kritiken: Austin Butler als junger Elvis Presley im neuen Biopic

Maria Hesterberg: Ich finde diesen Film einfach grandios. Luhrmann hat wirklich verstanden, worum es bei Elvis geht. Mittlerweile habe ich das Biopic acht Mal gesehen und mir fallen immer wieder neue Aspekte auf. Was ich zum Beispiel genial finde, ist, dass Luhrmann auch dokumentarische Szenen eingeflochten hat, etwa aus „Elvis On Tour“ – Szenen, in denen Elvis selbst zu sehen ist. Und dann wieder Austin Butler als Elvis. Genau dieses Spielen mit den Szenen, das Gegenüberstellen und dann natürlich die großartige Leistung von Hauptdarsteller Austin Butler, sein Engagement und wie er sich auf die Rolle vorbereitet hat – das ist schon eine Sensation.

The Memphis Flash: Ich höre schon, Du bist total begeistert von Luhrmanns Elvis.

Maria Hesterberg: Ich finde die Botschaft des Films, diese Tragik der Person und ihrer Geschichte, das ist auch für ein junges Publikum sehr gut aufgearbeitet. Und als jemand, der sich ja nun schon seit längerer Zeit mit Elvis beschäftigt, muss ich ganz ehrlich sagen, was ich total toll fand an diesem Film, ist, dass der Schwerpunkt mal nicht auf den Siebzigern liegt, dass es mal nicht der Jumpsuit ist, der im Mittelpunkt steht, und mal nicht die Tabletten. All das ist Thema im Film – es ist alles zu sehen, aber der Mensch Elvis und die Kulturrevolution, die er ausgelöst hat, stehen im Vordergrund. Und dann die Schlussszene mit Unchained Melody, danach brauche ich immer erst ein paar Minuten, in denen mich keiner ansprechen darf, weil es einfach immer wieder so emotional ist.

The Memphis Flash: Jetzt waren die ersten Pressereaktionen auf den Film nach der Premiere in Cannes ja durchaus durchwachsen – gerade hier in Deutschland. Die Süddeutsche hat gleich zweimal ordentlich drauf- und gleichzeitig danebengehauen, wie ich finde. Wie ist Dein Eindruck?

Maria Hesterberg: Ich teile, was du sagst. Die Süddeutsche ist für mich eine Zeitung, bei der ich mich immer frage, wer da eigentlich so verletzt worden ist? Warum ist Elvis für die grundsätzlich ein „Pain in the Ass“? Ich habe in der Süddeutschen noch nie ein ausgewogenes Wort über Elvis gelesen. Und das wird wahrscheinlich auch nicht mehr passieren, was durchaus fragwürdig ist. Journalisten, die für das Feuilleton einer namhaften Zeitung schreiben, sollten professionell vorgehen. Das müssen keine Elvis-Fans sein, aber ich wünsche mir mehr Professionalität. Man kann immer kritisch diskutieren. Aber es kann auch nicht schaden, sich vorher mal ein bisschen Wissen drauf zu schaffen, bevor man in die Tasten haut, und zwar nicht unbedingt nur aus der Bravo, sondern aus Veröffentlichungen von namhaften Musikwissenschaftlern und -journalisten. Das sind alles Leute, die ihr Handwerk verstehen.

The Memphis Flash: Wie erklärst Du Dir, dass sich die deutsche Presse immer noch so schwertut mit Elvis?

 | Spiegel-Cover-Elvis-12 Dezember 1956 | The Memphis Flash

Traditionell viel Unsinn in deutschen Medien: Elvis auf dem Cover der Spiegel-Ausgabe vom 12. Dezember 1956

Maria Hesterberg: Ja, wie soll ich sagen, das hat einfach eine lange Tradition. Elvis war hier Ende der Fünfzigerjahre als GI stationiert, also in einer Zeit als Deutschland noch sehr vom Zweiten Weltkrieg geschädigt war. Zu der Zeit waren die Amerikaner für viele der Feind. Das waren die Besatzer – das darf man nicht vergessen. Die wurden hier ja nun wirklich nicht nur mit offenen Armen empfangen. Der Fehler ist dann für meine Begriffe passiert, dass eben genau diese Denkweise bis heute einfach immer weiter tradiert worden ist, ohne kritisch hinterfragt zu werden. Ohne mal zu hinterfragen, was macht diesen Mann eigentlich aus? Was hat der letztendlich für die Musikwelt getan? Aber damit kann die deutsche Presse nicht gut umgehen – gerade Medien wie der Spiegel, der Stern oder die Süddeutsche, die sich ja gerne in intellektuellen Sphären sehen. Dabei ist das Geschriebene zum Teil einfach nur peinlich.

The Memphis Flash: Also ich höre raus, Deiner Einschätzung nach wird der Booster, den Elvis jetzt gerade durch das Biopic international bekommt, was man durchaus als weiteres Comeback bezeichnen kann, sich bei uns eher nicht durchsetzen wird? Immerhin hat der King nur in Deutschland einige Zeit im Ausland gelebt.

 | Elvis kommt in Bremerhaven an 1958 | The Memphis Flash

1. Oktober 1958: Ein gut gelaunter GI Elvis betritt erstmals deutschen Boden in Bremerhaven

Maria Hesterberg: Ich sag dir eins: Wer Elvis im Jahr 2022 noch nicht kapiert hat, der wird es auch nicht mehr kapieren. Es ist einfach so! Es wäre doch jetzt tatsächlich ein guter Ansatzpunkt, zum Beispiel für die Stadt Bremerhaven, wo Elvis 1958 ankam, zu sagen: Mensch, da machen wir was draus. Was mich aber am meisten stört, sind nicht die Zauderer, sondern die ewigen Meckerer. Anstatt sich einfach mal zu freuen, dass es einen tollen Film gibt, um den so viel Alarm gemacht wird und der durch alle Medien geht, muss der Deutsche erst mal motzen. Dabei hat er oft noch nicht mal den Vorspann des Films gesehen.

The Memphis Flash: Ja, da kommt wohl auch der deutsche Drang zum ewigen Besserwissen durch. Was die Fanszene angeht, hast Du dafür ja den schönen Begriff der „Elvis-Polizei“ geprägt – wirklich sehr treffend. Zu Luhrmanns Biopic gibt es inzwischen auch online umfangreiche Listen mit Infos, was im Film alles historisch nicht einwandfrei ist. Dabei wird das Entscheidende übersehen: die Kunst des audiovisuellen Storytellings, um die „Geschichte von Elvis“ nachvollziehbar einem großen Kinopublikum näher zu bringen.

Maria Hesterberg: Ganz genau.

The Memphis Flash: Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Warum ist Elvis Presley Deiner Meinung nach denn tatsächlich so ein Ausnahmekünstler? Wo liegen die Gründe, dass man 45 Jahre nach seinem Tod noch immer über ihn diskutiert, Filme über ihn macht und Festivals in seinem Namen organisiert?

 | Maria-Hesterberg-und-der-King | The Memphis Flash

Viel Spaß und ehrenamtliches Engagement: Maria Hesterberg mit Elvis auf dem European Elvis Festival – Foto: www.memphisflash.de

Maria Hesterberg: Spontane Antwort: Der Grund ist, weil Elvis Elvis ist. Da ist seine Vielseitigkeit, die Tatsache, dass seine Stimme sich eben auch mit seinem Leben weiterentwickelt hat. Seine Performances haben sich weiterentwickelt, er selber hat sich weiterentwickelt. Und auch wenn ich finde, dass sein Leben sehr tragisch endete, dann schmälert das seine künstlerische Leistung in keinster Weise. Es mag sich trivial anhören, aber der vielzitierte Ausspruch „He came from nothing and did everything“, das sagt so viel aus. Seine Herkunft und alles das, was ihn ausgemacht hat, bevor er überhaupt zum Superstar wurde, das ist letztlich das, was ihn bis zum Schluss getragen und zu dem gemacht hat, der er war. Auch mit seinen schwierigen Seiten – seinen dunklen Gedanken. Mit allem, was ihn belastet hat. Aber auch das hat er immer transportiert – in seinen Songs und seinen Konzerten. Elvis konnte wie kein anderer Künstler eine Emotionalität transportieren, die einfach unbeschreiblich ist.

The Memphis Flash: Du meinst, das hat sein Publikum auch gespürt?

Maria Hesterberg: Ja, das hat es. Und jetzt schlage ich nochmal den Bogen zum Film, in dem ein sehr wahrer Satz gesagt wird: Elvis ist auch gestorben an der Liebe zu seinem Publikum – und umgekehrt an der Liebe seiner Fans zu ihm.

The Memphis Flash: Das ist ein wunderbares Schlusswort, Maria. Trotzdem noch eine allerletzte Frage. Wenn Du selbst die Möglichkeit hättest, Elvis eine einzige Frage zu stellen, wie würde die lauten?

Maria Hesterberg: Welche Frage würde ich ihm stellen? Das ist ganz schön schwierig. Ich denke, ich würde ihn tatsächlich fragen wollen, wie es ihm in den letzten zehn Jahren seines Lebens gegangen ist. Wie er sich wirklich gefühlt hat. Das würde ich ihn fragen.

The Memphis Flash: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

20. European Elvis Festival Bad Nauheim vom 12. bis 14. August 2022: → Gesamt-Programm und Ticketshop


ÜBER MARIA HESTERBERG

Maria Hesterberg (*1965) ist seit 2009 1. Vorsitzende der Elvis Presley Gesellschaft e. V.  und fast ihr ganzes Leben lang ein begeisterter Elvis-Fan. Der Elvis-Hit „Return to Sender“ brachte sie 1976 auf den Geschmack. Gemeinsam mit anderen Vorstandsmitgliedern der EPG ist sie außerdem maßgeblich an Programm und Organisation des European Elvis Festivals beteiligt, das die Stadt Bad Nauheim jährlich zu Ehren Elvis Presleys veranstaltet. 2021 hat sie außerdem im Klartext-Verlag ein eigenes Buch mit dem Titel „Elvis: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ veröffentlicht. Wenn Maria einmal nicht in Sachen Elvis unterwegs ist, dann arbeitet die gelernte Krankenpflegerin und studierte Pädagogin im Bereich Rekrutierung und Qualifizierung internationaler Pflegekräfte.
www.epg-ev.de

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