The Elvis Spirit: Interview mit Angela Storm von der Initiative ‚Elvis in Bronze‘

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Elvis Presley kehrt zurück – in Bronze – nach Bad Nauheim. Am 13. August 2021 wird die lebensgroße Bronze-Statue des King of Rock ’n‘ Roll, die ihren Platz auf einer Fußgängerbrücke über dem Flüsschen Usa gefunden hat, eingeweiht. Möglich gemacht haben das die Macherinnen hinter der Initiative „Elvis in Bronze“. Im Interview mit The Memphis Flash erzählt Angela Storm, wie Bad Nauheim zu einer einzigartigen Elvis-Statue kam.

Einzigartig: Bronzener GI Elvis Presley in Bad Nauheim 2021 – Foto: www.memphisflash.de

Doch was genau macht die Bad Nauheimer Elvis-Statue so besonders – abgesehen von ihrer interessanten Entstehungsgeschichte? Zunächst einmal ist sie die Erste ihrer Art in Deutschland und sie dürfte darüber hinaus die Einzige weltweit sein, die Elvis Presley als amerikanischen Soldaten in Uniform zeigt. Damit wird die Statue auch zu einem Symbol deutsch-amerikanischer Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wir erinnern uns: Als GI war der King von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Friedberger Ray Barracks stationiert und wohnte im benachbarten Kurort Bad Nauheim. Die kleine Fußgängerbrücke zwischen Stadtbücherei und Rosengarten, die seine Statue nun schmückt, dürfte Elvis so manches Mal auf seinem Weg von der Goethestraße, wo er ein Haus angemietet hatte, in den Ortskern Bad Nauheims überquert haben.

Wie man sich das vorstellen kann, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1959, auf dem der Superstar als flanierender GI zu sehen ist, der auf der Brücke einen Moment innehält, um in schmucker Uniform für einen Pressefotografen zu posieren. Das Foto war eigentlich für ein Plattencover gedacht – doch daraus wurde nichts. Mehr als ein halbes Jahrhundert später sollte es als Vorlage für weitaus Größeres dienen – eine originalgetreue Bronze-Statue.

Lässiger Flaneur: GI Elvis Presley am Brückengeländer über dem Flüsschen Usa in Bad Nauheim 1959

Ein Selfie mit dem erstaunlich lebensechten Bronze-Elvis, der lässig am eigens für ihn rekonstruierten historischen Brückengeländer lehnt, das können ab Mitte August flanierende Touristen und Fans aus aller Welt machen, egal ob sie zum Kuraufenthalt, Urlaub oder den Besuch des European Elvis Festivals (→ Festivalprogramm 2021) nach Bad Nauheim kommen.

Und eins ist jetzt schon sicher: Der Bronze-Elvis auf der Usa-Brücke dürfte eines der meistfotografierten Motive in der Region werden. Ein willkommener Tourismusmagnet für das rund 30 Kilometer nördlich von Frankfurt gelegene Städtchen Bad Nauheim, das etwa 32.000 Einwohner zählt. Noch dazu ein Lichtblick für das von der Corona-Pandemie stark getroffene regionale Gastgewerbe. Entsprechend klingt das Ganze nach der Idee eines ausgefuchsten Tourismus-Marketing-Managers. Doch weit gefehlt.

Hinter dem Bronze-Elvis stecken die ebenso sympathischen wie tatkräftigen Elvis-Fans Angela Storm aus Lübeck und Meike Berger aus Bochum von der ehremamtlichen Initiative „Elvis in Bronze“. Wie es ihnen mit ordentlich viel „Elvis-Spirit“ gelang, den King mehr als 60 Jahre nach seiner Abreise zurück nach Bad Nauheim zu holen, das erzählt Angela Storm jetzt im Interview.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Frau Storm, wie sind Sie als Lübeckerin eigentlich auf die Idee gekommen, eine lebensgroße Elvis-Statue für Bad Nauheim auf den Weg zu bringen? Sind Sie Elvis-Fan?

Angela Storm: Ja, ich bin seit meiner Kindheit Fan. Elvis hat mich durch meine ganze Teenagerzeit begleitet. Dann habe ich irgendwann geheiratet und Kinder bekommen und das Ganze ist ein bisschen eingeschlafen. Irgendwann Anfang der 2000er Jahre hat mich ein Freund gefragt, ob ich ihn nicht zu einer Veranstaltung begleiten will, auf der auch ein Elvis-Double aufgetreten ist. Das habe ich gemacht – und danach ist alles wieder aufgeflammt bei mir. Ich habe angefangen meine Elvis-Sammlung durchzugehen, zu schauen, was habe ich, was fehlt mir noch. Es kommen ja auch ständig neue Veröffentlichungen raus. Dann bin ich das erste Mal auf so ein Festival gefahren.

The Memphis Flash: Sie meinen das European Elvis Festival, das jedes Jahr im August in Bad Nauheim stattfindet?

Angela Storm: Genau. Ich habe damals jedenfalls gedacht: Meine Güte, was ist denn hier los? Ich war davon ausgegangen, dass die Elvis-Szene nach so langer Zeit ein bisschen eingeschlafen ist. Aber die ist nach wie vor sehr lebendig. Als Fan wird man auch immer wieder spontan auf Elvis angesprochen, ob das in der Bank am Schalter ist, wenn zufällig ein Elvis-Schüsselanhänger aus der Tasche guckt, oder von Autofahrern, die ihren Wackel-Elvis spazieren fahren. Das ist schon witzig. Jedenfalls fahre ich jetzt seit circa 15 Jahren jedes Jahr nach Bad Nauheim zum European Elvis Festival. Und dann ist da eben immer diese Enttäuschung, wenn man vor der Stele steht.

The Memphis Flash: Sie meinen die Stele, die zum Gedenken an Elvis 1995 neben den Hotel Villa Grunewald aufgestellt wurde und die geradezu berühmt dafür ist, dass sie Elvis Presley nicht besonders ähnlich sieht?

Keine Ähnlichkeit mit dem King: Elvis-Stele vor dem Hotel Villa Grunewald in Bad Nauheim – Foto: The Memphis Flash

Angela Storm: Ja. Ohne den Typ, der sie entworfen hat, angreifen zu wollen, aber jedes mal, wenn wir vor der Stele in Bad Nauheim standen, haben wir gedacht: Das gibt’s doch nicht, das muss doch besser gehen. Dann waren Meike Berger und ich in Memphis und haben dort einge Elvis-Statuen gesehen. Wir waren auch in Dänemark, wo der Fan Henrik Knudsen das ganze Graceland-Gebäude nachgebaut hat. Auch er hat eine Statue. Dann kam das nächste Elvis-Festival. Und irgendwann haben wir uns gesagt: Das kann doch nicht angehen – jedes Jahr dasselbe Gemecker. Wir müssen endlich was machen. Vielleicht lässt sich so eine Bronze-Statue über Spenden finanzieren. Also haben wir angefangen zu recherchieren, was so eine Statue kostet und ob es überhaupt erlaubt ist, Elvis als Statue nachzubilden. Auch war uns klar, dass wir das nicht einfach der Stadt aufbürden können. So kam der Stein ins Rollen.

Geben alles für den Bronze-Elvis: Angela Storm (rechts) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Was muss man denn anlegen für eine lebensgroße Bronze-Statue?

Angela Storm: Man muss zwischen 30.000 und 40.000 Euro anlegen. Wir liegen aktuell bei 35-36.000. Wenn man es vom Acrylbauer gestalten lässt, dann ist es weitaus günstiger. Das haben wir auch zuerst versucht, aber die Optik hat uns einfach nicht überzeugt. Und wir wollten ja nicht irgendeine Statue haben – wir wollten etwas wirklich Gutes haben. Viele der Statuen, die wir uns angeschaut hatten, haben dasselbe Problem: Das Gesicht ist nicht so getroffen, wie es sein sollte. Kurz: Wir hatten zwei Herausforderungen – die Optik und das Geld.

The Memphis Flash: Und wie haben Sie die Stadt Bad Nauheim ins Boot bekommen?

Angela Storm: Wir haben angefragt, ob die Stadt bereit wäre, die Statue aufzustellen, wenn wir sie über Spenden finanzieren. Steffen Schneider, der Leiter Kur- und Servicebetrieb, war sofort ganz begeistert von der Idee. Der Vorschlag, den Elvis auf der Brücke aufzustellen, kam dann auch von der Stadt, weil die Brücke am Rosengarten ohnehin saniert werden musste und es eben dieses Foto von Elvis auf der Brücke gibt. Wir hatten zunächst noch die Idee, den Elvis vor die Villa Grunewald zu stellen. Wir haben dann aber sofort gesagt: Das mit der Brücke machen wir.

The Memphis Flash: Jetzt musste aber noch die Finanzierung gesichert werden?

Angela Storm: Mir war sofort klar: über Spenden. Ich habe dann bei Maria Hesterberg, der Vorsitzenden der deutschen Elvis Presley Gesellschaft e. V., angefragt, ob wir etwas über Spendengelder und Sponsoren organisieren könnten. Sie hat uns gleich gesagt, dass es schwierig wird, die Leute zu einer Spende zu motivieren. Der Verein hatte die Erfahrung schon gemacht, als eine gestohlene Gedenkplatte über Spenden ersetzt werden sollte. Und da habe ich mir gesagt: Ja, das ist auch schwierig.

Unterwegs mit Elvis-T-Shirt und Sammeldose: Angela Storm (re.) und Meike Berger – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Misstrauen gegenüber Spendensammlern?

Angela Storm: Man muss die Leute einfach direkt ansprechen. So sind Meike und ich auf die Idee mit den Sammeldosen gekommen. Wir wollten direkt an den Fan ran, um von unserer Idee zu erzählen. Wir haben auch Flyer gedruckt und uns T-Shirts machen lassen. Auf dem European Elvis Festival 2018 sind wir dann voller Enthusiasmus mit den Sammeldosen rumgelaufen und haben die Dosen auch in Geschäften verteilt. Das war die Idee schlechthin. Gab eine Riesenwelle. Unterstützt wurden wir dabei von der Elvis Presley Gesellschaft. Natürlich ging nicht alles über die Dosen – also haben wir zusätzlich ein Go-Fund-Me-Konto eröffnet. Als das Festival 2018 zu Ende war, kam die Überlegung, was jetzt?

The Memphis Flash: Weil Sie das Geld natürlich noch nicht zusammen hatten?

Angela Storm: Genau. Wir sind dann auf jedes Konzert, das irgendwo stattgefunden hat. Wir waren ein paar Mal bei Elvis – das Musical mit einem Infostand und haben Spenden gesammelt. Und dann kamen auch schon die ersten Sachspenden der Fans rein. Daraus ist dann ein richtiger Verkaufsstand geworden. Alle Einnahmen immer in die Spendendosen rein und dann aufs Konto. Natürlich kam auch immer wieder die Frage: Was macht ihr denn, wenn ihr das Geld nicht zusammenkriegt? Da haben wir gesagt: Sowas gibt’s gar nicht. Wir sammeln so lange, bis wir das Geld zusammenhaben und wenn es fünf oder sechs Jahre dauert. Wir wollen endlich eine vernünftige Statue von Elvis haben. Aber das ist halt die Leidenschaft – das ist einfach die Freude an Elvis und an seiner Musik, die uns da immer so ein Stückchen weitergebracht hat. Die Fans haben auch immer mehr Vertrauen in uns gehabt.

The Memphis Flash: Haben Sie sich denn auch um Sponsoren für Elvis in Bronze bemüht?

Angela Storm: Ja, haben wir. Wir haben ganz viele Sponsoren angeschrieben. Aber die Firmen waren da skeptisch – aus welchen Gründen auch immer. Eine Firma hat uns ganz höflich zurückgeschrieben, sie hätten schon mal eine Klage gehabt und dürften nicht mit Elvis in Verbindung gebracht werden. Aber die Firmen haben immer mal wieder gespendet – auch größere Beträge, weil sie die Idee toll fanden. Und die Hotels haben uns Übernachtungen gesponsort. Solche Sachen gingen schon, aber nichts Projektbegleitendes. Aber nach dem Elvis-Festival 2019 hat sich über die Vermittlung eines Fans der Kontakt zu einem Großspender ergeben: Michael Wesselmann, ein Unternehmer aus Bochum und auch ein Elvis-Fan. Der war so begeistert von unserer Idee, dass er gesagt hat: Was braucht ihr denn noch? Wir haben ihm die Summe genannt und sind vor Freude fast hintenüber gekippt, als er gesagt hat: Kommt Mädels, das kriegt ihr von mir. Damit hatten wir das Geld zusammen.

European Elvis Festival 2019: Angela und Meike mit Fans am Infostand – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Großartig. Aber ein Benefizkonzert gab es 2019 auch?

Angela Storm: Ja, ein Benefizkonzert haben wir auch organsiert. Das hatten wir schon geplant, bevor wir wussten, dass wir das Geld zusammen haben. Dass sich dieser Großspender auftun würde, das wussten wir ja vorher nicht. Die Stadt Bad Nauheim hat uns die Räumlichkeit für das Konzert in der Trinkkur-Anlage zur Verfügung gestellt. Wir hatten acht Künstler dabei, die gesagt haben: Mensch, wir finden das toll, was ihr da macht. Wir singen ohne Gage. Das Einzige, was wir brauchen, ist eine Übernachtung und Essen. Das wurde dann organisiert und gesponsert und wir konnten auch noch unsere ganzen Sachspenden bei einer Tombola loswerden. Die Summe, die so zusätzlich reinkam, die nutzen wir jetzt noch für die Entstehungstafel vor der Brücke und für die Sicherung der Statue.

The Memphis Flash: Ich habe gesehen, dass Sie die internationale Fangemeinde die ganze Zeit über regelmäßig auf Ihrem Facebook-Account Elvis in Bronce über die Fortschritte ihres Projekts auf dem Laufenden gehalten haben. Das ist sehr professionell gemacht. Haben Sie beruflich mit Online-Kommunikation zu tun?

Angela Storm: Nein, gar nicht. Wir haben bei diesem ganzen Projekt auch ganz, ganz viel gelernt. Das muss man wirklich sagen. Ich bin gelernte Schauwerbegestalterin, also Dekorateurin eigentlich. Und meine Freundin ist Sozialarbeiterin. Wir machen das nebenbei.

Spenden sammeln: Angela (re.) und Meike mit Elvis-Dummy am Geländer – Foto: Elvis in Bronce/Andreas Pendl

The Memphis Flash: Also alles ehrenamtlich. Hut ab, das ist ein Haufen Arbeit. Können Sie sagen, wie viel Zeit Sie in etwa investiert haben?

Angela Storm: Also, über die zwei Jahre, die es ging, waren wir bestimmt an drei, vier Tagen in der Woche damit beschäftigt. Immer nach Feierabend. Ja, dann natürlich an den Wochenenden auf Veranstaltungen. Aber man muss wirklich dazu sagen, es ist ja auch viel Spaß dabei. Wir sind ja nun mal Fans. Und so ganz selbstlos ist es ja auch nicht, denn wir wollen ja eine tolle Bronze haben. Von der haben wir nachher alle was. Und die Statue ist eine tolle Gelegenheit, auch mal was zurückzugeben, weil wir als Fans jahrelang schon so viel bekommen haben – unzählige tolle Momente.

The Memphis Flash: Die Statue ist also so etwas wie ein Geschenk der Elvis-Community an Elvis zu verstehen?

Angela Storm: Über Elvis und seine Musik sind über die Jahre wirklich intensive Freundschaften entstanden. Es gibt da so eine Verbundenheit. Wenn man sich mit Elvis mal beschäftigt hat, dann weiß man, dass er sehr auf seine Fans bezogen war. Das haben uns Zeitzeugen, die wir über die Jahre interviewt haben, immer wieder bestätigt. Er war ein großer Menschenfreund. Es war das Größte für ihn, die Leute zusammenzubringen und Leichtigkeit zu verbreiten. Es ging ihm um eine ganz einfache Message, nämlich die Menschen zusammenzubringen und Freude zu geben. Und das spiegelt sich in diesem ganzen Projekt wider, diese ganze Herzlichkeit, die uns entgegengebracht wurde. Das ist der Elvis-Spirit.

The Memphis Flash: Der Elvis-Spirit trägt offenbar sehr, sehr weit. Wie ging es denn nun weiter, als sie das Geld für die Bronze zusammen hatten?

Angela Storm: Dann kamen die ersten Entwürfe von den Bildhauern, die haben uns schlaflose Nächte bereitet. Jetzt hatten wir das Geld so langsam zusammen, aber keinen, der uns einen guten Elvis macht. Da kam der Vorschlag der Stadt Bad Nauheim, bei Ego 3D in Mühlheim anzufragen

The Memphis Flash: Das ist ein Unternehmen, das auf 3D-Druck-Technologie spezialisiert ist, richtig?

Angela Storm: Genau. Die waren gleich begeistert und haben uns eingeladen. Wir haben Ego 3D dann viele, aus verschiedenen Perspektiven aufgenommene Elvis-Fotos geschickt aus der Armeezeit, natürlich auch das Originalfoto an der Brücke. Und dann kamen die ersten Entwürfe von Ego 3D- und wir hatten wieder eine schlaflose Nacht. Aber Herr Fischer, das ist der Geschäftsführer, hat uns dann gleich angeboten, mit weiteren Fotos vorbeizukommen und den Entwurf zusammen mit dem Grafiker am Bildschirm zu machen. Das haben wir dann auch gemacht. Wir sind mit drei, vier Büchern nach Mühlheim gefahren und haben speziell Fotos rausgesucht, auf denen Elvis‘ Kopf, die Schmolllippen und die Augen gut zu sehen sind.

Finetuning für den bronzenen King: Angela und Meike am Rechner mit 3D-Grafiker Immanuel Günther von Ego 3D in Mühlheim – Foto: Ego 3D

The Memphis Flash: Ich höre raus, dass es sehr schwierig war, den typischen Gesichtsausdruck hinzubekommen. Und wahrscheinlich lag es vor allem an der Tatsache, dass das Original ein Foto ist, das von der Seite aufgenommen wurde?

Angela Storm: Ja, das war wirklich sehr schwierig. Ich habe tatsächlich schlaflose Nächte gehabt. Meine Freundin Meike hatte schlaflose Nächte wegen des Gelds – ich hatte schlaflose Nächte wegen der Optik. Aber ich muss sagen, die 3D-Technik ist wirklich faszinierend. Der Grafiker hat das Foto eingescannt und unter seinen Entwurf gelegt. Dann konnte er es vergrößern – und wir haben gesehen: der Schmollmund und das Auge stimmen noch nicht ganz. Zu der Zeit war Elvis auch noch ein bisschen voller im Gesicht – also ganz, ganz schwierig. Dann musste der Grafiker ja auch mit verschiedenen Perspektiven arbeiten. Immer wenn er den Entwurf gedreht hat, passte wieder etwas nicht ganz. Ich hab‘ mir das vorher auch nicht so schwierig vorgestellt. Also dieses Rundumdrehen, das war wirklich in Millimeterschritten notwendig und alles musste nachgezeichnet werden. Das war so ein spannendes Unterfangen. Ohne diese millimetergenaue Vorlage wäre bei der Gießerei später nicht so ein Ergebnis rausgekommen.

Gar nicht so einfach: Original und Nachbildung am Bildschirm des 3D-Grafikers – Foto: Ego 3D

The Memphis Flash: Das klingt nach richtig viel Engagement.

Angela Storm: Insgesamt wind wir tatsächlich dreimal hingefahren, weil doch Kleinigkeiten nicht ganz gepasst haben. Und jedes Mal haben wir verbessert, verbessert, verbessert. Manchmal war es das Auge, dann war es die Nase. Später ging es um die Mütze, dann ging es um die Abzeichen an der Uniform, nachher um die Körperhaltung. Ego 3D hat sich sogar eine Original-Armeeuniform kommen lassen wegen der Details an der Uniform. Die hat dann ein Mitarbeiter angezogen, damit sie schon einmal die Stellung und die Falten von der Hose sehen konnten, denn auf dem Original-Foto fehlt ja das ganze untere Stück, es zeigt Elvis nur bis zum Knie. Dann hat uns Ego 3D unseren Elvis in Bronze, so wie er später aussehen könnte, für einen großen Papp-Aufsteller ausdrucken lassen. Das war ein Vorschlag von Herrn Fischer, der uns immer wieder gute Tipps fürs Spendensammeln gegeben hat. Es ist gleich viel glaubwürdiger, wenn man schon etwas zeigen kann.

Elvis-Spirit für die Bronze-Statue: Angela Storm und Meike Berger mit den Machern von Ego 3D und der Glocken- und Kunstgießerei Rincker – mit von der Partie Elvis als Kunststoffrohling (links) und als fertige Bronze (rechts) – Foto: Elvis in Bronce

The Memphis Flash: Wie sind Sie denn an die Glocken- und Kunstdruckerei Rincker in Sinn gekommen, die letztlich den Guss übernommen hat?

Angela Storm: Das war auch ein Tipp von Herrn Fischer. Der hat uns drei Gießereien genannt. Alle wollten den Elvis gerne gießen. Aber wir haben uns dann letztlich für die Gießerei Rincker entschieden, weil das so ein ganz altes Traditionsunternehmen ist und der Funke auch gleich übergesprungen ist.

The Memphis Flash: Den Guss haben Sie auch eng begleitet?

In der Gießerei: Der Kopf der Bronze-Statue ist fertig – Foto: Rincker

Angela Storm: Ja, wir haben auch den ganzen Prozess in der Gießerei in Etappen mitverfolgt. Wir sind immer da gewesen. Als die Negativform angefertigt wurde, als die Wachsschicht darüber kam, auch als der Kopf das erste Mal gegossen wurde, sind Meike und ich hingefahren und haben uns den angeguckt.

Aufwendige Kopfarbeit: Porträt des bronzenen GI Elvis – Foto: Elvis in Bronce/Andreas Pendl

The Memphis Flash: Wurde der Guss in einem Stück gemacht? Und wie schwer ist die Bronze-Statue überhaupt?

Angela Storm: Die Bronze ist um die 180, 190 Kilo schwer. Und es sind – genau wie bei Ego 3D – mehrere Stücke angefertigt worden, die gegossen und dann zusammengeschweißt wurden. Nach dem Guss musste von den Profis bei Rincker in ganz, ganz viel Kleinstarbeit modelliert und nachgeschweißt werden. Auch bekam der Elvis hier komplett seine Farbe und die Patina. Er hat auch eine Wachsschicht, die ihn vor Verunreinigungen schützt.

Elvis in Teilstücken: Jetzt kommt der Rumpf – Foto: Rincker

The Memphis Flash: Das hört sich wirklich nach ganz großer Handwerkskunst in der Gießerei an, die sich hier mit modernster 3D-Technik von Ego 3D verbindet. Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis. Eigentlich sollte die Bronze-Statue auf der schon fertig sanierten Brücke am 8. Januar zu Elvis Presleys Geburtstag in Bad Nauheim eingeweiht werden. Das musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Gibt es schon einen neuen Termin?

Angela Storm: Ja, den gibt es. Die Elvis-Bronze wird zum Start des European Elvis Festivals am 13. August 2021 um 15.00 Uhr eingeweiht.

The Memphis Flash: Tolle Neuigkeiten. Letzte Frage: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Elvis in Bronze, in den sie so viel Leidenschaft gesteckt haben?

Angela Storm: Es ist uns ganz gut gelungen. Also, ich denke, man hätte es nicht viel besser machen können. Und im Nachgang hab‘ ich es immer wieder gesagt, es hätte nicht anders laufen können, weil ja zu Anfang immer wieder das Argument kam, das müsste doch eigentlich die Stadt Bad Nauheim machen. Wieso müssen das die Fans bezahlen? Aber für uns war klar: Das muss einfach ein Fan machen, sonst werden alle wieder so enttäuscht sein. Ein Fan schaut einfach ganz anders drauf als einer von der Stadt, der damit beauftragt wird. Und ich persönlich finde es auch toll, dass so ein Gemeinschaftsprojekt draus geworden ist. Das hat die Gemeinschaft so gestärkt. Jeder, der einen Euro gespendet hat, kann nun sagen, da hab ich auch einen Teil dazu beigetragen.

The Memphis Flash: Ich werde mir die Statue auf jeden Fall anschauen. Vielen Dank für das interessante Interview.

2 Kommentare
  1. Albert Dös
    Albert Dös sagte:

    Als ausgewiesener Elvis Fan kann ich mit Fug und Recht sagen, was die beiden Mädels, Angela und Meike, für uns Elvis Fans an Enegie, Leidenschaft, Engagement und Sorgfalt in dieses Projekt „Elvis in Bronze“ investiert haben, bedarf einer ungeteilten Anerkennung aller Elvis Fans und besonders von offizieller Stelle.
    Meine Frau und ich bedanken uns auf diesem Wege für dieses tolle Geschenk und freuen uns darauf, am 13.08.2021 in Bad Nauheim bei der Einweihung dabei zu sein.
    „ELVIS lebt, today, tomorrow and forever“!

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