If you’re looking for trouble: Der Vater-Sohn-Konflikt in King Creole

Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis Presley, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

“I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.”

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

Nach dem Überfall, bei dem er die liebenswert-naive Verkäuferin Nellie (Dolores Hart) kennenlernt, die sich Hals über Kopf in den “bad boy” verknallt, gerät Danny mit Gangsterboss Maxie Fields aneinander, in dessen Kneipe er als Kellner jobbt.

Fields gefällt gar nicht, dass Freundin Ronnie offenbar Gefallen an Danny gefunden hat. Er setzt alles daran, Danny zu demütigen. Doch der Versuch, Danny mit der spontanen Aufforderung zu singen, vor allen lächerlich zu machen, misslingt.

Zu Fields Überraschung ist Danny ein voller Erfolg und erhält anschließend sogar ein Angebot von Charlie LeGrand (Paul Stewart), dem Besitzer des Lokals King Creole, bei ihm zu singen. Der Erfolg führt zum Umdenken bei Danny.

Er versucht einmal mehr, sich von der Truppe um Shark loszusagen, und lässt auch von seinem Vorhaben ab, die unbedarfte Nellie in einem Hotel zu verführen. Stattdessen hilft er seinem Vater, der einen neuen Job in einer Apotheke gefunden hat, sich gegen seinen autoritären Chef durchzusetzen.

Danny hilft seinem Vater, sich gegen den neuen Chef durchzusetzen.

Jetzt könnte alles gut werden, doch Danny hat sich schon zu sehr verstrickt in das Umfeld Maxie Fields. Und das lässt ihn jetzt nicht mehr los. Sein bisheriges Verhalten hat Ereignisse in Gang gesetzt, die er nicht mehr kontrollieren kann. Shark weiß von der Situation von Dannys Vater in der Apotheke und hat zudem den Auftrag von seinem Boss Fields, Danny in eine Situation zu bringen, die ihn Maxie Fields ausliefert.

Also versuchen Shark und seine Truppe mit Dannys Einverständnis, den Chef von Vater Fisher ausrauben. Danny erkennt seinen Fehler und versucht, den Überfall in letzter Sekunde doch noch zu verhindern…

Danny versucht den Raub zu verhindern – vergeblich

… aber er kommt zu spät. Es soll noch schlimmer kommen: Statt des Apothekers bringt an diesem regnerischen Abend Vater Fisher die Tageseinnahmen zur Bank, wird anstelle seines Chefs von Shark und seinen Kumpanen überfallen und dabei lebensgefährlich verletzt. Retten kann ihn nur eine Notoperation, für die Maxie Fields zahlt.

Danny erfährt von den lebensgefährlichen Verletzungen seines Vaters im Krankenhaus

Das hat seinen Preis. Danny sieht sich gezwungen, die Kosten für die Operation abzuzahlen, indem er das King Creole – und damit auch seinen künftigen Schwager LeGrand – verlässt, um in Fields Lokal auf der Bourbon Street zu singen.

Jetzt hat Fields Danny in der Hand – und der fügt sich, wenn nur der Vater nichts von den wahren Zusammenhängen erfährt. Zur Katastrophe kommt es, als Vater Fisher Maxie Fields persönlich aufsucht, um ihn zu bitten, Danny aus dem Vertrag zu lassen, damit er wieder im King Creole singt und so die Zukunft von Tochter Mimi und ihrem künftigen Ehemann Charlie LeGrand sichert.

Dabei erfährt er von Fields die wahren Zusammenhänge. Das kann er Danny nicht verzeihen. Es kommt zum Bruch zwischen Vater und Sohn Fisher.

Danny versucht seinem Vater die Situation zu erklären – zu spät

“Ich hab’ das doch für dich getan”

Als Danny kurz darauf von Shark und seinen Kumpanen überfallen und selbst lebensgefährlich verletzt Unterschlupf bei seinem Vater sucht, verwehrt der ihm jede Hilfe. Es ist Ronnie, die Danny halb bewußtlos in den Straßen von New Orleans aufliest und damit wahrscheinlich das Leben rettet.

Ronnie bringt Danny zu ihrem Versteck, einem Bootshaus, wo sie sich vor Maxie Fields in Sicherheit glauben. Ronnie hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit dem jüngeren Danny. Fast sieht es aus, als könnte es ein Happy End, ein glückliches Ende, für das ungleiche Paar geben.

Nimm einen Tag aus Deinem Leben und liebe mich, Danny

Doch Ronnie und Danny werden von Fields in ihrem Versteck entdeckt – Ronnie wird erschossen.

In der Schlussszene des Films ist ein geläuterter Danny zu sehen, der in das King Creole zurückgekehrt ist, wo er As Long As I Have You singt. Als er an die Textstelle “Let’s think about the future, forget about the past” kommt, erkennt er am Rande des Publikums seinen Vater, der gekommen ist, um einen ersten Schritt hin zu einer Versöhnung zu machen.

Vater Fisher macht den ersten Schritt zu einer Versöhnung

Dass dies kein einfacher Weg für Vater uns Sohn wird, macht die Szene deutlich. Aber es ist ein Anfang. Und auch mit Nellie ist ein Happy End offen. Danny macht deutlich, dass er Zeit braucht, um das Erlebte zu verarbeiten. Damit endet King Creole wesentlich weniger konventionell als Rebel Without A Cause mit James Dean in der Hauptrolle.

Dannys Rebellion gegen seinen Vater ist beendet. Dennoch wird er weiter seinen eigenen Weg gehen, auch wenn er schmerzlich erfahren hat, dass er u. U. einen hohen Preis dafür zahlen muss.


Serie Elvis in King Creole (1958)

Teil 1: Buchtipp King Creole Frame by Frame
Teil 2: Elvis, James Dean, James Dean als Jim Stark und Elvis Presley als Danny Fisher
Teil 3: If you’re looking for trouble: Der Vater-Sohn-Konflikt in King Creole
Teil 4: Elvy! King of Rock ‘n’ Roll trifft Meisterregisseur Michael Curtiz (in Arbeit)
Teil 5: King Creole – Soundtrack de Luxe (in Arbeit)

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