Elvis & Nixon – der Film

Elvis Presley war ein Jäger und Sammler, wer hätte das gedacht. Im Dezember 1970 – wenige Tage vor Weihnachten und gut zwei Wochen vor seinem 36. Geburtstag – ging der King auf die Jagd nach einem besonderen Geschenk für sich selbst, das als Prunkstück seiner Polizeidienstmarken-Sammlung gedacht war: eine Dienstmarke für Spezialagenten des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD).

Das 1968 gegründete BNDD war eine im US-amerikanischen Justizministerium angesiedelte Behörde zur Bekämpfung von Drogenschmuggel und -handel, die 1973 in der neuformierten Drug Enforcement Administration (DEA) aufging. Agenten, die für das BNDD tätig waren, wiesen sich mit einer speziellen Dienstmarke aus. Genau um eine solche ging es dem King, und zwar eine echte Marke, also keine Nachbildung für Sammler.

Dienstmarke für Spezialagenten der BNDD-Nachfolgebehörde DEA

Die Jagd nach „The Badge“ führte Elvis Presley über einige Umwege am 21. Dezember 1970 nach Washington D.C. – und zwar direkt in das Oval Office des Weißen Hauses, wo er den amtierenden republikanischen Präsidenten Richard Nixon traf, der ihm – man höre uns staune, tatsächlich noch am selben Tag zu einer BNDD-Dienstmarke verhalf. Letztlich waren es sogar zwei Dienstmarken, die Elvis Presley auf diesem Wege seiner Sammlung zuführte.

 

Elvis Presleys Original-BNDD-„Dienstmarken“. Die oben gezeigte wurde ihm am 21.12.1970 in Washington persönlich überreicht, die zweite ein paar Wochen später zugesendet – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Das Treffen des King mit Richard Nixon, der 1974 im Zuge der Watergate-Affäre als einziger Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurücktreten musste, ist so kurios, dass es Filmstoff erster Güte darstellt. Gäbe es nicht eine Reihe von Fotos im amerikanischen Nationalarchiv, die das Treffen dokumentieren, und einen offensichtlich hastig geschriebenen handschriftlichen Brief Elvis Presleys an Nixon auf Papier der Fluggesellschaft American Airlines als Beweis, dann würde man diese Geschichte am ehesten im Reich der hyperaktiven Phantasie eines Hollywood-Drehbuchautors verorten. Sie ist trotzdem passiert.

Präsident Richard Nixon mit Elvis Presley im Oval Office am 21.12.1970 – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Der berühmte Brief Elvis Presleys an Richard Nixon, hastig verfasst während eines Fluges von Los Angeles nach Washington wenige Stunden vor dem Treffen im Weißen Haus – Foto aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Jetzt wurden die Begegnung der besonderern Art und die Ereignisse unmittelbar davor in Elvis & Nixon (2016) unter der Regie der vor allem für ihre Kurzfilme bekannten Filmemacherin Liza Johnson nach einem Drehbuch von Joey Sagal, Hanala Sagal sowie Cary Elwes verfilmt. Die Komödie ist im Dezember 2016 auch in den deutschen Kinos angelaufen.

Das Drehbuch von Elvis & Nixon folgt dabei im Wesentlichen den Erinnerungen und den späteren Buchveröffentlichungen von Egil „Bud“ Krogh (The Day Elvis Met Nixon, 1994), Nixons Deputy Assistant for Domestic Affairs, sowie Elvis langjährigem Wegbegleiter Jerry Schilling (Me And A Guy Named Elvis, 2007), die beide mit der Organisation des historischen Treffens befasst und zeitweise dabei anwesend waren.

Lockere Runde: Richard Nixon, Elvis Presley und Egil Krogh am 21.12.1970

 

Elvis Presley stellt Richard Nixon seine beiden Mitarbeiter Sonny West (2.v.l.) und Jerry Schilling (2.v.r) vor – beide Fotos aus: Taking Care of Business in a Flash, 2016

Die Begegnung fand statt, bevor Nixon 1971 damit begann, alle im Oval Office geführten Gespräche aufzuzeichnen, so dass es neben den Erinnerungen von Krogh und Schilling sowie einem kurzen Memorandum des Weißen Hauses weder einen Mitschnitt noch sonst irgendwelche Details über den Verlauf des Treffens und den Gesprächsinhalt gibt – auch nicht in der inzwischen vom FBI veröffentlichten umfangreichen FBI-Akte über Elvis Presley (Elvis Presley: The FBI Files, 2007). Der im Film gezeigte Dialog zwischen Elvis und Nixon ist also weitgehend fiktiv.

Elvis & Nixon – die Crew

Jerry Schilling, Elvis‘ langjähriger Freund und Mitglied seiner „Memphis Mafia“ (die beiden begegneten sich erstmals 1954 in Memphis bei einem Football-Spiel), wird als Executive Producer des Films geführt. Er beriet vor allem Schauspieler Michael Shannon (1974, Oscarnominierung für Zeiten des Aufruhrs, 2008), der den Elvis spielt, in der Ausgestaltung seiner Rolle. Auch Egil Krogh soll zeitweise mit am Filmset gewesen sein. Nixon wird im Film vom zweifachen Oscar-Preisträger Kevin Spacey (1959, House of Cards) dargestellt – die Hauptrollen sind also hochkarätig besetzt!

Michael Shannon spielt Elvis in Elvis & Nixon (2016)

Und das bekommt dem Film ganz ausgezeichnet, zumal bei der Besetzung der Rollen nicht auf äußerliche Ähnlichkeit – Michael Shannon sieht selbst bei günstigem Licht und in voller Elvis-Montur kein Stück aus wie der King -, sondern auf die Schauspielkunst der erfahrenen Darsteller gesetzt wurde.

Kevin Spacey ist Nixon in Elvis & Nixon (2016) – eine Klasse für sich

In weiteren Rollen zu sehen sind in Elvis & Nixon: Alex Pettyfer als Jerry Schilling, Colin Hanks als Egil Krogh, Johnny Knoxville als Elvis‘ Bodyguard Sonny West und Evan Peters als Nixons Deputy Assistant Dwight Chapin.

Die Crew: Johnny Knoxville, Alex Pettyfer, Michael Shannon und Regisseurin Liza Johnson bei der Pressekonferenz zu “Elvis & Nixon” 2016 – Foto: Melanie Votaw

Michael Shannon war nach eigener Aussage ziemlich nervös angesichts der Herausforderung, Elvis zu spielen, zumal dies bislang keinem Schauspieler wirklich überzeugend gelungen ist.

Shannon bereitete sich intensiv auf seine Rolle vor, wie er in einem Interview sagte, indem er den King in den Dokumentationen That’s The Way It Is (1970) und Elvis On Tour (1972) studierte, nonstop seine Musik hörte, sich seine Filme ansah und so ziemlich alles zu Gemüte führte, was YouTube an Originalmaterial aus der Zeit um 1970 zu bieten hat. Das ist so einiges. Er habe versucht, so Shannon, Elvis zu finden, so tief wie möglich zu seiner Persönlichkeit vorzudringen, um ihn darstellen zu können. Ein Unterfangen, das durchaus seine Grenzen hat, wie er zugibt:

„Elvis is a singular event. It can’t be replicated. All you can do is approach it with humility and dignity and hope for the best.“
Michael Shannon – Interview mit Brian Formo, April 2016

Besonders hilfreich fand der Schauspieler die Unterstützung, die Elvis‘ Weggefährte Jerry Schilling ihm im Vorfeld und während der Dreharbeiten gab, und diese Pressekonferenz Elvis Presleys aus demselben Jahr, in dem der King sich auf den Weg ins Weiße Haus machte:

Den coolen Soundtrack zum Film liefert übrigens nicht Elvis selbst, sondern u.a. Rufus Thomas (Hold On, I’m Coming), Sister Rosetta Tharpe (There Will Be Peace In The Valley For Me), Otis Redding (Hard To Handle) und Creedance Clearwater Revival (Suzie Q).

Elvis & Nixon – die Handlung

Die Handlung des Films setzt um den 20. Dezember 1970 ein, als Elvis Presley sich die aktuellen Nachrichten verschiedener amerikanischer TV-Sender parallel auf seinen drei Fernsehern im TV-Raum in Graceland anschaut. Was der stramme Patriot dort sieht, gefällt ihm ganz und gar nicht.

Das Land, das für ihn den amerikanischen Traum wahr machte, das Land der American Trilogy befindet sich in einem fast bürgerkriegsartigen Zustand (Buchtipp: Mark H. Lytle: Americas Uncivil Wars, The Sixties Era from Elvis to the Fall of Richard Nixon, 2005), bei dem Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in brutale Straßenschlachten ausarten, die einst friedliche Bürgerrechtsbewegung sich nach der Ermordung Dr. Martin Luther Kings gefährlich radikalisiert hat und eine selig berauschte Hippie-Generation selbst den Cannabis-Konsum von Kindern ganz in Ordnung findet.

Der Waffenliebhaber demonstiert seinen Unmut „Elvis-Style“, indem er kurzerhand seine drei Fernseher „erschießt“, und dann beschließt als guter U.S.-Bürger, der seinem Land im kalten Krieg gedient hat, jetzt selbst etwas gegen diesen ganzen Wahnsinn zu unternehmen – und zwar getreu seines Mottos Taking Care of Business in a Flash – sofort! So will es das Drehbuch.

Der King begibt sich allein zum Flughafen in Memphis, schafft es nach einigen Verzögerungen durch fehlende Ausweispapiere (er hat nur seine Polizeimarken dabei, es kennt ihn ja sowieso jeder) und der Tatsache, dass er bis unter die Halskrause bewaffnet ist, mit Hilfe seines Charmes und Celebrity-Status‘, tatsächlich den Flieger nach Los Angeles zu nehmen, wo ihn sein Freund und ehemaliger Angestellter, „Memphis Mafioso“ Jerry Schilling, abholt, um die weitere Reiseorganisation zu übernehmen und anschließend gemeinsam mit ihm nach Washington D.C. zu fliegen.

In Washington steigen die beiden im vornehmen Hotel Washington ab und Jerry, der seinem berühmten Freund – wie immer – ohne viel nachzufragen einfach folgt, was zu erheblichen Konflikten mit seiner Freundin Charlotte führt, erfährt, dass Elvis Presley zudem ausgebüchst ist. Es gab kurz vor Weihnachten Stress in Graceland mit Vater, Ehefrau und Manager – Elvis‘ Trip nach Washington, um sich eine Dienstmarke des BNDD zu besorgen, indem er seine Dienste als Under-Cover-Agent der nationalen Drogenbehörde anbietet, ist also auch so etwas wie eine willkommene Auszeit von den Lieben daheim.

Erst auf dem Flug von Los Angeles nach Washington dämmert Jerry, was genau sein großes Vorbild vorhat, nämlich als Elvis ihn bittet, seinen Brief an den amerikanischen Präsidenten Korrektur zu lesen. Er besteht zudem darauf, seinen Brief persönlich im Weißen Haus abzuliefern – offensichtlich hat er wenig Vertrauen in die amerikanische Post.

Bis hierhin hat der Roadtrip der beiden in Elvis & Nixon bereits eine satte Anzahl witziger, aber auch nachdenklicher Szenen (hier vor allem die Dialoge mit Jerry), die man sich wegen ihrer Vielschichtigkeit durchaus mehrfach anschauen kann. Es steckt manches Mal mehr drin, als auf den ersten Blick scheint.

Original und Fälschung: Elvis Presley (sitzend) trifft auf seine Imitatoren, die ihm Tipps geben

Witzig ist etwa die Szene, als Elvis, der unter dem Decknamen Jon Burrows unterwegs ist, am Flughafen auf zwei Elvis-Imitatoren trifft, die ihn direkt ansprechen und dennoch weit davon entfernt sind, in ihm das Original zu erkennen. Großartig hier Shannons schauspielerische Leistung, die klar vermittelt, dass Mr. Ultracool NIEMALS seine Coolness verliert, auch nicht bei einer Herausforderung wie dieser, und dennoch durch seinen Blick und ein kaum merkliches Zucken im Mundwinkel Selbstironie und leise Verachtung dokumentiert.

Ganz ohne Worte kommt eine Szene aus, die Elvis Presleys durchaus doppelbödige Akzeptanz in der afro-amerikanischen Gemeinde der USA darstellen soll. Der King scheitert an einem Automaten mit Süßigkeiten, der einfach nichts ausspucken will, ein Afroamerikaner zeigt ihm, wie man das Ding zur Räson bringt. Ein Schwarzer zeigt einem Weißen, wie’s geht – nicht nur musikalisch. Der Soundtrack zum Film stammt fast ausschließlich von afroamerikanischen Musikern.

Dieser Aspekt wird vertieft in einer weiteren Szene, in der der King – bekannt für seine „bodenständigen“ Essgewohnheiten – als einziger Weißer in einem nur von Afroamerikanern besuchten Fast Food-Restaurant ein „Maple Bar“, eine Art Donut, bestellt. Man erkennt ihn in dem Laden sofort, begegnet ihm durchaus mit Respekt, aber auch mit Misstrauen. Erst als er mit Humor den Einwurf eines weiblichen Gastes aufgreift, er müsse schon richtig bestellen: „Maple Bar – original, my ass“, also das Original, ist er angekommen. Der „white N.I.G.G.E.R.“ findet den richtigen Ton.

Das auch bei dem Platzhirsch des Donut-Shops, dem er in wenigen Worten cool, aber sehr deutlich rüber bringt, dass er keine Probleme damit hat, seine „Lucille“ – gemeint ist damit die Waffe in einem seiner Boots – zu benutzen, sollte die Situation dies erfordern. Dem wird mit Respekt begegnet. Elvis Presley nimmt an einem der Tische Platz und fühlt sich offensichtlich ganz wie zu Hause, was deutlich mit dem Unbehagen der nachträglich eintreffenden Bodyguards Sonny West und Jerry Schilling kontrastiert. Sehr schöne Filmszene.

Keine Berührungsängste: Elvis im Donut-Shop

 

Doch der King ist nicht des Essens wegen nach Washington gekommen. Nachdem er seinen Brief an Nixon persönlich abgeliefert hat, platziert er Jerry neben dem Telefon – er ist sich sicher, dass das Weiße Haus sich melden wird – und macht sich, ganz Mann der Tat, alleine auf zu einer Audienz bei John Finlater, dem Direktor des BNDD, um die BNDD-Dienstmarke zu ergattern. Der weist dieses Anliegen rundheraus ab. Jetzt bleibt nur noch Nixon als letzte Möglichkeit, an die Marke zu kommen.

Elvis beim Direktor des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD)

Auch der Präsident ist erst einmal gar nicht begeistert von der Aussicht, seine Mittagspause ausgerechnet mit diesem Typen aus Memphis zu verbringen. Einer, der sein ganzes Glück seinem guten Aussehen verdankt, der sich nichts erarbeiten musste, darauf hat Nixon überhaupt keine Lust, wie er seinen Mitarbeitern erzählt. Und überhaupt: Wie der Typ aussieht.

Erst als Bud Krogh, Dwight Chapin, Jerry Schilling und Sonny West bei einem konspirativen Treffen in der Tiefgarage die geniale Idee entwickeln, die Tochter des Präsidenten – ein Elvis-Fan – für ihre Zwecke einzuspannen, ist „Tricky Dick“ bereit, dem King genau fünf Minuten zu geben, um ein Foto und ein Autogramm für sein Töchterlein Julie zu ergattern.

Im Zentrum der Macht: Elvis und Nixon im Oval Office

 

Aus fünf Minuten wird wesentlich mehr – Bud Krogh wird vor die Tür geschickt

Das folgende Treffen der beiden Mega-Egos ist der Höhepunkt des Films… und hier soll nicht zu viel vorweggenommen werden. Es ist sehr komisch, manchmal auch schlicht peinlich und stellenweise  reichlich doppelbödig. Zunächst finden Nixon und Elvis keinen richtigen Draht zueinander. Doch das ändert sich schnell, als der King konsequent das steife Protokoll des Weißen Hauses unterläuft, indem er das Oval Office zu seinem Wohnzimmer macht, sich unaufgefordert lässig auf der Couch platziert, sich einfach an den M&Ms und Dr. Peppers bedient, die ausschließlich für den Präsidenten bestimmt sind.

Der King auf der Präsidenten-Couch im Oval Office

Die Atmosphäre wird zunehmend lockerer, als Elvis – im Film Taktgeber und ganz Herr der Situation – dem Präsidenten seine Idee zu verkaufen versucht, wie er, der wie Nixon null tolerant gegenüber antiamerikanischen Tendenzen sei, seinem Land als Sonderagent des BNDD „under cover“ im Kampf gegen Drogen dienen könne, wofür er – logisch – als Legitimation eine echte BNDD-Dienstmarke benötige.

Dabei keilt der King zur Freude von Nixon (und dem Unbehagen des Zuschauers) ordentlich aus – gegen die Kommunisten, die Beatles (antiamerikanische Tendenzen, vor allem bei Lennon), Drogendealer und so manches mehr. Sein Engagement für die gute Sache solle aber in jedem Fall geheim bleiben, das ist ihm dabei besonders wichtig. Sich als Entertainer öffentlich vor den Karren der Nixon-Agenda spannen zu lassen, das möchte er auf keinen Fall. Den Vorschlag zu einem TV-Special Get High On Life, das als Teil der Antidrogenkampagne der Regierung gedacht ist, lehnt er ab.

Unterhaltsam und auf krude Art überzeugend: Elvis erklärt Nixon seine Strategie

Intensives Gespräch ….

… Karate-Entertainment

… und eine historische Waffe als Geschenk bringen Nixon auf Kurs

Nixon fühlt sich abgeholt – endlich versteht ihm mal einer

Letztlich bekommt Elvis – wie im wirklichen Leben – in Elvis & Nixon tatsächlich die BNDD-Dienstmarke, im Film im Tausch gegen ein Foto mit Autogramm für Nixon-Töchterchen Julie. Was er sonst noch dafür tun muss? Nichts. Tut er auch nicht. Hocherfreut bedankt er sich für die Marke bei Nixon, umarmt ihn sogar – auch das ist im Protokoll des Weißen Hauses ausdrücklich nicht vorgesehen – und rauscht ab. Er wird nie zurückkehren.

Gegenüber Jerry äußert er zum Schluss sinngemäß: „Ich hab‘ die Marke endlich, aber ich musste dafür die Beatles in die Pfanne hauen“. Ein feines Lächeln im Mundwinkel – genial gespielt von Michael Shannon – deutet sein Bedauern an, aber auch, dass die Marke es definitiv wert ist. Sorry Jungs.

Elvis Presley erhält endlich die BNDD-Marke

Sayonara, Mr. President

Ein Hauch von Coolness bleibt im Oval Office zurück

Als Erinnerung an diesen kuriosen Auftritt des King bleibt nur ein Hauch von Coolness im Oval Office zurück. Nixon ist sichtlich entspannt, als er mit Tochter Julie telefoniert und bereut den Verzicht auf seine geliebte Mittagspause offensichtlich nicht.

Elvis & Nixon – Fazit

Elvis & Nixon ist wirklich sehenswert und echt witzig! Das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern: Michael Shannon und Kevin Spacey bringen Elvis und Nixon gut an den Zuschauer. An Shannons Darstellung gefällt mir besonders, die minimalistische Darstellung des Elvis als „Mr. Ultimate Cool“. Kevin Spacey, der in House of Cards ebenfalls einen Präsidenten spielt, ist ohnehin eine Klasse für sich.

Shannon gelingt ein überzeugender Elvis, obwohl er überhaupt keine äußerliche Ähnlichkeit mit ihm hat, vor allem durch den zurückhaltenden Einsatz von Gestik und Mimik. Beides wird sehr subtil und auf den Punkt eingesetzt. Shannons Darstellung ist weit entfernt vom Stil vieler Elvis-Imitatoren, deren Darstellung oft in erster Linie von der Übertreibung lebt. Gerade durch die Zurücknahme gelingt es Shannon, eine Idee vom Charisma des King auf Leinwand zu bannen, ohne das der Ausgang der kuriosen Story schlicht nicht zu erklären wäre.

Nun zu den Schwachpunkten: Das Drehbuch krankt etwas daran, dass zwei Geschichten in einer erzählt werden. Zum einen die von der ungleichen Freundschaft zwischen Elvis und dem sieben Jahre jüngeren Jerry Schilling, der seinen berühmten Freund einerseits wie einen großen Bruder bewundert, sich aber gleichzeitig von ihm emanzipieren möchte, und andererseits die von der Begegnung mit Richard Nixon.

Im ersten Teil des Films geht es viel um Jerrys inneren Konflikt, der sich so auch durch das ganze von ihm 2007 veröffentlichte Buch Me And A Guy Named Elvis zieht. Das wäre ein guter Stoff für einen eigenen Film – vielleicht geht Schilling das ja noch an.

Ein nachdenklicher Elvis im Gespräch mit Jerry Schilling

„Wenn du einen Raum betrittst, Jerry, dann sehen die Leute dich. Wenn ich einen Raum betrete, sehen die Leute nicht mich – sie erinnern sich an ihren ersten Kuss, als im Hintergrund ein Song von mir lief.“

Leider verlangsamt Jerrys Geschichte stellenweise die Handlung von Elvis & Nixon, auch wenn sie durchaus zur Charakterierung vor allem Elvis Presleys beiträgt. Am Ende verblasst sie aber schlicht vor der wesentlich interessanteren, nämlich der von der Begegnung zwischen den höchst ungleichen Charakteren Elvis und Nixon, die am Ende des Tages überraschend viel gemeinsam haben.

Es wäre also besser gewesen, sich beim Drehbuch gleich stärker auf die Elvis-Nixon-Story zu konzentrieren und mehr zur Vorgeschichte der historischen Begegnung der beiden am 21. Dezember 1970 zu sagen.

Zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die überraschende Gemeinsamkeiten entdecken… oder?

Und damit kommen wir zu meinem zweiten Kritikpunkt: Es wird bis zum Schluss des Films nicht richtig klar, was Elvis tatsächlich zu diesem überfallartigen Besuch bei Nixon bewogen hat, um sich ausgerechnet bewaffnet mit einer BNDD-Dienstmarke „under cover“ für sein Vaterland einzusetzen. Hätte er sich wirklich in den Dienst der Nixon-Regierung stellen wollen, wäre beinahe jeder andere Weg – Bud Krogh macht mit Get High On Life konkrete Vorschläge dazu – sinnstiftender und glaubwürdiger gewesen. Woher also das Interesse ausgerechnet am BNDD?

Kurz: Der 21. Dezember 1970 hat eine längere Vorgeschichte, die der Film nicht erzählt und die den Zuschauer deshalb – bei allem Witz – etwas ratlos zurücklässt. Tatsächlich hat Elvis Presley schon Monate vor dem 21. Dezember 1970 einiges unternommen, um eine echte Dienstmarke des BNDD zu bekommen.

Die Personen, die er dabei einschaltete, sind der eigentliche Schlüssel zur Geschichte – ebenso wie Presleys sehr spezieller Humor und seine besondere Vorliebe für den Film Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964). Um Nixon persönlich ging es ihm nicht, der Präsident war schlicht die letzte Station auf dem Weg zur Marke. In einem meiner nächsten Beiträge wird es genau um diese Vorgeschichte gehen.

Elvis & Nixon – ein letzter Tipp

Wer kann, sollte sich Elvis & Nixon unbedingt im Original anschauen. Schon der Vergleich des englischen Trailers (oben) mit dem deutschen (unten) macht deutlich: In der Synchronisation kommen die sprachlichen Eigenheiten der beiden Charaktere einfach nicht richtig rüber. Der deutsche Trailer ist  flach im Vergleich zum englischen. Und: Beim Anschauen des Films den eigenen Humor nicht vergessen und nicht alles allzu wörtlich nehmen ;-).

 

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