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In Zeiten von Corona und dem ziemlich eingeschränktem Aktionsradius, den die Pandemie für uns alle mit sich bringt, tut es gut, sich mit Elvis ein bisschen abzulenken. Ich mache das neben der Vorbereitung neuer Blog-Beiträge  (z.B. zu „Elvis Is Back!“), indem ich mal wieder in Elvis-Veröffentlichungen reinhöre, die ich länger nicht auf dem Schirm hatte. Eine davon ist die FTD 48 Hours To Memphis aus dem Jahr 2011.

Als Elvis Presley am 18. März 1974 unter Blitzlichtgewitter und donnerndem Applaus zu den Klängen von Also Sprach Zarathustra die Bühne des Coliseum in Richmond/Virginia betrat, waren es noch genau 48 Stunden bis zu dem legendären Konzert in seiner Wahlheimatstadt, erstmals 1974 verewigt auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Lange ahnte kaum jemand, dass auch von dem kompletten Konzert in Richmond eine professionelle Multitrack-Aufnahme realisiert wurde, von der wiederum eine Kopie – versehen mit nicht mehr als dem unspektakulären Aufdruck „All Star Shows, Madison Tennessee“ – 1990 über Umwege in die Hände des Fans und Sammlers Robert Frieser kam.

Erst mehr als 20 Jahre später hat Frieser diese Kopie des Mitschnitts (das Original gilt weiterhin als verschollen) für die Veröffentlichung durch das Elvis Presley-Sammlerlabel Follow That Dream Records zur Verfügung gestellt, für das Ernst Jorgensen und Roger Semon seit 1999 mit vielen erstklassigen Elvis-Publikationen verantwortlich zeichnen. Zuvor kursierte das Konzert nur als Import unter dem Titel „Guaranteed To Blow Your Mind“.

2011 erschien das Richmond-Konzert dann endlich unter dem Titel 48 Hours To Memphis im Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream. Veröffentlicht wurde es in demselben 3-teiligen, ausklappbaren Deluxe-Format wie sein FTD-Pendant Elvis Recorded Live On Stage In Memphis. Versehen ist das Set mit Farbfotos, die den King im Aqua Blue Vine-Jumpsuit in Action zeigen, verschiedenen Schnappschüssen am Flughafen und einem 16-seitigen Booklet mit Informationen rund um das Konzert in Richmond.

Aber das Wichtigste ist das Konzert selbst, ein echter Hammer, in wirklich guter Soundqualität! Hier hat Toningenieur Vic Anesini ganze Arbeit geleistet. Denn er schafft es, sowohl das Geschehen auf der Bühne als auch die Aufregung im Publikum zu transportieren, also das, worauf es bei einem Live-Konzert wirklich ankommt. Und das lohnt sich.

Der King selbst ist hörbar exzellenter Laune, verdammt gut bei Stimme und ausgelassener als bei dem Konzert zwei Tage später in Memphis. Begleitet wird er von seiner allseits bewährten TCB-Band mit James Burton an der Leadgitarre, Glen D. Hardin am Piano, Ronnie Tutt am Schlagzeug, John Wilkinson an der Rhythmusgitarre und Duke Bardwell am Bass.

Dazu kommen die Backgroundsänger mit den Soulladies The Sweet Inspirations, die Gospeltruppe J.D. Sumner & The Stamps, eine neue durchweg männliche Gesangsformation namens Voice und die zierliche Sopranistin Kathy Westmoreland, das „kleine Mädchen mit der schönen hohen Stimme“, wie Elvis Presley sie dem Publikum gerne vorstellte.

Die Songauswahl des Konzerts in Richmond unterscheidet sich nicht wesentlich von der des bekannteren in Memphis. Elvis präsentiert bei beiden seine inzwischen zum Markenzeichen gewordene Kombination von Rock ’n’ Roll, Blues, Gospel und Balladen. Beim Richmond-Konzert fehlen allerdings der Klassiker My Baby Left Me und How Great Thou Art, die beeindruckende Live-Interpretation vom 20. März 1974, die Elvis Presley einen weiteren Grammy (→Elvis und die Grammys) einbrachte:

  1. Also Sprach Zarathustra
  2. See See Rider
  3. I Got A Woman / Amen
  4. Love Me
  5. Trying To Get To You
  6. All Shook Up
  7. Steamroller Blues
  8. Teddy Bear / Don’t Be Cruel
  9. Love Me Tender
  10. Medley Long Tall Sally / Whole Lotta Shaking’ Goin’ On / Your Mama Don’t Dance / Flip Flop And Fly / Jailhouse Rock / Hound Dog
  11. Fever
  12. Polk Salad Annie
  13. Why Me Lord
  14. Suspicious Minds
  15. Vorstellung der Band
  16. I Can’t Stop Loving You
  17. Help Me
  18. American Trilogoy
  19. Let Me Be There
  20. Funny How Time Slips Away
  21. Can’t Help Falling In Love
  22. Closing Vamp

Bonus-Tracks:

  1. Sweet Caroline
  2. Johnny B. Goode
  3. That’s All Right

Die drei Bonus-Tracks der CD stammen vom 1. Konzert dieser März-Tournee in Tulsa/Oklahoma am 1. März (Sweet Caroline) und von dem des 17. März in Memphis/Tennessee. Die gesamte Tournee vom Frühjahr 1974 mit insgesamt 25 Konzerten an nur 20 Tagen – das Richmond-Konzert vom 18. März ist das drittletzte dieser Tour de Force – war ein uneingeschränkter Erfolg und gilt bis heute als eine von Elvis Presleys besten. Die Nachfrage nach Tickets war so groß, dass Zusatzkonzerte angesetzt wurden.

48 Hours To Memphis: Highlights

Von den ersten Klängen an ist bei diesem Konzert klar, das wird eine gute Show. Ein kraftvolles Trying To Get To You ist ein erster Höhepunkt…

Audio: Trying To Get To You, 1974

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Im Januar 2020 wäre Elvis Presley 85 Jahre alt geworden. Und wie bei allen Jubiläen, die der King nicht mehr erlebt, ist er auch diesmal wieder ordentlich gefeiert worden – unter tatkräftiger Mithilfe von Exfrau Priscilla. Schließlich ist sie eine der Schlüsselpersonen in der posthumen Vermarktung ihres Göttergatten.

Was beim Jubiläums-Hype auch in diesem Jahr wieder völlig untergeht, ist die Tatsache, dass auch Priscilla Beaulieu Presley – von 1967 bis 1973 mit dem King verheiratet – einen feiernswerten Geburtstag begeht. Die Queen wird am 24. Mai 2020 stolze 75 Lenze alt. Da kann man doch wirklich gratulieren, oder?

Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Für immer 14: Priscilla Presley am 2. März 1960 in Frankfurt

Was, so alt ist die schon, denkt sich so mancher jetzt… und beginnt zu rechnen… zurück… weit zurück. War die nicht erst 14, als sie den G.I. Elvis in Deutschland kennenlernte? Genau!

Dieses Alter hat sich dergestalt ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass es für immer mit ihr verbunden wird. Irgendwie ist Priscilla für immer 14 – sehr unschuldig und sehr schön. Und die Ex des King tut so einiges, um ihr wahres Alter zu verschleiern. Dank zahlreicher kosmetischer Eingriffe wirkt die einstmals so schöne Mrs. Presley heute ähnlich zeitlos wie ihr früh verstorbener Ex-Ehemann.

Wenn man in das alterslose Gesicht Priscilla Presleys schaut, das nicht einmal den Ansatz einer Sorgenfalte erkennen lässt, dann könnte man fast vergessen, dass sie eine sehr mächtige Frau ist. Seit sie Ende der 1970er – und hier spielt der Zufall durchaus eine Rolle – nach dem Tod ihres geschiedenen Mannes († 1977) und dem ihres Ex-Schwiegervaters Vernon Presley († 1979) in die Rolle der Vermögensverwalterin für die damals noch minderjährige Alleinerbin Lisa Marie nachrückte, bestimmt die zierliche Frau wie kaum jemand sonst die öffentliche Wahrnehmung des King.

Alterslos: Priscilla Presley 2019 – Foto: Demotix

Obwohl Tochter Lisa Marie (*1968) – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – heute mittlerweile deutlich über 50 ihr Erbe schon vor Jahrzehnten angetreten hat, ist Priscilla immer noch die erste Adresse, wenn für Dokumentationen, Filme und Publikationen aller Art Aussagen über Elvis Presley benötigt werden. Dem kommt Priscilla, die eine zentrale Rolle im Ausbau Gracelands – Elvis Presleys Hauptwohnsitz von 1957 bis 1977 – zu einer der größten Touristenattraktionen in den USA spielte, gerne nach.

Das hat seit den 1980ern fast zwangsläufig dazu geführt, dass Priscillas Liebes- und Ehegeschichte mit dem King in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund steht. Mit der Zeit ist der Eindruck entstanden, die Beziehung zu ihr sei überhaupt die einzige längere, ernstzunehmende Elvis Presleys zu einer Frau gewesen, das Scheitern dieser Beziehung die Hauptursache für seinen frühen Tod und Priscilla habe insgesamt eine wichtige Rolle in der Karriere des King gespielt. Sicher: Elvis Presley hat nur ein einziges Mal geheiratet… Trotzdem sind diese Annahmen viel zu vereinfachend, treffen nicht den Kern.

Denn Priscillas Macht heute kontrastiert verblüffend mit ihrer Machtlosigkeit während der Dauer ihrer Beziehung zu Elvis Presley – einer Beziehung, in der er zu ihrem Leidwesen völlig dominierte und sie schlicht wenig zu melden hatte. Nachzulesen ist das in Priscilla Presleys 1985 erschienenen Buch Elvis and Me.

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