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Hier stehe ich also und kann es kaum glauben. Nur einen Steinwurf von der verschlafenen hessischen Kleinstadt entfernt, in der ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zur Schule gegangen bin, hat Elvis Presley Spuren hinterlassen.

Es kommt noch besser: Der King hat hier sogar richtig Party gemacht, und zwar im Gasthaus Herrnmühle, gelegen an der B 275 zwischen Bad Nauheim und Usingen, genauer gesagt an der Kreuzung zur Abfahrt Richtung Usingen-Kransberg. Elvis‘ Party in der Herrnmühle fand im Frühjahr 1959 zu Ehren von Sergeant Ira Jones statt.

Kreuzung

Wie kam es dazu? Im Frühjahr 1959 war der damals schon weltberühmte King of Rock ’n‘ Roll seit einem halben Jahr als amerikanischer G.I. mit der Nummer US 53310861 in den Friedberger Ray Barracks stationiert. Er tat Dienst als Panzerspäher in der Company C des 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division.

In dieser Panzerdivision war Elvis Presley unter anderem als Jeepfahrer für Sergeant Ira Jones eingesetzt, einem sehr erfahrenen und mit dem Purple Heart ausgezeichneten Veteranen des 2. Weltkrieges, der 1944 an der Landung der Alliierten in der Normandie teilgenommen hatte.

Der bodenständige Jones hatte den bei seiner Ankunft in Deutschland im Oktober 1958 noch etwas verlorenen wirkenden King of Rock ’n‘ Roll unter seine Fittiche genommen, um den Superstar möglichst gut in die Truppe zu integrieren und – falls nötig – vor Fans und Presse abzuschirmen.

Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

Einsatzbereit: Private Elvis und sein Vorgesetzter Sergeant Ira Jones in Deutschland

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Elvis Presleys Single Hound Dog/Don’t Be Cruel hat amerikanische Chartgeschichte geschrieben. Denn A- und B-Seite der Single, die am 13. Juli 1956 bei RCA Victor erschien, verbrachten 1956/57 zusammengenommen unglaubliche 55 Wochen in Billboards Pop-Charts. Hound Dog war 28, Don’t Be Cruel 27 Wochen gelistet. Damit nicht genug: Hound Dog und Don’t Be Cruel jagten sich gegenseitig bis zur Chartspitze, wo sie sich ab Spätsommer ’56 abwechselten – unglaubliche 11 Wochen lang.

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show am 1. Juli 1956 - Vorlage für das Cover der Monstersingle Hound Dog/Don't Be Cruel

Elvis Presley bei seinem legendären Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956 – Vorlage für das Cover der „Monstersingle“ Hound Dog/Don’t Be Cruel – Foto: Alfred Wertheimer

Zusätzlich charteten beide Songs in Billboards Country- und R&B-Charts, wo sie ebenfalls die Top-Position erreichten (Quelle: Joel Whitburns Billboard Chart-Statistiken). Den geradezu monströsen wechselseitigen Erfolg der A- und B-Seite der Single spiegeln die zwei Versionen des leicht abgewandelten Single-Covers aus dieser Zeit, die einmal die A-Seite Hound Dog und einmal die B-Seite Don’t Be Cruel in den Vordergrund rückten.

Das Cover auf Basis eines Fotos von Alfred Wertheimer zeigt Elvis bei seinem Auftritt in der Steve Allen-Show in New York am 1. Juli 1956, bei der er eine Live-Version von Hound Dog zu einem Basset singen musste, um den Aufruhr in der amerikanischen Öffentlichkeit, der nach seinem Auftritt in der Milton Berle-Show am 5. Juni 1956 entstanden war, nicht weiter zu befeuern.

Hound Dog Single

Audio Hound Dog – Boxset Young Man With The Big Beat (2011)

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AUSVERKAUFT steht in großen Lettern auf dem Plakat, das am Eingang des Rüsselsheimer Theaters unübersehbar Elvis – das Musical ankündigt. AUSVERKAUFT, ELVIS, RÜSSELSHEIM?! Noch bin ich skeptisch, werde aber sofort eines Besseren belehrt, als ich die Menschenmenge sehe, die sich an diesem Freitagabend kurz vor 20 Uhr ebenso zielstrebig wie gut gelaunt vom Parkplatz auf den Eingang des Theaters zu bewegt.

Elvis - das Musical mit Grahame Patrick

Elvis – das Musical mit Grahame Patrick

„So voll habe ich das hier noch nie erlebt“, bestätigt eine sympathische ältere Dame im Foyer. Sie muss es wissen, schließlich hat sie ein Theaterabonnement, wie sie mir gleich erzählt. Trotzdem sei sie wählerisch, betont meine neue Zufallsbekanntschaft. Nur 3 handverlesene Aufführungen pro Saison gönne sie sich zusammen mit ihrer Freundin. Und heute steht ganz was Besonderes auf dem Plan im Großen Haus der Opelstadt. Nein, nicht Molière oder Mozart, sondern ELVIS. „Den mochte ich schon immer“, spricht’s und zieht mit der gerade eintreffenden Freundin flugs von dannen in Richtung Getränkestand. Ein Weinchen oder ein Prosecco, bevor es losgeht, das muss jetzt noch drin sein.

Ich trolle mich derweil schon mal auf meinen Platz in Reihe 5, erst mal ohne Weinchen oder Prosecco. Es ist proppenvoll im Saal. Das Publikum ist gut 45+, meistens Paare, ebenso viele Männer wie Frauen. Die Stimmung gleicht verhaltener Erwartungsfreude. Endlich ist der King „in the building“, besucht die Autostadt Rüsselsheim… Na ja, fast.

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Es ist ganz schön lange her, dass mich ein Film so gelangweilt hat, dass ich mich nur mit Mühe wach halten konnte. Jetzt ist es passiert… und es war KEIN Elvis-Film. Aber es hätte einer sein können. Der Film, um den es geht, ist A Star Is Born – und zwar das Remake von 1976 mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson in den Hauptrollen.

Kris Kristofferson und Barbra Streisand in 'A Star Is Born' (1976)

Kris Kristofferson und Barbra Streisand im Duett in ‚A Star Is Born‘ (1976)

Das Kuriose daran ist, A Star Is Born ist genau der Film, dem nachgesagt wird, er hätte Elvis Presleys Leben retten können, wenn er statt Singer-/Songwriter Kris Kristofferson die Hauptrolle übernommen hätte. Eine Hauptrolle, die dem King 1975 auch tatsächlich von Barbra Streisand und Jon Peters – Co-Produzenten des Films – angeboten wurde. Der Film wäre genau die künstlerische Herausforderung gewesen, die Elvis Presleys selbstzerstörerischen Lebensstil Einhalt geboten und damit vielleicht sein frühes Ableben mit 42 Jahren hätte abwenden können, so wird vielfach argumentiert → Elvis in Hollywood.

Darüber hinaus gilt A Star Is Born als die Art von ernsthaftem, künstlerisch wertvollen Film, den Elvis Presley selbst immer gerne machen wollte im Gegensatz zu den → Elvis-Musicals, auf die er fast seine gesamte Karriere hindurch beschränkt blieb, so erzählen es auch ehemalige Angestellte und Freunde wie beispielsweise Jerry Schilling in seinem Buch Me and A Guy Named Elvis (2006). Das klingt eindrucksvoll und macht ordentlich neugierig auf diesen Film. Worum geht es dabei?

Vom Aufstieg und Fall eines Superstars

Die Geschichte, die in A Star Is Born erzählt wird, ist ein Klassiker, der in seiner Ursprungsfassung den Aufstieg und tragischen Fall von Filmstars in Hollywood zum Thema hat. Erstmals verfilmt wurde der dramatische Stoff 1937 mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen als Esther Victoria Blodgett und Norman Maine. Produziert wurde das Ganze von David O. Selznick, der zwei Jahre später auch für die Verfilmung von Gone With The Wind (Vom Winde Verweht, 1939) verantwortlich zeichnete.

In dieser ersten Filmfassung von 1937 träumt Esther Blodgett, ein einfaches Mädchen vom Lande davon, ein großer Star in Hollywood zu werden. Sie macht sich auf den Weg ins „Gelobte Filmland“, kann dort ihren Traum aber zunächst nicht verwirklichen. Als sie auf einer Party kellnert, lernt sie den berühmten Schauspieler Norman Maine kennen, der ihr zu einem Screen-Test und kurz darauf zu ihrer ersten Hauptrolle verhilft. Maines eigene Karriere hat zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt schon überschritten, u.a. weil der Star ein massives Alkoholproblem hat.

Im weiteren Verlauf der Handlung entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Esther und Norman, die beiden heiraten. In der Folge blüht und gedeiht Esthers Schauspielkarriere, während Norman nicht mehr so recht Fuß fassen kann. Mit Hilfe von Esther gelingt es Norman, zumindest zeitweise vom Alkohol loszukommen. Doch die Frustration des einstigen Stars über das eigene Karrieretief ist letztlich so groß, dass Norman Selbstmord begeht. Er ertränkt sich im Pazifik. Ganz großes Drama.

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