Elvis, Donald Trump und die Presidential Medal of Freedom

Seit Eugene Jareckis Dokumentation The King – Mit Elvis durch Amerika (ursprünglicher Titel Promised Land, 2017) in den Kinos angelaufen ist und damit einem breiteren Publikum bekannt wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis Elvis im Wahlkampf Donald Trumps eine Rolle spielen würde. Schließlich geht es in der Dokumentation um die gesellschaftliche Spaltung und den Niedergang Amerikas.

Der American Dream, so Jareckis Dokumentation, habe sich längst zu einem Albtraum erster Güte entwickelt, was letztlich in die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mündete. Elvis’ Lebensgeschichte wird in The King – Mit Elvis durch Amerika als Metapher für den verlorenen American Dream präsentiert.

Kann es da ein Zufall sein, dass die Trump-Administration ausgerechnet jetzt im November 2018 – fast zeitgleich mit den sogenannten “midterm elections”, bei denen Trumps Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten abtreten mussten – einen Gegenpol setzt, indem sie ausgerechnet Elvis Presley posthum mit einer der höchsten Auszeichnungen ehrt, die der amerikanische Präsident zu vergeben hat?

Elvis trifft Trump: Ein Elvis-Fan auf einer Wahlkampfveranstaltung Donald Trumps 2016

Wie gestern bekannt wurde, wird Donald Trump erstmals am 16. November 2018 die “Presidential Medal of Freedom” an sieben herausragende Persönlichkeiten vergeben, die einen besonderen Beitrag etwa zur Sicherheit und den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten, zum Frieden in der Welt oder zur Kultur des Landes geleistet haben.

Elvis Presley ist 41 Jahre nach seinem Tod einer der sieben Empfänger der Freiheitsmedaille des Präsidenten 2018.

Die Presidential Medal of Freedom, die in der aktuellen Form von Präsident John F. Kennedy 1963 ins Leben gerufen wurde, ist zusammen mit der vom amerikanischen Kongress vergebenen Congressional Gold Medal, die höchste Auszeichnung der U.S.-Regierung an einen ihrer Bürger – und sie kann auch posthum vergeben werden.

Gehört zu den höchsten Ehrungen eines amerikanischen Bürgers und wird vom Präsidenten persönlich vergeben: Presidential Medal of Freedom

Von den 40 Musikern – die Medaille wird in verschiedenen Kategorien vergeben – ist Elvis Presley erst die dritte Musiker-Persönlichkeit nach Count Basie (1985) und Meredith Wilson (1987), die diese hohe Auszeichnung posthum erhält.

Basie und Wilson wurden ihre Medaillen durch den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan verliehen, der während seiner Amtszeit mehr als 100 Personen mit der Medaille bedachte, darunter 10 Musiker. Er wird übertroffen einzig von Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama, auf dessen Konto mit mehr als 120 bislang die meisten Presidential Medals of Freedom gehen, davon 13 an Musiker, etwa Stevie Wonder, Bob Dylan, Barbra Streisand und Bruce Springsteen.

Vorgeschlagen werden dem Präsidenten auszuzeichnende Persönlichkeiten übrigens durch das speziell hierfür ins Leben gerufene sogenannte “Distinguished Civilian Service Awards Board”. Man darf davon ausgehen, im Komitee wird dem Volk durchaus aufs Maul geschaut.

Wie die Auszeichung Elvis Presleys begründet wird?

“Elvis Presley defined American culture to billions of adoring fans around the world. Elvis fused gospel, country, and rhythm and blues to create a sound all his own, selling more than a billion records. Elvis also served nearly 2 years in the United States Army, humbly accepting the call to serve despite his fame. He later starred in 31 films, drew record-breaking audiences to his shows, sent television ratings soaring, and earned 14 Grammy Award nominations. He ultimately won 3 Grammy Awards for his gospel music. Elvis Presley remains an enduring American icon four decades after his death.”

Pressestelle des Weißen Hauses zur Ehrung Elvis Presleys 2018

Neben Elvis werden außerdem der verstorbene Baseball-Star George Herman “Babe” Ruth, die Ärztin und Philanthropin Miriam Adelson, der Jurist Alan C. Page, Senator Orrin Hatch, Football-Star und Vietnam-Veteran Roger Staubach sowie Antonin Scalia, langjähriger Richter am Supreme Court (Oberster Gerichtshof der Vereingten Staaten), ausgezeichnet.

Eine ganz schön illustre Runde, in der sich der King hier wiederfindet. Und sie erinnert an den Jaycee-Award, den Bürger Elvis Presley 1971 als einer der “10 Outstanding Young Men of the Nation” entgegennehmen durfte und die er bekannterweise in hohen Ehren hielt.

Jaycee-Preisträger Elvis Presley und Thomas I. Atkins, Jurist, Bürgerrechtsaktivist und Mitstreiter von Martin Luther King 1971 in Memphis

Aber hat diese Ehrung eines verstorbenen Musikers wirlich politische Schlagkraft? Kann sie Donald Trump im Wahlkampf helfen? Ja, kann sie, vor allem nachdem Dokumentationen wie Jareckis The King (2017) und Thom Zimnys The Searcher (2018) Elvis Presleys kulturelle und künstlerische Bedeutung für das Selbstverständnis der USA wieder in den Fokus rücken.

Und: Es wäre auch nicht das erste Mal, dass Elvis Presley, zu dessen Anängern sowohl Demokraten als auch Republikaner gehören, posthum für den amerikanischen Wahlkampf instrumentalisiert wird – also ein Präsidentschaftskandidat mit seinem Namen auf Stimmenfang geht.

Besonders hervorgetan hat sich hier Demokrat Bill Clinton, der sich im Wahlkampf gegen George W. Bush 1992 mit einem Saxophon-Solo von Elvis’ Hit Heartbreak Hotel in der Arsenio Hall Show in die Herzen der Wähler spielte… und das Rennen um die Präsidentschaft schließlich gewann, obwohl es zwischenzeitlich nicht besonders gut um seine Kandidatur stand.

George W. Bush, der Elvis 1971 bei der Verleihung des Jaycee Award persönlich kennengelernt hatte, schaute nach diesem TV-Auftritt seines Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Wobei es auch nicht geholfen haben dürfte, dass er im “Elvis-Schlagabtausch” mit Clinton doch eher säuerlich rüberkam. So sprach er über Clintons Wirtschaftsprogramm abwertend als “Elvis Economics”, das ganz Amerika schneller ins “Heartbreak Hotel” bringen würde als so manchem lieb sei. Ein andermal hieß es mit Verweis auf Elvis Presleys Performance-Stil:

“Endlich habe ich herausgefunden, wieso er [Clinton] sich so gerne mit Elvis vergleicht. Immer wenn er Position beziehen muss, fängt er an zu wackeln.”

George W. Bush 1992, zitiert nach Greil Marcus: Dead Elvis

Clinton zeigte sich lässig und mit einem besseren Gespür für die Wähler im Süden des Landes, sogenannte Reagan-Demokraten, in deren Reihen Elvis Presley hohe Popularität genoss:

Bush vergleicht mich ständig auf wenig schmeichelhafte Weise mit Elvis. Also, ich glaube, dass Bush Elvis nie sonderlich gemocht hat – und das ist ein weiterer Punkt, der gegen Bush spricht.”

George W. Bush 1992, zitiert nach Greil Marcus: Dead Elvis

Man darf vor diesem Hintergrund also gespannt sein, ob und wie Donald Trump Elvis im Rennen um eine zweite Amtsperiode einsetzen wird.

Sicher ist jetzt schon, er hat gegenüber Richard Nixon, dessen Administration den King 1971 nicht nur mit dem Jaycee-Award auszeichnete, sondern 1970 sogar zum Special Agent der nationalen Behörde Bureau of Nacotics and Dangerous Drugs machte, nochmal einen draufgesetzt.

Jack Soden, CEO von Elvis Presley Enterprises, nimmt die Freiheitsmedaille stellvertretend für Elvis Presley von Donald Trump entgegen

Bei der offiziellen Verleihung der Freiheitsmedaille am 16. November 2018 in Washington war Elvis’ Gospel-Grammy-Gewinner How Great Thou Art zu hören, eine persönliche Wahl Trumps, der zudem durchblicken ließ, einen Aufttritt des King in Las Vegas in den 1970ern gesehen zu haben.

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