Navigation » Startseite » 2017 » 05

Am 16. August 2017 jährt sich Elvis‘ Todestag zum 40. Mal. Das Jubiläum sorgt – wie alle Elvis-Jubiläen – in diesem Jahr erneut für eine erkleckliche Anzahl von Buchveröffentlichungen über den King. Im Rowohlt Verlag ist jetzt der praktisch noch druckfrische Roman „Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis“ des Berliner Autors Tobias Geigenmüller erschienen.

Das Roman greift die immer noch in den Medien, in Literatur, Film, Werbespots und natürlich auch in Fankreisen gern gespielte (Wunsch-)Vorstellung auf, dass Elvis 1977 vielleicht doch nicht gestorben ist, sondern noch irgendwo unter uns weilt. Was auch erklärt, warum er heute immer noch irgendwo auf dieser Welt „gesichtet“ wird.

Doch Tobias Geigenmüller trägt diese Idee von „Elvis lebt“ noch ein Stück weiter und erzählt in seinem mehr als 250 Seiten starken Roman auf unterhaltsame Weise davon, was der King in den letzten 40 Jahren wohl alles erlebt haben könnte, wenn er seinen Tod nur inszeniert hätte, um sich den Traum von einem ganz normalen Leben jenseits von Starruhm und Fankult zu erfüllen. Herausgekommen ist ein lesenswertes Buch, das als Hardcover und E-Book verfügbar ist. Und natürlich habe ich den Autor gefragt, was es mit seinem Roman genau auf sich hat.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Herr Geigenmüller, Sie sind Jahrgang 1977, leben in Berlin und arbeiten erfolgreich als freiberuflicher Texter und Konzeptioner für so namhafte Firmen wie Porsche, Mercedes, Volkswagen, Zalando, Villeroy & Boch, Beiersdorf, Vodafone, um nur einige aus Ihrer langen Referenzliste zu nennen. Wie kommt jemand wie Sie dazu, ein Buch ausgerechnet über Elvis Presley zu schreiben?

Autor und Werbetexter Tobias Geigenmüller – Foto: Tobias Geigenmüller

Tobias Geigenmüller: Elvis ist einfach eine wahnsinnig interessante Figur. Das reicht von ihm persönlich mit seinem Charisma, seiner enormen kulturellen Bedeutung, seinem geradezu übermenschlichen Erfolg und seiner Entwicklung zu einer eher tragischen Gestalt am Ende – es führt sich aber auch in seiner Familie fort. Die Familiengeschichte der Presleys war ja schon vor Elvis’ angeblichem Tode ein dramatisches Märchen. Aber auch danach ging es aufregend weiter. Mit Priscilla, die als Schauspielerin große Erfolge in einer ziemlich skurrilen Filmreihe feierte.

The Memphis Flash: Sie spielen auf die Filmreihe Die nackte Kanone mit Priscilla Presley neben Leslie Nielsen in der Hauptrolle an. Das ist wirklich witzig… und voller Anspielungen.

Tobias Geigenmüller: Und dann ist da Tochter Lisa, die wiederum genau wie ihre Mutter den größten Entertainer ihrer Zeit heiratete. All das bietet einfach unglaublich viel Stoff für eine tolle Geschichte, die zugleich eine Zeitreise durch die Popkultur der vergangenen Jahrzehnte ist. Noch dazu ist Elvis’ vierzigster Todestag das perfekte Datum für dieses Buch. Wie gesagt: Ich musste es machen.

Lisa Marie Presley war Mitte der 1990er knapp zwei Jahre mit dem King of Pop in zweiter Ehe verheiratet.

The Memphis Flash: Kann ich gut verstehen. Würden Sie sich denn selbst als Fan des King bezeichnen?

Tobias Geigenmüller: Ich habe eine ganz besondere Verbindung zu Elvis Presley. Und auch wenn es ausgedacht klingt, ist es wirklich wahr: Ich wurde am 17. August 1977 geboren. Am Tag nach Elvis’ Tod. Eben genau an jenem Tag, an dem mein Buch beginnt – und Elvis mit einem fetten Grinsen im Gesicht die Nachrichten über sein Ableben im Fernsehen anguckt.

Abgesehen von dieser Verbindung bin ich eher generell musikbegeistert und offen für die verschiedensten Stile. Ich liebe Elvis’ Musik – aber ich bin nicht im Speziellen Elvis-Fan. Wobei sich das während der ganzen Recherche schon gesteigert hat.

Mittlerweile finden sich in meinem Arbeitszimmer ein Wackelkopf-Elvis, ein gerahmtes Poster, ein Kalender, Briefmarken und ein Elvis-Hampelmann. Und während der Arbeit am Buch habe ich fast pausenlos seine Musik gehört.

Tobias Geigenmüller: Aber es muss auch nicht immer das Original sein. Mir gefällt beispielsweise auch Come as you are von The King.

The Memphis Flash: Man kann schnell süchtig werden, das versteh‘ ich gut. Ihr Roman erzählt ja in mehreren Episoden auf unterhaltsame Weise davon, was Elvis, wenn er seinen Tod 1977 nur vorgetäuscht hätte, in den folgenden 40 Jahren mit seinem „Leben nach dem Tod“ wohl anfangen würde. Dabei bleibt er sich und seinem Umfeld in Ihrem Buch erstaunlich treu. Warum ist das so?

Weiterlesen

Navigation » Startseite » 2017 » 05

Nehmen wir mal an, Elvis Presley würde tatsächlich noch leben und käme – mittlerweile jenseits der 80 Lenze – während einer seiner schlaflosen Nächte so richtig ins Grübeln, bei welcher seiner zahlreichen Aufnahmesessions er denn eigentlich den Song Let Yourself Go aufgenommen hatte. War das nicht eine dieser Soundtracksessions für seine Filme? Aber welche bloß? Es gab ja so viele…

Und hatte er den Song nicht auch noch ein zweites Mal aufgenommen? Zu einem späteren Zeitpunkt – mit anderen Musikern? Aber wann und zu welchem Anlass nochmal? Welche Aufnahme von Let Yourself Go erschien erstmals auf Single, EP, LP, oder CD? Wer kann sich so was auch merken bei mehr als 700 Songs und ihren diversen Versionen, die zudem seit Jahrzehnten in ständig neuen Zusammenstellungen auf den Markt kommen?

Dergestalt um seinen königlichen Schlaf gebracht, hätte der King natürlich mehrere Optionen, um der quälenden Grübelei ein Ende zu setzen. Er könnte beispielsweise auf YouTube nachschauen. Mit ein bisschen Glück ergäbe das zumindest den richtigen Erinnerungsstups, welcher Film und welches TV-Special eine Rolle spielen. Aber auf den Rest seiner Fragen würde er weder dort noch auf einer anderen Website so schnell verlässliche Antworten finden.

Sach‘ ma‘, Ernst!

Nein, um es ganz genau zu wissen, würde der King wohl eher sein eigens für ihn designtes Smart Phone zücken und die Kurzwahl einer Nummer im fernen Dänemark anwählen. Dort wäre ein gewisser Ernst Jørgensen sicher hocherfreut über seinen Anruf und könnte das „Problemchen“ in Sekundenschnelle lösen.

Ernst Jorgensen mit einer seiner vielen Veröffentlichungen

Der Däne ist nämlich sozusagen das wandelnde Gedächtnis aller Elvis-Aufnahmesessions, Hüter des 1999 gegründeten Elvis-Sammlerlabels Follow That Dream (FTD) unter dem Dach von Sony und Herausgeber einer ganzen Latte namhafter Elvis Presley-Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre, darunter Young Man With The Big Beat, A Boy From Tupelo, Elvis At Stax, Prince From Another Planet, Way Down In The Jungle Room und Taking Care Of Business – In A Flash.

Außerdem ist Jørgensen nicht nur qua Beruf Kenner des Memphis Flash, er ist auch einer seiner größten Fans und recherchiert schon seit seinen Schultagen in den 1960ern, also seit gut einem halben Jahrhundert, zu den Aufnahmesessions seines Lieblingsmusikers.

Wer allerdings nicht den königlichen Luxus genießt, Ernst Jørgensens Wissen telefonisch oder gleich persönlich anzapfen zu können, so nach dem Motto „Sach‘ ma, Ernst“, der musste sich bislang mit den englischsprachigen Veröffentlichungen des Dänen zur den Aufnahmesessions des King begnügen. Die gibt es nämlich auch.

Am weitesten verbreitet dürfte Jørgensens Standardwerk Elvis Presley A Life In Music. The Complete Recording Sessions sein, erschienen 1998 und geadelt mit einem Vorwort von Elvis-Biograf Peter Guralnick (Last Train To Memphis, The Unmaking of Elvis Presley).

Schade nur, dass Elvis Presley A Life In Music mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist und leider keine Erkenntnisse enthält, die Ernst Jørgensen aus seiner Arbeit für das Elvis-Sammlerlabel Follow That Dream gewonnen hat, in dem mittlerweile rund 200 CD-, LP- und Buchveröffentlichungen für den leidenschaftlichen Elvis-Aficionado und -Sammler erscheinen sind. Und für eine überarbeitete Fassung seines Standardwerks hat der Hüter von Elvis‘ musikalischem Vermächtnis selbst schlicht keine Zeit – der Elvis der Gegenwart hält den Mann auf Trab.

Der Helmut macht’s

Genau dieser Umstand brachte einen weiteren Elvis-Kenner auf den Plan, nämlich Sammler Helmut Radermacher (→ Interview mit Helmut RadermacherElvis the King: Die Hits der deutschen Charts), der als der „deutsche Ernst Jørgensen“ gilt und sich fast noch länger als sein dänisches Pendant mit den vielen Aufnahmen Elvis Presleys im Detail beschäftigt.

Radermacher hat jetzt (Frühjahr 2017) mit Einverständnis Jørgensens dessen Standardwerk A Life in Music von 1998 aktualisiert, wobei Jørgensens Originalkapitel, die Elvis Presleys Karriere entlang seiner Aufnahmesessions veranschaulichen, von Michael Widemann ins Deutsche übersetzt wurden. Widemann hat sich auch schon bei der Übersetzung von Guralnicks zweibändiger Elvis-Biografie verdient gemacht.

Cover: Alle Aufnahmesessions des King nach Ernst Jorgensen jetzt in deutscher Sprache bearbeitet von Helmut Radermacher

 

Backcover Elvis A Life In Music 2017

Weiterlesen