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Elvis Presley hat mehr als 1 Milliarde Tonträger weltweit verkauft, so heißt es. Diese monströse Zahl ist seit Jahrzehnten in Umlauf, sie gilt als gesetzt. Erst kürzlich spielte sie bei der posthumen Verleihung der Freiheitsmedaille des amerikanischen Präsisdenten Donald Trump an Elvis Presley eine Rolle in der Laudatio. Aber lässt sich die Milliarde auch faktisch belegen… oder widerlegen?

Elvis Presley hat gut lachen, denn er gilt als Megaseller der Musikgeschichte. Ob er tatsächlich 1 Milliarde Tonträger verkauft hat, darf allerdings bezweifelt werden.

Elvis‘ Plattenlabel RCA – heute unter dem Dach von Riese Sony zuhause – dürfte kaum ein Interesse an der Veröffentlichung ungeschminkter Verkaufszahlen haben, so viel ist sicher. Wer lässt sich schon gerne in die Karten schauen? Schließlich wurden und werden dort wie in der Branche üblich hohe Verkaufszahlen seit Jahrzehnten gerne für Marketingzwecke eingesetzt. Frei nach dem Grundsatz, dass ein bisschen Hype auch den Großen der Branche nicht schaden kann – zu viel Transparenz hingegen schon.

Fairerweise muss man sagen, dass Sony den Milliarden-Hype im Falle von Elvis wohl in erster Linie geerbt hat: Die Milliarde soll auf einen ehemaligen Produktmanager zurückgehen, der – bevor Elvis‘ langjähriges Plattenlabel RCA zu Sony gehörte – die Zahl offensichtlich in Umlauf gebracht hat, ohne sie je näher zu erläutern. Seitdem – und das ist schon ein gutes Weilchen her – steht die Milliarde sozusagen im Raum. Wie Elvis selbst ist sie einfach nicht tot zu kriegen.

Dabei spricht längst einiges dafür, dass die Angaben zu Elvis‘ Tonträgerverkäufen ähnlich wie die sagenumwobene Einschaltquote von angeblich mehr als 1 Milliarde Fernsehzuschauern für das 1973 via Satellit übertragene TV-Konzert Elvis Aloha From Hawaii vor allem auf Hochrechnungen und der Annahme beruht, dass der King schon aufgrund seines globalen Bekanntheitsgrades einfach ein Megaseller sein muss.

Der Unbedarfte sagt sich jetzt: Das zu recherchieren, kann nicht so schwierig sein: Ein Blick auf die Alben, die er veröffentlicht hat, dazu die Zertifizierungen der Recording Industry Association of America (R.I.A.A.) und die von Nielsen Soundscan erfassten Verkäufe, das müsste doch zumindest einen ersten Anhaltspunkt bringen. Guter Plan, aber leider ist es nicht ganz so einfach.

Die R.I.A.A. erfasst nämlich nur die Verkäufe in den USA (der Rest der Welt fehlt) – und das auch noch nach einem System, das Spielraum für Interpretationen lässt. Nielsen Soundscan startete 1991 mit seinen Erhebungen, da war Elvis Presley, der seine erste Single 1954 veröffentlichte, schon 14 Jahre tot. Und dazu kommt noch die Mutter aller Probleme, nämlich die unübersichtliche Diskografie Elvis Presleys mit einer Vielzahl von Kompilationen über Jahrzehnte hinweg.

In den letzten Jahren sind auch noch Downloads und Streamings dazu gekommen. Die meisten Leute verlieren schon nach einem kurzen Blick auf das Chaos spontan die Lust auf weitere Recherchen und legen stattdessen lieber gleich einen bekannten Elvis-Klassiker auf. Nicht die schlechteste Idee.

Die Chartmasters kommen

Wer sich davon nicht hat abschrecken lassen, ist eine kleine Gruppe von Musikstatistik-Enthusiasten um den französischen Informatiker Guillaume Vieira, die auf der englischsprachigen Website Chartmasters.org neben vielen anderen Informationen die Verkaufszahlen von Musikgrößen der Vergangenheit und Gegenwart über die vorhandenen physischen und digitalen Musikformate hinweg unter die Lupe nehmen.

Dafür nutzen sie ein eigens dafür entwickelten System, das sie Commensurate Sales to Popularity Concept (CSPC) nennen. CSPC dient dazu, die Verkäufe von verschiedenen analogen und digitalen Musikformaten vergleichbar zu machen, indem sie in „equivalent album sales“ (EAS), also äquivalente Albumverkäufe, umgerechnet werden. Zum „Umrechnungskurs“ siehe Legende zur Tabelle weiter unten.

In 2018 war die Evaluation von Elvis Presleys musikalischem Output zu Lebzeiten und posthum dran – ein monatelanges Unterfangen, dass das Chartmasters-Team laut Vieira an den Rand seiner Kapazitäten brachte. Herausgekommen ist dabei eine hochinteressante, wenn auch teilweise sehr komplexe und überraschende Analyse der Verkaufszahlen des King, die nicht fangetrieben ist und auch nicht in erster Linie darum kreist, ob der King nun die 1 Milliarde geknackt hat oder nicht.

Allerdings hat sich das Team unter Führung von Vieira schon mit den Hochrechnungen diverser Autoren der Elvis-Szene befasst und die Mechanismen, mit denen die Milliarde zu beweisen versucht wird, kritisch hinterfragt.

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Seit Eugene Jareckis Dokumentation The King – Mit Elvis durch Amerika (ursprünglicher Titel Promised Land, 2017) in den Kinos angelaufen ist und damit einem breiteren Publikum bekannt wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis Elvis im Wahlkampf Donald Trumps eine Rolle spielen würde. Schließlich geht es in der Dokumentation um die gesellschaftliche Spaltung und den Niedergang Amerikas.

Der American Dream, so Jareckis Dokumentation, habe sich längst zu einem Albtraum erster Güte entwickelt, was letztlich in die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika mündete. Elvis‘ Lebensgeschichte wird in The King – Mit Elvis durch Amerika als Metapher für den verlorenen American Dream präsentiert.

Kann es da ein Zufall sein, dass die Trump-Administration ausgerechnet jetzt im November 2018 – fast zeitgleich mit den sogenannten „midterm elections“, bei denen Trumps Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten abtreten mussten – einen Gegenpol setzt, indem sie ausgerechnet Elvis Presley posthum mit einer der höchsten Auszeichnungen ehrt, die der amerikanische Präsident zu vergeben hat?

Elvis trifft Trump: Ein Elvis-Fan auf einer Wahlkampfveranstaltung Donald Trumps 2016

Wie gestern bekannt wurde, wird Donald Trump erstmals am 16. November 2018 die „Presidential Medal of Freedom“ an sieben herausragende Persönlichkeiten vergeben, die einen besonderen Beitrag etwa zur Sicherheit und den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten, zum Frieden in der Welt oder zur Kultur des Landes geleistet haben.

Elvis Presley ist 41 Jahre nach seinem Tod einer der sieben Empfänger der Freiheitsmedaille des Präsidenten 2018.

Die Presidential Medal of Freedom, die in der aktuellen Form von Präsident John F. Kennedy 1963 ins Leben gerufen wurde, ist zusammen mit der vom amerikanischen Kongress vergebenen Congressional Gold Medal, die höchste Auszeichnung der U.S.-Regierung an einen ihrer Bürger – und sie kann auch posthum vergeben werden.

Gehört zu den höchsten Ehrungen eines amerikanischen Bürgers und wird vom Präsidenten persönlich vergeben: Presidential Medal of Freedom

Von den 40 Musikern – die Medaille wird in verschiedenen Kategorien vergeben – ist Elvis Presley erst die dritte Musiker-Persönlichkeit nach Count Basie (1985) und Meredith Wilson (1987), die diese hohe Auszeichnung posthum erhält.

Basie und Wilson wurden ihre Medaillen durch den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan verliehen, der während seiner Amtszeit mehr als 100 Personen mit der Medaille bedachte, darunter 10 Musiker. Er wird übertroffen einzig von Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama, auf dessen Konto mit mehr als 120 bislang die meisten Presidential Medals of Freedom gehen, davon 13 an Musiker, etwa Stevie Wonder, Bob Dylan, Barbra Streisand und Bruce Springsteen.

Vorgeschlagen werden dem Präsidenten auszuzeichnende Persönlichkeiten übrigens durch das speziell hierfür ins Leben gerufene sogenannte „Distinguished Civilian Service Awards Board“. Man darf davon ausgehen, im Komitee wird dem Volk durchaus aufs Maul geschaut.

Wie die Auszeichung Elvis Presleys begründet wird?

“Elvis Presley defined American culture to billions of adoring fans around the world. Elvis fused gospel, country, and rhythm and blues to create a sound all his own, selling more than a billion records. Elvis also served nearly 2 years in the United States Army, humbly accepting the call to serve despite his fame. He later starred in 31 films, drew record-breaking audiences to his shows, sent television ratings soaring, and earned 14 Grammy Award nominations. He ultimately won 3 Grammy Awards for his gospel music. Elvis Presley remains an enduring American icon four decades after his death.”

Pressestelle des Weißen Hauses zur Ehrung Elvis Presleys 2018

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1956 wurde Elvis Presley zum gefeierten Idol von Millionen weltweit – und blieb dabei vor allem eins: selbst ein Fan. Neben den vielen Musikern unterschiedlicher Genres, die der King verehrte (I just loved music, all type of music“), galt seine ganz große Liebe dem Kino und den Kinohelden seiner Zeit.

Träumer Elvis bei den Dreharbeiten zu seinem 4. Hollywoodfilm King Creole (1958)

Früh träumte der junge Elvis, der während seiner High School-Jahre als Platzanweiser in Loew’s State Theater in Memphis jobbte, davon, selbst einmal zu den Helden der großen Leinwand zu gehören, wie er in seiner Dankesrede zur Verleihung des Jaycee-Awards 1971 verriet:

„When I was a child, ladies and gentlemen, I was a dreamer. I read comic books, and I was the hero of the comic book. I saw movies, and I was the hero in the movie. So every dream that I ever dreamed, has come true a hundred times.“

Elvis Presley bei der Preisverleihung der „Ten Outstanding Young Men Of The Nation“ 1971

Einer der Leinwandhelden, die der junge Elvis verehrte, war James Dean (1931-1955). Vor allem James Dean in der Rolle des jugendlichen Rebellen Jim Stark aus Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955).

Es war diese Rolle, die den 24-jährigen Dean, der am 30. September 1955 – nur paar Wochen vor der Kinopremiere des Films – bei einem Autounfall ums Leben kam, zum unsterblichen Jugendidol machte.

James Dean im Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

Zu diesem Zeitpunkt konnte Elvis noch nicht ahnen, dass er selbst nur wenige Monate später als singende Fortsetzung James Deans in den Fokus Hollywoods rücken sollte.

Schon im Januar 1956 wurde Hollywood-Produzent Hal B. Wallis (alias Aaron Blum Wolowicz, 1898-1986), der sehr erfolgreich für Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount Pictures arbeitete, auf Elvis Presley aufmerksam, als der einen seiner ersten Auftritte im amerikanischen Fernsehen, nämlich in der Jimmy und Tommy Dorsey Show, hatte.

Wallis war nach eigener Aussage (vgl. Wallis Autobiografie Starmaker, 1980) sofort elektrifiziert von Ausstrahlung des jungen Musikers und wollte ihn unbedingt für Hollywood verpflichten, was nach einem erfolgreichen Screentest im März 1956 und Verhandlungen mit Elvis‘ Manager Colonel Tom Parker auch gelang.

Bei den Dreharbeiten zu King Creole: Produzent Hal Wallis (Mitte), Regisseur Michael Curtiz und Elvis Presley im Gespräch

Laut Wallis hatte Elvis das gewisse Etwas, das ihn an den jungen Errol Flynn – Leinwandidol der 1930er und 40er Jahre – erinnerte, und er passte mit seinem wilden Musikstil und Aussehen sehr gut in die neue Riege der jungen Hollywood-Rebellen, zu denen Marlon Brando (1924-2004) wegen seiner Rolle im Kultfilm The Wilde One (Der Wilde, 1953) ebenso zählte wie James Dean.

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Wie in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) wird die Handlung in Elvis Presleys Film King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958) ganz wesentlich von einem Vater-Sohn-Konflikt bestimmt. Der 19-jährige Danny Fisher, gespielt von Elvis, ist hin und hergerissen zwischen Zuneigung und Verachtung für seinen Vater.

Als Danny Fisher hat Elvis viel Stress mit seinem Vater

Vater Fisher (Dean Jagger) hat den Unfalltod seiner Frau, die offensichtlich eine zentrale Rolle im Familienleben spielte, nicht verkraftet und schafft es auch drei Jahre nach dem tragischen Ereignis nicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, obwohl er als studierter Apotheker gut ausgebildet ist. Das hat den sozialen Abstieg der Familie zur Folge: Die Fishers verlieren ihre Apotheke und das Haus in einem Vorort von New Orleans.

Als die Handlung einsetzt, sind Danny, der gerade den zweiten Anlauf zu seinem High-School-Abschluss macht, und seine ältere Schwester Mimi schon seit einiger Zeit für den Lebensunterhalt der dreiköpfigen Familie verantwortlich. Danny jobbt vor und nach der Schule, um zum Einkommen der Fishers beizutragen.

Längst ist die Familie vom schicken Eigenheim im Vorort von New Orleans in eine Wohnung in der Bourbon Street umgesiedelt. Hier hat Danny sich zwar akklimatisiert – er ist mit seiner neuen Umgebung bestens vertraut, wie die berühmte Anfangsszene des Films nahelegt…

… aber zufrieden ist er mit seiner Situation dennoch nicht. Ständig hat er Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der unbedingt möchte, dass er seinen Schulabschluss macht, damit einmal etwas aus ihm wird. Danny sieht nicht ein, wozu er einen Schulabschluss braucht, ist der Vater für ihn doch das beste Beispiel dafür, dass dies keine Garantie für Erfolg im Leben ist.

Danny hält den Vater für ein Weichei, das sich alles gefallen lässt. Als Familienoberhaupt und als Rollenvorbild hat Vater Fisher in Dannys Augen versagt. Das sagt er dem Vater ins Gesicht, der betroffen zuhört, aber nicht weiß, was er seinem Sohn entgegensetzen soll.

„I’m not going back to school. […] I stopped listening to you. Pop, when I was just three feet high you took me to the circus. You accidentally bumped into a guy and he turned around and punched you. He punched you right in the mouth. And you know what you did? Nothing. NOTHING! When they swing at you, Pop, it’s not enough to duck, you gotta swing back. Maybe you can’t anymore, but I’m not taking after you. You got to school, I’m going out and make a buck.“

Elvis als Danny Fisher in King Creole

Und hier ist auch schon der erste entscheidende Unterschied zwischen Danny und seinem Pendant Jim Stark aus Rebel Without A Cause. Danny versucht nicht wie Jim in einem emotionalen Kraftakt vom Vater einen Rat zu bekommen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll. Danny hat sich längst für seinen eigenen Weg entschieden. Soll doch der Vater zur Schule gehen, er verdient dafür das Geld.

Dass Danny vom Wegducken nichts hält, wird einmal mehr deutlich, als er bei seinem Morgenjob in einer Kneipe auf die Kumpane des lokalen Gangsterbosses Maxie Fields (gespielt von Walter Matthau) und dessen Freundin Ronnie (Carolyn Jones) trifft. Wird Danny provoziert, dann gibt er nicht wie Vater Fisher klein bei. Er wehrt sich – und tritt dabei auch ohne zu zögern für andere ein, in diesem Fall für die ihm bis dahin unbekannte Ronnie.

Die Begegnung mit dem Umfeld von Maxie Fields hat Folgen für Danny. Wegen ungebührlichen Verhaltens fällt er ein zweites Mal beim Schulabschluss durch. Zum Schuldirektor gerufen, der ihm auf den Kopf zusagt, er trüge alle Zeichen eines Kriminellen, erklärt Danny seine Sicht und bringt auch den Konflikt mit dem Vater zur Sprache. Nur weil er sich nicht wie sein Vater alles gefallen lässt, ist er noch lange kein Krimineller.

Anders als James Dean in der Rolle des Jim Stark kann Danny sein Problem von Anfang an klar benennen, er tritt selbstsicher auf, was seine Wirkung auf den Direktor nicht verfehlt.

In dem Schuldirektor findet Danny – wie Jim Stark in Jugendarbeiter Ray – einen verständnisvollen Zuhörer, der sich anschließend auch für ihn einsetzt, indem er den Vater in die Schule zitiert. An dieser Stelle des Films wird der Zusammmenhang zwischen schwierigem Familienumfeld mit einem in seiner Rolle überfordertem Vater und Jugendkriminaliät etabliert. Schuld sind nicht die Jugendlichen – die Eltern sind die Ursache des Problems.

Danny scheint auf einem guten Weg. Als eine Gruppe von gleichaltrigen Jungs, die für Maxie Fields arbeiten, ihn – ähnlich wie das bei Jim Stark in Rebel Without A Cause der Fall ist – zum Kampf herausfordern, geht er dem Konflikt typischerweise nicht aus dem Weg, lehnt aber das Angebot von Anführer Shark ab, bei einem Raub gemeinsame Sache zu machen.

Doch als es zu einem erneuten Streit mit dem Vater kommt, entschließt sich Danny spontan, doch noch mit Shark und seiner Truppe das örtliche Warenhaus auszurauben. Sein Part dabei ist, Verkäufer und Käufer mit einer Gesangsnummer abzulenken.

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Geht es um die Ikonen der 1950er Jahre, dann werden Elvis Presley und James Dean immer noch gerne in einem Atemzug genannt. Beide gelten als Repräsentanten der Jugendrebellion gegen die spießige Elterngeneration der Nachkriegszeit. Ein Image, das ganz wesentlich durch das Kino Hollywoods geprägt wurde.

Zwei Filmrollen bieten sich vor diesem Hintergrund für einen direkten Vergleich an: James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955) und Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus, 1958).

James Dean als Jim Stark in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) 1955

 

Elvis Presley als Danny Fisher in King Creole (Mein Leben ist der Rhythmus) 1958

Die Handlung beider Filme zeigt deutliche Bezüge zur Theorie des Momisms, die vor allem nach Veröffentlichung von Philip Wylies Buch Generation of Vipers (Generation von Vipern, 1943) in den USA sehr verbreitet war. Unter Momism verstand man die Dominanz der Mutter (nach Wylie „die Viper“) in der Familie, was – so glaubte man – negative Auswirkungen vor allem auf die von ihren Muttis „verzärtelten“ Söhne hatte, die in ihren willensschwachen, von der Mutter dominierten Vätern keine männlichen Rollenvorbilder fanden. In dieser Entwicklung sah man die Gefahr einer Schwächung der gesamten amerikanischen Gesellschaft.

Die gesellschaftskritische Momism-Theorie wirkte sich auch auf die Darstellung männlicher Rollenbilder im Film aus, wie in Rebel Without A Cause und King Creole zu sehen ist. Im Zentrum beider Filme steht ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich aus der Familienkonstellation ergibt und wesentlich die Handlung treibt.

Sowohl Jim Stark als auch Danny Fisher rebellieren gegen die Dynamik in ihren Familien, vor allem aber gegen ihre Väter. Auf den ersten Blick erscheint ihre Rebellion grundlos (without a cause), aber ist sie es auch? Und wie rebellisch war diese Rebellion überhaupt?

Jim Stark: Wann ist ein Mann ein Mann?

Geht es um den Film Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun, 1955), dann wird häufig auf die gleichnamige Buchveröffentlichung von Robert Lindner aus dem Jahr 1944 verwiesen. Dabei hat die zunächst einmal wenig mit dem Drehbuch des Films zu tun.

Der Untertitel des Buchs gibt Aufschluss, worum es darin geht: The Story of A Criminal Psychopath (Geschichte eines kriminellen Psychopathen). Lindner beschreibt in seinem vielbeachteten Rebel Without A Cause die Psychoanalysesitzungen eines jugendlichen Straftäters, dessen Kindheit in einem schwierigen familiären Umfeld zu psychischen Problemen und letztlich in die Kriminalität führte.

Zwar wird der Schüler Jim Stark, im dem nach Lindners Buch benannten Film gespielt von James Dean, nicht als krimineller Psychopath geschildert, aber die schwierigen familiären Verhältnisse von Jim Stark und seinen beiden Mitstreitern Judy (gespielt von Natalie Wood) und Plato (Sal Mineo) sind auch hier der Katalysator für die tragischen Ereignisse, die im Film geschildert werden. Das ist schon in der Eröffnungsszene von Rebel Without A Cause erkennbar.

Der Schüler Jim wird betrunken nachts auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und zum Revier gebracht, wo ihn seine Eltern und seine Großmutter abholen. Vorher trifft er im Wartebereich des Reviers auf Jugendarbeiter Ray und zwei weitere Jugendliche, die hübsche 16-jährige Judy (Nathalie Wood) und den etwa gleichaltrigen, aber noch sehr kindlich wirkenden Plato (Sal Mineo). Wie Jim wurden sie ebenfalls in dieser Nacht aufgegriffen.

Alle drei sind Vorstadtkinder, die aus offensichtlich gutsituierten Familien kommen. Dennoch sind sie – und das offensichtlich nicht zum ersten Mal – verhaltensauffällig. Als Jims Familie im Revier entrifft, wird sofort deutlich, wo das Problem in seinem Fall liegt.

Die Eltern streiten unentwegt, der Vater kann sich nicht gegen seine Frau und die Schwiegermutter durchsetzen. Zwar scheinen die Eltern ihren Sohn zu lieben und nur das Beste für ihn zu wollen, aber ihre Zuneigung wird von Jim als oberflächlich empfunden.

Besonders die Tatsache, dass seine Mutter ständig auf seinem Vater herumhakt, und der sich das gefallen lässt, ist für Jim unerträglich. Wenn sein Vater sich doch nur einmal gegen die Mutter durchsetzen würde – notfalls mit Gewalt:

„If he had the guts to knock Mom cold once, then maybe she’d be happy and then she’d stop pickin‘ on him, because they make mush out of him. […] How can a guy grow up in a circus like that?“

Jim Stark in Rebel Without A Cause

Jim beklagt sich bei Jugendarbeiter Ray, dass sein Vater vor allem sein Kumpel sein wolle, dabei wünscht er sich verzweifelt ein Rollenvorbild, zu dem er aufschauen, das er respektieren kann:

„It’s a zoo. He always wants to be my pal, you know? But how can I give him anything? If he’s well, I mean I love him and all that type of stuff, and I – I mean, i don’t want to hurt him. But then, I don’t, I don’t, I don’t, well I don’t know what to do anymore, except maybe die.“

Als Jugendarbeiter Ray Jim fragt, wieso die Familie dauernd umzieht, erklärt Jim, dass es immer an den Schwierigkeiten liegt, in die er sich bringt. Das letzte Mal habe er einen Jungen verprügelt, der ihn „chicken“, einen Feigling, nannte. Das erträgt Jim nicht, denn auf keinen Fall will er sich wie sein Vater alles gefallen lassen, lieber schlägt er zu.

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Gute Freunde holt man vom Bahnhof ab, wenn sie eine lange Reise hinter sich haben. Das dachte sich wohl auch Superfan Claus-Kurt Ilge, als GI Elvis Presley am 1. Oktober 1958 mit dem Truppentransporter aus Bremerhaven in Friedberg eintraf, wo er von Oktober 1958 bis Anfang März 1960 in den Ray Barracks der US Army stationiert war.

1. Oktober 1958: Elvis Presley steigt aus dem Truppentransporter an der Verladerampe der Friedberger Kaserne Ray Barracks – Foto: Schüssler

Falsch geschrieben, aber trotzdem herzlich: Willkommensgruß für Elvis Presley auf dem Militärzug nach Friedberg

Ein Star zum Anfassen: Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Superstar-GI Elvis Presley (links) in Deutschland

Und hier ist Claus-Kurt Ilges → Geschichte von seinem persönlichen „E-Day“, dem 1. Oktober 1958. Viel Spaß damit.

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Sehr klar und puristisch, begleitet allein vom Klang der Ukulele, scheint Stefanie Taubers Stimme durch den spärlich beleuchteten Saal des Programmkinos Harmonie geradezu zu schweben. Es ist der 16. August 2018, Elvis Presleys 41. Todestag. In der Harmonie in Frankfurt-Sachsenhausen steht an diesem Abend – wie in vielen Kinos deutschlandweit – Elvis auf dem Programm.

  • Stefanie Tauber mit Elvis und ihrer Ukulele - Foto: To Kühne

Das ’68 Comeback Special feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag mit einer Special-Edition der legendären TV-Show, die nun auch auf der großen Kinoleinwand zu sehen ist. Doch bevor der King in der Harmonie seine überlebensgroße Magie entfaltet, kommt erst einmal Stefanie Tauber alias Preslisa im Vorprogramm des Kinoabends zum Zuge, und zwar mit ihrer ganz individuellen Interpretation von Songs aus Elvis‘ umfangreichen Filmrepertoire.

Wie? Elvis‘ Filmssongs ausgerechnet im Vorprogramm des legendären ’68 Comeback Specials? Was wie ein Widerspruch erscheint – schließlich läutete das ’68 Comeback Special das wohltuende Ende von Elvis‘ Hollywoodkarriere mit Soundtrackalben in Endlosschleife ein -, ist ein gelungener Kunstgriff.

Denn Taubers Interpretation von Liedern wie I Want To Be Free aus dem Film Jailhouse Rock (1957), Wooden Heart aus G.I. Blues (1960), Forget Me Never (aufgenommen für Wild In The Country, 1961) sowie Song Of A Shrimp (Girls, Girls, Girls, 1962), die es an diesem Abend zu hören gibt, werfen ein ganz eigenes Licht darauf, worin bei aller Skurrilität die Faszination der vielfach belächelten und dennoch beliebten Filmsongs liegt.

Preslisas Forget Me Never – Audio vom Album Back in Bornheim

The Memphis Flash hat Stefanie Tauber alias Preslisa vor ihrem Auftritt im Programmkino Harmonie interviewt.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Stefanie, warum ausgerechnet Elvis? Wie kam es zu Deiner Faszination für den King, die dazu geführt hat, dass Du ihm als Preslisa ein musikalisches Soloprogramm widmest und mit Back in Bornheim, Aloha From Neukölln, Preslisa Live gleich mehrere Alben mit seinen Songs veröffentlicht hast?

Stefanie Tauber: Das ist erst einmal so eine einfache Frage, wie es scheint, aber ich könnte Dir da stundenlang drauf antworten. Vielleicht fang‘ ich am besten bei meinem Schlüsselerlebnis an. Ich hab‘ Elvis beim Durchwühlen der Plattensammlung meiner Eltern entdeckt.

The Memphis Flash: Das war 1984?

Stefanie Tauber: Ja, ich war damals acht. Besonders hatten es mir die „kleinen Schallplatten“ angetan, von denen ich noch nicht wusste, dass sie Singles heißen. Von denen gab es einen kleinen Stapel, teilweise mit Hülle, teilweise ohne. Und ich bin an diesem einen Gesicht hängengeblieben. Da stand überall Elvis drauf. Und es klingt vielleicht komisch, aber ich weiß noch genau, was ich damals gedacht habe: Wie kann ein Mann nur so schön sein!

The Memphis Flash: Die Optik hat Dein Interesse also sozusagen getriggert?

Stefanie Tauber: Genau. Dann wollte ich natürlich auch wissen, wer das ist. Mein Vater hat gleich abgewinkt, aber meine Mutter hat es mir bereitwillig erklärt. Zuerst war ich traurig, weil sie mir erzählte, dass Elvis schon gestorben war. Aber ich habe die „kleinen Schallplatten“ trotzdem aufgelegt und damit begann meine eigentliche Faszination, die bis heute anhält: die Begeisterung für diese Stimme. Die Stimme ist das, was das Phänomen Elvis für mich heute in erster Linie ausmacht.

The Memphis Flash: Weißt Du noch, welche Songs Du als erstes gehört hast?

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Als Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe am Morgen des 17. Mai 1968 das Büro von Elvis Presleys Manager Colonel Tom Parker verließen (→ siehe dazu Teil 1 der Serie), waren sie sich keineswegs sicher, ob sie die soeben besprochene TV-Sondersendung mit dem King tatsächlich realisieren wollten.

Immer noch der King oder ein Relikt aus den 1950ern? Elvis Presley im Frühsommer 1968.

Vor allem der 35-jährige Binder, der im Gegensatz zu seinem Partner Howe Elvis Presley bis zu diesem Zeitpunkt noch nie getroffen und folglich auch noch nicht mit ihm gearbeitet hatte, war skeptisch, ob ein Projekt mit dem „King of Rock ’n‘ Roll“, der für ihn vor allem ein Relikt aus den 1950ern war, wirklich ein kluger Karriereschritt war. Noch dazu schwebte Elvis‘ Manager eine Show mit Weihnachtsliedern vor, die auf wenig Begeisterung bei Regisseur und Musikproduzent stieß.

Binder hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen, wie er nur wenige Stunden später feststellen sollte. Als Elvis Presley am Nachmittag auf die Minute pünktlich in Binder und Howes Büro auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles eintraf, sah er nicht nur umwerfend und ganz und gar nicht wie ein Relikt der 1950er aus, sondern eroberte den skeptischen Regisseur im Sturm mit seiner Persönlichkeit. Wie Howe seinem Partner prophezeit hatte, waren er und der fast gleichaltrige Presley sofort auf einer Linie und wie selbstverständlich per Du.

Sofort auf einer Linie: Steve Binder und Elvis Presley 1968.

Nachdem Elvis seine Entourage – die berühmte Memphis Mafia –  im Vorzimmer des Binderschen Büros sich selbst überlassen hatte, kam es zu einem erstaunlich offenen 6-Augen-Gespräch zwischen ihm, Binder und Howe über das geplante TV-Special für NBC.

Binder fragte Elvis unumwunden, an welchem Punkt seine Karriere sich aus seiner Sicht aktuell wohl befände. Der King anwortete mit einer Gegenfrage: „Sag‘ Du es mir!“ „Ich sehe keine Karriere„, sagte Binder direkt, und verwies darauf, dass er als erfolgreicher TV-Produzent im Musikgeschäft schon ein paar Jahre lang keine Elvis-Songs mehr die Charts habe stürmen sehen. Er nehme außerdem an, dass die Idee des TV-Specials aufgekommen sei, weil die Hollywoodfilm-Deals auch nicht mehr so liefen.

Damit traf Binder den Nagel auf den sprichwörtlichen Kopf – und das machte Eindruck auf Elvis Presley. Binder sprach offen aus, was er selbst längst dachte. Daraufhin entspann sich ein Gespräch über die aktuelle Musikszene. Zu Binders Überraschung kannte der King sich bemerkenswert gut aus, war also nicht wie befürchtet in der Vergangenheit stecken geblieben.

Endgültig gebrochen war das Eis, als Elvis die Frage, ob er denn einen für damalige Verhältnisse sehr modernen, von Bones Howe inspirierten Song wie Jimmy Webb’s Mc Arthur Park selbst aufnehmen würde, sofort bejahte. Schauspieler Richard Harris hatte mit Mc Arthur Park im selben Jahr einen Nummer-1-Hit in den Billboard-Charts.

Keep it simple: Ganz einfach nur Elvis

Jetzt waren Binder und Howe überzeugt, dass es Elvis Presley nicht darum ging, sich auf dem Erfolg vergangener Tage auszuruhen. Das war also nicht das Problem. Aber es gab eins: Elvis hatte große Vorbehalte gegen das Medium TV an sich, denn er hatte es in der Vergangenheit als extrem einschränkend erlebt.

Wirklich er selbst, betonte er, sei er nur im Aufnahmestudio mit gutem Songmaterial, zu dem er einen emotionalen Bezug habe, und live auf der Bühne, wo er sich frei bewegen könne und nicht wie festgetackert vor dem Mikro stehen müsse. In den 1950ern hatte er sich in TV-Shows, wie etwa bei Steve Allen, wiedergefunden, die um den Gastgeber herum gebaut waren, der ihn mehr oder weniger nur als Quotentreiber vorführte und nur wenig eigenen Spielraum ließ.

Binder versicherte Elvis, dass sie das geplante Special völlig anders angehen würden. Es solle ihm passen wie ein maßgeschneiderter Anzug und daher auch nur für ihn und niemand anders als ihn funktionieren. JUST ELVIS – so der Arbeitstitel. Der gesamte Fokus solle auf Elvis Presley und seiner Musik liegen – keine anderen Gäste sollten davon ablenken. Sein Team wolle die perfekten Bilder zur Musik Elvis Presleys finden, damit er sich ganz auf seine Musik konzentrieren könne.

Und dennoch sei das TV-Special nicht ohne Risiko, so Binder zu Elvis. Sollte es trotz aller Bemühungen floppen, wäre es wohl vorbei mit seiner Karriere. Wäre es aber ein Erfolg, dann wäre der King aller Wahrscheinlichkeit zurück auf seinem Thron. Elvis Presley war bereit, das Risiko einzugehen. Von einem Weihnachtsspecial war dabei nicht die Rede.

Man vereinbarte unverzüglich ein zweites Treffen, bei dem Binder und Howe konkrete Ideen für die Sondersendung präsentieren wollten.

The Guitar Man’s Journey

Gleich nach diesem ersten Gespräch mit Elvis formierten Binder und Howe eine Brainstorming-Runde mit ihrem bewährten Produktionsteam. Dazu gehörten der Bühnenausstatter Gene McAvoy, die Choreografen Claude Thompson und Jaime Rogers, Gesangsarrangeur Earl Brown, Kostümdesigner Bill Belew, der in den 1970ern Elvis berühmte Jumpsuits kreiieren sollte, und die Drehbuchautoren Allan Blye und Chris Bearde. Letzterer ein mehrfacher Emmy-Gewinner, der auch für eine der Lieblings-Comedyserien Elvis Presleys schrieb: Rowan & Martin’s Laugh In (1968-1973).

Um die Idee von JUST ELVIS mit Leben zu füllen, besorgten sich Blye und Bearde so viel Song- und Filmmaterial von Elvis wie irgend möglich. Sie sollten die Basis bilden für das musikalische Drehbuch, das Elvis Presleys Leben sozusagen „in Musik“erzählen sollte. Ihre Grundidee leiteten Blye und Bearde dabei von dem Stück The Blue Bird des belgischen Dramatikers Maurice Materlinck ab. Im Stück geht es um Kinder, die ausziehen, um Glück und Wohlstand zu suchen, am Ende aber erkennen, dass das wahre Glück zu Hause liegt.

Schnell werden Blye und Bearde in Elvis‘ Songrepertoire auf den Song Guitar Man von Songwriter Jerry Reed aufmerksam, den Elvis 1967 aufgenommen, der aber wenig Resonanz in den Charts gefunden hatte.

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Als Elvis Presley im Sommer 1974 seine 11. Saison im großen Showroom des Hilton Hotels in Las Vegas absolvierte, kam es bei der Mitternachtsshow am 27. August zu einem unerfreulichen Zwischenfall. Und zwar gab es einen rassistischen Zwischenruf, der auf dem folgenden Audiomitschnitt ab 1:24 zu hören ist.

Elvis Presley im Showroom des Hilton Hotels in Las Vegas im August 1974 – Foto: Fashion For A King, Flaming Star / FTD Books 2011


Elvis über „white N.I.G.G.E.R.“ – FTD Elvis From Sunset To Vegas

Was hier zu hören ist, ist der leider nicht optimal zu verstehende rassistische Einwurf einer Frau aus dem Publikum, kurz bevor Elvis Presley zum Song It’s Now Or Never (alias O Sole Mio) überleiten möchte. Die Zwischenruferin sagt etwas wie: „damn nigger [you’re so full of yourself]„.

Elvis, der sich für Etymologie – also die Bedeutung und Geschichte von Wörtern – interessierte, nimmt diese Beleidigung spontan zum Anlass, seinem Publikum mit Verweis auf das Lexikon (Webster’s Dictionary) mal ganz genau zu erläutern, was N.I.G.G.E.R. eigentlich bedeutet, nämlich schlicht „lazy and shiftless“ (dt.: faul, träge).

Der King kontert den rassistischen Zwischenruf also mit einer neutralen Bedeutungsebene des Wortes, die sich so tatsächlich in älteren Ausgaben des Lexikons Webster findet, und folgert daraus entsprechend: „in that case there are white niggers, too / also gibt es auch weiße Nigger. Nigger ist also vor allem eine Frage der Einstellung und nicht der Hautfarbe.

Als Beleg für seine Erläuterung verweist er auf Charaktere in der wöchentlich ausgestrahlten amerikanischen TV-Serie Hee Haw (1969 – 1992). Gemessen am Applaus kommt diese Erläuterung beim Publikum durchaus gut an, womit die Sache für den Memphis Flash vorerst erledigt ist.

Welche Macht das „N-Wort“ selbst in einem positiven Kontext hat, zeigte sich 2009 als der oben beschriebene Mitschnitt auf der CD Elvis From Sunset To Las Vegas des Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) veröffentlicht wurde. Spontan gab es Beschwerden – von welcher Seite auch immer -, die dazu führten, dass FTD diese Sequenz nun nicht mehr auf der CD veröffentlicht.

Es kursieren also Versionen der Veröffentlichung mit und ohne diesen Mitschnitt (→ vielen Dank an Helmut Radermacher für diesen Hinweis) – davon abgesehen gibt’s das Ganze natürlich auch auf Bootlegs. Irgendwie sehr schade, dass es immer noch nicht ohne eingeforderte Zensur geht.

Dass Rassismus über den geschilderten Vorfall hinaus im August 1974 sehr präsent im Bewusstsein Elvis Presleys war, zeigt eine weitere Episode aus demselben Las Vegas-Engagement. Bei mehreren Konzerten erzählte Elvis seinem Publikum folgende Anekdote, die Bezug auf die Dekorationen des Showrooms nahm. Der war offensichtlich durch Wandgemälde, die Szenen aus dem 18. Jahrhundert zeigten, und barocken Putten geschmückt. Eine Steilvorlage für den King, um sein Weltbild zu transportieren:

„Richtet einen Strahler auf die Statuen an dieser Wand. O.k. Das ist schön. Ich habe keine Ahnung, was es ist, aber das ist schön. Tom Jones war neulich hier, und er kommt aus Wales. Ich fragte Tom, was das [Statue an der Wand des Showrooms] ist, und er sagte, dass es King Edward wäre. King George, tut mir Leid, entschuldigen Sie, Ihre Majestät. Nehmt jetzt den Strahler und richtet ihn auf diese Engel [an der Decke]. Schaut euch nur diese Kerle an, Junge. Große, fette Engel! [Jetzt] Richtet den Strahler auf diese Wand da drüben. Sie werden einen leichten Unterschied bemerken. Die ‚Kaukasier‘ unter Ihnen. Das ist es doch, oder? ‚Kaukasier‘? Das stand auf meiner Einberufung. Ich dachte, es würde ‚beschnitten‘ bedeuten! Jedenfalls, letzte Nacht kam ich gegen 4:40 morgens hier runter, mit ein paar Freunden, die für mich arbeiten, Jerry Schilling und Red West […] Jedenfalls, er [Red West] kletterte über das Geländer, wo [die Hoteltechnik] ihr Material aufbewahrt, die Farbe und so weiter; er […] holte eine kleine Dose schwarze Farbe. Er steckte sie in seinen Gürtel, kam zurück, kletterte rüber und wir stellten zwei Tische übereinander. Ich stieg mit der Farbe und dem Pinsel hoch, und ich war Michelangelo, oder der Kerl, der die Decke im Vatikan, die Sixtinische Kapelle, malte. Ich habe diese Statue [schwarz] gemalt. Es hat 30 Minuten gedauert. Das Hotel hat kein Wort gesagt. Ich dachte nur, ich teile es mit Ihnen.“

Zitiert nach der deutschen Ausgabe von Peter Guralnick: Careless Love, Bosworth 2006

Meistens aus dem Zusammenhang zitiert, wird diese Anekdote gerne als peinliche rhetorische Episode interpretiert, die besser gar nicht erst erwähnt wird. Schade, denn es lohnt sich genauer hinzuschauen, was Entertainer Presley, der direkte Äußerungen zu politischen bzw. gesellschaftlichen Themen stets ablehnte, hier tatsächlich kommuniziert.

Interessant auch deshalb, weil man ihm seit den 1950ern immer wieder rassistische Tendenzen unterstellt hat (→ siehe auch Elvis, der American Dream und Donald Trumps Amerika).

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Bevor es hier auf  The Memphis Flash demnächst weiter geht mit Teil 2 und 3 meiner Serie zum legendären ’68 Comeback Special ELVIS, das in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert, wird es erst noch einmal akademisch. Ein bisschen zumindest. Und zwar geht es um das Thema Elvis in der Literatur, genauer gesagt um Elvis als literarisches Motiv in Kinder- und Jugendbüchern.

Nicht nur in der Literatur ein kinderlieber Superstar: Elvis hat Spaß mit seiner dreijährigen Filmpartnerin Pam Ogles in einer Drehpause zum Film Follow That Dream (Sommer in Florida), 1961.

Wen das Thema interessiert, dem möchte ich zwei deutsche Buchveröffentlichungen und eine amerikanische jüngeren Datums ans Herz legen. Alle drei sind als Urlaubslektüre auf jeden Fall geeignet:

1. ‚All Shook Up‘ von Shelley Pearsall (2008)

Spätestens seit Jana Scheerers erfolgreichem Roman Mein innerer Elvis (2010) ist der King als literarische Figur auch in der deutschen Kinder- und Jugendbuchliteratur ein Begriff. In den USA ist das schon länger der Fall. Hier hat Elvis Presley über  zeitgenössische Jugendbücher zudem längst einen festen Platz in den Unterrichtsplänen der Schulen gefunden. Unterhaltsam – auch für Erwachsene – und tiefgründig zugleich ist Pearsalls Geschichte des 13-jährigen Josh Greenwood, dessen Vater sich nach den Schulferien plötzlich in Elvis Presley verwandelt – zum Horror des Sohnes.
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2. Jana Scheerer ‚Mein innerer Elvis‘ (2010)

Die 15-jährige Antje spielt die Hauptrolle in Jana Scheerers Mein innerer Elvis. Antje lebt mit ihren Eltern und der 6-jährigen Schwester in Norddeutschland, wo sie ein Gymnasium besucht. Eigentlich ist Antje eher unauffällig – bis auf diese eine Sache, die wirklich niemand in ihrer Familie und ihrem Freundeskreis versteht: Die 15-jährige ist ein riesiger Elvis-Fan. Und das hat Folgen. Wie Elvis zum Katalysator für Antjes ganz persönlichen Roadtrip wird, und die 15-Jährige dabei ihren „inneren Elvis“ findet, das ist Thema in Scheerers humorvollem Roman.
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3. Rorbert Jüttners ‚Elvis verschwindet‘ (2012)

Den schmerzhaften Verlust der Kindheit thematisiert Rorbert Jüttner in seinem Bucherstling ‚Elvis verschwindet‘, in dem der 17-jährige Elvis-Fan Daniel Nawrat im Westberlin der frühen 1980er die traurige Erfahrung macht, das die Dinge oft ganz anders sind als sie scheinen.
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Viel Spaß beim Lesen!

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NBCs TV-Special ELVIS – heute besser bekannt unter dem Namen ’68 Comeback Special – wird in diesem Jahr 50! Längst ein zeitloser Klassiker besticht Steve Binders Produktion für den Fernsehsender NBC aus dem Jahr 1968 ebenso mit Elvis Presleys energie- und emotionsgeladener Musik wie mit der Wucht schöner Bilder.

Nie zuvor und niemals danach wurde der King im Fernsehen so gut in Szene gesetzt. Das war kein Zufall, sondern das Resultat der fruchtbaren Zusammenarbeit des Memphis Flash mit Regisseur Steve Binder und Musikproduzent Bones Howe.

I’m back! Elvis Presley im Juni 1968.

Dabei war Steve Binder (*1932), der Medizin studierte, bevor er in den 1960ern sein Talent als Regisseur von Musikproduktionen fürs Fernsehen entdeckte (Hullabaloo, Shindig, T.A.M.I), zunächst gar nicht besonders begeistert davon, ein TV-Special mit Elvis zu realisieren.

Erst im April 1968 hatte der junge Regisseur ein Musik-Special für NBC mit der damals sehr populären britischen Sängerin Petula Clark (*1932) auf Sendung gebracht, das sehr kontrovers diskutiert wurde. Und zwar, weil Petula während ihres Duetts mit Harry Belafonte zu On The Path Of Glory dessen Arm berührte.

Die Berührung eines Afroamerikaners durch eine weiße Frau, sei sie auch noch so harmlos wie im Video, war trotz Bürgerrechtsbewegung zu dieser Zeit nach wie vor ein Tabu im amerikanischen Fernsehen.

Obwohl Binder von Sender und Hauptsponsor aufgefordert wurde, die Szene zu streichen, kam er dem in Absprache mit Clark nicht nach. Die TV-Show wurde mit der Szene gesendet. Die nachfolgenden Diskussionen sorgten dafür, dass Binder ernsthaft überlegte, seine Karriere als Regisseur im Fernsehen aufzugeben und sich anders zu orientieren, wie er in seiner Buchpublikation ’68 at 40 Retrospective (2008) erzählt. Aus Fernsehkreisen hörte Binder nämlich, dass er nach dieser Sache keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen würde.

Just zu diesem Zeitpunkt erreichte Binder ein Telefonanruf des TV-Produzenten Robert „Bob“ Finkel (1918-2012). Finkel hatte die Diskussion um den Aufreger ebenfalls mitbekommen – und die hatte ihn auf eine richtig gute Idee gebracht, wie er endlich eines seiner dringlichsten Probleme lösen könnte.

Ein Fernseh-Special – och nee!

Finkel, bis zu diesem Zeitpunkt u.a. erfolgreich mit TV-Produktionen für Andy Williams und Dinah Shore, erzählte Binder, dass er von NBCs Vizepräsidenten an der Westküste, Tom Sarnoff, den Auftrag erhalten hatte, eine TV-Show mit Elvis Presley zu produzieren. Die Show war Teil eines Paket-Deals, den Sarnoff mit Presleys Manager Colonel Tom Parker abgeschlossen hatte. Das einzige Problem: Elvis hatte offenbar überhaupt keine Lust auf ein Fernseh-Special.

Im Frühjahr 1968 hatte Finkel mehrere Besprechungen mit Elvis, in denen es um das geplante TV-Special ging. Immer wenn Finkel bei diesen Gelegenheiten auf Elvis traf, war der zwar freundlich und höflich, blieb aber distanziert, was Finkel zunehmend irritierte. Der King weigerte sich schlicht, den Produzenten zu duzen. Finkel ahnte, dass dahinter mehr als reine Südstaatenhöflichkeit steckte.

Inhaltlich machte Elvis in den Gesprächen mit Finkel nämlich deutlich, dass ihm vor allem daran gelegen war, sein Hollywood-Image abzulegen und sich als vielseitiger Musiker der Gegenwart zu positionieren. Kurz: Der King wollte zeigen, was er alles noch drauf hatte. Eine TV-Show, die – so der Plan seines Managers – nur (ältere) Weihnachtssongs in den Fokus stellte, würde das ganz sicher nicht bewirken, war Elvis überzeugt.

Juni 1968 (v.l.n.r.): Dayton „Bones“ Howe, Steve Binder, Elvis und Bob Finkel finden nach Anfangsschwierigkeiten zueinander und haben sichtlich viel Spaß dabei.

Abgesehen davon äußerte der King grundsätzliche Vorbehalte gegen das Medium Fernsehen, hatte er sich in den 1950ern doch vor allem als „novelty act“,  als kurioses Phänomen, in den Varieté-Shows von Steve Allen und Ed Sullivan wiedergefunden, wo er dazu verdonnert wurde, in altmodischen Sketchen mitzuspielen und seinen Hit Hound Dog einem lebenden Bassett vorzusingen.

Steve Allen Show Juli 1956: Elvis beglückt den Bassett mit seinem Windhund-Hit Hound Dog.

Finkel wurde klar, Fernsehproduzenten standen ebenso wenig hoch im Kurs bei Mr. Presley wie Hollywoodproduzenten – da blieb man lieber beim Sie. Wollte er mit dem geplanten Fernseh-Special bei Elvis also je vorankommen, dann brauchte er einen richtig guten Plan.

Die Kontroverse um die Petula-Show brachte ihn auf die Idee, dass ein junger talentierter Regisseur wie Binder her musste. Einer, der den Status Quo selbst gerne herausforderte, war doch genau der richtige Partner für einen Musiker, der in den 1950ern für ordentlich Furore gesorgt hatte und sich jetzt eindrucksvoll zurückmelden wollte.

Doch Binder war nicht überzeugt. Elvis? Och nee, dachte der sich und bekennt heute lachend: „Ich hatte für Elvis‘ Musik damals nicht viel übrig. Ich meine, ich bin an der Westküste aufgewachsen und stand mehr auf die Beach Boys, Jimmy Webb und `Mc Arthur Park‘, solche Sachen.“

Zunächst kein Fan von Elvis: Regisseur Steve Binder.

Aber die Angelegenheit war immerhin so interessant, dass Binder sie mit seinem damaligen Partner, dem erfahrenen Musikproduzenten Dayton Burr „Bones“ Howe (*1933), besprach. Und der sagte spontan: „Du bist verrückt, wenn Du die Chance ausschlägst, mit Elvis zu arbeiten. Ihr wäret ein großartiges Team.

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