Rebel with a cause: James Dean als Jim Stark und Elvis als Danny Fisher

Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie “die Viper”) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis “verzärtelten” Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

“If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin’ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?”

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

“It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.”

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn “chicken”, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

Und die Eltern? Statt sich der Situation zu stellen, beschlossen die einmal mehr, einfach an einen anderen Ort zu ziehen – wohl in der Hoffnung, Jims Probleme erledigten sich dann von selbst. Da die Probleme aber in der Familie liegen, kann das nicht gelingen.

Das wird wenige Stunden später klar, als Jim sich auf den Weg zu seinem ersten Schultag an der neuen High School macht. Hier begegnet er Judy wieder, die ihre ganz eigenen Probleme mit ihrem Vater hat. Der nennt seine Tochter zwar “Glamor Puss”, kommt aber nicht damit zurecht, dass seine hübsche 16-jährige Tochter kein Kind mehr ist. Versucht sie, ihren Vater zu umarmen, weist er sie zurück. Judy rebelliert gegen die Situation zu Hause, indem sie sich der Jugendgang um ihren Freund Buzz anschließt.

Buzz’ Clique – stets auf der Suche nach einer Abwechslung – nimmt sofort den Neuen an der Schule aufs Korn, zumal Judy offensichtlich gefallen an Jim gefunden hat. Jim hat zwar gute Vorsätze und will sich nicht gleich wieder in Schwierigkeiten bringen, kann der Provokation aber letztlich nicht ausweichen, als Buzz ihn “chicken”, einen Feigling, nennt. Es kommt zum Messerkampf mit Buzz, den Jim gewinnt. Daraufhin fordert Buzz Jim für den Abend zu einem “Chickie Run”, einem illegalen Autorennen auf einem Gelände nahe einer Klippe heraus.

Jim sagt zu, ist sich aber nicht sicher, ob er die Herausforderung wirklich annehmen soll. Er sucht den Rat seines Vates. Als er zu Hause eintrifft, kniet der Vater – bekleidet mit der Rüschenschürze seiner Frau – auf dem Boden und liest Essensreste auf, die ihm vom Tablett gefallen sind. Das Tablett war für Jims Mutter bestimmt.

Jim wünscht sich einmal mehr, der Vater würde sich endlich einmal wie ein Mann benehmen. Gerade jetzt, wo er so dringend seinen Rat braucht, wie er sich – herausgefordert zum “Chickie Run” – denn nun verhalten soll:

“Suppose you had to do something, you had to go someplace and do this thing that was, you knew it was very dangerous, but it was a matter of honor. And you had to prove it. What would you do?”

Jim Stark zu seinem Vater in Rebel Without A Cause

Der Vater tut sich schwer mit einer direkten Anwort, rät Jim dazu, nicht voreilig zu handeln, sondern die Vor- und Nachteile seines Handelns sorgfältig abzuwägen. In ein paar Jahren könne er über die Probleme, die ihm heute noch so wichtig erscheinen, lachen. Erwartungsgemäß reicht das Jim nicht als Antwort – er will von seinem Vater wissen, wie ein MANN in dieser Situation handelt:

“Ten years. I want to know it now, I want an answer now. I need one. […] What can you do when you have to be a man? Now give me a direct answer!”

Die kann Vater Stark seinem Sohn nicht geben. Jim stürzt aus dem Haus und fährt zur Clique. Dort trifft er neben Judy und Buzz  auch auf Plato, der bewundernd zu Jim aufschaut, seit der ihm auf dem Polizeirevier seine Jacke geliehen hat. Plato wünscht sich sehnlichst eine Familie – seine Eltern “glänzen” jedoch beide durch chronische Abwesenheit, weshalb er von seiner fürsorglichen, aber überforderten Hausangestellten aufgezogen wird.

Kurz vor dem Autorennen kommt es zwischen Jim und Buzz zu einem kurzen Gespräch, in dem Buzz Jim gesteht, dass er ihn eigentlich mag. Als Jim ihn fragt, warum sie das gefährliche Rennen dann überhaupt machen, antwortet Buzz sinngemäß: Irgendwas müsse man ja tun.

Daraufhin steigen beide in ihre Wagen und rasen, nachdem Judy das Zeichen gegeben hat, mit Vollgas auf die nahe Klippe zu. Wer zuerst aus dem Wagen springt, so die Idee, ist das “Chicken”, der Feigling. Buzz kommt bei dem Rennen ums Leben, weil der Ärmel seiner Lederjacke sich in der Autotür verfängt und er nicht – wie Jim – rechtzeitig aus seinem Wagen springen kann. Er stürzt von den Klippen und ist sofort tot. Geschockt flüchten die Jugendlichen daraufhin vom Ort des Geschehens nach Hause.

Jim findet seinen Vater schlafend vor dem Fernseher vor, die Mutter ist bereits zu Bett gegangen. Als sie aufwachen, versucht er ihnen begreiflich zu machen, was passiert ist und warum es passiert ist. Und auch, dass er Verantwortung für den Tod von Buzz übernehmen muss. Eine Schlüsselszene des Films, in der Jim noch einmal vergeblich die Unterstützung von Vater Stark einfordert, bevor er sich in einer dramtischen Szene auf ihn stürzt und flüchtet.

In einem verlassenen Haus in der Nähe der Schule verstecken sich Judy, Plato und Jim vor der Polizei, die inzwischen nach den Beteiligten des Autorennens sucht. Es kommt zu einer idyllischen Szene, in der Judy und Jim – nun ein Liebespaar – sich fürsorglich um den verstörten Plato kümmern. Sie nehmen die Rolle seiner Eltern ein.

Judy erzählt Jim, warum sie sich in ihn verliebt hat. Anders als ihr eigener Vater steht er zu ihr, ist mutig und stark, dabei fürsorglich, liebevoll und verantwortungsbewusst. Judy definiert, wie ein Mann zu sein hat und gibt Jim damit die Antwort, die er zuvor von seinem Vater eingefordert hat.

Vor dem Happy End kommt es zu einer weiteren dramatischen Szene. Plato, der eingeschlafen war, ist aufgewacht und fühlt sich, als er Judy und Jim in dem verlassenen Haus nicht gleich finden kann, auch von seiner neuen Familie verlassen. Mit einer Pistole bewaffnet ist er nun zum äußersten entschlossen, zumal die Polizei das Haus inzwischen umstellt hat.

Jim gewinnt Platos Vertrauen zurück und kann ihn dazu überreden, sich gemeinsam mit ihm und Judy zu stellen. Dabei gelingt es ihm, Plato die Munition abzunehmen, aber nicht die Waffe selbst. Daraufhin wird Plato von der Polizei erschossen.

Jim ist einmal mehr verzweifelt. In gewisser Weise hat auch er als Vaterfigur versagt. Er hat Plato letztlich doch nicht helfen können. In dieser Situation erhält er – völlig überraschend – Unterstützung von Vater Stark, der mit seiner Frau und Jugendbetreuer Ray am Ort des Geschehens eingetroffen ist. Endlich findet der Vater die richtigen Worte und versichert Jim, dass er alles getan hat, was ein Mann in dieser Situation tun kann. Er sichert dem Sohn volle Unterstützung zu.

“You can’t help it, son. You did everything a man could. […] Look Jim. You can depend on me. Trust me. Whatever comes, we’ll fix it together. I swear it. Now Jim, stand up. I’ll stand up with you. I’ll try and be as strong as you want me to be.”

Vater Stark zu Jim in der Schlussszene von Rebel Without A Cause

Rebel Without A Cause endet also mit der Konfliktlösung. Vater Stark bekennt sich zu seiner Rolle als Familienoberhaupt, Jim akzeptiert den Vater und weiß nun, was ein Mann zu tun hat. Mutter Stark – so wird in der Schlussszene ebenfalls angedeutet – wird auf “ihren Platz” verwiesen und Judy also potenzielle Schwiergertochter in die Familie aufgenommen. Die in den der 1950er Jahren vorherrschenden Rollenbilder sind also wieder intakt, womit der Film ein reichlich konservatives Ende findet.

Ist Jim Stark, der das nicht nur bereitwillig akzeptiert, sondern sich sogar danach sehnt, überhaupt als Rebell zu bezeichnen – damals wie heute? Und wie sieht das mit seinem Nachfolger Danny Fisher im Film King Creole aus?

Danny Fisher: If you’re looking for trouble…

Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis Presley, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans. Mutter Fisher wird in King Creole zur dominanten Figur, weil sie fehlt – ihr Tod hat die Familie traumatisiert.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

“I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.”

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

Nach dem Überfall, bei dem er die liebenswert-naive Verkäuferin Nellie (Dolores Hart) kennenlernt, die sich Hals über Kopf in den “bad boy” verknallt, gerät Danny mit Gangsterboss Maxie Fields aneinander, in dessen Kneipe er als Kellner jobbt.

Fields gefällt gar nicht, dass Freundin Ronnie offenbar Gefallen an Danny gefunden hat. Er setzt alles daran, Danny zu demütigen. Doch der Versuch, Danny mit der spontanen Aufforderung zu singen, vor allen lächerlich zu machen, misslingt.

Zu Fields Überraschung ist Danny ein voller Erfolg und erhält anschließend sogar ein Angebot von Charlie LeGrand (Paul Stewart), dem Besitzer des Lokals King Creole, bei ihm zu singen. Der Erfolg führt zum Umdenken bei Danny.

Er versucht einmal mehr, sich von der Truppe um Shark loszusagen, und lässt auch von seinem Vorhaben ab, die unbedarfte Nellie in einem Hotel zu verführen. Stattdessen hilft er seinem Vater, der einen neuen Job in einer Apotheke gefunden hat, sich gegen seinen autoritären Chef durchzusetzen.

Danny hilft seinem Vater, sich gegen den neuen Chef durchzusetzen.

Jetzt könnte alles gut werden, doch Danny hat sich schon zu sehr verstrickt in das Umfeld Maxie Fields. Und das lässt ihn jetzt nicht mehr los. Sein bisheriges Verhalten hat Ereignisse in Gang gesetzt, die er nicht mehr kontrollieren kann. Shark weiß von der Situation von Dannys Vater in der Apotheke und hat zudem den Auftrag von seinem Boss Fields, Danny in eine Situation zu bringen, die ihn Maxie Fields ausliefert.

Also versuchen Shark und seine Truppe mit Dannys Einverständnis, den Chef von Vater Fisher ausrauben. Danny erkennt seinen Fehler und versucht, den Überfall in letzter Sekunde doch noch zu verhindern…

Danny versucht den Raub zu verhindern – vergeblich

… aber er kommt zu spät. Es soll noch schlimmer kommen: Statt des Apothekers bringt an diesem regnerischen Abend Vater Fisher die Tageseinnahmen zur Bank, wird anstelle seines Chefs von Shark und seinen Kumpanen überfallen und dabei lebensgefährlich verletzt. Retten kann ihn nur eine Notoperation, für die Maxie Fields zahlt.

Danny erfährt von den lebensgefährlichen Verletzungen seines Vaters im Krankenhaus

Das hat seinen Preis. Danny sieht sich gezwungen, die Kosten für die Operation abzuzahlen, indem er das King Creole – und damit auch seinen künftigen Schwager LeGrand – verlässt, um in Fields Lokal auf der Bourbon Street zu singen.

Jetzt hat Fields Danny in der Hand – und der fügt sich, wenn nur der Vater nichts von den wahren Zusammenhängen erfährt. Zur Katastrophe kommt es, als Vater Fisher Maxie Fields persönlich aufsucht, um ihn zu bitten, Danny aus dem Vertrag zu lassen, damit er wieder im King Creole singt und so die Zukunft von Tochter Mimi und ihrem künftigen Ehemann Charlie LeGrand sichert.

Dabei erfährt er von Fields die wahren Zusammenhänge. Das kann er Danny nicht verzeihen. Es kommt zum Bruch zwischen Vater und Sohn Fisher.

Danny versucht seinem Vater die Situation zu erklären – zu spät

“Ich hab’ das doch für dich getan”

Als Danny kurz darauf von Shark und seinen Kumpanen überfallen und selbst lebensgefährlich verletzt Unterschlupf bei seinem Vater sucht, verwehrt der ihm jede Hilfe. Es ist Ronnie, die Danny halb bewußtlos in den Straßen von New Orleans aufliest und damit wahrscheinlich das Leben rettet.

Ronnie bringt Danny zu ihrem Versteck, einem Bootshaus, wo sie sich vor Maxie Fields in Sicherheit glauben. Ronnie hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit dem jüngeren Danny. Fast sieht es aus, als könnte es ein Happy End, ein glückliches Ende, für das ungleiche Paar geben.

Nimm einen Tag aus Deinem Leben und liebe mich, Danny

Doch Ronnie und Danny werden von Fields in ihrem Versteck entdeckt – Ronnie wird erschossen.

In der Schlussszene des Films ist ein geläuterter Danny zu sehen, der in das King Creole zurückgekehrt ist, wo er As Long As I Have You singt. Als er an die Textstelle “Let’s think about the future, forget about the past” kommt, erkennt er am Rande des Publikums seinen Vater, der gekommen ist, um einen ersten Schritt hin zu einer Versöhnung zu machen.

Vater Fisher macht den ersten Schritt zu einer Versöhnung

Dass dies kein einfacher Weg für Vater uns Sohn wird, macht die Szene deutlich. Aber es ist ein Anfang. Und auch mit Nellie ist ein Happy End offen. Danny macht deutlich, dass er Zeit braucht, um das Erlebte zu verarbeiten. Damit endet King Creole wesentlich weniger konventionell als Rebel Without A Cause mit James Dean in der Hauptrolle.

Dannys Rebellion gegen seinen Vater ist beendet. Dennoch wird er weiter seinen eigenen Weg gehen, auch wenn er schmerzlich erfahren hat, dass er u. U. einen hohen Preis dafür zahlen muss.

Man kann Danny Fisher in King Creole (1958) und Jim Stark in Rebel Without A Cause (1955) also tatsächlich als Rebellen bezeichnen, auch wenn sie nicht gegen soziale Misstände rebellieren. Ihr Aufbegehren ist stark persönlicher Natur und richtet sich gegen die Situation in der eigenen Familie.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Jim Stark und Danny Fisher besteht darin, dass Jim am Ende des Films in die konventionelle Rolle des Mannes als Versorger und Familienvater findet, Danny nicht.

Das Happy End von Denn sie wissen nicht, was sie tun lässt darauf schließen, dass Jim seine Judy heiraten und bald einen respektablen Job haben wird, im Falle von Danny ist das Ende mit Nelly völlig offen, seine Zukunft als Musiker (ohne Schulabschluss) jedoch gewiss.

Trotz der angedeuteten Versöhnung mit dem Vater in King Creole/Mein Leben ist der Rhythmus wird Danny weiter seinen Weg gehen.


Serie Elvis in King Creole (1958)

Teil 1: Buchtipp King Creole Frame by Frame
Teil 2: Elvis, James Dean, Momism und das Hollywoodkino der 1950er
Teil 3: Rebel with a cause: Danny Fisher und Jim Stark
Teil 4: Elvy! King of Rock ‘n’ Roll trifft Meisterregisseur Michael Curtiz
Teil 5: King Creole – Soundtrack de Luxe

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.