Blue Christmas oder Millie und der Weihnachtsklassiker wider Willen

Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Im September 1957 war er aber wohl nicht so richtig in Stimmung für Weihnachtssongs. Zu sehr beschäftigen ihn bei der Aufnahmesession des Elvis’ Christmas Albums, die Perfektionierung von Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – und My Wish Came True von Ivory Joe Hunter, das er unbedingt auf Platte bannen wollte.

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Elvis hat Spaß unterm Weihnachtsbaum

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session bei Radio Recorders dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background ab 1957 zu hören. Trotz Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Session hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist.

Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas, vor 1957 schon erfolgreich u.a. von Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was richtig Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen evtl. gar nicht erst veröffentlicht.

Oh Mann, da hat der King seine Plattenfirma RCA aber völlig falsch eingeschätzt. Als hätten die Verantwortlichen in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Blue Christmas (1957)

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

Zwischen 1963 und 1972 sowie 1983 bis 1985 wurden Weihnachtssongs bei Billboard nicht in den Hot 100, sondern separat in den Christmas Charts gelistet. Blue Christmas hat ganz klar einen großen Anteil daran, dass Elvis Presley in Joel Whitburns erwähnter Statistik auf Platz 7 der erfolgreichsten Weihnachtsinterpreten überhaupt kommt. Nicht schlecht für ein goofiges Liedchen.

 

Gruppenbild mit Dame: Millie mit Elvis und den Jordanaires 1966 in Nashville

Gruppenbild mit Dame: Millie mit Elvis und den Jordanaires 1966 in Nashville

Platz 1 der erfolgreichsten Interpreten von Weihnachtsongs geht natürlich – man ahnt es schon – an Bing Crosby, schon allein wegen des ultra-erfolgreichen White Christmas. Bing Crosby hat seinen White Christmas-, Elvis seinen Blue Christmas-Klassiker, passt schon und beide hat wohl jeder irgendwann irgendwo schon mal gehört. Man kann ihnen in der Vorweihnachtszeit eigentlich nicht entkommen.

Ausgerechnet Elvis’ Version von Klassiker White Christmas, mit Anklängen an die 1954 aufgenommene Version von The Drifters, wurde jedoch zum Aufreger für Komponist Irving Berlin. Der soll gleich so hohen Blutdruck beim Hören der Elvis-Interpretation bekommen haben, dass er höchstpersönlich einen Brief an Radiostationen verfasste, um diese Verschandelung seines Hits aus den Playlisten zu verbannen.

Nun ja, fette Honorarschecks sollen sich ja bekanntlich auch blutdrucksenkend bei Rechteinhabern von Kompositionen auswirken… Und über 50 Jahre später kann diese überzogene Reaktion sowieso niemand mehr so richtig nachvollziehen.

Nur Millie, die ist immer noch nicht so wirklich begeistert von ihrem Gesangspart in Blue Christmas. Dabei ist der mindestens ein so großer Klassiker wie die Lachversion von Are You Lonesome Tonight, wo Cissy Houston den komischen Part hat, Millie aber immer für diejenige gehalten wird, die dort zu hören ist. Jetzt wissen wir auch wieso. Der King hatte da so “ein Ding laufen” mit seinen Sopranistinnen ;-).

Auch wenn der King zunächst fremdelte mit seinem großen Weihnachtshit, tauchte der Song ab 1968 immer mal wieder im Live-Repertoire auf. Hier die sehr bekannte Version aus dem TV-Special ELVIS – besser bekannt als ’68 Comeback Special…

… und eine von 1974, bei der der King offensichtlich immer noch Spaß am “goofigen Liedchen” hat. In beiden ist Millie Kirkham nicht mehr zu hören.

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