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Dixie bemerkt ihn zum ersten Mal vor der sonntäglichen Bibelstunde. Wie unglaublich gut er aussieht, denkt sie. Erst vor kurzem ist seine Familie zu ihrer Kirchengemeinde gestoßen, der First Assembly of God Church in der 1084 McLemore Street in Memphis. Verstohlen schaut sie noch einmal zu ihm hinüber in die letzte Reihe. Jetzt lächelt er sie an – mit diesem schüchternen, leicht schiefen Lächeln, bei dessen Anblick Dixie schwindlig wird vor Glück. Was für ein Prince Charming! Er heißt Elvis Presley und ist gerade erst 19 Jahre alt geworden – so viel hat sie schon herausgefunden.

Begegnung in der Kirchengemeinde: Die Jungs der Sonntagsklasse der „First Assembly of God Church“ in Memphis Anfang 1954…

… mit dem „gutaussehenden schüchternen Neuen“ in der letzten Reihe – Foto: Unlocked – Memoirs Of Elvis‘ First Girlfriend by Dixie Locke Emmons, 2021

Als Dixie »den Neuen« das erste Mal in der Sonntagsschule bemerkt, ist sie 15 und besucht die South Side High School in Memphis. Willa Dean (*1938), wie Dixie eigentlich heißt, wächst mit ihren vier Geschwistern – drei Schwestern und einem Bruder – in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.

Bescheidene Verhältnisse in Memphis

Die Lockies stammen eigentlich aus Georgia und ziehen 1940 nach Memphis, wo Dixies Vater Thad schließlich einen Job bei der American Railway Express Agency findet, einem nationalen Paketzustelldienst, für den er Züge be- und entlädt.

Die Großfamilie wohnt in einem kleinen Haus mit nur drei Zimmern in der Lucy Street nahe der Innenstadt von Memphis. Die Locke-Kinder müssen sich eins der Zimmer teilen – ganz schön eng. Wenn Vater Thad, der morgens früh raus muss, um 8 Uhr abends ins Bett geht, ist auch für den Rest der Familie Schicht im Schacht.

Das einzige Bad befindet sich auf der hinteren Veranda – die stählerne Badewanne dient nicht nur der Körperhygiene, sondern wird auch fürs Wäschewaschen genutzt. Eine Waschmaschine ist unvollstellbarer Luxus für die Lockes. Nein, bei den Lockes wird per Hand gewaschen, von Mutter Lillian und den Töchtern. Auch ein Auto hat die Familie nicht – der Vater fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

Trotz der bescheidenen Verhältnisse hat Willa Dean, die ihren Geburtsnamen nicht besonders mag und sich deshalb schon früh in »Dixie« (Abkürzung für Dixieland = amerikanische Südstaaten) umbenennt, eine glückliche Kindheit. Zwar sind die Folgen der Weltwirtschaftskrise noch immer überall spürbar, doch die Lockes sind froh, dass der Vater einen einigermaßen sicheren Job hat, der ihnen in diesen schwierigen Zeiten ein Dach über dem Kopf, genügend zu essen und etwas zum Anziehen sichert.

Der Höhepunkt des Jahres ist der Familienurlaub bei der Familie des Vaters auf dem Land in Georgia, der nur deshalb möglich ist, weil die Zugtickets von Thads Arbeitgeber bezahlt werden.

Die Schwestern Locke (v. l. n. r.): Betty Jean (1934-2010), Juanity Fay (*1936), Willa Dean „Dixie“ (*1938) und Shirley Lois (1946-2016) – Foto: Unlocked, 2021

Ein weiteres Highlight für die Locke-Mädchen ist, wenn Mutter Lillian vor Beginn des neuen Schuljahres den dicken Katalog von Sears Roebuck raussucht, aus dem sich jede ein paar Stoffe zum Bestellen aussuchen darf. Aus den Stoffen näht Mutter Locke auf ihrer alten Nähmaschine die neuen Röcke und Blusen für ihre Töchter (Hosen sind tabu). Ansonsten sind die jüngeren Schwestern darauf angewiesen, die Kleidung der älteren aufzutragen. Dixie ist die Zweitjüngste – aua!

Dass die Familie darüber hinaus sehr wenig Geld zur Verfügung hat, empfindet Dixie jedoch nicht als großen Nachteil – schließlich haben alle anderen in ihrem Umfeld auch nicht mehr. Ihre Freizeitaktivitäten kreisen ganz um die Familie, die Nachbarschaft und die Kirche, die First Assembly of God Church, in der die Lockes seit 1944 Mitglied sind. Die Lockes sind sehr religiös. Vor allem Mutter Lillian achtet streng darauf, dass ihre Kinder die zehn Gebote und Kapitel 3, Vers 16 des Johannes-Evangeliums in- und auswendig können, noch bevor sie eingeschult werden.

Die First Assembly of God Church in der McLemore Street in Memphis – Foto: Unlocked, 2021

Davon abgesehen ist Dixie ein typischer Teenager, wird sie später sagen. Sie hat ein besonders enges Verhältnis zu ihrer zwei Jahre älteren Schwester Juanita und verbringt die Zeit, wenn sie nicht in der Schule ist oder im Haushalt helfen muss, am liebsten mit ihren Freunden. Obwohl bodenständig und praktisch veranlagt, ist die sportliche 15-Jährige auch eine Romantikerin. Sie träumt von der großen Liebe, von dem Märchenprinzen, von Prince Charming, der ihr Herz im Sturm erobert. Ihr Vorbild ist die Ehe ihrer Eltern, die 70 Jahre bis zum Tod des Vaters halten wird.

Wartet auf ihren Märchenprinzen: Dixie als Teenager im Haus ihrer Eltern – Foto: Unlocked, 2021

Doch als der Märchenprinz in ihr Leben tritt, hat er so gar nichts von dem eigenen Vater. Genau genommen fällt der Junge aus der sonntäglichen Bibelstunde ihr vor allem deshalb auf, weil er »so anders« ist. Da ist einmal die Art, wie er sich kleidet: so auffällig in Pink und Schwarz. Dann seine für damalige Verhältnisse ziemlich langen, mit Pomade zum Entenschwanz zurückgekämmten Haare. Unerhört!

Elvis in Pink und Schwarz: Hier fotografiert 1956 in der Innenstadt von Memphis, als der er sich einen Strafzettel einfängt

»Alle anderen Jungs waren wie die Ebenbilder ihrer Väter«, wird sie später sagen. Der Neue jedoch fällt unübersehbar aus dem Rahmen, weswegen die anderen Mädchen in der Gruppe ihn »seltsam« finden. Und noch etwas bemerkt Dixie: Seine Schüchternheit steht in einem eigenartigen Kontrast zu seinem offensichtlichen Bemühen, unbedingt aus der Menge herauszustechen. Sie verknallt sich Hals über Kopf in den Neuen.

Erstes Date: Mit Elvis auf der Rollschuhbahn

Doch wie soll sie ihn ansprechen? Er selbst scheint zu schüchtern, den ersten Schritt zu wagen. Und für Mädchen ihrer Zeit gilt es als nicht schicklich, selbst die Initiative zu ergreifen. Also greift Dixie zu einer List. Mit ihren Freundinnen ist sie beinahe jedes Wochenende im Rainbow Rollerdrome, einer großen Rollschuhbahn mit Jukebox und Snackbar, die direkt hinter der Stadtgrenze Richtung Tupelo liegt. Dorthin fahren die Mädchen mit dem Bus.

Um Elvis zum angesagten Teenagertreff zu locken, zu dem an einem Samstagabend gut und gerne bis zu 700 Jugendliche strömen, stellt sich Dixie vor der Bibelstunde in Hörweite der Jungsgruppe und macht mit extra lauter Stimme den nächsten Termin mit ihren Freundinnen klar. Ob er das auch mitbekommen hat?

Er hat. Am nächsten Samstag ist er da – unübersehbar. Dixies Herz schlägt einen Takt schneller, als sie ihn – in einem noch auffälligeren Outfit als sonst – sieht, wie er betont lässig an der Bande lehnt und das bunte Treiben um sich herum beobachtet. Er ist allein und trägt eine Art Bolero-Outfit mit einer Jacke, die an einen Stierkämpfer erinnert, dazu ein Rüschenhemd und eine schwarze, gerade geschnittene Hose mit einem rosa Streifen an der Seite der Hosenbeine – an den Füßen Rollschuhe.

Dixie, selbst eine sehr gute Rollschuhfahrerin, sieht sofort, dass er noch nicht häufig auf Rollschuhen gestanden hat. Sie dreht ein paar Runden, um ihre Künste vorzuführen und gleitet dann direkt neben ihn. »Hi, ich bin Dixie von der First Assembly«, stellt sie sich vor. Sofort erscheint das leicht schiefe Lächeln, das es ihr so angetan hat, auf seinem Gesicht und er antwortet: »Ich weiß, wer du bist.«

Von diesem Moment an sind sie unzertrennlich. Den ganzen Abend unterhalten sie sich – die Rollschuhe sind schnell an den Nagel gehängt – über alles: Freunde, Kirche, Schule, Familie. Sie lachen viel. »Wir hatten sofort eine Verbindung«, wird Dixie später sagen.

19 Jahre alt: Elvis mit seinem Lincoln vor dem Haus in der Alabama Street, in dem er mit seinen Eltern wohnt – Foto: Jorgensen: A Boy From Tupelo, 2012

Es wird spät – zu spät für den Bus. Elvis bietet an, sie mit seinem gebrauchten Lincoln nach Hause zu fahren. Doch dazu muss Dixie erst ihre Eltern um Erlaubnis fragen. Keine gute Idee, wie sie findet. Vom Rollerdrome aus faked sie einen Anruf zuhause – ihre Eltern haben gar kein Telefon – und gibt vor: alles kein Problem. Auf der Rückfahrt kehren die Beiden noch auf einen Hamburger und eine Cola in einem Drive-in ein. Und Dixie erfährt, dass Elvis offenbar davon ausgeht, dass sie aus einer wohlhabenden Familie kommt. Sie klärt das auf – die Lockes sind ebenso arm wie die Presleys.

Elvis, der seinen High School-Abschluss im Gegensatz zu Dixie schon in der Tasche hat, wohnt zu dieser Zeit mit seinen Eltern in einem wenig komfortablen Apartment in der Alabama Street in Memphis und arbeitet bei der ortsansässigen Firma Presicion Tool, einem Unternehmen, das Werkzeuge herstellt. Er hat dort schon während seiner Schulzeit gejobbt und ist jetzt an einer großen Bohrmaschine im Einsatz – für einen Stundenlohn von sagenhaften $ 1,55. Eine Ausbildung hat er nicht.

Doch seine Träume, das erzählt er Dixie noch an diesem ersten Abend, sind ganz andere. Er möchte es als Sänger schaffen und hofft, in einem Gospel-Quartett unterzukommen. Wie Elvis ist Dixie ein großer Fan der Gospelmusik – eine weitere Gemeinsamkeit, die sie verbindet.

Als sie an diesem ersten Abend endlich bei Dixie zu Hause eintreffen, ist die 15-Jährige viel zu spät dran. Der Vater ist schon von der Nachtschicht zurück – das wird richtig Ärger geben! Aber Dixie ist das ganz egal, denn Elvis küsst sie zum Abschied zum ersten Mal zärtlich und verspricht, sie gleich am nächsten Tag anzurufen – bei ihrer Tante nebenan, denn die hat tatsächlich Telefon.

Das Donnerwetter ihres Vaters lässt Dixie einfach über sich ergehen, denn das war der Abend wert, findet sie. Dixie ist endgültig über beide Ohren verliebt in Prince Charming, der sie wie eine Prinzessin behandelt.

Dixie und Elvis: Für immer und ewig

Von diesem ersten Abend Anfang 1954 an, sind Dixie und Elvis unzertrennlich. Aber zuerst muss sie ihn ihrer Familie vorstellen. Als er kommt, um sie am Wochenende darauf zum ersten Mal zu Hause abzuholen, ist sie dann doch nervös. Wie werden ihre Eltern reagieren – er ist so »anders«. Und tatsächlich sind ihre Eltern geschockt bei seinem Anblick. Diese Haare, diese Klamotten…

In den Fünzigern ein Anstoß erregender Haarschnitt: Elvis‘ dolle Tolle mit langen Koteletten, die auch Dixies Familie abschreckt

Vater Locke baut sich zu seinen vollen 1,90 Metern auf und macht sich bereit, mit dem Jüngelchen erst einmal ein paar Takte zu reden. Mutter Lillian liest Dixie in der Küche ordentlich die Leviten (»Wie kannst du nur mit so einem Jungen ausgehen«) – und auch Schwester Juanita, der sie in der letzten Woche unentwegt von ihrem Freund vorgeschwärmt hat, der so gut aussieht, zieht vielsagend eine Augenbraue hoch.

Hinzu kommt Elvis‘ Macke, nicht für längere Zeit still sitzen zu können. Er ist hyperaktiv – ständig wippt er mit einem Bein oder trommelt mit den Fingern rhythmisch auf den Tisch. Dixie hat sich schon daran gewöhnt, auch wenn es ihr manchmal durchaus peinlich ist. Doch ihre Mutter Lillian ist irritiert und fragt nach, ob mit dem Jungen »etwas nicht stimmt«.

Die Lockes beschließen, dass es wohl am besten ist, das junge Paar verbringt diesen Abend im Schoß der Familie, damit man sich besser kennenlernt. Und Elvis? Für ihn scheint das kein Problem – er reagiert auf die Skepsis von Dixies Familie so, wie er in solchen Fällen – und davon gibt es viele – immer reagiert: mit einer Charmeoffensive. Am Ende des Abends hat er die Lockes für sich eingenommen. Dixies Onkel steckt ihr sogar $ 2 zu, damit »der Junge« sich mal einen ordentlichen Haarschnitt leisten kann. Der Junge wird keinen Gebrauch davon machen.

Dixies Schwestern erliegen seinem Charme als Erste – schnell sind sie so etwas wie Elvis Presleys erster Fanclub, wie Dixie später lachend erzählt. Einen besonderen Draht hat er zu Dixies Lieblingschwester Juanita, die er schon bald auf einer Grußkarte, die eine Autogrammkarte erahnenn lässt, als seine »temperamentvolle kleine Schwägerin« bezeichnet.

Angekommen bei den Lockes: Elvis Gruß an Dixies Schwester Juanita

Nach dem dritten Verabredung gehen Dixie und ihr Prince Charming fest miteinander. Elvis schenkt ihr seinen High School-Ring, den sie stolz trägt. Doch zuerst muss auch Dixie noch eine Bewährungsprobe hinter sich bringen: den Antrittsbesuch bei seinen Eltern. Schnell merkt sie, dass bei den Presleys eine andere Dynamik herrscht als ihr zu Hause, wo der Vater eindeutig das Familienoberhaupt ist.

Bei den Presleys hat Mutter Gladys das Sagen – und sie möchte alles ganz genau wissen. Wann, wo und wie Dixie ihren Sohn zum ersten Mal getroffen hat, auf welche Schule sie geht und, und, und. Vater Vernon bleibt im Hintergrund. Bei alldem ist Gladys freundlich. Trotzdem ist Dixie nervös. Sie bemerkt wie eng, geradezu speziell Elvis‘ Verhältnis zu seiner Mutter ist, die er ständig mit allerlei Kosenamen und liebevollen Gesten bedenkt.

Liebevolle Gesten: Elvis mit Mutter Gladys Presley – Foto: Michael Rose: Elvis Presley A Moment In Time

Doch Dixie muss sich keine Sorgen machen. Gladys nimmt sie schnell wie eine eigene Tochter an und zeigt auch in der Folgezeit keinerlei »Böse-Schwiegermutter-Syndrom«, als ihr Sohn in ihrer Gegenwart damit beginnt, seine Freundin mit ähnlichen Kosenamen und Komplimenten zu bedenken wie sie. Er ist nun einmal ein Charmeur. Sobald ihr Sohn den Raum betritt, strahlt Gladys. »Sie zeigt dann das schönste Lächeln überhaupt«, bemerkt Dixie, »und es ist offensichtlich, dass ihr Sohn die Liebe ihres Lebens ist«.

Schon bald geht Dixie bei den Presleys ein und aus und verbringt auch schon mal  Zeit mit Gladys ohne den Sohn. Dann kochen sie zusammen eins von Elvis‘ Lieblingsessen oder gehen shoppen. Auch Lillian Locke freundet sich mit Gladys an.

Wie eine Tochter: Gladys Presley (links) mit Elvis‘ Freundin Dixie auf beim Shoppen in Memphis

Derweil ist Dixie im siebten Himmel. Sie und Elvis sehen sich nun täglich. So oft er kann, holt er sie mit seinem Lieferwagen von der Schule ab. Er hat den Job gewechselt, nachdem sein Arbeitgeber ihn zum Friseurbesuch genötigt hatte. Jetzt arbeitet er für das ortsansässige Elektroinstallationsunternehmen Crown Electric, für das er einen Lieferwagen fährt und Material zu den Baustellen ausfährt. Er verdient $ 40 die Woche – Geld, das er größtenteils zu Hause abliefert, um seine Eltern zu unterstützen – höchst freiwillig, wie Dixie überrascht feststellt.

Im Riverside Park: Dixie und Elvis haben Spaß

Nur wenig zweigt er von seinem Wochenlohn für sich und Dixie ab, »50 Cent für Benzin, $ 1,50 um etwa dreimal ins Kino zu gehen, ein bisschen extra für etwas zu essen, der Rest war für seine Mama und seinen Dad«, wird Dixie später dem Elvis-Biografen Peter Guralnick erzählen. Oft schauen sie auch in Elvis‘ Lieblingsplattenladen Charlie’s Record Store in Memphis vorbei, wo die Besitzer seine Musikbegeisterung kennen und ihm erlauben, die neuesten Platten umsonst anzuhören. Oder sie treffen sich draußen im Riverside Park, um mit Elvis‘ Cousin Gene Smith und anderen Jugendlichen zusammen abzuhängen.

Die Freizeitaktivitäten des Paares sind vor allem eins: unschuldig. Sex vor der Ehe ist tabu. Allerdings wird schnell von Heirat gesprochen – und Dixie kann es kaum abwarten. Sie ist noch keine 16, als das Paar ernsthaft darüber nachdenkt, mit Elvis‘ altem Lincoln nach Hernando/Mississippi durchzubrennen, um heimlich zu heiraten. Doch jedes Mal, wenn sie darüber sprechen, siegt am Ende die Vernunft.

Das können sie ihren Familien einfach nicht antun. Außerdem hat Dixie noch zwei lange Jahre Schule vor sich – und Elvis kann zusätzlich zur finanziellen Unterstützung seiner Eltern keine eigene Familie ernähren. Volljährig ist man damals erst mit 21. Ob Elvis weiß, dass seine Eltern Gladys und Vernon genau das – einfach durchbrennen und heiraten – genau zwanzig Jahre zuvor selbst gemacht haben?

Wenn Dixie jetzt in der Schule sitzt, dann ist sie meistens nur körperlich anwesend. Statt dem Unterricht zu folgen, schreibt sie lieber leidenschaftliche Liebesbriefe an ihren Prince Charming.

Dixies Brief an Elvis Presley v. 19. Februar 1954 – unterschrieben mit „Love ya, Dixie“, veröffentlicht in: Unlocked, 2021

 

Brief Dixies vom Frühjahr 1954, veröffentlicht in: Dixie Locke Emmons: Unlocked, 2021

Ein paar Jahre später wird der Empfänger dieser Liebesbriefe in einem Interview sagen, dass er nie so nah dran war zu heiraten wie zu dieser Zeit 1954. Elvis überlegt ernsthaft, ob er bei seinem Arbeitgeber nicht eine richtige Ausbildung zum Elektriker machen soll. Das würde Abendschule bedeuten, aber auch einen viel besseren Stundenlohn, sollte er es schaffen.

„Yours alone my darling; I love ya, baby“: Dixies Prince Charming ist bereit für eine bürgerliche Existenz – Foto: Dixie Locke Emmons: Unlocked, 2021

Er ahnt, dass dies wohl kaum der richtige Beruf für ihn ist, aber um Dixie heiraten zu können, sobald sie mit der Schule fertig ist, will er es vielleicht doch versuchen. Vielleicht. Denn da ist noch diese andere Sache – sein Traum von einer Karriere als Sänger.

Zweimal war er schon in Sam Phillips Aufnahmestudio Memphis Recording Service, zu dem das Plattenlabel Sun gehört, und hat aus eigener Tasche Songs aufgenommen. Immer noch hofft er, dass Sam Phillips oder seine Assistentin Marion Keisker sich bei ihm melden, um es endlich mit professionellen Aufnahmen zu versuchen.

Schicksalhafte Begegnung: Elvis Presley mit Studioinhaber Sam Phillips und seiner Assistentin Marion Keisker

Und das ist nicht das Einzige, was er versucht. Als das Nachwuchs-Gospel-Quartett Songfellows Ersatz für einen ihrer Sänger sucht, singt er vor – und wird abgelehnt. Er eigne sich nicht für den Quartettgesang, werden die anderen als Begründung sagen und später darüber witzeln, dass sie die Sache – angesichts seines Megaerfolgs – wohl richtig verbockt haben. Elvis nimmt die Absage schwer, so wie er jede Zurückweisung schwernimmt. Er ist ausgesprochen sensibel, weiß Dixie.

Doch eins ist Elvis Presley auch: sehr talentiert. Wenn sie im Riverside Park mit den anderen Jugendlichen zusammen sind, wird er oft gebeten, seine Gitarre vom Rücksitz des alten Lincols zu holen und für sie alle zu spielen. So schüchtern er oft wirkt, so wenig ist er es verblüffenderweise in diesen Momenten. Wenn die anderen ihn bitten, dann singt er für sie – Songs, die gerade beliebt sind, ältere Bluesstücke oder Spirituals.

Wenn er singt, bemerkt Dixie, dann hat er sofort die volle Aufmerksamkeit der Leute. Sie können sich ihm nicht entziehen. Und eine Angewohnheit hat er auch damals schon: Wenn er Liebeslieder singt, baut er gerne kleine Parodien ein, die sie alle zum Lachen bringen. »Die Leute waren einfach fasziniert, und er liebte es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen«, wird sich Dixie später gerne zurückerinnern. Aber oft singt er auch einfach nur für sie, wenn sie zu Hause auf der Veranda sitzen.

Glücklich: Elvis und Dixie in Memphis Ostern 1954 – Foto: Dixie Locke Emmons: Unlocked, 2021

Dixie begleitet Elvis auch zu einem Vorsingen bei dem bekannten Musiker Eddie Bond im angesagten Hi-Hat-Nachtclub in Memphis, wo damals vor allem Country & Western gespielt wird. Er fängt sich an diesem Abend eine weitere Abfuhr ein – der Club möchte ihn nicht engagieren. Dixie versteht es nicht – sie findet seinen Auftritt gut. Später wird das Gerücht umgehen, Bond hätte zu Elvis sagt, er solle mal lieber weiter seinen Lieferwagen fahren, weil er es als Sänger nie schaffen werde.

Gemeinsame Liebe zur Gospel-Musik

Ob es tatsächlich so war, kann Dixie nicht sagen, denn Prince Charming erzählt ihr nichts Genaues darüber. Aber insgeheim ist ihr das alles ganz recht. Sie glaubt an ihn und wünscht sich – wie seine Mutter – vor allem eine Karriere als Gospelsänger. Sie möchte nicht, dass er sein Talent in Clubs wie dem Hi-Hat verschwendet, sondern für etwas einsetzt, das mehr im Einklang mit dem ist, was sie beide als eine »spirituelle Gabe« ansehen.

In der First Assembly of God Church, in der Pfarrer James E. Hamill predigt und angesagte Gospelquartette wie die The Blackwood Brothers, die zur Gemeinde gehören und auch im Fernsehen auftreten, finden Dixie und Elvis genau das.

Aber sie sind nicht nur in ihrer eigenen Gemeinde unterwegs. Oft setzen sie sich bei Hamills Sonntagsgottesdienst absichtlich in die letzte Reihe, damit sie sich unbemerkt rausschleichen können, um schnell mit Elvis‘ altem Lincoln zur nahen East Trigg Baptist Church zu fahren, wo der charismatische Reverend William Herbert Brewster seiner afroamerikanischen Gemeinde das Wort Gottes predigt.

Der Grund ist, dass die Musik in Brewsters Gemeinde – der Reverend hat selbst 200 Gospelsongs komponiert, die unter anderem von Größen wie Mahalia Jackson aufgenommen werden  – noch inspirierender ist. Der black gospel der Brewster Singers mit Sängerin Queen C. Anderson ist ein Erlebnis.

Und dabei sind Dixie und Elvis an diesen Sonntagen längst nicht die einzigen Weißen in Brewsters Kirche, denn der Reverend praktiziert im durch Rassentrennung geprägten Memphis dieser Zeit eine Politik der »offenen Tür für alle Rassen«, begründet im christlichen Glauben.

Da Brewster außerdem verschiedene Radiosendungen bei den Sendern WDIA und WHBQ moderiert, ist er über seine Gemeinde hinaus sehr bekannt und seine Gottesdienste werden sowohl von weißen als auch afroamerikanischen Kirchgängern besucht. Ein Novum in Memphis. Dabei setzt Brewster seine Musik ein, um für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner in Memphis zu kämpfen – Jahre bevor die Bürgerrechtsbewegung hohe Wellen schlägt.

»Was zu gefährlich ist, um es zu sagen, kann man singen«, so Reverend Brewsters Philosophie. Die Botschaft kommt an – sowohl bei Dixie als auch Elvis. Doch lange können sie meist nicht in der East Trigg Baptist Church bleiben, denn sie müssen zurück in ihre eigene Gemeinde, bevor Reverend Hamill mit seinem Gottesdienst fertig ist.

Regelmäßig gehen sie außerdem zusammen zu den All Night Gospel Singings im Ellis Auditorium in Memphis, wo wechselnde Gospelgruppen, den musikalischen Reichtum des Southern Gospel leben. Fast 70 Jahre später erinnert sich Dixie an den großen Einfluss der Gospelmusik auf ihren Freund:

A love for gospel music was another thing that Elvis and I had in common. For him especially, the message of the songs had a definite meaning and he would memorize the words immediately. He was discovering his own talent which he knew came from God and he was determined to use it for God’s glory. Whether playing the guitar or picking out a tune on the old piano, singing – trying different styles and sounds, he was so genuine and so real in his interpretation of the music. He put everything he had into it with such intensity and a desire to express himself freely. […] It was evident that Southern Gospel music had a significant influence on Elvis.

Dixie Locke Emmons in: Unlocked – Memoirs Of Elvis‘ First Girlfriend, 2021

Nachdem Elvis‘ Bemühungen, als Sänger Fuß zu fassen, über Monate nicht von Erfolg gekrönt waren, sollten sich die Ereignisse im Im Juli 1954 plötzlich geradezu überschlagen. Für Dixie steht der Familienurlaub in Georgia an – doch sie möchte ihren Prince Charming nicht verlassen. Aber Vater Locke bleibt unerbittlich: Dixie muss mit nach Georgia – ohne Elvis.

Und dann kommt er endlich, der langersehnte Anruf von Studioinhaber Sam Phillips Anfang Juli 1954. Phillips bringt Elvis mit dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black, die eigentlich in der Countryband Starlite Wranglers spielen, zusammen.

In nur wenigen Tagen kommt es nicht zur zu einer ersten Aufnahmesession, aus der der legendäre Song That’s Alright Mama hervorgeht, sondern Elvis und die Blue Moon Boys, wie sich bald schon nennen, werden im Radio von dem angesagten DJ Dewey Phillips beim Radiosender WHBQ rauf und runter gespielt, so telegrafiert ein aufgeregter Elvis seiner Dixie nach Georgia.

Elvis Presley mit Gitarrist Scotty Moore (links) und Bassist Bill Black (rechts) im Sommer 1954 in Memphis

Als Dixie aus dem Urlaub zurückkommt, ist ihr Freund plötzlich ein Star in Memphis und wird als vielversprechendes neues Talent gefeiert. Dixie ist überwältigt vor Glück. Schnell lernt sie Scotty und Bill, deren Ehefrauen und auch Studioinhaber Sam Phillips kennen.

Als das Trio in diesem Sommer mit Live-Auftritten in und um Memphis herum beginnt, fährt Dixie oft zusammen mit Gladys und Vernon Presley zu seinen Auftritten und anschließend wieder zurück mit seinen Eltern, bei denen sie übernachtet. Wenn er dann am nächsten Morgen ebenfalls zu Hause eintrifft, warten sie und Gladys schon mit dem Frühstück auf ihn. Immer öfter muss er danach gleich wieder los – zum nächsten Auftritt.

Dixie ist jetzt 16, doch wenn Elvis in Nachtclubs auftritt, darf sie altersbedingt – und weil ihre Eltern es nicht erlauben – nur bei den Proben dabei sein. Beim eigentlichen Auftritt nicht. Da Bill Black und seine Frau Evelyn zwei kleine Kinder haben, vertreibt sie sich die Zeit mit Babysitting. Elvis‘ Karriere nimmt schnell Fahrt auf. Im Herbst 1954 kündigt er seinen Job bei Crown Electric – von einer Ausbildung zum Elektriker ist nie mehr die Rede.

Auf dem Ball: Cinderella und ihr Märchenprinz

Sie sehen sich jetzt nicht mehr ganz so oft und Dixie verbringt jetzt mehr Zeit mir seiner Familie als mit ihm selbst. Aber er ist immer noch sehr aufmerksam und bringt ihr stets etwas mit von seinen Trips. Im Frühjahr 1955 hat Dixie, die inzwischen in die vorletzte Klasse ihrer High School geht, zusammen mit Prince Charming den ganz großen Auftritt auf ihrem Schulball. Es ist ihr Cinderella-Moment, wie sie bis heute sagt.

Gladys Presley geht vorher mit ihr einkaufen und schenkt ihr das Prinzessinnenkleid, diesen Traum aus weißem Tüll, das sie an diesem besonderen Abend tragen wird. Von den eigenen Eltern bekommt sie die passenden Schuhe, die Schwestern leihen ihr Schmuck und machen ihr die Haare – sie ist bereit für den ganz großen Auftritt.

Fast wie auf einem Hochzeitsfoto: Cinderella und Prince Charming 1955

Elvis, der inzwischen beim Louisiana Hayride unter Vertrag ist, hat fest versprochen, sie zum Ball zu begleiten. Er ist ein Mann, der sein Wort hält, das weiß Dixie. Also fährt er die ganze Nacht durch, um rechzeitig zurück in Memphis zu sein.

Sie ist selig vor Glück, als er in seinem pinkfarbenen Cadillac vorfährt, um sie abzuholen. Er sieht einfach toll aus in seinem Smoking. Schnell macht die Familie noch ein Foto, bevor Cinderella und Prince Charming, begleitet von Elvis‘ Cousin Gene und Dixies bester Freundin Bessie, auf den Ball ins schicke Claridge Hotel fahren.

Es wird ein unvergesslicher Abend, auf dem Dixie die Ballkönigin ist, begleitet von ihrem Märchenprinzen, um den sie jetzt alle beneiden. Keine Rede ist mehr von dem »komischen Typen«, mit dem Dixie ausgeht. Jedes Mädchen im Ballsaal beneidet sie. Jetzt wollen alle einfach nur an ihrem Tisch sitzen, auch die Lehrer machen ihre Aufwartung.

Elvis, der schüchterne Junge aus der letzten Reihe, der sich noch vor gut einem Jahr nicht getraut hat, Dixie anzusprechen, hat bereits unverkennbar die Ausstrahlung eines großen Stars, wie Dixies Mitschülerin Virginia feststellt.

Als Dixie mit ihrem Märchenprinzen engumschlungen auf der Tanzfläche ihre Runden dreht und er dabei leise in ihr Ohr singt, ist ihr Glück perfekt. Es ist ein unvergesslicher Abend.

Abschied: Mädchentraum adé

Obwohl alles lange danach aussieht, als würden Dixie und Elvis tatsächlich heiraten, wenn sie erst ihren High School-Abschluss in der Tasche hat, wird es anders kommen. Denn 1956 – zwei Jahre nachdem sie sich Hals über Kopf ineiander verliebt haben –  ist Dixie immer noch eine Schülerin, ihr Prince Charming jedoch ein Superstar. Er sorgt weit über die amerikanischen Südstaaten hinaus für Furore – und das nicht als Sänger eines Gospel-Quartetts in ihrer Kirchengemeinde, wie sie es sich ausgemalt hat, sondern als King of Rock ’n‘ Roll, um den noch dazu seit seinem Auftritt mit Hound Dog in der Milton Berle Show eine nationale Kontroverse entbrannt ist.

Kein Chorknabe: Elvis gibt den Hound Dog in der Milton Berle Show im Juni 1956

Dixie sieht ihren Märchenprinzen jetzt immer seltener. Und auch wenn sie nicht findet, dass er sich seit ihrem Kennenlernen verändert hat, so ist er jetzt ein Star – ständig von Mädchen umschwärmt. Ob sie ahnt, dass längst auch andere Frauen eine Rolle in seinem Leben spielen? Die Leute jedenfalls, mit denen er jetzt zu tun hat, haben nur noch wenig mit denen aus ihrer Kirchengemeinde gemein. Dixie spürt: Das ist nicht ihre Welt.

Sie muss sich entscheiden, wie sie leben möchte. Möglichst bald heiraten, eine Familie gründen und in ihrer Kirchengemeinde aktiv sein wie ihre Mutter? Oder doch ein glamouröses Leben an der Seite ihres Märchenprinzen, wenn er denn noch will? Je näher der letzte Schultag rückt, fühlt sie, dass sie erwachsen werden und selbst Verantwortung für ihr Leben übernehmen muss, auch wenn das bedeutet, sich von ihrem Mädchentraum für immer zu verabschieden.

Zur selben Zeit begegnet Dixie über gemeinsame Freunde ihrem alten Schulfreund Bobby Emmons wieder. Er verliebt sich in sie. Zu viert gehen sie mit Dixies Freundin Beverly und ihrem Freund Morris aus. Nach und nach kann sich Dixie ein Leben mit Bobby – einem ganz normalen Jungen von nebenan – vorstellen. Auch Elvis hat andere Verabredungen, etwa mit Barbara Hearn und June Juanico, die er in Biloxi kennengelernt hat.

Am Tag, als Dixie ihre Abschlusszeugnis entgegennimmt, hat sie sich zum Feiern mit Bobby und ihren Freunden Beverly und Morris verabredet. Sie rechnet gar nicht mit Elvis, der am Nachmittag völlig überraschend bei ihr mit dem Motorrad vorbeischaut. Sie machen eine Spritztour und sie sagt ihm, dass sie für den Abend nach der Abschlusszeremonie schon etwas vorhat. Dabei sollte das doch der Tag werden, auf den sie so lange gewartet haben. Sie verstehen sich immer noch gut, aber etwas hat sich schleichend verändert…

Bobby ist dennoch höchst alarmiert, als er mitbekommt, dass Prince Charming in der Stadt ist – und fest entschlossen, Dixie endgültig für sich zu gewinnen.

Cinderella ist erwachsen: Dixie Locke bei ihrem High School-Abschluss 1956 – Foto: Unlocked, 2021

Als Dixie am Abend nach der Abschlusszeremonie voller Vorfreude ins Foyer des Ellis Auditoriums kommt, um mit Bobby und ihren Freunden zu feiern, bemerkt sie, dass sich eine größere Menge um eine Person gebildet hat. Ein Flüstern und Raunen geht durch den Raum – Spannung liegt in der Luft. Prince Charming ist da – er steht bei ihren Eltern und schaut jetzt zu ihr –  direkt in ihre Augen. Wie unglaublich gut er doch aussieht, denkt Dixie. Und da ist es auch schon, dieses besondere Lächeln, in das sie immer noch verliebt ist. Längst ist es zu seinem Markenzeichen geworden – einst galt es nur ihr.

Noch bevor sie die kleine Gruppe erreicht, ist plötzlich auch Bobby da – und setzt alles auf eine Karte. Er macht einen Schritt auf sie zu und fragt laut: »Dixie, gehst du mit mir?« Und schon hört sie sich selbst sagen: »Ja, natürlich.» In diesem Moment fällt ihre Entscheidung – nicht nur für diesen Abend, sondern auch für den Rest ihres Lebens. Dixie wird nicht Mrs. Elvis A(a)ron Presley, sondern Mrs. Bobby Emmons. Ein letztes Mal umarmen sich Dixie und Elvis, dann geht Prince Charming – für immer.

Als Gladys Presley zwei Jahre später stirbt, ist auch Dixie am Boden zerstört. Sie waren immer noch gelegentlich in Kontakt. Dixie nimmt selbstverständlich an der Beerdigung teil. Und es ist auch Dixie, bei der Elvis nach der Beerdigung Trost sucht, mit der er Erinnerungen an seine Mutter austauscht, obwohl er schon längst mit der Moderatorin und Sängerin Anita Wood liiert ist. Dixie und Elvis verbringen einen letzten sehr emotionalen Abend miteinander – in Freundschaft – und erzählen sich von Gladys.

Buchtipp

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Dixie Locke – inzwischen über 80 Jahre alt – lebt immer noch in Memphis, wo sie seit mehr als 60 Jahren glücklich mit Bobby Emmons verheiratet ist. Sie haben zwei Töchter, einen Sohn und mehrere Enkelkinder. Jahrzehntelang arbeitete Dixie als persönliche Assistentin für verschiedene Pastoren der First Assembly of God Church – der Kirchengemeinde, in der sie Elvis Presley zum ersten Mal begegnet ist.

Wenn es um ihre berühmte erste Liebe geht, dann hat sich Dixie lange bedeckt gehalten – entsprechend auch kein eigenes Buch veröffentlicht. Bekannt wurde sie vor allem als wichtige Quelle für Peter Guralnicks Elvis-Biografie Last Train To Memphis, die in den Neunzigerjahren in den USA herauskam und auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

2021 hat sie zusammen mit Tochter Kristi dann doch noch ein eigenes Buch mit ihren Erinnerungen veröffentlicht. Und das ist gut so. In einigen Details unterscheidet sich ihre Darstellung durchaus von der in Guralnicks Biografie. Wer ihr Buch liest, bekommt dennoch einen guten Eindruck davon, wie Elvis Presleys Leben wahrscheinlich verlaufen wäre, wenn die Songfellows ihn doch in ihre Gospelformation aufgenommen hätten und Sam Phillips vom berühmten Sun-Studio sich mit seinem Rückruf noch etwas länger Zeit gelassen hätte. Alles andere ist längst Geschichte.

Dixie Locke Emmons und Kristi Emmons Jones: Unlocked – Memoirs of Elvis’s First Girlfriend

Hardcover, ca. 172 Seiten; Selbstverlag, 2021; englischsprachig; $ 49,95 plus Versand
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