Elvis Presleys ‘How Great Thou Art’

Mit How Great Thou Art hat Elvis Presley gleich zwei seiner insgesamt drei Grammys eingefahren. Den ersten für sein zweites Gospel-Album How Great Thou Art, das der King im Mai 1966 – also vor genau 50 Jahren –  in RCAs Studio B in Nashville aufnahm, und einen weiteren für eine Liveversion des Titelsongs, die er am 20. März 1974 bei einem Konzert in Memphis sang. Sie ist verewigt auf dem Album Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974).

How Great Thou Art ist damit also ein doppelter Gewinner – besonders die Studioversion vom 25. Mai 1966 wird heute zu den besten Gesangsdarbietungen des Memphis Flash gezählt.

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presleys Gospel-Interpretationen gehen unter die Haut

Elvis Presley verband von Kindes Beinen an eine große Liebe zur Gospelmusik der amerikanischen Südstaaten. Sang er Gospels, dann legte sich der King jedes Mal mächtig ins Zeug mit einer Intensität und einer inneren Überzeugung, die sich in seinem Repertoire in dieser gleichbleibend hohen Qualität sonst kaum findet, findet etwa Musikhistoriker Will Friedwald.

Zu Elvis’ frühen Heroen zählten die Sänger der bekannten Gospelquartette Blackwood Brothers und Statesmen Quartet. Besonders der charismatische Leadsänger der Statesmen, Jake Hess (1927–2004), hatte es dem jungen Elvis angetan. Hess gründete Anfang der 1960er mit den Imperials eine eigene Gospelformation, die später sowohl im Studio als auch live mit Elvis erfolgreich war und die es bis heute gibt.

Bevor Elvis sein Glück als Solist in Sam Phillips Sun Studio suchte, hoffte er Anfang der 1950er vergeblich auf einen Einstieg als Gospelsänger bei den Nachwuchstruppe der Blackwood Brothers, den Songfellows. Das klappte nicht, da er sich gesanglich nicht in die Gruppe einfügen konnte. Die Songfellows erkannten vor Elvis, dass ihm eine Karriere als Solosänger besser passte, und “stupsten” in mit ihrer Ablehnung in die entscheidende Richtung:

“As long as [Elvis] was singing lead, he was fine. But when the baritone or the tenor took over, someone had to sing harmony, and he could not harmonize. He’d sing baritone a line or two, then switch off to tenor a couple of lines, and wind up singing the lead part. That was the reason we didn’t take him into the quartet with us.”

Songfellow-Mitglied Jim Hamill zitiert nach The Sound of Light: A History of Gospel Music

Elvis Presley soll zunächst ganz schön gefrustet gewesen sein, dass die Songfellows ihn nicht haben wollten, löste das “Problemchen” dann aber auf seine Weise: Er machte Weltkarriere als Solosänger und engagierte seine geliebten Gospelquartette einfach als Backgroundsänger – angefangen von den Jordanaires über die schon erwähnten Imperials bis zu den Stamps. Eine bis heute sehr hörenswerte Lösung eines Problems.

Wenn der King es ganz perfekt haben wollte, dann kamen gleich mehrere Gospelformationen zum Einsatz, wie etwa bei der Aufnahmesession für das Album How Great Thou Art im Mai 1966. Am Grammy-Gewinner waren nämlich sowohl die Jordanaires – seit 1956 fester Bestandteil seiner Studioalben, Live-Auftritte und auch frühen Filme – mit Gordon Stoker, Neal Matthews, Hoyt Hawkins und Ray Walker als auch die noch jungen Imperials mit Elvis’ Jugendidol Ex-Statesmen Jake Hess beteiligt.

lived every word of it

Jake Hess: “When Elvis sang a song, he justed seemed to live every word of it”.

Begleitet im Background von den Gesangshelden seiner Jugend, sang Elvis Presley den von ihm selbst arrangierten Titelsong seines Albums How Great Thou Art am 25. Mai 1966 in wenigen Takes ein. Und so hört sich die finale Studioversion an:

Audio How Great Thou Art – Boxset I Believe The Gospel Masters (2009)

Welchen hohen Stellenwert gerade diese Aufnahme für Elvis Presley selbst hatte, veranschaulicht Jugendfreund Jerry Schilling in seinen Erinnerungen an den 25. Mai 1966.

“At that Nashville session, I found a spot at a window looking into the recording room, and watched as Elvis delivered a transcendent performance while belting out the track ‘How Great Thou Art’. All the showmanship of his stage performances just dropped away – it was just voice and microphone – but you could see in the intensity of his expressions that his one was coming straight from the soul. When he got to the dramatic finish of the song, there was a strange hush in the room – nobody wanted to break the spell. I’ve been in a lot of recording studios since my time with Elvis, but I’ve never seen a performer undergo the kind of physical transition he did during that recording. He got to the end of the take and he was white as a ghost, thoroughly exhausted, an in a kind of trance. He was on, and everybody in the studio knew it […]”

Jerry Schilling: Me And A Guy Named Elvis (2006), S. 144

Bereits ein Jahr vor Elvis’ legendärer How Great Thou Art-Aufnahmesession hatten die Imperials in der Formation Jake Hess, Gary McSpadden, Henry Slaughter, Armond Morales und Sherrill Nielsen schon eine eigene Version des Titelsongs How Great Thou Art auf Platte gebannt:

Auch das Statesmen Quartet hatte nach Weggang von Jake Hess, der ja die Imperials gründete, eine eigene Version am Start. Elvis Presley, der die Gospel-Szene zeitlebens genau verfolgte, dürfte beide gekannt haben.

Eine Komposition der Imperials oder der Statesmen ist How Great Thou Art allerdings nicht. Die hat ihren Ursprung auch gar nicht in den USA, sondern in Schweden, und zwar in der Hymne O Store Gud, die Pfarrer Carl Gustav Boberg nach dem angsteinflößenden Erlebnis eines heftigen Sturms und seiner Rettung dank Gottes Hilfe 1886 zu Papier brachte. Es folgte 1907 mit Wie groß bist du eine beliebte deutsche Bearbeitung von Manfred von Glehn, 1912 eine russische Adaption von Ivan S. Prokhanov.

Ein echter Weltenbummler dieses O Store Gud. Auf E. Gustav Johnson geht die erste englischsprachige Bearbeitung (1925) zurück, die später der populäreren Adaption des Missionars Stuart H. Kline (1949) wich. Sie ist die Basis für das heute bekannte How Great Thou Art, das in den USA in den 1950ern sehr populär u.a. durch die Auftritte des Gospelinterpreten und Komponisten George Beverly Shea wurde.

Elvis Presleys Album How Great Thou Art, benannt nach dem gleichnamigen Titelsong, wurde im Februar 1967 veröffentlicht und kam unter die Top 20 der Billboard-Album-Charts. Ein Jahr nach der Veröffentlichung erhielt Elvis von der RIAA eine Goldene Schallplatte, posthum folgten mehrere Platinauszeichnungen. How Great Thou Art gilt heute als eines der besten Alben des King.

Grammy-Gewinner mit kuriosem Cover:

Grammy-Gewinner mit kuriosem Cover: PR-Foto zum Hollywoodstreifen ‘It Happened At The World’s Fair’ (Ob blond, ob braun, 1963) montiert vor eine Kirche

Songs des Originalalbums How Great Thou Art (1967):

  1. How Great Thou Art
  2. In The Garden
  3. Somebody Bigger Than You And I
  4. Farther Along
  5. Stand By Me
  6. Without Him
  7. So High
  8. Where Could I Go But To The Lord
  9. By And By
  10. If The Lord Wasn’t Walking By My Side
  11. Run On
  12. Where No One Stands Alone
  13. Crying In The Chapel

Die Academy Of Recording Arts And Sciences nominierte How Great Thou Art in zwei Kategorien für einen Grammy: Best Sacred Performance und Best Engineered Recording. Nach Hause tragen konnte Elvis den Musik-Oscar für die Best Sacred Performance des Jahres 1967.

Als Elvis Presley ab 1969 den Schwerpunkt seiner Karriere auf Konzerte legte, baute er den Titelsong seines 2. Gospel-Albums schon bald in sein Live-Repertoire ein. Für die Interpretation vom 20. März 1974 wurde er 1975 mit einem Grammy in der Kategorie Best Inspirational Performance (non classical) ausgezeichnet.

Gut in Form: Elvis im März 1974

Elvis Presley live im März 1974

Begleitet wurde er 1974 allerdings nicht mehr von den Jordanaires und den Imperials, sondern der Gospeltruppe The Stamps unter der Leitung von J.D. Sumner, der männlichen Gesangsgruppe Voice und den Mitgliedern der weiblichen Soulgruppe The Sweet Inspirations.

Die Band war 1974 auch nicht mehr dieselbe wie 1966: Elvis’ frühe Wegbegleiter, Gitarrist Scotty Moore und D.J. Fontana, sowie die Nashville-Studio-Musiker hatten ihre Plätze längst den inzwischen legendären Vertretern der TCB-Band überlassen.

Nur Tenor Sherrill Nielsen (1942-2010), ehemals Mitglied der Imperials, in den 1970ern bei Voice, ist in beiden Darbietungen mit von der Partie. Und so hörte sich der doppelte Grammy-Gewinner How Great Thou Art 1974 live an.

Audio: How Great Thou Art live 1974 – Elvis Recorded Live On Stage in Memphis (1974)

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